Posts Tagged ‘Alkoholismus’

Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

19. Mai 2019

 

Paul Mathews:
Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

 

Die Wirkungsweise der emotionalen Pest (Teil 2)

11. Januar 2019

von Paul Mathews, M.A.

Reich hat behauptet, dass das Verstehen und die Beherrschung der emotionalen Pest und ihrer vielfältigen Mechanismen Vorrang vor allen anderen Problemen des Menschen haben sollte, denn bis dies ausreichend erreicht sei, werde der Mensch niemals hoffen können seinen Fortschritt und sein Überleben in irgendeinem seiner Bemühungen aufrechterhalten zu können. Um nochmals zu zitieren: „Vielmehr wird es notwendig sein, die durch die Pest indizierten Reaktionen jedes einzelnen eingehend zu beschreiben, um Erziehern und Ärzten das für ihre Arbeit erforderliche detaillierte Wissen zu vermitteln“ (3, S. 9)d. Außerdem: „Gegenwärtig ist die Aufklärung des Christusmordes wichtiger als die wunderbarsten Kinder, die wir vielleicht heranziehen können“ (3, S. 7)e. Und zu guter Letzt: „Die Unerkanntheit der emotionellen Pest war bisher ihr sicherster Schutz. Demzufolge ist anzunehmen, dass die genaue Erforschung ihres Wesens und ihrer Dynamik diesen Schutz einreißen wird“ (1, S. 224)f. Nun, als Ausgangspunkt für die Aufdeckung einiger dieser Pestmechanismen, lassen Sie uns einige grundlegende Fakten über die emotionale Pest untersuchen, wie Reich sie lehrte, insbesondere in den Werken Character Analysis, The Murder of Christ, People in Trouble, und Listen, Little Man! und in Artikeln wie „Truth Versus Modju“ (4) und „Modju at Work in Journalism“ (5):

1. Die emotionale Pest ist eine Biopathie und hat keine diffamierende Bedeutung.

2. Sie ist das Produkt eines biologisch hohen Energieniveaus und einer unzureichenden Fähigkeit es zu entladen, aufgrund orgastischer Impotenz und Panzerung. Der Pestcharakter oder Modju leidet an einem unüberwindbaren Beckenblock.

3. Es besteht eine Inkongruenz zwischen seinen Handlungen und den für diese Handlungen angegebenen Gründen. „Das wahre Motiv wird immer verdeckt und durch ein scheinbares Motiv ersetzt“ (WR). Dieses Symptom hat viele Erscheinungsformen und Beispiele innerhalb des gegenwärtigen sozialen Schauplatzes. Was ist zum Beispiel der Grund für die Weigerung des Präsidenten, Solschenizyn zu sehen?g Was ist Indira Gandhis erklärter Grund für die Errichtung einer diktatorischen Kontrolle über Indien? Welche Gründe geben die Rotchinesen für eine Gegnerschaft zur Masturbation an (6)? Was ist der Grund, warum die American Psychiatric Association erklärt, dass Homosexualität keine Krankheit ist?1 Welche Gründe bieten die Apologeten für die Gräueltaten der Kambodschaner gegen ihr eigenes Volk an? Was ist die wirkliche Bedeutung von Watergate, der Entspannung, der Überprüfung der CIAh sowie der Abschaffung der meisten inländischen Sicherheits- und Nachrichtendienste der US-Regierung? Was ist die wahre Bedeutung der Helsinki-Abkommen und der Trend zur Annäherung an das kommunistische Kuba? Wie werden kleinere Verstöße und Missbräuche vorsätzlich genutzt für das Auferlegen unendlich größerer? Auf dem richtigen Verständnis dieser Fragen kann sehr wohl das Überleben der Menschheit beruhen.

4. Die emotionale Pest kann die Aufdeckung ihrer Motive, insbesondere ihrer Mechanismen, nicht tolerieren. Sie reagiert auf diese Bloßstellung mit extremer Angst und großer Wut. Es ist kein Zufall, dass Reichs Kritiker und Pseudobiographen sein Konzept von MODJU (dem absolut tödlichen Pestcharakter) und des ROTEN FASCHISMUS (der obersten Organisation der Modjus) vermieden haben. Der Begriff und seine Beschreibung traf sie zu direkt. Auch hier sind die angegebenen Gründe nicht die wirklichen. Diese Kritiker2i behaupten, dass Reich entweder zu Beschimpfungen greift (womit er sein eigenes diesbezügliches Verbot verletzt) oder fanatisch antikommunistisch ist. Sie verstehen nicht, dass das Erkennen einer tödlichen Seuche als ein medizinisches Problem es nicht ausschließt, sie mit allen verfügbaren Mitteln zu bekämpfen. Das Individuum, das Träger der emotionalen Pest ist, ist unweigerlich ein lebensfeindliches Individuum und die Institutionen und Systeme, die es im Interesse seiner Krankheit organisiert, sind gleichwie zerstörerisch. Die Pest zu tolerieren ist selbst eine Pestreaktion, es sei denn, das ist eine vorübergehende Methode, um ein größeres Übel abzuwehren. Es ist zum Beispiel besser, einige der Unzulänglichkeiten und Ungerechtigkeiten des amerikanischen Systems zu tolerieren, als der rotfaschistischen Welt zu erliegen.

5. Aufgrund der Impotenz der Massen wird die emotionale Pest periodisch zu einer Pandemie. Genau wie bei Individuen sucht die angesammelte nicht entladene Orgonenergie in Massen von Menschen eine sekundäre Entladung. Diese Entladung kann entweder sadistischer Natur sein (nach außen ausgedrückt), wie es in Kriegen und Verfolgungen der Fall ist, oder masochistisch (nach innen ausgedrückt), wie in Massenepidemien von Drogenabhängigkeit, Alkoholismus, Perversion usw. Die größeren, organisierten Pestepidemien greifen dann zu diesen Möglichkeiten, ihren Willen durchzusetzen. In letzter Zeit haben wir gesehen, wie die rot- und schwarzfaschistischen Pestepidemien das Elend und die Pestreaktionen der Massen zu ihren eigenen Vorteilen genutzt haben. Wegen ihrer Intoleranz gegenüber dem Leben begünstigen und propagieren sie die Mittel für diese Pestreaktionen, insbesondere in Gebieten wie den USA, die gesünder sind als ihre.

 

Fußnoten

1 Ein Artikel der New York Times (15. Juni 1975) enthüllte, dass die National Gay Task Force einen von höchsten APA-Führern unterzeichneten Brief konzipiert und bezahlt hatte, um eine positive Abstimmung für die Erklärung zu erreichen.

2 Vgl. Werke von David Boadella, Charles Rycroft, Jerome Greenfield usw.

 

Anmerkungen des Übersetzers

d Christusmord, Zweitausendeins, S. 28.

e Christusmord, Zweitausendeins, S. 26.
Kursiv von Mathews (ohne Hinweis).

f Charakteranalyse, Kiepenheuer & Witsch 1989, S. 336.

g Siehe: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41458173.html

h Die Rockefeller-Kommission wurde 1975 von Präsident Gerald Ford eingesetzt, um die Aktivitäten der CIA und anderer Geheimdienste innerhalb der USA zu untersuchen.

i David Boadella: Wilhelm Reich: The Evolution of His Work, 1973.
Charles Rycroft: Wilhelm Reich (Modern masters), 1972.
Jerome Greenfield: Wilhelm Reich vs. the U.S.A., 1974.

 

Literatur

1. Reich, W.: Character Analysis. New York: Orgone Institute Press, 1949
Paperback edition, Noonday Press, New York

3. Reich, W.: The Murder of Christ. Orgone Institute Press, 1953

4. Reich, W.: „Truth Versus Modju“, Orgone Energy Bulletin, 4: 162-170, 1952

5. Reich, W.: „Modju at Work in Journalism“, Orgone Energy Bulletin, 5, 85-89, 1953

6. „Sex Manuals Issued by China Sell Fast“, New York Times, 20. Juli 1975

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 9 (1975), Nr. 2, S. 206-218.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen (Teil 6)

29. Juni 2018

 

Paul Mathews: Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

ZUKUNFTSKINDER: 7. Das Drogenproblem, d. Drogen und Sexualökonomie

25. April 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

7. Das Drogenproblem, d. Drogen und Sexualökonomie

ZUKUNFTSKINDER: 1. „Rousseauismus“? d. Das moderne Leben

29. Januar 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

1. „Rousseauismus“? d. Das moderne Leben

Das Christentum als Befreiung von der Orgonomie

5. Juni 2014

Orson Bean ist Schauspieler und Showmaster (in etwa der „Harald Juhnke der USA“), der eine nicht unbedeutende Rolle in der Orgonomie spielte. Beispielsweise war er Gründungsmitglied des American College of Orgonomy. Bekannt geworden ist er durch sein Buch Me and the Orgone, das von seiner Orgontherapie beim Gründer des College, Elsworth F. Baker, handelt.

