Posts Tagged ‘C.G. Jung’

Der Blaue Faschismus dargestellt anhand einer Jung‘schen Gedankenblähung

21. September 2024

„Wer nach außen schaut, träumt; wer nach innen schaut, wacht auf.“ – C.G. Jung

Das ist die größte Lüge und die größte Wahrheit in einem Satz! Das übliche Geschwafel „weiser“ Männer!

Er ist eine Lüge, weil er die okulare Panzerung und die verkehrte Welt des Schizophrenen und Mystikers nicht nur beschreibt, sondern gutheißt. In der Außenwelt sieht der okular Gepanzerte keine räumliche Perspektive und keine geordnete Abfolge (Zeit), sondern das traumhafte Mäandern des funktionellen Bereichs „koexistierende Wirkung“. Daher all die Verschwörungstheorien, die Verbindungen und Kausalitäten sehen, wo es objektiv keine gibt. Auf der anderen Seite wird sein Innenleben immer trostloser und leerer. Das zeigt sich letztendlich in den Negativsymptomen der Schizophrenen und dem Ausbrennen von Mystikern, vor allem aber anhand des erschreckend profanen Innenlebens von religiösen Menschen, bei denen alles fein geordnet ist und alles seinen Platz in Schubladen hat.

Andererseits beschreibt Jungs Satz die Wahrheit, denn wenn wir um uns blicken, schauen wir auf die Matrix aus Lüge, Manipulation, Propaganda. Von Anfang an wurden der Charakter (die Panzerung) im allgemeinen und das Über-Ich (die psychologische Seite der Panzerung) im besonderen dem ungepanzerten Kind von außen aufgeprägt. Wir haben Unsinn inkorporiert und leben in einer unsinnigen Welt. Erst wenn wir es wagen, uns unseres wirklich eigenen unverfälschten Selbst bewußt zu werden (Kontakt aufzunehmen), wachen wir auf, d.h. die Panzerung wird fremd und lästig – und damit auch die Umwelt, die wir in Gestalt der Panzerung in uns aufgenommen haben.

Das Problem der „Reichianer“ ist, daß sie die Lüge und die Wahrheit miteinander vermengen. Deshalb sind tantrischer Buddhismus, der durch und durch schwule Sufismus, C.G. Jung und all dieser ultrareaktionäre Quark bei diesen Leuten so beliebt. „Turn on, tune in, drop out“ kommt der Wahrheit nahe und ist gleichzeitig die größtmögliche Lüge. DAS ist die Funktionsweise der Emotionellen Pest.

Psycho-Nazis

3. September 2024

Die Lebensläufe von Heinrich von Kogerer und Reich haben sich zweimal überschnitten. Kogerer war Assistent des berühmten Wiener Psychiaters und Leiters der Psychiatrisch-Neurologischen Universitätsklinik Julius Wagner-Jauregg. Hier machte Reich seine psychiatrische Facharztausbildung. Interessanterweise gründete Wagner-Jauregg 1922 ein psychotherapeutisches Ambulatorium als direkte Antwort auf das kurz zuvor gegründete psychoanalytische Ambulatorium, an dem sich insbesondere Reich hervortat, siehe etwa sein Buch Der triebhafte Charakter von 1922. Leiter des universitären „Gegenambulatoriums“ war Kogerer.

1933 brachte Reich sein Buch Charakteranalyse heraus, das den Untertitel trug „Technik und Grundlagen für Studierende und praktizierende Analytiker“. 1934 veröffentlichte Kogerer sein Buch Psychotherapie: Ein Lehrbuch für Studierende und Ärzte. Ein Jahr später wurde es in Reichs Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie (Band 2, Heft 3, 1935) kurz (zwei Sätze!) von „M.“ besprochen: das Buch werde „den modernen Problemen der Psychotherapie in keiner Weise gerecht, weil es ein Sammelsurium von Methoden, Anschauungen und Arbeitsweise in naiver, hoffnungsloser Weise zu vereinigen sucht“.

