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nachrichtenbrief122

7. September 2018

Chronisches Erschöpfungssyndrom, Kopfschmerzen, Migräne

29. November 2015

Menschen, die an chronischem Erschöpfungssyndrom leiden, berichten von Problemen mit dem Sehen. 2013 konnten Claire Hutchinson und ihr Team von der University of Leicester zeigen, daß bereits einfachste Augenbewegungen auf sich nicht bewegende Ziele bei Leuten, die unter dem chronischen Erschöpfungssyndrom leiden, weniger genau sind als bei normalen Menschen und daß schon die Bewegung der Augen über kurze Zeitabschnitte zu einer Ermüdung der Augen führt. Außerdem hat dieser Personenkreis eine Reihe von Problemen bei der „visuellen Aufmerksamkeit“. Viele Patienten berichteten von Kopfschmerzen infolge von Lesen.

In ihrer neusten Studie konnten Hutchinson et al. nachweisen, daß Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom unter „visual system abnormalities“ leiden, was einen Durchbruch bei der schwierigen Diagnose dieser Krankheit sein könnte, die nur mit einigen Problemen und ständiger Unsicherheit dingfest gemacht werden kann. Mit der, in orgonomischen Begriffen, okularen Panzerung („eye movement difficulties“) der Patienten scheint man endlich ein eindeutiges und leicht nachweißbares Diagnosekriterium auf der Verhaltensebene gefunden zu haben.

Über Spannungskopfschmerz hat Elsworth F. Baker in Der Mensch in der Falle geschrieben, daß sie durch Panzerung im okularen und oralen Segment verursacht sein könne. Frontale Kopfschmerzen können dadurch entstehen, daß man aus Angst ständig die Augenbrauen hochzieht. Kopfschmerzen im Hinterkopf können durch eine Haltung entstehen, als hätte man ständig Angst „von hinten einen drauf zu kriegen“. Temporale Kopfschmerzen können dadurch entstehen, daß man Impulse im Kiefer zurückhält.

Reich fordert den Leser zum Selbstversuch auf: Die Nackenmuskulatur stark anspannen und man sieht, daß Hinterhauptschmerzen mit chronischen Nackenverspannungen zusammenhängen. Ängstlich nach oben gezogene Augenbrauen erzeugen Kopfschmerzen am Vorderhaupt (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 229).

In seinem Aufsatz „The Biopathic Diathesis: Headache“ (The Journal of Orgonomy, Vol. 8, No. 2, November 1974) legt Robert A. Dew dar, daß bei Spannungskopfschmerz die Erregung ziemlich frei den Rücken hinauf fließt. Diese unbehinderte Energie trifft dann auf den gepanzerten Kopf, was zu vaskulärem und Spannungskopfschmerz führt. „Man kann sich den Kopfschmerz so vorstellen, daß er mehr oder weniger direkt einer Behinderung des vor- und auswärts gerichteten energetischen Flusses (…) am Kopfende entstammt“ (S. 143). Dieser Mechanismus werde noch dadurch verstärkt, daß die Segmente unterhalb des Kopfes ebenfalls gepanzert sind, wodurch die Erregung zusätzlich aufgestaut wird und nicht im Genital abfließen kann:

Was Migräne betrifft schreibt Dew, sie könnte durch eine Erregung des Kopfendes verursacht sein, bei der die oberflächliche Panzerung überwältiget wird,

worauf der Patient mit einer akuten Kontraktion in den tiefen Strukturen des Kopfes reagiert, d.h. dem Gehirn und dem Gefäßsystem, was die Vorsymptome bzw. die Aura hervorruft. Die daran anschließenden Migräne-Kopfschmerzen scheinen einer reaktiven Parasympathikotonie zu entstammen. (S. 154)

Diese Abpanzerung des Gehirns bringt die Migräne in eine funktionelle Nähe zur Epilepsie und schließlich zur Schizophrenie. Um diese vier verschiedenen Erkrankungen, die im okularen Segment fundiert sind, orgonenergetisch einordnen zu können, hilft folgendes Diagramm nach Dew (S. 151):

Wer war Wilhelm Reich?

17. Mai 2015

Reich hat immer wieder unterstrichen, daß seine Lebensgeschichte durchaus nicht besonders oder auch nur bemerkenswert war. Auch seine Persönlichkeit kann uns ziemlich egal sein. Das einzige, was an diesem Mann interessant ist, sind seine Entdeckungen!

Er hat darauf bestanden, daß seine Theorien stets mit dem Namenszug „Wilhelm Reich“ verbreitet werden, da „Wilhelm Reich“ für etwas steht, nämlich die Orgasmustheorie.

Trotz allem Hype um den „Sex“ und seine gesundheitlichen Vorteile ist die moderne Wissenschaft von der Orgasmustheorie weiter entfernt als je. George Loewenstein (Carnegie Mellon University, Pittsburgh) et al. haben eine interessante Studie über den Zusammenhang von Geschlechtsverkehr und Glück veröffentlicht. Alle vorangegangenen Untersuchungen hatten gezeigt, daß Leute, die mehr Sex haben, glücklicher sind. Um diesen Zusammenhang direkt zu überprüfen, nahm das Team um Loewenstein zwei Gruppen von Paaren. Die eine Gruppe wurde gebeten, doppelt so oft Sex zu haben. Die mechanistischen Forscher nahmen an, daß diese Gruppe nach drei Monaten glücklicher sei, als die Gruppe, die normal weitergelebt hat. Zur Überraschung und Enttäuschung der Forscher, war das genaue Gegenteil der Fall: die Gruppe hatte weniger Spaß am Sex, wollte weniger davon und war dezidiert unglücklicher. Die etwas hilflose Erklärung der Mechanisten (Mechano-Mystizisten) ist charakteristischerweise psychologisch: der Druck durch die Anweisung der Wissenschaftler hätte sie belastet und ihnen jede Freude am Sex genommen. Niemand scheint auf die simple Idee zu kommen, daß Geschlechtsverkehr in erster Linie eine bioenergetische Funktion hat, die sich selbst reguliert.

