Posts Tagged ‘Zölibat’

Der verdrängte Christus: 34. Warum sie uns hassen und verachten

28. Dezember 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

34. Warum sie uns hassen und verachten

nachrichtenbrief83

31. Oktober 2017

Nachtrag zu „Neo-Psychoanalyse“

28. August 2016

Manche Kritiker Reichs bemängeln, daß Reich in alter Freudscher Tradition dermaßen auf die Sexualität fixiert war, daß er das, frei nach Viktor Frankl, entscheidende Element seelischer Gesundheit ganz unter den Tisch fallen ließ: die Sinnhaftigkeit. Jemand, der keinen Sinn in seiner Existenz sieht und keine Motivation hat, muß psychisch kollabieren, während ein zölibatär lebender Mensch, der diese Voraussetzung erfüllt, wie etwa der Papst, bis zuletzt glücklich und zufrieden sein kann.

Gut. Schauen wir uns dazu folgende grundlegende Funktionsgleichung an:

Lustangstschmerz7

Reich ging es darum die chronische ängstliche Kontraktion des Neurotikers (Sympathikotonie) aufzubrechen und eine von lustvoller Expansion bestimmte Existenz herzustellen. Diese leichte Parasympathikotonie ist der Normalzustand jedes Tieres und sollte auch bei uns vorherrschen.

Die Frage ist, wie man dort hinkommt. Die Antwort ist denkbar naheliegend: indem man lernt, die Angst zu ertragen (sich dem Leben stellt) und so nach und nach die Kontraktion überwindet. Die entscheidende Voraussetzung dazu ist ebenfalls offensichtlich: Motivation. Und die Motivation beruht auf der Aussicht auf zukünftige Lust.

Mystiker und etwa auch Kommunisten, die sich für den Wahn einer abstrakten „besseren Zukunft“ aufopfern, leben von dieser Hoffnung zukünftiger Lust. Sie sind bereit, dafür buchstäblich Hunderte von Millionen Menschen zu opfern! Dabei schwätzen sie von „Moral“ und davon, daß die Sexualität „nicht so wichtig“ ist!

Hiob und die Orgonomie

7. Juli 2015

Ausgangspunkt und Zentrum der Orgonomie ist die Theorie, daß die genitale Umarmung das zentrale „Ventil“ des organismischen Energiehaushaltes ist.

Aber was ist mit jenen Menschen, die als Hermaphroditen oder mit anderen Defekten geboren werden, so daß eine genitale Umarmung unmöglich ist. Was mit jenen, die durch Unfälle oder Krankheiten entstellt werden und deshalb beispielsweise keinen Penis mehr besitzen?

Hat solchen Menschen die Orgonomie irgendetwas zu sagen?

Nun orgastische Potenz kann selbst der (im konventionellen Sinne) Gesündeste und „Intakteste“ kaum erreichen. Nichtsdestoweniger wird er ein einigermaßen befriedigendes Leben leben können. Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, aus dem Gegebenen das Beste zu machen.

Im hier diskutierten Fall denke man nur an Mönche, die ein glückliches und produktives Leben geführt haben; ein fast „orgonomisches“ Leben. Ein beliebiges Beispiel ist der funktionalistische Denker Nikolaus von Kues.

Ich möchte nochmals auf das bereits in einem vorangegangenen Blogeintrag erwähnte Buch von Aron Ralston Im Canyon verweisen.

Bei einer Bergwanderung wurde die rechte Hand Ralstons von einem tonnenschweren Felsbrocken eingeklemmt. Nach fünf Tagen und Nächten faßte er den Entschluß, die Hebelwirkung des Felsens auszunutzen und seinen Arm durchzubrechen! Danach amputierte er sich in einer Stunden währenden „Operation“ mit einem Campingmesser den Unterarm, legte sich einen Preßverband an und machte sich auf eine vierstündige Suche nach Rettung.

Mittlerweile hat er mittels einer Spezialprothese alle 59 Viertausender in Colorado im Winter und im Alleingang bestiegen.

Es gibt keine Entschuldigung: nicht „die Umstände“, „die Gesellschaft“, „eine schlimme Kindheit“, „Ungerechtigkeit“ oder gar „Panzerung“. Es gibt keinen größeren Verrat am Leben als Wehleidigkeit und Jammerei.

Es ist eine Art „Todestrieb“, Lebenshaß, der sich in diesem Land in Interessenverbänden, politischen Parteien, im sogenannten „Sozialstaat“ organisiert. Die Orgonomie zu diesem Zwecken heranzuziehen (etwa: „Ich hatte einen tragischen Unfall am Unterleib!“) ist schlichtweg ungeheuerlich!

