
Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 2. Die Funktion des Orgasmus, e. Biologie jenseits der Biologie

Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 2. Die Funktion des Orgasmus, e. Biologie jenseits der Biologie
Schlagwörter:Anthropologie, Aschanti, Biologie, Biorobotik, Bonobos, Farbige, Freud, Gorillas, Jack Donovan, Koitus, Liebe, Männeremanzipation, Männerrechtler, Michel Odent, Orgasmus, Primatologie, Rassenkampf, Rassismus, Schimpansen, Sexismus, Tierliebe, Zoologie
Veröffentlicht in Psychologie | 13 Comments »
Schlagwörter:Alexander Lowen, Alexander S. Neill, Arthur Janov, Arthur Koestler, Bronislaw Malinowski, Deschner, Ernest Borneman, Ernst Bloch, Friedrich Hacker, Herbert Marcuse, Jean Amery, Manès Sperber, Max Horkheimer, Michel Odent, Otto Mühl, Robert Fliess, Robert Jungk, Ronald W. Clark, Sigmund Freud
Veröffentlicht in www.orgonomie.net | Leave a Comment »
Es gibt prinzipiell zwei Erklärungen, warum und wie sich die Menschheit abgepanzert hat.
Die erste Theorie erinnert etwas an Reichs Zeitgenossen Ludwig Klages und „den Geist als Widersacher der Seele“. Die zweite Theorie an seinen Zeitgenossen Hanns Hörbiger.
So mancher sogenannte „Reichianer“ wehrt sich gegen DeMeos Saharasia-Theorie. Diese Leute scheinen nicht zu wissen, daß Reichs Werk von den keimhaften Grundzügen dieser Theorie durchwirkt ist. In Ea und die Wellenfunktion wird auf entsprechende Stellen in Contact with Space von 1957 verwiesen. Genauso könnte man Reichs Einbruch der Sexualmoral von 1931 nennen, wo er auf S. 101 schreibt:
Spuren der Urgeschichte, die man in der Mythologie auffindet, weisen auf Elementarkatastrophen hin, die die wirtschaftliche Existenz der Urmenschen bedrohten und gesellschaftliche Bewegungen auslösten, aus denen sich der erste Anstoß zur Sexualeinschränkung (…) herleitete.
Darauf folgt eine Fußnote, die Reich (zu recht) aus dem ins Amerikanische übersetzten Buch strich, weshalb sie auch in den revidierten deutschen Ausgaben nicht mehr erscheint:
Ich kann die Richtigkeit der Hörbigerschen „Glazialkosmogonie“ nicht fachlich beurteilen. Seine Erklärung der bei den meisten Völkern der Erde in irgendeiner Form festgestellten Sintflutsagen, die er auf reale kosmische Katastrophen zurückführt, verdienen aber entschieden unsere Beachtung. Sie werfen ein völlig neues Licht auf die Eigenart der Daseinsbedingungen der urmenschlichen Gesellschaft.
Es ist schon Saharasia-Theorie, wenn Reichs Mitarbeiter Karl Teschitz in seinem Buch von 1935 die neuheidnische „Deutsche Glaubensgemeinschaft“ zitiert:
Eine der schlimmsten Verfälschungen, die sich gerade auf dem Glaubensgebiete verheerend ausgewirkt hat, ist die Vermorgenländerung der Frau im Norden. Während sie nordisch Kamerad und Gehilfe des Mannes ist und Mann und Weib erst durch das Beieinander und Miteinander eine Ganzheit bedeuten, von der jeder Teil trotz seiner Verschiedenheit vom anderen gleich wertvoll ist: … ist sie vorderasiatisch etwas Heiliges nur in Bezug auf den Mann, dem sie gehört, im übrigen aber das „böse Fleisch“, das dem „guten Geist“ des Mannes widerstreitet … Und wüstenländisch ist sie die „Ware“, für die es einen möglichst hohen Preis zu erzielen gilt … Nicht einen Wert an sich hat sie, sondern nur als Besitzstück des Mannes. Sie hat, wenn sie ausgewachsen ist und also ihren Wert als Ware erreicht hat, keine Entfaltungsmöglichkeit, keine Möglichkeit, aus sich selbst heraus sich im Laufe des Lebens zu entwickeln. (Friedrich Prinz zur Lippe: „Rasse und Glaube“. Vortrag gehalten auf der Arbeitswoche der Deutschen Glaubensbewegung in Scharzfeld am 20. Mai 1934, Seite 27.) (z.n. Teschitz: Religion, Kirche, Religionsstreit in Deutschland. Kopenhagen: Sexpol-Verlag, 1935, S. 88)
Es geht um die Grundidee, nicht speziell um (ausgerechnet!) Klages‘ und Hörbigers Theorien. Warum „ausgerechnet!“? Zu Klages und Hörbiger siehe Der Blaue Faschismus!
