Posts Tagged ‘Max Stirner’

Georges Bataille aufgespießt

30. Mai 2024

Georges Bataille aufgespießt

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 129)

18. Mai 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Imgrunde gibt es seit über 2000 Jahren nur zwei Fraktionen; rechts die Katholen und links die Gnostiker. Man denke etwa an den Gegensatz zwischen dem stets alle Widersprüche versöhnenden Hegel und die die Widersprüche bis zur revolutionären Umwälzung zuspitzenden Junghegelianern.

Die Katholen wollen die böse Natur unterdrücken und dergestalt sozusagen eine „Lichtung“ für die Wiederkehr Christi bereitstellen, der dann nach seinem Auftreten die Schöpfung so „auf-hebt“, wie sie ursprünglich geplant war – und im Urgrunde auch irgendwie schon ist („Und Gott sprach, es ist gut so wie es ist“). Die anderen, die Gnostiker, halten die Schöpfung für eine Tat des Teufels, d.h. sie ist durch und durch unrettbar verfehlt und es gilt dem Ruf einer außerweltlichen Macht zu folgen und dem Bösen zu entfliehen, die Schöpfung zu negieren.

Das Problem mit Reich ist, daß er ganz offensichtlich (man denke nur an das Dreischichtenmodell: „der Mensch ist böse, aber imgrunde doch gut“) nach rechts zu den Katholen gehört (wo er sich ja sogar schließlich ausdrücklich selbst verortete) – gleichzeitig aber verkörpert er geradezu archetypisch den gnostischen, „junghegelianischen“ Impuls: man muß das (genitale, ungepanzerte) Rationale vom (prägenitalen, gepanzerte) Irrationalen scheiden.

Ähnlich ist es mit LaMettrie und Stirner bestellt, die einerseits als harmlos dastehen, weil es bloße „Sexualromatiker“ sind bzw. nur das unterstreichen, was die „egoistische Gesellschaft“ eh von jeher bestimmt, andererseits aber als wilde „Nihilisten“ dastehen.

Es sei an das Symbol des orgonomischen Funktionalismus erinnert: Einheit und Gegensatz.

Email [Rudolf Steiner] (2006)

17. Mai 2024

Email [Rudolf Steiner] (2006)

Ich war heute auf dem Friedhof der biologischen Revolution

11. Mai 2024

Nirgends sonst sieht man den Zerfall unseres deutschen Vaterlandes plastischer als auf dem Todesacker. Ein sterbendes Land, eine sterbende Kultur. JEDER kann es sehen auch beim diametralen Gegensatz eines Friedhofs, im nächsten Freibad:

Aber zum Todesacker: Jahr für Jahr verwahrlosen mehr Gräber und die Friedhöfe werden immer leerer. Die Respektlosigkeit gegenüber dem EIGENEN Fleisch und Blut ist atemberaubend.

Das hat zwei Elemente:

Erstens ist es Ausdruck des chaotischen Zusammenbruchs der individuellen und gesellschaftlichen Panzerung seit etwa 1960. Der psychische Aspekt der Panzerung ist das Über-Ich, d.h. die zur „inneren Stimme“ internalisierten Eltern mit ihren lustfeindlichen Geboten. Die heutigen Menschen befinden sich in einer dauerhaften Rebellion gegen die ödipalen Verstrickungen, die die Grundlage ihres Charakterpanzers bilden. Der Abbruch der Generationenkette ist Ausdruck dieser krankhaft infantilen und durch und durch impotenten „Emanzipation“, die nur deshalb auf diese verheerende Weise einsetzte, weil die EINZIG WIRKLICHE Aufklärung (LaMettrie, Stirner, Reich) jeweils erstickt wurde durch die „Aufklärer“.

Zweitens gibt es eine weitere „innere Stimme“ und das ist unsere ureigenste Stimme, die „Stimme der Natur“, wie man so schön sagt. Sie verbindet uns mit dem eigenen Blut und Boden, d.h. mit der Zeit (die über uns selbst hinausweisende Abfolge der Generationen) und den Raum, den unsere Ahnen uns unter unendlichen Opfern erkämpft und bereitet haben, damit wir gedeihen und sie in uns weiterleben können.

