Posts Tagged ‘Destruktionstrieb’

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie

2. November 2020

Diese Arbeit von Klaus Heimann spiegelt die Orgonomie in Deutschland bzw. das orgonomische Wissen in Deutschland Mitte/Ende der 1970er Jahre wider. In diese Zeit reichen die Bemühungen zurück, die Orgonomie in Deutschland, nach der restlosen Zerstörung erster Anfänge auf deutschem Boden, die 1933 erfolgte, erneut zu etablieren. Das damalige orgonomische Wissen ist der Ausgangspunkt des NACHRICHTENBRIEFes und sollte deshalb von jedem, der neu zu unseren Netzseiten stößt, als Einführung gelesen werden, damit wir alle eine gemeinsame Grundlage haben. Klaus Heimanns Arbeit hat den Zauber des Anfangs an sich und möge in einer neuen Generation das Feuer von neuem entzünden:

ZUR ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DER ORGONOMIE von Klaus Heimann

Über Panzerung, Krieg und Frieden

6. Juni 2019

 

Paul Mathews:
Über Panzerung, Krieg und Frieden

 

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 3)

9. September 2018

 

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Funktionelle Betrachtungen zu Verbrennung und Erstrahlung

Über Panzerung, Krieg und Frieden (Teil 2)

16. August 2018

Paul Mathews: Über Panzerung, Krieg und Frieden

Peter liest Peter Gays Freud-Biographie

13. Februar 2018

Freud warf Jung vor, die Libido zu einer „universalen Energie“ zu verwässern. Adler habe die Libido durch eine „universale aggressive Kraft“ („Wille zur Macht“) ersetzt. Freud beharrte auf seinem explizit dualistischen Ansatz, da die „psychologische Aktivität im wesentlichen von Konflikten geprägt sei“ (Peter Gay: Freud, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 2006, S. 447). „Seine Schriften sind voll von Gegenüberstellungen wie aktiv und passiv, männlich und weiblich, Liebe und Hunger und (…) Leben und Tod“ (S. 447).

Gay erwähnt Stefan Zweig: „Zweig mit seiner Begabung für die Übertreibung und die auffälligen Antithesen hat eine Strähne, eine sehr bunte Strähne, aus einem wirren Gewebe von Druck und Gegendruck herausgegriffen“ (S. 574). Das ist genau jene Fruchtbarmachung von Antithesen, die Reich in der Charakteranalyse vorexerzierte, zu der Freud aber weitgehend unfähig war.

Am nächsten kommt Freud dem „Universalen“ vielleicht mit seinem Konzept des Es, das er bei Groddeck entlehnt hatte. Groddeck über Das Ich und das Es: „Dabei hat (Freuds) Es nur bedingten Wert für die Neurosen. Er macht den Schritt in das Organische nur heimlich, mit Hilfe eines von Stekel und Spielrein genommenen Todes- oder Destruktionstriebes. Das Aufbauende meines Es läßt er beiseite, vermutlich um es das nächstemal einzuschmuggeln“ (z.n. Gay, S. 461). Freuds „Es“ bringt, so Freud am Ende von Das Ich und das Es „keinen einheitlichen Willen zustande“, weil in ihm Eros und Todestrieb miteinander ringen (S. 462).

Das „Aufbauende“, dessen Fehlen Groddeck monierte, kam beispielsweise in den Schlußworten zu Das Unbehagen in der Kultur zum tragen. Freud: „Und nun ist zu erwarten, daß die andere der beiden ‚himmlischen Mächte‘, der ewige Eros, eine Anstrengung machen wird, um sich im Kampf mit seinem ebenso unsterblichen Gegner zu behaupten“ (z.n. Gay, S. 621).

Freud bezeichnete die Analytiker, sich selbst eingeschlossen, „als „im Grunde unverbesserliche Mechanisten und Materialisten“ (S. 498), doch immer wieder scheint das imgrunde mystische Grundwesen der Psychoanalyse durch. Von wegen „himmlische Mächte“!

