Archive for Oktober 2025

rational/irrational (Teil 2)

11. Oktober 2025

Der folgende Auszug aus einem Aufsatz über „Selbstinteresse“ exemplifiziert die ganze Nichtigkeit der Philosophie. Es ist durchweg nur alles Gerede, weil die bioenergetische Verankerung fehlt:

Das Selbstinteresse für sich gebietet schon ein rationales, wenn auch noch nichtsittliches Handeln. Da der Mensch jedoch selbst Verantwortung für Leib, Leben und Wohlbefinden trägt, ist die Vernachlässigung dieser Aufgaben nicht sittlich, das Selbstinteresse, sofern es die Aufgaben übernimmt, sittlich. Nur eine (schon durch Butler und vom Standpunkt der Psychoanalyse durch E. Fromm kritisierte) falsche Gegenüberstellung von Selbstinteresse und Nächsten-Liebe oder Wohlwollen hält das Selbstinteresse für schlechthin unsittlich. Unsittlich ist es allerdings, das Selbstinteresse zum letzten Maßstab allen Handelns zu machen und es ohne Rücksicht auf die Interessen und Rechte der Mitmenschen zu verfolgen (Egoismus). Stirner behauptet, das einzig Reale sei das Ich und alles habe nur insoweit Wert, wie es dem Ich dient. Wenn alle ausschließlich ihrem Selbstinteresse folgen, kommt es in der (prinzipiell nicht vermeidbaren) Situation, daß verschiedene Individuen dieselben Mittel der Befriedigung ihrer Wünsche beanspruchen, zu einem durch keine verbindlichen Regeln begrenzten Streit, zu „einem Krieg aller gegen alle“ (Hobbes): Das zum allgemeinen Gesetz gewordene Selbstinteresse gefährdet seinen eigenen Zweck, das persönliche Glück. Die Gefährdung wird aufgehoben durch die Errichtung eines Rechtszustandes (…) (Otfried Höffe (Hrsg.): Lexikon der Ethik, München 1997, S. 261)

Dies ist alles vollkommen richtig, soweit es um sekundäre Triebe, beispielsweise die Rachsucht geht, die vom Rechtsstaat aufgefangen werden muß, damit wir nicht in einem blutigen Chaos versinken. Das ist die einzige Rechtfertigung für dieses imgrunde irrationale philosophische Geschwafel, das davon ausgeht, daß Sittlichkeit irrational in Bezug auf das Selbstinteresse ist und umgekehrt Selbstinteresse irrational in Bezug auf die Sittlichkeit. Entweder vernachlässigt man sich selbst oder die anderen. Um diese beiden der Sache angeblich intrinsischen Konflikte zu lösen, bedarf es der Vernunft, d.h. der Philosophie in Gestalt von „Lebensmaximen“ und vor allem in Gestalt des Rechts.

Tatsächlich sind aber sowohl Selbstinteresse als auch Sittlichkeit in sich rational! Im „Selbstinteresse“ und „sittlich“ zu handeln, bedeutet nämlich aus dem Kern heraus handeln, d.h. man ist im Kontakt mit sich selbst und damit mit der Umwelt: man handelt rational, d.h. in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit! Wer im Selbstinteresse handelt, wird auch sittlich handeln und wer sittlich handelt, handelt gleichzeitig auch im Selbstinteresse.

Der „Rechtszustand“, der den vermeintlichen Gegensatz von Selbstinteresse und Sittlichkeit aufheben soll, untergräbt hingegen die Rationalität. Jeder kennt aus seinem Alltag, wie das ausufernde „Recht“ ständig Orwellsche bzw. Kafkaeske Momente schafft, die es fast unmöglich machen im Kontakt zu bleiben und d.h. „sittlich“ zu handeln. Das gleiche gilt auch für irgendwelche situationsunabhängigen, abstrakten „Maximen“, etwa „Lüge nie!“, die in bestimmten Situationen für einen selbst und/oder für andere einfach nur fatale Konsequenzen zeitigen können.

Was „das Recht“ manchmal an Unsittlichkeit mit sich bringt, ist kaum zu fassen. Tatsächlich ist es eine direkte Entsprechung dessen, was es bekämpfen soll! Es soll die sekundären Triebe einschränken, die auf die Panzerung der Massenindividuen zurückgehen, ist aber selbst funktionell betrachtet „gesellschaftliche Panzerung“. Oder wie Reich es ausdrückte: die Moral erzeugt genau jene Unmoral, die sie bekämpfen will. Das ist so, weil nicht zwischen primären und sekundären Trieben unterschieden wird.

Würden die primären Triebe „herrschen“, d.h. gäbe es eine Selbststeuerung, wären die im oben zitierten Aufsatz vorgebrachten Gegensätze zwischen „Egoismus“ und „Ethik“ null und nichtig. Aber auch so ist derartiges Herumphilosophieren ein Skandal, da dieses Gedankengut die Unsittlichkeit zementiert. Oder mit anderen Worten: es ist gemeingefährliches „Geschwafel“, weil es nicht zwischen primären und sekundären Trieben unterscheidet.

Die Welt ist so ein elender Ort, weil nicht paßgenau gehandelt wird. Statt spezifisch die Emotionelle Pest zu bekämpfen, werden unterschiedslos alle Regungen des Lebendigen eingeschränkt – was selbst nichts anderes als Emotionelle Pest ist.

In der antiautoritären Gesellschaft kommt es schließlich sogar zu einer regelrechten Umkehr: die sekundären Triebe werden gefördert, während die primären Triebe bekämpft werden. Nichts anderes ist die Political Correctness! Man denke nur an die Kontrollen an Flughäfen, wo streng darauf geachtet wird, doch ja nicht die kostbaren Gefühle jener Mohammedaner zu verletzen, die das ganze erst notwendig gemacht haben, während umgekehrt die Allerunverdächtigsten geradezu demonstrativ ganz besonders gepiesakt und schikaniert werden.

Oder hier zwei selbst beobachtete Beispiele: Kinder bewerfen Enten mit Steinen, um sie zu töten, die Mutter sitzt auf der Parkbank daneben und lacht. Ein Elternpaar geht mit dem kleinen Sohn spazieren, der auf dem Weg einen Sägemehl-Pfeil für eine Schnitzeljagd mit dem Fuß wegwischt, die Eltern ignorieren es.

Sekundäre Triebe und Kontaktlosigkeit (Rücksichtslosigkeit) werden heute aus reiner Bequemlichkeit und schlichter Gleichgültigkeit nicht mehr sanktioniert, während andererseits die Kinder emotional verhungern, ihre primären Antriebe nicht befriedigt werden. Und dann wird ihnen irgendwann Moral nahegebracht und man fragt sich, warum denn diese kleinen Monster trotz des Ethik-Unterrichts, wo das oben zitierte Blablabla gelehrt wird, so grausam und rücksichtslos sind.

Als Gegenmittel wird im Namen der „Sittlichkeit“ bereits im Kindergarten gegen die „Selbstinteresse“ gekämpft, etwa indem Zärtlichkeiten zwischen Kindern unterbunden, wenn nicht sogar sanktioniert werden, so als handele es sich um „sexuelle Übergriffe“. Dabei liegt genau hier und nur hier der Schlüssel, um aller „Philosophie“ und „Ethik“ ein Ende zu bereiten:

In der kindlichen Sexualregung, in der kindlichen sinnlichen Liebesbeziehung liegt unendlich mehr Sittlichkeit, Echtheit, Kraft und Lebenswillen als in Tausenden ledernen Analysen und Thesen. Hier, in der Lebendigkeit des kindlichen Wesens, liegt die Garantie für den Aufbau einer Gesellschaft wirklich freier Menschen, nur hier. (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 260)

Wer satt ist, stiehlt nicht. Wer sexuell glücklich ist, braucht keinen „moralischen Halt“ und hat sein naturwahrstes „religiöses Erleben“. Das Leben ist so einfach wie diese Tatsachen. Es wird nur kompliziert durch die lebensängstlich gewordene menschliche Struktur. (ebd., S. 269)

rational/irrational (Teil 1)

10. Oktober 2025

In der Orgonomie gibt es keine Trennung zwischen dem Freudschen Primärvorgang (der ganz vom Lustprinzip bestimmt wird) und dem Sekundärvorgang (wo das Realitätsprinzip eingreift), zwischen den primären Gefühlen und der sekundären Ratio. Der Sekundärvorgang kann aus orgonomischer Sicht vollkommen irrational sein („Der Intellekt als Abwehrfunktion“, siehe Reichs Charakteranalyse), während der Primärvorgang Leitfaden eines rationalen Diskurses sein kann (Animismus, ozeanische Gefühle, orgonomischer Funktionalismus). Die Grenze zwischen rational und irrational ist die gleiche wie zwischen primären Trieben und sekundären Trieben.

Psychoanalyse, Marxismus, etc. haben primäre Triebe und sekundäre Triebe vermengt und die Label rational bzw. irrational sowohl auf Äußerungen primärer als auch sekundärer Triebe verteilt. Zum Beispiel ist für die Psychoanalyse das ungepanzerte Kind in seiner Suche nach Lust irrational und muß an die rationale Realität angepaßt werden. Für den Marxismus ist die gesamte Geschichte des gepanzerten Menschentiers historisch-materialistisch notwendig und etwa die Trobriander, die diesen Prozeß nicht mitgemacht haben, irrationaler „Völkerschrott“, der ausgemerzt gehört, wenn er der Revolution im Wege steht (Engels).

Zusammengefaßt kann man sagen, daß für die Orgonomie diese gesamte Zivilisation und ihre Wissenschaft verrückt ist, weil sie rational und irrational nicht trennen kann. Ein Kompliment, daß der Orgonomie dann spiegelverkehrt heimgezahlt wird: „Reich war verrückt“.

Satisfaction

9. Oktober 2025

Psychologen unterscheiden zwischen „Maximizers“, die selbst bei kleinsten Entscheidungen, sich nur schwer zu einem Entschluß durchringen können, auf der einen und „Satisficers“, die unmittelbar zu einer Entscheidung finden, auf der anderen Seite.

Früher hat man bei Maximizern und Satisficern nur die Entscheidungsfindung selbst untersucht. Schließlich haben die Psychologin Joyce Ehrlinger von der Florida State University, Tallahassee et al. in einem Forschungspapier unter dem Titel „Failing to Commit: Maximizers Avoid Commitment in a Way That Contributes to Reduced Satisfaction“ gezeigt, daß Maximizers trotz all dem Aufwand, den sie bei der Entscheidungsfindung aufgebracht haben, mit sich und ihrer Entscheidung weit mehr hadern als die „Satisficers“, die mit ihrer „leichtfertigen“ Entscheidung zumeist zufrieden sind. Da Maximizer sicher sein wollen, daß sie die richtige Entscheidung getroffen haben, sind sie niemals mit dieser wirklich zufrieden und deshalb, so die Forscher, weniger glücklich in ihrem Leben als die Satisficer.

Der Mangel an Zufriedenheit ruft beim Maximizer eine Menge Streß hervor, so daß, Ehrlinger zufolge, dieses Persönlichkeitsmerkmal sich sehr stark auf die Gesundheit auswirken könnte. Selbst nachdem er sich unendlich viel Mühe bei der Berufswahl, der Wahl einer Partnerin und dem Kaufen eines Hauses gegeben hat, zweifelt der Maximizer typischerweise an seiner wohlüberlegten Wahl immer noch und kann sogar in Depressionen verfallen. Nichts kann ihn jemals zufriedenstellen und in sich ruhen lassen.

Für Ehrlinger bleibt die Frage, ob ein Maximizer zu sein ein zentraler und gleichbleibender Teil der Persönlichkeit ist oder einfach nur „a frame of mind“, eine „Geistesverfassung“. Die gegenwärtige Forschung versuche herauszufinden, ob sich Maximizer verändern können.

Aus Sicht der Orgonomie leidet der Maximizer schlicht unter seiner charakterlichen Panzerung. Geradezu archetypisch ist das ausgeprägt beim Zwangscharakter mit seiner Pedanterie, Umständlichkeit und Grübelsucht. Demnach ist ein Maximizer zu sein tatsächlich „ein zentraler und gleichbleibender Teil der Persönlichkeit“ und nicht nur eine mentale Macke! Gleichzeitig ist dieser Charakterzug jedoch veränderbar, da die Panzerung prinzipiell wieder auflösbar ist.

Während beim orgastisch potenten „genitalen Charakter“, als Grundverkörperung des Satisficers, der bioenergetische Impuls vom Kern frei zur Peripherie fließt, wird er beim gepanzerten Neurotiker förmlich zersplittert. Ergebnis sind Charakterzüge wie Pedanterie, Umständlichkeit und Grübelsucht: der unbefriedigbare Maximizer.

War Hitler antiautoritär? (Teil 2)

8. Oktober 2025

Charles Konia hat sich ausführlich über Psychopathen geäußert. Dabei geht es vor allem um die Psychopathen in den Chefetagen, die nicht zuletzt die Wirtschaftskrise der letzten Jahre zu verantworten haben.

