Posts Tagged ‘Über-Ich’

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 120)

27. März 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Bei Hal Cohen (A Secret History of the Sexual Revolution: The Repression of Wilhelm Reich. Lingua franca, March 1999, S. 24-33) findet sich ein leichter Anklang an Stirner, der ansonsten leicht übersehen wird:

Im Zentrum von Reichs durch ständige Ortswechsel geprägte Karriere steht eine ehrwürdige, wenn auch unzeitgemäße Überzeugung: Unter dem Mantel gesellschaftlicher Konventionen verbirgt sich ein natürliches, instinktives Selbst, und die Befreiung der Energien dieses Selbst von der Unterdrückung durch die Gesellschaft ist der einzige Weg zu psychischer Gesundheit, politischer Gerechtigkeit und geistigem Wohlbefinden. Dieser Gedanke findet heute nur wenige ernsthafte Anhänger. Innerhalb der Akademie verhöhnen die Nachfahren des französischen Poststrukturalismus die Idee eines natürlichen Selbst, während außerhalb der Akademie die konventionelle Weisheit die Tugenden der Unterdrückung wiederentdeckt hat.

Es war und ist in dieser Welt kein Platz für den Eigner seiner selbst, den Einzigen, er muß von inkorporierten Hierarchien, dem Über-Ich, der Panzerung gezähmt und kontrolliert werden.

Dies zeigt die verborgene funktionelle Anziehung zwischen linken poststrukturalistischen „Philosophen“, die als pseudoliberale Charaktere den Kontakt zum Kern völlig verloren haben (z.B. Cohen), und dem reaktionären kleinen Mann, der diesen Kern behandelt, als sei dieser der Teufel selbst.

Cohens Essay ist ein perfekter Ausdruck dieses sado-masochistischen Weltbildes. Cohen ist einer derjenigen, denen Reich in psychoanalytischen und kommunistischen Kreisen begegnete. Es hat sich in dieser Hinsicht seit den 1920er und 30er Jahren nichts geändert!

Peter liest die Laska/Schmitz-Korrespondenz (Teil 3)

26. März 2024

Bernd Laska sagt: „(W)as kümmert mich, der ich nicht ‚Gott‘ bin, das Schicksal der Menschheit“ (S. 117). Ähhh, weil ich ICH bin? Ich bin perspektivisch immer im Zentrum der Welt. Ihre Tiefe macht mich aus, was jeder schmerzlich am eigenen Leib erfährt, der in Isolationshaft irgendwo in einem Kellerloch sitzt. Und was das „Schicksal“ dieser Welt betrifft: Ich bin nichts anderes als Spannung! Teil eines Spannungsbogens, der von der Vergangenheit in die Zukunft reicht. Weshalb würde ich sonst diesen Blog oder irgendwas betreiben, wenn ich nicht etwas vollende, dessen Keim in der Vergangenheit gelegt wurde und ich versuche einen Keim für die Zukunft zu legen? Seit der ersten Amöbe beruht darauf das Leben: die „Keimbahn“. Ohne die Tiefe und ohne die Spannung macht es gar keinen Sinn von „ich“, „Eigner“ oder „Selbst“ zu sprechen. Und das Schreckliche ist, daß wenn ich mir die junge Generation anschaue, ihr jedwede Tiefe und jedwede Spannung abgeht. Es ist tatsächlich nicht wichtig Bismark auf einer Landkarte ungefähr verorten zu können oder zu wissen, wann Bismarck ungefähr gelebt hat (das sage ich ohne Ironie!), aber wenn man sich gar nicht verorten kann und auch kein Interesse „an Raum und Zeit“ zeigt, dann ist jedes Gerede von Selbstinteresse gegenstandlos: Es ist schlichtweg „niemand zuhause“!

Dagegen setzt Laska den „‘tierisch‘ verankerten Lebenswillen“ und das „rationale Über-Ich“. Dadurch käme „ein wirklich solider (sich nicht durch z.B. suizidalen oder masochistischen Opferwillen manifestierender) unbedingter Ernst in die Welt (…), ebenso wie eine solide Verankerung des individuellen Lebens im Hier und Jetzt (und nicht in einer starren ‚Identität‘ aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Wahngemeinschaft) und ein vom rationalen Über-Ich assistiertes Leben (ohne Suche nach Sinn, sondern) mit unverlierbarem Sinn“ (S. 123f).

Lassen wir dazu Schmitz ausführlich zu Worte kommen:

Wir teilen die Sorge um das glänzende Elend eines Zeitgeistes, der die Menschheit in ziellos betriebsamer Vernetzung verstrickt, so daß sich die Stricke um die Gestaltungskraft lähmend zusammenziehen und kein großes, leidenschaftlich erfüllendes Wollen mehr durchlassen. Wir trennen uns im Durchblick durch diese Sorge auf hoffnungsvollere Möglichkeiten. (…) Die Radikalisierung, die wir beide der Aufklärung wünschen, besteht für Sie (…) in einer Engführung, auf dem im 18. Jahrhundert schon eingeschlagenen Weg mit mehr Courage und weniger Halbherzigkeit energisch fortzuschreiten, für mich dagegen in einer Verbreiterung und Vertiefung zur Wurzel (radix) der Philosophie hin, die nach meiner Definition das Sichbesinnen des Menschen auf sein Sichfinden in seiner Umgebung ist. Dieses Sichbesinnen war nach meinem Dafürhalten bei den modernen Aufklärern von Anfang an doppelt verkürzt: durch das Erbe des Christentums mit Zersetzung implantierender Situationen, autistischer und dynamistischer Verfehlung [damit meint Schmitz das Loslösen vom Weltzusammenhang, PN], und durch die (schon antike) Abspaltung einer vermeintlich autonomen Vernunft von der Autorität der Gefühle in leiblich-affektivem Betroffensein. (S. 122)