Für sein neustes Werk, eine Novelle, konnte er in Amerika zunächst keinen Verleger finden, weil das Manuskript den „liberalen“ Verlagen zu christlich war, den christlichen Verlagen zu vulgär. Das Buch ist buchstäblich der sozialen Panzerung der amerikanischen Gesellschaft zum Opfer gefallen. Deshalb sah er sich gezwungen, das Manuskript 2007 ins Netz zu stellen, doch mittlerweile ist M@il for Mikey doch in Buchform erschienen. Hier verarbeitet er seine jahrzehntelangen Alkohol- und Drogenprobleme, die er schließlich durch das Gebet (bei dem er sich anfangs wie ein Idiot vorkam) und, im Anschluß daran, durch seinen Glauben an Jesus bewältigt hat!

Man weiß nicht, was peinlicher ist: daß der Autor von Me and the Orgone wirklich in jeder Hinsicht ein „Harald Juhnke“ war oder daß er zu Jesus gefunden hat? Zum ersten Punkt ist zu sagen, daß die Orgontherapie kein Allheilmittel ist und wie will man wissen, wie sich Bean ohne Orgontherapie entwickelt hätte? Zum zweiten: Reich ist zwar einerseits immer vehement gegen „spirituelle“ Anwandlungen seiner Schüler angegangen, hat aber andererseits auch befremdet reagiert, wenn Schüler aus „orgonomisch prinzipiellen“ Gründen sich dagegen wandten, daß Reich Kontakt mit Geistlichen aufnahm bzw. die Kontaktwünsche von seiten Geistlicher nicht von sich wies. Unzweifelhaft hatte Reich im letzten Jahrzehnt seines Lebens einen großen Respekt für das Christentum entwickelt und beispielsweise seinem Sohn das Gebet nahegelegt.

Unabhängig von Reichs eigenen „privaten“ Schlußfolgerungen und Vorlieben kann man objektiv sagen, daß das (evangelikale) Christentum einige zentrale Elemente mit der Orgonomie gemein hat: es ist „atheistisch“, antimystisch und antispirituell. Für einen Christen ist es absurd sich durch „gute Werke“, „Opfergaben“ oder gar „Riten“ bei Gott einschmeicheln zu wollen, womit jedweder Religion die Grundlage entzogen ist. Magische Praktiken, „Meditationstechniken“, Yoga, Aberglauben, Geisterbeschwörungen, Spiritismus, Astrologie, Handlesen, etc.pp. sind des Teufels. Alles, was den Menschen versklavt, seien das nun religiöse Gesetze, etwa den Sabbat zu halten, Fastenmonate, etc., oder religiöse Praktiken, etwa das Singen von Mantren, das Heraufbeschwören von „Engelwesen“, die gesamte „Esoterik“, Religion an sich – ist dämonisch. Wir erlauben, wie etwa beim Alkohol- und Drogenkonsum, daß fremde Mächte uns okkupieren und uns steuern.

Bleibt die Frage, wer oder was dieser „Jesus“ ist, der uns von diesen Ketten befreit. Reich glaubte, Christus sei einfach nur „unser besseres Selbst“, unser ungepanzertes „Ichideal“, das unverdorbene Lebendige, das mit jedem Neugeborenen von neuem auf die Welt kommt. (vgl. Der verdrängte Christus)

Zu diesem Artikel wurde ich angeregt, als ich in einem Cafe vor dem Münster Dom saß und mir dabei in den Steinarbeiten, die die gotischen Fenster zieren, zwei mir wohlvertraute Symbole aus dem sino-buddhistischen Kulturkreis auffielen. Zwei Symbole, die in der künstlerischen Gestaltung des Doms wirklich zentral sind: das allseits bekannte Yin und Yang-Symbol und das weniger bekannte Symbol der „drei Kostbarkeiten“, wie man es vom Roerich-Pakt her kennt.