Leider wurden in den modernen Diagnoseschlüsseln ICD-10 und DSM-V der Begriff „Psychopathie“ abgeschafft und durch weniger scharfe Begriffe ersetzt. Immerhin kann man jedoch auf Werke wie Menschenschinder oder Manager: Psychopathen bei der Arbeit (2007) von Paul Babiak und Robert D. Hare verweisen.

Ein Psychopath ist ein sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme, bei erheblich übersteigertem Selbstgefühl. Ein krankhafter Lügner mit betrügerisch-manipulativem Verhalten. Er leidet (bzw. leidet eben nicht) unter einem Mangel an Schuldbewußtsein, hat nur oberflächliche Gefühle, ist gefühlskalt und leidet (bzw. leidet eben nicht) unter einem Mangel an Empathie. Er übernimmt für sein Handeln keine Verantwortung.

Angesichts dieser Stichworte sei daran erinnert, daß Reich Hitler stets als „Generalpsychopathen“ bezeichnet hat! Dazu paßt teilweise auch dessen Impulsivität:

Der Psychopath ist von Erlebnishunger geprägt, führt einen schmarotzerhaften Lebensstil und hat sein Verhalten nicht unter Kontrolle. Schon früh zeigen sich Verhaltensauffälligkeiten, das Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen, Impulsivität, Verantwortungslosigkeit.

Weitere Auffälligkeiten im Leben von Psychopathen sind Kriminalität in der Jugend, überhaupt eine vielgestaltige Kriminalität mit Verstößen gegen Bewährungsauflagen, Promiskuität und viele kurzzeitige eheähnliche Beziehungen.

Es ist beängstigend, daß in der sich seit etwa 1960 kontinuierlich entwickelnden und um sich greifenden anti-autoritären Gesellschaft diese psychopathischen Verhaltensmuster geradezu zu Verhaltensmaximen werden.

Babiak und Hare stellten empirisch fest, daß, während nur etwa 1 % der Gesamtbevölkerung psychopathisch sind, immerhin 3 bis 4 % der höheren Angestellten Psychopathen sind. Die Prozentzahlen an der Spitze der Wirtschaft werden wahrscheinlich sogar weitaus höher liegen.

Das Problem mit dem Kapitalismus ist, daß solche Typen teilweise recht nützlich sind, denn um eine Firma auch unter schwierigen Bedingungen zu gründen (und damit im günstigsten Fall eine ökonomische Kettenreaktion auszulösen, die eine ganze Region wirtschaftlich wiederbeleben kann!), braucht es einen, wenn man so will, „hitleresken“ Charme, Risikobereitschaft, Angstfreiheit und auch eine gewisse Ruchlosigkeit. Ich hätte beispielsweise wirklich Probleme damit, auch nur eine einzige alte Eiche zu fällen, „nur“ um eine Fabrikhalle zu errichten. Wie ist es erst um so etwas bestellt, wie Leute dazu zu bringen, für dich zu bürgen, oder den Ermessensspielraum eines Verwaltungsbeamten mit dem Einsatz von diversen „Überredungskünsten“ voll auszuschöpfen.

Selbst auf dem Gebiet der Sexualität: ein weicher „Frauenversteher“ kann sich auf ein Leben als Onanist einstellen.

Der britische Psychologe Kevin Dutton hat ein ganzes Buch über die Vorzüge einer psychopathischen Gesinnung geschrieben: Psychopathen: Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann. Allerdings würde auch er keine Psychopathen an die Spitze von Unternehmen setzen, bei denen es um langfristige Strategien geht.

Man kann anfügen: auch ein bei Frauen überaus erfolgreicher „James Bond“ wird sich kaum zum Familienvater eignen!

Wie stets bei Fragen von Gesundheit und Krankheit geht es nicht darum, ob eine Strebung vorhanden ist oder nicht, sondern wie sehr sie „energetisch besetzt“ ist. Es gibt „nur“ einen graduellen Unterschied zwischen „Ich habe dich zum Fressen gern!“ und sexuellem Kannibalismus. Entsprechendes läßt sich über den Kapitalismus sagen: er beruht zwar auf Konkurrenz, Gewinnstreben und Egoismus, aber wie in einem Gesellschaftsspiel gibt es doch einen gewichtigen Unterschied zwischen dem Verfolgen eigener Interessen, insbesondere indem Informationen nicht weitergegeben werden, und Betrug.

Mit dem Umsichgreifen der anti-autoritären Gesellschaft wurde diese, wie angedeutet nicht immer ganz eindeutige, Grenze immer eklatanter überschritten, insbesondere in der Finanzwirtschaft, die teilweise kaum noch von mafiöser Wirtschaftskriminalität zu unterscheiden ist. Selbst um das langfristige Überleben der eigenen Firma scheren sich die psychopathischen Finanzjongleure einen Dreck. Folge war die gegenwärtige Wirtschaftskrise, die prompt dazu genutzt wird, den Kapitalismus an sich in Frage zu stellen. Wie Konia ausgeführt hat, kann jedoch nicht der Sozialismus die Antwort sein, sondern einfach nur die konsequente Bekämpfung von Kriminalität.

Was wirklich Not tut, ist ein verbreitetes Verständnis der menschlichen Charakterstruktur, wie sie Reich, Baker und Konia entschlüsselt haben. Leider Gottes hat die moderne Psychiatrie, Psychologie und Soziologie gegenwärtig die unhelvolle Tendenz entsprechende Ansätze, wie etwa das klassische Verständnis der Psychopathologie, zu zerstören und verunmöglicht es dergestalt der Orgonomie in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Diese Entartung von Medizin und Humanwissenschaft ist ein weiteres Symptom der umfassenden anti-autoritären Zersetzung der Gesellschaft. Um so wichtiger und bemerkenswerter ist der eingangs erwähnte Artikel.

Um auf Hitler zurückzukommen: Vor diesem Hintergrund sollte es auch weniger absurd sein, den Nationalsozialismus als eine anti-autoritäre Bewegung zu betrachten.