Mit diesem eklektischen Ansatz, bei dem insbesondere Alfred Adlers „Individualpsychologie“ eine gewichtige Rolle spielte, war Kogler ein direkter Vorläufer der Bemühungen des von Matthias Heinrich Göring geleiteten „Deutschen Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie“. Nach dem Anschluß 1938 ließ sich Kogeler begeistert gleichschalten. Wie der unselige C.G. Jung meinte er, die Psychoanalyse wäre auf die spezifisch „jüdische Psyche“ zugeschnitten.

Von aktuellem Interesse ist, daß seit längerem Bestrebungen in Gange sind, die unterschiedlichsten psychotherapeutischen Ansätze zu vereinigen – ähnlich wie unter Göring. Ich will damit nicht sagen, daß ein solches oberflächlich betrachtet ja löbliches Unterfangen von vornherein „nazi“ ist, realiter kann es aber immer nur ein Ausweichen vor dem Wesentlichen sein – also genau das, worunter die neurotischen Patienten leiden… Bezeichnenderweise tun sich heutzutage ausgerechnet „Reichianische“ Therapeuten darin hervor, aus der Psychotherapie (bzw. „Körperpsychotherapie“) ein unappetitliches Potpourri aus halbverdauten „Ansätzen“ zu machen…

Ernster zu nehmen ist der Fall der Ärztin Johanna Haarer. Sie verkörperte alles, was den Nationalsozialismus in seinem Wesenskern so abgrundtief Hassens- und Verachtenswert macht!

Haarer veröffentlichte im Dritten Reich den Bestseller (bis Kriegsende wurden 690.000 Exemplare verkauft, bis zur letzten Auflage 1987 wurden 1,2 Millionen abgesetzt). Ich kann und will hier nicht die ganze lebensfeindliche Pestilenz ausbreiten, deren Schaden in Deutschland noch Jahrhunderte nachwirken wird. Man lese sich den entsprechenden Wikipedia-Artikel über Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind selbst durch! Es ist das exakte, diametrale Gegenteil zu allem wofür die Namen LaMettrie, Max Stirner, Wilhelm Reich und A.S. Neill stehen! Schlimmer geht es einfach nicht. Emotionelle Pest in ihrer Reinform!

Mit derartigen Pfeifen und Arschlöchern mußte Reich in den 1920er und 30er Jahren ringen. Und man glaube nicht, daß die österreichischen, deutschen und skandinavischen Sozialdemokraten in diesen Jahren viel besser waren. Schließlich waren die Nationalsozialisten auch nur Sozialdemokraten! Ich verweise dazu auf Der Rote Faden. Gewisse Subjekte können sich Ihren „Antifaschismus“ deshalb sonstwo hinstecken! Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.

Wenn der Wille des Babys nicht vom ersten Tag an konsequent gebrochen wird, bekommt man zur Strafe „den kleinen Haustyrann“. Vom Schreien des Kindes muß sich die Mutter dabei nicht irritieren lassen, schließlich können Kinder in den ersten zwei Lebensjahren weder Schmerz noch Liebe empfinden und erinnern sich auch an nichts.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 97)

8. Januar 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Warum wollten die Psychoanalytiker Reich vernichten? Wegen Reichs Orgasmustheorie, die doch nur eine logische Fortführung von Freuds eigener Theorie der „Aktualneurose“ war? Kaum! Wegen dem Orgon? Kaum:

