Posts Tagged ‘Stirner’

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 139)

22. Juni 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Was wollte Laska? Was hat ihn getrieben? Für sich selbst Klarheit schaffen im Gewirr des intellektuellen Lebens. „Selbstvergewisserung“, wie er selbst immer wieder sagte. Warum aber dann ein lohnloser Achtstundentag am LSR-Schreibtisch, all seine Veröffentlichungen und Korrespondenzen? Warum hat er nicht einfach sein Leben genossen, indem er mit seinen geliebten Hunden durch den nahen Nürnberger Wald spazierenging? Weil er einer Utopie anhing. Zitat aus seiner Website: https://www.lsr-projekt.de/wrnega.html

Reich schloß seinen Aufsatz über den Erziehungszwang mit den Worten: „Wir müssen daran denken, daß die ursprüngliche lebendige Kraft, die der Erziehungszwang zähmen will, aus sich selbst heraus einmal Kultur geschaffen hat. Man darf großes Zutrauen zu ihr haben. Ist es gewagt, zu behaupten, daß sich das Leben seine notwendigen Daseinsformen selbst am besten zu schaffen vermag?“ Das war die Grundformel einer nichtpräskriptiven Utopie, die das Dilemma moderner Philosophie, in das sie der Zwang zur Vermeidung des sog. naturalistischen Fehlschlusses führt, überwindet.

In diesem Sinne war Laska ein Getriebener. „Das Leben“ in ihm hat nach außen gestrebt hin zu einer Utopie. Der Eigner (im Sinne Stirners) sehnt sich nach dem Verein – auch wenn der Jahrhunderte entfernt ist. Der Verein schafft sich in der Kooperation der Individuen spontan seine Regeln gemäß dem „rationalen Über-Ich“.

LaMettrie, Stirner und Reich haben durch ihren frühen, elenden Tod ihr Leben „geopfert“, weil sie sich ansonsten selbst verraten hätten. Aber wie das formulieren, ohne daß man im Sinne Hegels, Nietzsches und Heideggers vom Geist/Willen/Sein schwafelt, das einen benutzt, um sich zu verwirklichen – Stichwort „irrationales Über-Ich“?

Bei ihrem letzten Treffen, als sie über die sozialen Konsequenzen der Psychoanalyse sprachen und Reich für seinen sozialen Aktivismus warb, meinte Freud zu ihm „Der Eros [Geist/Lebenswille/Sein] wird eine Anstrengung machen“, was Reich zutiefst befremdet hat. Erinnert irgendwie an das „Verhältnis“ von Stirner und Schopenhauer, LaMettrie und Rousseaus „Naturkult“.

Marx‘ charakterologischer Zerfall vom Liberalen zum Roten Faschisten im Lichte der heutigen BRD (ERSTER NACHTRAG zu: Die eigentlichen Feinde von LSR. Oder: Peter offenbart die letzten esoterischen Geheimnisse der Weltverschwörer.)

20. Juni 2024

Der frühe Marx wird durch die beiden folgenden Zitate gekennzeichnet, die einen durch und durch liberalen Geist zeigen, der geradezu seherisch das gegenwärtige rotfaschistische System der BRD-Unrechtsjustiz vorausgesehen hat und die ganze Perfidie der rotfaschistischen Gesinnung etwa der heutigen SPD:

Karl Marx 1842 in seinen Bemerkungen über die neueste preußische Zensurinstruktion:

Der Schriftsteller ist also dem furchtbarsten Terrorismus, der Jurisdiktion des Verdachts anheimgefallen. Tendenzgesetze, Gesetze, die keine objektiven Normen geben, sind Gesetze des Terrorismus, wie sie die Not des Staats unter Robespierre und die Verdorbenheit des Staats unter den römischen Kaisern erfunden hat. Gesetze, die nicht die Handlung als solche, sondern die Gesinnung des Handelnden zu ihren Hauptkriterien machen, sind nichts als positive Sanktionen der Gesetzlosigkeit.

Wie gesagt: der heutige Unrechtsstaat im globalistischen Siedlungsraum „BRD“.

