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Der verdrängte Christus: 11. Der orgonomische Kern der Bibel

23. Juni 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

11. Der orgonomische Kern der Bibel

Elemente ignatianischer Spiritualität

6. November 2017

So der Titel einer Netzseite über die ich zufällig gestolpert bin. „Ignatianisch“? Es geht um Ignatius von Loyola und die von ihm begründete „Gesellschaft Jesu“, die Jesuiten, also das ultimative Feindbild aller Protestanten und Aufklärer.

Die Spiritualität der Jesuiten kommt vielleicht am besten in folgendem Satz des Jesuitenpaters Alfred Delp zum Ausdruck, den er auf seine Hinrichtung wartend in Nazihaft schrieb: „Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen.“ Gott ist überall, man braucht ihn nicht im Verborgenen suchen. Er ist im Alltag anwesend.

Das wäre ziemlich platt, doch Delp geht weiter: „In allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.“ Es geht um Emotionen und Kontakt, nicht bloße „Kontemplation“. Auf der Netzseite heißt es:

Alles beginnt mit der Sehnsucht. Die Wahrheit dieser Worte von Nelly Sachs können wir leicht an uns selbst überprüfen. Es gibt nichts Langweiligeres als ein Mensch, der sich nach nichts sehnt. Für Ignatius ist es wichtig, wenigstens mit der Sehnsucht nach der Sehnsucht anzufangen. Der heilige Augustinus bezeichnet einmal die Sehnsucht nach Gott als das immerwährende Gebet, und schreibt das einfache, große Wort: Die Sehnsucht Gottes ist der lebendige Mensch. Die Sehnsucht ist der Ort, wo sich Gott und Mensch begegnen.

Ein weiteres zentrales Element der „ignatischen Spiritualität“ ist der Großmut und ein dankbares Geben und Nehmen, d.h. bioenergetischer Kontakt und die Überwindung des „Kleinen Mannes“ in uns. „Undankbarkeit ist die Blockade gegenüber dem Verströmen des Liebens und Schenkens.“ Dabei geht es nicht um einen mechanischen Ausgleich und das mechanische Potential, sondern um gegenseitige Erregung und das orgonomische Potential: „Liebe ist kein stehendes Gewässer, kein Tümpel, keine Zisterne, die leergepumpt wird. Liebe läuft nicht aus, sondern über.“

Wir haben hier das vor uns, was Reich an Jesus Christus und an der Katholischen Kirche begeisterte: ein tiefes kosmisches Empfinden, eine Art „Protoorgonomie“. Das funktionelle Denken der Gesellschaft Jesu wird etwa bei folgendem Diktum von Ignatius evident:

Wahr dir in allen Dingen die Freiheit des Geistes. Schiele in nichts auf Menschenrücksicht, sondern halte deinen Geist innerlich so frei, daß du auch stets das Gegenteil tun könntest. Laß dich von keinem Hindernis abhalten, diese Geistesfreiheit zu hüten. Sie gib niemals auf.

Politik und Religion in der Orgonomie

9. Januar 2017

JDie soziopolitische Charakterologie geht auf das 1942 verfaßte Vorwort zur amerikanischen Neuauflage von Reichs Die Massenpsychologie des Faschismus zurück, wo er die drei Schichten des Charakters, die er in der Charakteranalyse entdeckt hatte, mit der gesellschaftlichen Ideologie verknüpfte. Die oberste Charakterschicht, die die destruktiven, d.h. durch die Panzerung erzeugten „sekundären“ Triebe nach außen hin abschirmt, setzte er mit der rationalistischen Ideologie des liberalen Bürgertums gleich, die mittlere Charakterschicht (die sekundären Triebe) mit dem irrationalen Faschismus und schließlich die unverzerrte, ursprüngliche biologische Kernschicht mit dem, was er als „Arbeitsdemokratie“ bezeichnete, rationales Verhalten.

Elsworth F. Baker hat diesen Ansatz in den 1960er Jahren systematisiert, indem er das gesamte soziopolitische Spektrum in insgesamt 9 soziopolitische Charaktere eingeteilt hat. Auf der linken Seite findet sich zunächst der echt Liberale, dessen charakterliche Fassade seine sekundären Triebe in Schach hält. Je weiter es nach links geht, desto stärker wird diese Abwehr, zusammen mit einer zunehmenden Panzerung und entsprechend stärker drängenden sekundären Trieben, bis es beim Kommunisten zu einem Umschlag kommt: die Fassade heuchelt nunmehr nur die Abwehr der sekundären Triebe der mittleren Schicht vor, um diese um so effizienter auszudrücken. Das ist das, was Reich als „roten Faschismus“ bezeichnet hat.