Der verwahrlosende Friedhof sagt uns, daß die biologische Revolution, die nach Reichs Tod eingesetzt hat, auf eine fundamentale Weise gescheitert ist. Da wir das Fremde in uns (das Über-Ich) nicht gnadenlos ausgemerzt haben, werden wir vom Fremden überrannt. Und man glaube doch nicht, daß der durch Vernachlässigung geschändete Grabstein bezeugt, daß das Über-Ich überwunden ist! Nein, das rotgrüne Toastbrot unterwirft sich, VOLLKOMMEN abgeschnitten von seiner eigenen Natur wie es ist, mehr denn je dem Fremden bis zur kompletten Selbstaufgabe, alles nur um ein „gutes Gewissen“ zu haben: die sprichwörtlichen Gutmenschen.

Max Stirner und das Orgon

8. Mai 2024

Reich unter den Psychoanalytikern der 1920er und Anfang der 1930er Jahre: Niemand konnte sich so wie er unter die Arbeiterklasse mischen, niemand konnte einfach so tanzen wie er, zelten und „andere wunderliche Dinge“ tun – niemand konnte so einfach er selbst sein wie er. Er war einfach er. Der Rest spielte immer eine Rolle, beispielsweise die des „Herrn Doktor“ und des unnahbaren Psychoanalytikers. Nichts ist für den gepanzerten Mann erschreckender als ein Mann, der einfach er selbst ist, ohne sich zu verstellen. Das ist OR, die Lebensenergie selbst, alles andere ist nur totes DOR. Reich war eine natürliche Kraft, die anderen waren nur tote Objekte, die von äußeren Kräften bewegt werden – weil sie nicht sie selbst sind, d.h. keinen inneren Antrieb haben.

Ich habe meine Probleme mit Trump, aber – ja: es gibt etwas an ihm, das die Menschen terrorisiert, seine „Unberechenbarkeit“ und sein „Populismus“ und Libertinismus. Er steht zu sich! Etwas, das sie an „etwas“ erinnert. Einfach nur man selbst zu sein, was das Einfachste sein sollte – aber eigentlich das Schwierigste ist. Wie das Atmen in einer Orgontherapie-Sitzung: einfach nur atmen, einfach man selbst sein. Der schlimmste Terror, den sich der gepanzerte Mensch vorstellen kann. All diese innerlich toten Politiker und all diese Zombies von Meinungsmachern – und dann tritt Trump auf den Plan. Wie ein Außerirdischer, wie Reich, der spekuliert, er sei ein „space man“. Und das alles, weil er einfach er selbst ist. Etwas „Fremdes“ betritt den Schauplatz – während alle anderen in Wirklichkeit von sich selbst entfremdet sind.

Reich hat ein ganzes Buch darüber geschrieben: Christusmord. Die Leute haben sich immer gefragt, wie Max Stirners Der Einzige und sein Eigentum in die Bibliographie dieses Buches geraten ist. Das liegt daran, daß das Selbstsein der Schlüssel ist. Wir werden nie „frei“ sein, aber wir haben immer die Fähigkeit, unser Eigenheit zu wahren, einfach authentisch und uns selbst treu zu sein, identisch mit uns selbst. Spontanes, autonomes Funktionieren – die eigentliche Essenz des Orgons. Alles andere ist Zwang, Wahnsinn, Irrsinn: die Welt des gepanzerten, verDORrten „Lebens“.

Anstreichungen in David McLellan: DIE JUNGHEGELIANER UND KARL MARX

7. Mai 2024

Anstreichungen in David McLellan: DIE JUNGHEGELIANER UND KARL MARX

Peter liest die Laska/Schmitz-Korrespondenz (Teil 21)

2. Mai 2024

Hermann Schmitz hat LaMettrie, Stirner und Reich nicht mal im Ansatz wirklich begriffen– und auch von Laska wurden sie ihm nicht „Schmitz-adäquat“ nahegebracht.

