Posts Tagged ‘Promiskuität’

Buchbesprechung: SEX-POL-Essays, 1929-1934 (Teil 1)*

30. Juni 2019

von Paul Mathews, M.A.

 

Diese Taschenbuch-Anthologie hat eine interessante Geschichte. Nach Reichs Tod 1957 erschienen eine Reihe von Artikeln in verschiedenen Zeitschriften und Magazinen, mal abgesehen von den üblichen verzerrten und sexuell ausbeuterischen Schriften, gaben diese Artikel vor, eine faire Analyse des Reichschen Werkes zu bieten. In der Zeitschrift Liberationa wurde beispielsweise ein Artikel mit dem Titel „Wilhelm Reich: Zwei Beurteilungen“ von Don Calhoun und Paul Goodmanb veröffentlicht (1). Obwohl Calhoun Reichs wissenschaftlichen Entdeckungen einige Anerkennung zollte, während Goodman sie verunglimpfte, lobten beide Reich als Revolutionär im libertären und anarchistischen Sinne. Damals empfand ich ein Unbehagen an dieser Identifikation, nicht nur, weil Reich, wie Goodman zugabc, diese Verbindung verärgert verworfen hatte, sondern auch, weil ich spürte, dass dies ein Vorläufer der gesellschaftspolitischen Verzerrung und Ausbeutung von Reich durch die politische Linke sein könnte – eine, die seine naturwissenschaftlichen und funktionellen Erkenntnisse verleugnen würde, um seine früheren, von ihm selbst zurückgewiesenen, marxistischen Ideen wiederzubeleben.

Erst in den 1960er Jahren zeichnete sich dieses Muster jedoch deutlich ab und hat sich bis heute fortgesetzt. 1966 widmete eine Zeitschrift mit dem Titel Studies on the Leftd (einer ihrer Herausgeber war derselbe Lee Baxandall,e der den hier besprochenen Band herausgegeben hat) fast eine ganze Ausgabe dem Thema „Wilhelm Reich on Marx and Freud“, ein Heft, das sich aus einer Reihe von bisher unübersetzten frühen marxistischen Aufsätzen Reichs zusammensetzt. Die Veröffentlichung dieser Ausgabe harmonierte mit linksextremer und neuer linker Agitation in verschiedenen Teilen der Welt und in den USA. Der Vietnamkrieg stand im Mittelpunkt und die Drogenkultur und Gegenkultur gehörten zum revolutionären Arsenal. Viele der Führer und Anhänger dieser Bewegungen proklamierten plötzlich Reich als einen ihrer großen ideologischen Propheten, wobei seine unrevidierten freudo-marxistischen Schriften als Teil ihrer Evangelien dienten. Um Baxandall zu zitieren: „Aber in den 1960er Jahren in den Jugendbewegungen der Neuen Linken … ist die untergegangene, aber kaum zerfallene Figur von Wilhelm Reich wieder auferstanden, in den Blick gerückt von der frischen Generation der radikalen Jugend“ (S. vi). Die Idee, die sie unterstützen, ist, dass der patriarchalisch-autoritäre Kapitalismus die Massen durch sexuelle Repression der einen oder anderen Art unterdrückt. Marcuse zufolge wurde dies nicht nur durch sexuelle Unterdrückung, sondern insbesondere durch die „Tyrannei der Genitalität“ gegenüber einer prägenitalen Freiheit-für-Alle herbeigeführt (2). Die Lösung bestand also darin, alle diese Ketten in einer wilden revolutionären Orgie des „befreiten“ Ausdrucks zu brechen, unterstützt durch Drogen, Promiskuität, wahllose Angriffe auf das Establishment usw., um so ein soziopolitisches Nirwana zu erreichen. Auch hier wieder das, was Reich als Freiheitshausieren bezeichnete – völlige Unbekümmertheit darüber, ob die Massen strukturell in der Lage sind, verantwortungsvolle Freiheit zu erlangen.

Anschließend erschienen verschiedene andere Arbeiten in Artikeln, Büchern und Filmen von Rieff, Robinson, Rycroft, Makavejev aus Jugoslawien, Cattier in Frankreich und Luigif in Italien.1 Das ultimative Thema all dieser Autoren war, dass Reich ein großer Revolutionär, aber ein verrückter Wissenschaftler war.

 

Anmerkungen

* SEX-POL-Essays, 1929-1934, by Wilhelm Reich. Edited by Lee Baxandall, with an Introduction by Bertell Ollman. New York, Vintage Books, 1972, 378 pp., paperback $2.45.

1 Die meisten davon wurden in früheren Ausgaben des Journal of Orgonomy besprochen.

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Die Zeitschrift Liberation (1956–1977) war ein Magazin in den Vereinigten Staaten, das in den 1960er Jahren mit der Neuen Linken identifiziert wurde.
Die redaktionellen Positionen des Magazins waren mit denen von Dissent und Studies on the Left vergleichbar. Redaktionell unterstützte Liberation die kubanische Revolution, den SDS (Students for a Democratic Society) und den Widerstand gegen den Vietnamkrieg. Hinzu kam die Unterstützung für einseitige nukleare Abrüstung.

b Goodmans Beitrag findet sich in: Paul Goodman: Natur heilt, Edition Humanistische Psychologie, 1989, S.111-116, Kapitel: Ein großer Pionier, aber kein Libertärer.