Freud sprach stets von „die Wissenschaft“, doch was meinte er damit eigentlich konkret? Er, der sich spätestens seit 1900 kaum noch mit der Wissenschaft beschäftigte und vollkommen in einer „Psychologie“ aufging, die sich in Deutungen erschöpfte („Tiefenpsychologie“). Man denke nur an seinen Lamarckismus, der bei ihm einen dezidiert mystischen Charakter annahm („Geist über Materie“). Dazu Gays folgende Anmerkung:

Während des Krieges spielte er, wie er Abraham schrieb, mit der Möglichkeit, Lamarck für die Sache der Psychoanalyse zu rekrutieren, indem er zeigt, daß Lamarcks Idee des „Bedürfnisses“ nichts anderes ist als „die Macht der Vorstellung über den eigenen Körper. Wovon wir Reste bei der Hysterie sehen, kurz die ‚Allmacht der Gedanken‘“. (S. 414)

Andererseits: in seinem Dialog mit Romain Rolland, wo dieser von „ozeanischen Gefühlen“ sprach, die Grundlage des religiösen Empfindens seien, konnte Freud nur konstatieren, daß er dieses Gefühl nicht kenne (S. 612).

Die Psychoanalyse sei, so Gay über Freud, „die Kunst und Wissenschaft des geduldigen Zuhörens“ (S. 293). Immerhin hier konnte Reich Freud folgen: die Natur nicht im Kantschen Sinne „foltern“, sondern sie sprechen lassen.

Und was schließlich den orgonomischen Funktionalismus betrifft: In Gays Worten ist es „ein Gemeinplatz der psychoanalytischen Lehre, daß die dramatischten Unterschiede, wie weit auseinanderstehende Äste aus demselben Stamme entspringen können“ (S. 632). Beispielsweise schrieb Freud über die Gefühlskonflikte des „Rattenmanns“, sie seien „nicht unabhängig voneinander, sondern paarig miteinander verlötet. Der Haß gegen die Geliebte mußte sich zur Anhänglichkeit an den Vater summieren und umgekehrt“ (S. 302).

DER ROTE FADEN: Der Weg in den Kommunismus

3. April 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

Sex, wozu?

13. Januar 2016

Bis heute fragen sich Biologen, wozu Sex eigentlich gut sein soll, denn im Vergleich zur ungeschlechtlichen Vermehrung ist Sexualität für das Individuum extrem kostspielig. Die Fortpflanzungsorgane schlagen in der Energiebilanz des Individuums negativ zu Buche, ohne irgendeinen Überlebensvorteil zu bieten, vielmehr würden sie nur der Art, d.h. den eigenen zukünftigen Konkurrenten dienen. Und auch für die Art selber wäre eine einfache Zellteilung oder Knospung weit günstiger, denn die durch die Sexualität möglich gemachte evolutionäre Weiterentwicklung (Rekombination der genetischen Information) schafft der Art Konkurrenz durch neue besser angepaßte Arten.

Im Rahmen seiner „Energon-Theorie“ zeigt Hans Hass, daß die sexuelle Fortpflanzung einer dritten Instanz dient, die über Individuum und Art hinausweist: dem „Lebensstrom“. Dieser „Strom“ ist das blinde, wie ein Feuer in Zeit und Raum auswuchernde Leben selbst. Die Evolution ermöglicht es, daß die lebendige Materie immer mehr tote Materie okkupiert – bis hin zum Mond. Entsprechend vergleicht Hass den „Lebensstrom“ mit einem Feuer, das sich immer weiterfrißt.

Hass beruft sich bei diesem Bild auf Heraklit. Doch der hatte eben nicht den mechanisch-toten Energieprozeß, der das leere Spiel der Genetik nach dem Gesetz des geringsten Widerstandes steuert, sondern das Orgon-„Feuer“ vorweggenommen; das Lebensfeuer, das das Movens des äußeren (motion) und inneren (emotion) Lebens ist.