War Hitler antiautoritär? (Teil 1)

7. Oktober 2025

Die Frage scheint vollkommen absurd zu sein, gilt doch der Nationalsozialismus als die Inkarnation des autoritären Geistes schlechthin. Doch die Sache ist nicht so eindeutig. Erstens beruht Reichs Massenpsychologie des Faschismus zufolge der Nationalsozialismus ganz und gar nicht auf reiner Sexualunterdrückung, sondern gewann einen Großteil seiner Faszination aus der Überwindung des rigiden Kirchenglaubens und dessen, was die Nazis als „die Reaktion“ bezeichneten. Der Nationalsozialismus war in dieser Hinsicht nur eine der vielen Varianten der „lebensreformerischen“ Bewegung des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

Typisch antiautoritär am Nationalsozialismus war die Zentralisierung und Vereinheitlichung auf allen Ebenen. Im Rahmen des Modernisierungsschubs hat Hitler beispielsweise nicht nur die lateinische Schrift verpflichtend gemacht, sondern wollte auch die Mundarten abschaffen. Klingt nicht gerade „völkisch“! Dem Nationalsozialismus ging es ganz zentral, ähnlich den späteren „kulturrevolutionären“ Bemühungen Maos, um die Delegitimierung von lokalen Autoritäten. Das reichte bis in die Familie hinein: Hitler bot sich als Gegengewicht zu den autoritären Eltern an. Das machte auch einen Gutteil des Einflusses der „Hitlerjugend“ aus.

Entgegen dem Vorurteil, der das Dritte Reich gerne als „Monolith“ sieht, war wohl kein westlicher Staat jemals derartig desorganisiert wie Deutschland unter Hitler. Nirgends gab es eindeutige Zuständigkeitsbereiche und Willkür war gang und gäbe. Beispielsweise wurden im Krieg in einem Landesteil des besetzten Polens großzügig alle eingedeutscht, die sich zur deutschen Kultur bekannten, während in anderen strenge rassistische Kriterien (was immer das in diesem Zusammenhang auch bedeuten mag!) angelegt wurden. Daß der denkbar schlecht geplante Krieg fünf Jahre anhielt, verdankte Hitler ausschließlich der hochprofessionellen Generalität, die auch aus den dilettantischsten Befehlen noch etwas machte. Wie heute lebte die antiautoritäre Gesellschaft parasitär von dem, was die autoritäre sich über Jahrhunderte erarbeitet hatte. Das „Dritte Reich“ lebte in jeder Hinsicht von der Substanz, insbesondere aber der Expertise des deutschen Beamtenapparats.

Hitler selbst war das Gegenteil eines pflichtbewußten „Preußen“. Sein Tagesablauf war nicht der eines „obersten Beamten“, sondern der eines dekadenten Müßiggängers, der nie zu sprechen war und jede Entscheidung solange hinauszögerte, bis es zu spät war. Ich kriege „autoritäre“ Zustände, wenn ich die Literatur lese. Bei den Filmdokumenten über die Aufmärsche der Nazis, deren Design größtenteils auf den verhinderten Künstler und Architekten Hitler höchstpersönlich zurückgehen, werde ich unwillkürlich an die „Rocky Horror Picture Show“ oder an den Christopher Street Day erinnert. „Das soll doch wohl ein Scherz sein?!“ Und wenn man dann noch an Knallchargen wie Göring und Himmler denkt, die allen Ernstes mit Schminke im Gesicht herumliefen, macht es irgendwann „Knacks!“ im autoritären Gehirn! Stauffenberg war für dieses groteske Gesindel Ausdruck „der Reaktion“.

Den Vater hat Hitler gehaßt, die Lehrer waren ihm zuwider, er lehnte jeden Zwang ab und bevorzugte eine träge, ziellose Existenz.

Die Adenauer-Periode war eine der Restoration, insbesondere was die Wiederherstellung lokaler Autoritäten betrifft, bis „1968“ der antiautoritäre Ungeist wieder hervorbrach. Daß die Verbindung zu „1933“ ganz und gar nicht so abwegig ist, zeigt die Geschichte von Horst Mahler oder insbesondere die von Reinhold Oberlercher, „Hamburgs Dutschke“.

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 13)

6. Oktober 2025

Generell neigen Betrachter der Geschichte dazu, ein hoffnungsloses Durcheinander anzurichten, indem sie Dinge verknüpfen, die nichts miteinander zu tun haben, etwa daß Hitler der legitime Kanzler des Deutschen Reiches war, mit der Tatsache, daß er ein Nazi und Massenmörder war. Stalins „geschichtliche Aufgabe“ als Führer der russischen Nation war es, jene Gebiete zurück zu Rußland zu holen, die vor dem Versailler Vertrag zu ihm gehörten, insbesondere Ostpolen. Das hat erst mal nichts mit seiner Rolle als Kommunist und Massenmörder zu tun. Nicht viel anders sieht die Sache bei Hitler aus. Aber kaum argumentiert man so, steht man irrwitzigerweise als „Nazi“, „Leugner“, „Revisionist“ da. „Reichianer“ sind besonders gut darin, denn für die war Hitler ein pestilenter Charakter, und damit ist für sie alles erklärt. Tatsächlich haben sie nichts begriffen, denn es geht nicht um das Was (in diesem Fall um die Rückgängigmachung von Versailles, die etwa Stauffenberg voll und ganz begrüßt hat), sondern um das Wie, das in den Holocaust mündete.

Der Zweite Weltkrieg und der Holocaust wären vermeidbar gewesen, wenn England und Frankreich dem Reichskanzler (!) Hitler Osteuropa als dessen Interessengebiet überlassen hätten (ein Großteil hatte, wie angedeutet, vor dem Ersten Weltkrieg sowieso dem Deutschen Reich bzw. der k.u.k.-Monarchie angehört), genauso wie sie es 5 Jahre später Stalin überließen. Im Gegenzug hätte Hitler die bestehenden Westgrenzen und den Erhalt des Empire garantiert. Ohnehin waren die deutschen Generäle vor dem Angriff auf Polen nicht auf eine umfassende europäische Invasion vorbereitet. Nach dem Krieg haben die Alliierten und die Historiker nie konkrete Pläne beispielsweise für eine Invasion Englands gefunden. Als Deutschland in Österreich und Tschechien einmarschierte, standen nicht einmal Militärkarten zur Verfügung, so daß sich die Panzerkommandeure auf Karten für Autofahrer verlassen mußten.

Natürlich wird auf den Militärakademien jeder Nation regelmäßig der Einmarsch in die Nachbarländer simuliert. Und natürlich haben alle Länder ihre Hardliner, etwa Amerika seinen General McArthur, der taktische Atombomben im Koreakrieg zum Einsatz bringen wollte. Aber die beiden Weltkriege mit dem Hinweis auf die „preußischen Junker“ und die aggressive „preußische Militärkaste“ zu erklären, grenzt an Idiotie.