c Goodman: Natur heilt, S.115: „Lassen sie mich eine persönliche Geschichte erzählen. Reich rief mich 1945 an und bat mich, ihn kurz zu besuchen. Ich war erfreut und erstaunt und hoffte begeistert, daß dieser bemerkenswerte Mann eine Aufgabe für mich hätte. (Mein Problem ist, daß ich der Anleitung bedarf.) Aber er wollte, daß ich aufhörte, seinen Namen mit Anarchisten und Libertären in Verbindung zu bringen‘ – wahrscheinlich hatte er den lobenden Text gelesen, den ich im Juli 1945 in Politics über ihn verfaßt hatte. Ich war von seinem Anliegen überrascht; ich erklärte ihm, daß seine Hauptziele schließlich anarchistische Ziele seien, daß wir ihn bräuchten und er nie etwas gesagt habe, daß uns völlig gegen den Strich ging, wiewohl er einige unbedachte Formulierungen von sich gab. Er bestritt meine Aussagen – es wurde klar, daß er nie Kropotkin gelesen hatte; als ich einige pädagogische Allgemeinplätze aus Fields, Factories and Workshops fallenließ, verriet sein Gesicht charmanterweise eine kindliche Verblüffung – ich war von seiner Offenheit, mit der er seine Überraschung zeigte, sehr beeindruckt. ‚Was macht es Ihnen denn aus, Dr. Reich‘, sagte ich schließlich, ‚wenn wir jungen Leute Sie als Anarchisten bezeichnen?‘ Er erklärte mir – dieses mal zu meinem Überdruß – , daß es für A.S. Neill in England doppelt so schwierig sein würde, seine Oberschicht-Kinder in der progressiven Summerhill-Schule zu halten, falls der Bewegung auch noch der Stempel des Anarchismus aufgedrückt würde.“
Der Artikel in Politics heißt: „Die politische Bedeutung einiger neuerer Revisionen an Freud“, in: Goodman: Natur heilt, S. 71-99.

d Studies on the Left war eine Zeitschrift des Radikalismus der Neuen Linken in den Vereinigten Staaten, die zwischen 1959 und 1967 veröffentlicht wurde.

e Lee Raymond Baxandall (1935 – 2008) war ein US-amerikanischer Schriftsteller, Übersetzer, Redakteur und Aktivist. Er war für sein Engagement in der Neuen Linken mit kulturellen Themen bekannt.
In den 1960er und 1970er Jahren zeigte Baxandall ein starkes Interesse an der Beziehung zwischen Kultur, insbesondere Theater, und Radikalismus. Er übersetzte Stücke von Peter Weiss und Bertolt Brecht, bearbeitete eine Sammlung von Schriften des deutschen Sozialkritikers und Psychologen Wilhelm Reich, verfasste eine kommentierte Bibliographie zu Marxismus und Ästhetik und schrieb zahlreiche Essays über bedeutende Literaten, darunter Bertolt Brecht und Franz Kafka. (Wiki)

f Luigi De Marchi.

 

Literatur

1. Calhoun, D. und Goodman, P.: „Wilhelm Reich: Two Appraisals“, Liberation, Januar 1958, S. 4-9

2. Mathews, P.: Besprechung von The Freudian Left von P. Robinson, Journal of Orgonomy 4:136-40, 1970

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 1, S. 120-124.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Der verdrängte Christus: 27. Vom Matriarchat zum Patriarchat

12. Oktober 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

27. Vom Matriarchat zum Patriarchat

Irrsinniges Gebrabbel unter dem Mond

20. Januar 2016

In Christusmord hat Reich „schöpferische Gedanken“ mit dem „Gegenstück des Kleinen Mannes“ über fünf Seiten hinweg kontrastiert. Aus dem Gedanken der Freiheit wurde unsere Porno-Gesellschaft, aus dem einheitlichen Äther wurden bei Rudolf Steiner unterschiedliche „Äther“ für unterschiedliche Naturbereiche, aus der Gesetzlichkeit wurde Bürokratie, aus der Psychologie wurde, daß jeder sich zum Psychotherapeuten aufschwingt, aus dem medizinischen Orgonomen wurde der Reichianische Körpertherapeut („Muskelquetscher und Panzerdrücker“), aus dem gesunden Kind, das artige Kind, das keine Probleme macht, etc. Dergestalt richtet der gepanzerte Mensch seine aus der Arbeitsdemokratie erwachsene Kultur so ein, daß sie ein Hort des Gegenteils der Arbeitsdemokratie wird: der Emotionellen Pest.

Eines der Hauptprobleme, mit denen sich die Orgonomie herumschlagen muß, ist eine Begrifflichkeit, der man sich bedienen muß, um in der gepanzerten Welt verstanden zu werden, die aber mechanistisch bzw. mystisch verzerrt ist und die bioenergetisch bestimmte Wirklichkeit deshalb nicht adäquat wiedergeben kann. Man denke etwa an die sozio-politische Orgonomie, die mit Begriffen wie „konservativ“ und „liberal“ hantieren muß, welche sich im Laufe der Geschichte mit unterschiedlichsten Inhalten gefüllt haben und ohnehin zunehmend jede Bedeutung verlieren. Oder man nehme Reichs Auseinandersetzung mit kontaktelektrischen Phänomenen, bei denen „positive Elektrizität“ und „negative Elektrizität“ („Ladungstrennung“) wie dazu geschaffen sind, orgonotische Vorgänge quasi unsichtbar zu machen.