Die Orgasmustheorie kann man am besten im Zusammenhang mit der psychoanalytischen Neurosentheorie erklären. Was passiert, wenn ein Mensch von seiner Neurose befreit ist und seine „Libido“, d.h. seine Sexualenergie, nicht mehr in Symptomen und „charakteristischen“ Manierismen gebunden ist? Die Antwort ist nur allzu naheliegend: sie entlädt sich in einem befriedigen Sexualleben, d.h. im Orgasmus.

Demnach ist ein unneurotischer Mensch ein „orgastisch potenter“ Mensch und Psychotherapie sollte in erster Linie „Orgasmustherapie“ sein. Therapie soll dem Patienten die innere Fähigkeit zu einem befriedigenden Sexualleben geben.

Das besondere an Reich war, daß er wirklich der einzige war, der die logische Schlußfolgerung aus Freuds Libidotheorie gezogen hat. Freud und seine Kollegen kultivierten ihr „Unbehagen in der Kultur“, während Reich die Kapazität hatte, ein befriedigendes Sexualleben zu führen und für eine freiere Gesellschaft zu kämpfen.

Am Ende seines Lebens bezeichnete sich Reich als „der Entdecker der Lebensenergie“. Er konnte diese entdecken, weil er einer Denkweise folgte, die er später als „energetischen Funktionalismus“ bzw. „orgonomischen Funktionalismus“ bezeichnet hat.

Er bezeichnete die Lebensenergie als „Orgon“, weil er sie im Verlauf der Erforschung der Funktion des Orgasmus bzw. der „orgastischen Plamazuckung“ entdeckt hatte und weil eine ihrer am Anfang herausstechenden Eigenschaften die Aufladung von organischen Materialien („Isolatoren“) war.

„Funktionalismus“ steht für die Fähigkeit in Übereinstimmung mit der Natur zu denken, mit der Natur sozusagen „mitzuschwingen“. Diese Befähigung ist ein Aspekt der orgastischen Potenz.

Wer war Wilhelm Reich? Er hat die Orgasmustheorie formuliert, das Orgon entdeckt und den orgonomischen Funktionalismus begründet! Alles andere ist nebensächlich.

Reichs Kriterium für Gesundheit ist die ungestörte Pulsation des Organismus, der Organsysteme, der einzelnen Organe, des Gewebes, der Zellen und der Organellen.

Kennzeichen einer ausgewogenen Pulsation ist insbesondere ein Gleichgewicht der Innervationen des Sympathikus und des Parasympathikus. Ein Überwiegen des Sympathikus ist funktionell identisch mit einem Kontraktionszustand, während ein überwiegen des Parasympathikus einer überkompensatorischen Expansionsreaktion auf diese zugrundeliegende Kontraktion bedeutet. So konnte Reich z.B. das Asthma erklären. Betrachtet man sich die einzelnen Innervationen isoliert, scheint keinerlei funktionelle Systematik zu bestehen, doch Reich betrachtete die Innervation vom Standpunkt der Expansion, bzw. Kontraktion des Gesamtorganismus her. So kann man Gesundheit direkt an der Verteilung der Innervationen ablesen: im leicht expansiven Ruhezustand ist die Iris zusammengezogen, der Mund ist feucht, das Herz schlägt langsam und der Verdauungstrakt arbeitet heftig; ist dieser Organismus Streß ausgesetzt, kommt es zu gegenteiligen Reaktionen. Beim kranken Organismus ist diese grundlegende Pulsation gestört: die Iris ist chronisch geweitet, während der Kranke z.B. unter einem ständig trockenen Mund leidet, Bradykardie und Verstopfung vorherrschen – der Organismus funktioniert nicht mehr „logisch“, sondern chaotisch.

Es ist bekannt, daß es eine direkte Korrelation zwischen dem ungestörten Pulsieren z.B. der Mitochondrien und ihrer Funktionsfähigkeit besteht. Weitaus offenkundiger, da zugänglicher ist dieser Zusammenhang z.B. beim Verdauungstrakt, dessen Funktionsfähigkeit praktisch mit seiner Fähigkeit zur ungestörten Pulsation identisch ist. Das besondere bei Reich ist nun, daß er diese Betrachtungsweise auf den Körper als ganzes anwendet und die pathogenetische Bedeutung chronisch verkrampfter Skeletmuskulatur aufgezeigt hat. Seit jeher sind etwa Haltungsschäden bekannt, die auf eine chronisch verkrampfte Rückenmuskulatur zurückgehen, doch Reich hat diesen Ansatz auf die gesamte Muskulatur des Menschen übertragen.

So läßt sich z.B. eine direkte Korrelation zwischen Verkrampfungen der Kopfmuskulatur und den verschiedensten Formen des Kopfschmerzes aufzeigen, der Migräne und weiter mit bestimmten Formen der Epilepsie und sogar psychotischen Erkrankungen. Selbst neurotische Störungen, wie etwa zwangsneurotische Symptome, lassen sich mit bestimmten Mustern von Muskelverspannungen korrelieren. Reich stellte fest, daß man in dieser Beziehung dem Volksmund durchaus vertrauen kann: ein psychisch „halsstarriger“ Mensch leidet tatsächlich unter einer chronisch verspannten Halsmuskulatur.

