Posts Tagged ‘Sehnsucht’

David Holbrook, M.D.: LIEBE UND ORGASMUSANGST BEI EINEM PARANOID-SCHIZOPHRENEN CHARAKTER (Teil 4)

18. Dezember 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Liebe und Orgasmusangst bei einem paranoid-schizophrenen Charakter

 

David Holbrook, M.D.: LIEBE UND ORGASMUSANGST BEI EINEM PARANOID-SCHIZOPHRENEN CHARAKTER (Teil 3)

14. Dezember 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Liebe und Orgasmusangst bei einem paranoid-schizophrenen Charakter

 

nachrichtenbrief175

18. Oktober 2020

Orgonomie und Christentum: Die Abfolge Heidentum – Christentum – Neoheidentum – Orgonomie (Teil 1)

5. Januar 2020

Alle heidnische Spiritualität baut auf der Vorstellung von einer dreischichtigen Seele auf: das Alltags-Ich, das zusammen mit dem Körper stirbt, das emotionale bzw. „leidenschaftliche“ Ich, das nach Ehre, dem Status als Kriegsheld, nach „ewiger Liebe“ und ähnlichem strebt und sich nach dem Tod in „Walhalla“ oder irgendwelchen „Paradiesen“ widerfindet, und schließlich das spirituelle Ich, das eins wird mit dem Logos.

Inwieweit diese Vorstellungen auf konkretes bioenergetisches Erleben zurückzuführen sind, erschließt sich uns durch einen Blick in die Charakteranalyse, in der Reich die Unterbrechung der „plasmatischen Bewegungen“ eines Wurms und die daran anschließende Frage bespricht:

Wir würden genauso handeln wie der Wurm, wenn uns jemand mit einer großen Zange am Rumpf festklemmte. (…) Diese funktionelle Identität zwischen Mensch und Wurm ist es, die uns befähigt, von der Ausdrucksbewegung des sich krümmenden Wurms im korrekten, objektiv wahren Sinne „beeindruckt“ zu werden. (…) Aber wir empfinden den Schmerz des Wurms und sein Neinschreien nicht unmittelbar, sondern wir nehmen nur einen Bewegungsausdruck wahr, der unter allem Umständen identisch wäre mit dem Bewegungsausdruck unseres eigenen Plasmasystems in der gleichen schmerzhaften Situation. Daraus folgt: Wir begreifen die Ausdrucksbewegungen und den Bewegungsausdruck eines anderen lebenden Organismus aufgrund der Identität unserer eigenen Emotionen mit denen alles Lebendigen. Wir begreifen die Sprache der Lebendigen unmittelbar aufgrund der funktionellen Identität der biologischen Emotionen. (KiWi, S. 501f, Hervorhebungen im Original)

Hier geht es nur um Bewegung (Motion) und Bewegtsein (E-Emotion), d.h. es geht nur um die Funktion „relative Bewegung“. Deutlich wird auch, daß grundsätzlich alle Emotionen identisch sind. Die Emotion des Wurms ist dasselbe wie mein Gefühl – sonst könnte ich den Wurm oder ein anderes Lebewesen nicht verstehen. Alle Emotionen sind gleich oder vielmehr alle Lust, Angst, Wut, Sehnsucht und Trauer ist jeweils gleich. Die Sehnsucht des Eichhörnchens ist identisch mit meiner Sehnsucht, einfach weil alle Sehnsucht das „Ausgreifen“ der organismischen Orgonenergie ist und alle bioenergetischen Prozesse identisch sind.

Nun zur Sensation (z.B. die Schmerzempfindung des Wurms, die Reich erwähnt) und zum Bereich der Funktion „ko-existierenden Wirkung“. Es ist nicht von vornherein von der Hand zu weisen, daß es nur einen Schmerz auf dieser Welt gibt. Ich erinnere nur an die Sprache! Wir können nur kommunizieren, weil die Wörter für uns die gleiche Bedeutung haben. Dies wird von den Mystikern die „spirituelle Welt“ genannt, eine Welt, die allen „Geistwesen“ gemeinsam ist. Vielleicht entspricht das ihrer verzerrten Wahrnehmung des Funktionsbereichs der ko-existierender Wirkung. Ich fühle nicht nur deine Angst, weil sich bei uns beiden das Orgon auf die gleiche Weise bewegt, sondern ich fühle auch deinen Schmerz – was wenig mit Bewegung zu tun hat.

