Posts Tagged ‘Bonobos’

Arbeitsdemokratie und Wille zur Macht

29. September 2026

In Betrieben, Behörden, Kliniken etc. bestimmen nicht die Gesetze der angeblich „natürlichen Arbeitsdemokratie“, sondern die natürlichen Gesetze einer Primatenhorde, in der die nach vorne kommen, die sich am lautesten auf den Brustkorb trommeln und dem Chef am effektivsten in den Arsch kriechen. Wie Primatenforscher zeigen, sind das alles ganz natürliche Verhaltensweisen für die Tiergruppe, zu der auch wir gehören. Auf eine verwickelte Weise ist dieses „natürliche“ Verhalten jedoch ein denkbar unnatürliches, saharia-sisches Verhalten!

Die Bonobos leben eine Affengesellschaft vor, in der diese „natürlichen Anlagen“ energetisch einfach nicht besetzt sind, weil die Gesellschaft durch die ständige genitale Entladung bestimmt wird. Genauso vernünftig sollte auch die menschliche Gesellschaft funktionieren. Daß sie es nicht tut, ist dem saharasia-sischen Einfluß zu schulden.

Meines Erachtens gibt es zwischen Genitalität und Primaten-Machismo einen graduellen Übergang, je nach der Situation. Reich, der „weiche“ Ungepanzerte auf der einen und Reich, der „harte“ „Hecht im Karpfenteich“ und Frauentyp auf der anderen Seite ist dafür das beste Beispiel. Das ist eine Frage der variablen energetischen Ladung.

Was den Erfolg im Leben betrifft gibt es drei Gruppen von Menschen: die pestilenten Arschlöcher, die sich durchsetzen; die kleinen arbeitssamen Männer, die viel leisten, aber trotzdem übersehen werden; und schließlich jene anständigen Menschen, die ebenfalls arbeitssam und ehrlich sind, aber die auch von einem Charisma umgeben sind und entsprechend Erfolg haben. Die pestilenten Psychopathen haben ein ähnliches Charisma, weil sie innerlich tot sind und deshalb Angst, Scham und Schuld kaum kennen. Im Zweifelsfall folgen die Massen ihnen (den Barabassen) und nicht den genitalen Charakteren (Christussen).

Es ist deshalb nur natürlich, daß jene Männer und Frauen die „blenden“ auf deiner Arbeitsstätte und überhaupt in deinem Leben Erfolg haben bzw. hatten. Das ist ein orgonotisches Phänomen. Sie projizieren Lebensdynamik ohne Orgasmusangst zu provozieren; sie fallen auf, werden bevorzugt und haben Erfolg ohne die Panzerung zu gefährden. Kommt es zur Erstrahlung, werden vor allem die sekundären Triebe hervorgekitzelt. Man denke nur an das Dritte Reich oder an den deutschen „Reichianismus“ der letzten Jahrzehnte und dessen groteske Blüten!

Hinter den pestilenten Blendern steckt trotz ihren typischerweise kurzzeitigen Erfolg keinerlei Substanz. Alexander Lowen ist dafür ein gutes Beispiel: von Anfang an wollte er „erstrahlen“, wurde dabei sogar von Reich unterstützt („Ja, ich werde Sie berühmt machen!“) und Lowen hat es auch spektakulär geschafft, aber es steckt nichts, aber auch rein gar nichts dahinter. Ich denke auch an einen deutschen Pseudo-Orgontherapeuten, der mit einem Projekt nach dem anderen reüssierte, um sich dann schließlich zu Tode zu saufen.

Das bringt mich zum Willen zur Macht: Alles ist Willen zur Macht. Das fängt beim Schulhof-Macho an und hört beim therapeutischen Superstar Lowen und Adolf Hitler auf. Aber das ist alles nur Kinderkram, da sich wirkliche Macht an der Zeitdauer zeigt, in der sie wirksam ist. Nietzsche selbst ist dafür das allerbeste Beispiel. Zu Lebzeiten war er, was den Willen zur Macht betrifft, eine Witzblattfigur und eine peinliche Erscheinung. Aber langfristig war sein Einfluß einfach ungeheuerlich: das fängt mit der Psychoanalyse an und hört beim russischen Marxismus und indischen Islam, auf die er merkwürdiger Weise einen großen Einfluß hatte, auf. Woran liegt dieser Erfolg: einfach daran, daß er sich frech in den Vordergrund drängt. Leute, die an Gott glauben, kann man mit Nietzsches Hilfe abkanzeln, aber auch Atheisten: Alles und jedes wird von Nietzsche fertiggemacht und was bleibt ist Nietzsche selbst. Genauso bei Reich, der niemanden neben sich geduldet hat – und auch postmortem niemanden neben sich duldet. Schon gar nicht irgendwelche pestilenten Nullen!