Während für Hass der Körper nur seelenlose Maschine ist, das Werkzeug einer blinden Evolution, die sich mittels der mechanischen Gesetze des „kapitalistischen Konkurrenzkampfes in der Natur“ fortsetzt, ist für Reich der Lebensstrom in einem viel tieferen Sinne Sexualität. Reich begreift ihn als Lebensfeuer, das nicht nur im Evolutionsgeschehen zum Ausdruck kommt, sondern in erster Linie als individuelles „Libidogeschehen“. Der libidinöse Lebensstrom im Körper ist das Primäre und setzt sich sekundär im „Weiterströmen“ der Art und in der Weiterentwicklung des Lebens fort.

Reich zufolge dient der Geschlechtsapparat von frühester Kindheit an der Funktion der sexuellen Lust und Befriedigung. Mit der Geschlechtsreife tritt als bloßer Nebeneffekt für eine begrenzte Zeit auch die Funktion der Fortpflanzung hinzu.

Schon daraus geht hervor, daß die Funktion der sexuellen Befriedigung im Geschlechtsleben bedeutsamer ist als die Fortpflanzung. (Der Sexuelle Kampf der Jugend)

Der „libidinöse Lebensstrom“ im Körper ist das Primäre und setzt sich sekundär zufällig im „Weiterströmen“ der Art und in der Weiterentwicklung des Lebens fort.

Auch der Verhaltensforscher Hass räumt ein, daß man beim Menschen die Sexualität funktionell von der Produktion von Nachkommen loslösen kann. Beide Funktionen stören sich, Hass zufolge, sogar gegenseitig. Wir verdanktem dem Sexualtrieb nicht nur Lustgefühle, sondern auch „viele der höchsten menschlichen Leistungen, besonders auch die künstlerische Entfaltung, dürften weitgehend von dieser Triebfeder beeinflußt sein.“

Diese „kulturelle“ Funktionserweiterung der Sexualität, die in der Evolution erst beim Menschen voll ausgeprägt auftritt, hat nach Hass ihren funktionellen Kern in der Bindung des menschlichen Männchens an sein Weibchen mittels sexueller Lust. Diese durch Sexualität gefestigte Familienbindung sei für das Aufziehen der Kinder unabdingbar, da diese bei der Tierart Homo sapiens abnorm lange hilfsabhängig sind.

Dergestalt stellt die Sexualität in ihrer Funktionserweiterung für den Verhaltensforscher die Grundlage der gesamten menschlichen Zivilisation dar. Man kann also nicht sagen, daß, frei nach Freud, kulturelle Leistungen und die Forderungen der Zivilisation den Menschen von der tierischen Sexualität abspalten, vielmehr verdanken sie sich ganz und gar der Hypersexualität des Menschen!

Reich hat dargelegt, daß die Sexualität ihre Grundlage in einer Funktion hat, die zunächst einmal für das Individuum unverzichtbar ist: die Funktion des Orgasmus. Von ihrer Erforschung ist Reich nicht nur in den sozialen, sondern auch in den biologischen und schließlich in den kosmischen Bereich vorgestoßen („kosmisch“, da die Lebensenergie identisch mit dem „Äther“ ist):

  • 1923, als Freud das erste Werk zur psychoanalytischen Ich-Psychologie vorlegte, die immer mehr von der sexuellen Determination der Neurose fortführen sollte, veröffentlichte Reich seine erste Arbeit über seine Genitaltheorie: der Orgasmus dient der Regulierung der Libido.
  • 1933 öffnete die Postulierung der biologischen Spannungs-Ladungs-Funktion den Weg zur sexualökonomischen Lebensforschung.
  • Circa 1943 kam es zur (erst später veröffentlichten) Entdeckung der rein physikalischen kosmischen Überlagerung, von der die Genitale Umarmung eine Spezialform ist.
  • Und etwa 1953 erfolgte die Entdeckung des OR-DOR-Metabolismus: wird die organismische Energie nicht regelmäßig entladen und so ein ständiger Energiewechsel gewährleistet, wird die Energie langsam schal und giftig – was unmittelbar auf Freuds ursprüngliche „chemische“ Libidotheorie zurückverweist, nach der neurotische Symptome aus den toxischen Auswirkungen nichtabgeführter somatischer Libido hervorgehen.

