Posts Tagged ‘Zinsen’

Mehrwert und Zins

29. Januar 2019

In den 1950er Jahren war es so, daß in den USA der typische Facharbeiter („Proletarier“) ein Eigenheim besaß und in Aktien investierte. In Deutschland rutscht heute ein Facharbeiter mit seinem Einkommen in die Spitzensteuerklasse. Marxisten hat so etwas nie irritiert, denn der Kern des Marxismus ist nicht materialistisch-ökonomischer Art, sondern es geht um Moral. Der Kapitalist schöpft den „Mehrwert“ ab und das ist ungerecht. Punkt. Daß auch der Unternehmer einen Mehrwert schafft (schlicht und ergreifend, weil er etwas „unternimmt“) und daß das ganze ein Spiel um Macht ist (wie jede Tarifverhandlung zeigt), quittieren Marxisten mit einem verächtlichen Lächeln, da dies ja nur eine oberflächliche Betrachtungsweise sei.

Genau die gleiche Gedankenstruktur findet sich bei den Zinskritikern. Zinsen seien ungerecht, weil der Gläubiger ja nichts leistet. Aber soll ich dir etwa ohne jede Gegenleistung einen Kredit geben?! Es ist genau wie beim Mehrwert: Als Kapitalgeber („Kapitalist“) verzichte ich nicht nur über geraume Zeit auf die Verfügungsgewalt über mein Geld, sondern ich leiste sehr wohl etwas, denn ich bewerte die Erfolgschancen der Unternehmungen, für die du mein Geld haben willst und verhindere gegebenenfalls, daß du dich ruinierst. Und was den Zinssatz betrifft, ist das Verhandlungssache, also wieder ein Spiel um Macht.

Es geht hier jeweils um menschlichen Kontakt und ein Netz gegenseitiger Kontrolle, durch die das Optimum aus der menschlichen Arbeitsfunktion herausgeholt wird. Es geht schlichtweg um LEBEN. Etwas, was Marxisten und „Zinskritiker“ von ihrer Struktur her nicht ertragen können. Von daher auch ihr messianischer Eifer und ihre Verachtung.

Silvio Gesell, Elsworth F. Baker und Sabine Lautenschläger

2. Januar 2019

Die Geldreform-Bewegung in der Nachfolge Silvio Gesells nervt. Sie nervt mich nicht etwa deshalb, weil ich das gegenwärtige Geldsystem so ungemein gut finde (dazu am Ende mehr), sondern weil sie ein primitives Denken verbreitet, das vor dummer Weltfremdheit nur so strotzt. Sie klagen beispielsweise an: „Wir müssen Geld als Zahlungsmittel von anderen akzeptieren, dürfen es aber solange behalten (horten), wie wir wollen.“ Es sei unhaltbar, daß Geld einerseits ein Instrument der Gesellschaft ist, andererseits aber Privateigentum, über das man frei verfügen kann. Es sei „öffentliches Zahlungsmittel und gleichzeitig privates Spekulationsobjekt“; das sei doch ein Widerspruch! Aber warum, so ist zu fragen, sollten wir Geld annehmen, wenn wir es nicht behalten dürfen? Das wäre doch vollkommen absurd! Diese Absurdität tritt zum Beispiel bei Hyperinflation zutage: bei ihr ist Geld sozusagen „öffentlicher“ denn je und fließt frei durch die Gesellschaft, weil niemand diese ständig an Wert verlierenden Geldscheine als sozusagen „Privateigentum“ bei sich behalten will. Infolge steigen die Menschen auf Sachwerte, etwa Zigaretten, als Zahlungsmittel um, die dann auch fleißig „gehortet“ werden. Da aber Naturalien als Zahlungsmittel sehr unpraktisch sind, wird sich von selbst über kurz oder lang wieder ein normales (und angeblich „widersprüchliches“) Geldsystem herausbilden.

Von den besagten „Reformern“ kommen „Argumente“ wie, daß man zwar das Fälschen von Geld, also die Vermehrung des Geldes, bestrafe, jedoch das Sparen von Geld, durch das dem ökonomischen Prozeß das Geld entzogen, d.h. das zur Verfügung stehende Geld vermindert wird, belohne. Wie widersinnig und ungerecht das doch sei! Auf solchen SCHWACHSINN fallen die Leute rein! Tatsächlich wird Geld nicht durch Druckerpressen, sondern durch die Kreditvergabe und -annahme generiert und nicht durch Sparen, sondern durch Verbrennen (etc.) vernichtet – was strengstens verboten ist, denn es ist ungefähr so, als würde man einen Kreditvertrag verbrennen.