Ein Mensch wie Lowen, oder z.B. Erich Fromm, hat Erfolg, weil er sich mangels Substanz und Eigenständigkeit bei allen einschleimt, aber dieser Erfolg verflüchtigt sich schnell und nichts bleibt. Menschen wie Nietzsche oder Reich haben vergleichsweise wenig Erfolg, aber sie bleiben über ihren Tod hinaus im Geschäft und wachsen schließlich sogar post mortem. Das ist wahrer Wille zur Macht, weil er im Einklang mit dem Lebendigen schlechthin steht.

Dazu kommt etwas, daß auf den ersten Blick geradezu das Gegenteil von „Wille zur Macht“ ist: die GERECHTIGKEIT. Es geht nicht darum irgendeine Phantasiewelt zusammenzubrüten und dann der Welt zu präsentieren. Wirklicher Wille zur Macht zeigt sich daran, der Wirklichkeit gerecht zu werden, wirklich mutig den Fakten zu folgen, wohin sie auch immer führen mögen. Zum Beispiel hat Reich sich immer durch die Klinik und Experimente leiten lassen, auch wenn sie seinen persönlichen Überzeugungen ins Gesicht schlugen. Das ORANUR-Experiment, das einen Großteil seiner vorhergehenden Theorien schlechtweg falsifizierte, ist dafür das beste Beispiel. Wirklicher Wille zur Macht ist also das Gegenteil von selbstherrlicher Willkür, die ein Zeichen von Schwäche ist, wie jeder Psychotiker, der den Napoleon spielt, beweist.

Ähnliches läßt sich zum zwischenmenschlichen Verhalten sagen: wirklicher Wille zur Macht zeigt sich nicht in der Kleinheit des miesen kleinen Dränglers, der überall nach seinem persönlichen Vorteil sucht und überall vordrängelt, sondern er zeigt sich in der Großzügigkeit des Mächtigen, der aus seiner Überfülle gibt. Das bedeutet aber noch lange nicht, daß der Mächtige ein Idiot ist, mit dem man alles machen kann und der sich alles gefallen läßt. Ganz im Gegenteil geht es ja darum, die Welt objektiv und unverzerrt zu betrachten: mit einem ungepanzerten okularen Segment – mit Perspektive, einer souveränen Perspektive.

Reich ist stets sicher seinen Weg gegangen, auch wenn am Anfang wenig objektives Material vorhanden war, auf das er zurückgreifen konnte. Ich denke z.B. daran, wie er bei den elektrodermalen Experimenten „souverän“ über Einwände der Fachleute von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft hinweggegangen ist und stattdessen seiner Intuition vertraut hat. Reich war sich einfach seiner Gefühle und ihrer Objektivität sicher und hat entsprechend selbstbewußt und „rücksichtslos“ sein von Freud ihm unterstelltes „Steckenpferd“ geritten. Leider hat ihn dieses Selbstvertrauen auch manchmal hoffnungslos in die Irre geführt, z.B. was kontaktelektrische Erscheinungen oder geheime angebliche Unterstützer bzw. Feinde betraf.

Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 2. Die Funktion des Orgasmus, e. Biologie jenseits der Biologie

22. Juni 2026

Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 2. Die Funktion des Orgasmus, e. Biologie jenseits der Biologie

Die Entwicklung des Seins

13. Oktober 2025

Die Vorstellung von einer Entwicklung der Lebewesen zu immer größerer Integration und Bewußtheit bis hin zum Menschen ist tief im menschlichen Denken verankert. Die Inder glaubten, daß nur der Mensch selbst-bewußt, sich selbst bewußt sei und nach Selbstvervollkommnung oder geistiger Freiheit streben könne, während die anderen Lebewesen lediglich zur Welt kämen, um die Früchte ihres vergangenen Karmas zu ernten. Nur der Mensch wäre zu einer Position in der kosmischen Entwicklung gelangt, die es ihm in seiner Reife ermögliche, dieses Naturgesetz der Kausalität von sich abzuschütteln. In dieser Hinsicht steht der Mensch selbst über den Göttern, die, jedenfalls für den „aufgeklärten“ Inder, auch nur Naturwesenheiten sind.

Eine ähnliche Vorstellung der Entwicklung ist in alle europäischen Utopievorstellungen eingegangen, z.B. der Marxistischen, wo der Mensch zum Herrn über die Geschichte wird und sich dergestalt von der Natur befreit. Diese Vorstellung ist tief in unserem philosophischen Erbe verankert, nicht nur in Hegels Geschichtsphilosophie, sondern auch bei Herbert Spencer und bei Nietzsche („Tier – Übertier Mensch – Übermensch“).

Es gibt die volkstümliche Weisheit: „Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze, träumt im Tier, wacht auf im Menschen.“ Entsprechend verkörpert sich bei Schopenhauer der „Wille“ in unterschiedlichen Stufen und bestimmt deren Bewußtseinsgrade. Der Wille zum Leben artikuliert sich vom Stein, über Pflanze und Tier und schließlich im Menschen immer deutlicher, um schließlich vom Menschen überwunden zu werden. Dies ist identisch mit der oben erwähnten indischen Lehre. In Fröhliche Wissenschaft (A 301) spricht Nietzsche von der Rangordnung vom niederen zum höheren Tier und weiter vom niederen zum höheren Menschen, wobei die jeweils höhere Stufe mehr wahrnimmt, gleichzeitig aber auch das Potential an Lust und Unlust anwächst.

Als seine Schrift Die Geburt der Tragödie herauskam, wurde Nietzsche in einem „Evangelischen Anzeiger“ vorgehalten, es handle sich bei dem Buch um „den ins Musikalische übersetzten Darwinismus und Materialismus“, Nietzsches Theorie sei der „Developpismus des Urschleims“, Nietzsches „Ureine“ aus der Geburt der Tragödie wurde mit „Darwin’s Urzelle“ verglichen (Brief an von Gersdorff, 5.4.1873). Hier fließen neoplatonistische Entwicklungsvorstellungen „aus dem Ureinen“ in eins mit der biogenetischen Entwicklung „aus der Urzelle“.

Der zu dieser Zeit noch etwas schopenhauernde Nietzsche schreibt:

(…) und wenn die gesamte Natur sich zum Menschen hindrängt, so gibt sie dadurch zu verstehen, daß er zu ihrer Erlösung vom Fluche des Tierlebens nötig ist und daß endlich in ihm das Dasein sich einen Spiegel vorhält, auf dessen Grunde das Leben nicht mehr sinnlos, sondern in seiner metaphysischen Bedeutsamkeit erscheint. (Schopenhauer als Erzieher, A 5)

Die „gesamte Natur“ dränge zum Genius hin (zu dem, was Nietzsche später „Übermensch“ nannte), um in ihm ihre Erlösung zu finden; „jenes Wunder der Verwandlung“, „jene endliche und höchste Menschwerdung, nach welcher alle Natur hindrängt und -treibt, zu ihrer Erlösung von sich selbst“. Ein paar Jahre zuvor kam Nietzsche der „schwindelnde“ Gedanke, „ob vielleicht der Wille, um zur (weltverklärenden, PN) Kunst zu kommen, sich in diese Welten, Sterne, Körper und Atome ausgegossen hat“. Der Genius sei ein Werkzeug des schöpferischen Weltgrundes, um sich durch ihn seiner selbst bewußt zu werden.

Der sich zur Aufklärung durchgerungene Nietzsche schreibt, daß, wenn Schopenhauer Recht hat und Genialität

in der zusammenhängenden und lebendigen Erinnerung an das Selbst-Erlebte besteht, so möchte im Streben nach Erkenntnis des gesamten historischen Gewordenseins – welches immer mächtiger die neuere Zeit gegen alle früheren abhebt und zum ersten Male zwischen Natur und Geist, Mensch und Tier, Moral und Physik die alten Mauern zerbrochen hat – ein Streben nach Genialität der Menschheit im Ganzen zu erkennen sein. Die vollendet gedachte Historie wäre kosmisches Selbstbewußtsein. (Vermischte Meinungen und Sprüche, A 185)

Und weiter:

So wird Selbst-Erkenntnis zur All-Erkenntnis in Hinsicht auf alles Vergangene: wie (…) Selbstbestimmung und Selbsterziehung in den freiesten und weitest blickenden Geistern einmal zur All-Bestimmung, in Hinsicht auf alles zukünftige Menschentum werden könnte. (ebd., II A 1,223)

1883 schrieb Nietzsche: „Sobald der Mensch vollkommen die Menschheit ist, bewegt er die ganze Natur“ (Umwertung aller Werte, dtv, S. 819).

Leider sind diese philosophischen Entwicklungsvorstellungen, die bezeichnenderweise immer in infantilen Allmachtsphantasien enden, durchweg dezidiert antisexuell. Sozusagen wird Genitalität durch „Genialität“, das Gehirn, ersetzt. 1876 notiert sich Nietzsche: „Hemmungen nötig, um Genius hervorzubringen“ (Studienausgabe, Bd. 8, S. 307). Das genaue Gegenteil des Genitalen Charakters.

Die neoplatonistische Kabbala scheint geistesgeschichtlich die einzige Ausnahme dieser antisexuellen Regel zu sein. In ihr ist ein Mensch erst Mensch, wenn er verheiratet ist. Ja, wirklich ganz wird er erst in der kompletten Genitalen Vereinigung. Und im (gemeinsamen gleichzeitigen) Orgasmus wird er/sie eins mit Gott – er/sie erlangt das kosmische Bewußtsein. Im genitalen Menschen sind „Geist“ und Sexualität keine Gegensätze mehr, sondern sie bedingen einander. (Keine einzelne Person hat einen Orgasmus. Auch haben Frau und Mann keinen je eigenen ihrem Geschlecht gemäßen Orgasmus. Vielmehr fließen Frau und Mann in der Genitalen Umarmung zu einem Organismus zusammen und dieses „neutrale“ Orgonom „hat“ einen Orgasmus.)

Schimpansen und Menschen (und einige wenige andere Tiere) erkennen sich im Spiegel selbst wieder, während alle anderen vergleichbaren Tierarten im Spiegelbild, wenn überhaupt, nur den Artgenossen erkennen. Die Schimpansen scheinen also schon Ansätze für ein Ich-Bewußtsein zu haben. Sprache und Werkzeuggebrauch sind ebenfalls rudimentär bei Schimpansen zu finden. Es ist nun interessant, daß Bewußtsein und die genitalorgastische Körperzuckung auf der gleichen Entwicklungsstufe auftreten. Die vom Aussterben bedrohte Schimpansen-Unterart der Bonobos, die die allernächsten Verwandten des Menschen sind, zeigen denn auch vielleicht tatsächlich zumindest erste Ansätze von Genitalität. Unter den Säugetieren kopulieren neben dem Menschen nur diese Zwergschimpansen (und die Wale, diese aber aus rein praktisch-anatomischen Gründen) in ventroventraler Stellung.

Reich glaubte, der Mensch wäre das erste Tier gewesen, das sich seiner orgastischen Plasmazuckung bewußt geworden sei und sich deshalb als erstes Tier gepanzert hätte (Die kosmische Überlagerung, letztes Kapitel). Betrachten wir die Entwicklung des Bewußtseins vom Blickwinkel des Biogenetischen Gesetzes her, können wir fragen, ob vielleicht der Mensch das erste gepanzerte, also orgastisch impotente Tier ist – weil er das erste Tier ist, das in der Anlage orgastisch potent ist. Oder anders ausgedrückt: Der Mensch ist das einzige gepanzerte Tier, weil beim Mensch zum ersten Mal die Orgasmusfunktion voll durchbricht, also etwas da ist, wogegen er sich panzern „muß“.

Am Ende seines Artikels „The Evasiveness of Homo Normalis“ von 1947 befaßt sich Reich mit dem Wahrheitskern der irrationalen Aussage, daß der Mensch über dem Tierreich stehe: der besagte Kern ist natürlich die Panzerung, die den Menschen von den übrigen Tieren trennt. Der Mensch sei das einzige Tier, das nicht dem Gemeinsamen Funktionsprinzip allen tierischen Lebens folge: die Entladung aufgestauter Energie durch aufeinanderfolgende Kontraktionen des gesamten Organismus. Nur der Mensch verhindere die Abfuhr der in allen Lebewesen ständig generierten Energie durch seine Panzerung. Nur beim Menschen werde der einheitliche Impuls, der nach außen will, in zwei Bestandteile gespalten: in den ursprünglichen Impuls und dem aus ihm abgeleiteten aufstauenden Gegenimpuls – der Impuls kämpft gegen sich selbst. So etwas fände sich nirgends sonst in der gesamten Natur. Die Bifurkation von Funktionen sei normal und überall in der Natur zu beobachten, doch daß sich eine Funktion aufspaltet, um sich gegen sich selbst zu wenden, fände sich nur in der Pathologie des Homo normalis (Orgonomic Functionalism, Summer 1991, S. 86-91).

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Sadismus” und folgende

27. Februar 2025

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Sadismus“ und folgende

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Das Nein” und folgende

19. Dezember 2024

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Das Nein“ und folgende

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Inzest”

16. Oktober 2024

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Inzest“

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 26)

27. Oktober 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Man kann auf die grundsätzliche „Kern“-Rationalität des Menschentiers vertrauen, das keiner Ethik bedarf, die die angebliche Bestie in Zaum hält – eine Bestie, die durch die „Kultur“ erst erzeugt wird. In dieser Hinsicht kann eine LSR-Welt nichts „Neues“ unter der Sonne bringen, sondern nur das allerälteste freilegen. Andererseits ist natürlich klar, daß es nicht darum gehen kann, unser genetisches Material freizulegen (ich möchte jedenfalls nicht in einer Schimpansenwelt leben, obwohl die sinnenfrohen Bonobos…), sondern darum, im Reichschen Sinne noch „tierischer“ (also konkret „sexueller“, d.h. glücksfähiger) zu werden und in dieser Hinsicht ist die Entwicklungsmöglichkeit grenzenlos – aber erst in einer wirklich rationalen Gesellschaft und im Rahmen einer wirklich rationalen Wissenschaft, wie Reich sie vorschwebte.

Aber der Weg ist hoffungslos lang: erst das beseitigen, was die „Aufklärung“ angerichtet hat, dann das Über-Ich beseitigen, dann mit dem unvermeidlichen Chaos fertigwerden. Das konkrete Beispiel ist die antiautoritäre Gesellschaft, die aus den normalen Neurotikern lauter „Frühgestörte“ gemacht hat, d.h. aus den einstigen vor allem psychologisch gestörten lauter biophysisch gestörte Menschen, die nicht mehr normal lieben können, nicht mal wissen, ob sie Männlein oder Weiblein sind, nicht arbeiten können, man frage einen beliebigen Handwerksmeister nach der neusten Lehrlingsgeneration, und was Wissen betrifft, komplexe Sätze weder verstehend lesen noch selbst formulieren können.

Natürlich glaube ich nicht, daß wir jemals im Paradies leben werden, genausowenig wie ich glaube, daß selbst die allermatristischten Völker oder die Bonobos jemals im Paradies lebten. Aber verglichen mit dem gegenwärtigen Zustand…

Reichs Freund und dann haßerfüllter Gegenspieler, Otto Fenichel, hat etwas zum Thema zu sagen:

Ich möchte (etwas zu dem) Terminus „sekundäre Triebe“ sagen: Ein Grundbegriff der [Psychoanalyse] ist die „Wiederkehr des Verdrängten aus der Verdrängung“. Wenn ein Trieb auf eine Versagung stößt, so kehrt er in veränderter Gestalt wieder. – Wir kennen auch das Phänomen der „Dreischichtung“: Als Reaktion auf eine Triebabwehr stellt sich eine Wiedermobilisierung des ursprünglichen Triebes ein, der aber beim Durchgang durch die Abwehrschicht sein Gesicht und seinen Charakter verändert. – Wir wissen endlich auch aus täglicher Erfahrung, daß die Perversionen Erwachsener einer Abwehr der normalen genitalen Sexualität (Kastrationsangst) entsprechen und daß viele Charaktere des Sexuallebens („Lüsternheit“) zweifellos Folgen der vorangegangenen Sexualverdrängung sind. – Die Bezeichnung solcher durch eine Abwehrschicht hindurchgegangener Triebe als „sekundäre Triebe“ scheint mir aber eine doppelte Gefahr in sich zu bergen: erstens die, daß ältestes Erkenntnisgut der Freudschen Analyse durch eine neue Namensgebung wieder als eine Neuentdeckung ausgegeben werden kann. Zweitens und wichtiger aber: daß der primäre biologische Charakter der Triebe durch diese Namensgebung verwischt wird, (…) „nichts Biologisches“, sondern gesellschaftliches Kunstprodukt (…), und endlich dieser Terminus somit dazu benutzt wird, um wieder einmal „Der Mensch ist gut“-Romantik zu betreiben: alles, was im Triebleben eines Menschen unsozial oder überhaupt unerfreulich ist, kann als „sekundär“ ausgegeben werden, um der romantischen Idee willen, man müßte nur die Triebe der Menschen befreien, damit in deren „ökonomischer Regelung“ das Glück aller anbräche. (Rundbriefe, 1936, S. 337f).

Ich habe das zitiert, weil das noch am ehesten dem nahe kommt, was Laska fordert: daß Reichs Gegner ihre Gründe nennen: sie wollen unter allen Umständen die Triebe weiterhin sozial kontrollieren. Und das Beispiel erklärt auch, warum jeweils LaMettrie und Stirner und Reich nie eine „Antwort“ von jeweils Diderot und Marx und Freud erhalten haben: die letzteren hätten sich, wie hier Fenichel, unsterblich lächerlich gemacht und als Reaktionäre entlarvt.

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 6. Orgonomie und Theologie

3. Juli 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 6. Orgonomie und Theologie

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 7)

15. Oktober 2020

Wie würde eine Arbeitsdemokratie konkret aussehen? Es gibt natürlich eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich einer Antwort zu nähern. Zum Beispiel Marx‘ Anmerkungen zum Gothaer Programm der Sozialdemokraten, daß die Arbeiter ihren Anteil an den gemeinschaftlich erarbeiteten Gütern entsprechend den Arbeitszeiten bekommen sollten usw. All dies basierte auf den Theorien des Arbeiterkommunisten Wilhelm Weitling, der „originale Marx“! Weitling war gläubiger Christ und sein Kommunismus basierte auf Christus und der frühchristlichen Gemeinschaft. Man könnte sagen, daß der Marx’sche Kommunismus eine satanistische Verzerrung des Weitling’schen Kommunismus war. (Dazu habe ich mich bereits an anderer Stelle geäußert.)

Ein zweiter Aspekt der Arbeitsdemokratie läßt sich an der Evolutionsbiologie festmachen. Sie zeigt uns, daß alle Tiergesellschaften, insbesondere Schimpansen, Klassengesellschaften sind und wirklich alles andere als „arbeitsdemokratisch“ organisiert sind. Sie erinnern eher an den barocken Feudalismus. Arbeitsdemokratie basiert also nicht auf Biologie, so wie sie heute gelehrt wird. Eine Ausnahme bilden die „Hippie-Schimpansen“, die Bonobos, die den für das Herdenleben der Tiere so charakteristischen immerwährenden politischen „Klassenkampf“ (u.a. Mord, Täuschung, Neid usw.) durch ständige sexuelle Aktivität abmildern und sogar ganz beseitigen. Dies läßt die spätere arbeitsdemokratische Gesellschaft a la den Trobriand-Inseln erahnen, wo die „Evolutionsbiologie“ durch eine andere Art von Biologie ersetzt wird: die von Reich beschriebene Biologie. Die Arbeitsdemokratie ist also Resultat des Übergangs von einer Gesellschaft, die auf „Schimpansenbräuchen“ beruht, zu einer Gesellschaft, die auf „kosmischen“ Funktionen (orgastische Potenz, Erstrahlung, Überlagerung, Liebe) beruht, die bereits innerhalb der Organismen aller Tiere wirksam sind (die Arbeitsdemokratie der inneren Organe). Dementsprechend regiert nicht mehr die „Schimpansenpolitik“ die Gesellschaft, sondern allein die Arbeitsfunktion – so wie „Herz und Nieren“ in uns funktionieren: die Arbeitsdemokratie. (Siehe dazu meine Ausführungen in Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht.)

Dies spiegelt sich nicht nur in Reichs Verhältnis zu Marx wider, sondern auch in Reichs Verhältnis zu Freud, der (z.B. in Totem und Tabu) seine Psychologie allein auf das gründete, was heute Evolutionsbiologie ist. Die Nazis taten dasselbe! Reich stand dazu in Opposition und entwickelte seine „kosmische“ Biologie, z.B. die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Trieben, die aus Sicht der Evolutionsbiologie überhaupt keinen Sinn macht. Einen ähnlich antidarwinistischen Ansatz verfolgte Weitling, als er sich auf das Neue Testament (die Liebe) bezog, während Marx und Engels lebhafte Anhänger von Darwin waren – und Satanisten, die vom Willen zur Macht geblendet waren.

nachrichtenbrief156

7. Juni 2020