Man sieht, daß beide, Laska und Schmitz, der Orgonomie nahekommen und trotzdem ständig aneinander vorbeireden, weil Laska im „Hier und Jetzt“ gefangen bleibt und Schmitz partout Laskas Begriff von Rationalität nicht begreifen will bzw. kann, weil er in der Philosophiegeschichte sozusagen gefangen ist und nicht zu den bioenergetischen Wurzeln durchdringen kann, trotz allem „leiblich-affektivem Betroffenseins“. Wenn er etwa einwendet, daß alles „personale Erleben und Verhalten“ tierisch verankert ist (S. 125), sieht man, daß er von Panzerung nicht den Hauch einer Ahnung hat. Das Problem ist aber auch, daß Laska nicht als sozusagen „konkretistischer“ „Reichianische Sektierer“ dastehen will und deshalb auf einer Abstraktionsebene argumentiert, die den Knackpunkt, den Unterschied zwischen dem Reichschen „Menschentier“ und dem „Maschinenmenschen“ dem ahnungslosen Schmitz gar nicht nahebringen kann.

Der Knackpunkt zeigt sich, wenn Schmitz ausführt, er halte die Annahme „für verhängnisvoll (…), daß es eine konfliktfreie Entfaltung einer gesunden reinen Menschennatur geben könne, sofern nur schädigende Einflüsse der Gesellschaft ferngehalten werden und eine stützende, nicht hemmende Führung geboten wird“. Das sei eine „anthropologische Illusion“ (S. 118), aus der „emotionale Krüppel“ (S. 119) hervorgehen würden. Die „Krüppel“ sind die Ungepanzerten, die nicht wie Roboter in ihrer rostigen Ritterrüstung rumstaken…

Schmitz Bezug auf das „Leiblich-Affektive“ ist letztendlich nur Gerede, ohne jedes wirkliche bioenergetische Fundament, da er, wie gesagt, keine Ahnung von der Panzerung und ihren Wirkungen hat, während Laskas, wenn man so sagen kann, „tierische Solidität“ in der Luft hängt, also ganz und gar nicht „solide“ ist, wie ich anfangs erläutert habe.

Peter liest die Laska/Schmitz-Korrespondenz (Teil 2)

25. März 2024

Hermann Schmitz schreibt allen Ernstes: „Von Autonomie halte ich überhaupt nicht viel; ich setze an ihre Stelle eine Autokritik der Vernunft“ (S. 73). Man fühlt sich unmittelbar an die Maoisten und ihre „Selbstkritik“ erinnert! Die Hemmung durch „implantierende Situationen“ können „von großem Nutzen sein, um sich (…) zurechtzufinden. Aus dem ‚Charakterpanzer‘, den Sie (Laska) negativ werten, können Flügel werden, es kommt nur darauf an, was der Mensch daraus macht“ (S. 75). „Er soll sich darauf besinnen, daß seine Gestaltungskraft, seine Initiative aus Empfänglichkeit und nicht aus Autonomie stammt“ (S. 115).

Daß das keine Ausrutscher sind, zeigt sich, wenn wir sozusagen von der „Charakteranalyse“ zur „Sexualökonomie“ übergehen. Schmitz plaziert die Ehrfurcht, im Sinne der Angst vor dem Über-Ich, auf der gleichen Ebene wie die Angst vor der Wirklichkeit, etwa Stolperfallen oder Giftschlangen (S. 85f). An dieser Stelle sieht man, daß die gesamte Neue Phänomenologie kaum mehr ist als der Marxismus oder Nietzscheanismus: Abwehr, das mehr oder weniger trickreiche Bannen des Teufels Stirner. Wie sehr man in dieser Hinsicht aneinander vorbeireden kann, wird deutlich, wenn Schmitz fast schon „Reichianisch“ argumentiert:

Zu jedem großen Schwung bedarf es der spannenden Engung, und dafür, wenn der Schwung einem großen Ziel, das den Menschen ganz in Anspruch nimmt, dienen soll, der Ehrfurcht, ohne die die Begeisterung verpufft; das wäre, als ob der Geschlechtsakt mit der Ejakulation beginnen sollte, wenn der Widerstand schon weg ist und die befreiende Weitung als Erschlaffung des Antriebs einsetzen kann. Ejaculatio praecox – das gibt es ja, und das Ergebnis ist ein gehöriger Katzenjammer; so ähnlich stelle ich mir das Ergebnis der Befreiung der Menschheit von Ehrfurcht durch Stirner vor. (S. 86)

Dazu paßt eine schlichtweg sprachlos machende Naivität – und etwas, was man vielleicht „innere Versponnenheit“ nennen könnte. Beispielsweise antwortet er auf Laskas Forderung nach der Negation des irrationalen Über-Ich:

Statt einer Heilkur durch Ausscheidung des „Giftes“ der Tradition empfehle ich eine Verwertung als Stimulans selbständiger Standpunktfindung durch kritische Auseinandersetzung, die mehr oder weniger polemisch sein kann, aber nicht sein muß, etwa so, wie erwachsene Kinder aus dem Abstand eigener Besonnenheit zu ihren Eltern Stellung nehmen. (S. 114)