Schmitz möchte sozusagen „den Raum“ bzw. „das Kontinuum“ retten. Den Raum ohne Grenzflächen, den Raum als eine Art Gefühlsereignis. In der westlichen Philosophie ist der Mensch sozusagen in die „gefühllose“ Leere geworfen, in der im weitesten Sinne „Atome“ driften, die irgendwie miteinander in Beziehung gesetzt werden und Gebilde mit Grenzflächen bilden, die man wieder als „Atome“ betrachten kann. Letztendlich ist alles leer und öde und beliebig – bedeutungslos. Das ist anders beispielsweise in der Ostkirche, wo Gott das gesamte Universum und die gesamte Menschenwelt mit seinen „unerschaffenen Energien“ durchwirkt, denen sich der Mensch öffnen muß, um ganz und gar im kosmischen Corpus Christi aufzugehen. Ganz ähnlich sieht es in der animistischen Urreligion aus, wie Reich sie in Äther, Gott und Teufel beschreibt. Die Umwelt ist belebt und das Innenleben des Menschen, seine Gefühle sind nicht nur im übertragenen Sinne „subjektive Atmosphären“ bzw. „gesellschaftliche Atmosphären“, sondern sind eins mit der objektiven Atmosphäre. Man denke etwa an das ORANUR-Experiment, wo die Umwelt von Emotionen beherrscht wird.

In ihrem Buch über LaMettrie versucht Ursula Pia Jauch Jenseits der Maschine darzulegen, wie LaMettrie, der „Maschinen-Mensch“ schlechthin, es unternommen hat, die Natur „wieder zu verzaubern“. Man kann Jauchs Ansatz kritisieren als fast schon bewußten Gegenentwurf zu Laskas LSR-Interpretation, aber: nichts stand LaMettrie ferner als der maschinelle Mensch, der Roboter. Ihm ging es ganz im Gegenteil darum, das Tier im Menschen zu rehabilitieren und durch Beseitigung der menschentypischen Schuldgefühle, also des „Über-Ich“, die Trennung von der Natur rückgängig zu machen und den Menschen dergestalt wieder in die besagten „Atmosphären“ einzutauchen. Schmitz tut hingegen von vornherein LaMettrie als unbedeutenden „Kasper“ ab. Meines Erachtens macht er daß, weil er das von LaMettrie bekämpfte „Über-Ich“ als übergreifende, wenn man so will, „gesellschaftliche Atmosphäre“ retten will und er entsprechend LaMettrie als, ja, asozialen Penner verachtet.

Ähnlich mit Stirner, der für Schmitz DIE Verkörperung der Entfremdung des Menschen ist, sozusagen der ultimative Kleinbürger, der sich mit nichts und niemand identifiziert und als Gollum eine vereinsamte Existenz des „Mein, mein, mein!“ fristet. Wo doch das Gegenteil der Fall ist: Stirner will durch Beseitigung des „Über-Ich“ die Kontaktlosigkeit und den Ersatzkontakt („das Heilige“) aufheben, auf daß der Mensch (ja, „der Mensch“) wieder frei durchatmen und die Welt in ihrer ganzen Fülle genießen, sozusagen in „den Atmosphären“ sich wieder expansiv entfalten kann.

Warum Laska das gegenüber Schmitz nicht erläutert, ihn so auf freies Feld lockt und dann in offener Schlacht mit einem beherzten Stich in die Brust endgültig erledigt, ist mir ein Rätsel. Laska hätte sagen können: „Durch die Beseitigung einer trennenden Schicht (also Beseitigung der Panzerung gleich des Über-Ich) heben L und S und R ‚Grenzflächen‘ auf und machen den Weg für jene Heilung der Welt frei, die die Neue Phänomenologie doch anstrebt. Warum dann Ihre so unbedingte Gegnerschaft zu S, Ihre affektgeladene Verachtung für L und ihr demonstratives Desinteresse an R? Weil die Neue Phänomenologie von grund auf eine Lüge ist!“

Peter liest die Laska/Schmitz-Korrespondenz (Teil 19)

29. April 2024

Was Reich über das Leben in der Falle geschrieben hat, trifft eins zu eins auf Schmitz‘ Neue Phänomenologie zu:

Um ihre Nachkommen an das Leben in der Falle zu gewöhnen, haben die Falleninsassen ausgefeilte Techniken entwickelt, das Leben straff auf einem niedrigen Niveau in Gang zu halten. Für große Gedankenflüge oder außergewöhnliche Taten ist kein Raum in der Falle. Jede Bewegung ist nach allen Seiten hin gehemmt. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 37)

Schmitz an Laska:

Mit meinem Vorschlag, die Starrheit des Charakterpanzers als starre Fassung zu verstehen, will ich also darauf hinaus, daß die Festigkeit der Persönlichkeitsform, die mit beiden Ausdrücken gemeint ist, spontanem eigenem Bedürfnis entspringt, nicht einer durch Erziehung oder andere Fremdeinflüsse angetanen Verkünstelung; zweitens will ich damit sagen, daß es sich bei der Fassung als Charakterpanzer um eine ungünstige Extremform in einem breiten Spektrum möglicher Fassungsarten handelt, wo in der Mitte die straffe, aber schwingungsfähige und am anderen Ende die gar zu lockere und haltlose steht (…). (…) Da gebe ich gern zu, daß es sich in großem Umfang um Einflüsse aus der Erziehung usw. handelt, wobei ich aber zu bedenken gebe, daß auch die nicht einer primär reinen, „unbeleckten“ kindlichen Persönlichkeit angetan wird, da die volkstümlich „Persönlichkeit“ genannte zuständliche persönliche Situation des Kindes sich überhaupt nur aus gemeinsamen Situationen hervor (…) bildet. (S. 401f)

Du bist in der Falle geboren, du bist die Falle und du sollst dich in der Falle „geschmeidig“ einrichten. Entsprechend zeige sich, so Schmitz, „daß der gewöhnliche, hinlänglich gesunde Mensch unserer Zeit in der Tat über eine schwingungsfähige, von keinem starren Charakterpanzer fixierte Fassung zu verfügen pflegt. Was ich (…) als Ziel einer wünschenswerten langen und schwierigen Erziehung bezeichnet habe, ist die Einübung einer zwischen zu schmaler und zu breiter Amplitude gut austarierten Schwingungsfähigkeit der Fassung durch Zusammenführung von personaler Emanzipation und personaler Regression. Heute ist die Fassung meist zu locker, um auch nur elastisch zu sein. (Straff ist nicht starr.)“ (S. 399). Schmitz konstatiert gegenüber Laska, „daß ich mit Ihrer Rede von Wahngemeinschaften so wenig anfangen kann wie früher mit dem rationalen Überich. Jener Begriff ist mir gar zu polemisch und summarisch. Was nennen Sie ‚Wahn‘? Sicherlich gibt es echte Wahngemeinschaften, in die Kinder hineingezogen werden, ohne daß im Allgemeinen die Erzieher ihnen absichtlich den als solchen durchschauten Wahn verkaufen werden. Aber was hat das mit Neoliberalismus zu tun? Die Legierung von Religion mit Metaphysik gilt auch mir als abbauwürdig“ (S. 416f). Und so weiter und so fort! – Generell geht es Schmitz um die „Verdichtung und Intensivierung des Lebens in der Gegenwart“ (S. 423), d.h. explizit, wenn man das im Zusammenhang der Korrespondenz liest, um das sich Einrichten in der Falle!

Ohnehin ist das ganze System der Neuen Phänomenologie, wenn man mir diesen Einschub erlaubt,… – ihr Gegenteil ist wahr: Die erste, die „biblische“ Zensur, sich zwischen Gut und Böse im Sinne objektiver Gegebenheiten entscheiden zu müssen, die gesamte Ethik, ist kein Fortschritt, wie Schmitz behauptet, sondern Regression ins Infantile. Das gleiche gilt für die zweite Zensur um 1800, als zu Zeiten der Frühromantik erkannt wurde, daß die „Objektivität“ der besagten objektiven Gegebenheiten fragwürdig ist, nachdem die „strikte Subjektivität“ entdeckt wurde. Auch das ist kein Fortschritt, sondern ein Rückfall ins infantile magische („romantische“) Denken.

Kein wirklich Erwachsener, wie ihn La Mettrie, Max Stirner und Wilhelm Reich beschreiben, orientiert sich wie ein Kind an „Gut und Böse“ und kein wirklicher Erwachsener glaubt an „Subjektivität“, die genauso wie die Ethik nur bei Panzerung (bzw. beim Vorhandensein eines „Über-Ichs“) Sinn macht. Also, äh, jetzt ist langsam gut Leute: man lese und verstehe Reichs Äther, Gott und Teufel und der ganze Schmitzsche Unsinn löst sich in nichts auf!