1927 hatte Reich in Die Funktion des Orgasmus dargelegt, daß der „Destruktionstrieb“ (Freuds „Todestrieb“ – in weitestem Sinne Reichs DOR) in einem reziproken Verhältnis zur Sexualbefriedigung steht: der Orgasmus entzieht ihm die Energie. Interessanterweise kann man im Rahmen der Evolutionsbiologie ähnlich argumentieren. Zweigeschlechtliche Tiere, etwa Schnecken, haben nämlich ein denkbar brutales Sexualleben, da stets ausgekämpft werden muß, wer nun die Rolle des Männchens spielt, das die eigenen Gene ohne langfristige Investitionen und doch denkbar effektiv verbreiten kann. Die Zweigeschlechtlichkeit (im weitesten Sinne die „Genitalität“) hat, bei allen Kämpfen um die Weibchen, zu einer ungeheuren Befriedung in der Natur geführt.

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Todestrieb und DOR-Energie

11. Januar 2016

In seiner „sexualökonomischen Widerlegung des Todestriebes und des Wiederholungszwanges“ geht Reich 1932 davon aus, daß der Organismus ursprünglich nur die eine Strebung kennt, die im inneren generierten Spannungen zu erledigen. Dies kann er nur in der Außenwelt, womit der Urgegensatz Ich und Außenwelt gegeben ist. Psychischer Widerschein dieses Urgegensatzes ist der Gegensatz von Sexualerregung und Angst. Mit der Ausbildung eines Bewegungsapparates tritt neben die „narzißtische Flucht“ ins Innere, die „muskuläre Flucht“. Gleichzeitig entwickelt sich die Fähigkeit, die angsterzeugende Gefahrenquelle in der Außenwelt zu zerstören. Da aber die Außenwelt nicht nur libidinöse, sondern auch destruktive Strebungen versagt, kann sich auch der „Destruktionstrieb“, ähnlich wie der Sexualtrieb bei der „narzißtischen Flucht“, nach innen kehren. Auf diese Weise versucht Reich nachzuweisen, daß der Masochismus restlos auf den Urgegensatz von Ich und Außenwelt zurückgeführt werden kann, statt z.B. auf den Gegensatz von „Eros und Todestrieb“. Reich leugnet nicht, daß es im Protoplasma „Verschlackungs“-Vorgänge gibt, mit denen manche Analytiker den Todestrieb fundieren wollen, er bestreitet nur, daß es sich dabei um einen Trieb handelt, sondern vielmehr um sein Gegenteil, um Hemmung. Damit nahm Reich die eigene spätere „DOR-Konzeption“ des Freudschen Todestriebes vorweg.

Reichs Grunddiktum war stets, daß jeder irgendwo recht hat. Beispielsweise war er derjenige, der am konsequentesten bei der Ablehnung der Freudschen Todestriebtheorie war. Trotzdem konnte er selbst in dem Artikel, der den endgültigen Bruch markierte, in dieser zentralen Frage einräumen, daß das mit diesem „Trieb“ und der mit ihm eng verbundenen neuen Angsttheorie Freuds zwar nicht weit her sei, Freud aber trotzdem etwas Wichtiges offengelegt hatte: den Tod, die Natur des Todes.

