Ist die Orgonomie prüde? (Teil 3)

13. Juni 2025

Der bioenergetische Kern des Lebens und dessen kosmischer Bedeutung ist die Orgasmusfunktion, d.h. die unwillkürliche Konvulsion des gesamten lebenden Organismus bei der beiderseitigen bioenergetischen Entladung während der genitalen Umarmung von Mann und Frau. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 69)

Dies ist der Kern von all dem, wofür der Name „Wilhelm Reich“ steht. Ein Wissenschaftler, der nach eigenem Bekunden nur eine einzige Entdeckung gemacht hat: die Funktion der orgastischen Plasmazuckung (Äther, Gott und Teufel, S. 3). Jeder, der den Namen „Wilhelm Reich“ in einem anderen Sinne benutzt, wie es sogenannte „Reichianer“ tun… „Orgonomie“ ohne Orgasmutheorie ist wie ein Dampfkessel ohne Ventil. Sie ist schlimmer als alle bisherigen Formen des Faschismus.

Auf die kürzeste Formel gebracht lautet die Reichsche Orgasmustheorie (Scienza Orgonomica, Vol. I, No. 1):

Die Energie der Neurose (EN) entstammt der Differenz aus prägenitaler Energieanhäufung (EA) und genitaler Energieentladung (EE), so daß wir beim Gesunden haben:

Dies ist Ur- und Ausgangspunkt und die Grundlage der Orgonomie ohne alle Qualifikationen und Abstriche. Man kann über alles diskutieren, aber mit dem Infragestellen dieser einen Formel verläßt man die Orgonomie, so daß jede Diskussion innerhalb der Orgonomie absolut sinnlos ist. Wenn diese Formel nicht stimmt, wäre die gesamte Orgonomie null und nichtig.

Ursprünglich wollte Reich der Vegetotherapie die Bezeichnung „Orgasmotherapie“ geben, hat dies aber aus naheliegenden Gründen unterlassen. Auch die Orgonomie als Ganzes ist imgrunde nichts anderes als „Orgasmologie“. Leider kann man auch dies kaum öffentlich vertreten, ohne schwersten Mißverständnissen ausgesetzt zu sein. Aber andererseits wurde die Orgonomie auf pestilent verzerrte Weise ohnehin schon von je her so aufgefaßt, wie z.B. folgender Satz aus Psychologie heute (Aug. 1987) anläßlich der neuen Prüderie in den USA zeigt:

Auch in den sechziger Jahren, vor dem Eintritt der USA in den Vietnamkrieg, kämpften Politiker und Medien gegen eine angeblich steigende Promiskuität und Prostitution, die „Amerika in eine gigantische Reichsche Orgon-Box verwandelt“ hätten (so das Time-Magazine 1964).

Freiheit und sexuelle Gesundheit sind in der Orgonomie austauschbare Begriffe. Wenn sie für vollkommene sexuelle Freiheit eintritt, ist dies identisch mit der Einschränkung von „perverser ‚Freiheit’“. So steht die Orgonomie in einer unhaltbaren Stellung zwischen Zwangsmoralisten und Freiheitskrämern. Ausgerechnet diese „Orgasmologie“ fordert dazu auf, „mit allen Mitteln“ zu versuchen, „die pornographische Flut einer Epidemie permissiver Fickerei einzudämmen“ (Christusmord, S. 183). Denn es gäbe, so Reich,

kaum einen Zweifel, daß eine (…) Periode permissiver Fickerei(…), jede Spur einer menschlichen Existenz auslöschen würde, ohne auch nur etwas Glück und Befreiung zu bringen. (ebd. S. 184)

Natürliche Liebe, die sich in tote Genitalien ergießt, wird zu Haß und stumpfen Mord am sozialen Dasein. (S. 186)

In der Zwischenzeit hat Viagra impotenten Männern „kalte“ Erektionen beschert. Neue Medikamente sollen nun Männern mit Ejaculatio praecox helfen, ihren „Orgasmus“ länger hinauszuzögern.

Honda stellte 2003 den ersten Sexroboter der Welt vor. „Asimo“ imitiere die Bewegungen beim Akt naturgetreu. „Der Roboter erledigt das Vorspiel, zu dem die gestreßten Paare von heute nicht mehr kommen“, erklärt Projektleiter Dr. Naidu.

Anfang der 1920er Jahre setzte sich Reich über das Tabu seiner psychoanalytischen Kollegen hinweg, mit dem das aktuelle Sexualleben des Patienten belegt war. Reich gab sich nicht mehr mit der bloßen Aussage des Patienten zufrieden, er habe Verkehr gehabt, sondern er ergründete, wie genau und mit welchen Gefühlen dieser Verkehr vonstatten ging. Was sich ihm unter der Oberfläche bürgerlicher Normalität darbot, war die Spaltung zwischen der „schmutzigen“ Welt des Bordells einerseits und dem Krampf ehelicher „Pflichterfüllung“ andererseits.

In der „Sexuellen Revolution“ hat sich nicht mehr ereignet, als daß sich das Bordell ausgeweitet und sich mit dem „Geist“ ausgesöhnt hat. Die kalte Praxis des vorgeblich ältesten Gewerbes verbindet sich mit der „Liebe“, Sadismus und Mystizismus fließen wieder in eins. Zur Illustration diene folgender Text aus einer Werbeanzeige für Bild der Frau 1991:

Von A wie Autoerotik bis Z wie Zärtlichkeit: Das intime Wörterbuch der Frau z.B. ANAL SEX: Im Film „Der letzte Tango von Paris“ nahm Marlon Brando dafür Butter. Heute empfehlen Experten andere Gleitmittel, z.B. Babyöl und außerdem besonders strapazierfähige (reißfeste) Kondome. Denn seit Aids ist diese Praktik des Sexualverkehrs mehr denn je ins Gerede gekommen, weil sie wegen der möglichen Übertragung des Aidsvirus am gefährlichsten ist. (…) AYURVEDA: Eine altindische Heilslehre, die im menschlich-sexuellen Verhalten den Schlüssel für Wohlbefinden oder für Krankheit sieht. Basis der Gesundheit ist demnach der menschliche Samen, der den Körper von Männern und Frauen mir Lebenskraft versorgt und gegen jede Krankheit immun macht.