Als ich, typischer Schlauberger, meinen Gesprächspartner rethorisch fragte, was denn die beiden ineinander verschlungenen Orgonomen an einer katholischen Kirche zu bedeuten hätten, meinte er spontan: „Sie stellen das männliche und das weiliche Prinzip dar!“ Oh Gott… Tatsächlich symbolisieren sie natürlich die „doppelte Natur Christi: ganz Mensch und ganz Gott“. Was die drei Kreise innerhalb des großen Kreises am Dom zu suchen haben, weiß nun wirklich jeder: die Trinität. Eine untrennbare Gottheit mit drei distinkten Personen, die jeweils ohne jeden Abstrich die Gottheit als ganzes verkörpern.

Diese beiden Symbole beinhalten den metaphysischen Kern des Christentums. Ich unterlasse es lieber, die Dreieinigkeit erklären zu wollen, da ich eh bei der Orgonometrie landen würde. Entsprechend verkörpern diese beiden Symbole auch das, was so viele Studenten der Orgonomie in die Arme des Christentums treibt (Reichs Tochter Eva betrachtete sich beispielsweise als „christliche Sozialistin“ und sah in Jesus ihren persönlichen Befreier). Es ist die Flucht vor den beiden Grundlagen der Orgonomie: die Funktion des Orgasmus und der orgonomische Funktionalismus. Es ist die Flucht in eine asexuelle und vage Welt, in der es nicht das zwangsläufige Ineinandergreifen von Funktionen gibt. Eine Welt, in der sich Bioenergetik und bioenergetisches Denken (zwei Funktionen und das dritte Funktionsprinzip aus denen sie hervorgehen) in mystischen Unsinn verflüchtigen.

Das Christentum ist beides: es verkörpert wie nichts anderes in der gepanzerten Welt den unverdorbenen Kern des Menschen und ist gleichzeitig die ultimative Flucht vor eben diesem Kern.

Das kann man auch an der Geschichte unserer Breiten ablesen. Das Christentum hat den Germanen und den Slaven vom erdrückenden Aberglauben befreit, andererseits aber auch uns von unseren kosmischen Wurzeln getrennt. Wie schon Nietzsche diagnostizierte, hat das Christentum das Tor zum Nihilismus weit aufgestoßen. Man schaue sich um: der europäische Mensch ist gerade dabei aus christlicher Gutmenschlichkeit heraus kollektiven Selbstmord zu begehen. Da es kein Zurück mehr gibt (das „Neuheidentum“ hat Ozeane von Blut und Gebirge von Asche hinterlassen!), ist die Orgonomie die eine und einzige denkbare Rettung. Sie wird an die Stelle des Christentums treten.

jesusorgone

Reich der „schreckliche Vereinfacher“

8. August 2012

Wie die Komplexität der orgonomischen Fragestellung auf praktische Weise in das wirkliche Leben integrieren? Man müsse doch auch die andere Seite sehen, diese Sichtweise wäre doch einfach zu vereinfachend, so schematisch dürfe man das nicht sehen, dem Kritiker würden x Gegenbeispiele einfallen, etc. Wobei immer wieder neue Fragenkomplexe angerissen werden.

Das geschieht immer im Namen der „Wirklichkeit“ und der „Praktikabilität“. Die Wirklichkeit sei eben viel komplexer als unsere schönen Theorien und unsere vereinfachten Schemata wären viel zu grobschlächtig, um wirklich praktikabel zu sein.

Eben weil sie Kliniker und Pragmatiker waren, haben Reich und Elsworth F. Baker die Neurotiker auf eine einfache orgonometrische Gleichung reduziert (der abgewehrte und der abwehrende Trieb, der die Charakterstruktur bestimmt) – und die genaueren Klassifikationen draußen vor gelassen, weil man praktisch mit ihnen nichts anfangen kann. Es geht darum, sich vom unwesentlichen „Noise“ nicht erschlagen zu lassen und konsequent zum funktionellen Kern des Problems vorzudringen und dort anzusetzen.