Es gibt ein Kontinuum von der Sensation zum Denken. Die Sensation ist eine Funktion des energetischen Orgonoms, das im Zentralen Nervensystem zentriert ist. Das Denken (das dem Zentralen Nervensystem zugeordnet ist) wiederum ist eindeutig Ausdruck der ko-existierenden Wirkung. Die Verbindung zwischen Emotion und Denken ist nicht so direkt, da Emotion mit dem Vegetativen Nervensystem assoziiert ist.

Fassen wir zusammen:

Eine gegebene Emotion ist bei allen Lebewesen gleich, da dieselbe relative Bewegung auftritt (z.B. Kontraktion gegen Expansion bei der Angst). Die ko-existierende Wirkung spielt hier sicherlich ebenfalls eine Rolle, aber nur eine untergeordnete.

Jede Sensation ist kollektiv. Es gibt zum Beispiel keine individuellen Schmerzen. Mein Zahnschmerz ist unabhängig von zeitlichen und räumlichen Entfernungen mit deinem Zahnschmerz identisch. Dies liegt daran, daß es zum Bereich der ko-existierenden Wirkung gehört. Die relative Bewegung (in diesem Fall die Kontraktion von Nerven) spielt zwar ebenfalls eine Rolle, ähnlich wie die Funktion ko-existierende Wirkung bei den Emotionen, aber nur eine untergeordnete.

Ich habe gerade die bioenergetischen Grundlagen der Philosophien der Hindus, des Mahayana-Buddhismus, des Platonismus und imgrunde der Weltanschauung aller Menschen, insbesondere aber der primitiven Menschen, z.B. Voodoo, aufgedeckt.

Sie haben die Vorstellung, daß das eingangs erwähnte „emotionale Ich“ fortbesteht, weil anders als der materielle Körper die Emotionen unmittelbar in der Bewegung der kosmischen Lebensenergie verankert sind und sozusagen „Universalien“ darstellen. Bei Sensationen und Gedanken ist ähnliches gegeben, aber die Funktion der ko-existierenden Wirkung tritt hier in den Vordergrund, die in etwa dem „Logos“ entspricht, der unabhängig von Zeit und Raum ist. Das ist die bioenergetische Grundlage der vermeintlich „höchsten“ Aspirationen der menschlichen Existenz mit ihren Vorstellungen von „Erlösung“ und „Befreiung“ von den Beschwernissen der individuellen Existenz und der Bedrohung durch den Tod.

Charakteristischerweise ist das plebejische Christentum und sein Paradies ganz Leidenschaft, Glaube und Liebe, Emotion; während die höheren Weihen des aristokratischen Heidentums ganz in stoischer Emotionslosigkeit, reiner Sensation und abstrakten Ideen aufging, die allen Seelen eigen sind.

Erst vor diesem Hintergrund kann man die Religion und die Kunst, d.h. „Spiritualität“ wirklich verstehen. Etwa die Kunst des größten indischen Musikers, der seine Emotionen frei fließen läßt und uns, mystisch ausgedrückt, zum Kontakt mit der göttlichen Ebene und ihren ewigen Formgesetzen führt:

Liebe und Orgasmusangst bei einem paranoid-schizophrenen Charakter (Teil 4)

20. Juni 2019

von David Holbrook, M.D.

Diskussion

Ich fühle mich an Reichs Beschreibung des therapeutischen Prozesses in der medizinischen Orgontherapie erinnert:

„Normalerweise beginnen wir, den Panzer an den vom Genital am weitesten entfernten Stellen aufzulösen. Aus dieser Region wurde die Energie durch die Angst vertrieben, um sich dort niederzulassen, wo immer sie sich binden konnte. Die Schwere jeder Neurose steht in direktem Zusammenhang mit der Schwere der Störung der Genitalität. Wir müssen versuchen herauszufinden, wohin diese gestörte genitale Energie gegangen ist, sich verankert hat … .“ (Hamilton 1997, S. 14)

In Georges Beschreibung seiner Hinterhaupt-Phänomene können wir erkennen, wo sich die gestörte Genitalenergie bei Schizophrenen verankert hat. Diese statische Energie im Hinterhaupt des Schizophrenen muß sich selbst freisetzen, damit sich die gesamte körperliche Erregung der genitalen Umarmung entwickeln und zum Orgasmus übergehen kann:

„Die vollständige organismische Erregung geht der speziellen genitalen Erregung voraus“ (Reich 1953, S. 76, Hervorhebungen von D.H.)