Im Umfeld von Kaiser Wilhelm II. 1914 sowie von Hitler 1939 gab es zwar einige Scharfmacher, die davon träumten, daß Deutschland die Welt regiert, aber solche Spinner gab es in allen Ländern. Beim Krieg, der Ende der 1930er Jahre begann, sollte man nie einen Krieg vergessen, der Anfang der 1930er Jahre beinahe ausgebrochen wäre und dessen Strategie schlichtweg verbrecherisch war, was das Involvieren der Zivilbevölkerung betrifft. Ich spreche vom Beinahe-Krieg zwischen den USA und England (Landkrieg mit Kanada plus Seekrieg):

Auch sollte man an einen Krieg denken, der tatsächlich stattgefunden hat: der Spanisch-Amerikanische Krieg von 1898, mit dem die USA begannen ihr Interessensgebiet auszuweiten. Man denke erst einmal in solchen Kategorien, bevor man Deutschland als singulär böse hinstellt, nur weil es seine egoistischen nationalen Interessen durchsetzen wollte wie alle anderen Mächte auch! Man gebe sich doch keinen Illusionen hin, daß Stauffenberg oder Rommel oder wer auch immer großartig anders gehandelt hätten als Hitler. Nochmals: Es ging weniger um das Was, sondern das Wie. Da, in der Art der Hitlerschen Kriegsführung im Osten, beginnt das Problem der Emotionellen Pest in diesem Krieg, nicht bei den Fragen nach Territorien und deutschen Interessensgebieten.

Ich bin mir bewußt, daß es während des „Boxeraufstands“ 1899-1901 in China und in einigen von Deutschlands Kolonien (die sie bereits nach einigen Jahren verloren) wie Namibia „deutsche Metzger“ gab, die die indigene Bevölkerung abschlachteten, versklavten und sie allgemein schlecht behandelten. Aber Deutschlands Verbrechen während des „Boxeraufstands“ waren nicht größer als die britischen Verbrechen während der „Opium-Kriege“, und was Deutschland in seinen 2 oder 3 Kolonien wie Namibia tat, war quantitativ viel kleiner als das, was beispielsweise der britische Imperialist Cecil Rhodes den Bewohnern mehrerer afrikanischer Länder angetan hat. Im dankbaren Angedenken seines mörderisches Imperialismus‘ benannten die Briten nach dem Zweiten Weltkrieg sogar ein Land nach seinem Namen: „Rhodesien“.

Was die Ausbeutung überseeischer Kolonien betraf, verantwortete das Kaiserreich vielleicht 5 Prozent, während die restlichen 95 Prozent in der Verantwortung von Großbritannien, Spanien, Portugal, Holland, Japan, Frankreich und Belgien lagen, wobei die Kolonialmacht Belgien mit Abstand am brutalsten war. (Auch wenn ich bei letzterem zunehmend in Zweifel gekommen bin und mich frage, ob hier die Verbrechen von arabischen Sklavenjägern, etwa das Abschlagen von Händen und Füßen, den Belgiern zugeschrieben wurden.)

Natürlich weiß ich, daß es sehr große Unterschiede gab, wie die Kolonisierung durchgeführt wurde und wie die indigene Bevölkerung behandelt wurde. Die Spanne reicht von einer „sehr weichen und moderaten“ Kolonisation (die einer „Supervison“ nahekam und sehr viel Verantwortung und Mittel den Eingeborenen überließ), wie auf dem indischen Subkontinent, im Gegensatz zu sehr brutaler Kolonisation, die auf Völkermord hinauslief und den Diebstahl sämtlicher Ressourcen, wie in Belgisch-Kongo. (Aber siehe oben… ) Und ich bin mir auch bewußt, daß viele europäische Kolonialisten eher harmlos waren im Vergleich mit den extrem brutalen Verbrechen mancher indigener Völker untereinander vor dem Beginn der europäischen Kolonisation. Man denke nur an die Sklaverei, die im gesamten Machtbereich der Briten verboten wurde.

Nebenbei bemerkt: all die linken Antikolonialisten scheren sich einen Dreck darum, wenn es etwa um die indonesische Annexion von Ost-Timor geht.

Kaiser Wilhelm II. 1914 und Hitler 1939 sahen, daß die westlichen Nationen sich untereinander die Welt bereits aufgeteilt hatten. Statistisch gesehen, hatte jeder britische Bürger 100mal mehr Quadratmeter als ein deutscher Staatsbürger zur Verfügung, und auch das sehr kleine Land Belgien war im Besitz eines Territoriums, das 100 mal größer war als sein Heimatgebiet. Selbst der Kleinstaat Niederlande hatte sein riesiges Indonesien! Alle anderen westlichen Länder waren autark, während Deutschland es als einziges nicht war. Deutschland war immer abhängig von Ressourcen, die es von der wirtschaftlichen Konkurrenz kaufen mußte. Beispielsweise waren wegen der Zollschranken für die Deutschen Öl, Gas, Gold (vor allem, da alle Nationalökonomien und alle Währungen auf dem Goldstandard beruhten) und Südfrüchte viel teurer als für Engländer oder Franzosen.

Die westlichen Nationen hatten ihre Kolonien mit militärischen Mitteln gestohlen, zeigten aber mit dem moralischen Zeigefinger auf Deutschland, wenn dieses seine Interessen durchsetzen wollte. Die Situation war für Deutschland schlichtweg nicht hinnehmbar, weil bei jedem kleineren wirtschaftlichen Konflikt die anderen leicht eine Seeblockade verhängen und so Deutschland von allen Ressourcen abtrennen konnten.

Email (die vermeintlich großen Denker) 2008

5. Oktober 2025

Email (die vermeintlich großen Denker) 2008

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 12)

4. Oktober 2025

Ich habe noch nie gesehen, daß sich Türken für den Völkermord an den Armeniern schuldig fühlen. Oder daß sich Spanier in ihrem Patriotismus gehemmt fühlen durch Schuldgefühle wegen der brutalen Eroberung und der Völkermorde, die spanische Kolonialherren begangen haben. Oder daß ein Amerikaner ein schlechtes Gewissen wegen der Hunderttausenden unschuldiger Opfer in Hiroshima und Nagasaki hatte. Oder ein Yankee ein schlechtes Gewissen wegen General Sherman, der im Bürgerkrieg der Zivilbevölkerung des Südens „die harte Hand des Krieges genauso spüren lassen wollte wie ihren Armeen“. In dieser Tradition steht Dresden, als die Amerikaner zusammen mit den Briten innerhalb von nur zwei Tagen insgesamt mehr Bomben abwarfen, als Deutschland es auf das gesamte Gebiet Englands während des ganzen Krieges getan hatte.

Ein trauriges Kapitel sind auch die alliierten Tiefflieger: die Hedgehoppers jagten alles, was sich bewegte, darunter auch Frauen und Kinder, die auf den Feldern arbeiteten. Praktisch jeder aus der Landbevölkerung kann von solchen Vorkommnissen berichten! Jedenfalls erinnern sich alle, die ich befragt habe: wie sie um ihr Leben rannten, wenn US-Piloten, wie es zumindest schien, „Zielscheibenschießen“ übten und ihren Spaß hatten.