Auch bezüglich des elan-vital-Konzeptes des Philosophen und Literaturnobelpreisträgers Henri Bergson gab es Übereinstimmungen. Reich war nicht der einzige Psychoanalytiker, der sich darauf berief. Schon der Gründungspräsident der US-amerikanischen Psychoanalytikerorganisation, der international anerkannte Neurologe James Putnam, hatte 1911 auf dem Weimarer IPV-Kongreß die Analytiker aufgefordert, das Wirken einer „selbsttätigen“, „sich selbst erneuernden“ „Lebensenergie“ zur Kenntnis zu nehmen. Dabei verwies er neben Hegel insbesondere auf Bergson. In einem Brief vom 8. Juli 1915 gestand Freud, erneut von Putnam auf Bergson angesprochen, ebenfalls zu: „Ich weiß, daß jeder einzelne ein Stück Lebensenergie repräsentiert.“ Auch das Libido-Verständnis C.G. Jungs, der Bergson ohnehin sehr schätzte, wies deutliche Verwandtschaft auf zum „elan vital“ – und damit eben auch zum „Orgon“. Doch was bei Freud oder Jung offenbar nicht einmal einer kritischen Erwähnung bedarf, dient bei Reich bis heute als Alibi zum Attestieren einer Geisteskrankheit. Der Umgang der Analytiker mit Reich ist voll mit solcherart Absurditäten (Andreas Peglau: Unpolitische Wissenschaft?, S. 302-311, 416).

Es bleibt etwas, was mit den beiden genannten Faktoren unlösbar verknüpft ist, ohne das die ganze Sache aber unverständlich bleibt und sich ins Gegenteil kehrt (Stichwort C.G. Jung). Es geht um „LSR“, das nur unzureichend mit den Stichworten „Panzerung“ bzw. „Über-Ich“ umrissen wird: die Möglichkeit der Selbstregulierung. Jene, die den Konflikt zwischen Freud und Reich auf die Politik reduzieren wollen, tun dies, um genau diesen Kern zuzukleistern. Gleichzeitig geht es natürlich in der Tat um „Politik“, d.h. die Frage nach der individuellen und gesellschaftlichen Selbststeuerung.

Um mit LaMettrie zu reden: „Machen wir diese häuslichen Feinde [unsere Selbstanklagen] doch endlich nieder; seien wir nicht länger im Krieg mit uns selbst“ (z.n. Ursula Jauch: Jenseits der Maschine, S. 559). Ursprünglich glaubte Reich, komplementär dazu müßten auch sozusagen die „außerhäuslichen“ Feinde, die Ausbeuter niedergemacht werden. Deshalb seine Hinwendung zum Marxismus. Im Laufe der 1930er Jahre erkannte er, daß es tatsächlich um den Kampf gegen die Emotionelle Pest geht, konkret die Auseinandersetzung zwischen der ihrem Wesen nach unaufhebbar rationalen Arbeitsdemokratie und der irrationalen Politik.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 96)

2. Januar 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Bei der Lektüre von Bernd Laskas Einleitung zu LaMettries Der Mensch als Maschine fällt auf, daß LaMettrie, ähnlich wie Reich, als geistig gestört abgetan wurde, und daß seine Schriften, ebenfalls ähnlich wie bei Reich, nie inhaltlich diskutiert wurden (S. XIIIf). Ein Kuriosum auf zwei Beinen, dem von den Zeitgenossen eine intensive Aversion entgegengebracht wurde – „der aufklärerischen übrigens mehr als der konservativen“ (S. VIII).

Ursula Jauchs umfangreiches Buch Jenseits der Maschine, das ein Jahrzehnt nach Laskas Ausführungen veröffentlicht wurde, liest sich wie eine Verwischung dieser Fakten. Letztendlich geht es darum, LaMettrie die Rehabilitation des Irrationalen und die „Wiederverzauberung der Welt“ zuzuschreiben und ihn dergestalt zu verharmlosen. Die Taktik ist ähnlich wie beim Umgang mit Reich durch seine falschen Freunde und durch „Reichianer“, die Reich zu gerne zu einem harmlosen „Lebensenergetiker“ a la C.G. Jung machen wollen.