Tatsächlich ist es Laska, der hier die Rolle des Erwachsenen übernimmt. Laska ist derjenige, der den „unbedingten Ernst“, ein gewichtiges Thema in der Korrespondenz, vertritt. Er schreibt beispielsweise, daß die Aufklärung „nach Abarbeitung ihrer rein intellektualistischen Komponente“ steckengeblieben sei. „Ja, der Gedanke liegt nahe, daß diese geistige Lähmung bzw. Selbstaufgabe Europas mit der (z.B. in den rezenten Diskussionen über ‚Zuwanderung‘ – nicht nur in Deutschland) immer mehr in den Blickpunkt rückenden biologischen korrespondiert“ (S. 112).

Sowohl die Sache selbst, als auch den denkbar „unbedingten Ernst“ der Sache hat der verschrobene Schmitz nicht begriffen. Eine Sache, am besten vielleicht ausgedrückt in Laskas Worten über La Mettrie:

Enkulturation und Erziehung sind, wie La Mettrie natürlich wußte, für den Menschen so lebensnotwendig wie unvermeidbar. Aber gerade das, was allgemein als ihr wichtigster Effekt angesehen wird, die weitgehend „unbewußt und ungeprüft“ erfolgende Weitergabe von Wert- und Charakterhaltungen – also die Errichtung eines Über-Ichs, welche das werdende Ich als innere Instanz „über sich“ bereits vorfindet, wenn es sich zu entfalten beginnt – bezeichnet La Mettrie als „unheilvollste Mitgift“, als „Unkraut im Kornfeld des Lebens“, als „grausames Gift“, das dem Menschen „das Leben vergällt“. Warum? Weil es in aller Regel ihm die Fähigkeit zu authentischem Glückserleben beeinträchtigt und ihm den Weg versperrt, die „Kunst, Wollust zu empfinden“ auszubilden. La Mettries Fazit: „Den ärgsten seiner Feinde trägt der Mensch also in seinem Inneren.“ (Julien Offray de La Mettrie – Portrait (lsr-projekt.de))

Schmitz tut einfach so, als würde Laska JEDE Vermittlung von Kultur, etwa die Sprache, ablehnen – um dann diesen Strohmann süffisant umzuhauen. Und Schmitz macht aus dem Gift, der genannten „Mitgift“, etwas, was man abzuarbeiten und an dem man zu wachsen hat. Er führt dazu aus:

An die Stelle des [Stirnerschen] Leitbildes des Eigners setze ich das [wie PN findet Freudsche] Leitbild des Wellenreiters, der aus den tragenden, aber auch gefährlichen Wellen des leiblich-affektiven Betroffenseins seine Impulse schöpft, aber für die Selbstbehauptung im Reiten auf dem flüssigen Element alle Kräfte seines kritischen Verstandes einzusetzen vermag, so daß er „nicht der Willkür der Wellen, sondern dem Willen seiner Einsicht Folge leistet“ (Goethe […]). (S. 115)

Laskas ultimative Antwort auf Schmitz: „Immer wieder machten Sie (…) deutlich, daß Sie sich ein gelungenes Leben nur unter einer äußeren bzw. verinnerlichten Autorität vorstellen können, nicht aber unter einer ‚eigenen‘ inneren, eben einem ‚rationalen Über-Ich‘“ (S. 432).

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 117)

20. März 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Das Schicksal von LSR, wie es Bernd Laska dargestellt hat:

LaMettrie wird von Gutmeinenden erst de facto kastriert und dann „rehabilitiert“ – sozusagen „jenseits der Maschine“ als Prophet der Beliebigkeit.

Stirner wird als Ultraliberaler akzeptiert a la „Anarchokapitalismus“ (etwa eigentümlich frei) und banalisiert. Sein Vermächtnis kann dergestalt nichts mehr gegen die Sauerei, die inkorporierten Hierarchien, das Über-Ich, ausrichten.

Reich wird mit Blick auf sein Emigrantenschicksal „verziehen“; er bleibt bestenfalls jemand, der einiges zur Psychoanalyse beigetragen hat – und Instrument derer, die der organisierten Psychoanalyse via Antifa-Moralisieren eins reinsemmeln wollen, sich aber stets zum großen Freud, d.h. letztendlich zum Über-Ich bekennen.

Meiner Meinung nach war Freud imgrunde nichts anderes als Schopenhauerianer (wie übrigens auch sein angeblicher Gegenspieler Hitler). Wenn man aus dieser Perspektive den Gegensatz Freud/Reich betrachtet, ist es doch interessant, daß Nietzsche Stirner („LSReich“) mittels Schopenhauer („DMFreud“) zugekleistert und verdrängt hat. Dabei kam dann bei Nietzsche folgerichtig eine Proto-Psychoanalyse heraus.

Schopenhauer? – unbefriedigbarer durch und durch diabolischer Trieb vs. „Kultur“! Das Unbehagen in der Kultur war eine einzige Schopenhauerianische Tirade gegen den „ruchlosen Optimisten“ Reich.