So kann man sagen, daß Gesundheit mit einem gesunden Muskeltonus korreliert, wobei es bei Muskelverkrampfungen stets ausschließlich um chronische Verkrampfungen geht: ein Mensch mit einer verkrampften „Denkerstirn“ braucht nicht krank zu sein, solange er in der Lage ist, diese unter den passenden Umständen zu entspannen. Gesundheit ist also nichts Statisches, d.h. daß ein gesunder Mensch auch vor Angst erstarren kann – ist die Gefahr vorüber, entspannt er sich wieder: er pulsiert; während ein kranker Mensch ständig ängstlich erstarrt ist oder überkompensierend ständig vor Wut kocht.

Ziel der Reichschen Therapie ist, diese Pulsationsstörungen aufzuheben. Zentraler Ansatzpunkt ist dabei die Wiederherstellung der physiologischen Atmung, dann das Herausarbeiten der Muskelverkrampfungen (ganz entsprechend dem psychoanalytischen „Bewußtmachen“) und ihre Lösung durch Verstärkung des Krampfes, so daß er sich klonisch lösen kann. Bei dieser Vorgehensweise stellte Reich fest, daß die Wiederherstellung der „groben“ Pulsationsfähigkeit auch auf die inneren Organe übergreift bis hinab auf die Zellebene.

Beim gesunden Menschen ist die Haut warm und gut durchblutet, der Körper ist entspannt und gleichzeitig elastisch aufgerichtet, das Gesicht ist „offen“ und entspannt, die Augen sind wach mit einem kontakt- und vertrauensvollen Ausdruck, die Irisreaktionen sind heftig, die Brust und das Zwerchfell sind passiv und aktiv frei beweglich, die Ausatmung ist vollständig und wird von einer kleinen Pause gefolgt, während die Einatmung ohne „Festzuhalten“ übergangslos in die Ausatmung übergeht.

Reich frägt, ob der Organismus in seiner Totalität gestört ist. In diesem Sinne kann ein Mensch mit einem gebrochenen Zeh oder einer vorübergehenden tiefen Verstimmung prinzipiell gesund sein, während ein Mensch der somatisch und psychisch keinerlei pathologischen Befund vorweist, aber z.B. nicht in der Lage ist, sich zu übergeben, wenn er den Finger in den Hals steckt, im Reichschen Sinne nicht gesund ist. Kriterium der Gesundheit ist das einheitliche, ganzheitliche harmonische Funktionieren des Gesamtorganismus. Durch vorübergehende mechanische Läsionen oder Infekte wird dieses Funktionsgefüge nicht gestört (vielmehr wird es eher noch angeregt, z.B. in der Immunreaktion), sehr wohl jedoch durch ein überhaupt nicht als krankhaft imponierendes verkrampftes Zwerchfell oder ein chronisch zurückgezogenes Becken. Langfristig führen solche Störungen des ganzheitlichen Funktionsgefüges zu lokalen Erkrankungen, etwa ein Magengeschwür, Hyperinsulinismus, Hämorriden oder Prostatakrebs. Erst hier setzt die heutige Medizin an, während Reich bereits dort anfängt, wo der Schaden noch nicht irreversibel ist.

Die Panzersegmente (Teil 5): Der Bauch- und Beckenpanzer

9. November 2014

Der Orgontherapeut und Internist Robert A. Dew hat in der Artikelserie „The Biopathic Diathesis“ (Journal of Orgonomy, 1968-1978) beschrieben, wie das Wechselspiel von sympathikotoner und vagotoner Erregung in den sieben Segmenten der Panzerung die folgenden Biopathien erzeugt: Skoliose, Muskelrheumatismus, Krebsmetastasen, Entzündungserkrankungen wie Ekzeme und Rhinitis, Spannungskopfschmerz und Migräne, Epilepsie und Schizophrenie, Parkinsonsche Krankheit, Myopie, Glaukom, Strabismus, Fettleibigkeit, Basedow, kardiale Arrhythmien, Bluthochdruck, Arteriosklerose, Asthma, Bronchitis, Diabetes, Hepatitis, Gallenstein, Nierenstein, Magen- und Darmgeschwüre, Verstopfung, sowie gut- und bösartige Unterleibsgeschwulste, Rheumatisches Fieber. Hinzu kommt die Gicht (Charles Konia: „The Gouty Diathesis“, Journal of Orgonomy, 18(2), November 1984, S. 172-182).

Ein Problem, das mit dem Bauchsegment zu tun hat, ist die Dickdarmentzündung, die in vielem dem Asthma entspricht. Der auslösende Mechanismus „ist eine Überreizung durch den Parasympathikus in dem Versuch, Angst zu überwinden“ (Der Mensch in der Falle, S. 292; siehe auch in Charles Konia: „Somatic Biopathies (Part 1)“, Journal of Orgonomy, 23(2), November 1989, S. 234-236).

Dew befaßt sich eingehender mit der Kolitis ulcerosa in seinem Artikel „The Biopathic Diathesis: Ulcerative Colitis“ (Journal of Orgonomy, 3(2), November 1969, S. 198-212). Zu den typischen Symptomen der Kolitis ulcerosa gehört durch parasympathische Innervation verursachte spastische Obstipation.

Über die chronische Verstopfung schreibt Elsworth F. Baker: „Chronische Sympathikotonie läßt eine Ausdehnung der Darmwände zu, während sie zugleich eine Verkrampfung der Afterschließmuskeln herbeiführt. Gewöhnlich entstehen mit der Zeit Hämorrhoiden“ ( Der Mensch in der Falle , S. 293). Reich erwähnt, daß „die chronische Obstipation einen überragend häufigen Hintergrund der Krebserkrankung des Darmtrakts“ bildet (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 275; siehe dazu auch Dews bereits erwähnten Artikel „The Biopathic Diathesis: Ulcerative Colitis“, S. 206-208).