Daß Religion und Ethik gesundheitsschädlich sind und eine wahrhaft demokratische Gesellschaft deshalb nur atheistisch und, man verzeihe den Ausdruck, „anti-ethokratisch“ sein kann, d.h. entsprechend eine wahrhafte Demokratie nur auf einer entsprechenden seelischen (gleich körperlichen) Struktur der Massen aufbauen kann, wird sowohl bei der Rezeption LaMettries als auch der Reichs wohlweislich verdrängt. Beide sind Vertreter einer, um Reichs Begriff zu verwenden, „biologischen Revolution“. Bei beiden dreht sich alles um das diesseitige Lebensglück, um erfüllende Lust, d.h. letztendlich um eine „sexuelle Revolution“ (vgl. S. XIXf).

Das Reich des Teufels (Teil 2): Moses und Jesus

12. August 2023

Freud bekämpfte Reich nicht etwa, weil dieser „Bolschewist“ war. Das war nur willkommener Vorwand. Viele Psychoanalytiker waren Sozialdemokraten und Kommunisten. Mit ganz wenigen Ausnahmen waren es durchweg Juden mit einem untergründigen Groll gegen eine Gesellschaftsordnung, die ihnen erst seit Napoleon nach und nach alle Bürgerrechte eingeräumt hatte. Freud hatte ein ganz anderes Problem mit Reich. Es ging nicht um den Umsturz der gesellschaftlichen „äußeren“ Strukturen, sondern um die von Reich angestrebten inneren „psychischen“, nicht appellierbaren Instanzen. Mit anderen Worten ging es Freud um die Verteidigung der Kultur, des Menschseins selbst, gegen die primitiven und überwältigenden sowie inhärent zerstörerischen tierischen Triebe, die Reich freisetzen wollte, indem Reich diese „nicht appellierbaren inneren Instanzen“, also das Gewissen, beseitigte.

Von jeher hatte sich Freud mit Moses identifiziert, jenem Revolutionär gegen die äußere Tyrannei des Pharao und gleichzeitigen Zügler des Innenlebens, d.h. der „tyrannischen Triebe“. Freud, demzufolge das Glücklichsein des Menschen in der Schöpfung nicht angelegt ist, erinnert an den Ayatollah Khomeini, der den Iran vom Schahregime befreite (der Schah wurde explizit mit einem Pharao gelichgesetzt!), – damit die Perser fürderhin in Sack und Asche gehen. Im Islam gebe es kein Lachen und keine Fröhlichkeit.

Während sich Freud eindeutig mit einem sozusagen „Ayatollah Moses“ identifizierte (siehe sein Buch Der Mann Moses und die monotheistische Religion) und konsequenterweise nach dem Goldenen Kalb auch Gott fahrenließ, war es bei Reich Jesus (siehe sein Buch Christusmord). Jesus ging es, frei nach Nietzsches Jesus-Bild, um „die Revolution der Herzen“. Er wurde von den Juden den Römern übergeben und gekreuzigt, weil er keinen neuen Exodus anführen wollte. Wenn es aber nun so hingestellt wird, Freud hätte Reich aus der Psychoanalyse geworfen („gekreuzigt“), weil der sich gegenüber „den Römern“ (die österreichischen Faschisten und die deutschen Nationalsozialisten) zu sehr exponiert hatte, ist das zwar oberflächlich naheliegend, tatsächlich aber auf eine fundamentale Weise in die Irre führend.

Das ganze geht tiefer: Kabbalistische Juden glauben, daß alle Nichtjuden ihre Kinder sind. Die „Goyim“ sind hervorgegangen aus dem Geschlechtsverkehr Gottes mit seiner Frau, d.h. Israel. Dieser „Geschlechtsverkehr“ ist nichts anderes als eben die Kabbala bzw. natürlich ihr praktischer Vollzug. Dieser mystisch-magische Irrsinn ist natürlich nichts anderes als eine rabbinische, nach-neutestamentliche Verhunzung der Geschichte um die „Gottesmutter Maria“, die den Welterlöser Jesus gebar, nachdem sie „Gott erkannte“. Und was tat Jesus? Er erfüllte das Gesetz, befreite die Juden vom Gesetz und machte sie so zu Christen, d.h. Goyim. Diese unbewußte und vor allem verquere Dynamik muß man kennen, um ermessen zu können, wie und warum Freud anfangs so enthusiastisch auf den „Arier“ C.G. Jung reagierte und wie traumatisch für ihn der Bruch mit Jung war. Ähnlich ging es ihm mit Reich. Ich bin darauf in Bd. 1 von Der verdrängte Christus eingegangen.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 65)

21. Mai 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Warum sind alle, die versuchen den Bereich der ko-existierenden Wirkung zu nutzen, so unglücklich? Ich kenne keinen einzigen wirklich glücklichen „Okkultisten“. Bereits in den primitiven Gesellschaften waren die Medizinmänner und Magier stets die Freaks, die Hermaphroditen, die Schizophrenen etc. Es ist kein Zufall, daß Freud, der sich fast ausschließlich im Bereich der ko-existierenden Wirkung (Traumdeutung etc.) bewegte, den Todestrieb konzipierte und auch in anderer Hinsicht der genaue Gegenpol Reichs war, der sich kaum für dieses eigentliche Metier der Psychoanalyse, „das Hören mit dem Dritten Ohr“, interessierte. Man denke auch an C.G. Jungs tiefe Affinität zum Nationalsozialismus oder das haltlose Geraune eines Martin Heidegger.

Es ist, als wenn eine dunkle Wolke über diesen Menschen hinge und sie von einem übelriechenden Dunst umgeben wären.

Der funktionelle Gegensatz der ko-existierenden Wirkung ist die relative Bewegung. Es sind zwei heteronome Funktionen, die ineinander übergehen können. Wird dieser Übergang unterbunden („frustriert“), entsteht genau das Miasma, das ich soeben zu umreißen versuchte. Das bedeutet nichts anderes, als daß man sich im Bereich der ko-existierenden Wirkung nicht dauerhaft aufhalten kann. Es ist wie ständiges Flirten, ohne daß einer der beiden einen Schritt vorwärts macht. Was bleibt, ist Frust und Enttäuschung. Oder man nehme die Psychoanalyse: eine Deutung kann befreiend sein, aber das ständige Räkeln im Unbewußten erzeugt genau das, wovon die Psychoanalyse doch heilen will. Der Gegensatz von Reichs Drang zu sozialer Aktion („Bewegung“) in den 1920er Jahren und das Sitzenbleiben und Spintisieren seiner psychoanalytischen Kollegen war genau das.

Man nehme beispielsweise Kenneth Angers The Inauguration of the Pleasure Dome, wo alles immer in der Schwebe bleibt. Es gibt nicht, wie in einem normalen Film eine Auflösung der Spannung, d.h. den Übergang in eine reale Handlung, die der üblichen Logik von Ursache und Wirkung folgt – der Bewegung von A nach B. Genauso bleibt ein Actionfilm oberflächlich und zutiefst unbefriedigend, wenn ihm „das Geheimnis“ abgeht, es ihm an „ko-existierender“ Tiefe mangelt. Genau deshalb gehört beispielsweise Clint Eastwoods Pale Rider zu meinen Lieblingsfilmen.

Im übrigen handelt Ursula Jauchs Buch über LaMettrie, Jenseits der Maschine, von der „Maschine“ (der pulsierende und von Strömungen durchzogene Körper) und der Imagination. Bei Stirner ist es das, was ich im vorangegangenen Teilen, insbesondere Teil 28, angeschnitten habe: es ist etwas vorhanden, was im Sinne einer „eigensinnigen“ Subjektivität (heute insbesondere „Transgender“) mißbraucht werden kann.