Reich referiert in „Der masochistische Charakter“:

Die Vertreter der Todestriebtheorie versuchten immer wieder, ihre Annahmen durch Berufung auf physiologische Abbauvorgänge zu stützen. Doch nirgends findet sich eine brauchbare Anschauung. Eine neue Arbeit, die für die Realität des Todestriebes Stellung nimmt, verdient deshalb Beachtung, weil sie in klinischer Weise an die Frage herantritt und auf den ersten Blick bestechende physiologische Argumente vorbringt. Therese Benedek stützt sich auf Forschungen von Ehrenberg. Dieser Biologe fand, daß schon beim umstrukturierten Einzeller ein in sich gegensätzlicher Vorgang festzustellen ist. Gewisse Vorgänge im Protoplasma bedingen nicht nur die Assimilation der Nahrungsaufnahme, sondern führen gleichzeitig zur Ausfällung bis dahin in Lösung befindlicher Stoffe. Die erste Strukturbildung der Zelle ist irreversibel, indem flüssige, gelöste Stoffe in festen, ungelösten Zustand übergehen. Was assimiliert ist im Leben begriffen; was durch Assimilation entsteht, ist eine Veränderung in der Zelle, eine höhere Strukturierung, die von einem bestimmten Punkt an, wenn sie nämlich überwiegt, kein Leben mehr ist, sondern Tod. Das leuchtet ein, besonders wenn wir an die Verkalkung der Gewebe im hohen Alter denken. Aber gerade dieses Argument widerlegt die Annahme einer Tendenz zum Tode. Was fest, unbeweglich geworden ist, was als Schlacke der Lebensprozesse zurückbleibt, behindert das Leben und seine kardinale Funktion, den Wechsel von Spannung und Entspannung, den Grundrhythmus des Stoffwechsels sowohl im Gebiete des Nahrungs- wie des Sexualbedürfnisses. Diese Störung des Lebensprozesses ist das gerade Gegenteil von dem, was wir als Grundeigenschaft des Triebes kennenlernen. Gerade das Starrwerden schließt den Spannungs-Entspannungs-Rhythmus immer mehr aus. Wir müßten unseren Triebbegriff ändern, wenn wir in diesen Vorgängen die Grundlage eines Triebes sehen wollten.

Wenn ferner Angst Ausdruck „freigewordenen Todestriebes“ wäre, so bliebe unverständlich, wie „feste Strukturen“ frei werden können. Benedek sagt selbst, daß wir die Struktur, das Festgefrorene erst dann als etwas dem Leben Feindseliges erkennen, wenn es überwiegt und die Lebensprozesse hemmt.

Wenn die strukturbildenden Prozesse gleichbedeutend sind mit dem Todestrieb, wenn ferner nach der Annahme Benedeks die Angst der inneren Wahrnehmung dieses überwiegenden Erstarrens, das heißt Sterbens entspricht, dürfte es im Kindes- und Jugendalter keine Angst und im hohen Alter nur mehr Angst geben. Das gerade Gegenteil ist der Fall: Die Funktion der Angst tritt lebhaft hervor gerade in Blütezeiten der Sexualität (unter der Bedingung der Hemmung ihrer Funktion). Nach dieser Annahme müßten wir Todesangst auch beim befriedigten Menschen finden, da er ja dem gleichen biologischen Abbauprozeß unterworfen ist wie der unbefriedigte. (Charakteranalyse, KiWi, S. 285f)

Angesichts der Nachwirkungen des ORANUR-Experiments mußte Reich 1956 konstatieren, daß „ physikalische Funktionen in der Tiefe der Natur auf eine rationale Wahrheit in Freuds seltsamer Hypothese eines ‚Todestriebes‘ hinzuweisen scheinen“ („Re-emergence of Freud’s ‚Death Instinct‘ as ‚DOR‘ Energy“, Orgonomic Medicine, Vol. 2, No. 1).