Und über den vorderen Beckenapparat schreibt Reich beispielsweise:

Die Sperrung der biosexuellen Erregung in den Genitalien (…) geht mit einer muskulären Spannung der Beckenmuskulatur einher. Dies ist regelmäßig der Fall bei den Gebärmuttermuskelspasmen frigider und neurotischer Frauen. Menstruationsstörungen, menstruale Schmerzen, polypöse Wucherungen und Myome sind häufig Folgezustände solcher Spasmen. Der muskuläre Gebärmutterkrampf hat keine andere Funktion als die, die biosexuelle Energie nicht zur Empfindung an der Vaginalschleimhaut durchzulassen. (Der Krebs, Fischer TB, S. 172)

Baker schreibt zur Problematik der Menstruation in einer gepanzerten Gesellschaft:

[Fibrome und Eierstockzysten] sind die Folge eines expansiven Energiestoßes gegen die Kontraktion von Uterus und Ovarien, der eine Aufblähung der Gewebe verursacht. In solchen Fällen hat das Becken eine hohe Energieladung, aber der adäquate Ausdruck der Sexualität ist blockiert. Die Kontraktion ist erfolgt, damit die Sexualenergie sich nicht als vaginale Empfindung bemerkbar macht. Während der Menstruation führt dies zu schweren Verkrampfungen, die als Menstruationskrämpfe spürbar werden. Die emotional gesunde Frau hat keine Menstruationsschmerzen. (Der Mensch in der Falle , S. 293f)

2007 wurde Lybrel in den USA zugelassen. Die erste Anti-Babypille, die gleichzeitig die Monatsblutung komplett unterbindet! Zwei Drittel der Frauen würden wegen der mit ihr einhergehenden Beschwerden (Übelkeit, Stimmungsschwankungen) nur allzu gerne auf die Menstruation verzichten. Ohnehin:

21 kleine Pillen, sieben Tage Pause: Längst nicht mehr alle Frauen nehmen die Antibabypille auf diese Weise ein. Aus den unterschiedlichsten Gründen verzichten sie auf die siebentägige Pause und beginnen nach 21 Tagen direkt mit der nächsten Packung. Durch diesen Langzyklus verzichten sie über Monate und teilweise sogar Jahre hinweg auf ihre Monatsblutung. Ob das Durchnehmen der Pille dem Körper schaden kann? Nein, aus medizinischer Sicht spricht nichts dagegen.

Es läßt sich kaum ein besseres Beispiel für die mechanistische Lebensauffassung finden! Unter den Tisch fällt, daß die Menstruation eine Art von energetischer Entladung ist und daß „Monatsbeschwerden“ ein direkter Ausdruck von Beckenpanzerung und der damit einhergehenden Ablehnung des eigenen Frauseins sind. Es soll kein Blut mehr fließen, bedeutet letztendlich: es soll keine Orgonenergie mehr strömen. (Siehe dazu auch meinen Blogbeitrag über die Ejakulation.)

Man denke nur daran, daß es in Saharasia kein größeres Schrecknis als das Menstruationsblut gibt. In Guantanamo kann man mit roter Farbe „foltern“. Und in Nepal beispielsweise wurden menstruierende Frauen in Kuhställe gesperrt. Das Verfassungsgericht des hinduistisch-buddhistischen Landes ordnete an, den „Chhaupadi“ genannten Brauch gesetzlich zu verbieten.

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Die Panzersegmente (Teil 1): Der Augenpanzer

5. November 2014

Das Auge ist keine tote Kamera, wie wir im „Biologie“-Unterricht gelernt haben, sondern ein lebendiges Organ, dessen Funktionieren in jeder Hinsicht von Bewegung abhängt.

Der Neurologen Michele Rucci (University of Boston) zufolge stehen die Augen beim „Fixieren“ eines Objekts keineswegs still, sondern bewegen sich unwillkürlich hin und her. Werden diese Augenbewegungen in einer entsprechenden Versuchsanordnung kompensiert, kann der Proband feine Details schlechter wahrnehmen.

Sehen funktioniere nicht wie bei einer Kamera, mit der ein Bild aufgenommen und anschließend analysiert wird, sondern der eigentliche Prozeß des Schauens beeinflusse, was man sehe, erklärt Michele Rucci.

Leuten, die mit Pferden zu tun haben, wird Michael Geitners Methode der „Dual-Aktivierung“ ein Begriff sein. Mit ihr lassen sich Probleme wie Schreckhaftigkeit, Schwierigkeiten beim Verladen, Bewegungsschwächen und Taktfehler in den Griff bekommen. Geitner hat denkbar einfache Übungen entwickelt, die das Pferd dazu zwingen, Reize gleichzeitig mit beiden Augen zu verarbeiten und von beiden Seiten zu erfassen.

Diese Methode erinnert an EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) zur Behandlung des posttraumatischen Streßsyndroms beim Menschen. Beim EMDR folgt, ähnlich wie in der klassischen Orgontherapie, der Blick des Patienten dem Finger des Arztes, der vor seinen Augen hin und her geführt wird, während der Patient die auslösende Situation seines Traumas innerlich visualisiert. In der Orgontherapie wird zur weiteren Stimulierung des Augensegments eine Penlight-Taschenlampe benutzt.

In einem ganz anderen Zusammenhang kann man Augenpanzerung bei Hunden beobachten. Hunde sind uns gewisserweise näher als unsere nahsten genetischen Verwandten, die Schimpansen. Hunde können nämlich unseren Gesichtsausdruck weit besser deuten als jeder Menschenaffe.