Die Integration von Liebe und Sex in der genitalen Umarmung erfolgt als Endergebnis eines langen Prozesses der Beziehungsentwicklung:

„Leben [läßt] seine Liebesbeziehungen langsam … anwachsen. Leben drängt nicht zur Umarmung zu. Es ist nicht in Eile, ….“ (Reich 1953, S. 71)

Orgasmusangst verursacht „Liebesangst“. Wie die spontane Bewegung der Orgonenergie ist auch die Liebe spontan. Ich sage meinen Patienten oft, daß sie auf Anzeichen von Liebesangst achten müssen. Wenn du mit deiner Angst in Kontakt bleiben kannst und sie nicht in irgendeiner Weise ausagierst, um die Beziehung zu beschädigen, kümmert sich die Beziehung normalerweise um sich selbst und entwickelt sich spontan entsprechend ihren eigenen Funktionsgesetzen.

George und Angela, die mit orgonomischen Schriften vertraut sind, haben gesagt, daß sie sich irgendwie „im selben Orgonstrom“ fühlen und daß dies irgendwie mit der Art und Weise zu tun hat, wie sie dazu gekommen sind einander zu finden. Ihre Liebesbeziehung erleben sie als ein Abenteuer des Entdeckens, einen Prozeß, von dem es viel zu lernen gibt, etwas, das über sie hinausgeht und das sie ehrfürchtig macht. Manchmal zitieren sie scherzhaft die Figuren, die John Belushi und Dan Akroyd in dem Film The Blues Brothers spielten und sagen: „Wir sind auf einer göttlichen Mission.“

Diese Erfahrung der Liebe als etwas, die jenseits von einem selbst steht, wurde von Reich in Die kosmische Überlagerung ausgedrückt: „Die orgastische Sehnsucht, die eine so riesenhafte Rolle im Leben des Tieres spielt, erscheint nunmehr als Ausdruck dieses ‚Über-sich-hinaus-Strebens‘, als ‚Sehnsucht‘, aus dem engen Sack des eigenen Organismus hinauszugelangen. … es ist die orgonotische Überlagerung, die den lebenden Organismus mit der ihn umgebenden Natur verknüpft“ (1951, S. 67f, kursiv im Original).

Das „Mysterium der Liebe“ war über die Jahrtausende hinweg schwer zu verstehen, zum Teil weil Liebe sowohl ein psychisches als auch ein somatisches Phänomen ist und bis zur Entwicklung des orgonometrischen Verständnisses der psychosomatischen Beziehung keine adäquaten Werkzeuge zur Verfügung standen, um sich dem Problem zu nähern:

„…sowohl psychische als auch somatische Prozesse umfassen alle oder fast alle Funktionen, die in der Gleichung für Kontakt dargestellt werden. Dazu gehören nicht nur Funktionen im Bereich der relativen Bewegung, wie etwa Kreiselwelle und Pulsation (einschließlich der Schwankungen der Pulsation: Expansion und Kontraktion), sondern auch im Bereich koexistierender Wirkung, wie etwa Erstrahlung und Anziehung (und die Variationen der Anziehung: Assoziation und Dissoziation)“ (Holbrook, 2015).4

Bei der Liebe müssen die Orgonenergie-Felder eines jeden Individuums auf ganzheitliche und ungepanzerte Weise erregt werden können. Wenn die Energie frei genug ist, um sich zu bewegen, wird das Energiefeld jedes der Individuen angezogen: „Biosexuelle Erregung ist mit der Anziehung zweier orgonotischer Systeme und dem Erstrahlen ihrer Orgonenergie-Felder verbunden“ (Konia 2000, S. 51). In dem Maße, in dem dies möglich ist, bewegen sich die Energiefelder der Individuen in Richtung einer Überlagerung. Dieser Prozeß geht dem endgültigen Vollzug der genitalen Umarmung voraus:

„Die Genitalien sind bloß ausführende Organe der physischen Durchdringung, nachdem die gegenseitige Verschmelzung der Orgonenergiefelder schon einige Zeit vor der schließlichen Erfüllung geschah.“ (Reich 1953, S. 76, kursiv im Original)

Wenn orgastische Potenz vorhanden ist, ist eine uneingeschränkte genitale Umarmung möglich und die Energiesysteme von Mann und Frau können sich vollständig überlagern, was während des Orgasmus zu einem zeitweilig integrierten einzigen Energiesystem führt.

Reich schrieb: „Jede Neurosenform hat die ihr analoge Genitalstörung“ (Reich 1942, S. 126, kursiv im Original). Ich glaube, daß wir bei Georges Beschreibungen die Erfahrung einer Schizophrenie mit Orgasmusangst erkennen können.