Reich beschreibt dann ausführlich die Funktionen des giftig gewordenen Orgons, DOR:

Zusammenfassend hat die orgonomische Forschung an den Wurzeln der Existenz eine Energie gefunden, die je nach Umständen entweder als lebensspendende, lebensfördernde und wiederbelebende Kraft funktioniert oder, in Ermangelung solcher Bedingungen, sich in einen Killer des Lebens umwandelt. Es wird sogar zum Zerstörer nichtlebender Materie, wie sich beim Zerfall von Fels, Granit, usw. in Wüstensand während des Oranur-Experiments, 1951-1954 gezeigt hat.

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Freud hatte in seinem Organismus die Wirkungsweise dieser Kraft schwach als stille Zerstörung des Lebens gespürt, den „Todestrieb“ im Gegensatz zum „Lebenstrieb“. Es spielt hier keine Rolle, daß Freud einen starren Dualismus postulierte ohne eine gemeinsame Quelle von Leben und Tod in den unergründlichen Tiefen aller Existenz. Noch spielt es eine Rolle, daß er in seiner Resignation dem Todestrieb mehr Macht verlieh als dem Lebenstrieb. Es spielt keine Rolle, daß Freud hier eine echte physische Kraft, die frei von jeder Art von Psychologie ist, als „Trieb“ hinstellte; oder, daß es ein Grundfehler ist lebloser, massefreier Energie einen Trieb zuzuschreiben; oder daß alle späteren Funktionen des Lebens und noch später des psychischen Funktionierens grundsätzlich funktionell vorgeformt sind in solch orgonotischen Gesetzen wie dem orgonomischen Potential von niedrig zu hoch, in der Fähigkeit der Lebensenergie organische Stoffe und Flüssigkeiten aus massefreier Energie zu erzeugen und damit ihre eigenen „Träger“ zu schaffen; Pulsation, Expansion, Kontraktion, Konvulsion, Reizbarkeit sind solche Grundfunktionen der kosmischen Energie, die später als „Leben“ innerhalb von Membranen und organischen Flüssigkeiten auftreten. Kein Denken oder Intelligenz, aber sicherlich funktionelle Rationalität muß der Lebensenergie zugeschrieben werden. Freuds irrationales Unbewußtes ist nur die vorübergehende Folge der unterdrückten primären Funktionen der kosmischen Energie. Die sekundären, perversen Triebe einer gepanzerten Menschheit zeugen davon in diesem 20. Jahrhundert des Massenmords. (ebd.)

Die Sexualökonomie der Cheyenne

30. Juni 2013

1927 beschrieb Reich in der damaligen stark von Freuds Todestriebtheorie („Destruktionstrieb“) geprägten psychoanalytischen Begrifflichkeit den Zusammenhang zwischen „Sexualstauung, Aggression, Destruktion und Sadismus“:

Die Intensität real unbegründeter Destruktionsantriebe, besonders die der Brutalität und des Sadismus, hängt vom jeweiligen Zustand der sexuellen Befriedigtheit beziehungsweise von der Stärke der sexuellen Stauung ab.

Diese Abhängigkeit zeigt sich dem Beobachter sowohl auf körperlichem Gebiet als auch im Bereiche der seelischen Haltungen. In Wirklichkeit sind die seelischen Haltungen und die körperlichen Erregungen natürlich nicht zu trennen.

Schon bei der akuten Neurasthenie, die durch Zersplitterung der Befriedigung entsteht und auf sexueller Stauung beruht, sehen wir ein Anschwellen der Erscheinungen destruktiver Antriebe: Reizbarkeit und Ausbrüche des Ärgers über nichtige Vorkommnisse sowie starke motorische Unruhe. Die Destruktionsantriebe sind identisch mit muskulärer motorischer Spannung. Motorische Unruhe kommt bei Neurosen in der Weise zustande, daß unbefriedigte sexuelle Erregung den Muskelapparat erfaßt; sie erscheint aber hier nicht mehr als Sexualphänomen, sondern als Zerstörungsantrieb. Die unterdrückte Sexualerregung überträgt sich auf die Muskulatur, wenn sie nicht symptomatisch gebunden wird oder als Stauungsangst erscheint.