Seit geraumer Zeit ist der Golden Retriever „Modehund“. Um die ungeheure Nachfrage zu decken, nimmt man es mit der Zucht nicht so genau, so daß vermehrt die Produkte von Inzucht auf den Markt kommen. Ein Kennzeichen der Inzucht sind neben körperlicher Krankheitsanfälligkeit psychische Auffälligkeiten, insbesondere die sogenannte „Retriever-Wut“, die man auch als “Mental lapse syndrome“ bezeichnet. In einem entsprechenden Forum heißt es dazu:

Die Sudden Onset Aggression äußert sich in plötzlicher und unvorhersehbarer anfallsartiger Aggression. Das Verhalten tritt völlig unprovoziert und unkontrollierbar auf. Die Hunde machen dabei einen abwesenden Eindruck und greifen Personen (…) an. Dabei erscheinen die Augen des Tieres häufig glasig und die Pupillen sind weit dilatiert.

Es ist extrem wichtig, ein Gefühl für okulare Panzerung zu gewinnen, da groteskerweise ausgerechnet sogenannte „Reichianer“ ganz besonders darunter leiden. Das liegt daran, daß in den sogenannten „Körperpsychotherapien“ oder gar „Körpertherapien“ die Panzerung des Augensegments vernachlässigt wird.

Resultat sind dann Menschen, deren Stirn unbeweglich ist und die, was besonders gruselig wirkt, kaum die Augenlider bewegen. Einer der lebensnotwendigen Grundreflexe!

Durch Zufall bin ich auf folgendes Video gestoßen. Eine interne Werbesendung der Sekte „Scientology“. Was dort gesagt wird, ist vollkommen gleichgültig (es geht um die Mobilisierung der Mitglieder). Wichtig sind nur die starren Augen. Es wirkt so, als wären diese Leute in einer ständigen Hypnose.

Dieser Ausdruck erinnert mich an die „Sehmänner“, wenn sie, lange vor dem Video- und schließlich Internetzeitalter, die Sexkinos und Sexshows auf Sankt Pauli verließen. Sie hatten genau den gleichen „Energiestau“ in den Augen, den gleichen Ausdruck. Es war sogar exakt das gleiche stagnierte und „schmutzige“ Gefühl, das ihr Augensegment vermittelte: DOR!

Hier ein weiteres Video, das Scientologen zeigt, bei denen diese „schmutzige“ okulare Panzerung extrem ausgeprägt ist. Interessanterweise sind sie auch voller schmutziger Gedanken:

Das traurige dabei ist, daß wir alle bis zu einem gewissen Grade an dieser Panzerung leiden. Der erste Schritt zur Freiheit besteht darin, sich dessen in sich selbst und bei seinen Mitmenschen bewußt zu werden. Kontakt!

Wie sich diese Panzerung von innen her anfühlt, beschreibt eine Frau, nachdem sie sich von Scientology befreien konnte, wie folgt:

Mir kommt es vor, als hätte ich bisher alles durch eine geriffelte Milchglasscheibe wahrgenommen, die sich plötzlich beiseite schiebt, was ich erst jetzt bemerke, wo sie verschwindet. Ich muß meinen Kopf richtig schütteln, aber es bleibt, wie es ist. Ich bin so verwundert, daß ich mich richtig umschauen muß. Alles ist wie vorher, und doch sieht auf einmal alles anders aus – klarer, deutlicher. Was war denn bloß los? Auch mein ganzer Körper fühlt sich anders an, konkreter, leichter, besser. (Anonymus: Entkommen. Eine Ex-Scientologin erzählt, Reinbek bei Hamburg 1993, S. 187)

Wir alle leben in einem derartigen depersonalisierten Trancezustand, in solch einer Nebelwelt, mit fremden, tauben, schweren Körpern. Es ist die gepanzerte, die kontaktlose Welt.

Seit einigen Jahren spritzen Schönheitschirurgen das altbekannte Nervengift Botulinus, um Gesichtsmuskeln lahmzulegen und auf diese Weise Falten zu beseitigen. Als willkommener Nebeneffekt stellte sich ein, daß bei den Klientinnen Kopfschmerzen verschwanden. Selbst bei hoffnungslosen Fällen von Migräne half das Botulinustoxin („Botox“). Die direkte Wirkung hält nur wenige Monate an, dann sind die neuro-muskulären Endplatten wieder toxinfrei und die Muskeln verkrampfen erneut, aber auch danach kehrten die Kopfschmerzen nicht oder nur in einem geringeren Umfang zurück.

In den letzten Jahren haben sich Forschungsergebnisse akkumuliert, die diese anekdotischen Berichte bestätigt haben. Seit 2011 wird Botox offiziell als Mittel gegen Migräne eingesetzt. Siehe dazu den Stern-Artikel mit der Überschrift „Bakteriengift löst verkrampfte Muskeln“.

Die New York Times meinte bereits 2003, es sei vielleicht übertrieben Botox, das ja auch ein von Bakterien stammendes Naturprodukt ist, als „das Penizillin des 21. Jahrhunderts“ zu bezeichnen, aber immerhin sei es denkbar breit einsetzbar: z.B. bei Gesichtszuckungen, Stottern, um Patienten mit verkrampften Stimmbändern ihre Stimme zurückzugeben, Tennisellenbogen, Karpaltunnel-Syndrom, Schreibkrampf; im Magenbereich zur Bekämpfung von Fettsucht und Geschwüren, Schmerzen im unteren Rückenbereich, Inkontinenz, Vaginismus; bei Lähmungen nach einem Schlaganfall und bei Klumpfüßen von Neugeborenen.

Tatsächlich ist Botox eine zweischneidige Sache.

Erstens bestätigt es erneut Reichs Theorie, daß emotionale und psychosomatische Störungen, etwa die Migräne, auf chronische Muskelverspannungen zurückgehen, die wir nicht willkürlich steuern können, sondern denen wir (ohne die Hilfe eines Orgontherapeuten) auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind.