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 19. Die Dogmatik der Christusmörder: Christus und Hitler (Teil 2)

21. Januar 2023

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 19. Die Dogmatik der Christusmörder: Christus und Hitler (Teil 2)

Ergänzung zum 24. Kapitel („Freuds Christusmord“) meines Buches DER VERDRÄNGTE CHRISTUS (Bd. 1)

6. Oktober 2022

Kurz vor Reichs „kommunistischem Engagement“ schrieb Freud am 8. Februar 1927 an die russisch-schweizerische Psychoanalytikerin Mira Oberholzer-Gincburg: „Dr. Wilhelm Reich – ich weiß nicht, ob Sie ihn persönlich kennengelernt haben, – ist einer der tüchtigsten, eifrigsten und strebsamsten Analytiker in Wien, von etwas ungestümem Temperament, ein vortrefflicher Mitarbeiter, 30 Jahre alt… Der junge Mann ist geradezu arbeitsbegierig und etwas berufliche Beschäftigung würde ihm auch psychisch sehr wohltun.“

Sechs Jahre später heißt es dann am 15. Oktober 1933 in einem Brief an den dänischen Psychoanalytiker Sigurd Naesgaard: „Reich ist tüchtig, aber seine Wissenschaftlichkeit ist durch sein kommunistisches Glaubensbekenntnis beeinträchtigt, er ist in manchen Stücken extrem und entfernt sich in anderen weit von den bei uns vorherrschenden Ansichten. Als Apostel hätte ich ihn auch nicht ausgeschickt.“

Hier wird vom Zauberlehrling Freud eine Art blinde Naturkraft („Wilhelm Reich“) heraufbeschworen, die es durch Bändigung („berufliche Beschäftigung“) einzugrenzen gilt und über die er schließlich jedwede Kontrolle verloren hat.

Ich hab das mit „dem Mann Moses“ in Zusammenhang gebracht. Ähnliches ereignete sich 20 Jahre zuvor zu Zeiten von Freuds Trennung von Jung, als Freuds Essay Der Moses des Michelangelo entstand. Gleichzeitig schrieb er sein Zur Einführung des Narzißmus, wo er das Konzept einführt, das schließlich zu seiner Idee vom Über-Ich führen sollte: das Ichideal.

Ilse Grubrich-Simitis hat Freuds Vorarbeiten zur Moses-Studie durchgesehen und ist auf unveröffentlichte Nachträge gestoßen: Stichworte wie „die Idee des großen Mannes“, die Imago des „heldenhaften Sohnes“, „Der große Mann (…) wirft sich selbst zum Urvater-Tyrannen auf oder realisiert die phantasierte Rolle des Heldensohnes oder beides. Moses, Mohammed Beispiel vom ersten, der von Paulus konstruierte Christus vom zweiten.“ (…) „Gottlose können hochmoralisch sein, Fromme aller Verbrechen fähig.“ (…) die Willkür des Urvaters (…) Die rationale Auffassung des Moralischen versäume „dies Moment der Heiligkeit aus der Quelle des Vaterwillens, den mystischen Hintergrund der Ethik“. (…) (Freuds Moses-Studie als Tagtraum, Fischer TB, 1994S. 103f) (…) Das „gesündeste“ Maß an Triebeinschränkung sei „noch nicht gefunden“. (…) (ebd., S. 22)

Die erste Moses-Abhandlung von 1913 ging aus einem Umfeld hervor, in dem es um die Zukunft der Psychoanalyse, das „gesündeste“ Maß an Genitaleinschränkung und um das besagte Über-Ich ging (auch, wenn der Begriff noch nicht existierte).