„Kultur“? Moral! „Metaphysik“ und Religion haben sich zu substanzloser Moral verflüchtigt. Eine Moral ohne jede Grundlage (z.B. der Mensch bei Freud: eine polymorph-perverse Bestie!). Konsequenz? Die Moral wird immer hysterischer und mit immer unmoralischeren Mitteln durchgesetzt. Deshalb hetzen ausgemachte Atheisten wie Freud und Habermas mit solcher viehischen Wut gegen L/S/R, gegen die „ruchlose Amoral“. Und deshalb wird dieser moralinsaure Haß aktuell immer schlimmer: weil in einer gott- und „grundlosen“ Welt die Moral immer stärker wird. Die Welt geht, je atheistischer und „aufgeklärter“ sie wird, der kompletten Michel Friedmannisierung entgegen! (Übrigens: aus dieser Sicht sollte man vielleicht Reichs spätes Gerede über „Gott“ betrachten!)

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 116)

11. März 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Man kann den Nerv der Zeit treffen. Jahrtausende wurden Milliarden von Menschenseelen von dem absurdesten und geistlosesten Müll in Beschlag genommen. Warum sollte die Alternative zu den beiden Grundideologien (Mechanismus und Mystizismus) die Menschen nicht weit mehr motivieren? Reichs Sexpol, d.h. das Bewußtmachen, daß niemand mit seinen natürlichen sexuellen Antrieben allein dasteht, das Über-Ich einen also angelogen hat, und man gemeinsam gegen die Unterdrückung vorgehen kann, war ein erster Schritt. Wobei Reich noch nicht ahnte, wie tief das Unnatürliche und die Unterdrückung in jedem Einzelnen selbst verankert ist und deshalb jede „Befreiungsbewegung“ sehr schnell ins Gegenteil kippen kann. Man betrachte nur, was heute „sexuelle Befreiung“ bedeutet: möglicherweise Pubertätsblocker und chirurgische Kastration.

Soll man also gar nichts tun, weil alles viel zu gefährlich ist? Um was es wirklich ging war stets: glaubt man wirklich an das Dreischichtenmodell, also an den Kern und hat deshalb Vertrauen („Glaube“) – oder ist man in Wirklichkeit Freudianer = Schopenhauerianer, d.h. Pessimist und „Bedenkenträger“. Wenn man das Dreischichtenmodell zu Grundlage macht, wird man niemals an der sekundären Schicht (Freuds „Unbewußtem“) verzweifeln und zum Reaktionär werden, weil man immer den bioenergetischen Kern vor Augen hat, der mit jedem Neugeborenen von Neuem und in absoluter Perfektion vor einem steht! Man wird aber auch nie in wilden Optimismus verfallen, eben weil man sich der sekundären Schicht stets bewußt ist. Man wird aber vor allem stets mit der oberflächlichen Schicht anfangen, d.h. Aufklärung betreiben. „Auf-Klärung“ bedeutet hier von oben nach unten, von der Oberfläche in die Tiefe der intrinsischen Logik dessen zu folgen, was uns als gesellschaftliche und individuelle Irrationalität entgegentritt.

Teil davon ist das LSR-Projekt, war doch die „Widerstandsanalyse“ explizit immer das Modell nach dem Bernd Laska vorgegangen ist. Selbst in Stirners Hauptwerk selbst finden sich dazu Ansätze, wenn Stirner versucht die „Weltgeschichte des Einzigen“ zu rekonstruieren, d.h. von der Oberfläche (etwa heutiges Christentum) zum Kern („Christus“ und wofür er wirklich steht) vorzudringen. Die Menschen müssen lernen, daß sie in der Falle stecken und wie diese Falle konstruiert ist und welche Gefahren lauern, wenn man die Falle verlassen will – und sich dabei nicht immer tiefer in der Falle verfangen will.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 115)

10. März 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

In der normalen, d.h. triebgehemmten Neurose, wie Freud sie beschrieben hat, wendet sich das Ich gegen das Es. Beim triebhaften Charakter, wie ihn Reich beschrieben hat, wendet sich das Ich gegen das Über-Ich.

Freud war gegen die „Kämpfer gegen das Über-Ich“ (der frühe Ferenczi, Gross, Reich), weil er – nicht ganz zu unrecht – ein solches Vorgehen mit dem Untergang von (nicht nur dieser, sondern aller) Kultur, Zivilisation und aller Menschlichkeit assoziierte.

Das besondere an Reich ist nun, daß er diese rationale Gegenposition Freuds unterlaufen hat, indem „ausgerechnet“ er jenen Charakter, nämlich den triebhaften Charakter, untersucht hat, der genau das verkörpert, was Freud befürchtet hat: „revolutionäres Chaos“.

Worauf beruht der untherapierbare triebhafte Charakter? Auf einer inkonsequent durchgeführten „Revolution“. Man kann die Kinder nicht „ein bißchen“ frei erziehen, sondern es gibt nur die Alternative zwischen ganz frei (–> genitaler Charakter) oder ganz repressiv (–> neurotischer Charakter). Entweder ganz „LSR“ oder gar kein „LSR“! [ = Liquidation des Super-Ego, radikal!]

Freud und die Freudianer haben sich dieser Alternative entzogen und haben sich für ein bißchen Freiheit und ein bißchen Repression entschieden – was letztendlich (man betrachte nur die bis vor etwa 50 Jahren von der Psychoanalyse dominierten USA) zu einer Generation von triebhaften Charakteren führte: Freud mit seinem dilettantischen Pseudo-„LSR“ (Freud als angeblich radikaler Aufklärer!) ist also letztendlich für das verantwortlich, weswegen er Ferenczi, Gross, Reich sozusagen prophylaktisch angegriffen hat.