Andererseits zeigt der Schutzmechanismus Panzerung, daß wir einen funktionierenden Energieapparat haben. Im Endstadium der Krebserkrankung, die durch eine energetische Schrumpfung gekennzeichnet ist, und ganz allgemein beim Sterbensprozeß, hört die Energieproduktion auf und entsprechend löst sich auch unsere Panzerung auf. (Siehe dazu Reichs Der Krebs.) Gleichzeitig sind die Patienten bemerkenswert gelassen und angstfrei. Das, was sich auf den ersten Blick positiv anhört, ist eine Tragödie, denn sie bedeutet, daß das Leben in uns erstirbt: Tote haben keine Panzerung.

Wenn man sich die leeren, bewegungslosen, puppenhaften Gesichter von Hollywoodstars (angebliche Schauspieler!) und neuerdings sogar von Politikern anschaut, – es sind Totenmasken. Dort wo die Muskeln sich nicht mehr bewegen können, gibt es auch keine Emotionen mehr. Das Ende ist nahe, die Zombies übernehmen die Weltherrschaft!

Es gibt einen ganzen Kulturbereich, in der erstarrte Gesichtszüge seit jeher gang und gäbe sind:

In Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie habe ich kurz Hans Hass‚ „Expedition zum Menschentier“ beschrieben. Dabei stellte sich heraus, daß, je nachdem es sich um mehr oder weniger „wilde“ (bzw. „indigene“), domestizierte oder „verwestlichte“ Menschentiere handelt, insbesondere der Gesichtsausdruck signifikant unterschiedlich ist: ungepanzert und offen (wie in indigenen Gesellschaften), gepanzert und erstarrt (wie in den asiatischen Gesellschaften) oder gepanzert und manipulativ (wie in den „aufgeklärten“ westlichen Gesellschaften).

Ein internationales Psychologen-Team um Takahiko Masuda (University of Alberta, Edmonton) zeigte japanischen und amerikanischen Testpersonen Darstellungen von Gesichtern, die diese am Computer so manipulieren konnten, daß die Münder und die Augen unterschiedliche Gefühle ausdrückten. Dabei stellte sich heraus, daß für die Japaner der Augenausdruck, für die Amerikaner die Mundstellung das entscheidende Kriterium für den Gefühlsausdruck ist.

Der kulturelle Unterschied wird etwa anhand der „Emoticons“ deutlich: in Japan schreibt man nicht, wie auf der linken, sondern wie auf der rechten Seite:

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Takahiko Masudas Studien wurden durch Ryo Oda vom japanischen Nagoya Institute of Technology bestätigt.

Er fand mit Hilfe des so genannten „Vertrauensspiels“, daß unsoziale Einstellungen unmittelbar an der Mimik ablesbar sind. Bei Paaren von Probanden trat einer als Verteiler auf, dessen Aufgabe darin bestand, einen bestimmten Geldbetrag zwischen sich und seinem Partner aufzuteilen. Der Empfänger hatte die Option, das Spiel abzubrechen, wenn er kein Vertrauen in den Verteiler hatte. In diesem Fall erhielt der Empfänger vom neutralen Spielleiter einen relativ geringen Fixbetrag.

Oda hatte vorher per psychologischer Tests fünf reine Egoisten und fünf reine Altruisten ausgesucht, die als Verteiler agieren sollten, während 40 Studenten als Empfänger fungierten. Vor dem Spiel schauten sich die Studenten ein tonloses Video an, in dem sich die Verteiler vorstellten.

Im Schnitt brachten die Studenten den Altruisten mehr Vertrauen entgegen. Die beiden gegensätzlichen Charaktereigenschaften waren also an der Mimik erkennbar.

Oda hat (…) herausgefunden, daß freundlich gestimmte Altruisten öfter das Duchenne-Lächeln im Gesicht tragen. Dabei handelt es sich um das Gegenstück zum affektierten „Cheese!“ – ein natürliches, willentlich kaum kontrollierbares Lächeln, das eben nicht nur die Mundregion betrifft, sondern auch die Augen. Das könnte zumindest ein Anhaltspunkt sein, anhand dessen wir selbstlose und selbstsüchtige Menschen unterscheiden, vermutet Oda.

Asiaten haben die kulturspezifische Eigenheit, daß sie beim Interpretieren von Gesichtsausdrücken einseitig auf die Augen fixiert sind, weshalb es ihnen Schwierigkeiten bereitet emotionale Ausdrücke korrekt zuzuordnen. In den Augen ähneln sich die Ausdrücke für Angst und Überraschung sowie Ekel und Ärger so stark, daß Asiaten sie immer wieder verwechseln. Europäer hingegen haben keine Schwierigkeiten die unterschiedlichen Emotionen auseinanderzuhalten, weil sie ihren Blick gleichmäßig über das gesamte Gesicht schweifen lassen.

Eine dramatische visuelle Reaktion auf Angst (Teil 2)

2. November 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Peter A. Crist: Eine dramatische visuelle Reaktion auf Angst (Teil 2)

acologo

Von der Energiemedizin zur Orgontherapie

8. September 2013

Von manchen „Reichianern“ wird gerne so getan, als sei die Reichsche Orgontherapie (psychiatrisch, medizinisch, mit dem Akkumulator und dem Medical DOR Buster) unspezifisch und es bedürfe eines Rückgriffs beispielsweise auf die chinesische Akupunktur, um zu einer wirklichen „Energiemedizin“ durchzudringen. Hat doch die Traditionelle Chinesische Medizin die „Meridiane“, die den Energiefluß im menschlichen Körper bis in die kleinsten Verästelungen beschreiben („Leitbahnen“).

Mich fasziniert dieses Thema, weil seit Mitte der 1970er Jahre ausgerechnet die Akupunktur als ein Beleg für die Existenz der Orgonenergie vorgebracht wurde. Die Meridiane sollten dazu dienen, den Fluß der Orgonenergie im Körper genauer zu beschreiben, als es Reich vermochte. Diese Leute sprachen sogar von „Himmelsakupunktur“, wenn es um Reichs Cloudbusting ging.