Wir sehen, daß die motorische Unruhe, die Antriebe, zu zerstören oder zumindest den Muskelapparat zu betätigen, sowie die allgemeine Aggressivität bei sadistisch-triebhaften Charakteren um so stärker werden, je länger sie abstinent leben, und daß diese Impulse schwächer werden, wenn die Abstinenz auch nur für kurze Zeit aufgegeben wird. (Genitalität, S. 182)

Die Indianer des nordamerikanischen Kontinents waren nicht durchgehend matristisch, vielmehr gab es auch hier eher patristische, d.h. eher gepanzerte Stämme, bzw. entsprechende Traditionen, die sich aufgrund der Völkerverschiebungen infolge der Landnahme durch die Weißen ausbreiteten. Schließlich überlebten nur die patristisch geprägten Stämme, weil diese sich gegen die koloniale Aggression wehrten (James DeMeo: Saharasia).

Zu diesen gehörten die Cheyenne. Sie glaubten, was typisch für den Patrismus ist, an einen „obersten Gott“ und es gab bei ihnen eine scharfe Trennung zwischen der Sphäre des Krieges (Destruktion) und jener des Familienlebens (Prokreation). Der Anthropologe John H. Moore hat dies anhand der Kriegshäuptlinge der Cheyenne aufgezeigt.

Die Krieger, aber insbesondere ihre Anführer, lebten im zeitweisen, teilweise sogar lebenslangen, Zölibat.

Im Glauben der Cheyenne kommt die Kraft oder Energie zum Leben und zum Erfüllen jedweder Aufgabe (…) vom allerhöchsten Gott durch seine verschiedenen Vermittler – Vögel, Tiere und sakrale Gegenstände. Es ist Aufgabe des einzelnen Mannes diese allgemeine Kraft in eine spezifische Kraft für seine gewählten Aktivitäten umzuwandeln – das Sichern von Lebensmitteln, Krieg oder Fortpflanzung.

Wird die Kraft für einen Zweck verwendet, kann sie nicht für andere verwendet werden und so werden Zölibatsgelübde abgenommen, öffentlich und unverblümt, wenn eine schwere Aufgabe ansteht.

Ähnlich wird es bei entsprechenden Stammesgesellschaften in Afrika und auf dem eurasischen Kontinent ausgesehen haben. Das erklärt m.E. auch den Ursprung des Jainismus, Buddhismus und vielleicht der entsprechenden durchweg extrem sexualfeindlichen hinduistischen Guru-Linien aus der indischen Kriegerkaste. Siehe dazu meinen Aufsatz Die Massenpsychologie des Buddhismus.

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Der Aggressionstrieb

17. November 2011

Wenn das Leben seine Instinktsicherheit verliert, hat es, nach Nietzsche, die Vernunft als Tyrannen nötig, weil es sonst in der Anarchie seiner widerstreitenden Triebe, die nicht mehr von einem herrschenden Instinkt regiert werden, verloren ist (Götzendämmerung, Das Problem des Sokrates). Freud und Hans Hass teilen diese Meinung mit Nietzsche, während Reich die Diktatur durch eine „Arbeitsdemokratie“ funktionell ersetzen will. Anstelle dem Aufdämmen und der Regelung der Triebe durch geistige Moral und physische Panzerung tritt die sexualökonomische genitalorgastische Funktion. Nicht unsere Moral unterscheidet uns vom Tier (wir haben sie notwendig, wenn wir zum Tier zurückkehren), sondern unsere Genitalität (die Moral erübrigt).

