
DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 3. Medizinische Orgonomie, n. Marihuana
In seinem Buch Human Armoring (Lit, 1997) schreibt Morton Herskowitz zur Kindererziehung:
Ein gesunder Elternteil mißt der Erfüllung der Bedürfnisse des Kindes im frühen Säuglingsalter mehr Bedeutung bei als der Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse. Er ist dazu in der Lage, weil er nicht durch unerfüllte kindliche Bedürfnisse belastet ist, die im Widerstreit zu denen seines Kindes stehen. Wenn das Kind das Säuglingsalter hinter sich läßt, verschiebt sich das Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen des Kindes und denen der Eltern in Richtung Gleichberechtigung. Gelegentlich verweigert die Mutter dem Kind etwas, um ihr eigenes unmittelbares Bedürfnis zu befriedigen. Sofern die grundlegenden Bedürfnisse des Kindes erfüllt wurden, ermöglicht die Gleichstellung der elterlichen Bedürfnisse mit denen des Kindes dem Kind, in seinen Forderungen vernünftig zu werden und die Rechte anderer zu respektieren. (S. 143)
Heute ist es so, daß wegen der Kontaktlosigkeit der Mütter das Kind in den ersten Monaten seines Lebens in einer emotionalen Kältewüste heranwächst. Es stellt einen Störfaktor in der „Selbstverwirklichung“ der Mutter dar. Man denke nur neuerdings an den verheerenden Einfluß des Smartphones! Ständig ist die Mutter abgelenkt, nicht bei der Sache etc. Psychopharmaka und die Teufelsdroge Cannabis, die allesamt jede emotionale Verbindung verunmöglichen, tun ein Übriges. Später dann, wenn sich tatsächlich alles mehr zur Gleichberechtigung zwischen Mutter und Kind verschieben sollte, wird allein schon aus schlechtem Gewissen ein kleiner Tyrann herangezüchtet, dem man alles, wirklich alles durchgehen läßt, um seine „Liebe“ zu ihm zu zeigen. Je absurder, kränker und „sekundärer“ die kindlichen Forderungen sind, desto eifriger wird ihnen stattgegeben! Das macht man aus genau der gleichen Kontaktlosigkeit, aus der heraus man vorher den Säugling nicht beachtete. Imgrunde ist es ein und dasselbe: „Mach doch, was du willst! Stör mich nicht!“
In der ersten Phase wird das Kind zerstört, in der zweiten zerstört diese Teufelsbrut dann langfristig die Eltern. Die primären Bedürfnisse des Kindes wurden nicht respektiert, als es auf die Welt kam, nun respektiert es nicht die Bedürfnisse der Eltern: „Bereite dich auf die Schule vor!“ „Halt‘ die Fresse du scheiß Schlampe!“ – Imgrunde ist das die gleiche Antwort, die die Mutter nach der Geburt dem Säugling gab, als es 100% Aufmerksamkeit von ihr verlangte.
Schon mal aufgefallen, daß die junge Generation wie Hingeschissen wirkt – und sich auch so benimmt?!
Heute abend sitze ich hier im Park und schreibe für den NACHRICHTENBRIEF. Eine Mutter geht mit ihrem kleinen Kind spazieren und starrt dabei ständig auf ihr Smartphone, tippt, starrt von neuem, während der kleine Junge das tut, was Kinder halt tun: Mama schau mal, guck mal, hier und da, etc. Die Mutter ist jedoch nur physisch anwesend. Was macht das mit einem Kind, zumal das ja ein Dauerzustand ist? Ständig ist die Mutter in einer anderen Welt, vielleicht tausende Kilometer entfernt. Tatsächlich wandeln hier nur Zombies durch die Gegend, die keinen Blick für die Wiesen, Blumenbeete, Büsche und Bäume haben, da sie ständig auf dieses Idiotenteil starren.
Wenn man dann noch bedenkt, daß diese Menschen durch drei weitere Mechanismen okular blockiert sind, ihre Umwelt ständig wie durch eine geriffelte Milchscheibe betrachten und zunehmend unfähiger werden orgonotischen Kontakt it anderen Menschen herzustellen… Die besagten Faktoren sind:
Mit dem bevorstehenden Zusammenbruch unserer Zivilisation werden die Menschen wieder gezwungen werden funktionell zu leben, d.h. sich von der virtuellen Welt zu lösen und wirklichen Kontakt mit ihren Mitmenschen und der Wirklichkeit aufzunehmen.
Wir haben hier einen hervorragenden Bericht, wieder einen der besten Texte Reichs, wenn man in der Übersetzung nicht über Sätze stolpern würde wie: „Das Baby schläft hin und wieder nachts für längere Zeit, aber nur, wenn die Mutter es im Arm hält. Das erschöpft die Mutter sehr“ (S. 94). Ein Säugling, der ab und zu mal nachts für längere Zeit schläft! Im Original: „Baby at times sleeps for longer stretches during the night only if mother holds it in her arms. This tires mother out.” Manchmal schläft das Baby nachts nur dann über längere Zeit, wenn die Mutter es im Arm hält. Das erschöpft die Mutter sehr.
