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Die extreme Linke, der Konservative, die extreme Rechte

27. Juli 2018

Der Konservative (und der Orgonom) lebt mehr oder weniger durch die Panzerung verzerrt aus seinem bioenergetischen Kern heraus, während der Linke keinerlei Kontakt zu seinem Kern hat und immer mehr in der sekundären Schicht versinkt. Ähnlich der Rechtsradikale, der zunehmend seinen stark verzerrten Kontakt zum Kern verliert und schließlich eine einzige Verkörperung der sekundären Schicht ist. Beispiele:

Die Linke und überhaupt das urbane Gesindel, das sich überall breitmacht, verlangt „Respekt“ als einforderbares Recht. Dabei ist Respekt etwas, was man sich durch Leistung und im menschlichen Umgang erarbeiten muß. Jeder kann von mir Rücksicht verlangen, Leben und Leben lassen, aber niemandem schulde ich Respekt, den er sich nicht in meinen Augen erworben hat!

Die Ablehnung aller Autorität ist im anti-autoritären Zeitalter (Konia) das Hauptmerkmal der Linken:

Sich selbst als einzige Autorität für sich selbst anzusehen – ja, letztendlich ist man sowieso in jedem Fall derjenige, der die letzte Entscheidung im eigenen Kopf fällt; aber der Linke weitet das aus und Autorität ist nicht mehr etwas, was man sich hart erarbeiten muß, sondern sie entspringt der eigenen kontaktlosen Selbstherrlichkeit. Man schaue sich nur in Universitären an wie Professoren, die die politische Korrektheit verletzen, von Studenten, die kaum die ersten Grundlagen ihres Faches verstanden haben, in die Schranken verwiesen werden. Anarchie und Verblödung fallen in eins!

Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes. Die Volkszugehörigkeit ist angeboren, kann aber auch, wie früher der erbliche Adelsstand, nachträglich erarbeitet werden. Beispielsweise werden Fremdenlegionäre nach einer gewissen Dienstzeit Franzosen. Linke hingegen schmeißen mit dem deutschen Paß nur so um sich, lösen das verbindliche Volk in eine unverbindliche „Be-Völkerung“ auf und haben Angst vor „Populismus“, gar „Faschismus“.

Das Recht ist für sie kodifiziertes Gutmenschentum. Für Konservative sind Rechte vor allem gottgegeben, naturgegeben, die Summe jahrhundertealten Rechtsempfindens.

„Rassismus“, wie immer er auch konkret ausgestaltet sein mag, ist den Rechtsextremen wesenseigen. Deshalb verweigern sie jedem, der „nicht dazugehört“ den Respekt. Autorität ist unhinterfragbar und der Staat reduziert sich auf blanke Gewalt, das Recht des Stärkeren (ob religiös verbrämt oder pseudo-wissenschaftlich untermauert).

Reich, Rambo und Eden

19. Juni 2016

Es gehört zum innersten Wesen des Orgonomischen Funktionalismus mit „paradigmenbrechenden Fakten“ zu arbeiten. Dergestalt hat Reich gearbeitet: die Wirklichkeit, die seinen Theorien widersprach, hat ihn gezwungen funktionell (d.h. an der Wirklichkeit orientiert) zu denken und sich jeweils vollkommen neu zu orientieren. So hat sich die Orgonomie entwickelt. Entsprechend habe auch mich bemüht Dingen offen gegenüberzutreten, die meiner Einstellung kraß entgegenlaufen. Beispielsweise war ich, als ich von den Boot Camps in Amerika hörte, einfach nur schockiert, entsetzt und angewidert. Doch als ich Fernsehberichte sah und Artikel darüber las, änderte sich meine Meinung grundlegend, zumal ich sie nachträglich mit meinen eigenen persönlichen Erfahrungen im „Boot Camp“ Bundeswehr abglich.

In Amerika gibt es ein Programm für jugendliche Straftäter: entweder geht’s für lange Zeit ins Gefängnis oder für ein paar Wochen in ein Millitärlager mit einer ultraharten Ausbildung, die darauf gerichtet ist den Rekruten physisch und psychisch bis an die Belastungsgrenze zu bringen und ihn danach neu aufzubauen. Teufelskreise werden aufgebrochen. Ich finde diese Art der Therapie sehr gut, denn sie richtet eine unordentliche, willensschwache Panzerung aus; macht aus impulsiven perversen Monstern, die keine Sekunde Triebstau aushalten können ohne Amok zu laufen, ordentliche in jedem Sinne sparsame Bürger. Und nur als solche haben sie überhaupt eine Chance langfristig einigermaßen gesund zu werden.

„Rambo“ ist ein typisches Produkt eines Bootcamps. Ich habe mich darüber in Die Kulturdebatte zwischen Freud und Reich heute ausgelassen.