Bereits 1931 beklagte Reich im Bereich der Ethnologie und Sexologie:

Wir sehen, wie wenig die hochtrabend wissenschaftlichen Kategorien der „Monogamie“, „Polygamie“, „Polyandrie“, „Promiskuität“ mit [den bei den Trobriandern] nur von der genitalen Bedürfnisbefriedigung gelenkten und geregelten Sexualbeziehungen zu tun haben. Diese Paare sind ebensowohl monogam wie gelegentlich polygam, bei Festen sogar promiskue; doch die Klassifizierungen sagen nichts aus in [der Trobriandrischen Gesellschaft] und bekommen erst ihren Sinn und Gehalt als Prinzipien unserer moralistischen Regulierungsbestrebungen, nicht mehr. Auch bei uns decken sie keinen Tatbestand. Auch bei uns sind die sexuellen Beziehungen verschiedenstartig. Der Unterschied zum Primitiven – das sei besonders hervorgehoben, weil es unsere sexualökonomische Betrachtungsweise von jeder anderen in jeder Beziehung trennt – liegt nicht darin, daß jene polygam oder promiskue und wir monogam leben; es läßt sich auch keine monogame Forderung aus dem monogamen Leben der Primitiven, wie manche Sexualforscher und Ethnologen versuchen, ableiten, sondern er ist einzig und allein ausgedrückt in der sozialen Ordnung des Geschlechtslebens und in der verschiedenartigen Erlebnisweise der Umarmung, die von jener abhängt. Der Genitalapparat an sich ist mit allen seinen Konsequenzen hier wie dort gleich angelegt (…). Und das macht das Kopfzerbrechen unserer Sexualforscher aus, daß er ihre Kategorien der verschiedenen „-gamien“ nicht kennt, sondern nur das Ziel der Sexualbefriedigung. (Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, KiWi, S. 40f, Hervorhebungen hinzugefügt)

Den Anthropologen und Soziologen ist es um oberflächliche „objektivierbare“ Erscheinungen zu tun, Reich um das „innere“, „subjektive“ Erleben, d.h. um die Bioenergetik, die sich vor allem in den Emotionen und dem Gefühl der Befriedigung zeigt. An diesem Gegensatz muß jede Diskussion um unsere gesellschaftlichen Zustände scheitern. Beispielsweise führt Reich weiter aus, daß es in unserer Gesellschaft Entsprechungen zu den sexuellen Festivitäten der Trobriander durchaus gibt, etwa gemeinsame Bordellausflüge der Studenten, „die Wanderungen der Jugend, die zu genitalen Betätigungen führen“, etc. (heute ließe sich ganz anderes anführen!). Der zentrale Unterschied, der einzig ausschlaggebende Punkt sei: „Unsere Sexualfeste enden mit Katzenjammer aus der unerfüllten, ja vor sich selbst meist verschleierten und mit Heuchelei und ‚Ehrbarkeit‘ verdeckten Erwartungen genitaler Befriedigung. Diese Einrichtungen der Primitiven haben sich bis in unsere Zeit, wenn auch in anderer Form, fortgesetzt, sie verloren nur ihren sexualökonomischen Wert, statt zu befriedigen, steigern sie bloß die sexuelle Spannung“ (ebd., S. 46, Hervorhebungen hinzugefügt).

Man nehme auch Reichs folgende Aussage:

Es gibt in unseren Kulturkreisen sicher nicht weniger genitale Umarmung als in den primitiven; die Promiskuität der männlichen Jugend ist sicher ausgesprochener. Die eheliche Untreue ist infolge des strengeren ökonomischen und moralischen Druckes und infolge der Genitalstörungen sicher verbreiteter als bei den „Wilden“. (ebd.)

Unsere heutigen Pseudointellektuellen können ganze Bücher, etwa über „Sex“ schreiben, ohne jemals zu diesem Kern durchzudringen, der das ganze Gelaber mit einem Satz aufhebt! Sie sind verfangen, gefangen in der gepanzerten Begrifflichkeit. Auf diese Weise wird Wissenschaft, ein zentrales Element der Arbeitsdemokratie, zu einem Organ der Emotionellen Pest.

Angesichts des allgegenwärtigen irrsinnigen Gebrabbels verfiel Reich in die Haltung des „stillen Beobachters“ und versetzte sich von der „Bühne“ auf die „Wiese“ (siehe Menschen im Staat und Die kosmische Überlagerung). Ein schönes Bild hat auch Rocko Schamoni gefunden:

Kapitalismus und die Funktion des Orgasmus (Teil 2)

29. Juni 2015

Curtis Barnes zufolge spüren wir eine innere Erregung, die sich als Tätigkeitsdrang äußert und zur Entladung in produktiver Arbeit drängt. Es ist ein angenehmes Gefühl, nach all der Anstrengung sein Arbeitsprodukt schließlich in den Händen zu halten. „Der identische Prozeß bewirkt“, so Barnes, „im sozialen Bereich die ökonomische Aktivität.“ Wird dieses Streben nach Lustgewinn und Profit unterbunden, wird die Gesellschaft freudlos und verarmt materiell.

Ähnlich wie die orgastisch impotente Sexualität nicht zur Entladung, sondern zur Erhöhung der inneren Spannung führt, führt auch ein entsprechendes Konsumverhalten zu innerer Leere und zur Zerstörung der Umwelt. Der Kapitalismus krankt an seinen kranken Menschen. Beispielsweise drückt im freien Medienmarkt mit den vielen Privatsendern der Pöbel alles auf das niedrigste mögliche Niveau. Freie Marktwirtschaft kann nur funktionieren, wenn richtig „bewertet“ wird, z.B. wäre in einer rationalen Gesellschaft Heroin wertlos, egal wie rar es ist, während wissenschaftliche Publikationen breites Interesse fänden. Ein anderes Beispiel ist, daß das organisierte Verbrechen von den Perversionen lebt, die der Sexualunterdrückung entspringen. Freie Marktwirtschaft ist nur in einer sexuell gesunden Gesellschaft möglich.

Es gibt eine funktionelle Identität von kontaktloser Promiskuität und kontaktlosem Konsumrausch. Beide sind das Gegenteil dessen, als was sie oberflächlich erscheinen. In Wirklichkeit haben sie mit gesunder Sexualität und Konsum nichts zu tun. Eine genital gesunde Menschheit würde sich nicht ins Arbeitsjoch spannen, nur um ewig unbefriedigt sinnlosen Konsumgütern nachzujagen, sondern zu einem Gleichgewicht zwischen Produktion und Konsumption finden. Ein ausgeglichener gesunder Libidohaushalt wäre funktionell identisch mit einer ausgeglichenen gesunden Wirtschaft.