Auf der rechten Seite sieht das ähnlich aus. Nach rechts hin drückt die Fassade die mittlere Schicht immer unverblümter aus, während der Kontakt zum bioenergetischen Kern mystisch verzerrt ist, während er auf der linken Seite praktisch ganz fehlt.

Der Grundunterschied zwischen links und rechts ist die Art, wie Triebe abgewehrt werden. Während die rechte Seite vor allem muskulär gepanzert ist, gebraucht die linke Seite weitgehend ihren Intellekt als Abwehr. Bei der Rechten dreht sich, Charles Konia zufolge, alles vor allem um Emotionen „aus dem Bauch heraus“ (Individualismus), während bei der Linken sich alles um Sensationen, d.h. um „Eindrücke“ dreht (Kollektivismus).

Der oben dargelegte Unterschied zwischen links und rechts findet seine Entsprechung in jener emotionalen Religiosität, von der Reich sprach, und der sozusagen „linken“ „sensationalen“ „Spiritualität“, der viele „Reichianer“ anhängen.

Reichs Mitarbeiter zeigten sich verwundert, als er sich seit den 1940er Jahren immer positiver über Religion äußerte und seine geschiedene Frau war wirklich erstaunt, als er am Ende an den gemeinsamen Sohn Gebete schickte und beispielsweise einen Nachdruck von Dürers betenden Händen. Dazu ist zu sagen, daß jene, die ihm bis zum Ende nahe standen, bei ihm nie religiöse Anwandlungen im eigentlichen Sinne wahrnahmen, er also nicht vor einer „Konversion“ zu irgendeiner christlichen Glaubensgemeinschaft stand.

Die erwähnte Verwunderung kommt daher, weil Reich anfangs Religion als eine Art antisexuelle Verschwörung wahrgenommen hatte, die gleichzeitig Sexualersatz war, also eine Art Perversion. Als er aber schließlich feststellen mußte, daß die inneren orgonotischen Strömungen ihre Entsprechung in atmosphärischen und gar kosmischen Strömungen hatten, sah er sich gezwungen das religiöse Empfinden ernster zu nehmen. Religiöse Menschen nahmen etwas Reales war, entstellten es jedoch je nach ihrer Panzerstruktur.

Das Christentum als Befreiung von der Orgonomie

5. Juni 2014

Orson Bean ist Schauspieler und Showmaster (in etwa der „Harald Juhnke der USA“), der eine nicht unbedeutende Rolle in der Orgonomie spielte. Beispielsweise war er Gründungsmitglied des American College of Orgonomy. Bekannt geworden ist er durch sein Buch Me and the Orgone, das von seiner Orgontherapie beim Gründer des College, Elsworth F. Baker, handelt.

Für sein neustes Werk, eine Novelle, konnte er in Amerika zunächst keinen Verleger finden, weil das Manuskript den „liberalen“ Verlagen zu christlich war, den christlichen Verlagen zu vulgär. Das Buch ist buchstäblich der sozialen Panzerung der amerikanischen Gesellschaft zum Opfer gefallen. Deshalb sah er sich gezwungen, das Manuskript 2007 ins Netz zu stellen, doch mittlerweile ist M@il for Mikey doch in Buchform erschienen. Hier verarbeitet er seine jahrzehntelangen Alkohol- und Drogenprobleme, die er schließlich durch das Gebet (bei dem er sich anfangs wie ein Idiot vorkam) und, im Anschluß daran, durch seinen Glauben an Jesus bewältigt hat!

Man weiß nicht, was peinlicher ist: daß der Autor von Me and the Orgone wirklich in jeder Hinsicht ein „Harald Juhnke“ war oder daß er zu Jesus gefunden hat? Zum ersten Punkt ist zu sagen, daß die Orgontherapie kein Allheilmittel ist und wie will man wissen, wie sich Bean ohne Orgontherapie entwickelt hätte? Zum zweiten: Reich ist zwar einerseits immer vehement gegen „spirituelle“ Anwandlungen seiner Schüler angegangen, hat aber andererseits auch befremdet reagiert, wenn Schüler aus „orgonomisch prinzipiellen“ Gründen sich dagegen wandten, daß Reich Kontakt mit Geistlichen aufnahm bzw. die Kontaktwünsche von seiten Geistlicher nicht von sich wies. Unzweifelhaft hatte Reich im letzten Jahrzehnt seines Lebens einen großen Respekt für das Christentum entwickelt und beispielsweise seinem Sohn das Gebet nahegelegt.