 

Anmerkungen

4 Jedes Element dieser Ausführungen basiert auf Zitaten aus den veröffentlichten Arbeiten von Konia im Journal of Orgonomy. Siehe Holbrook 2015 für spezifische Passagen und Referenzen.

 

Literatur

  • Hamilton AE 1997: My Therapy With Wilhelm Reich (Part I). The Journal of Orgonomy 31(1):3-21
  • Holbrook D 2015: Orgonotic Functions in the Clinical Situation: The Bioenergetic Unity of Psyche and Soma. unveröffentlichtes Manuskript
  • Konia C 2000: Orgonotic Contact Part II. The Journal of Orgonomy34(2):50-59
  • Reich W 1942: Die Funktion des Orgasmus, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 1972
  • Reich W 1951: Die kosmische Überlagerung, Frankfurt: Zweitausendeins, 1997
  • Reich W 1953: Christusmord, Freiburg: Walter-Verlag, 1978

 

Dieser Text wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

„to emote“

5. Mai 2019

Ich stimme Claus zu, möchte aber mit Theordore Dairymple ergänzen: „We lieve in an age of emotionnal intontinence, where they who emote the most are believed to feel the most.

Dieses kindische und „hysterische“ Ausagieren von in jeder Hinsicht unangebrachten „Emotionen“ ist tatsächlich die Flucht vor der Emotion. Diese Ausbrüche über Nichtigkeiten zurückzuhalten, würde zum Ausbruch authentischer, „eigentlicher“ Emotionen führen, etwa eine tiefe Traurigkeit, Angst, Wut, etc. Es können natürlich auch tiefe Emotionen, etwa „mystische Sehnsucht“, als Ersatzkontakt mißbraucht werden, um dem konkreten Alltag und seinen emotionalen Herausforderungen zu entfliehen. Man denke nur an nationalistische oder religiöse Ergriffenheit. Es ist eine Art von „Emotionskrämerei“ entsprechend der „Wahrheitskrämerei“, von der Reich sprach. In jedem Fall tritt der Ersatzkontakt an die Stelle des Kontakts. Du weinst beispielsweise beim Tod eines Filmhelden, doch das Leiden der Menschen in deiner Umgebung oder gar in deiner Familie läßt dich kalt. Man kann sich ausmalen, was für ein Tollhaus Laien-„Therapeuten“ erzeugen können, denn derartige „Emotionen“ lassen sich denkbar einfach hervorrufen, gehören sie doch heute geradezu zum guten Ton. Das Gegenmittel ist nicht etwa Seneca und der Stoizismus, wie im obigen Video angedeutet wird, sondern das Ertragen und der Ausdruck von echten Emotionen. Als Kind pflegte ich zu lachen, wenn sich meine Mutter verletzte, etwa einen Stromschlag erlitt. Ich konnte einfach den ganzen Terror meiner wahren Empfindungen nicht ertragen. Heute flüchtet sich eine ganze Gesellschaft in diesen Eskapismus, einen bizarren Zirkus aus „Fun“ auf der einen Seite und auf der anderen aus ebenfalls infantiler Rührseligkeit, Sentimentalität, Gefühlsseligkeit und natürlich „Betroffenheit“, d.h. mit dem Kopf fühlen und dem Bauch „denken“:

Oder zurück nach Amerika:

Anmerkungen zum Thema „Emotion“

31. Januar 2019

„Angst ist in Wirklichkeit eine Kontraktion, die gegen die Ausdehnung gerichtet ist. Kontraktion allein, z.B. gegen Kälte, ruft keine Angst hervor“ (Elsworth F. Baker: Der Mensch in der Falle, S. 45). Bei der Schrumpfungsbiopathie hat man keine Angst, obwohl sich der Körper kontrahiert.

Bei der Expansion sollte man zwei Dinge auseinanderhalten, nämlich Liebe und Wut. Demnach ist nämlich nicht jede Expansion mit „lustvoller Entspannung“ oder gar „Auflockerung der muskulären Panzerung“ verbunden. Bei Wut ist wohl eher das Gegenteil gegeben, trotzdem sie eine Expansion ist. Andererseits löst sich bei Kontraktion, etwa bei tiefer Traurigkeit, die Panzerung auf.

Bei der Lust haben wir es mit einer Expansion zu tun, die frei zur Haut fließt, bei der Wut mit einer Expansion, die in die Muskulatur geht. Sehnsucht ist eine Emotion, bei der die Energie in die Brust, zum Mund und zum Genital hin expandiert. Bei Traurigkeit zieht sich die Energie einfach wieder zurück, während bei der Angst sie es gegen die Expansion macht und es zum inneren Stau kommt („Stauungsangst“).