1908 kam es (vermittelt durch C.G. Jung) zur Bekanntschaft [von Sandor Ferenczi] mit Sigmund Freud. Bereits am 27.4.1908 sprach Ferenczi auf dem 1. Psychoanalytischen Kongreß in Salzburg; sein Vortrag enthält – mit Bezug auf Perspektiven der Psychoanalyse – den Satz: „Die Befreiung von unnötigem innerem Zwang wäre die erste Revolution, die der Menschheit eine wirkliche Erleichterung schüfe.“ (https://d-nb.info/1058512676/34)

Das klingt natürlich verdammt nach Reich, aber Ferenczi begriff schnell und schlug sich solche Flausen schon bald wieder aus dem Kopf! Ernster war schon der Fall Otto Gross, der ebenfalls beim Kongreß in Salzburg anwesend war:

Hier kam es zu einem wenig beachteten, aber folgenschweren Konflikt: Otto Gross, der sich als einer von wenigen Psychiatern schon seit Jahren öffentlich für Sigmund Freuds Lehre eingesetzt hatte, wollte in einem Vortrag gesellschaftspolitische Schlußfolgerungen aus ihr ziehen. Freud, der sich kurz zuvor in seiner Schrift Die „kulturelle“ Sexualmoral und die moderne Nervosität konträr geäußert hatte, setzte dem entgegen, daß dies nicht Aufgabe von Ärzten sei, und sorgte dafür, daß Gross aus der Psychoanalyse gedrängt und aus ihren Annalen getilgt wurde.Einen ähnlich gelagerten Fall gab es in der Psychoanalyse nur noch einmal: den Ausschluß Wilhelm Reichs 1934. (https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Gross)

Diese Periode der Konsolidierung der Psychoanalyse wurde 1913 beim psychoanalytischen Kongreß in München abgeschlossen, auf dem sich der Konflikt mit Jung zuspitzte.

Der Spiegel faßte 1970 den Konflikt zwischen Freud und Jung sehr schön zusammen:

Von Anfang an waren die Interessen Freuds und Jungs sehr verschieden. Dem Schweizer Pastorensohn Carl Gustav Jung (…) kam mit Freuds Psychoanalyse zunächst eine „Erleuchtung“; ihm war, als habe er „von den Früchten des Paradieses genossen“. Aber schon in seinem ersten Brief vom 1. Oktober 1906 (…) beharrte er darauf, daß es außer sexuellen Konflikten auch noch andere Ursachen für die Entstehung der Hysterie geben müsse. Drei Jahre später mochte er schon nicht mehr von der Sexualtheorie reden: „Ich glaube, wenn man gewisse Dinge in aller Öffentlichkeit verkündet, untergräbt man die Zivilisation.“

Der 19 Jahre ältere Freud hingegen sah in dem ersten deutschsprachigen Nichtjuden unter den Psychoanalytikern den repräsentativen „Sohn und Erben“. Er kam gar nicht auf die Idee, daß Jung an einer eigenen Version der Psychoanalyse arbeiten könnte. Aber auch als er Anzeichen dafür sah, suchte er ihn zu halten – aus Angst, in der Spaltung könnte die [psychoanalytische] Lehre „dem Antisemitismus zum Opfer fallen“.

Einem Kompromiß, der den [1905 von Freud formulierten] Primat der Genitalität vielleicht abgeschwächt hätte, mochte Freud freilich nicht zustimmen. Denn für ihn ist die Geschichte des Bewußtseins und der Kultur eine Geschichte von Triebverzichten die keineswegs freiwillig zustande kommen. Schon in der frühesten Kindheit hemmen Versagungen und unbewußt verinnerlichte Verbote das triebhafte Luststreben; psychische Defekte wie etwa Neurosen können laut Freud nur geheilt werden, wenn sich der Patient in einer seelenärztlich gesteuerten Analyse diese Konflikte bewußtmacht.