Im gleichen Jahr äußerte sich Marx das erste Mal zum Sozialismus bzw. Kommunismus in Der Kommunismus und die Augsburger »Allgemeine Zeitung« und zwar auf eine denkbar erstaunliche Weise, als könnte er in das verrottende Gehirn eines heutigen ideologisch verblendeten Jusos blicken – Opfer einer ständigen Rotbestrahlung seit der Kinderkrippe:

Wir haben die feste Überzeugung, daß nicht der praktische Versuch, sondern die theoretische Ausführung der kommunistischen Ideen die eigentliche Gefahr bildet, denn auf praktische Versuche, und seien es Versuche in Masse, kann man durch Kanonen antworten, sobald sie gefährlich werden, aber Ideen, die unsere Intelligenz besiegt, die unsere Gesinnung erobert, an die der Verstand unser Gewissen geschmiedet hat, das sind Ketten, denen man sich nicht entreißt, ohne sein Herz zu zerreißen, das sind Dämonen, welche der Mensch nur besiegen kann, indem er sich ihnen unterwirft.

Kurz danach kam es bei Marx zur Wende: er entdeckte das „Gattungswesen“, zu dem sich das Individuum „emanzipieren“ (sic!) müsse – die klassische Wende vom Liberalismus zum Pseudo-Liberalismus (Roten Faschismus). Dazu schrieb er 1844 in Zur Judenfrage:

Die [liberale, PN] politische Emanzipation ist die Reduktion des Menschen, einerseits auf das Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft, auf das egoistische unabhängige Individuum, andrerseits auf den Staatsbürger, auf die moralische Person … erst wenn der wirkliche individuelle Mensch den abstrakten Staatsbürger in sich zurücknimmt und als individueller Mensch in seinem empirischen Leben, in seinen individuellen Verhältnissen Gattungswesen geworden ist, erst wenn der Mensch seine „[eigene Kräfte]“ als gesellschaftliche Kräfte erkannt und organisiert hat und daher die gesellschaftliche Kraft nicht mehr in der Gestalt der politischen Kraft von sich trennt, erst dann ist die menschliche Emanzipation vollbracht.

Im Sommer 1844 wird er dann in seinen „Pariser Manuskripten“ diese vermeintliche „Emanzipation“, d.h. die Vergesellschaftung des Individuums mit der Beseitigung des Privateigentums gleichsetzen und dann im Folgejahr in seiner Auseinandersetzung mit Stirner das Individuum endgültig zu einem bloßen Reflex der sozioökonomischen Entwicklung auflösen.

Du wirst nichts besitzen und dabei glücklich sein und du wirst ganz und gar mit der Maschine eins werden.

Die eigentlichen Feinde von LSR. Oder: Peter offenbart die letzten esoterischen Geheimnisse der Weltverschwörer (Teil 2, das energetische Orgonom)

19. Juni 2024

Ende der 1830er bis Mitte der 1840er Jahre haben die „Junghegelianer“ wirklich alles vorweggenommen, was die Geistesgeschichte in den fast zwei Jahrhunderten danach fabriziert hat. ALLES! Und der krönende Abschluß von allem war, unbestritten, Max Stirners Jahrtausend-, nein Menschheitsbuch Der Einzige und sein Eigentum, – das im Grunde kaum mehr ist als eine bloße Gelegenheitspolemik gegen die Junghegelianer im allgemeinen und Bruno Bauer im besonderen.

Der Marx-Forscher David McLellan behauptet in seinem Buch Die Jungehegelianer und Karl Marx (dtv 1974), daß Stirner „im Grunde nur die Gedanken der Brüder Bauer bis zum Äußersten weiterentwickelt“ habe (S. 51). Bruno und Edgar Bauer hätten ihrerseits nur versucht Hegel zu Ende zu denken. „Hegel habe versucht, bestimmte Prinzipien und Kräfte vom menschlichen Selbstbewußtsein zu trennen, die [Bauersche] Kritik habe jetzt aber bewiesen, daß das Selbstbewußtsein alles umfasse und als einzige im Universum wirksame Kraft auf alles andere einwirke“ (S. 67f).