Was ist mit „Lustangst“? Betrachten wir zunächst die Orgasmusformel: Spannung – Ladung – Entladung – Entspannung. Das Phönomen der „kalten Erektion“ schließt aus, daß der Flüssigkeitsstrom zur Peripherie eine sekundäre Folge der energetischen Ladungsverschiebung ist („Ladung – Spannung“). Wie Walter Hoppe in seinem Buch über Wilhelm Reich schrieb, muß man zentrale Erregung und periphere Aufladung auseinanderhalten, weshalb es „Spannung – Ladung“ ist (S. 226). Wenn man dies bedenkt, schließen sich Angst und sexuelle Lust durchaus nicht aus. Die anfänglichen Gefühle im Solar Plexus (zentrale Erregung) sind ja identisch. Generell sind „das Gefühl der Erwartungslust und das der Erwartungsangst miteinander verwoben“ (Die Funktion des Orgasmus). Das erklärt beispielsweise die Lust an Horrorfilmen. „Auch beim Schaukeln, im rasch abwärts fahrenden Lift (…) verspürt man am Herzen und am Genitale Empfindungen, die angst- und lustbetont zugleich sind“ (ebd.). Das erklärt die Lust an der „Todesangst“ auf der Kirmes.

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 2

8. Januar 2019

orgonometrieteil12

2. Modell, Funktionsschema, orgonometrische Gleichung

Elemente ignatianischer Spiritualität

6. November 2017

So der Titel einer Netzseite über die ich zufällig gestolpert bin. „Ignatianisch“? Es geht um Ignatius von Loyola und die von ihm begründete „Gesellschaft Jesu“, die Jesuiten, also das ultimative Feindbild aller Protestanten und Aufklärer.

Die Spiritualität der Jesuiten kommt vielleicht am besten in folgendem Satz des Jesuitenpaters Alfred Delp zum Ausdruck, den er auf seine Hinrichtung wartend in Nazihaft schrieb: „Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen.“ Gott ist überall, man braucht ihn nicht im Verborgenen suchen. Er ist im Alltag anwesend.

Das wäre ziemlich platt, doch Delp geht weiter: „In allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.“ Es geht um Emotionen und Kontakt, nicht bloße „Kontemplation“. Auf der Netzseite heißt es:

Alles beginnt mit der Sehnsucht. Die Wahrheit dieser Worte von Nelly Sachs können wir leicht an uns selbst überprüfen. Es gibt nichts Langweiligeres als ein Mensch, der sich nach nichts sehnt. Für Ignatius ist es wichtig, wenigstens mit der Sehnsucht nach der Sehnsucht anzufangen. Der heilige Augustinus bezeichnet einmal die Sehnsucht nach Gott als das immerwährende Gebet, und schreibt das einfache, große Wort: Die Sehnsucht Gottes ist der lebendige Mensch. Die Sehnsucht ist der Ort, wo sich Gott und Mensch begegnen.

Ein weiteres zentrales Element der „ignatischen Spiritualität“ ist der Großmut und ein dankbares Geben und Nehmen, d.h. bioenergetischer Kontakt und die Überwindung des „Kleinen Mannes“ in uns. „Undankbarkeit ist die Blockade gegenüber dem Verströmen des Liebens und Schenkens.“ Dabei geht es nicht um einen mechanischen Ausgleich und das mechanische Potential, sondern um gegenseitige Erregung und das orgonomische Potential: „Liebe ist kein stehendes Gewässer, kein Tümpel, keine Zisterne, die leergepumpt wird. Liebe läuft nicht aus, sondern über.“

Wir haben hier das vor uns, was Reich an Jesus Christus und an der Katholischen Kirche begeisterte: ein tiefes kosmisches Empfinden, eine Art „Protoorgonomie“. Das funktionelle Denken der Gesellschaft Jesu wird etwa bei folgendem Diktum von Ignatius evident:

Wahr dir in allen Dingen die Freiheit des Geistes. Schiele in nichts auf Menschenrücksicht, sondern halte deinen Geist innerlich so frei, daß du auch stets das Gegenteil tun könntest. Laß dich von keinem Hindernis abhalten, diese Geistesfreiheit zu hüten. Sie gib niemals auf.

Diedrich: Naturnah Forschen (2000)

13. März 2017

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Diedrich: Naturnah Forschen (2000)