Ein naheliegender dritter Ansatz, den Michel Odent in Die Natur des Orgasmus (München 2010, Kapitel: „Evolutionsvorteile der Orgasmosphobie“) vorbringt, ohne den Anspruch einer „dritten Theorie“ zu erheben, war Reich konzeptionell unzugänglich, weil er aufgrund seiner „Rousseauistischen“ Grundanschauung mit der „faschistischen“ Genetik und der Theorie vom Überleben des Stärkeren, die Hitler beseelte, auf Kriegsfuß stand. Für ihn waren das „mechano-mystische“ Mythen, die eines Tages durch eine lebensbejahende funktionelle Theorie ersetzt werden würden. Doch trotz aller Epigenetik und überzeugenden Kritiken am überkommenen Darwinismus, die Reich weitgehend Recht gegeben haben, bleibt der Kerngehalt der Genetik und der Evolution durch Anpassung an die Umwelt doch unumstritten.
Das besondere ist, daß diese sich als richtig erwiesenen Theorien vollkommen mechanistisch sind. Man kann sich kaum etwas Mechanischeres vorstellen als eine Software (die Gene), die abgelesen wird und dabei ständig von Umweltfaktoren „durchsiebt“ wird. Nur Software, deren Produkt durch das Sieb der Umweltforderungen hindurchgeht, bleibt erhalten.
Hier haben wir ein rein mechanisches Prinzip im Kern der Biologie, d.h. buchstäblich im Zellkern! Entsprechend kann man fragen, welchen Evolutionsvorteil „mechanische“ Panzerung („Orgasmosphobie“) für die diversen Kulturen hatte. Eine Frage, die, wie gesagt, Reich konzeptionell unzugänglich war. Odent führt aus:
Erst heute, wo wir uns weitgehend vom evolutionären Druck befreit haben, kann (könnte!) sich „das Lebendige“ im Sinne Reichs frei entfalten.
Die drei Theorien schließen sich nicht gegenseitig aus, vielmehr ergänzen sie einander. Beispielsweise erhöht die Wüste den evolutionären Druck ungemein. Außerdem handelt es sich bei diesen Anpassungen, etwa die Mutter anfangs vom Neugeborenen fernzuhalten, um wohldurchdachte, kalkulierte Überlegungen: das Bewußtsein als Kontrollinstanz über autonomes Geschehen.
Die Menschheit konnte diese Falle erst verlassen, nachdem die Natur und damit die natürliche Anarchie des Individuums entdeckt war. Die Natur und das Individuum wurden nicht mehr nach dem Maßstab der Nützlichkeit betrachtet. Dies wurde von Rousseau geleistet.
Man kann viel Negatives über Rousseau sagen. Etwa, daß es ohne ihn die Französische Revolution und den Marxismus nicht gegeben hätte. Man kann sein persönliches Verhalten anprangern. Oder man kann ihn mit LaMettrie vergleichen, wobei er nicht gut wegkommt. Doch es bleibt etwas, das anhand eines bestimmten Problems der amerikanischen und deutschen Forstverwaltungen ins rechte Licht gerückt werden kann.
Jeder Naturenthusiast wird bestätigen, daß man auf Wiese, Wald und Flur buchstäblich nie südländischen Kulturbereichern begegnet. Wenn du keine Kopftücher sehen willst, gehe in den deutschen Wald! In den USA macht sich die Verwaltung der Nationalparks wirklich Sorgen angesichts des demographischen Wandels: ausschließlich Weiße interessieren sich für die unberührte Natur Nordamerikas, während Schwarze, Latinos und andere „Farbige“ die Parks meiden, als wäre die unberührte Natur hochtoxisch. Wenn einmal die Kaukasier die Mehrheit verloren haben werden, wird dieser Planet flächendeckend abgeholzt und ausgeplündert werden! So wie es bereits heute in der Dritten Welt geschieht, die der weiße Mann unverantwortlicherweise sich selbst überlassen hat.