In seinem 1963 erschienen Buch Das sogenannte Böse, führte Konrad Lorenz den „Aggressionstrieb“ ein (gemeint ist natürlich „Destruktionstrieb“), den der Mensch mit allen höheren Tieren teile, aber zusammen mit seinen anderen atavistischen Trieben steuern, kontrollieren, unterdrücken und sublimieren müsse. So muß sich, Lorenz zufolge, der Mann zusammenreißen, um nicht gleich über jede Frau auf der Straße herzufallen. Die modernen Soziobiologen führen Rassismus und Nationalismus auf unsere „egoistischen Gene“ zurück, die wir zu beherrschen hätten. Dergestalt stellt sich die Frage der soziopathogenen Panzerung erst gar nicht, bzw. sie stellt sich umgekehrt: unsere Steinzeittriebe oder -gene sind für alles Unheil verantwortlich und wir müssen uns gegen sie abpanzern.

Reich hat in Die Funktion des Orgasmus dargelegt, daß es widersinnig ist, von einem „Aggressionstrieb“ zu sprechen, da er kein Trieb im eigentlichen Sinne sei, „sondern das unerläßliche Mittel jeder Triebregung. Diese ist an sich aggressiv, weil die Spannung zur Befriedigung drängt“. Demgegenüber faßt Hans Hass unter dieser Bezeichnung

sämtliche angeborenen und erworbenen Steuerungen zusammen, welche als Akte von Instinkt und Intelligenz dazu führen, daß der Mensch sich Mitmenschen gegenüber ärgerlich, gegnerisch, bösartig, feindlich, ja sadistisch verhält.

Hass wendet sich gegen die Annahme, diese aggressiven Tendenzen des Menschen seien nur eine Antwort auf ihn frustrierende Umwelteinflüsse und daß ohne Frustrationen keine Aggressionen aufträten. Als abschreckendes Beispiel verweist Hass auf das Buch Frustration and Aggression (Yale 1939) der Psychoanalytiker Dollard, Miller, Doob, Mowrer und Sears, wonach durch Frustrationen, die das Kind in seiner Entwicklung erfährt, zur Aggression neigende Menschen entstehen.

In den Vereinigten Staaten empfahlen darum einige Psychologen den Müttern, ihre Kinder ohne Widerspruch und Strafe, also permissiv und möglichst frustrationsfrei zu erziehen. Diese Anregung (…) führte jedoch keineswegs zu einem überzeugenden Resultat.

Betrachtet man jedoch extreme Formen von Destruktion, z.B. wenn ein SS-Wachmann in Auschwitz einer Mutter das Kleinkind aus den Armen riß, an den Beinchen packte, um den Schädel des Kindes an einer Betonwand zu zerschmettern, dann sieht man, daß da kaum der Affe durchbricht, sondern die Zivilisation. Freud und Lorenz und andere, die von „bösen Trieben“ reden, sehen mit ihrer „realistischen“ Weltanschauung sofort den angeborenen Aggressions- und Todestrieb am Werk, aber die weit grausigere Wahrheit ist, daß der SS-Mann dies als typischer Moralist tat, dem sein Gewissen befahl, seine natürlichen mitmenschlichen Gefühle mit aller Gewalt zu unterdrücken: „Wenn ich dies tue, zeige ich, daß du kein Mensch bist – und die Moral erlaubt mir, ja, zwingt mich, solch schädliches Ungeziefer auszurotten.“ Moral! Schließlich ist auch die Bibel auf seiner Seite, wenn er beim Religionsunterricht aufgepaßt hat (Ps 137,9)!

Hier die Widerlegung des „Aggressionstriebs“ durch die moderne Neurobiologie:

Nach wegweisenden Büchern, wie „Prinzip Menschlichkeit“, „Das kooperative Gen“, befasst sich Joachim Bauer in seinem gerade erschienenen neuen Buch „Schmerzgrenze“ mit der Aggression, deren Stellenwert neu bestimmt werden muß. Denn die Annahme, es gebe einen „Aggressionstrieb“, ist im Licht moderner neurobiologischer Erkenntnisse falsch. Im Gespräch mit Dr. Franz-Josef Köb erklärt er warum.