Die schon von Reich beklagte „allgemeine Yogakultur“ obsiegt, der Geist regiert die Maschine Körper und „Sex findet nur im Kopf statt“. Kurz, der „Freie Wille“ triumphiert über die Natur. Hingabe an sie ist nicht mehr nötig. „Orgasmus – Nur auf diese eine Weise?“ fragt die Sexexpertin von Bild am Sonntag (6.12.87). Nein, man kann die Natur überlisten und nach Bedarf „Orgasmen“ aus ihr herauskitzeln:

Ein normaler Höhepunkt – was ist das eigentlich? Unzählige Frauen und Männer meinen, daß ein Höhepunkt, der beim Liebesakt allein durch die Penisbewegung und ohne zusätzliche manuelle Reizung zustande kommt, normal ist. Frauen, denen dieses Kunststück nicht gelingt, bezeichnet die Sexualwissenschaft kurzerhand als „koital anorgastisch“. Brr, wie das schon klingt (…) Der naive Rückschluß, als koital anorgastische Frau nicht normal zu sein, liegt nahe. Was für ein widersprüchlicher Wahnsinn! Laut Statistik haben 70 Prozent aller Frauen Schwierigkeiten, ohne manuelle Reizung beim Liebesakt einen Höhepunkt zu erreichen. Wenn also die statistische Mehrzahl der Frauen bei der körperlichen Vereinigung ohne zusätzliche Stimulation mit der Hand nicht zum Orgasmus kommt, dann ist dieses Unvermögen die Norm; der Orgasmus beim Geschlechtsakt „ohne“ die Ausnahme. Ich kann mir aber gut vorstellen, daß es eine Frau nur wenig tröstet zu wissen, daß sie mit diesem Problem nicht allein ist. Schließlich zeigen die Männer ziemlich unverhohlen ihre Enttäuschung über das vermeintliche Versagen der Partnerin; oder aber sie lasten ihrem Liebesorgan die Schuld dafür an – selbst dann, wenn das männliche Liebesorgan an Potenz und Größe nichts zu wünschen übrig läßt. Wenn also eine Frau während einer Umarmung ohne manuelle Reizung keinen Höhepunkt erlebt, handelt es sich nicht um eine sexuelle Abweichung, sondern höchstens um eine Abweichung von den männlichen Vorstellungen weiblicher Normalität. Dennoch lassen sich Frauen immer wieder zu einer Lüge aus Liebe hinreißen und tun so, als kämen sie tatsächlich allein durch das Hin und Her seines guten und gewiß sehr willigen Stückes zum Orgasmus. Was alles noch schlimmer macht: Viele Männer lehnen es aus Phallus-Ängsten ab, beim Liebesakt ihre Finger zu Hilfe zu nehmen, um der Partnerin den letzten Schub zum Orgasmus zu ermöglichen. Was tun? Wir Frauen müssen unseren Männern dies klarmachen: Ein Orgasmus ist nicht minderwertiger, nur weil er durch ein geschicktes mechanisches Verfahren ausgelöst wurde! Wie oft ist ein ohne Gefühl gebrauchter Penis mehr Werkzeug, ja sogar Waffe als helfende Finger oder Lippen, die die gemeinsame sinnliche Erregung nur vollenden.

Die Frau hat sich, da Hingabe verpönt ist, mit starken Juckreizen zu begnügen, die das Gegenteil von Lust, nämlich unterschwellige Schmerzempfindungen sind.

Ein Orgasmus ist mehr und grundsätzlich verschieden von einem starken Jucken. (Christusmord, S. 79)

Der Drang zu ständiger Wiederholung des Schmerzes, den man ansonsten ja fliehen würde, vermittelt sogar die Illusion von Lust. Das natürliche genitale Gefühl ist verlorengegangen und „durch trockene, leere, frustrierende Pornographie ersetzt (…), die verzweifelt nach dem verlorenen Paradies drängt“ (ebd. S. 300). Die sexuelle Spannung sucht verkrampft nach Entspannung, so daß zwangsläufig schließlich der Tod als „letzter Ausweg“ mit Libido besetzt wird. Unsere ganze „erotische Kultur“, insbesondere in der neueren erotischen Literatur von Frauen für Frauen wird immer sadistischer, immer „schwärzer“, immer „spitzer“, genauso wie das Outfit der sexuell selbstbewußten Frau.

Auch der Zwillingsbruder des Sadismus, der Mystizismus, verspricht die ultimative Lösung der Spannung: den befreiten Geist, der unberührt über dem Tohuwabohu unbefriedigter Triebe schwebt. Es bildet sich eine sexfeindliche Ideologie heraus, wie sie z.B. die amerikanische Psychologin Gabrielle Brown in The New Celibacy vertrat:

Eine wachsende Zahl gleichgesinnter Amerikaner meiden den Sex. So überdrüssig sind sie der erotischen Lustbarkeiten, die ihnen die sexuelle Revolution beschert hat, daß sie sich frohen Herzens nur noch einem hingeben: dem Zölibat. (…) Übersättigt und doch nicht zufriedengestellt von Spontanfick, Gruppensex und fliegendem Bettwechsel, suchen diese Befreiungsmüden jetzt ihr Heil in der Enthaltsamkeit.

So 1980 der Stern (Nr. 41) lange vor AIDS.

Die vorgebliche „Sexuelle Revolution“ endet dort, wo sie angefangen hat. Angewidert wendet sich der Geist wieder ab, ohne daß der bioenergetische Kern der Sache, die Funktion der genitalorgastischen Plasmazuckung des Gesamtkörpers in der Genitalen Umarmung, auch nur berührt worden ist. Das einzige Ergebnis der „Sexuellen Revolution“ ist nur, daß sie als erledigt abgehakt ist. Die weitaus meisten Menschen verstehen auch gar nicht, wovon hier eigentlich die Rede ist, da sie nicht nur orgastisch impotent sind, sondern darüber hinaus das Gefühl für ihren Kern unterhalb der orgastisch impotent machenden Panzerung verloren haben.

Diese Kontaktlosigkeit wird offensiv in der „Sexualerziehung“ verbreitet. Ohnehin paßt das intime Thema nicht in den Schulalltag. Schon gar nicht die politisch korrekte Indoktrination gegen die Genitalität; Stichwort „sexuelle Orientierung“. Zumal die Sexualerziehung in einem zunehmend antigenitalen sozialen Klima erfolgt, in der wohl Pornographie und alle Arten der Perversion toleriert werden, jedoch die Genitalität massiv unterdrückt wird.

In Amerika ist es so weit, daß jede Äußerung heterosexueller Gefühle in Schulen, jeder körperliche Kontakt zwischen Schülern, strengstens untersagt ist.

Anfang 2008 planten Tausende südafrikanische Teenager ein
landesweites „Massenküssen“. Sie wollten damit gegen ein neues Gesetz protestieren, das unter 16-Jährigen auch einvernehmliche sexuelle Aktivitäten verbietet – Küssen und Schmusen eingeschlossen.

Und in Deutschland:

Es ist das erste Date. Ein 14-jähriges Mädchen, frisch verliebt, lädt ihren 17-jährigen Freund ins Kino ein. Endlich können sich die Teenager unbeobachtet von den Eltern ihren Gefühlen hingeben. Freudig erregt sagt das Mädchen zu ihrem Freund, daß sie die Dunkelheit im Kinosaal zum Schmusen nutzen und ihn auch zum ersten Mal küssen und streicheln will. Der Junge überlegt nicht lange und stimmt diesem Wunsch zu, schließlich ist auch er verliebt – und bekommt den Kinobesuch geschenkt. Doch statt im siebten Liebeshimmel findet sich das 14-jährige Mädchen wenig später vor Gericht wieder. Sie ist wegen des sexuellen Mißbrauchs eines Jugendlichen angeklagt. Ihr droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Dieses Szenario spielt nicht in einem fernen Land, sondern könnte bald in Deutschland Realität werden. Das befürchten zumindest Oppositionspolitiker im Bundestag. Denn am Donnerstag soll das Parlament ein Gesetz beschließen, daß die Ausweitung des Sexualstrafrechts vorsieht. (Stern , 2007)

Das Gesetz der Großen Koalition wurde zum Glück Ende 2007 von der Legislative gestoppt, doch der Geist ist aus der Flasche. In den USA ist es bereits zu Anklagen gegen Kinder gekommen, die Nacktphotos von sich selbst ins Netz gestellt haben: sie hätten „Kinderpornographie“ verbreitet.

Ist die Orgonomie prüde? (Teil 2)

12. Juni 2025

Aus evolutionsbiologischer Sicht ist die gesellschaftliche Ablehnung von Homosexuellen rätselhaft, denn sie fallen ja als Konkurrenten beim Kampf um die Gunst des jeweils anderen Geschlechts aus und stellen auch keinerlei Belastung für die Gemeinschaft dar.

Entsprechend reagieren auch Genitale Charaktere auf Homosexualität: während der emotional („psychisch“) gesunde Mensch sich vor Pornographie ekelt, sind ihm Perversionen im allgemeinen und Homosexualität im besonderen vollkommen gleichgültig.

Demnach müßte Homophobie ein typisches Produkt von Panzerung sein. Und tatsächlich werden in dem erwähnten Artikel Forschungsergebnisse referiert, denen zufolge, genau wie Freud einst sagte, insbesondere jene homophob sind, die selbst homosexuelle Tendenzen in sich hegen. Beispielsweise reagierten bei einem entsprechenden Versuch homophobe Männer zu 54 % auf homoerotische Filme mit sexueller Erregung, während es bei (zumindest in dieser Hinsicht) psychisch gesunden Probanden nur 24 % waren.

Besonders interessant ist die Sache, wenn man sie von der soziopolitischen Charakterologie her betrachtet, wie sie von Elsworth F. Baker und Charles Konia beschrieben wird. Hier spielt das fehlgeleitete Ekelgefühl eine zentrale Rolle:

So fanden Psychologen der Cornell-Universität in Ithaca in Tests mit hundert Probanden heraus, daß Männer und Frauen mit größerer Tendenz, Ekel zu entwickeln, auch bei der Konfrontation mit homosexuellen Praktiken mehr Ekelreaktionen zeigen als für dieses Gefühl weniger empfängliche Versuchspersonen. Ekelgefühle waren bei konservativen Menschen grundsätzlich stärker ausgeprägt als bei politisch eher links stehenden, ergaben weitere Studien – was erklären könnte, weshalb in konservativen Kreisen die Ablehnung von Homosexualität größer ist.

Ekel ist per se nichts „Verwerfliches“ oder „Ungesundes“, sondern gehört zu unserer grundlegenden biologischen Ausstattung. Dieses Gefühl ist für das Überleben ähnlich wichtig wie die Angst. Aber genau wie bei der Angst bringt es die Panzerung, und die damit einhergehende Fehlsteuerung der organismischen Orgonenergie, mit sich, daß wir dieses überlebenswichtige Gefühl auch bei Dingen empfinden, wo es keinerlei rationale Funktion mehr erfüllt. Daß diese Fehlsteuerung bei Konservativen, die mehr „in ihren Gefühlen leben“, stärker ausgeprägt ist als bei eher „verkopften“ Linken ist naheliegend.

Genauso wie bei irrationalen Ängsten kann hier nur beharrliche Aufklärung weiterhelfen, um das Leben von Homosexuellen in unserer Gesellschaft langfristig erträglicher zu machen. Provokationen wie die typischen „Christopher Street Day-Paraden“ wirken hier eher kontraproduktiv. (Viele konservativ eingestellte Homosexuelle beklagen, daß ihre Gemeinschaft politisch instrumentalisiert wird und sie von Linken zynisch als „Bürgerschreck“ verheizt wird. Traditionell sind Homosexuelle Träger der Hochkultur, des guten Geschmacks und der „guten Sitten“!)

Zwar ist es löblich, daß Biologen sich in den Kampf gegen die Homophobie einreihen, aber wie das geschieht, ist mehr als fragwürdig. Nicht etwa anhand der Funktion des Orgasmus, sondern ausgerechnet anhand einer Perversion überwinden sie ihre Fixierung auf den Reproduktionserfolg. Wie aus heiterem Himmel fällt ihnen urplötzlich ein, daß Sexualität noch andere Funktionen hat als den bloßen Austausch von Genmaterial.

In Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht habe ich mich zur Genüge mit dem Unsinn befaßt, den eine in dieser Hinsicht vollkommen politisierte Biologie in den letzten Jahren verzapft hat. Hier nur folgendes zur Ergänzung:

Der Neuroethologe Donald Edwards (Georgia State University, Atlanta) hat „Pseudo-Geschlechtsverkehr“ zwischen Flußkrebs-Männchen untersucht. So etwas hatte man bisher nur bei Säugetieren, insbesondere Primaten beobachten können. Von den 20 männlichen Flußkrebs-Paaren, die getestet wurden, versuchte bei 16 Paaren das eine Männchen das andere in die Rolle des Weibchens zu drängen. Bei 12 Paaren führte dies zu einer „Pseudo-Paarung“. Diese Tiere überlebten alle den Beobachtungszeitraum von 24 Stunden. Bei den restlichen 8 Paaren blieben die rivalisierenden Männchen aggressiv und die Hälfte der unterlegenen Männchen wurde vom jeweiligen Gegner sogar getötet, zerlegt und verspeist.

„Homosexualität“ bei Tieren ist also nichts weiter als eine Anpassung, um die innerartliche Gewalt zu regulieren. Der hier evident werdende Gegensatz von Aggression und Sexus unterstützt Reichs sexualökonomische Thesen.

Nun zur Pädophilie:

The Telegraph berichtete 2013 von einer Konferenz der University of Cambridge über die psychiatrische Klassifikation der diversen sexuellen „Spielarten“. Philip Tromovitch (Doshisha University, Japan) sagte: „Pädophile Interessen sind für Männer natürlich und normal. Zumindest eine beträchtliche Minderheit der normalen Männer hätte gerne Sex mit Kindern… Normale Männer fühlen sich von Kindern angeregt.”