Um diese Dialektik geht es mir: das oberflächlich Rationale bei Freud, als er „LSR“ angriff – das abgrundtief Irrationale bei Freud, als er „LSR“ angriff – und Reichs absolut unangreifbar rationale Position. Reich war der einzige, der kein Quacksalber, Scharlatan und gemeingefährlicher Narr war.

Reich vs. Freud ist nicht nur irgendeine obskure intellektuelle Beschäftigung:

  1. Ohne eine geregelte Abpanzerung kommt es zum vollkommenen Desaster: „entweder die guten alten Zeiten“ oder „freedom, not licence“ – aber eben keine „licence“.
  2. Ohne eine geregelte Entpanzerung kommt es zum vollkommenen Desaster: Charakteranalyse statt wilder Psychoanalyse, Lowensche „Bioenergetik“, etc.
  3. Es gibt nur einen einzigen Weg zu einer wirklichen Veränderung der Gesellschaft: die Freiheitskrämer ausschalten.

Und selbst da wo Freud recht hatte: Wäre es wenigstens ein konsequenter Reaktionär gewesen! Aber nein, er mußte den Aufklärer spielen und sozusagen eine Teilmenge von LSR loslösen und unter die Leute bringen, was zweierlei Effekt hatte:

  1. erstens konnte er Reich damit blenden, der den „wahren Freud“ vertreten wollte; und
  2. hat Freud genau als das gewirkt, was er „Ferenczi, Gross, Reich“ vorhielt: als Zersetzer der Kultur, der mit einem Pseudo-LSR die Gesellschaft in Richtung „triebhafter Charakter“ trieb.

Mein Argument ist, daß Reich schon 1925 für Disziplin stand und eine „konservative“ Herangehensweise: verkörpert durch die Charakteranalyse. Im Vergleich dazu war Freud der „wilde Analytiker“. – In anderer, nämlich „politischer“ Hinsicht, war zu dieser Zeit Reich der „zu wilde“, was er später ja auch einsah und Freud recht gab. – Das hört sich widersprüchlich an, ist aber ganz einfach und, wie ich finde, einleuchtend.

Nehmen wir doch nur mal die Stracheys, die Reich in Berlin hörten, als er über den triebhaften Charakter sprach (siehe https://nachrichtenbrief.com/2022/10/06/erganzung-zum-24-kapitel-freuds-christusmord-meines-buches-der-verdrangte-christus-bd-1/) – wozu ich Laska schrieb: „Sicherlich haben Sie recht, wenn Sie behaupten, daß diese ‚DMF-Freudianer‘ sofort spürten, daß Reich ein ganz schlimmer LSR-Finger ist, gegen den ‚die Kultur‘ zu verteidigen sei, etc. – gleichzeitig waren die Stracheys aber auch ein schwul-lesbisches ‚Ehepaar‘, das vieles von dem verkörperte, was Reich mit dem Begriff ‚triebhaft‘ umrissen hatte. (BTW: Für Reich war Homosexualität eine schwere Krankheit, für Freud war sie es nicht – und so in vielem: in vielem war im Verhältnis SF/WR Freud der ‚Liberale‘.)“ [DMF ist das Gegenteil von LSR und steht für Diderot, Marx, Freud.]

Ich verweise auf Reichs schematische Gegenüberstellung von triebgehemmten und triebhaften Charakter (Frühe Schriften, S. 321f):

Zwangsneurose

  1. Manifeste Ambivalenz
  2. Reaktive Wandlung der Ambivalenz
  3. Strenges, ins Ich eingebautes Über-Ich
  4. Starke Verdrängung und Reaktionsbildung
  5. Sadistische Impulse mit Schuldgefühl verknüpft
  6. Charakter übergewissenhaft, asketische Ideologien
  7. Das Ich unterwirft sich dem Über-Ich

Triebhafter Charakter

  1. Manifeste Ambivalenz
  2. Keine reaktive Wandlung oder überwiegender Haß
  3. Isoliertes Über-Ich
  4. Mangelhafte Verdrängungen
  5. Sadistische Impulse ohne Schuldgefühl
  6. Charakter gewissenlos, Sexualität manifest, das entsprechende Schuldgefühl eventuell in neurotischen Symptomen verankert oder total verdrängt
  7. Das Ich steht beiderseits ambivalent zwischen Lust-Ich und Über-Ich, de facto Gefolgschaft nach beiden Seiten

Freuds Ideal war die organische Verschmelzung von Ich und Über-Ich (= das gehemmte Ich). Reichs Ideal war das vom Über-Ich befreite Ich (= das ungehemmte Ich). Und er wußte etwas, was Freud nicht wußte: das der triebhafte Psychopath (z.B. der „Generalpsychopath“ Adolf Hitler) entgegen allem Anschein erst recht vom Über-Ich versklavt ist – und daß ein Gutteil seiner (Reichs) psychoanalytischen Kollegen selbst solche Psychopathen waren und Psychopathen erzeugten. Das hat, wie erwähnt, viel vom Gegensatz LaMettrie/DeSade bzw. Stirner/Marx (der „Satanist Marx“).

Heute, in einer von Diderot („liberale Aufklärung“), Marx („Gerechtigkeit = Gleichheit“) und Freud („polymorph-perverse Toleranz“) geprägten Gesellschaft bilden wir uns ein, uns vom Über-Ich zu befreien – in Wirklichkeit geraten wir erst recht in seine Fänge.