Dafür gibt es hinreichend Belege in „primitiven“ Gesellschaften, wo nicht etwa der hochangesehen ist, der viel hat, sondern der viel gibt. (Reste davon findet man im Mäzenatentum.) In solchen Gesellschaften sind Feste der Motor der Wirtschaft, denn sie verteilen die erwirtschafteten Erträge zurück in die Gemeinschaft: Ladung und Konzentration auf dem Markt → Entladung und Verteilung bei den von den Erfolgreichen veranstalteten Festen → Ladung und Konzentration auf dem Markt → Entladung und Verteilung bei den von den Erfolgreichen veranstalteten Festen → Ladung und Konzentration auf dem Markt, etc.

In primitiven Gesellschaften dreht sich alles um gegenseitiges Beschenken, so als würde man eine heiße Kartoffel so schnell wie möglich weiterreichen, um sich nicht die Finger zu verbrennen. Der Austausch von Geschenken, englisch „gift“, beinhaltet den Austausch von „Gift“ – Begriffe, die den gleichen etymologischen Ursprung haben. Diese etymologische Doppeldeutigkeit weist auf eine unbewußte Wahrheit hin, denn, wie Reich dargelegt hat, verrät die Wortbildung die Ausdrucksweise des Lebendigen (Charakteranalyse). Jemanden ein Geschenk zu überreichen, bedeutet das eigene Gift loszuwerden, so daß der Beschenkte es weiterreichen muß – und so fort in einem ewigen Kreislauf.

Freigebigkeit wird hochangesehen, während Knauserigkeit verachtet wird. Dieses weniger ethische als vielmehr ästhetische Urteil scheint damit zusammenzuhängen, daß beim krampfhaften Festhalten der Tauschgüter eine energetische Stagnation eintritt und buchstäblich giftiges DOR akkumuliert wird. Um diesen unappetitlichen Fäulnisprozeß zu verhindern, wird das statische Resultat energetischer Überlagerung in Bewegung gehalten – es soll sich in ORgon zurückverwandeln. Schon als Kind ist mir aus persönlichem Augenschein bei einem familiären Überschneiden der „Klassengrenzen“ aufgefallen, daß Menschen, die im Luxus leben, daran wirklich buchstäblich ersticken. Sie haben etwas seltsam „Unappetitliches“ an sich, strahlen eine merkwürdig „übersättigte Schwermut“ aus. Ein Gefühl, wie wenn man zu viele Süßigkeiten zu sich genommen hat und alles klebrig geworden ist. Ich glaube, es ist eine wirkliche DOR-Krankheit. (Der Begriff „stinkreich“ stammt daher, daß sich im 18. Jahrhundert die Aristokratie nie gewaschen und buchstäblich in die Ecken geschissen hat. Der unerträgliche Gestank in den Schlössern wurde mit Parfüm überdeckt.)

Das Elend der sexuellen Revolution

25. April 2015

Der bioenergetische Kern des Lebens und dessen kosmischer Bedeutung ist die Orgasmusfunktion, d.h. die unwillkürliche Konvulsion des gesamten lebenden Organismus bei der beiderseitigen bioenergetischen Entladung während der genitalen Umarmung von Mann und Frau. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 69)

Dies ist der Kern von all dem, wofür der Name „Wilhelm Reich“ steht. Ein Wissenschaftler, der nach eigenem Bekunden nur eine einzige Entdeckung gemacht hat: die Funktion der orgastischen Plasmazuckung (Äther, Gott und Teufel, S. 3). Jeder, der den Namen „Wilhelm Reich“ in einem anderen Sinne benutzt, wie es sogenannte „Reichianer“ tun… „Orgonomie“ ohne Orgasmutheorie ist wie ein Dampfkessel ohne Ventil. Sie ist schlimmer als alle bisherigen Formen des Faschismus.

Auf die kürzeste Formel gebracht lautet die Reichsche Orgasmustheorie (Scienza Orgonomica, Vol. I, No. 1):

Die Energie der Neurose (EN) entstammt der Differenz aus prägenitaler Energieanhäufung (EA) und genitaler Energieentladung (EE), so daß wir beim Gesunden haben:

Dies ist Ur- und Ausgangspunkt und die Grundlage der Orgonomie ohne alle Qualifikationen und Abstriche. Man kann über alles diskutieren, aber mit dem Infragestellen dieser einen Formel verläßt man die Orgonomie, so daß jede Diskussion innerhalb der Orgonomie absolut sinnlos ist. Wenn diese Formel nicht stimmt, wäre die gesamte Orgonomie null und nichtig.

Ursprünglich wollte Reich der Vegetotherapie die Bezeichnung „Orgasmotherapie“ geben, hat dies aber aus naheliegenden Gründen unterlassen. Auch die Orgonomie als Ganzes ist imgrunde nichts anderes als „Orgasmologie“. Leider kann man auch dies kaum öffentlich vertreten, ohne schwersten Mißverständnissen ausgesetzt zu sein. Aber andererseits wurde die Orgonomie auf pestilent verzerrte Weise ohnehin schon von je her so aufgefaßt, wie z.B. folgender Satz aus Psychologie heute (Aug. 1987) anläßlich der neuen Prüderie in den USA zeigt:

Auch in den sechziger Jahren, vor dem Eintritt der USA in den Vietnamkrieg, kämpften Politiker und Medien gegen eine angeblich steigende Promiskuität und Prostitution, die „Amerika in eine gigantische Reichsche Orgon-Box verwandelt“ hätten (so das Time-Magazine 1964).