Dazu ist zu sagen, daß die Sache mit den Meridianen eine Mär ist. Die Traditionelle Chinesische Medizin ist ein Maoistisches und westliches Kunstprodukt. Tatsächlich hatte jede Provinz und jede Meisterschule ihr eigenes System. Zu glauben, daß ausgerechnet eines dieser zahllosen Systeme oder gar das heute „offizielle“ System irgendeine bioenergetische Bedeutung hat, zeugt von einer Naivität, die betroffen macht.

Seit einigen Jahren belegen wissenschaftliche Studien, daß erstens Akupunktur wirkt und das teilweise sogar besser als die westliche Medizin und das auch noch ohne Nebenwirkungen – und zweitens ist es vollkommen gleichgültig, wo die Nadel reingesteckt wird. Jahrelanges Pauken der Meridiane für die Katz! Oder vielleicht doch nicht, denn das ganze quasi schamanistische Brimborium, einschließlich der subjektiven Überzeugung des Akupunkteurs, daß es auf Millimeter ankommt, scheint ganz entscheidend für das Eintreten des Placeboeffekts zu sein.

Egal wo man die Nadeln auch reinsteckt, steht doch fest, daß die Akupunktur bei unterschiedlichen Arten von Kopfschmerzen wirkt. Nun hat der italienische Forscher Francesco Cerritelli von der Italienischen Ostheopathischen Akademie in Pescara zusammen mit seinen Kollegen nachweisen können, daß sich die Beschwerden von Migräne-Patienten auch mittels Osteopathie positiv beeinflussen lassen.

Dazu wurden 105 Migränepatienten in drei Gruppen aufgeteilt: die erste Gruppe erhielt die übliche schulmedizinische Behandlung mit Medikamenten, der zweiten wurden zusätzlich acht Sitzungen beim Osteopathen zuteil, mit einem speziell für Migräne entwickelten Programm, die dritte bekam zusätzliche eine unspezifische Art Massage.

Nach einem halben Jahr wurden die Behandlungsergebnisse mit Hilfe des Headache Impact Test (HIT-6) kontrolliert. In der schulmedizinischen Kontrollgruppe war der HIT-6-Wert um mehr als 2 Punkte angestiegen. In der Gruppe mit der Scheinbehandlung (unspezifische Massage) war er konstant geblieben und in der osteopathischen Gruppe um 6 Punkte gefallen. Die Unterschiede zu den beiden ersten Gruppen war jeweils statistisch signifikant (DBP- Der Neurologe & Psychiater, Juli/August 2013).

Osteopathie kommt der medizinischen Orgontherapie ziemlich nahe:

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=mgP7ZrEH1W4%5D

Tod und Erlösung (Teil 2)

10. Oktober 2012

Beim Töten von Versuchsmäusen mittels Äther hat Reich ein quasi „orgastisches“ Geschehen beobachtet:

Zuerst versucht sich der Organismus gegen das Gift durch erhöhte motorische Tätigkeit zu wehren. Die Maus sinkt rasch atmend um. Die Atmung wird unregelmäßig und setzt schließlich aus. Doch der Tod ist noch nicht eingetreten. Es treten bei Nichtatmung Zuckungen des Gesamtkörpers auf. Es sind Entladungen der elektrischen Energie des Körpers. Eine neuerliche Aufladung bleibt aus, da die Atmung oder auch die Verbrennung nicht mehr funktionieren. Die Zuckungen verebben, und manchmal schlägt das Herz noch eine Weile weiter. So erlischt eine Funktion nach der anderen. (Die Bionexperimente, Frankfurt 1995, S. 115)

Das Sterben des Organismus selbst ist von einer scharfen Muskelkontraktur (…) begleitet (…). (Der Krebs, Fischer TB, S. 258)

Axel Petermann, dienstältester Profiler Deutschlands, beschreibt den Erstickungstod, etwa mit einem Kissen, das auf das Gesicht des Opfers gedrückt wird:

Auch wenn das Opfer weiblich, klein und zierlich sei, der Täter hingegen männlich, groß und stark, entwickle das Opfer im Angesicht des Todes übermenschliche Kräfte. „Irgendwann wird das Opfer zwar bewußtlos, aber der Kampf des Körpers gegen den Tod geht weiter. Mit Eintritt der Bewußtlosigkeit beginnen automatisch die konvulsivischen Spasmen, die den ganzen Körper zucken und verkrampfen lassen, wieder abebben, nach 30 Sekunden erneut einsetzen und wieder nachlassen. Acht bis zehnmal geschieht dies periodisch, bis der Mensch tot ist. Hört der Täter vorzeitig auf, erwacht das Opfer aus der Bewußtlosigkeit.“ (General-Anzeiger, 22. Mai 2012)

Todesangst und sexuelle Lust schließen sich nicht unbedingt aus. Die anfänglichen Gefühle im Solar Plexus sind identisch. 1927 schrieb Reich z.B.: „Auch beim Schaukeln, im rasch abwärts fahrenden Lift, im talwärts rasenden Auto, bei steiler Schußfahrt auf Skiern verspürt man am Herzen und am Genitale Empfindungen, die angst- und lustbetont zugleich sind“ (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 48). Man vergleiche dies auch mit Reichs späteren Erläuterungen in Der Krebs über die „Fallangst“ bei einem Kind, mit dem das doch eher lustbetonte freudige Hochheben und Fallenlassen gespielt wurde.