Man nehme eine beliebige politische Affäre: natürlich kann man sich, wie es jeder Journalist tut, auf die „Wirklichkeit“ und damit auf den umfassenden Täuschungszusammenhang einlassen – oder man kann sich davon befreien und die Sache funktionell betrachten. Warum, zum Beispiel, haben sich die Konservativen auf mafiöse Methoden eingelassen? Das funktionelle Problem war die Linke in den 1970er und 1980er Jahren, die alles tat, um den Roten Faschismus im Osten zu stützen und im Inland durchzusetzen. Man stelle sich mal vor, die „realistische“ SPD hätte sich durchgesetzt und wir hätten die Staatsbürgerschaft der DDR anerkannt! Dagegen mußte und muß mit allen Mitteln mobil gemacht werden – was dann zu einem Selbstläufer wurde. – Was sonst so in den Zeitungen steht und im Fernsehen gesendet wird, geht, wie stets, am Kern des Problems vorbei. Hier ist es die aktionistische Linke, auf die die Rechte lediglich reagiert.

Und so in allem: der Funktionalist muß stets zu dem Kern des Problems vordringen, den alle anderen systematisch umgehen! Natürlich wäre es idiotisch, etwa bei einer Diskussion über Alkoholismus darauf zu insistieren, dem läge meist eine „unbefriedigte orale Panzerung“ zugrunde. Aber während die anderen der Vielgestaltigkeit des Phänomens Alkoholismus haltlos ausgeliefert sind und schließlich zu mechanistischen Erklärungen (Rezeptoren im Hirn, genetische Veranlagung, etc.) Zuflucht nehmen müssen, um nicht im klinischen Chaos zu versinken – hat der medizinische Orgonom festen Boden unter den Füßen, von dem aus er die Diskussion in die richtige Richtung lenken kann.

Warum fühlten sich die 68er letztendlich immer mehr zu Marx und Freud als zu Reich hingezogen? Weil Marx Tausende von Buchseiten hochkomplex und bis in jede kleinste Einzelheit den kapitalistischen Produktionsprozeß durchleuchtet hat – ohne selbst je eine Fabrik von innen gesehen zu haben oder irgendeine über politische Versammlungen hinausgehende Verbindung zur „arbeitenden/realistischen Sphäre“ gehabt zu haben! Reichs „Marxismus“, der aus der konkreten Sozialarbeit geflossen ist, war den 68ern einfach zu platt und schematisch – während Marx als „tief“ und „wirklichkeitsnah“ galt.

Das gleiche trifft auf Freud zu, der herrlich differenziert über die Neurosen und Perversionen schreiben konnte – während Reich als langweilig und zu grob schematisierend galt. Allein schon der naive Begriff von „psychischer Gesundheit“!

Reich:

Die Wirkung des Militarismus beruht massenpsychologisch im wesentlichen auf einem libidinösen Mechanismus: die sexuelle Wirkung der Uniform, die erotisch aufreizende, weil rhythmisch vollendete Wirkung der Parademärsche, der exhibitionistische Charakter des militärischen Auftretens sind einer Hausgehilfin oder einer durchschnittlichen Angestellten bisher praktisch klarer geworden als unseren gebildeten Politikern. (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 50)

Wenn es um Fragen der „Umstrukturierung des Kleinkindes“ gehe, also um das, was Reich später als Projekt „Kinder der Zukunft“ bezeichnen sollte, sollten wir uns, so Reich, nicht an die „reaktionär ausgebildeten Psychologen halten“, sondern beispielsweise an das natürliche Empfinden von „Bergarbeitern“ (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 250).

Mit Marx und Freud und ihren kochkomplexen Erklärungsansätzen konnten die 68er im „wirklichen Leben“ etwas anfangen – während der Primitivling Reich für sie nichts weiter als ein unrealistischer, unpraktikabler Monomane war, mit dem man im „täglichen politischen Kampf, in der täglichen Praxis, in der täglichen Klinik“ nichts anfangen konnte.

Oder mit anderen Worten: Reich untergräbt das eine Kapital, von dem „Intellektuelle“ leben. Sie sind als „Übersetzer“ schlichtweg überflüssig, wenn die Lebenszusammenhänge einfach und überschaubar werden. – Sie sind Todfeinde der Arbeitsdemokratie.

Ja, diese Leute reden von Diskurs – die intolerantesten Menschen, die man sich überhaupt denken kann, die Begründer der Political Correctness, sprechen von Diskurs! Das Ergebnis dieses „Diskurses“ ist vorgegeben: „Fortschritt“ und „Demokratie“! Tatsächlich geht es nur um eins: den „Einfluß der Intellektuellen“:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=z0yuRp0RWqU%5D