Die Sexualökonomie der Cheyenne

30. Juni 2013

1927 beschrieb Reich in der damaligen stark von Freuds Todestriebtheorie („Destruktionstrieb“) geprägten psychoanalytischen Begrifflichkeit den Zusammenhang zwischen „Sexualstauung, Aggression, Destruktion und Sadismus“:

Die Intensität real unbegründeter Destruktionsantriebe, besonders die der Brutalität und des Sadismus, hängt vom jeweiligen Zustand der sexuellen Befriedigtheit beziehungsweise von der Stärke der sexuellen Stauung ab.

Diese Abhängigkeit zeigt sich dem Beobachter sowohl auf körperlichem Gebiet als auch im Bereiche der seelischen Haltungen. In Wirklichkeit sind die seelischen Haltungen und die körperlichen Erregungen natürlich nicht zu trennen.

Schon bei der akuten Neurasthenie, die durch Zersplitterung der Befriedigung entsteht und auf sexueller Stauung beruht, sehen wir ein Anschwellen der Erscheinungen destruktiver Antriebe: Reizbarkeit und Ausbrüche des Ärgers über nichtige Vorkommnisse sowie starke motorische Unruhe. Die Destruktionsantriebe sind identisch mit muskulärer motorischer Spannung. Motorische Unruhe kommt bei Neurosen in der Weise zustande, daß unbefriedigte sexuelle Erregung den Muskelapparat erfaßt; sie erscheint aber hier nicht mehr als Sexualphänomen, sondern als Zerstörungsantrieb. Die unterdrückte Sexualerregung überträgt sich auf die Muskulatur, wenn sie nicht symptomatisch gebunden wird oder als Stauungsangst erscheint.

Wir sehen, daß die motorische Unruhe, die Antriebe, zu zerstören oder zumindest den Muskelapparat zu betätigen, sowie die allgemeine Aggressivität bei sadistisch-triebhaften Charakteren um so stärker werden, je länger sie abstinent leben, und daß diese Impulse schwächer werden, wenn die Abstinenz auch nur für kurze Zeit aufgegeben wird. (Genitalität, S. 182)

Die Indianer des nordamerikanischen Kontinents waren nicht durchgehend matristisch, vielmehr gab es auch hier eher patristische, d.h. eher gepanzerte Stämme, bzw. entsprechende Traditionen, die sich aufgrund der Völkerverschiebungen infolge der Landnahme durch die Weißen ausbreiteten. Schließlich überlebten nur die patristisch geprägten Stämme, weil diese sich gegen die koloniale Aggression wehrten (James DeMeo: Saharasia).

Zu diesen gehörten die Cheyenne. Sie glaubten, was typisch für den Patrismus ist, an einen „obersten Gott“ und es gab bei ihnen eine scharfe Trennung zwischen der Sphäre des Krieges (Destruktion) und jener des Familienlebens (Prokreation). Der Anthropologe John H. Moore hat dies anhand der Kriegshäuptlinge der Cheyenne aufgezeigt.

Die Krieger, aber insbesondere ihre Anführer, lebten im zeitweisen, teilweise sogar lebenslangen, Zölibat.

Im Glauben der Cheyenne kommt die Kraft oder Energie zum Leben und zum Erfüllen jedweder Aufgabe (…) vom allerhöchsten Gott durch seine verschiedenen Vermittler – Vögel, Tiere und sakrale Gegenstände. Es ist Aufgabe des einzelnen Mannes diese allgemeine Kraft in eine spezifische Kraft für seine gewählten Aktivitäten umzuwandeln – das Sichern von Lebensmitteln, Krieg oder Fortpflanzung.

Wird die Kraft für einen Zweck verwendet, kann sie nicht für andere verwendet werden und so werden Zölibatsgelübde abgenommen, öffentlich und unverblümt, wenn eine schwere Aufgabe ansteht.

Ähnlich wird es bei entsprechenden Stammesgesellschaften in Afrika und auf dem eurasischen Kontinent ausgesehen haben. Das erklärt m.E. auch den Ursprung des Jainismus, Buddhismus und vielleicht der entsprechenden durchweg extrem sexualfeindlichen hinduistischen Guru-Linien aus der indischen Kriegerkaste. Siehe dazu meinen Aufsatz Die Massenpsychologie des Buddhismus.

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The Journal of Orgonomy (Vol. 41, No. 1, Spring/Summer 2007)

31. Dezember 2012

In „The Autonomic Nervous System and the Biology of Sleep (Part 1)“ (S. 7-49), als auch in „The Autonomic Nervous System and the Biology of Sleep (Part 2)“ (The Journal of Orgonomy, Vol. 42, No. 2, Fall 2008/Winter 2009, S. 8-28), befaßt sich Robert A. Harman im Zusammenhang mit dem Schlaf ausführlich mit dem Autonomen Nervensystem.