Nicht zuletzt um die Psychoanalyse für die (damals überaus schockierte) Öffentlichkeit „akzeptabler“ zu machen, suchte Jung nach anderen Erfahrungen im Unbewußten. Den Sexual-Trieb drängelte er mit der Theorie eines dominierenden „religiösen Instinkts“ beiseite, und statt auf frühkindliche Sexualerlebnisse stieß er im Unbewußten seiner Patienten auf „Archetypen“: Urbilder und Mythen, die sich in allen Menschen, also „kollektiv“, als Erbe vorfinden lassen sollen. Aber auch Geistererscheinungen beschäftigten ihn – das Mißtrauen Freuds, der ohnehin Religion als „Okkultismus“ verdammte, wuchs. (…)

Als sein einstiger Kronprinz schließlich 1914 die Psychoanalytische Vereinigung verlassen mußte, frohlockte Sigmund Freud: „Ich kann ein Hurra nicht unterdrücken! So sind wir sie denn endlich los, den brutalen heiligen Jung und seine Nachbeter!“ (https://www.spiegel.de/kultur/enthuellte-briefe-a-d7bb1724-0002-0001-0000-000044418244)

Der Kronprinz als „brutaler Heiliger“! Der Mann Moses…

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 10. Der Christusmord nach Lukas / Lukasevangelium (3,1-8,18) (Teil 1)

23. August 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 10. Der Christusmord nach Lukas / Lukasevangelium (3,1-8,18) (Teil 1)

Antiorgontherapie (Teil 8)

13. Juli 2022

Der grundlegende Unterschied zwischen der Psychoanalyse à la Theodor Reik („Hören mit dem dritten Ohr“) und der Charakteranalyse von Wilhelm Reich: in der Psychoanalyse werden alle Arten von „Gefühlen“ objektiviert und ins Hier und Jetzt versetzt („Bewußtmachen des Unbewußten“), während in der Charakteranalyse umgekehrt das Hier und Jetzt („Sie beschreiben den Tod Ihrer Mutter. Warum lächeln Sie?“) „emotionalisiert“ wird. Das hat drei Aspekte:

In der Psychoanalyse wird alles sexualisiert, d.h. das Sexuelle im Gehirn „verarbeitet“ und so „überwunden“, während in der Charakteranalyse umgekehrt stets von der Ich-Abwehr ausgegangen wird, um schließlich „von oben nach unten fortschreitend“ den Sexus zu befreien.

In der Psychoanalyse wird der vermeintliche „Kern“ angesprochen; der vermeintliche „Primärvorgang“, den die Surrealisten mit ihrem Suhlen in sekundären Trieben sichtbar machen. Das wird insbesondere an der aus ihr abgeleiteten Jungschen „Analytischen Psychologie“ deutlich: während in der Charakteranalyse „chirurgisch“ von außen nach innen vorgegangen wird und sorgsam Primäres (das authentische Selbst) vom Sekundären (gesellschaftliche Konditionierungen) getrennt wird, wird in diesen Psychotherapien an das „innere Kind“ appelliert und irgendwelche vagen „geistigen Wirkstrukturen“, „Kräfte“ und „Energien“ mobilisiert. Das ganze erinnert eher an religiöse Erweckungsbewegungen und hat nichts mit einer verantwortungsvollen Psychotherapie zu tun.

In der Psychoanalyse wird die Vergangenheit in die Gegenwart getragen („Verdrängtes bewußtgemacht“), während in der Charakteranalyse umgekehrt das gegenwärtige Verhalten schrittweise mit der Vergangenheit verbunden wird, d.h. Verhaltensmuster („Charakter“) werden herausgeschält.

Zur Illustration dieser drei Punkte nehme man etwa die „Urschreitherapie“ (und sämtliche pseudo-Reichianischen Therapien plus den ganzen „Tantra-Komplex“): am Ende steht immer ein wachsendes Desinteresse an sexueller Entladung, weil die Energie vor allem im Gehirn gebunden wird; das „Selbst“ wird zunehmend von „Archetypen“ überwuchert, d.h. der Mensch auch im Kern „vergesellschaftet“ („du wirst zum Buddha, wenn du dich mit Buddha identifizierst“); und man wird Infantilisiert, d.h. abhängig gemacht.