Nicht nur Achterbahnen, sondern auch Scheußlichkeiten aller Art, z.B. Hinrichtungen, waren stets ein Publikumsmagnet. Hierher gehört die Lust an Horrorfilmen, der lustvoll erlebte Nervenkitzel des Grauens – der in Filmen wie Basic Instinct offen mit Sex verknüpft wird. Ein anderes Beispiel sind jene Frauen, die Mörder und Sexualstraftäter heiraten. Für sie macht grade die Mordtat diese Männer so unglaublich sexy: „der Tod wird zum Orgasmus, zum Höhepunkt, zum Kick“ (Spiegel, 36/91, S. 284).

Ich schreibe das im IC. Vor mir im Großraumwagen sitzen drei jungen Frauen, die mit offensichtlicher „Spannung“ und Erregung Kriminalromane lesen, in denen es fast immer um „Lustmorde“ an Frauen geht.

Was „Tod und Orgasmus“ anbelangt, ist Reichs Erforschung der Epilepsie besonders interessant. Für Reich ist der epileptische Krampfanfall eine „echte extragenitale orgastische Konvulsion“ (Christusmord, Freiburg 1978, S. 223). Er verweist dabei auf die subjektive Beschreibung dieses extragenitalen Orgasmus durch den Epileptiker Dostojewskij, der den Anfall als die „höchste Synthese des Lebens“ beschreibt; „für diesen Moment kann man sein ganzes Leben hingeben“ (Der Idiot, dtv 1979, S. 297f). Die Anfälle sind manchmal mit intensiven Deja-Vu-Erlebnissen verbunden, was für uns interessant ist, weil Nietzsche mit seiner extremen Migräne unter ähnlichen Anfällen zu leiden schien. Vielleicht war ja dieses Empfinden, etwas schon mal gesehen zu haben, der Ursprung seiner Vorstellung der „ewigen Wiederkehr des Gleichen“. Dies legt jedenfalls die Lektüre seiner Einführung des Gedankens der Ewigen Wiederkehr in Also sprach Zarathustra („Vom Gesicht und Rätsel“) unmittelbar nahe.

Reich selbst hat die „letzte und auf ewig unbeantwortbare Frage“ über das „Leben nach dem Tode“ wie folgt beantwortet:

Der sterbende Organismus verliert seine biologische Energie; zuerst schrumpft das Orgonenergiefeld um den Organismus herum ein, dann folgt der Orgonverlust in den Geweben. Wir müssen daher die Volksmeinung ernst nehmen, die sich durch den Satz ausdrückt, daß man im Sterben seine „Seele aufgebe“. Die „Seele“ wird nicht, wie der Mystizismus glaubt, nun geformt zusammengehalten, um als „Geist“ im Raum zu schweben und Körper neu zu beleben; aber es ist richtig, daß die Orgonladung des Organismus die Lebensempfindungen begründet und daß mit Abnahme der Orgonladung die Lebensempfindungen schwächer werden. (Der Krebs, S. 258)

Und an anderer Stelle:

Es ist das Strahlen der Lebenskraft, das auch nach dem Tode des Körpers weiterbesteht. Es ist das Strahlen der Seele, das nach dem Tode jedoch nicht als klare Gestalt weiterbesteht, sondern sich im endlosen kosmischen Ozean, dem „Reich Gottes“, aus dem es einst kam, auflöst. (Christusmord, S. 268)

Es kann keinen Fall ins Nichts geben, da es in den orgonometrischen Kalkulationen keine Null gibt. Eine komplementäre Perspektive wäre die Sicht von den Bionen her, die als kleinste Einheiten des Lebens schlechtweg unzerstörbar sind: weil sie ja durch Zerstörung, etwa das Kochen von organischem Gewebe, entstehen. Das Leben ist unzerstörbar und ewig wie Gott. Erst recht ist die in den Bionen pulsierende kosmische Orgonenergie unsterblich, in der letztendlich unser Bewußtsein gründet.

Reichs orgonomische Analyse des Orgonenergie-Feldes des Schizophrenen verweist auf eine fast spiritistische Betrachtung des Todes. Das organismische Energiefeld ist eng mit Gehirn und Bewußtsein verknüpft (wie z.B. die „Energiearbeit“ mit Imagination im chinesischen Qigong zeigt), darüber hinaus ist die orgonotische Wahrnehmungsfunktion auch außerhalb des Körpers tätig („Sechster Sinn“) und sein Orgonenergie-Feld tritt dem Schizophrenen sogar als „Doppel“ entgegen (vgl. Charakteranalyse, KiWi, S. 611-614). Entsprechend können Magnetiseure durch mesmerische „Strichbehandlung“ die Aura aus dem Körper lösen, die dann im blaubeleuchteten Dunkelraum als sichtbares „Fluidal“ oder „Doppel“ neben das Medium tritt. Dies gelingt aber nur unter „orgonomischen“ Voraussetzungen: „kein feuchtes Wetter, kein zu hoher Luftdruck, keine Gewitternähe“ (Lars Jörgenson: Ein Überblick über die Grauzone der Wissenschaft, Berlin 1990, S. 240). Es kommt dabei zu subjektiven Empfindungen, wie sie auch Sterbende berichten.

So gesehen widerspricht die Vorstellung eines „energetischen Überlebens“ des körperlichen Todes durchaus nicht der Wissenschaft Orgonomie. Warum sollte das Orgonenergie-Feld nach dem Tode nicht als einigermaßen festumrissene Gestalt weiterbestehen? Theoretisch paßt wohl die Vorstellung einer „unsterblichen Seele“ nicht in eine Welt, die vom ständigen Energiemetabolismus geprägt ist, aber warum sollte besagte „Gestalt“ nicht bald nach dem körperlichen Tod ebenfalls „sterben“? Auf jeden Fall ist nach Reich jede Vorstellung einer Autonomie des Seelischen Mystizismus (Äther, Gott und Teufel, S. 95f).