Unabhängig von Reichs eigenen „privaten“ Schlußfolgerungen und Vorlieben kann man objektiv sagen, daß das (evangelikale) Christentum einige zentrale Elemente mit der Orgonomie gemein hat: es ist „atheistisch“, antimystisch und antispirituell. Für einen Christen ist es absurd sich durch „gute Werke“, „Opfergaben“ oder gar „Riten“ bei Gott einschmeicheln zu wollen, womit jedweder Religion die Grundlage entzogen ist. Magische Praktiken, „Meditationstechniken“, Yoga, Aberglauben, Geisterbeschwörungen, Spiritismus, Astrologie, Handlesen, etc.pp. sind des Teufels. Alles, was den Menschen versklavt, seien das nun religiöse Gesetze, etwa den Sabbat zu halten, Fastenmonate, etc., oder religiöse Praktiken, etwa das Singen von Mantren, das Heraufbeschwören von „Engelwesen“, die gesamte „Esoterik“, Religion an sich – ist dämonisch. Wir erlauben, wie etwa beim Alkohol- und Drogenkonsum, daß fremde Mächte uns okkupieren und uns steuern.

Bleibt die Frage, wer oder was dieser „Jesus“ ist, der uns von diesen Ketten befreit. Reich glaubte, Christus sei einfach nur „unser besseres Selbst“, unser ungepanzertes „Ichideal“, das unverdorbene Lebendige, das mit jedem Neugeborenen von neuem auf die Welt kommt. (vgl. Der verdrängte Christus)

Zu diesem Artikel wurde ich angeregt, als ich in einem Cafe vor dem Münster Dom saß und mir dabei in den Steinarbeiten, die die gotischen Fenster zieren, zwei mir wohlvertraute Symbole aus dem sino-buddhistischen Kulturkreis auffielen. Zwei Symbole, die in der künstlerischen Gestaltung des Doms wirklich zentral sind: das allseits bekannte Yin und Yang-Symbol und das weniger bekannte Symbol der „drei Kostbarkeiten“, wie man es vom Roerich-Pakt her kennt.

Als ich, typischer Schlauberger, meinen Gesprächspartner rethorisch fragte, was denn die beiden ineinander verschlungenen Orgonomen an einer katholischen Kirche zu bedeuten hätten, meinte er spontan: „Sie stellen das männliche und das weiliche Prinzip dar!“ Oh Gott… Tatsächlich symbolisieren sie natürlich die „doppelte Natur Christi: ganz Mensch und ganz Gott“. Was die drei Kreise innerhalb des großen Kreises am Dom zu suchen haben, weiß nun wirklich jeder: die Trinität. Eine untrennbare Gottheit mit drei distinkten Personen, die jeweils ohne jeden Abstrich die Gottheit als ganzes verkörpern.

Diese beiden Symbole beinhalten den metaphysischen Kern des Christentums. Ich unterlasse es lieber, die Dreieinigkeit erklären zu wollen, da ich eh bei der Orgonometrie landen würde. Entsprechend verkörpern diese beiden Symbole auch das, was so viele Studenten der Orgonomie in die Arme des Christentums treibt (Reichs Tochter Eva betrachtete sich beispielsweise als „christliche Sozialistin“ und sah in Jesus ihren persönlichen Befreier). Es ist die Flucht vor den beiden Grundlagen der Orgonomie: die Funktion des Orgasmus und der orgonomische Funktionalismus. Es ist die Flucht in eine asexuelle und vage Welt, in der es nicht das zwangsläufige Ineinandergreifen von Funktionen gibt. Eine Welt, in der sich Bioenergetik und bioenergetisches Denken (zwei Funktionen und das dritte Funktionsprinzip aus denen sie hervorgehen) in mystischen Unsinn verflüchtigen.

Das Christentum ist beides: es verkörpert wie nichts anderes in der gepanzerten Welt den unverdorbenen Kern des Menschen und ist gleichzeitig die ultimative Flucht vor eben diesem Kern.

Das kann man auch an der Geschichte unserer Breiten ablesen. Das Christentum hat den Germanen und den Slaven vom erdrückenden Aberglauben befreit, andererseits aber auch uns von unseren kosmischen Wurzeln getrennt. Wie schon Nietzsche diagnostizierte, hat das Christentum das Tor zum Nihilismus weit aufgestoßen. Man schaue sich um: der europäische Mensch ist gerade dabei aus christlicher Gutmenschlichkeit heraus kollektiven Selbstmord zu begehen. Da es kein Zurück mehr gibt (das „Neuheidentum“ hat Ozeane von Blut und Gebirge von Asche hinterlassen!), ist die Orgonomie die eine und einzige denkbare Rettung. Sie wird an die Stelle des Christentums treten.

jesusorgone