Der chinesische Kulturkreis ist keine Ausnahme, weil es bei ihm nicht um die Natur „an sich“ (oder besser gesagt „für sich“) geht, sondern stets um den Menschen. Schaut der Chinese oder Japaner in die Natur, sieht er sich selbst und nichts sonst. Chinesische Landschaftsmalerei handelt nicht von der Landschaft, sondern von vorgefaßten ethischen (sic!) Vorstellungen, etwa über Yin und Yang, die man in die Natur hineinmalt, wenn man nicht gleich entsprechende Motive wählt. Solche Orte sind heilig – wenn an einem anderen, sozusagen „unheiligen“ Ort die Wälder abgeholzt und ganze Gebirgszüge eingeebnet werden, interessiert das kein Schwein. Japaner aus ganz Hamburg kommen nach Langenhorn-Nord, um hier in einer Allee voller Kirschbäume im Mai die Kirschblüte zu erleben. Das ist kein Natur-, sondern ein Kulturereignis. Für nicht mit Bedeutung aufgeladene Naturschauspiele haben sie keinerlei Gefühl. Sie haben keinen Sinn für die Natur! Man vergleiche nur einen japanischen Ikebana-Blumenstrauß, mit einem beliebigen europäischen Strauß. Im Ikebana ist alles mit Bedeutung aufgeladen, die durchweg aus der menschlichen Sphäre kommt, während der Europäer schlicht die unberührte Natur ins Haus holt.
Übrigens versuchen die Amerikaner Nichtweiße doch noch in die Natur zu locken, indem sie sie mit menschlicher Symbolik aufladen: die Geschichte der indigenen Völker, der „Befreiungskampf“ der Nichtweißen, eine von Weißen nicht kontaminierte Natur, Blablabla. Selbst wenn dieser hanebüchene Unsinn funktionieren sollte – für die Natur hätten die Farbigen immer noch kein Empfinden.
Vor Rousseau war Europa nicht anders als heute das „Südland“. Der sprichwörtliche deutsche Wald ist erst neueren Datums. Im Mittelalter war Deutschland zwischen den Alpen und der Nordsee kahl (soweit das ohne Kreissägen und Geländewagen zu bewerkstelligen war!) und praktisch frei von Wild. Einzige Ausnahme waren die Wildreviere der Adligen, die mit drastischen Strafen geschützt werden mußten.
Die Parks der Adligen waren ein kubistischer Alptraum. Mit Gewalt wurde der Natur die Natur ausgetrieben. Wer es sich leisten konnte, kaufte sich eine Amme (typischerweise Prostituierte), um die Kinder zu stillen, denn die höheren Damen wollten keine „Milchkühe“ sein, ihre Figur nicht verderben und ohne Ballast gesellschaftlichen Verpflichtungen nachkommen. Die Natur und die natürlichen körperlichen Funktionen waren dermaßen verpönt, daß es auf den Schlössern keine Toiletten gab. Das Geschäft, das offiziell gar nicht existierte, wurde diskret in dunklen Ecken mit Hilfe von Dienern erledigt, ähnlich wie heute in Krankenhäusern bei bettlägerigen Patienten.
Das änderte sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts drastisch mit Rousseau. Es setzte ein Kult der Natürlichkeit ein, der bis heute ungebrochen anhält. Im Rokoko mimten die hohen Herrschaften das (idealisierte) Dasein von Hirten und Mägden. Gärten wurden plötzlich so gestaltet, daß sie möglichst „naturwüchsig“ wirkten und die Damen fingen an ihre Kinder zu stillen. Tatsächlich wurde erst damals „das Kind“ entdeckt! Körperpflege wurde zu einem Statussymbol. Aus dem Rokoko entwickelten sich die Romantik und schließlich die Lebensreformbewegung, die bruchlos in die Orgonomie überging. Man höre sich Mozart an, das klanggewordene späte 18. Jahrhundert! Er hat wie sonst keiner den damaligen Durchbruch des Lebendigen vertont. Seine Musik ist eine einzige Huldigung der Natürlichkeit, weshalb sie bis heute so ein Seelenbalsam ist.