Freiheitskrämer sind jene, die polit- und „sexual“-revolutionär gegen das Über-Ich ankämpfen. Sie sind zu bekämpfen, wenn es überhaupt irgendeine Hoffnung geben soll, sich vom Über-Ich zu befreien! Deshalb war Freuds Opposition gegen Reich nicht nur irrational! Deshalb sind konservative Feldzüge nicht nur irrational.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 114)

9. März 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Bernd Laska unterscheidet zwischen irrationalem und rationalem Über-Ich, durchaus in Abgrenzung zu Stirner, der an einigen Stellen nicht ganz sicher formuliert, was den „Egoismus“ und die „Eigenheit“ betrifft. Stellen, die von Konservativen auf der einen und „Postmodernen“ auf der anderen Seite gelegentlich höhnisch-anklagend hervorgehoben werden, um Stirner zu verdammen; bzw. geschätzt und betont werden, um Stirner zu vereinnahmen. Das letztere gilt beispielsweise für Perverse jeder Couleur, die „nun mal so sind“ und dabei vergessen machen, daß sie „so“ gemacht wurden.

Gemacht wurden sie in einer Gesellschaft, die von willkürlichen heiligen Prinzipien bestimmt wurden, welche nur Unheil anrichten konnten, im Gegensatz zu pragmatischen Regelungen, wie wir sie in jedem Gesellschaftsspiel oder bei jedem Mannschaftssport akzeptieren. Es geht um den Unterschied zwischen Ethik, die im Kern immer sexualfeindlich und damit „perversions-generierend“ ist, und vollkommen neutralen Vorschriften, die jederzeit in Frage gestellt werden können, wenn sie dem Zusammenleben nicht zuträglich sind.

Laskas Konzept lautete in einer privaten Mitteilung mir gegenüber: je schwächer das irrationale „fremdinduzierte“ Über-Ich ist, desto stärker kann das rationale „selbstgesetzte“ werden, denn der „genitale Charakter“ ist ja kein Spielball von Launen, sondern in der Lage, seine Triebökonomie so zu regulieren, daß er zeitlich ferne „selbstgesetzte“ Ziele ins Visier nehmen kann.

Wenn ich es richtig verstanden habe, ist es mit dem Dreischichtenmodell Reichs genauso: es gibt die irrationale, verlogene Fassade und es gibt die irrationale, pestilente sekundäre Schicht. Wenn die beseitigt sind, liegt dann der Kern offen da? Nein, denn er wird umgeben von der rationalen, sozialen Fassade (die die Arbeitsdemokratie und selbst das private Liebesleben erst funktionsfähig macht, denn wo wären wir, wenn wir immer „ungalant“ ehrlich wären?!) und der rationalen Mittleren Schicht, die in etwa dem entspricht, was man in der Alltagssprache als „Charakter“ bezeichnet (die Fähigkeit sich diszipliniert zu verhalten, sich Ziele zu setzen, die Befriedigung aufschieben, sich einzuordnen, wenn es einem langfristig zuträglich ist, etc.).

Man denke nur an das Gesellschaftsspiel oder den Mannschaftssport mit „Pokerface“, Finten, Tricks oder beispielsweise die „altruistische“ Paßkombination beim Fußball, statt mit einer weit geringeren Torchance, aber höherer Chance des eigenen Ruhms, selbst auf das Tor zu ballern. Man kann sich verstellen und man kann sich zurücknehmen, ohne „besessen“ oder gepanzert zu sein.

Orgontherapie: so oder so

4. März 2024

Die eine Art von „Orgontherapie“ beruht auf der Mobilisierung von „Energie“. Den Patienten werden Vorgaben gemacht, wie sie liegen sollen, wie sie die Knie anwinkeln sollen, was „richtiges“ Atmen ausmacht etc. Tatsächlich ist diese „Energie“ aber nur eine psychische Vorstellung, Autosuggestion, bestenfalls durch die Panzerung entstellte vegetative Erregung. Dieser schimärenhaften „Energie“ fehlt genau das, was die Orgonenergie erst ausmacht: das SPONTANE Funktionieren. Und das, das Mechanische und ORANUR-artige dieser „Energie“, spiegelt sich im Vorgehen dieser vermeintlichen „Orgontherapeuten“ wider. Deren vermeintlich „charakteranalytische“ Interventionen sind entsprechend typischerweise moralisierende Bemerkungen voller Häme, ihre vermeintlich „vegetotherapeutischen“ Interventionen sind mechanische sadistische Angriffe auf den Muskelpanzer ohne Sinn und Verstand.

Richtige Orgontherapie entspricht dem Wesen der Orgonenergie, d.h. es geht schlichtweg um das vorsichtige aber systematische Beseitigen der Hindernisse für das spontane Funktionieren des Organismus. Dabei entspricht der Weg dem Ziel: das Ziel ist Selbstregulation, entsprechend ist der Patient derjenige, der das therapeutische Vorgehen bestimmt. In der Orgontherapie gibt es keinen „Heiler“, mit einem Guru-Komplex, der irgendein „Heil“ von außen bringt! Dieses „von außen“ ist es ja gerade, was beseitigt bzw. in ein „von innen“ umgekehrt werden soll. An die Stelle der Fremdregulation („Über-Ich“) soll die Selbstregulation treten. Oder anders gesagt: Freiheit kann einem nicht gegeben werden, man kann sie sich nur nehmen.

Warum dann überhaupt Orgontherapie, wenn es eh um Selbstbefreiung geht? Dazu möchte ich aus Bernd Laskas gerade erschienener Stirner-Monographie zitieren:

Selbstbefreiung, die egoistische „Empörung“, d.h. Emporentwicklung, „Befreiung von unten“ hält er für den einzig möglichen Weg: „Unbewußt und unwillkürlich streben Wir alle der Eigenheit zu … Aber was Ich unbewußt tue, das tue ich halb, und darum …“ (Der Einzige und sein Eigentum) verfalle ich von einer Besessenheit in die andere. Deshalb… (Max Stirner: Leben. Werk. Wirkung, S. 70)

Es geht um das, worum es von Anfang an schon bei Freud ging: das Bewußtmachen des Unbewußten. Beispiel: „Deine freundlichen Worte passen nicht zu Deinem unfreundlichen Mund.“

Es ist der Unterschied zwischen Schwarzer Pädagogik und selbstregulatorischer Pädagogik. Mein enger persönlicher Freund, Dr. Google, umschreibt die Schwarze Pädagogik wie folgt: „Unter schwarzer Pädagogik werden allgemein solche Erziehungsmethoden verstanden, die mit Strafen, Kontrolle, Gewalt, Demütigungen oder Einschüchterungen verbunden sind. Daher wird die schwarze Pädagogik auch häufig Pädagogik der Gewalt genannt. Diese Gewalt wird sowohl körperlich als auch psychisch ausgeübt.“

Lauf um Dein Leben, wenn du einem vermeintlichen „Orgontherapeuten“ begegnest, der diesem Profil entspricht!

Und den „schwarzen Orgontherapeuten“ sei gesagt: FICKT EUCH INS KNIE, IHR ARSCHLÖCHER!!!

Hier drei Beispiele:

Dem Patienten wird gesagt, daß er, anders als der „orgastisch potente“ „Orgontherapeut“ (lol!), doch gar nicht wisse, was Liebe ist und alles, was er bisher in seinem Leben in dieser Hinsicht erfahren habe, eine Lüge sei. Auf der Heimreise beschleunigt der restlos desillusionierte Patient seinen Wagen und beendet sein Leben am Pfeiler einer Autobahnbrücke.

Der „Orgontherapeut“ (lol!) läßt den Patienten den „Orgasmusreflex“ „üben“. Am Ende stehen zwei Narzißten, die sich gegenseitig darin bestärken, daß sie „orgastisch potent“ sind bzw. andere „zur orgastischen Potenz bringen können“. Ihre grotesk neurotische und schlichtweg lächerliche Kontaktlosigkeit wird zum Maßstab für „Gesundheit“!

Auf der Matratze liegt ein gehemmter Patient, der ständig dazu aufgefordert wird, die Sau rauszulassen. Jede „Orgontherapie“-Stunde wird dergestalt zunehmend zu einer wilden Orgie des Schreiens und Strampelns. Das überträgt sich langsam aber sicher auch auf das Alltagsleben des Patienten. Er ist halt „spontan“ und „ungepanzert“. Am Ende steht ein vollkommen kontaktloser Psychopath, der keinerlei Fähigkeit mehr hat bioenergetische Spannung auszuhalten, ohne unkontrollierbar auszuticken, und dem deshalb auch mit richtiger Orgontherapie nicht mehr zu helfen ist.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 113)

3. März 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Warum betreibt „man“ Wissenschaft, Experimente, Beobachtungen, Studien, etc.? Um zu wissen, ob man noch „in tune“ mit der Natur ist. „Aber was geht mich ‚die Natur‘ an?“ Antwort: weil man sich ansonsten in der irrationalen Menschenwelt selbst verliert. Das war wohl auch Reichs Grund, warum er Wissenschaft (eben seine Orgonomie) betrieben hat: um nicht verrückt zu werden. In gewisser Weise nimmt die Wissenschaft die Rolle der Religion ein. In gewisser Weise! Religion ist Rückbindung an das Über-Ich, Naturwissenschaft ist das genaue Gegenteil: Rückbindung an die objektive Wirklichkeit.

Letztendlich stellt sich hier die Frage nach „Gott“. Wer oder was, zum Geier, das sein soll? Die einzige Möglichkeit nicht wahnsinnig zu werden! „Gott“ ist einfach Kontakt. Es ist die allmorgendliche Erleichterung, daß im Gegensatz zur surrealen Traumwelt, in der wir den alltäglichen Wahnsinn verdauen, die Naturgesetze noch immer gelten. In diesem Sinne ist selbst so eine esoterische Frage, wie die, ob es den Urknall wirklich gegeben hat, sinnvoll und wichtig. Wichtig zur Orientierung, zur Selbstvergewisserung. Es hat etwas ungemein Beruhigendes, aus der surrealen neurotischen Welt der Menschen in die „reale“ Welt der Naturgesetze treten zu können.

Der Neurotiker orientiert sich nach seinen Mitmenschen (d.h. seinem Über-Ich). Der freie („über-ich-lose“) Mensch muß sich auch nach etwas richten: nach der Natur. Das ist Orgonomie und deshalb gibt es jenseits der Orgonomie überhaupt keine Wissenschaft, sondern nur das blöde Geblöke der Herdentiere – das Über-Ich.

Was tun aber Wissenschaftler leider gemeinhin? Sie richten sich stets nach anderen Wissenschaftlern, was soweit geht, daß 99,9% aller Wissenschaftler Theorien, etwa der Urknall-Theorie folgen, die schon längst widerlegt sind. Das hat nichts mit Wissenschaft und alles mit Herdentrieb und Über-Ich zu tun. Und dann kommen Leute wie Reich und Halton C. Arp, die sich als „Eigner ihrer selbst“ (ein passender Begriff fällt mir im Moment nicht ein) nicht nach der Herde, sondern nach der Natur richten. Klar, daß die Massenwahnsinnigen ihnen vorwerfen einem Privatwahn verfallen zu sein. Auch klar, daß diese Solitäre aufgrund ihrer grotesk geringen Ressourcen hier und da einen unglaublichen Blödsinn verzapfen, aber diese Fehler sind proportional belanglos und nicht das Thema.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 111)

21. Februar 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Im letzten Teil erwähnte ich die Entdeckung des Orgons. Was, um alles in der Welt, hat „Der Einzige und sein Eigentum“ mit dem Orgon zu tun?

Betrachten wir die Übersetzungen des Titels von Stirners Buch, denn Übersetzungen sind immer auch Interpretationen.

Eine freie Übersetzung im Sinne von englischem Sprachgefühl und Eingängigkeit ist „The Ego and Its Own“, also „Das Ich und sein Eigentum“. Diese Übersetzung ist ganz offensichtlich sinnentstellend und befördert sofort DAS Mißverständnis, dem Stirners Werk von jeher ausgesetzt war: Stirner vertrete einen engherzigen, „kleinbürgerlichen“ Egoismus und untermauere nur das ideologisch, was im realen Leben ohnehin vorherrscht.

Die korrekte Übersetzung ist natürlich „The Unique One and Its Own“, „Der Einzigartige und sein Eigentum“, aber das verschlimmbessert eher noch den genannten, mehr gängigen englischen Titel. Man muß unwillkürlich an eine Apotheose des Narzißmus denken, „Cäsarentum“, Größenwahn, sozusagen „egozentrischer Egoismus“!

Die Einzig passende Übersetzung ist die Wortwörtliche: „The Only One and His Own“. Es handelt sich, wie Marx es in Die Deutsche Ideologie ausdrückt, um ein Buch, das, ähnlich dem Koran, „bekanntlich gegen Ende 1844 aus dem Himmel herabgefallen (war) und bei O. Wigand in Leipzig Knechtsgestalt angenommen (hatte)“. Es geht um Gott! „Der Einzige“ ist Gott und „sein Eigentum“ ist die Schöpfung; seine Schöpfung, die er aus freier Willkür aus dem Nichts erschaffen hat.

Das wird ja immer schlimmer! Will sich Stirner, in einem allen Grenzen sprechenden Egoismus, Narzißmus, „Solipsismus“, quasi „satanisch“ an die Stelle Gottes setzen? Fragen wir lieber, wer oder was denn dieser „Gott“ ist! Gott ist „einzig“, weil vor ihm nichts war, d.h. er ist der Einzige der wahrhaftig spontan, WILLKÜRLICH handeln kann außerhalb jedweder Kausalkette. Und genau darum geht es dem Atheisten Stirner, um nichts anderes: spontanes Funktionieren und dessen Rehabilitation.

„Der Einzige und sein Eigentum“ bedeutet: du (jeder von uns) ist seinem Wesen nach „einzig“, d.h. nicht in Kategorien zu fassen. Und was soll wiederum das bedeuten? Du bist Spontanität, du bist spontanes Funktionieren. (Bist du nicht spontan, bist du bereits tot!) Du hast, um Stirner zu paraphrasieren, deine Sache auf nichts gestellt! Du bist du selbst, d.h. keine Marionette, die von einem Über-Ich mit Fäden bewegt wird.

Und genau hier kommt die Orgonenergie ins Spiel, denn ihr Grundcharakteristikum ist eben das: spontanes Funktionieren, spontane Bewegung jenseits von mechanischen und thermodynamischen Gesetzen. Das reicht vom spontanen Temperaturanstieg im Orgonenergie-Akkumulator (Einstein sprach gegenüber Reich von „einer Bombe in der Physik“) bis zur Selbstregulation des Kindes.

„Der Einzige und sein Eigentum“ ist der ungepanzerte Mensch, der Mensch ohne „Über-Ich“, der zusammen mit anderen Ungepanzerten seine ihm gemäße Welt erschafft. Entsprechend ist es so, daß nicht nur die vermeintlichen „Atheisten“, die „den Einzigen“ beispielsweise die Aufgabe „Humanität“ aufoktroyieren wollen, tatsächlich nichts weiter als Pfaffen sind, sondern auch die vermeintlichen „Naturwissenschaftler“ sind bloße „Mechanisten“ – einer Mechanik, an deren Schalthebeln doch nur wieder „Gott“ steht. Das zeigt sich spätestens dann, wenn diese vermeintlichen „Naturwissenschaftler“ Fragen der Ethik, Fragen „des Sollens nicht des Seins“, explizit den ausgesprochenen Pfaffen überlassen. Spontanes Funktionieren ist ihnen wesensfremd, das Orgon ist ihnen fremd, letztendlich sind sie sich selbst fremd – sie sind gepanzert. Tote Marionetten des Über-Ich!