Studien zum Schlafentzug, die die Funktion des Schlafes evident machen sollten, litten an der Vorstellung, Tiere würden Dinge ausschließlich tun, um zu überleben, d.h. bei Schlafentzug würde ihnen ganz Schlimmes widerfahren, sie könnten sogar sterben. Tatsächlich sind die Ergebnisse uneinheitlich und widersprüchlich und negative Effekte des Schlafentzugs gehen zu einem Gutteil auf die Methoden der Schlafverhinderung zurück.

Es ist ganz ähnlich wie mit der Funktion des Orgasmus, d.h. der Entladung überschüssiger Energie. Niemand, kein Tier, stirbt am Zölibat, trotzdem es sich um die zentrale Funktion des Lebendigen handelt.

Der Schlaf und das Autonome Nervensystem sind eng mit der Funktion der Aufrechterhaltung einer hohen orgonotischen Ladung verbunden und haben sich entsprechend erst recht spät in der Evolution entwickelt. Erst mit der Entwicklung von Warmblütlern, die beispielsweise nicht mehr in die Sonne kriechen müssen, um warm zu werden, entfaltet sich das Autonome Nervensystem.

Zusammen mit einer verbesserten Motorik taucht der Nicht-REM-Schlaf bei Reptilien auf. Zusammen mit der Thermoregulation tritt der REM-Schlaf bei Vögeln und Säugetieren hinzu. Gleichzeitig wird die Vorherrschaft der Emotion über die Sensation hergestellt.

Entsprechend fördert beim Menschen der Nicht-REM-Schlaf die motorischen Funktionen, der REM-Schlaf die „höheren“ kognitiven Funktionen. Evolution ist jedoch nicht immer weitere Entwicklung der Kontrolle des Gehirns über den Körper, sondern wachsende Autonomie des Vegetativen Nervensystems gegenüber dem Zentralen Nervensystem. Beim REM-Schlaf steht das Gehirn praktisch ganz im Dienste des Autonomen Nervensystems.

Ein Hinweis auf die enge Verflechtung von REM-Schlaf und einer hohen orgonotischen Ladung ist, daß Landtiere, die ins Wasser zurückgekehrt sind, wie Wale und Delphine, keinen REM-Schlaf kennen. Robben nur, wenn sie an Land übernachten.

Während des Schlafs überwiegt die Funktion der Pulsation die Homöostase, die drastisch zusammenbricht. Harman:

Vom Autonomen Nervensystem ist bekannt, daß es die orgonotische Ladung durch Ansteigen der Körpertemperatur bei Warmblütlern über die Temperatur der äußeren Umgebung hinaus erhöht, in erster Linie durch sympathische Aktivität. Im REM-Schlaf geschieht das Gegenteil und das Autonomen Nervensystem erhöht die orgonotische Ladung durch Absenkung der Körpertemperatur.

Harman merkt dazu an:

Eine Reihe von Dingen treten während dieser zyklischen Veränderung der Körpertemperatur auf, die die orgonotische Ladung fördern: Das nichtreziproke Funktionieren der sympathischen und parasympathischen Systeme erhöht die Kapazität des Organismus für intensives Pulsieren. Die Körpertemperatur während des Wachens zu erhöhen, erleichtert motorische Aktivität und Stoffwechsel. Sinkende Körpertemperatur im REM-Schlaf baut Glykogen-Reserven wieder auf.

Er fährt fort:

Das bietet einen konkreten Beweis dafür, daß eine primäre Funktion des Autonomen Nervensystems die Erhöhung der Kapazität für orgonotische Ladung ist, während die Homöostase zweitrangig ist. Außerdem erwächst die Zunahme der orgonotischen Ladung nicht aus der Aufrechterhaltung einer konstanten Temperatur, sondern aus spontanen, selbstorganisierten Temperaturänderungen innerhalb eines physiologischen Bereichs. (Journal of Orgonomy, 42/2, S. 20)

Im Verlauf des Schlafes wird das parasympathische Nervensystem immer bedeutsamer. Ohnehin spielt es im Schlaf eine weit größere Rolle als im Wachen. Entsprechend bricht in der Nacht der Panzer weitgehend weg und die schlaflosen Stunden vor dem Klingeln des Weckers („Durchschlafstörung“), wenn „alles hochkommt“, können deshalb durchaus als die „gesündesten Stunden“ des Tages betrachtet werden. Es können dabei aber auch irrationale Ängste, Schuldgefühle, etc. auftauchen.

Im Schlaf treten wir in eine andere Welt, die genauso wichtig für unser Menschsein ist wie das Wachen, wenn nicht sogar wichtiger. Während des Wachens steht die Funktion der „relativen Bewegung“ im Vordergrund, während des Schlafes die der „koexistierenden Wirkung“. Erst hier funktioniert der Organismus wirklich als Einheit, entfaltet sich seine Autonomie. Dies kommt insbesondere in der Welt der Träume zum Ausdruck, in der wir ganz wir selbst sind.

harmanträume