Tom O’Carroll, ein Intensivtäter und langjähriger Kämpfer für die Legalisierung von Sex mit Kindern war anwesend und kommentierte später auf seinem Blog: „Wunderbar! Es waren einmalige Tage, an denen ich mich relativ beliebt fühlte!“

Es gäbe, so The Telegraph, in Teilen des akademischen Establishments das Bestreben, die Grenzen dessen, was an „Kindersex“ akzeptabel sei, immer weiter auszuweiten. Hier werde ein Diskurs wieder aufgegriffen, der in den 1970ern und 80ern dominierte:

Mit der Pille, der Legalisierung von Homosexualität und abnehmenden Tabus gegenüber vorehelichem Sex waren die Siebziger die Zeit einer ziemlich plötzlichen sexuellen Emanzipation. Viele Liberale durchschauten natürlich die zynische Rhetorik von PIE [eine Pädophilen-Organisation] von wegen „Kinderbefreiung“. Aber für andere auf der linken Seite war Sex von oder mit Kindern nur eine weitere repressive Grenze, die geschleift werden mußte – und der akademische Bereich war einer der wichtigsten Unterstützer.

Aus Deutschland kennen wir das von der entarteten Kinderfickerpartei, die Grünen! Wenn sie nur könnten, wie sie wollten, d.h. wenn das hinderliche gesunde Volksempfinden selbst in der eigenen ansonsten maximal degenerierten Klientel nicht wäre…

Die Demokraten im U.S. Congress kämpfen für die Bürgerrechte: alle möglichen Gruppen sollen vor „Hate Crimes“ geschützt werden, etwa Stadtstreicher und alle denkbaren ethnischen und sexuellen Minderheiten. Tatsächlich sollen alle gegenwärtig von der American Psychiatric Association aufgelisteten „Paraphilien“ so geschützt werden wie heute bereits die Homosexuellen. Es wäre nach dieser Gesetzgebung möglich, daß beispielsweise ein Exhibitionist nur eine Ordnungswidrigkeit begeht, während die Frau, vor der er sich entblößt hat und die in einem Anfall von Panik nach ihm getreten und ihn wüst beschimpft hat, in Zukunft ein Bundesgesetz bricht und dafür ins Zuchthaus kommen könnte.

Selbstverständlich werden in Zukunft auch Kinderficker geschützt werden.

Parallel sind seit Jahren Bemühungen innerhalb der American Psychiatric Association im Gange, das Werk zu vollenden, daß 1973 begann, als auf Druck der Schwulenbewegung die Homosexualität aus der Liste psychischer Krankheiten gestrichen wurde.

2003 haben während des jährlichen Treffens der American Psychiatric Association in San Francisco Charles Moser und Peggy Kleinplatz dafür plädiert, „Paraphilien“ aus dem „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM-IV-TR) zu streichen. Dazu zählen sie ausdrücklich Sadomasochismus, Exhibitionismus, Fetischismus, Transvestismus, Voyeurismus und – Pädophilie! Die Situation der „Paraphilen“ heute würde jener der Homosexuellen Anfang der 70er Jahre entsprechen.

Dieser Aufruf zur „Emanzipation“ der Perversen ist nur folgerichtig, zumal die beiden bis zum heutigen Tag Psychiater darauf hinweisen, daß es keinerlei Kriterien dafür gibt, was gesunde Sexualität eigentlich ausmacht.

Ohne Reich steht die Psychiatrie vor der Wahl zwischen Relativismus und Moralismus.

In DNP – Der Neurologe & Psychiater (10/05) präsentiert der bekannte Sexologe Volkmar Sigusch so etwas wie eine Zusammenfassung seines 2005 erschienenen Buches Neosexualitäten (Frankfurt: Campus). Trotz seines notorischen Reich-Hasses lohnt sich ein Blick auf sein Resümee der sexuellen Revolution:

Das, was einst als Lust, Rausch und Ekstase ersehnt wurde, wird seit zwei oder drei Jahrzehnten von dunklen Wolken voller Ekel, Wut, Bitterkeit, Rache, Angst und Haß überschattet: Übergriffe, AIDS, Ausbeutung, Pornographie, Kindesmißbrauch, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Vergewaltigung, Abhängigkeit, etc. Hinzu komme eine Tendenz zur „Entleiblichung des Sexus“: Telefon-Sex, Partner-Treffs im Internet, „Cybersex“.

Die „sexuelle Revolution“ ist die schlimmste Katastrophe der Menschheitsgeschichte. Siehe dazu den Abschnitt „Üble Entstellungen orgonomischer Wahrheit“ in Christusmord (1978, S. 333-342).

Der „sozial-demokratische“ Abschaum im U.S. Congress ist dabei, die endgültige Zerstörung der westlichen Kultur zu besiegeln. Es ist nur eine Frage der Zeit, wenn die Orgontherapie verboten wird, denn die will ja Neurosen und Perversionen heilen. Herbert Marcuse wird über Wilhelm Reich triumphieren. Stichwort: „Reorientierungstherapien“.

Ist die Orgonomie prüde? (Teil 1)

11. Juni 2025

Obwohl Reich gemeinhin als „Sexualfetischist“ und „Orgasmuskönig“ verschrieen ist, gilt er bei „Kennern“ des Sujets als prüde. Von Anfang an betrachtete er die „schöne bunte Welt der Sexualität“ als Ausdruck der Neurose. Prägenitale Betätigungen hatten nur zur genitalen Endlust zu führen. Wurden sie zum Selbstzweck, galten sie als pervers. Ersetzt man „genitale Endlust“ mit „Fortpflanzung“, hat man die katholische Sexualmoral vor sich.

Die Reduktion der Sexualität auf den koitalen Orgasmus bei Reich spiegelt die Prüderie einer antisexuellen Moral wider. (Gunter Schmidt und Eberhard Schorsch, z.n. B. A. Laska: Wilhelm Reich, rororo Bildmonographie, S. 140)

Die Frage nach Reichs Prüderie läßt sich denkbar einfach beantworten: In Gourmet-Restaurants werden leckere Vorspeisen gereicht, die den Appetit anregen und die Wartezeit im wahrsten Sinne des Wortes versüßen sollen. Nur ein Idiot haut sich mit den Appetithäppchen solange die Wampe voll, bis beispielsweise für den Hummer kein Platz mehr bleibt. – Genauso ist es mit dem Verhältnis von Prägenitalität und Genitalität. Es ist keine Frage der Moral, sondern der „Lustökonomie“.

Bleibt die Frage nach Perversionen, denen das Individuum ausgeliefert ist, etwa Päderastie, Sadomasochismus oder Homosexualität.