Bruno Bauer beschrieb, stets im Anschluß an Hegel, 1841/42 den Untergang Roms und den Triumph des Christentums über die antike Welt wie folgt:

Es war alles jetzt, das Ich, und doch war es leer; es war jetzt die allgemeine Macht geworden, und doch mußte es auf den Trümmern der Welt vor sich selbst erschrecken und wegen des Verlustes verzweifeln; dem leeren, alles verschlingenden Ich graute vor sich selber, es wagte sich nicht als alles und als die allgemeine Macht zu fassen, d.h. es blieb noch der religiöse Geist und vollendete seine Entfremdung, indem es seine allgemeine Macht als eine fremde sich selbst gegenüberstellte und dieser Macht gegenüber in Furcht und Zittern für seine Erhaltung und Seligkeit arbeitete. (S. 70).

Genau so, angesichts der untergehenden christlichen Welt, sehen sich die Weltverschwörer heute! Nur, daß sie eben nicht „zu Kreuze kriechen“, sich nicht Christus unterwerfen. Wie Marx bereits in seiner von Bruno Bauer inspirierten Doktorarbeit schrieb: die Philosophie sei gegen „alle himmlischen und irdischen Götter, die das menschliche Selbstbewußtsein nicht als die oberste Gottheit anerkennen. Es soll keiner neben ihm sein“ (S. 86). Hier klingt Marx schon fast wie später Stirner: „…die Beweise für das Dasein Gottes sind nichts als Beweise für das Dasein des wesentlichen menschlichen Selbstbewußtseins, logische Explikationen desselben. Zum Beispiel der ontologische Beweis. Welches Sein ist unmittelbar, indem es gedacht wird? Das Selbstbewußtsein“ (S. 87).

Der alles entscheidende Unterschied ist, daß der Stirnersche Einzige nicht dem Wahn verfällt, gottgleich und quasi „großbürgerlich“ alles und allmächtig zu sein, also „frei“ zu sein, sondern GANZ IM GEGENTEIL schlichtweg, quasi „kleinbürgerlich“, gegen das Fremde auf seiner Eigenheit zu bestehen.

Bioenergetisch entspricht das dem Unterschied zwischen kontaktlosem Hochmut, bei dem die Energie weg vom Genital zum Kopf fließt (Stichwort „Kundalini“) und der Liebe, bei der die Energie vom Kopf zum Genital fließt. Mit anderen Worten, die Weltverschwörer sind nicht nur wegen der lustigen Verkleidungen auf ihren Festen (siehe das Video in Teil 1), sondern auch wegen ihrer Hochnäsigkeit – Pappnasen!

Die eigentlichen Feinde von LSR. Oder: Peter offenbart die letzten esoterischen Geheimnisse der Weltverschwörer (Teil 1, das orgonotische System)

18. Juni 2024

Die wahren Feinde von LSR sind nicht die üblichen Verdächtigen, etwa die Katholische Kirche oder irgendwelche Gutmenschen. Nein, es sind die, die den Glauben und den Altruismus verfluchen und die nur sich selbst anbeten – die kein höheres Wesen über sich anerkennen und deshalb in ihrem Tun frei von jedweder Moral, Ethik und Mitmenschlichkeit sind bzw. vermeinen zu sein. Teilweise sind sie sogar Anhänger von LaMettrie, Stirner, Reich und – Bernd A. Laska.

Wenn man nicht die Abbildung unten vor Augen hat, könnte man irrigerweise glauben, daß die Welt von Anhängern Max Stirners beherrscht wird, also daß die Weltverschwörer Stirnerianer sind. Hans G. Helms und Alexander Stulpe haben sehr dicke Bücher darüber geschrieben.

Um zu den Weltverschwörern zu gehören, mußt du dich zu den sieben Todsünden Trägheit, Neid, Völlerei, Wollust, Habgier, und schließlich Hochmut, d.h. zu Luzifer, bekennen, um schließlich, siebentens, im Zorn und im Namen Satans unaussprechliche Dinge zu tun, die dich, vom Über-Ich befreit, auf ewig aus der menschlichen Gemeinschaft ausschließen…

…schau dir die Kreaturen an, die ihre Seele an den Teufel verkauft haben, die Entertainer (Marke Madonna) mit ihren Musikvideos und die Politiker (Marke Macron) mit ihrer bösartigen Politik! EINFACH MAL DIE AUGEN AUFMACHEN! Die sieben Sprossen der „Stairway to Heaven“ führen schließlich zum letzten Raum im Schloß der blutigen Bestie:

Der Film zeigt das, was sie aus Kubricks Eyes Wide Shut herausgeschnitten haben…

Du willst mir sagen, daß ich dem Marquis de Sade, den bekennenden Satanisten Marx und Lenin und polymorph-perversen Psychoanalytikern wie Isidor Sadger und Paul Federn folgen soll?! DMF (Diderot, Marx, Freud) statt LSR?!