Laska legt Schmitz‘ strukturelle Infantilität in einem Satz bloß: „Immer wieder machten Sie, wie auch im letzten Brief, deutlich, daß Sie sich ein gelungenes Leben nur unter einer äußeren bzw. verinnerlichten Autorität vorstellen können, nicht aber unter einer ‚eigenen‘ inneren, eben einem ‚rationalen Über-Ich‘“ (S. 432). Schmitz umgeht das in seiner Antwort, – tatsächlich ist seine gesamte Philosophie eben diese Umgehung, indem er Außen und Innen und damit das gesamte Problem der „Introjektion“ in der „Situation“ auflöst. Er tut dies explizit! Diese „Situation“ ist dabei nichts anderes als unsere Lage in der Falle, wie Reich sie in Christusmord beschrieben hat!

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 125)

24. April 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Ist es nicht vielleicht sogar so, daß das Adorno‘sche „kein Wahres im Falschen“ implizit gegen Stirner und Reich gemünzt war? Schließlich läßt sich so die gesamte Kritik an den „Kleinbürgern“ Stirner und Reich zusammenfassen, von Marx‘ Ausführungen in Die Deutsche Ideologie bis hin zu denen der Marxologen der 1970er Jahre!

Auf diesen Einwurf antwortete mir Bernd Laska vor nunmehr zwei Jahrzehnten: „Könnte was dran sein, weil: Der Satz ist der letzte in Abschnitt 18 der Minima Moralia, in dem vorher, wie ich gerade gesehen habe, die Wendung ‚…der Einzelne zu seinem Eigentum‘ vorkommt.“

„Kein Wahres im Falschen“, ist das nicht ein Verweis auf die Falle? Nun, der Ariadne-Faden ist gerissen und so macht man es sich im Labyrinth (in der Falle) gemütlich, genießt das Wirrwarr. Ganz so wie Marx und Nietzsche. Aber im Zentrum des unentrinnbaren Labyrinths lauert nach wie vor das finale Grauen, der Minotaurus: LaMettrie/Stirner/Reich. Exakt so, wie von Laska analysiert. Aber wie stets: der eine, der es durchschaut und den Weg zeigt, wird ignoriert, allenfalls belächelt: „Es gibt kein Wahres im Falschen!“

Peter liest die Laska/Schmitz-Korrespondenz (Teil 16)

20. April 2024

Für Hermann Schmitz gibt es drei Grundverfehlungen des westlichen Geistes: erstens die autistische Verfehlung, d.h. heiß das In-sich-selbst-verrannt-sein, zweitens die „dynamistische“ Verfehlung, d.h. die Besessenheit mit Macht, und drittens die „ironistische“ Verfehlung, d.h. die Beliebigkeit des eigenen Standpunkts.

Damit steht Schmitz in denkbar fundamentaler Opposition gegen Stirner und dessen einzigen ernstzunehmenden Interpreten und „Propagandisten“, nämlich Bernd Laska. Geht es doch Stirner um genau das, dessen Bekämpfung Schmitz zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat: erstens den unaussprechlichen „Einzigen“, zweitens den „Egoisten“ und drittens den „Eigner“, für den Wahrheit und Wirklichkeit sein frei verfügbares Eigentum sind.

Tatsächlich geht es Stirner in Laskas (einzig gültigen) Interpretation bei „Einzigkeit“, „Egoismus“ und „Selbsteignertum“ um die Befreiung von einer Instanz, einer „Besessenheit“ durch etwas wesensfremdes aber unhinterfragbar „Heiliges“, die Laska etwas hilflos als „Über-Ich“ bezeichnet. Gegen diese Instanz gilt es sich vermeintlich „autistisch“, „machtbesessen“, „ironistisch“ abzusetzen: WO ÜBER-ICH WAR, SOLL ICH WERDEN. Es geht um die Selbstbehauptung der Insassen eines weltweiten KZs! Eines KZs, das gar keiner Wachen bedarf, weil jeder Insasse eine „Wache“ in Gestalt seines Über-Ichs in sich trägt.

Schmitz ist für diese Perspektive absolut blind und führt wahnwitzigerweise das asoziale über-ich-gesteuerte „autistische“, „machtbesessene“, „ironistische“ Verhalten der KZ-Insassen auf den Einfluß jener zurück, die das ganze als einzige durchschaut haben und sich gegen das Über-Ich empört haben! Warum tut er das, warum diese auffällige Faszination für „das Heilige“ und „das Einpflanzen von Gefühlen“? Stockholmsyndrom (Laska ist James Bond und Schmitz sowohl die entführte Millionärstochter als auch, in einer Doppelrolle, M!):