Fatalerweise ist die menschliche Sexualität prägbar. Lächerliche Zufälle in der frühen Pubertät und schon hat man einen lebenslangen Fußfetischisten vor sich oder jemanden, der ein Leben lang auf Kinder geprägt ist. Die Frage, ob solche Prägungen rückgängig gemacht werden können, „heilbar“ sind, ist eine akademische, denn gäbe es eine solche Therapie wäre sie aufwendig, ein Erfolg nicht sicher und auf Massenbasis ohnehin schlichtweg nicht realisierbar. Päderasten müssen isoliert werden, da die Gesundheit künftiger Generationen vorgeht. Es geht hier nicht um eine Schuld, die gesühnt werden müßte, sondern es ist eine rein praktische Frage.

Und was harmlosere Perversionen betrifft: ausnahmslos jeder hat seine sexuellen Vorlieben! Es gilt nur zu verhindern, daß sie der Endlust im Wege stehen. Ein regelmäßiger Orgasmus wird dann ohnehin diesen prägenitalen Bestrebungen die Energie so entziehen, daß sie kein Hindernis mehr darstellen. In gewissen Grenzen gilt das sogar für päderastische Tendenzen. Schließlich sind wir alle „Päderasten“, denn ein Gutteil der sexuellen Attraktivität von Frauen beruht zweifellos auf dem Kindchenschema.

Der Sadomasochismus ist unmittelbarer Ausdruck der Panzerung des Menschentiers. Da der Organismus nicht mehr frei und spontan funktionieren kann, wird er von Zwang und sogar Gewalt abhängig. Impulse müssen buchstäblich „durchgepreßt“ werden. Dieser Zustand ist weniger eine Sache der Sexualität (es gibt keine „sadomasochistischen“ Triebe!), sondern der Panzerung an sich.

Das eigentliche Public Relations-Problem der Orgonomie ist die Frage nach der Homosexualität Wie kann sie es wagen, eine ganze „Community“ als „krank“ zu brandmarken? Bei der Homosexualität ist schlichtweg die Frage, was Homosexuelle eigentlich machen! Es ist einfach keine Sexualbetätigung zwischen Gleichgeschlechtlichen denkbar, die zur Befriedigung im eigentlichen Sinne führen könnte. Ganz abgesehen davon ist unsere Physiologie so eingerichtet, daß wir die „Sexualstoffe“ des anderen Geschlechts für unser Wohlbefinden schlichtweg brauchen. Wieder: es geht nicht um Moral, sondern um Medizin!

Und was schließlich den „Ekel“ betrifft: dem orgastisch Potenten sind die Perversionen seiner Mitmenschen vollständig gleichgültig. Das Thema ist energetisch einfach nicht besetzt. Ein homophober Student der Orgonomie – ist kein Student der Orgonomie. Er outet sich sozusagen selbst als – pestilenter Wicht!

In einem Punkt wird die Orgonomie immer zur „sexuellen Avantgarde“ gehören: bei der sexuellen Freiheit von Jugendlichen. Elsworth F. Baker, ein durch und durch konservativer Mensch, schrieb 1969 einem verunsicherten jungen Mädchen:

Die katholische Inquisition quälte Menschen, um ihre Seelen zu retten. (Wir foltern noch heute Jugendliche, um ihre Seele zu retten.) Die Pilgerväter erlaubten niemandem Weihnachten zu feiern, weil das gegen ihre Religion war, und um ihrem Glauben zu frönen, hängten sie viele unschuldige Menschen als Hexen. Vor nicht allzu langer Zeit wurden Frauen festgenommen, weil sie Kleider trugen, die ihre Knöchel zeigten. Eines Tages werden wir zurückblicken und uns fragen, warum wir lehrten, daß Jugendliche kein Sexualleben führen sollen. („Adolescent Misery“, Journal of Orgonomy, 3(2), Nov. 1969)

Freud war sehr liberal, was sexuelle Abweichung betraf (insbesondere Homosexualität). Als Reich in den 1940er Jahren schrieb, daß die Gesellschaft der perversen Sexualität liberal gegenübertritt, während die Emotionelle Pest spezifisch die gesunde Sexualität verfolgt, war das nicht sonderlich einsichtig. Heute wird es immer offensichtlicher.

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Die bioenergetischen Grundlagen von Schuld und Scham” und folgende

10. Juni 2025

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Die bioenergetischen Grundlagen von Schuld und Scham“ und folgende

ABSCHLUSS DES BUCHES!

Email [Freud und der Nationalsozialismus] 2009

9. Juni 2025

Email [Freud und der Nationalsozialismus] 2009

Max Stirner, Soter (Teil 11)

8. Juni 2025

Verbrecher von Geburt! Es existiert nichts über dem „leibhaftigen Menschen“, nicht „Menschlichkeit“, nicht „Freiheit“ oder irgendeine andere dieser „heiligen“ Ideen (Der Einzige, S. 400). Aus dem Leibhaftigen gehen alle Gedankengebilde hervor, z.B. die Religion. Sie ist ein Produkt des künstlerischen Schaffens. Der Künstler schafft ein Ideal des Menschen, das dann angebetet wird. Der Religiöse gerät in den Bann dieses Ideals – und richtet sich gegen, beschneidet die schöpferische Quelle, die das Ideal hervorgebracht hat. Der Künstler wiederum erhält zwar die Religion aufrecht, haucht ihr ständig neues Leben ein, aber er kann sie auch jederzeit sozusagen „wieder in sich zurückholen“, etwa indem er das Ideal in der Komödie der Lächerlichkeit preisgibt (Parerga, S. 99-110).

Ich, der Einzelne, der Endliche, der Einzige (Der Einzige, S. 271), der Wirkliche und Leibhaftige löse die substanzlosen allgemeinen Begriffe, den „Geist“ auf (Der Einzige, S. 189). Das „leibhaftige Ich“ (Der Einzige, S. 190), das „lebendige Ich“ pustet die toten Gespenster, d.h. ganze „Völker“ weg (Der Einzige, S. 184). Und da es nur gegen ein Heiliges „Verbrechen“ gibt (Der Einzige, S. 224), bin ich der geborene Verbrecher, d.h. das „zügellose Ich“, und in meinem „geheimen Inneren“ bleibe ich es stets (Der Einzige, S. 219). Ein „eigenes“, d.h. nicht von Wahnvorstellungen okkupiertes Ich, kann nicht davon ablassen, ein Verbrecher zu sein, denn das Verbrechen ist sein Leben (Der Einzige, S. 222). Er gehört zu den Menschen, „in denen die Totalität ihres Denkens und Handelns in steter Bewegung und Verjüngung wogt“, im Gegensatz zu jenen, „die ihren Überzeugungen treu sind: die Überzeugungen selbst bleiben unerschüttert, pulsieren nicht als stets erneuertes Arterienblut durch das Herz, erstarren gleichsam als feste Körper“ (Parerga, S. 92). Allein schon um einschlafen zu können, muß er alles aus dem Sinn schlagen können, d.h. ein egoistischer Verbrecher wider die Ideen sein (Der Einzige, S. 375). Ein „Verbrechertum“, bei dem es darum geht, sich zu „ergeben“: sich selbst zu ergeben und einer Welt zu ergeben, die zu unserem Eigentum geworden ist (Der Einzige, S. 341f).