Und ist es nicht tatsächlich so, daß vieles am jugendlichen Protestverhalten unbewußt darauf gerichtet ist: „Oh, bitte, steckt uns in ein Boot Camp!“? Über kurz oder lang werden sie sich sowieso freiwillig irgendwelchen Regimen unterwerfen, die ihnen ihre innere Unordnung meistern helfen. Seien dies nun links- oder rechtsradikale Kaderorganisationen, militärisch organisierte Gangsterbanden, Drückerkolonnen, mystische Sekten wie Scientology oder was auch immer. Früher fanden sich solche Leute in der Fremdenlegion. Beispielsweise waren auch die SA und die SS von derartigen „psychopathischen“ Typen durchsetzt.

Hierher gehören auch Süchtige, die ganz einfach keinerlei Frust ertragen und sofort zur Flasche, Pille oder Nadel greifen müssen. Was ihnen fehlt ist Zucht und Ordnung und nicht das liberale Geseiere vom „Recht zum Rausch“! Wenn ich das schon höre: „Sucht ist eine Krankheit“. Als in China die Kommunisten die Macht übernahmen, stellten sie die Opiumsüchtigen vor die Wahl: entweder clean werden oder an die Wand. Und, oh Wunder, über Nacht war das Drogenproblem gelöst und keiner mußte sterben. Heroinabhängige bleiben in der Hölle, weil sie sich einreden (und einreden lassen), daß der Entzug unerträglich sein wird. In Wirklichkeit ist er kaum schlimmer als eine Magendarm-Grippe, die wir schon alle mal durchmachen mußten. Oder mit anderen Worten: die gesamte Drogenpolitik ist ein Haufen Müll! Lügen, Lügen und nochmals Lügen!

Das ist das ganze Problem, daß niemand mehr Leid, Schmerz, Triebverzicht, etc. ertragen kann und alle der allgemeinen Pseudo-Reichianischen „neuen Weinerlichkeit“ folgen, die nur den Interessen der Reaktion dient. So vertiert der Mensch langsam wieder. Nach Nietzsche und Reich ist aber die Fähigkeit zur Selbstüberwindung das wichtigste am Menschen. Wie Reich in sein Tagebuch schrieb: „Ich liebe meine Liebe! Ich liebe mein Leidenkönnen, ohne zu flüchten! Was liegt daran? Das Leben entdeckt zu haben ist groß“ (Jenseits der Psychologie, S. 224).

Als ich zum Bund kam, war ich beunruhigt über mein eigenes vollkommen unmilitärisches Wesen, meine geradezu physische Unfähigkeit zu gehorchen, mich einzuordnen oder auch nur den Spint ordentlich zu halten. Ich wundere mich bis heute, daß ich keinen Offizier zusammengeschlagen habe. Umgekehrt war etwa A.S. Neill schockiert, als er erfuhr, daß sich seine Summerhill-Abgänger hervorragend in die britische Militärmaschinerie einordneten. Es ist so vollkommen „unreichianisch“, daß ungepanzertes Leben sich gut in eine Armee einordnen kann, während neurotische Krüppel wie ich (die voller Trotz und Protest stecken), in militärischer Hinsicht einfach nicht anpassungsfähig sind. (Was wiederum ein neues Licht auf Reichs späte Militärbegeisterung wirft, aber das ist ein anderes Thema…)

Mir geht es nicht darum nun Jugendgefängnisse (die ich im übrigen insbesondere aus rein sexualökonomischer Sicht für weitaus unmenschlicher halte als die schnell absolvierten Boot Camps) durch „Straflager“ zu ersetzen – mich reizt einfach das „Un-Reichianische“.

Ich habe mit der Frage angefangen, was funktionelles Denken ist. Wichtiger ist die Frage nach dem „funktionellen Leben“. Wie Jerome Eden ausgeführt hat, zwingt uns das Leben selbst dazu funktionell zu leben. Kümmern wir uns nicht um unseren Körper, finden wir keinen Partner und werden krank. Sorgen wir nicht für genügend Schlaf und Entspannung, werden wir unaufmerksam, werden wir verunglücken, vielleicht dabei sterben. Passen wir uns nicht den Gegebenheiten an, werden wir schlichtweg verhungern. Das Leben selbst ist ein Boot Camp! Brutaler und erbarmungsloser als jedes Militärlager.

Eden hat Anfang der 60er Jahre unsere bequeme Zivilisation verlassen, die uns ein falsches Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit gibt, uns tatsächlich aber innerlich aushöhlt und schwach macht. Er ist in das damals noch wilde Alaska, später in den amerikanischen Nordwesten gezogen, um dort wie die einstigen Pioniere zu leben. Warum nimmt man so etwas freiwillig auf sich? Weil man das zurückbekommt, was das kostbarste überhaupt ist: Kontakt zum Leben. Leben!

Siehe dazu das Interview mit ihm.