„You be good or I’ll punch your nose,“ also: “Du bist brav oder es gibt eins auf die Nase”. Ein Satz, der das ungeschickte Verhalten des Vaters gegenüber dem Säugling umschreiben soll, wird übersetzt mit dem nicht nur sinnleeren, sondern auch sadistisch-brutalen Satz: „Geht es Dir gut, oder soll ich Dir die Nase brechen?“ (S. 95). Allein schon das Fragezeichen!
Warum dieses Rumreiten auf der Übersetzung? Weil es darum geht, die Fehler richtigzustellen, die die Orgonomie in Deutschland (wenn es eine solche überhaupt gibt) dauerhaft belasten. Und außerdem ist dieses „Rumreiten“ ein Ausdruck meiner Enttäuschung, denn, wie schon öfter gesagt: Reich wollte die „Laien“, die Mütter und Väter ansprechen. Es sollte ein Buch für die Massen sein. Welchen Eindruck sollen die aufgrund dieser Übersetzung von Reich und der Orgonomie bekommen?!
Es ist so wunderbar, wie einfühlsam Reich mit den Müttern umgeht: „Es ist natürlich, daß eine Mutter hin und wieder den Kontakt zu ihrem Kind für kurze Zeit verliert.“ Es geht hier nicht um Perfektion und „orgonomische“ Übermenschen, die immer im Kontakt sind, sondern: „Ein Zeichen für eine wache und lebendige Struktur ist das Wissen, ob der Kontakt mangelhaft ist.“ Es passe hier gar nicht hin wegen mangelndem Kontakt Schuldgefühle zu entwickeln. Vielmehr fragt Reich, „was solche Schuldgefühle an ihrem Organismus und darüber hinaus am Organismus ihres Kindes (bewirken)“. Fragen des orgonotischen Kontakts würden Mütter überall beschäftigen, obwohl die meisten „Spezialisten“ damit rein gar nichts anfangen können. Jedoch wußte davon der gute alte Landarzt (S. 97f). (In der Übersetzung findet sich statt dem „jedoch“, ein in diesem Zusammenhang sinnloses „dennoch“!) Das Kapitel schließt mit dem wunderschönen Satz: „Mütter sollen sich einfach mit ihrem Baby wohlfühlen – der Kontakt wird sich spontan entwickeln“ (S. 108).
Dieser „orgonotische Sinn“, dieses Gespür für die Lebensenergie, das Leben selbst – darum geht es. Damit können alle „einfachen Menschen“ etwas anfangen. Das ist ihr eigentliches Element. Hier, am „gesunden Volksempfinden“, kann die Orgonomie andocken und im deutschen Volkskörper Wurzeln schlagen. Dieses Buch kann von daher in seiner Bedeutsamkeit gar nicht unterschätzt werden. Aber was soll man mit Übersetzungen wie dieser anfangen:
Der psychologische Ansatz, wie etwa der psychoanalytische, kann nur den Zeitraum ab der Sprachentwicklung erreichen, also etwa bis zum dritten Lebensjahr. Vor diesem Alter müssen wir uns auf die emotionale Ausdrucksprache verlassen, wie auch auf den orgonotischen Kontakt, den man mit dem Lebenssystem des Kindes aufbauen kann. (S. 103)
Im Zusammenhang liest sich das so, als müsse man den orgonotischen Kontakt zusammen mit dem Lebenssystem des Kindes aufbauen. Eine Leseweise, die Reichs Grundkonzept und Grundintention diametral entgegensteht! Man „baut“ keinen Kontakt auf, man stellt Kontakt her! – Es ist von entscheidender Bedeutung, daß die Sprache klar und unmißverständlich ist.
Weil der Übersetzer unbegreiflicherweise das Kapitel „Fallangst bei einem drei Wochen alten Säugling“ aus der amerikanischen Übersetzung des deutschen Originalmanuskrips ins Deutsche rückübersetzt hat, haben wir ein objektives Maß:
Haben Sie gemerkt, wie Sie automatisch in den Augen weggegangen sind, d.h. kontaktlos wurden, als sie das unverständliche Geschwurmel der Rückübersetzung lasen und wie geerdet und kontaktvoll Sie sich bei Reichs Originaltext fühlten?!
Angesichts von Kinder der Zukunft wird jeder Elter sehen, daß sie oder er unmittelbar etwas zur orgonomischen Forschung beitragen kann, wenn sie oder er die Entwicklung des eigenen Säuglings beschreibt. Jede „einfache Frau“, jeder „einfache Mann“ hat potentiell unendlich mehr beizutragen, als all die Psychologen, Psychiater und Pädagogen, die mit ihren abgedrehten Theorien alles nur immer schlimmer machen. Orgonotischer Kontakt ist einfach und direkt. Erst die Panzerung macht alles kompliziert und – kontaktlos.
Hier eine schöne Illustration dieses Kapitels von dem Orgonomen Richard Schwartzman: