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Das teutsche Wesen

17. Februar 2018

Interessanter Kommentar von „Zeitgenosse“:

Was die Selbstzerstörung der Deutschen anlangt, so habe ich einem interessanten Kommentar gehört. Ich habe mal nen Ur-Bayer darauf angesprochen, warum ihr Deutschen euch mit Freuden selber ruiniert und abserviert. Er (ein Stock-konservativer Rechter aus Süd-Bayern) meinte darauf hin lakonisch: das ist das germanische Erbe in uns. Wir müssen einfach mit wehenden Fahnen untergehen und nach Walhalla gehen; das liegt in unserer Natur seit Ewigkeiten.

Andere Rechte geben ganz im Gegenteil dem „artfremden“ Christentum die Schuld. Dessen „jüdischer“ Universalismus (alle Menschen sind gleich), Masochismus (die andere Wange hinhalten) und Welthaß (ich bin nicht von dieser Welt) hätten die Wehrhaftigkeit und den Selbsterhaltungstrieb des treudoofen Germanen „zersetzt“.

Nun, wie die alten Germanen waren, läßt sich an den Skandinaviern und vor allem Isländern ersehen. Das, was heute als „deutsch“ imponiert, ist wohl eher Resultat von vier ungeheuren Katastrophen: Pest, Bauernkriege und Reformation, 30jähriger Krieg, kleine Eiszeit: die alten Traditionen zerstört, die Leute, die säen und ernten sollten, waren tot oder sterbenskrank, Söldnerheere plünderten das Land und die Sommer waren wie heute die Winter, man konnte also kaum was anbauen, während die Winter selbst arktisch waren. Generation auf Generation ist durch eine Hölle gegangen, gegen die der Syrienkrieg Pipifax ist!

Gegen die alles zersetzende Anarchie wurde ein rigider „analer“ Ordnungswahn gesetzt, der bis heute das „Deutschtum“ ausmacht. Nicht zufällig sind im Deutschen alle Schimpfwörter fäkaler Natur. Die durchschnittliche Charakterstruktur des Deutschen war infolge, frei nach Elsworth F. Baker, durch eine anale Blockade aufgrund von Verdrängung geprägt und entsprechend durch Sicherheitsstreben, Ordnung und Sauberkeit gekennzeichnet. Alles war bioenergetisch auf Kontraktion gepolt – „Kontraktion“ im Sinne der kosmischen Überlagerung und damit auf Produktion. Siehe die zweite Hälfte der Schöpfungsfunktion:

Gleichung9xy

Der verdrängte anale Charakter kennt nur zwei Dinge Planung (das X bei Vx) und Rabboten (das Y bei Vy). Resultat ist ein Arbeitsprodukt A nach dem anderen. Deshalb, wegen dieser allesüberbordenden Produktivität (die unterfüttert wurde durch die ebenfalls anale sprichwörtliche Sparsamkeit der Deutschen = Anhäufung von Kapital, „Häufchen machen“) wurde Deutschland Opfer der angelsächsischen Emotionellen Pest, die das friedliebende Deutschland im Ersten Weltkrieg (und im Anschluß im Zweiten Weltkrieg) vernichten wollte. Ich erinnere nur an den alliierten Bombenterror. Das kann man alles hier und hier nachlesen! (Lesebefehl!)

Bis heute sorgt Deutschland durch seine Sparsamkeit und Produktivität für Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft, deshalb tut das Merkelregime ja auch alles, um dieses Land zu ruinieren bzw. „weltkompatibel“ zu machen.

Das ist die erste Erklärung für die gegenwärtige Selbstzerstörung unseres Vaterlandes. Die zweite ist aber wichtiger:

Ein weiterer Aspekt der verdrängten analen Blockade ist der Masochismus. Der Masochist kann sich von seiner krampfartigen analen Panzerung nicht selbst befreien und provoziert deshalb andere, die dieses Geschäft für ihn besorgen: „beschmutz mich, benutz mich“. Wie Churchill schon ganz richtig sagte: entweder würgt dich der Deutsche wie ein irrer Hunne oder er kriecht vor dir und leckt dir die Stiefel. Oder wie der Türke vor kurzem sagte: eine KÖTERRASSE. Der masochistische deutsche Untermensch verkuppelt seine 15jährige Tochter mit phallisch-narzißtischen Machos aus dem sagenumwobenen Südland und zahlt ihn dafür fürstlich von ihm GEFICKT zu werden. Je mehr sich der Deutsche zur Gaudi der Herrenmenschen blutend im eigenen Kot suhlen kann, desto glücklicher ist er!

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 2.g.

10. November 2015

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

a. Die Auffächerung der Hauptgleichung

b. Kreiselwelle und Pulsation

c. Welle, Puls, Expansion und Kontraktion

d. Ladung und Entladung

e. Erstrahlung und Anziehung

f. Schein, Sein, Trennen und Verbinden

g. Fühlen

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 2.d.

25. Oktober 2015

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

a. Die Auffächerung der Hauptgleichung

b. Kreiselwelle und Pulsation

c. Welle, Puls, Expansion und Kontraktion

d. Ladung und Entladung

Freud, Reich und der Wiederholungszwang (Teil 2)

21. Juni 2015

Für den mechanistischen Materialisten Freud ist die tote, also „mechanische“ Materie der Ursprung und die gegenwärtige Grundlage von allem Leben. Daraus, d.h. aus dem „konservativen Drang zur Rückkehr zum Urzustand“ leitet Freud logisch den Todestrieb her, der so genuiner Ausdruck der mechanistischen Wissenschaft ist. Demgegenüber sympathisiert Reich zunächst mit vitalistischen Konzepten, um dann zu seinem orgonomischen Funktionalismus vorzudringen, wo in Gestalt der Lebensenergie und im zentralen Begriff der „Funktion“ das Leben das Ursprüngliche ist, aus dem erst sekundär alles Mechanische sich ableitet. Dies zeigt einmal mehr, daß die Orgontheorie untrennbar mit der Orgasmustheorie verbunden ist.

Bei Freud bedeutet „Sexualsieg“ (des Lust-Ichs) Perversion, während Gesundheit gleichbedeutend sei mit einem geglückten „Ichsieg“ (des Real-Ichs). Allein schon dies (Freud: Sexualsieg = Perversion und Gesundheit = gepanzerte Eingepaßtheit) zeigt, daß Freud und Reich unvereinbare Gegenpole sind.

Wird das normale Sexualleben behindert, kommen Perversionen zum Vorschein. Die Psychoanalyse ist an diesen Perversionen interessiert (ihr Ursprung, ihre Verknüpfungen, ihr Aufbau, etc.), während für Reich all dies uninteressant war. Ihm ging es nicht um diesen Sumpf, sondern um seine Austrocknung durch Wiederherstellung (bzw. die Verbesserung) des normalen Sexuallebens.

Reich hat nie bestritten, daß es so etwas wie Freudsche perverse Triebe, Geburtstraumata und einen Adlerschen Willen zur Macht gibt. Es ist nur so, daß durch die Orgasmusfunktion diesen seelischen Gegebenheiten die Energie entzogen wird. So hat die Orgasmustheorie einen grundsätzlich anderen Charakter als andere monokausale Theorien. Der Reichsche Gesundheitsbegriff beinhaltet nicht, daß einer keine perversen Triebe hat, sondern daß diesen Trieben die Energie entzogen wird. Etwas, das zu wenig unterstrichen wird: beispielsweise ist der Rassismus möglicherweise biologisch vorgegeben, was aber für die Orgonomie relativ uninteressant ist, denn er wird erst durch den neurotischen Energiestau aufgrund orgastischer Impotenz aktualisiert. Wenn man einen harmlos tropfenden Wasserhahn mit dem Daumen zudrückt, spritzt es nach einiger Zeit gefährlich nach allen Seiten. Bei orgastischer Potenz ist die Frage der „natürlichen Anlagen“ im Endeffekt gleichgültig. (Dies wirft ein Licht auf den orgonomischen Begriff der „Natürlichkeit“, der nicht so naiv ist, wie man Reich vorwirft. Es geht nicht um Natur versus Unnatur, sondern letztendlich um ORgon versus DOR.)

Was Reich auf einer metatheoretischen Ebene von Freud trennte, war, daß Freud immer von einer grundlegenden unaufhebbaren Dichotomie ausging, die von vornherein jede Aussöhnung und damit jedes Gesundheitskonzept unmöglich machte. Von Anfang an spürt man, daß Reich Schwierigkeiten mit Freuds dualistischer Triebauffassung hatte, die streng zwischen Sexualenergie und einer Energie der Ich-Triebe (Selbsterhaltungstriebe) unterschied. Offensichtlich neigte Reich eher der monistischen Triebauffassung Jungs zu, doch stößt ihn hier die philosophische Spekulation und die Entsexualisierung ab. Dinge, die Freud überwunden hatte. Reichs eigene Lösung war die über Freud hinausweisende Unterscheidung von die Spannung erhöhender Prägenitalität und Befriedigung und Entspannung verschaffender Genitalität: die Funktion des Orgasmus beherrscht, oder besser regelt, die Gesamtheit der Triebe, z.B. auch die Aggression.

Wenn Freud auf den Orgasmus zu sprechen kommt, dann bezeichnenderweise in Jenseits des Lustprinzips bei der Begründung seiner Todestriebtheorie, d.h. der angeblich triebhaften Rückkehr des Organischen in das ursprünglich Anorganische. Der Orgasmus, bzw. der „kleine Tod“, fungiert dabei als Beispiel:

Als sein stärkstes Motiv an die Existenz des Todestriebes zu glauben, gibt Freud „das Streben nach Herabsetzung, Konstanterhaltung, Aufhebung der inneren Reizspannung“ an, das „Nirvanaprinzip“ (Studienausgabe Bd. III, Frankfurt 1975, S. 264). Freud spricht von

dem allgemeinsten Streben alles Lebenden, zur Ruhe der anorganischen Welt zurückzukehren. Wir haben alle erfahren, daß die größte uns erreichbare Lust, die des Sexualaktes, mit dem momentanen Erlöschen einer hochgesteigerten Erregung verbunden ist. (ebd., S. 270)

Drei Jahre später in Das Ich und das Es spricht Freud von der „Ähnlichkeit des Zustandes nach der vollen Sexualbefriedigung mit dem Sterben“ und erwähnt

bei niederen Tieren das Zusammenfallen des Todes mit dem Zeugungsakt. Diese Wesen sterben an der Fortpflanzung, insoferne nach der Ausschaltung des Eros durch die Befriedigung der Todestrieb freie Hand bekommt, seine Absichten durchzusetzen. (ebd., S. 113f)

Demgegenüber war für Reich der Orgasmus Ausdruck des produktiven, ausgreifenden Lebensprozesses an sich. Reich betrachtete das Triebhafte als Ausdruck der Lustsensation, nach Wiederholung zu verlangen. Der „Wiederholungszwang“ setze sich im Bereiche des Lustprinzips besonders machtvoll durch („Zur Triebenergetik“, Frühe Schriften I , siehe auch den betreffenden Hinweis in seinem Aufsatz „Über die Quellen der neurotischen Angst“ Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, XII(3), 1926, S. 423). Der „Wiederholungszwang“ bedeutete für Reich also das genaue Gegenteil als für Freud.

Reich steht hier nicht allein. In einem Fernsehbeitrag über Albert Camus sagte der Bonner Hirnforscher Detlev Linke 2005, man könne die Sisyphos-Geschichte auch psychoanalytisch lesen. Es werde versucht, den Höhepunkt zu erklimmen, bei dessen Erreichen man Entspannung findet. Linke:

Kein Wunder, daß Camus den Sisyphos als einen glücklichen Menschen beschreibt.

Linke kann nur an Reichs Die Funktion des Orgasmus gedacht haben.

Hier zeigt sich kraß der Unterschied zwischen orgastischer Impotenz (für die der Orgasmus nur Leere und Todesmüdigkeit bedeutet) und orgastischer Potenz.

Warum Reich Marx als obsolet betrachtete (Teil 7)

4. Juli 2014

Im Journal of Orgonomy haben Dr. Ellsworth F. Baker, und andere nicht weniger qualifizierte orgonomische Ärzte, die quacksalberische und gemeingefährliche Art angeprangert, mit der verschiedene „Reichianische Therapeuten“, „Bioenergetiker“, Urschrei-Provozierer etc. die Medizinische Orgonomie mißbraucht haben. In der typisch arroganten Art und Weise des „kleinen Mannes“ (siehe Reichs Rede an den Kleinen Mann), verschlimmern sie den Zustand ihrer meist Reich-gläubigen Opfer, wenn ihre Anstrengungen überhaupt irgendein Resultat zeitigen.

Ich muß gestehen, daß intern der inzwischen verstorbene italienische „Orgontherapeut“ Federico Navarro immer wieder für Erheiterung bei uns sorgt. Insbesondere seine Behauptung, Glatzenbildung bei Männern hätte etwas mit „okularer Panzerung“ zu tun!

Mir persönlich gefällt besonders seine urkomische Erklärung des Faschismus: er sei, soweit ich das im Navarroschen Wortdschungel ergründen kann, Ausdruck der Blockierung des Halses!

Und noch mehr Hals: Die drei Instinkte Schlaf, Hunger und Sex seien „Ausdruck des Selbsterhaltungstriebes (…), den wir gerade im Hals lokalisieren“!

Genauso wie die bereits in Teil 4 erwähnte Gerda Boysen („Biodynamik“) war Navarro „Schüler“ des Orgontherapeuten und Psychologen Dr. Ola Raknes. Raknes war der älteste und treuste Schüler Reichs und einer der wenigen, mit denen Reich auch eine engere persönliche Beziehung eingegangen ist. Später war Raknes Fellow des American College of Orgonomy. Hier sieht man ihn rechts, neben ihm Elsworth Baker und links Paul Mathews Mitte der 1960er Jahre:

Wie konnte solche ein unglaublich verdienstvoller und kompetenter Mann Monster wie Frankenstein schaffen?

Lois Wyvell schrieb 1982 in ihrer Zeitschrift Offshoots of Orgonomy (V), daß Raknes

im Übermaß verständnisvoll und tolerant war, was ihn dazu brachte, mit einigen der trügerischen Neo-Reichianer zusammenzuarbeiten, im besonderen den Marxistisch orientierten italienischen „Reichianern“. Er verursachte dadurch einigen Schaden in seinen letzten Jahren, in denen er Anerkennung suchte, was verständlich aber nicht entschuldbar ist; unerfüllte Bedürfnisse des Ego dominieren oft das Verhalten greiser Menschen. Ola war nicht fähig auf irgendetwas zu bestehen. Sogar bei seinen Schülern bestand er nicht auf die Existenz der Orgonenergie, sondern brachte sie soweit in Reichs Arbeit hinein, wie sie bequem gehen konnten.

Hier sieht man besonders klar, daß der Reichianismus der Krebs der Orgonomie ist, der sich nur dort festsetzen kann, wo das „Gewebe“ sich in einem energetischen Verfallsprozeß befindet. Genauso wie Modju sich nach dem ersten Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise in Rußland und danach in Deutschland festsetzen konnte.

Ein Beispiel war Reichs Tochter Dr. Eva Reich. Ihr Bruder Peter Reich schrieb 1973 dazu in Der Traumvater (München 1975):

Das Auf und Ab in der Diskussion um das Werk Reichs und seine Problematik veranlaßte Eva zu einer Haltung, die sie als „übernatürliche Abkehr“ von den Machtkämpfen bezeichnete.

1974 erhielt sie eine Einladung zu einem „Reichianischen“ Kongreß in Esalen, an dem auch Raknes teilnahm.

Über diese Veranstaltung schrieb der Orgonom Michael Glass (Journal of Orgonomy, Nov 1975):

Was am wenigsten zum Ausdruck kam, war Bescheidenheit. Du bekommst den Eindruck, daß mit wenigen Ausnahmen es eine Sache persönlicher Ambitionen der Vortragenden war, die sie nach Esalen führte. Da gab es wenig „Reich sagte…“ oder „Reich hat entdeckt…“, sondern sehr viel „Für mich bedeutet Reichs Idee…“, „Nach meiner Meinung…“ oder „Ich habe besonders Reichs Konzept über … brauchbar gefunden…“. Wenige waren Willens über den eigentlichen Reich zu sprechen; die meisten wollten für sich selber Werbung machen.

In einer kurzen Lebensbeschreibung von Eva Reich in emotion Nr. 8 wird ausgeführt, daß sich an diese Konferenz weitere Einladungen anschlossen.

Seitdem reist Eva Reich um die ganze Welt, um Vorträge zu halten mit dem Schwerpunkt Neurosenprophylaxe und Selbststeuerung von Geburt an. Außerdem leitet sie Selbsterfahrungsgruppen, in denen sie Techniken der „emotionalen ersten Hilfe“ lehrt. Ende 1986 besucht sie auf Einladung des „Ströme Zentrum für Reichianische Körperarbeit“ West-Berlin zum zweiten Mal, diesmal für einen ganzen Monat.

Weiter schreibt der leitende Kopf der Ströme über sie:

„I’m a social reformer, not a therapist“, ist ein Satz, den ich oft von ihr vernahm. Sie zeigt und deutet auf das, was in einfachen Schritten zu tun ist, vermeidet Universalrezepturen und großspurige Theorien, sie lehrt radikal, d.h. an die Wurzel gehend, und die „Wurzel für den Menschen ist der Mensch selbst.“ (Karl Marx)

Im Band I der Marx-Engels-Werke (herausgegeben vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED) heißt es auf Seite 385:

Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für die Menschen ist aber der Mensch selbst.

Folglich gelte der „kategorische Imperativ alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“.

Ist wirklich der Mensch der Urgrund des Menschen? So etwas kann nur der von seinem Kern abgetrennte modern-liberale Charakter von sich geben. Nach Reich ist

die soziale Existenz des Lebewesen Mensch (…) bioenergetisch betrachtet an sich nur ein kleiner Gipfel auf dem gigantischen Berg seines biologischen Daseins. (Ausgewählte Schriften)

Dies haben die sogenannten „Reichianer“ nie verstanden; daß Reich mit der Entdeckung des Orgons (erst als Strömungsempfindung, dann als „Bioelektrizität“, in den Bionen und schließlich in der Atmosphäre) so „radikal“ wurde, daß Marx‘ Ansichten im Vergleich dazu absolut irrelevant sind! (Wenn sie es nicht ohnehin schon wären…) So gilt auch, was das „Umwerfen der Verhältnisse“ betrifft, für die Orgonomie einzig die Reproduktion dieser Verhältnisse in unseren Kindern zu verhindern. Wofür Eva Reich ja auch weltweit eingetreten ist! Nur daß sie dabei den Feinden ihrer und ihres Vaters Arbeit in die Hände gefallen ist – wie sich spätestens Mitte der 1990er Jahre herausstellte, als die Berliner „Wilhelm-Reich-Gesellschaft“ per Abstimmung beschloß, daß es die Orgonenergie nicht gibt.

Betrachten wir die „ökonomisch-philosophischen Manuskripte“ von 1844, die Marx kurz nach der oben zitierten „Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ geschrieben hat. Als Bernd Senf diesen frühen Marx via Erich Fromm kennenlernte,

konnte ich die Begeisterung allmählich nachvollziehen. Die Sprache bei Marx war zwar unheimlich schwierig, aber die Gedanken, die er in seiner Entfremdungstheorie formuliert hatte, drückten für mich eine tiefe Menschlichkeit aus – ganz anders als in meinen Vorurteilen, wo ich Marx und Marxismus lange Zeit eher mit Unmenschlichkeit gleichgesetzt hatte und davor zurückgeschreckt war (nach dem Motto: Marx-Marxismus-Kommunismus-Stalinismus-Massenmord). (emotion 5:125)

In seinen Schriften über Entfremdung schrieb Marx z.B. über den „rohen Kommunismus“, den er später „Diktatur des Proletariats“ nannte und der nach dem Umwerfen aller Verhältnisse, „in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“, wie folgt auftritt: Der „rohe Kommunismus“ wolle

alles vernichten (…), was nicht fähig ist, als Privateigentum von allen besessen zu werden; er will auf gewaltsame (Hervorhebung von Marx!) Weise von Talent etc. abstrahieren. (…) [Man denke an Marx‘ spätere Arbeitswerttheorie!] die Bestimmung des Arbeiters wird nicht aufgehoben, sondern auf alle Menschen ausgedehnt; (…) Wie das Weib aus der Ehe in die allgemeine Prostitution, so tritt die ganze Welt des Reichtums (…) in das Verhältnis der universellen Prostitution mit der Gemeinschaft (…) indem [der rohe Kommunismus] die Persönlichkeit des Menschen überall negiert (…).

Marx war dergestalt Prophet des Roten Terrors. Die Trotzkistische „romantische“ Phase beschrieb 1927 Prof. Paul Miljukow, einst Führer der „Kadetten“ (die konstitutionellen Demokraten der Russischen Revolution), wie folgt:

Jede Abteilung der Tscheka in der Provinz hatte ihre eigenen, von ihr bevorzugten Foltermethoden. In Charkov wurden die Leute skalpiert und von den Handknochen „Handschuhe“ abgezogen. In Voronez setzte man die Gefolterten nackt in Fässer, die innen mit Nägeln ausgeschlagen waren und brachte die Fässer ins Rollen; man brannte den Opfern einen fünfzackigen Stern in die Stirn, und den Priestern setzte man einen Kranz aus Stacheldraht auf. In Caricyn und Kamysin zersägte man die Knochen mit einer Säge. In Poltava und Kremencug setzte man die Opfer auf einen Pfahl. In Ekaterinoslav kreuzigte und steinigte man sie. In Odessa briet man die Offiziere im Ofen und zerriß sie in Stücke. In Kiew legte man sie in einen Sarg mit einem sich bereits zersetzenden Leichnam, begrub sie lebendig und grub sie nach einer halben Stunde wieder aus. (z.n. Michael S. Voslensky: Sterbliche Götter, Erlangen 1989)

Hoevels hätte sich sicherlich köstlich amüsiert, denn das Foltern „der Üblen“ ist ja, nach seiner eigenen Aussage, sein Weg zur Regulierung der „psychischen Energie“!