Drogenmißbrauch insbesondere Cannabis (Trägheit), Neid („Kleiner Mann“), Völlerei, Wollust und Habgier (orgastische Impotenz) und Hochmut (die Verlagerung von Energie weg vom Genital in den Kopf: „Hochnäsigkeit“) und schließlich sexueller Kindesmißbrauch und Mord (die blutige Zerstörung von Genitalien) sind das, wofür AUSGERECHNET LaMettrie, Stirner und Reich stehen sollen?!

Ich kann nur immer und immer und immer wieder und wieder und wieder auf Reichs Dreischichtenschema verweisen:

Das DOR in der Mitte wird sequestriert werden und die Fassade wird den Kern ausdrücken! Keine Ahnung warum, aber das findet sich alles ausgerechnet in den B-Movies von Roger Corman.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 138)

11. Juni 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Kann man sich ein eine unpassendere Überschrift für Laskas LSR-Projekt vorstellen: „konservativ“? Wenn es einen Ort in Laskas LSR-Projekt dafür gibt, dann beim von ihm eingeführten „rationalen Über-Ich“, mit dem er explizit von Stirner abweicht.

Haben sich auch ungepanzerte Trobriander schuldig gefühlt? Genauso wie du dich schuldig fühlst, wenn du irgendwas an deinem Auto nicht überprüft hast und dergestalt einen schweren Unfall schuldhaft verursachen könntest. Das sind rationale Schuldgefühle. Das „rational“ gilt selbst dann, wenn etwas Schlimmes passiert, nachdem der besagte Trobriander irgendein magisches Ritual beim Bootsbau versäumt hat und das Boot später kentert. „Rational“ kann man also nicht abstrakt „rationalistisch“ betrachten.

Rational ist erstens was den eigenen Interessen und den Interessen jener dient, mit denen man sich identifiziert (Familie, Gemeinschaft, Nation, Rasse, Menschheit), und zweitens spontan dem primären Lebensimpuls entspringt. Hat beispielsweise das Mitglied eines Nachbarstamms der Trobriander Schuldgefühle, weil er verabsäumt hat, seinen Sohn zu beschneiden und der dann verunglückt („ihn die Götter strafen, weil er unrein ist“), dann ist das formal zwar die gleiche Situation wie beim besagten Bootsunglück, aber dem Sohn wird objektiv durch die Verstümmelung geschadet und sie entstammt zweifelsfrei lebensfeindlichen („irrationalen“) Motiven.

Zwar sind beide Rituale (Magie beim Bootsbau, Beschneidung) objektiv sinnlos, aber „subjektiv“, d.h. im bioenergetischen, psychologischen und sozialen Zusammenhang sind sie nicht gleichwertig. Die Beschneidung schadet der Lebensenergie, hinter der „guten Tat“ (vorgeschobenes Motiv) lauert Sadismus (wahres Motiv) und das gesamte gesellschaftliche Umfeld ist toxisch.

Laska hat zwischen einem „rationalen Über-Ich“ und einem „irrationalen Über-Ich“ unterschieden. Vor dem Hintergrund der obigen Ausführungen sehe ich das so: man kann vollkommen ungepanzert sein und trotzdem Schuldgefühle haben, aber man kann nicht ungepanzert sein und gleichzeitig gegen die Sexualität von Kindern und Jugendlichen sein!

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 137)

8. Juni 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Man kann den Marxismus als Versuch betrachten, mit Stirner fertigzuwerden – und den Neomarxismus als verzerrte Rückkehr des Verdrängten.

Da wäre Marx quasi Aristotelische Hinwendung zur „Essenz“. Im Kapital heißt es beispielsweise, daß sich „in den zufälligen und stets schwankenden Austauschverhältnissen Arbeitszeit als regelndes Naturgesetz gewaltsam durchsetzt, wie etwa das Gesetz der Schwere, wenn einem das Haus über dem Kopf zusammenpurzelt. Die Bestimmung der Wertgröße durch die Arbeitszeit ist daher ein unter den erscheinenden Bewegungen der relativen Warenwerte verstecktes Geheimnis“ (Marx, z.n. Wolfgang Röd: Dialektische Philosophie der Neuzeit, München: C.H.Beck, 1986, S. 223). In der Ware steckt als transzendentale Essenz die Arbeit wie Christus in der Hostie! Bei dieser „Werttheorie“ bleibt vom Subjekt („Be-Wertung“) nichts. – Von der berühmten (angeblichen Marxschen) Dialektik, d.h. dem Austausch subjektiver Sichtweisen, um „auf dem Markt“ zu einer gemeinsamen objektiven Wertung zu gelangen (etwa so wie Blinde jeweils einen Körperteil eines Elefanten abtasten und sich dabei verbal austauschen), bleibt nichts!

Der Zerfall des Marxismus, der nicht zuletzt 1933 mit Reichs Massenpsychologie begann, wirkt wie eine Wiederkehr des bösen Geistes Stirner. Beispielsweise klingt Satre verdammt nach Stirner, wenn etwa die Rede ist von „Gruppen freier Praxis“ vs. „inertes Kollektiv“ (Verein vs. Gesellschaft): „Das im eigentlichen Wortsinn Wirkliche ist das Individuum in seiner totalisierenden Aktivität, nicht irgendwelche Universalien oder Kategorien, die vielmehr erst in der Totalisierung, also als Ergebnis der individuellen Praxis, erzeugt werden“ (z.n. Röd, S. 311).

Röd erwähnt neben Sartre (der verdammt, und verquer, Stirnerisch klingt) beispielsweise Adorno und nicht zuletzt Marcuse: „Wesentlich ist für Marcuses Auffassung der Dialektik die Betonung der Rolle des geschichtlichen, erkennenden und sich frei entscheidenden Subjekts“ (Röd, S. 300).

Adorno über seine „negative Dialektik“: „Mit konsequenzlogischen Mitteln trachtet sie, anstelle des (Hegelschen) Einheitsprinzips und der Allherrschaft des übergeordneten Begriffs die Idee dessen zu rücken, was außerhalb des Banns solcher Einheit wäre“ (z.n., Röd, S. 303).

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 136)

7. Juni 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

In der Aufklärung gab es die Möglichkeit den subjektiven (= „geoffenbarten“) Geist des Christentums durch die „objektive“ Vernunft zu ersetzen (Diderot, Kant) – oder das Christentum (= die Moral) ganz fahrenzulassen.

Am Ende des deutschen Idealismus konnte man das „Idealistische“ (den objektiven Geist = das Über-Ich) materialistisch erden – oder ganz verwerfen.

Bei Freud/Reich ähnlich: nach dem frühen Freud (der ja nur der Kulminationspunkt einer „Bewegung“ ist, die mit Nietzsche und dem künstlerischen „Aufbruch in die Moderne“ umrissen ist) gab es nur zwei Wege weiter: Kultur oder Natur. Den ersten beschritten Freud, Alexander, Federn, et al., den zweiten Ferenzci (der zufällig mal kurz in diese Wegspur geriet), Gross und Reich.

Man könnte sagen, bei Stirner bildet sich der „Verein“ aus den Schnittstellen der Wirkungen, die von den, Marx zufolge, „abstrakten“ Individuen ausgehen. Bei Marx sind umgekehrt die Individuen die Schnittstellen gesellschaftlicher Wirkungen = Historischer Materialismus. Das führt letztendlich dazu, daß „die Gesellschaft“ zum Abstraktum wird – zum „irrationalen Über-Ich“.

Reich zufolge setzt das Leben bzw. „das Lebendige“ seine eigenen Regeln auf, organisiert sich die Gesellschaft spontan. Es bildet sich sozusagen ein „rationales Über-Ich“ (Laska) aus. Beim vermeintlichen „Atheisten“ Freud muß eine letztendlich überweltliche Vernunft ordnend und regulierend eingreifen, damit das Leben nicht an seiner eigenen Irrationalität zugrundegeht. Dabei verkennt er, daß diese Eingriffe die Selbstregulation zerstören und dadurch erst das erzeugt wird, was das „irrationale Über-Ich“ doch bekämpfen will.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 135)

6. Juni 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Diderot, Marx, Freud und Konsorten haben die Ausnahmestellung von LaMettrie, Stirner und Reich erkannt, was man von deren Bewunderern und Anhängern in aller Regel nicht sagen kann. Das ist imgrunde das LSR-Projekt in einem Satz.