Man müsse Geld zwar annehmen, aber es gäbe widersinnergerweise keinen entsprechenden Zwang zur Weitergabe! Geld diene, so das „Argument“ der „Reformer“, dem Tausch aber, oh Schreck, gleichzeitig auch der Wertaufbewahrung! Dem ist entgegenzuhalten, daß etwas, wie bereits erwähnt, nur deshalb getauscht wird, eben weil es einen Wert hat, d.h. der „Wertaufbewahrung“ dienen kann! Und was die „Verflüssigung“ von „gehortetem“ Geld betrifft, regiert die Selbstregulierung. Elsworth F. Baker hat die Libidotheorie mit dem Bild des Geldes erklärt, das so lange auf der Bank liegt, bis es ausgegeben (entladen) wird. „Normalerweise wird mehr Energie erzeugt, als verbraucht werden kann. Energie wird im Körper angesammelt wie Geld auf der Bank für Notlagen. In Notsituationen wie im Kampf, bei Sorgen oder bei erschöpfender Arbeit wird diese überschüssige Energie verbraucht, und der Organismus ist asexuell“ (Der Mensch in der Falle, S. 25). Mit anderen Worten macht uns die angesammelte Energie „geil“ und muß regelmäßig orgastisch entladen werden. Umgekehrt kann man die heutige „Gesellianische“ Ökonomie mit der Libido versinnbildlichen: es wird durch die Nullzinspolitik keine Spannung, keine „Aufstauung“ ertragen, alles muß ängstlich sofort in sexualökonomisch sinnlosen Akten nivelliert werden. Wir leben von der Substanz und für Notlagen wird nicht vorgesorgt.

Auf die Frage, warum die Europäische Zentralbank auf dieser Zinspolitik beharrt, während die US-Notenbank die Zinsen 2018 viermal auf mittlerweile 2,5 Prozent erhöht hat, antwortet Sabine Lautenschläger, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank:

Nun ja, die US-amerikanische Wirtschaft und auch die Preisentwicklung in den USA ist eine andere. Unsere Aufgabe ist es ja nicht, die US-amerikanische Notenbank abzubilden und zu kopieren, sondern unsere Aufgabe ist es, für Preisstabilität im Euroraum zu sorgen …

WIE BITTE?! Sie operieren abgestimmt auf den „Euroraum“? Das bedeutet, daß Deutschland und Amerika sich nicht „abstimmen“, aber Deutschland und – Portugal

Was Leute wie Frau Lautenschläger antreibt, ist deren instinktive Ablehnung der SELBSTSTEUERUNG. Leute wie Frau Lautenschläger sind damit so gut wie die Letzten, denen wir unsere „Geldpolitik“ anvertrauen sollten! Frau Lautenschläger:

…im Kern glaube ich wirklich, daß nationale Tendenzen, und ich rede hier nicht nur über Deutschland, sondern insgesamt in der Welt, (…) eine Folge der Angst vor der Globalisierung ist, daß ich eben meinen eigenständigen inneren Bereich nicht mehr so steuern kann, wie das früher der Fall war. (Hervorhebungen hunzugefügt)

Zinskritik und Bioenergetik

8. Juli 2016

Den Kapitalismus hat sich niemand ausgedacht. Er ist schlicht die Wirtschaftsweise des gepanzerten Menschentiers. Alle denkbaren Alternativen müssen scheitern, weil ihnen die bioenergetische Grundlage fehlt. Das einzige, was man tun kann, ist die lebenspositiven und die lebensnegativen Strömungen im Kapitalismus dingfest zu machen und entsprechend zu unterstützen bzw. ihnen jede Unterstützung zu entziehen. Man denke nur an die „offenen Grenzen“, die zu einer lebensfeindlichen multikriminellen Hölle führen.