Man wird nicht dadurch zum Egoisten, indem man ängstlich an sich hält, sondern durch Hingabe. „Wer nur besorgt ist, daß er lebe, vergißt über diese Ängstlichkeit leicht den Genuß des Lebens. Ist’s ihm nur ums Leben zu tun und denkt er, wenn Ich nur das liebe Leben habe, so verwendet er nicht seine volle Kraft darauf, das Leben zu nutzen, d.h. zu genießen. Wie aber nutzt man das Leben? Indem man’s verbraucht, gleich dem Lichte, das man nutzt, indem man’s verbrennt. Man nutzt das Leben und mithin sich, den Lebendigen, indem man es und sich verzehrt. Lebensgenuß ist Verbrauch des Lebens“ (Der Einzige, S. 358f). „Ich habe gegen Andere keine Pflicht, wie Ich auch nur so lange gegen Mich eine Pflicht habe (z.B. die der Selbsterhaltung, also nicht Selbstmord), als Ich Mich von Mir unterscheide (meine unsterbliche Seele von meinem Erdendasein usw.)“ (Der Einzige, S. 357).

Die Welt zu „vernichten“ ist unlösbar damit verbunden sich selbst zu vernichten, d.h. aufzulösen (Der Einzige, S. 330). Was soll das bedeuten? Da die Welt nicht mehr fremdes Eigentum, nämlich das Eigentum der Religion oder des Staates ist, sondern unser Eigentum sein soll, verbrauchen wir sie entsprechend. Wir versuchen die Gewalt, die sie gegen uns wendet, „dadurch zu vollenden und überflüssig zu machen, daß Wir ihr entgegenkommen, und Uns ihr, sobald sie Uns gehört, gleich Uns ‚ergeben‘“ (Der Einzige, S. 341f). Die ehrfurchtsvolle Distanz ist weg – denn der Verbrecher hat dafür keinen Sinn.

Der Einzige ist dabei nur in bezug auf die fixen Ideen a- wenn nicht sogar unmoralisch – aus Moral. Eine Moral, die im Sinne Nietzsches aristokratisch ist: „Ich fordere kein Recht, darum brauche Ich auch keins anzuerkennen“ (Der Einzige, S. 230). Stirner sagt nicht (wie die Satanisten es tun und die allgemeine Gesellschaft, die in pestilenter Projektion die Stirnerianer zu Satanisten stempeln will, es tut): „Ich fordere mein Recht und erkenne kein anderes an.“

Man mag einwenden, daß sich Stirner gegen jede Naturrechts-Argumente verwahrt hat (Der Einzige, S. 216f), aber natürlich ist auch der Eigner seiner selbst nur ein Menschentier mit ganz normalen Ehr- und Moralempfindungen („gesundes Volksempfinden“). Sie sind sogar eher stärker ausgeprägt als bei anderen: „Redet mit dem sogenannten Verbrecher als mit einem Egoisten, und er wird sich schämen, nicht, daß er gegen eure Gesetze und Güter sich verging, sondern daß er eure Gesetze des Umgehens, eure Güter des Verlangens wert hielt; wird sich schämen, daß er Euch mitsamt dem Eurigen nicht – verachtete, daß er zu wenig Egoist war“ (Der Einzige, S. 222).

„Was ist der gewöhnliche Verbrecher anders, als einer, der das verhängnisvolle Versehen begangen hat, nach dem zu streben, was des Volkes ist, statt nach dem Seinen zu suchen. Er hat das verächtliche, fremde Gut gesucht, hat getan, was die Gläubigen tun: die nach dem trachten, was Gottes ist“ (Der Einzige, S. 221f). Wenn der Kriminelle wirklich Egoist wäre, würde er sich schämen, sich über den Grad seiner Gesetzestreue zu definieren, d.h. das Gesetz zum Maßstab seines Treibens zu machen; sich gegen die bestehenden Gesetze nur aufzulehnen, statt gegen das Gesetz an sich zu sein (Der Einzige, S. 120f).

Gibt es ein Leben nach dem Tod? (Teil 3)

7. Juni 2025

Die bisherigen Ausführungen zeigen, daß die Frage nach dem Leben nach dem Tod uns nur als Symptom des Zusammenbruchs der biopsychischen Selbstregulierung zu kümmern hat:

Natürlich lassen sich, wie in allen derartigen Aufstellungen, jede Menge Gegenbeispiele vorbringen, aber die alles überwiegende Grundtendenz ist unübersehbar: Konservative glauben eher an ein Leben nach dem Tod, Linke (in Amerika liberals) eher nicht, wobei sich alles darum dreht, daß das Leben nach dem Tod als Belohnung oder Bestrafung für Handlungen in diesem Leben Bedeutung hat.

Aufgrund ihrer Panzerung, die sie in ihrer Weltanschauung verengt, dreht sich bei Linken alles um die Freiheit. Mit dem Tod wird ein Schlußstrich gezogen und alle Handlungen im Leben bleiben folgenlos. Eine Auffassung, die Atheisten mit einer erstaunlich religiösen Inbrunst vertreten. Konservative hingegen sind von der Verantwortlichkeit besessen und wollen eine „Abrechnung“ im Jenseits, durch das Karma oder was auch immer.

Ausgewogen wird das, sozusagen als Reminiszenz auf das CFP von Freiheit und Verantwortung, dadurch, daß Linke von „sozialer Gerechtigkeit“ im Hier und Jetzt besessen sind und sie im Extrem durch eine radikale Rachsucht gekennzeichnet sind: „Ihr Ungerechten kommt nicht davon. Wir ziehen euch zur Verantwortung.“ Während umgekehrt Konservative erstaunlich liberal sein können: „Laß ihn ziehen, Gott wird ihn richten.“

Was beiden abgeht, ist die funktionelle Einheit von spontaner Freiheit bei gleichzeitiger Regelhaftigkeit, die die Orgonenergie kennzeichnet. Die Kontinuität ist bioenergetisch gegeben, aber nicht im Sinne einer mechanischen bzw. mystischen Aktion-Reaktion-Folge, wie sie beispielsweise das Konzept „Karma“ verkörpert.

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Gegenfrage: Ist der Raum leer?

Löse ich mich im Tod auf? Gegenfrage: Ist das Orgon eigenschafts- und formlos?

Was bleibt von mir? Gegenfrage: Hängt die Selbstregulation in der Luft?