Bei Wolfgang Röd fand ich folgende Stelle, die zeigt, warum Marx (bereits lange vor dem Einzigen) ein Ohr für Stirners (spätere) Sonderstellung hatte. Nach Hegel gab es nur zwei Wege weiterzugehen – einen beschritt Marx, den anderen Stirner:

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte es nicht nur scheinen, als sei eine bestimmte Gestalt der Philosophie durch ihre Vollendung im Hegelschen System an die Grenze ihrer Entfaltungsmöglichkeiten gelangt, sondern als bereite sich auch die Geburt einer neuen Art Philosophie vor. Daß Marx die Situation so sah, zeigt sich schon in den Vorarbeiten zu seiner Doktor-Dissertation, wo sich der berühmte Hinweis auf Knotenpunkte in der Philosophie findet, an denen die gerade Linie der Entwicklung unterbrochen werde. Nach Marx wurde mit Hegels System ein solcher Knotenpunkt erreicht. Dies äußert sich einerseits in der Hinwendung zur Subjektivität als Reaktion auf den totalen Anspruch einer zur Vollendung gelangten Philosophie [PN: Stirner], andererseits in der Bemühung um Aufhebung der für abgeschlossen gehaltenen Art von Philosophie. An dieser Aufhebung mitzuwirken, sah Marx als seine Aufgabe an. Eine solche Aufhebung war seit längerem vorbereitet, und zwar nicht nur durch die Linkshegelianer und namentlich durch Feuerbach, sondern auch, ja vor allem durch die sogenannten utopischen Sozialisten. Was Feuerbach anbelangt, so zeigt sich bei ihm bereits jene Tendenz zur materialistischen Umstülpung der Hegelschen Philosophie, von der später Marx, Engels und deren Nachfolger sprechen sollten. (Wolfgang Röd: Dialektische Philosophie der Neuzeit, München: C.H.Beck, 1986, S. 196f)

Stirner wird von Röd natürlich nicht erwähnt. Sah Marx schon, lange bevor Stirner in seinen Gesichtskreis trat, die Alternative zwischen „Hinwendung zur Subjektivität“ (d.h. sich dem „absoluten Geist“ entziehen) und „Aufhebung“ (beim Geist kann „Aufhebung“ nur „real werden“ bedeuten). Wenn dem so ist, dann hätte Marx selbst ein „Stirner“ werden können. Er war sich dessen bewußt (natürlich in anderer Begrifflichkeit und deshalb nicht ganz so klar): entweder sich dem Über-Ich entziehen und es liquidieren – oder diesen Geist (die Moral) aufheben, indem man ihn verwirklicht (= das Marxistische Paradies der Gerechtigkeit). Das wäre auch die Erklärung, warum nur er Stirners Bedeutung durchschaut hat. Deshalb hat er sich die Mühe gegeben ein Telefonbuch über Der Einzige und sein Eigentum zu schreiben: Die deutsche Ideologie.

Im Anschluß an Hegel gab es zwei Möglichkeiten: das System verlassen (mit dem Spintisieren aufhören) oder es weiterführen (das Spintisieren mit anderen, geeigneteren Mitteln fortführen). Vielleicht ist mein Röd-Zitat vollkommen belanglos. Das einzige, was ich interessant finde, ist das „Objektive“: daß prinzipiell diese Gabelung bevorstand, egal ob überhaupt jemand den einen Weg genommen hätte und egal, ob Stirner oder Marx je gelebt hätten.

Email [Rudolf Steiner] (2006)

17. Mai 2024

Email [Rudolf Steiner] (2006)

Anstreichungen in David McLellan: DIE JUNGHEGELIANER UND KARL MARX

7. Mai 2024

Anstreichungen in David McLellan: DIE JUNGHEGELIANER UND KARL MARX