Wußtest du, daß sich Hitler bis 1943 weigerte, zivile Wohnquartiere statt nur Militärobjekte zu bombardieren (wobei es fast immer zivile Kollateralschäden gibt), während Churchill von Anfang an gezielt die Arbeiterviertel unserer Städte bombardieren ließ, ohne daß militärische Objekte in der Nähe waren? Das englische und amerikanische Militär nannte dies „moralisches Bombardieren“!

Die Attacken der Royal Air Force (RAF) auf deutsche Städte begannen in der Nacht auf den 12. Mai 1940 mit dem Angriff von 35 Bombern auf Mönchengladbach (am Morgen des 10. Mai 1940 hatte die Wehrmacht den Westfeldzug begonnen). In der Folgezeit flog die RAF wiederholt kleinere Angriffe auf deutsche Städte, darunter allein acht auf Berlin. Die deutsche Luftwaffe antwortete mit Angriffen auf London (7. September – siehe The Blitz) und auf Coventry (14./15. November). Ende 1940 begann die RAF dann, großangelegte, gegen Zivilisten gerichtete und bis dahin in diesem Ausmaß im Zweiten Weltkrieg noch nicht dagewesene Flächenangriffe auf deutsche Städte zu fliegen. Da militärische Aktionen auf dem europäischen Festland für die Briten nach der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen nicht mehr möglich waren, erschienen Luftangriffe als die einzige Möglichkeit, Deutschland zu schaden. Daß dabei gezielt die – nach dem Kriegsvölkerrecht eigentlich zu schonende – Zivilbevölkerung getroffen wurde, erfolgte mit der Behauptung, hierdurch deren Moral brechen zu können und den Widerstand gegen die nationalsozialistische Regierung zu stärken („moral bombing“ als neues Leitmotiv einer Direktive vom Juli 1941), und entsprach dem ausdrücklichen Entschluß der Churchill-Regierung, die gleich nach ihrer Regierungsübernahme entschieden hatte, den Bombenkrieg auf das Nichtkampfgebiet auszudehnen.

Die Briten wollten so viele Kinder und Frauen wie möglich töten, um die Moral der deutschen Bevölkerung zu brechen. Interessanterweise reagierte die deutsche Bevölkerung genau gegenteilig. Das offen unethische Verhalten der Alliierten (in der Tradition von General Sherman) überzeugte die deutsche Bevölkerung, daß die Alliierten Terroristen waren, vor denen man niemals kapitulieren dürfe, weil sonst nicht nur sich ergebende deutsche Soldaten gequält und abgeschlachtet würden, sondern auch Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. Mit anderen Worten: Churchills Verlangen nach einer „bedingungslosen Kapitulation“ und die „moralische Bombardierung“ deutscher Wohnviertel machte die Deutschen eher noch fanatischer. Jedenfalls hatte Goebbels Propaganda leichtes Spiel.

Als die Amerikaner nach der „bedingungslosen Kapitulation“ Tausende von deutschen Kriegsgefangenen auf den Rheinwiesen absichtlich an Unterernährung krepieren ließen, fühlte sich die deutsche Bevölkerung in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt.

Wußtest du, daß Hitler selbst 1944/45 den Krieg noch immer hätte wenden können, wenn er sich nicht geweigert hätte, daß Deutschland auf sein chemisches und bakteriologisches Waffenarsenal zurückgreift? Deutschland war damals die Nummer 1 in der Welt in Bezug auf die Produktion von diesen schrecklichen Waffen. Der Wehrmacht standen die neuentwickelten Kampfstoffe Tabun, Sarin und Soman zur Verfügung, während die Alliierten nur das veraltete und inpraktikable Senfgas und Milzbranderreger einsetzen konnten. Die Deutschen hätten Megatonnen in den alliierten Truppenaufmarsch in Frankreich und England feuern können.

Der deutsche Nationalstolz wird noch immer gehemmt durch den Zweiten Weltkrieg, obwohl Deutschland in den letzten 80 Jahren (ich hätte beinahe geschrieben „nach alter guter deutscher Tradition“!) das friedlichste Land in der westlichen Welt war. Bis wir uns im fernen Afghanistan verteidigen mußten, hat für mehr als ein halbes Jahrhundert kein deutscher Soldat einen einzigen Schuß in irgendeinem militärischen Konflikt abgefeuert. Aber noch immer wird Deutschland mit den Nazis gleichgesetzt und beleidigt, wie immer wieder in den griechischen Zeitungen und praktisch ständig in britischen Kloakenblättern. Wir haben die bei weitem striktesten Gesetze gegen Militarismus, Antisemitismus und Rassendiskriminierung. Kein anderes Land garantiert mehr zivile und demokratische Rechte als Deutschland. Kein Land der Welt hat (in Bezug auf seine Größe und die Zahl seiner Bürger) mehr Entwicklungshilfe gezahlt als Deutschland, und kein anderes Land hat mehr ausländische Flüchtlinge und Asylanten, die uns größtenteils nichts, aber auch rein gar nichts angehen, im Verhältnis zu seinen eigenen Bürgern akzeptiert. Jeder Mensch auf diesem Planeten kann nach Deutschland kommen, gegebenenfalls für sich kostenfrei sein Bleiberecht einklagen und den gleichen Lebensstandard genießen wie ein indigener Arbeitsloser, der 40 Jahre malocht hat.

Wie tief der deutsche Selbsthaß verankert ist, zeigt sich am typischen (und im übrigen sachlich falschen) Leserkommentar zu folgendem Video:

deutschlands bewohner sind meist scheisse, da kann man nun sagen was man will. damals waren die frauen kriegsbeute. zuvor aber haben deutsche frauen und kinder umgebracht! von daher ist eine vergewaltigung zu damaliger zeit verständlich.

Warum reagieren so viele so hysterisch, wenn sie Dinge lesen, wo Deutschlands Gegner schlecht und Deutschland selbst gut aussieht? Hier geht es weniger um Moral, Politik und „Wehret den Anfängen!“, sondern um Bioenergetik. Diese Leute können einfach nicht die natürliche Expansion ertragen, die mit dem ganz normalen Nationalgefühl einhergeht. Deshalb, d.h. letztendlich aus Orgasmusangst, hängen sie dem deutschen Kult der Schuld an. Sie wollen ihr neurotisches Gleichgewicht bewahren, die Erregung drosseln, mißbrauchen dazu vor allem die Opfer des Holocaust – und fühlen sich dabei auch noch moralisch überlegen… Wenn dir die Schoah derartig in den Knochen steckt, dann unterstütze Israel!!!

Die Sexualökonomie der Cheyenne

3. Oktober 2025

1927 beschrieb Reich in der damaligen stark von Freuds Todestriebtheorie („Destruktionstrieb“) geprägten psychoanalytischen Begrifflichkeit den Zusammenhang zwischen „Sexualstauung, Aggression, Destruktion und Sadismus“:

Die Intensität real unbegründeter Destruktionsantriebe, besonders die der Brutalität und des Sadismus, hängt vom jeweiligen Zustand der sexuellen Befriedigtheit beziehungsweise von der Stärke der sexuellen Stauung ab.

Diese Abhängigkeit zeigt sich dem Beobachter sowohl auf körperlichem Gebiet als auch im Bereiche der seelischen Haltungen. In Wirklichkeit sind die seelischen Haltungen und die körperlichen Erregungen natürlich nicht zu trennen.

Schon bei der akuten Neurasthenie, die durch Zersplitterung der Befriedigung entsteht und auf sexueller Stauung beruht, sehen wir ein Anschwellen der Erscheinungen destruktiver Antriebe: Reizbarkeit und Ausbrüche des Ärgers über nichtige Vorkommnisse sowie starke motorische Unruhe. Die Destruktionsantriebe sind identisch mit muskulärer motorischer Spannung. Motorische Unruhe kommt bei Neurosen in der Weise zustande, daß unbefriedigte sexuelle Erregung den Muskelapparat erfaßt; sie erscheint aber hier nicht mehr als Sexualphänomen, sondern als Zerstörungsantrieb. Die unterdrückte Sexualerregung überträgt sich auf die Muskulatur, wenn sie nicht symptomatisch gebunden wird oder als Stauungsangst erscheint.

Wir sehen, daß die motorische Unruhe, die Antriebe, zu zerstören oder zumindest den Muskelapparat zu betätigen, sowie die allgemeine Aggressivität bei sadistisch-triebhaften Charakteren um so stärker werden, je länger sie abstinent leben, und daß diese Impulse schwächer werden, wenn die Abstinenz auch nur für kurze Zeit aufgegeben wird. (Genitalität, S. 182)

Die Indianer des nordamerikanischen Kontinents waren nicht durchgehend matristisch, vielmehr gab es auch hier eher patristische, d.h. eher gepanzerte Stämme, bzw. entsprechende Traditionen, die sich aufgrund der Völkerverschiebungen infolge der Landnahme durch die Weißen ausbreiteten. Schließlich überlebten nur die patristisch geprägten Stämme, weil diese sich gegen die koloniale Aggression wehrten (James DeMeo: Saharasia).

Zu diesen gehörten die Cheyenne. Sie glaubten, was typisch für den Patrismus ist, an einen „obersten Gott“ und es gab bei ihnen eine scharfe Trennung zwischen der Sphäre des Krieges (Destruktion) und jener des Familienlebens (Prokreation). Der Anthropologe John H. Moore hat dies anhand der Kriegshäuptlinge der Cheyenne aufgezeigt.

Im Glauben der Cheyenne kam die Energie zum Leben und dessen Erfolg vom allerhöchsten Gott. Aufgabe des einzelnen Mannes sei es, diese allgemeine Energie in eine zielgerichtete Kraft umzuwandeln. Dann kann sie aber nicht mehr für andere Zwecke verwendet werden, weshalb insbesondere Zölibatsgelübde abgenommen wurden, wenn eine schwere Aufgabe anstand. Entsprechend lebten die Krieger, insbesondere aber ihre Anführer, im zeitweisen, teilweise sogar lebenslangen, Zölibat.

Ähnlich wird es bei entsprechenden Stammesgesellschaften in Afrika und auf dem eurasischen Kontinent ausgesehen haben. Das erklärt m.E. auch den Ursprung des Jainismus, Buddhismus und vielleicht der entsprechenden durchweg extrem sexualfeindlichen hinduistischen Guru-Linien aus der indischen Kriegerkaste. Siehe dazu meinen Aufsatz Die Massenpsychologie des Buddhismus.

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 11)

2. Oktober 2025

Es sperrt sich alles in einem, den Rassismus in den Südstaaten der USA oder die zeitweise Internierung von Japanern insbesondere an der Westküste in irgendeiner Weise mit Deutschlands „Judenpolitik“ in Verbindung zu bringen. Auch wenn die Nürnberger Gesetze, d.h. die „Rassentrennung“, durch das entsprechende amerikanische Recht inspiriert war und trotz der Tatsache, daß die Nazis die Juden als „Alien Enemies“ betrachteten… Aber es mutet schon etwas merkwürdig an, wenn es überall in den USA Holocaust-Museen gibt, aber keine über den Genozid an den Indianern; daß in den öffentlichen Schulen Anne Frank und Elie Wiesel gelesen werden, aber die Tragödie der amerikanischen Ureinwohner kaum Erwähnung findet.

Ich mag Amerika sehr, aber die bloße Existenz dieses Volkes basiert historisch auf der Verdrängung, teilweise sogar Ausrottung der Indianer. Und der Reichtum der meisten europäischen Staaten beruht auf ihrer Vergangenheit als Kolonialisten, wurzelt in der imperialistischen Kriegsführung und der Unterdrückung von indigenen ethnischen Gruppen, die über Jahrhunderte als „rassisch minderwertig“ galten und als solche behandelt wurden. Während Deutschland bis 1884 nicht eine einzige Kolonie in seiner Geschichte hatte! Sogar Südafrika, das zu den „Siegern des Zweiten Weltkrieges“ gehörte, fühlte sich bemüßigt, moralische Bedenken über den Rassismus gegen die Juden in Deutschland zum Ausdruck zu bringen, – während die gleichen Südafrikaner bis 1994 an ihrer Apartheid festhielten!

Noch mehr als in Nazi-Deutschland war explizit die ganze soziale Hierarchie im britischen Empire im Rassismus und dem Glauben an eine Herrenrasse „höherer Geburt“ verwurzelt. Wenn du als Sohn eines armen Arbeiters in den Docks von Liverpool geboren wurdest, bliebst du lebenslang Mitglied der Arbeiterklasse. Wenn du als erster Sohn eines Lords geboren wurdest, wurdest du nur durch deine Geburt für den Rest deines Lebens zu einem faulen und dekadenten Edelmann – mit 50 persönlichen Dienern, 5 Häusern, großen Ländereien und einem Einkommen, das zigtausendfach über dem eines Liverpooler Dockarbeiters lag. Die Lordschaften hatten es nicht nötig zu arbeiten und konnten ihre Lebenszeit mit Fuchsjagden, Billard und Poker in ihrem anspruchsvollen „Gentlemen´s Club“ verbringen und ihre Butler herumkommandieren. Darüber hinaus erhielten sie automatisch einen Sitz im House of Lords und konnten das Schicksal der Nation mitbestimmen.

Im London des viktorianischen Zeitalters, der reichsten Stadt der Welt, gab es umfangreiche Slums, wo Hunderttausende auf engstem Raum zusammengepfercht lebten und an Unterernährung und Kälte starben. Das Trinkwasser war mit Cholera verseucht. Um 1880 hatte London 200 000 registrierte Prostituierte (plus eine noch höhere Anzahl, die nicht registriert waren). Die meisten von ihnen litten an Syphilis, darunter viele Kinderprostituierte, die für die Spezialwünsche pädophiler „Gentlemen“ zur Verfügung standen. Viertel wie Limehouse oder Whitechapel im East End waren vergleichbar mit Calcutta in den 1960er Jahren. Es gab Wohnhäuser, in denen 20 Arme sich ein Zimmer teilen mußten. Diese Häuser gehörten den gleichen Gentlemen, die auch die Fabriken besaßen, in denen diese Armen arbeiteten. Sie arbeiteten manchmal 16 Stunden am Tag für einen Hungerlohn, und vielleicht war nach zwei Jahre ihr Organismus von den Giften in der Fabrik unrettbar zerstört.

Fairerweise muß man aber auch sagen, daß die berühmteste Beschreibung dieser Zustände, Engels‘ aufwühlendes Buch Die Lage der arbeitenden Klasse in England, größtenteils auf offiziellen Parlamentsunterlagen beruhte und daß man ständig darum bemüht war, die gröbsten Ungerechtigkeiten abzustellen. Das größte Übel Englands war sein, fast schon an das indische Kastensystem erinnerndes, starres Klassengefüge, das einen Aufstieg fast unmöglich machte und dekadentes, teilweise schlichtweg debiles Gesindel oben hielt. Davon lebt noch heute ein Gutteil der englischen Comedy. Es wirkt nach, etwa wenn sich Mitglieder der Arbeiterklasse gegen das Oberschichtenprojekt des Multikulturalismus wehren: sie werden von der linken Oberschicht sofort als primitives „Nazipack“ abqualifiziert. Als Neandertaler! Als Untermenschen!

In der englischen Sprache kann man sofort erkennen, welcher sozialen Klasse der Sprecher angehört: ob er ein „Edelmensch“ mit Oxford English („Posh“) oder nur ein Proletarier mit Cockney English ist. Das ganze Selbstverständnis des britischen Empire beruhte jahrhundertelang auf diesem hereditären und rassisch gebundenen Herrenmenschentum. Man war der Überzeugung, daß aufgrund seiner Geburt und seines „Blutes“ ein britischer Gentleman besser war als alle anderen Menschen auf der Welt, und daß England daher das Recht habe, andere Völker zu führen und auszunutzen. Genau deshalb bewunderten und verehrten die Nazieliten, allen voran Hitler selbst, die Engländer so sehr.

Woher das kurz umrissene Elend in dieser Gesellschaft, die die Nazis so sehr bewunderten? Das, was England groß gemacht hatte, seine Kolonien, hat es auch zerstört, denn durch die gesicherten Absatzmärkte für minderwertige Waren und durch die Einfuhr spottbilliger Rohstoffe wurden zwar die Reichen immer reicher, aber die englische Wirtschaft selbst mußte dabei logischerweise immer mehr auf sozusagen „Dritte-Welt-Niveau“ absinken. Ernsthafte Konkurrenz war praktisch ausgeschaltet, und die Fabriken konnten minderwertigen Ramsch produzieren, der von unterqualifizierten und unterbezahlten Arbeitern produziert werden konnte. Zumal eine Binnennachfrage durch eine einigermaßen materiell abgesicherte Arbeiterschaft dank der Kolonien so gut wie bedeutungslos war. Das war auch der Grund, warum England die aufstrebende Industrienation Deutschland mit einem absoluten Vernichtungswillen verfolgte: langfristig war England für die Deutschen keine Konkurrenz!

England war von der Kaiserzeit bis heute immer wesentlich ärmer und in jeder Beziehung rückständiger als Deutschland. Das konnte man etwa daran sehen, daß die „DDR“ nie Probleme hatte, England als Referenz zu nehmen, wenn es darum ging, das eigene Land mit einem westlichen Land zu vergleichen, insbesondere in Fernsehberichten und sogar bei den wenigen Reisen ins „westliche Ausland“. Bei Westdeutschland wäre der Kontrast zu groß gewesen, bei England fiel er kaum ins Gewicht. Margaret Thatcher wird vorgeworfen, sie habe England „deindustrialisiert“, dabei hat sie nur das Unvermeidliche beschleunigt, denn Englands Industrie war Schrott! Oder man nehme proletarische Protestbewegungen wie die Skins, die Mods und die Punks. Eine Figur wie Johnny Rotten wäre in Deutschland in den 1970er Jahren gar nicht möglich gewesen, weil es keine Elendsquartiere und krassen Klassenunterschiede wie in England gab – und das trotz der totalen Vernichtung im Weltkrieg und des Millionenheers der Umsiedler! Man schaue sich mal an, wo vermeintliche „Punker“ wie die groteske Figur Campino oder Die Ärzte aufgewachsen sind!

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, daß England als ausschließlich „gut“ und Deutschland als ausschließlich „böse“ dargestellt wird. Ein noch größerer Treppenwitz ist es, daß der idiotische Englandanbeter Hitler ein ähnliches Kolonialreich für Deutschland ersehnte.

Selbst Autarkie ist zerstörerisch genug. Man nehme doch nur die USA, die tatsächlich so gut wie autark sind – und in weiten Teilen ein Entwicklungsland. Welcher normale Mensch kauft schon amerikanische Produkte, etwa amerikanische Kühlschränke oder amerikanische Fernseher? Nur der kapitalistische Weltmarkt, dem Deutschland von Anfang an vollkommen ungeschützt ausgesetzt war, garantiert langfristig Wohlstand und ein hohes Lebensniveau aller Bevölkerungsschichten. Rechte und linke Spinner werden das nie verstehen, um Deutschland „zu retten“.

Wie bereits in Teil 6 angedeutet, war Englands ganzes Kolonialsystem vollkommen irrational und kontraproduktiv: es war nichts anderes als Emotionelle Pest – und genau diese Emotionelle Pest richtete England auf Deutschland, das aus englischer Sicht „sterben muß, damit England leben kann“. Aber kein deutscher Geschichtslehrer wird sich jemals trauen, das seinen Schülern zu erklären!