Gibt es ein Leben nach dem Tod? (Teil 2)

6. Juni 2025

Der Natur mögen wir einen Tod schulden, der Gesellschaft schulden wir unser Altern. Das fängt damit an, daß junge Eltern das ständige „Partyfeiern“ aufgeben und ihrer Mutterrolle und ihre Rolle als Ernährer und Beschützer der Familie gerecht werden und hört damit auf, daß Selbstverwirklichung im Alter nicht dem eigenen Vergnügen dient, sondern der Gemeinschaft. Ich kann mir nichts Nihilistischeres vorstellen, als Pensionäre, die ihre „Jugendträume“ verwirklichen, statt der Gemeinschaft zu dienen, der sie alles verdanken und die sie jetzt fürstlich alimentiert.

Reife bedeutet in erster Linie, auf andere Menschen Rücksicht zu nehmen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, sie ernstzunehmen, etc. Dies hat vielleicht am besten US-General Schwarzkopf zum Ausdruck gebracht, der sagte, das Hauptmotiv des Soldaten sei die Liebe, – die Liebe zum Kameraden, dessen Leben wichtiger sei als das eigene.

Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. (Joh 15,13)

In diesem Sinne ist der rücksichtslose Kriminelle, der nur an sich denkt, keinerlei Loyalitäten, die unreifste Kreatur, die man sich überhaupt vorstellen kann. In diesem Sinne „kriminalisiert“ die Gesellschaft zunehmend. Jeder ist nur noch auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Kaum ein Beamter, der sich nicht einen Behinderungsgrad erschleicht, kaum ein Bürger, der nicht das Amt bescheißt und ohnehin – Geiz ist geil!

Man muß sich nur vor Augen halten, was wir unseren Kindern hinterlassen: Schulden, die für „konsumtive Ausgaben“ aufgenommen wurden und ein System, das die Menschen infantilisiert. Wie neulich ein FDP-Politiker seiner Parteiführung vorwarf: „Es ist gelungen, die FDP als kaltherzig, neoliberal, nicht mitfühlend darzustellen.“ Sind wir hier im Kindergarten, wo die Kleinen eine warmherzige, mitfühlende und fürsorgliche Betreuung benötigen?! Diese Art von infantilisierendem „Sozialstaat“ paßt zu einem Kapitalismus, der aus Erwachsenen Kinder macht, die sich in einem Geschäft voller Süßigkeiten verlustieren können. Auch im Großen ist dieser Kapitalismus zu einer kindischen Unternehmung, einem Börsenspiel, Monopoly ohne Rücksicht auf die Ökologie, die Volkswirtschaft und die Mitmenschen geworden. Befriedigung sofort!

In seinem kindischen egoistischen „Glücksstreben“ zerstört der „freie Mensch“ ganze Ökosysteme und hinterläßt seinen Nachfahren eine übelstinkende Müllhalde. Für nichts, für eine dekadente Abfall-Zivilisation am Rande des klinischen Irreseins. Dazu muß man nicht nach Las Vegas blicken, es reicht schon ein Besuch im örtlichen Einkaufszentrum. Ein Leben, eher ein tierisches Vegetieren, im Dienste der Unterhaltungsindustrie und des Konsums. Ein Großteil der Bevölkerung ist auf Psychopharmaka und andere Drogen. (Schon 1934 notierte Reich in Was ist Klassenbewußtsein?: „Ein Spaßvogel leistete sich vor kurzem den Witz auszurechnen, daß es nach dem Anwachsen der Zahl der Geisteskranken in den U.S.A. zu urteilen in 250 Jahren nur mehr Geisteskranke geben wird.“)

Reich war der erste Gelehrte, der frei von diesem tief in unserer „Zivilisation“ eingegrabenen egoistischen Vampirismus war. Deshalb ist es einfach empörend, daß sein Name so eng mit dem heutigen Hauptfeld des egozentrischen infantilen Narzißmus der Erwachsenen, der Psychotherapie, verknüpft wird, etwa der Gestalttherapie und all dem anderen Zeugs, mit dem den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen wird. Therapie kann sehr schnell in das Gegenteil der Reichschen Grundkonzeption von den Kindern der Zukunft ausschlagen. Das beste Beispiel ist der eklige Kindeskopf und Scharlatan Fritz Perls, für den Kinder nur ein Hindernis bei der „Selbstverwirklichung“ waren. Reichs eigentliche Botschaft an den Erwachsenen ist ziemlich deprimierend, weshalb die Orgonomie wohl nie besonders populär werden wird:

Die Menschen ertragen es nicht, zu hören, daß sie ihr Leben für nichts einbüßen, daß sie es verloren haben. (Jenseits der Psychologie, Köln 1997, S. 44)

In der Orgonomie geht es um die Kinder der Zukunft und nicht darum, ob sich nichtsnutzige alte Säcke a la Fritz Perls selbst verwirklichen können. Die verlogenen „Guten und Gerechten“ „opfern sich die Zukunft, – sie kreuzigen alle Menschen-Zukunft!“ (Nietzsche: Also sprach Zarathustra, Studienausgabe, Bd. 4, S. 266). Der heutige Pöbel-Mensch ist nichts weiter als ein pestilenter Vampir, der vom Blut der Zukunft lebt und alles verrät und zerstört, was die Vorfahren erwirtschaftet haben. Man schaue nur, wie wir mit unserem einzigen dauerhaften Kapital, unserem Genpool umgehen!

Während Reich für das Recht der Kinder kämpfte, sie selbst zu bleiben, hat er gleichzeitig immer wieder betont, er selbst sei nur das Werkzeug einer der Natur immanenten Logik, eine bloße Funktion, deren Sinn die Kinder der Zukunft sind. War Reich im Umgang mit Kindern libertär, so hielt er bei Erwachsenen auf Disziplin. Ich erinnere nur an Reichs Aussage in seinem Brief an Neill vom 3. März 1956, wo er davon spricht, daß sich der Student der Orgonomie als bloßes Organ in den Organismus der Orgonomie einzufügen hat. Schon am 23. August 1937 notierte sich Reich in sein Tagebuch:

Ich bin ein ungern gesehener Gast im eigenen Haus – ich störe den Seelenfrieden. Man ist froh, wenn ich für zwei Tage weg bin. Ich werde zur Autorität – wie man sagt. Und das wirkt „erdrückend“ – man möchte es einfach haben – gemütlich – unbeschwert – man möchte nicht von „hohen Anforderungen“ im Lebensgenuß gestört sein.

 

Gibt es ein Leben nach dem Tod? (Teil 1)

5. Juni 2025

Erst der Tod, der Raum schafft für neues Leben, macht den Wandel möglich. Ansonsten fiele die Welt der Stagnation, d.h. dem Tod anheim. Nietzsche zitiert Goethe:

Leben ist die schönste Erfindung der Natur, und der Tod ist ihr Kunstgriff, viel Leben zu haben.