Wie steht es in mit Zins und Zinseszins? Zinskritische Argumente imponieren als durchweg abstrakt und weltfremd. Daß Zinskritik unter dem Motto „Auflösen der Blockaden, Geld muß Fließen!“ in den Randbereichen der Orgonomie soviel Furore macht, gemahnt an entsprechende Bestrebungen in der „Körperpsychotherapie“, wo „Energie fließen“ soll. Was dabei geflissentlich übersehen wird, ist, daß zuerst einmal energetischer Kontakt hergestellt werden muß, bevor irgendwas fließen kann ohne Chaos zu erzeugen. Eine kontaktvolle, d.h. wirklichkeitsgerechte Sichtweise würde sowohl den Jüngern Silvio Gesells als auch den Jüngern Alexander Lowens das Wasser abgraben.

Siehe dazu auch Ökonomie und Sexualökonomie.

Die Schere in den heutigen Volkswirtschaften

2. November 2013

Ökonomie beruht letztendlich auf den biosozialen Beziehungen zwischen Menschen. Jemand, etwa Bill Gates, hat eine „gute Idee“, die den ungerichteten biophysischen Aktivitäten von Menschen eine Richtung gibt, d.h. aus diesen Arbeit macht. Um aus dieser Idee eine tragfähige materielle Macht zu machen, die tatsächlich neue Arbeitsplätze schafft, benötigt der Erfinder Kapital, d.h. konkret Kredit. Er geht eine langfristige Beziehung mit dem Kreditgeber ein, dem er den Kredit plus Zinsen zurückzahlen muß.

In früheren Zeiten spielte Kredit eine untergeordnete Rolle. Handwerker konnten sich ihr Startkapital noch selbst erarbeiten, Bauern konnten sogar praktisch aus dem Nichts anfangen. Inzwischen sind aus Handwerken Spezialisten geworden, die teure Spezialgeräte benötigen, Bauern wurden zu Agrarmanagern, etc. Der Kapitalbedarf steigt mit der Entwicklung des „Kapital-ismus“ exponentiell an. Doch gleichzeitig nimmt die Fähigkeit der Menschen ab, die ungeheuren Spannungsbögen, die dem Versprechen entsprechen, das aufgenommene Geld in Zukunft mit Zins zurückzuzahlen, auszuhalten und die Aktivitäten entsprechend fokussiert zu halten, d.h. zu arbeiten.

Noch für meine Eltern war es praktisch undenkbar „Schulden zu machen“, selbst wenn sie eine Idee wie Bill Gates gehabt hätten. Hätten sie aber einen Kredit aufgenommen, wäre ihre Arbeitsethik und ihre Kontaktfähigkeit groß genug gewesen, die Verantwortung, die sie auf sich geladen haben, auch zu tragen. Seit etwa 1960 sind jedoch Generationen herangewachsen, bzw. sozialisiert worden, die sich nicht mehr auf die Zukunft vertrösten lassen wollen, die „Genuß sofort“ haben wollen, entsprechend gerne Kredite aufnehmen, jedoch vollkommen unfähig sind, die damit einhergehende Jahre und Jahrzehnte andauernden Spannungsbögen auszuhalten und fokussiert zu bleiben. Das reicht vom kleinen Konsumentenkredit bis hin zu Krediten für ganze Nationen.

Die Schere zwischen der ökonomischen Notwendigkeit, durch die der Kredit eine immer größere Rolle spielt, und der durchschnittlichen Charakterstruktur der Massen, die nicht mehr „kreditwürdig“ ist, geht immer weiter auseinander.

Die Ursprünge des Kapitalismus sind charakterologischer Natur, d.h. er beruhte auf Menschen, die die Befriedigung hinauszögern konnten und nicht nur im Hier und Jetzt lebten. Klassische Beispiele sind die Juden und die Protestanten, die sich vor ihrem Gott verantworten müssen (man lese nur die durch und durch „kapitalistischen“ Parabeln von Jesus!), und nicht zuletzt die Menschen in Nordeuropa, die die Natur zwingt, in langfristigen Zeiträumen zu denken, weil sie in der dunklen Jahreszeit von dem leben müssen, was sie in der hellen erarbeitet haben. Diese charakterologischen Unterschiede sind auch der letztendliche Grund dafür, warum der protestantische Norden Europas keinen gemeinsamen Wirtschafts- und Währungsraum mit dem katholischen Süden Europas zustande bringt.

Rein ökonomische Faktoren können diese sich immer weiter öffnende Schere zwischen den beiden Regionen nicht erklären. Das fängt beim Zeitmanagement im Alltag an, was beispielsweise simple Verabredungen beinhaltet, führt über Ordnung und Hygiene, die immer mit Zeitverzögerung und Triebaufschub einhergehen, und endet in der großen Fiskalpolitik.

Dank der „multikulturellen Gesellschaft“ ist uns diese Dynamik näher denn je: jeder Handwerker, Händler, Geschäftsmann, etc. wird bestätigen, daß es fast unmöglich ist, mit „Südländern“ normal und entspannt Geschäfte zu machen. Ein ähnliches Verhältnis besteht zwischen jenen, die charakterologisch noch in einer Welt vor 1960 leben und jenen, die eine antiautoritäre Struktur haben. Man sieht es diesen Leuten schon „irgendwie“ an, daß man ewig seinem Geld hinterherlaufen wird müssen, wenn man es überhaupt bekommt!

Hier gehört auch die zunehmende Propaganda gegen den Zins, die ultra-autoritäre Islamisten mit den Antiautoritären verbindet. Sie beruht nicht auf vermeintlich tieferen ökonomischen Einsichten, sondern ist Ausfluß der Charakterstruktur der „Zinskritiker“.

Man könnte einwenden, daß das „Südliche“ und das „Antiautoritäre“ weniger „gepanzert“ und „natürlicher“ seien. Oberflächlich betrachtet stimmt das sogar. Beispielsweise waren die europäischen Eroberer zu Beginn der Neuzeit entsetzt, daß die „Primitiven“ alles stahlen, was nicht niet- und nagelfest war und kaum zur Arbeit motiviert werden konnten, also für den Kapitalismus schlichtweg ungeeignet waren. Dabei wird aber außer acht gelassen, daß die Ureinwohner umgekehrt mindestens ebenso entsetzt waren, daß sich die Europäer über alle möglichen Tabus hinwegsetzten und ihrerseits eingegangene Verpflichtungen nicht einhielten.

Stammesgesellschaften hängen, ähnlich wie der Kapitalismus, auf ihre Weise ebenfalls davon ab, daß lange Spannungsbögen ausgehalten werden, man sich an Spielregeln hält und Verpflichtungen, die man eingegangen ist, sozusagen „mit Zins“ erfüllt. Es stimmt zwar, daß ökonomisch diese beiden Welten kaum vergleichbar sind (beispielsweise weil man in primitiven Gesellschaften kaum etwas „quantifizieren“ und entsprechend mit einem „Preisschild versehen“ kann), aber die charakterologischen Grundlagen sind weitgehend identisch.

Primitive Gesellschaften müssen nicht in jedem Fall „ungepanzert“ sein, können sogar weitaus neurotischer sein, als die westliche Gesellschaft. Und kapitalistische Gesellschaften könnten ebensogut von genitalen Charakteren bevölkert sein. Zu glauben, daß eine „solidarische Gesellschaft“ im Großmaßstab entsprechend den Stammeskulturen möglich wäre, ist illusorisch. Erstens sind Stammesgesellschaften nur solange „solidarisch“, solange sich der Einzelne an die Spielregeln hält und eingegangene Verpflichtungen auch erfüllt. Zuwiderhandlungen werden mit dem Ausschluß aus der Gemeinschaft und damit mit dem sicheren Tod bestraft. Und zweitens können solche primitiven Wirtschaftssysteme, die nicht quantifizierbar sind und ausschließlich auf persönlichem Kontakt beruhen, in größeren Gemeinschaften nicht funktionieren, sondern schlagen unversehens in ihr Gegenteil um: Vetternwirtschaft, Willkür und Tyrannei. Beispiele sind das Inka-Reich und das Reich der Azteken, die vor allem deshalb untergingen, weil sich unterworfene Stämme mit den Europäern verbündeten, um das unerträgliche Joch abzuschütteln.

Auf jeweils eigene Art haben der Kommunismus, der Faschismus und der Nationalsozialismus versucht, zum vermeintlichen Paradies einer „solidarischen Gesellschaft“ zurückzukehren. Es endete stets in einem Desaster. Zum Kapitalismus gibt es prinzipiell keine Alternative. Seine Fehlentwicklungen haben ausschließlich einen charakterologischen Hintergrund.

koniabarnes2