Für Menschen, die vom westlichen Bildungsbürgertum unbeleckt geblieben sind, d.h. die Unterschicht und die besagten „Farbigen“, bedeutet die Natur hingegen NICHTS. Überlaßt Deutschland den Hartz-4-lern und den Migranten: nach wenigen Jahren werdet ihr ein restlos ausgebeutetes und vollgemülltes Ödland vor euch haben! Jeder Blick auf die Freiflächen in den sozialen Brennpunkten unserer Städte sollte Beweis genug sein! (Übrigens sieht man auf orgonomischen Veranstaltungen in den USA ausschließlich Weiße aus dem oberen Mittelstand!) Und wie sieht die Zukunft aus? Glaubt irgendjemand, daß die jugendlichen Vollidioten, die heute auf ihren Ei-Pott starrend durch die Straße gehen… (Ich schreibe diesen Blogeintrag während einer Bahnfahrt. Vor mir sitzt eine Amerikanerin. Ihre Zeit vergeht mit Dösen, Herumfummeln am Handy und Herumschauen im Wagen. Scheinbar kein einziges Mal richtet sich ihr Blick auf die vorbeiziehende Landschaft, die sie doch wahrscheinlich noch nie gesehen hat.)
Man vergleiche diese Ausführungen über das Naturgefühl mit meinen Ausführungen über den Kapitalismus, der einen ähnlichen Ursprung hat!
Nachtrag: Warum ist Rousseau so zweigesichtig? Auf der einen Seite der Vater der Romantik (und gewisserweise auch des Schwarzen Faschismus!), auf der anderen des Roten Faschismus. In seinem Haß auf die unnatürliche Zivilisation war er auf den Wahn verfallen, man könne künstlich eine gerechte, meinetwegen „natürliche“ Gesellschaft erschaffen. Er hatte keinen Sinn dafür, daß die Gesellschaft organisch gewachsen ist und auch die irrationalsten Institutionen eine Funktion haben. Der prototypische Freiheitskrämer!
Schlagwörter:Atmung, Chinesen, chinesischer Kulturkreis, Darwinismus, Endogamie, Epigenetik, Evolution, Exogamie, Faschismus, französische Revolution, Frühzeit, Gene, Genitalverstümmelung, Hanns Hörbiger, Hörbiger, Ikebana, Japaner, Katastrophismus, Kirschblüte, Kommunismus, Kopftücher, LaMettrie, Ludwig Klages, Marxismus, Michel Odent, Mozart, Mutter-Kind-Bindung, Rokoko, Rousseau, Rousseauistisch, Sintflut, Steinzeit, Urmensch, Urzeit, Velikovsky, Vorgeschichte, Wüstenbildung, Welteislehre, Yin und Yang
Veröffentlicht in Psychologie | 5 Comments »
Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:
ZUKUNFTSKINDER:
Schlagwörter:Baby, Babys, Bakterien, Bakterienflora, Dammriß, Dammschnitt, Darmflora, Doula, Entbindung, Fäkalinkontinenz, Fäulnisprozeß, Fötus-Ejektions-Reflex, Frauenfeindlichkeit, Gebärende, Gebärmutter, Geburt, Geburtsablauf, Geburtsbegleiterin, Geburtshilfe, Geburtskanal, Geburtsvorgang, Geburtswehen, Genitalien, Genitalverstümmelung, Gerichtsmedizin, Geschlechtsakt, Glückshormone, Gravida, Gynäkologie, Hausgeburt, Haut, Hebammen, Hippocampus, Immunsystem, Intimhygiene, John Edwards, Kaiserschnitt, Kaiserschnitte, Krankenhauskeime, Medizintechnik, Michel Odent, natürliche Geburt, Neugeborene, Orgasmus, Oxytozin, Penis, Pharmaindustrie, plötzlicher Kindstod, sanfte Geburt, Säuglinge, Schädeldeformation, Scheide, Schwangere, Schwangerschaft, Schwellkörper, Stillen, Uterus, Vagina, Vaginalflora, Vakuumextraktion, Votze, Wehen, Wochenbettdepression, zerebrale Kinderlähmung. Autismus
Veröffentlicht in Die Kinder der Zukunft | 11 Comments »
