Nietzsche:

Die Liebe zum Leben ist beinahe der Gegensatz der Liebe zum Lang-Leben. Alle Liebe denkt an den Augenblick und die Ewigkeit – aber nie an „die Länge“. (Studienausgabe, Bd. 10, S. 88)

Auf die ewige Lebendigkeit aber kommt es an: was ist am „ewigen Leben“ und überhaupt am Leben gelegen! (Der Wanderer und sein Schatten, A 408)

Reich zitiert Nietzsches Fröhliche Wissenschaft (A 12):

Wer das „Himmelhoch-Jauchzen“ lernen will, muß sich auch für das „Zum-Tode-betrübt“ bereit halten. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer-TB, S. 153)

Wir müssen in diesem ewigen Werden und Vergehen das Leiden und das Illusorische jedes festen Haltes und Lebenssinns akzeptieren, um das Leben lieben zu können. Ohne diese „heroische“, will sagen erwachsene Einstellung werden wir zu Feinden des Lebendigen. Wir enden wie der Mechanist, der uns in seelenlose tote Maschinen verwandeln will, nur weil er das Leben und seine „Grausamkeit“ nicht verkraften kann. Oder wir enden wie die Spiritualisten, die uns zu körperlosen Geistwesen reduzieren wollen, die über der Natur schweben. Das Bewußtsein, das doch bloßes Mittel des Lebens ist, registriert Unlust und Schlechtigkeit, und schon schließt es auf den Wert des Lebens. Wir sind Produkte des Lebens und es ist einfach nur lächerlich, wenn wir uns zu Richtern über es aufschwingen. Dieses Streben nach perfektem Glück und perfekter Gerechtigkeit ist doch nur der nihilistische Wille zur Vernichtung des Lebens, das eben lebt und deshalb niemals so perfekt wie der Tod sein kann. Nur der Tod und das Tote ist ohne Leid und nivelliert alle „ungerechten“ Unterschiede. (Ich habe schon Linke gehört, die allen Ernstes so argumentierten: das Leben als Einbruch „imperialistischer“ Ungerechtigkeit in die Welt „demokratischer“ Entropie!)

Und, wenn denn Tod so schön ist, warum das todbringende Leben als grausam denunzieren?! Man hat, wie Nietzsche schreibt, den Tod nahe genug, um sich nicht vor dem Leben fürchten zu müssen. Und der Tod selber ist kein Schrecknis, weil man gar nicht tot ist! Deshalb fürchteten die „aufgeklärten“ Alten mit Epikur den Tod nicht, sodaß die Kirche die Hölle erfinden mußte, um überhaupt mit etwas Schrecklichem drohen zu können, das bloße „Nichtauferstehen“ reichte nicht (vgl. Nietzsche: Morgenröte, A 72). Paulus & Co. sagen im Effekt, daß, wenn es kein Leben nach dem Tode gäbe, man einfach glücklich drauf los leben könnte, da es nun aber ein Leben nach dem Tode gäbe, müsse man hier im Jammertal in Sack und Asche gehen. Mit Nietzsche kann man sagen, daß das Leben nach dem Tode bedeute, während des Lebens tot zu sein (Studienausgabe, Bd. 10, S. 57). Welch Frohe Botschaft das Christentum doch zu bieten hat…

Und wen das nichtexistente Nichts trotzallem noch schreckt: das tragische Lebensgefühl des „Nichts“ eines Camus verleiht dem Tod eine übermenschliche, titanische Würde. Während der kitschige Glauben der Gläubigen alles zu einer infantilen Farce macht: eine miese kleine Welt. Es gibt auf dieser Welt nichts Obszöneres als Priester am Totenbett!

Es ist ein Geschenk, jemanden bewußt zu machen, daß er nur noch eine bestimmte Zeit zu leben hat. Er wird diese Zeit vielleicht das erste Mal in seinem Leben leben. Was wäre schon Leben ohne eine zeitliche Begrenzung? Der Tod, also die Einschränkung der Zeit, zwingt zur Konzentration. Ohne Tod würden wir uns ziellos gehenlassen, uns ewig selbst verfehlen, da „morgen ja auch noch ein Tag ist“. Wie Nietzsche sagt:

Durch die sichere Aussicht auf den Tod könnte jedem Leben ein köstlicher, wohlriechender Tropfen von Leichtsinn beigemischt sein – und nun habt ihr wunderlichen Apotheker-Seelen aus ihm einen übelriechenden Gift-Tropfen gemacht, durch den das ganze Leben widerlich wird! (Der Wanderer und sein Schatten, A 322)

Man kann sagen, wir seien durch die Biologie alle zum Tode verurteilt – oder daß, weil wir ja sowieso sterben müssen, uns das Schicksal also an sich nichts anhaben kann. Wäre unsere Lebenszeit theoretisch unendlich, würde auch unsere Todesangst ins unendliche wachsen. Die bedauernswerten unsterblichen „Forever People“! Man kann im Tod den Höhepunkt der Absurdität der Existenz sehen – oder einen sinnstiftenden Zeitrahmen. Man kann darüber Depressionen kriegen, daß sich das Universum nicht im geringsten um die Massenmorde kümmert, daß alles so weitergeht, als würde nichts geschehen: der Frühling ist schön wie immer. Oder man kann darüber glücklich sein, daß sie nichts ausrichten können. Man kann suizidal werden angesichts der prinzipiellen Sinnlosigkeit von allem – oder angesichts der Unendlichkeit und Ewigkeit der Natur still und glücklich werden.

Daß eine gewisse Kaltschnäuzigkeit zum Leben gehört, hat der italienische Orgonom Guiseppe Cammarella sehr schön ausgedrückt:

Obwohl sich der Genitale Charakter der Möglichkeit bewußt ist, daß dieser Planet wegen der Destruktivität des gepanzerten Menschen verschwinden könnte, bewegt er sich auf ihm und versucht dabei so viel wie möglich Befriedigung zu finden, auch unter den schlimmsten Umständen. Er verhält sich wie die Vögel, die er sieht, wie sie singen und sich gegenseitig fröhlich jagen inmitten einer scheußlichen, künstlichen Landschaft, mit künstlichen Bäumen, geometrischen Formen, Plastiktüten, Teer und Nuklearabfällen. („Healthy vs. Armored Man“, Journal of Orgonomy, May 1983)

Man stelle sich demgegenüber jene Leute mit ihrer Leichenbittermiene vor, die wegen der Sterblichkeit des Menschen gleich das ganze Universum verfluchen. Die, die nicht eine gewisse böse Art von fröhlichem rücksichtslosen Zynismus besitzen, „die Grausamkeit des Kindes“, sind wie Mehltau, der alles Leben unter sich mit Griesgrämigkeit erstickt.

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Yoga” und folgende

4. Juni 2025

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Yoga“ und folgende