Freiheit und sexuelle Gesundheit sind in der Orgonomie austauschbare Begriffe. Wenn sie für vollkommene sexuelle Freiheit eintritt, ist dies identisch mit der Einschränkung von „perverser ‚Freiheit’“. So steht die Orgonomie in einer unhaltbaren Stellung zwischen Zwangsmoralisten und Freiheitskrämern. Ausgerechnet diese „Orgasmologie“ fordert dazu auf, „mit allen Mitteln“ zu versuchen, „die pornographische Flut einer Epidemie permissiver Fickerei einzudämmen“ (Christusmord, S. 183). Denn es gäbe, so Reich,

kaum einen Zweifel, daß eine (…) Periode permissiver Fickerei(…), jede Spur einer menschlichen Existenz auslöschen würde, ohne auch nur etwas Glück und Befreiung zu bringen. (ebd. S. 184)

Natürliche Liebe, die sich in tote Genitalien ergießt, wird zu Haß und stumpfen Mord am sozialen Dasein. (S. 186)

In der Zwischenzeit hat Viagra impotenten Männern „kalte“ Erektionen beschert. Neue Medikamente sollen nun Männern mit Ejaculatio praecox helfen, ihren „Orgasmus“ länger hinauszuzögern (vgl. meinen Blogeintrag Der gefühllose Penis).

Honda stellte 2003 den ersten Sexroboter der Welt vor. „Asimo“ imitiere die Bewegungen beim Akt naturgetreu. „Der Roboter erledigt das Vorspiel, zu dem die gestreßten Paare von heute nicht mehr kommen“, erklärt Projektleiter Dr. Naidu.

Anfang der 1920er Jahre setzte sich Reich über das Tabu seiner psychoanalytischen Kollegen hinweg, mit dem das aktuelle Sexualleben des Patienten belegt war. Reich gab sich nicht mehr mit der bloßen Aussage des Patienten zufrieden, er habe Verkehr gehabt, sondern er ergründete, wie genau und mit welchen Gefühlen dieser Verkehr vonstatten ging. Was sich ihm unter der Oberfläche bürgerlicher Normalität darbot, war die Spaltung zwischen der „schmutzigen“ Welt des Bordells einerseits und dem Krampf ehelicher „Pflichterfüllung“ andererseits.

In der „Sexuellen Revolution“ hat sich nicht mehr ereignet, als daß sich das Bordell ausgeweitet und sich mit dem „Geist“ ausgesöhnt hat. Die kalte Praxis des vorgeblich ältesten Gewerbes verbindet sich mit der „Liebe“, Sadismus und Mystizismus fließen wieder in eins. Zur Illustration diene folgender Text aus einer Werbeanzeige für Bild der Frau 1991:

Von A wie Autoerotik bis Z wie Zärtlichkeit: Das intime Wörterbuch der Frau z.B. ANAL SEX: Im Film „Der letzte Tango von Paris“ nahm Marlon Brando dafür Butter. Heute empfehlen Experten andere Gleitmittel, z.B. Babyöl und außerdem besonders strapazierfähige (reißfeste) Kondome. Denn seit Aids ist diese Praktik des Sexualverkehrs mehr denn je ins Gerede gekommen, weil sie wegen der möglichen Übertragung des Aidsvirus am gefährlichsten ist. (…) AYURVEDA: Eine altindische Heilslehre, die im menschlich-sexuellen Verhalten den Schlüssel für Wohlbefinden oder für Krankheit sieht. Basis der Gesundheit ist demnach der menschliche Samen, der den Körper von Männern und Frauen mir Lebenskraft versorgt und gegen jede Krankheit immun macht.

Die schon von Reich beklagte „allgemeine Yogakultur“ obsiegt, der Geist regiert die Maschine Körper und „Sex findet nur im Kopf statt“. Kurz, der „Freie Wille“ triumphiert über die Natur. Hingabe an sie ist nicht mehr nötig. „Orgasmus – Nur auf diese eine Weise?“ fragt die Sexexpertin von Bild am Sonntag (6.12.87). Nein, man kann die Natur überlisten und nach Bedarf „Orgasmen“ aus ihr herauskitzeln:

Ein normaler Höhepunkt – was ist das eigentlich? Unzählige Frauen und Männer meinen, daß ein Höhepunkt, der beim Liebesakt allein durch die Penisbewegung und ohne zusätzliche manuelle Reizung zustande kommt, normal ist. Frauen, denen dieses Kunststück nicht gelingt, bezeichnet die Sexualwissenschaft kurzerhand als „koital anorgastisch“. Brr, wie das schon klingt (…) Der naive Rückschluß, als koital anorgastische Frau nicht normal zu sein, liegt nahe. Was für ein widersprüchlicher Wahnsinn! Laut Statistik haben 70 Prozent aller Frauen Schwierigkeiten, ohne manuelle Reizung beim Liebesakt einen Höhepunkt zu erreichen. Wenn also die statistische Mehrzahl der Frauen bei der körperlichen Vereinigung ohne zusätzliche Stimulation mit der Hand nicht zum Orgasmus kommt, dann ist dieses Unvermögen die Norm; der Orgasmus beim Geschlechtsakt „ohne“ die Ausnahme. Ich kann mir aber gut vorstellen, daß es eine Frau nur wenig tröstet zu wissen, daß sie mit diesem Problem nicht allein ist. Schließlich zeigen die Männer ziemlich unverhohlen ihre Enttäuschung über das vermeintliche Versagen der Partnerin; oder aber sie lasten ihrem Liebesorgan die Schuld dafür an – selbst dann, wenn das männliche Liebesorgan an Potenz und Größe nichts zu wünschen übrig läßt. Wenn also eine Frau während einer Umarmung ohne manuelle Reizung keinen Höhepunkt erlebt, handelt es sich nicht um eine sexuelle Abweichung, sondern höchstens um eine Abweichung von den männlichen Vorstellungen weiblicher Normalität. Dennoch lassen sich Frauen immer wieder zu einer Lüge aus Liebe hinreißen und tun so, als kämen sie tatsächlich allein durch das Hin und Her seines guten und gewiß sehr willigen Stückes zum Orgasmus. Was alles noch schlimmer macht: Viele Männer lehnen es aus Phallus-Ängsten ab, beim Liebesakt ihre Finger zu Hilfe zu nehmen, um der Partnerin den letzten Schub zum Orgasmus zu ermöglichen. Was tun? Wir Frauen müssen unseren Männern dies klarmachen: Ein Orgasmus ist nicht minderwertiger, nur weil er durch ein geschicktes mechanisches Verfahren ausgelöst wurde! Wie oft ist ein ohne Gefühl gebrauchter Penis mehr Werkzeug, ja sogar Waffe als helfende Finger oder Lippen, die die gemeinsame sinnliche Erregung nur vollenden.

Die Frau hat sich, da Hingabe verpönt ist, mit starken Juckreizen zu begnügen, die das Gegenteil von Lust, nämlich unterschwellige Schmerzempfindungen sind.

Ein Orgasmus ist mehr und grundsätzlich verschieden von einem starken Jucken. (Christusmord, S. 79)

Der Drang zu ständiger Wiederholung des Schmerzes, den man ansonsten ja fliehen würde, vermittelt sogar die Illusion von Lust. Das natürliche genitale Gefühl ist verlorengegangen und „durch trockene, leere, frustrierende Pornographie ersetzt (…), die verzweifelt nach dem verlorenen Paradies drängt“ (ebd. S. 300). Die sexuelle Spannung sucht verkrampft nach Entspannung, so daß zwangsläufig schließlich der Tod als „letzter Ausweg“ mit Libido besetzt wird. Unsere ganze „erotische Kultur“, insbesondere in der neueren erotischen Literatur von Frauen für Frauen wird immer sadistischer, immer „schwärzer“, immer „spitzer“, genauso wie das Outfit der sexuell selbstbewußten Frau.

Auch der Zwillingsbruder des Sadismus, der Mystizismus, verspricht die ultimative Lösung der Spannung: den befreiten Geist, der unberührt über dem Tohuwabohu unbefriedigter Triebe schwebt. Es bildet sich eine sexfeindliche Ideologie heraus, wie sie z.B. die amerikanische Psychologin Gabrielle Brown in The New Celibacy vertrat:

Eine wachsende Zahl gleichgesinnter Amerikaner meiden den Sex. So überdrüssig sind sie der erotischen Lustbarkeiten, die ihnen die sexuelle Revolution beschert hat, daß sie sich frohen Herzens nur noch einem hingeben: dem Zölibat. (…) Übersättigt und doch nicht zufriedengestellt von Spontanfick, Gruppensex und fliegendem Bettwechsel, suchen diese Befreiungsmüden jetzt ihr Heil in der Enthaltsamkeit.

So 1980 der Stern (Nr. 41) lange vor AIDS.

Die vorgebliche „Sexuelle Revolution“ endet dort, wo sie angefangen hat. Angewidert wendet sich der Geist wieder ab, ohne daß der bioenergetische Kern der Sache, die Funktion der genitalorgastischen Plasmazuckung des Gesamtkörpers in der Genitalen Umarmung, auch nur berührt worden ist. Das einzige Ergebnis der „Sexuellen Revolution“ ist nur, daß sie als erledigt abgehakt ist. Die weitaus meisten Menschen verstehen auch gar nicht, wovon hier eigentlich die Rede ist, da sie nicht nur orgastisch impotent sind, sondern darüber hinaus das Gefühl für ihren Kern unterhalb der orgastisch impotent machenden Panzerung verloren haben.

Diese Kontaktlosigkeit wird offensiv in der „Sexualerziehung“ verbreitet. Ohnehin paßt das intime Thema nicht in den Schulalltag. Schon gar nicht die politisch korrekte Indoktrination gegen die Genitalität; Stichwort „sexuelle Orientierung“. Zumal die Sexualerziehung in einem zunehmend antigenitalen sozialen Klima erfolgt, in der wohl Pornographie und alle Arten der Perversion toleriert werden, jedoch die Genitalität massiv unterdrückt wird.

In Amerika ist es so weit, daß jede Äußerung heterosexueller Gefühle in Schulen, jeder körperliche Kontakt zwischen Schülern, strengstens untersagt ist.


Anfang 2008 planten Tausende südafrikanische Teenager ein
landesweites „Massenküssen“. Sie wollten damit gegen ein neues Gesetz protestieren, das unter 16-Jährigen auch einvernehmliche sexuelle Aktivitäten verbietet – Küssen und Schmusen eingeschlossen.

Und in Deutschland:

Es ist das erste Date. Ein 14-jähriges Mädchen, frisch verliebt, lädt ihren 17-jährigen Freund ins Kino ein. Endlich können sich die Teenager unbeobachtet von den Eltern ihren Gefühlen hingeben. Freudig erregt sagt das Mädchen zu ihrem Freund, daß sie die Dunkelheit im Kinosaal zum Schmusen nutzen und ihn auch zum ersten Mal küssen und streicheln will. Der Junge überlegt nicht lange und stimmt diesem Wunsch zu, schließlich ist auch er verliebt – und bekommt den Kinobesuch geschenkt. Doch statt im siebten Liebeshimmel findet sich das 14-jährige Mädchen wenig später vor Gericht wieder. Sie ist wegen des sexuellen Mißbrauchs eines Jugendlichen angeklagt. Ihr droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Dieses Szenario spielt nicht in einem fernen Land, sondern könnte bald in Deutschland Realität werden. Das befürchten zumindest Oppositionspolitiker im Bundestag. Denn am Donnerstag soll das Parlament ein Gesetz beschließen, daß die Ausweitung des Sexualstrafrechts vorsieht. (Stern , 2007)

Das Gesetz der Großen Koalition wurde zum Glück Ende 2007 von der Legislative gestoppt, doch der Geist ist aus der Flasche. In den USA ist es bereits zu Anklagen gegen Kinder gekommen, die Nacktphotos von sich selbst ins Netz gestellt haben: sie hätten „Kinderpornographie“ verbreitet.

Was soll am Konservativsein gesund sein?

2. Februar 2015

Anlaß dieses Artikels sind die Facebook-Seiten einiger amerikanischer Reichianer aus dem Umfeld des Wilhelm Reich Museums, die ich neulich überflogen habe: Haß und Verachtung für Sarah Palin (sic!), ein militanter Atheismus, Angriffe gegen den Papst, weil der behauptete, Marx sei überholt, Angriffe gegen die Republikaner, Parteinahme für die Sozialdemokratisierung Amerikas durch Obama, etc. Ich war sowas von wütend, weil es dermaßen dem Zeitgeist entspricht, der Welt der New York Times. Und vor allem: mal wieder ist mir aufgegangen, daß die Orgonomie ohne Elsworth F. Baker, Charles Konia und das American College of Orgonomy schon längst verloren wäre – jedenfalls für mich. In der Welt des Liberalismus, der Gutmenschen und der Political Correctness kann ich nicht atmen.

Reichs negative Aussagen über den Konservatismus sind Legion. Er war für ihn vor allem eins: Ausdruck von Beharrung, Erstarrung und Rückschritt – mit einem Wort: Panzerung!

Was sollte also am Konservatismus gesund sein? Nun, man lese doch einfach den folgenden Artikel aus pi-news.net über den hessischen CDU-Politiker Hans-Jürgen Irmer und wie er von der organisierten Emotionellen Pest verfolgt wird. Zu Reichs Zeiten wurden so Linke verfolgt und systematisch fertiggemacht, weil sie es wagten auf die Realität hinzuweisen, etwa die Sexualnot der Jugend und die Doppelmoral der autoritären Gesellschaft, insbesondere was die Homosexualität betraf. Heute, in der antiautoritären Gesellschaft, findet dasselbe unter umgekehrten Vorzeichen statt.

Konservativ, gesund? Das fängt damit an, daß beim genuinen Konservativen die Ergebnisse nicht die Mittel rechtfertigen. „Fair Play“ steht über allem. Dies ist der Grund warum der Konservative, wie Reich sich ausdrückt, seine Seele nicht an den Teufel verkauft (Christusmord).

Ich beschäftige mich gerade mit der George Smiley-Saga des konservativen Schriftstellers John le Carré. Smiley ist der typische sexuell verklemmte und unsichere Konservative, der in einer Welt lebt, in der sich alle hinter einer Fassade verstecken und „die alten Werte“ nichts gelten. Er versteht einfach nicht was vorgeht, glaubt beispielsweise, daß es um „Liebe“ ginge, wenn seine Frau Anne ihn ständig mit immer neuen Liebhabern hintergeht. Aber trotzdem ist er der einzige, der effektiv gegen die organisierte Emotionelle Pest, verkörpert durch seinen Gegenspieler Karla, vorgehen kann, weil er zumindest teilweise aus seinem bioenergetischen Kern heraus lebt.

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=Br_J_z9bEKA%5D

Reich war zu seiner Zeit besonders verbittert, weil seine Gegner, die Psychoanalytiker, die Kommunisten und die FDA durchweg mit verdeckten Karten spielten, während er stets offen agiert hat. Für ihn sollte das sich Verstecken um des Versteckens willen, die Mimikry und das Vorspiegeln falscher Tatsachen zum Kennzeichen der kommunistischen Subversion werden, dem der „gradlinige“ Konservative schutzlos ausgeliefert ist. Heute ist der Konservative der Political Correctness ausgeliefert und wird von „Progressiven“ am Nasenring durch die politische Arena geführt.

Ein weiterer naheliegender Grund für die „Gesundheit“ des Konservativen ist seine Orientierung an der Praxis und der „Praktikabilität“. Das Leben wird nicht der Ideologie geopfert. Man nehme die großen Projekte der Linken: Umweltschutz wird vorgegeben, doch “Biosprit” ist die größte Gefährdung der Urwälder; Flüchtlingsschutz – doch die Heime sind mit wohlgenährten Afrikanern überfüllt, die nur ihr Glück machen wollen; nationale Sicherheit – doch der Terrorismus wird im Inneren nicht ernst genommen, gar geschützt (Minderheitenschutz), und im Äußeren nicht effektiv angegangen.

Der Konservative denkt von der Tendenz her funktionell, weil er immer die Frage vor Augen hat, was nach menschlichem Ermessen am Ende dabei herauskommen wird. Linke hingegen sehen sich nicht in einer Linie von Vor- und Nachfahren, denen sie jeweils verpflichtet sind, sondern sie leben „emanzipiert“ im Hier und Jetzt blind für die Zusammenhänge (trotz aller pseudointellektuellen „Analysen“). Es sind pestilente Parasiten, die rücksichtslos die Lebensgrundlagen ihrer Kinder und das zerstören, was die Generationen vor ihnen erarbeitet haben. Man denke nur an die gegenwärtige Ausmerzung Deutschlands durch „Migration“ und den obszönen A-Sozialstaat (Fachkräfte gehen und „Fachkräfte“ kommen). Eine Generation von ekelerregenden, eitrigen Pestratten wie dem Grünen Gesocks…

Ein Konservativer geht davon aus, daß das, was ist, zunächst einmal gut ist, einfach weil es „ist“. Es hat seine Überlebensfähigkeit durch seine bloße Existenz bewiesen. Jedwede Veränderung hingegen birgt in sich die Gefahr, daß alles schlechter wird, vielleicht alles zusammenbricht. Unendlich viele Einflußgrößen haben über einen unendlich langen Zeitraum auf das Gegebene eingewirkt, das Teil eines unendlich großen Netzwerkes ist. Dem Linken geht dieser Respekt vor der Komplexität vollkommen ab. Er hat dafür keinerlei Sinn. Beispielsweise wird die Monarchie abgeschafft – und nicht etwa die Demokratie ist das Resultat, sondern es entwickelt sich fast immer die eine oder andere Art von Faschismus.

Diese Respektlosigkeit gegenüber dem Überkommenen und die Rücksichtslosigkeit gegenüber den zukünftigen Generationen im Namen der „Freiheit“. Diese alles zersetzende Verantwortungslosigkeit und Blindheit im Namen der „Aufklärung“. Diese elende Lügnerei der Linken, dieses Spielen mit verdeckten Karten, dieses Reden und dann das Gegenteil tun, was Arbeit, Liebe und Wissen betrifft. Ein echter Konservativer läßt das nicht zu: er läßt nicht zu, daß die Fassade in den Dienst der sekundären Schicht tritt. Ansonsten, d.h. wenn bestimmte Essentials gewährleistet sind, sollen die Linken doch treiben, was sie wollen!

Ein konkretes Beispiel: Dient die Inklusion wirklich den Behinderten – oder sollen nicht vielmehr die Gesunden „behindert“ werden? Das Essential, um das es hier geht, ist schlichtweg ein funktionierender Schulalltag. Wenn der funktioniert: sollen doch die Progressiven mit der Inklusion fortfahren! Es ist der Konservative, der in solchen Fällen für Vernunft eintritt. Wird das abgedrängt, deskreditiert, als „Nazi“ denunziert, bricht der (linke) Wahnsinn aus und die Gesellschaft ist unrettbar dem Untergang geweiht. Am Ende steht dann nicht etwa ein „Neuanfang“, sondern die Barbarei, die potentiell ewig andauern kann. Der Konservative hat ein Gespür für die drohende Hölle, währen der kontaktlose Linke blindlings auf sie zusteuert.

Beispielsweise war der linke Reich anfangs von Aussagen wie denen Engels fasziniert:

Was wir also heutzutage vermuten können über die Ordnung der Geschlechterverhältnisse nach der bevorstehenden Wegwerfung der kapitalistischen Produktion ist vorwiegend negativer Art, beschränkt sich meist auf das, was wegfällt. Was aber wird hinzukommen? Das wird sich entscheiden, wenn ein neues Geschlecht herangewachsen sein wird: ein Geschlecht von Männern, die nie im Leben in den Fall gekommen sind, für Geld und andere sozialen Machtmittel die Preisgebung einer Frau zu erkaufen, und von Frauen, die nie in den Fall gekommen sind, weder aus irgendwelchen Rücksichten als wirklicher Liebe sich einem Mann hinzugeben noch dem Geliebten die Hingabe zu verweigern aus Furcht vor ökonomischen Folgen. Wenn diese Leute da sind, werden sie sich den Teufel darum scheren, was man heute glaubt, daß sie tun sollen; sie werden sich ihre eigene Praxis und ihre danach abgemessene öffentliche Meinung über die Praxis jedes einzelnen selbst machen – Punktum. (Engels: Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, Berlin 1983, S. 98)

Ein echter Konservativer würde sich nie und nimmer auf einen derartigen Blindflug einlassen. Es stimmt zwar, daß er sich stets gegen notwendige Sexualreformen ausgesprochen hat, aber hätte man mehr auf seine Skepsis gehört, wäre uns viel von der heutigen Promiskuität und Pornographie erspart geblieben, die sexualökonomisch betrachtet nicht nur vollständig sinnlos sind, sondern auch in hohem Maße kontraproduktiv. In Christusmord schreibt Reich, es gäbe keine größere Katastrophe für die Menschheit als „eine Religion der permissiven, pornographischen Sexualität“ (Freiburg 1978, S. 183).

Ich erinnere nur daran, wie Mitte der 1970er Jahre die Pornographie durch die „Progressiven“ freigegeben wurde. Die Linke wollte nur eins: „Freiheit“, ohne Respekt vor der Weisheit von unzähligen Generationen. Exakt die gleichen Leute piesaken uns heute mit einer „sexuellen Korrektheit“, die das Spiel zwischen den Geschlechtern zunehmend zu einem Feld voller juristischer Mienen macht.

Ich erinnere mich noch gut an die Jungfernrede der ekelig pomadigen Grünen Waltraud Schoppe im Bundestag: es gäbe Sexualpraktiken, die sehr befriedigend seien und die Möglichkeit einer Schwangerschaft völlig ausschlössen. Helmut Kohl solle „hier stehen und die Menschen darauf hinweisen, daß es Formen des Liebesspiels gibt, die lustvoll sind und bei denen man nicht schwanger wird“. Aber man könne natürlich „nur über das reden, wovon man wenigstens ein bißchen was versteht“. Dazu noch diese verdruckste Stimme… Daß es Leute gab und gibt, die so etwas mit Reich verbinden… Als Folge wird dann Reich zu dem Haßobjekt der Konservativen, was wieder die linken Reichianer anspornt und so weiter und so fort.

Orgontherapie: Die Anwendung des funktionellen Denkens in der medizinischen Praxis (Teil XVI: Kinder und Jugendliche) (Teil 5)

5. Juli 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Orgontherapie: Die Anwendung des funktionellen Denkens in der medizinischen Praxis (Teil XVI: Kinder und Jugendliche) (Teil 5)

acologo