Posts Tagged ‘Max Stirner’

Peter liest die Laska/Schmitz-Korrespondenz (Teil 15)

19. April 2024

Schmitz bietet eine grundsätzliche Kritik an Laska, die sich gewaschen hat:

Ihr Standpunkt ist mir durch unseren Briefwechsel nicht weniger rätselhalft geworden, als er es anfangs war, weil (mir) augenscheinliche Widersprüche darin, obwohl ich Sie oft genug darauf hingewiesen habe, unerledigt liegengeblieben sind. Vor allem geht es dabei um den mir höchst verdächtigen Begriff eines rationalen Überichs. Erst wollen Sie das Überich als das Heilige mit Stirner abschaffen und dann doch wieder installieren, unter dem Vorgeben, nun sei es rational. (…) Das ist jetzt nicht unser Thema, aber ich benütze es zum Hinweis auf eine in Ihren Briefen und Publikationen häufig wiederkehrende Geste: Sie verweigern klare und präzise Angaben mit dem Vorbehalt, indirekt und andeutend sprechen zu wollen, z.B. Ihre Ansicht der wegweisenden Bedeutung Stirners nicht klar darzustellen und zu belegen, sondern durch Aufdeckung einer vermeintlichen „Dezeptionsgeschichte Stirners“ (die aber, besonders bei Nietzsche, mit Fiktionen arbeitet) nur durchschimmern zu lassen. Dann dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Sie mißverstanden werden. (S. 319f)

Gegen Laskas LSR-Gedanken, also eine radikalisierte Aufklärung, setzt Schmitz die Rehabilitation von einpflanzenden Verhältnissen („implantierenden Situationen“), also letztendlich den orgonotischen Kontakt. Das erinnert etwas an Reichs Entwicklung von „Eltern als Erzieher“ von 1926 (ein Aufsatz, auf den Laska immer wieder rekurriert), wo sich alles um den Erziehungszwang der Eltern und eine gewisse kritische Distanz zwischen Eltern und Kindern dreht, – bis Reich zwei Jahrzehnte später, in seinem Buch Der Krebs von 1948, einsehen mußte, daß all die Aufklärung und Emanzipation rein gar nichts bringt, wenn es am liebenden und nährenden orgonotischen Kontakt zwischen Säugling bzw. Kleinkind und der Mutter mangelt. Das kann man auf alle gesellschaftlichen Bereiche ausweiten, weshalb auch jeder ernstzunehmende Student der Orgonomie seit ungefähr 1948 eher konservativ eingestellt ist.

In einem seiner Antwortschreiben schlägt Laska gegen Schmitz mit noch größerer Härte zurück:

Sie schreiben (…), Sie sähen, wie [Ludwig, PN] Klages, die „gewaltige Gefahr“, die Stirner der Menschheit „anbietet“, seien aber [aber?!, BAL] bereit, ohne schockiert zu sein offen darüber zu sprechen, dies, weil (?) Sie selbst ein Gedankengebäude errichtet hätten, das „nicht weniger umfangreich“ sei als das Klages‘sche; Sie fügen hinzu, daß Sie Ihr Gedankengebäude nicht errichtet hätten, um Stirner zu verdrängen – und scheinen damit bekräftigen zu wollen, daß es eben eine „fixe Idee“ sei, solche Stirner-Verdrängung bei Klages und vielen anderen großen Denkern zu unterstellen. Zugleich lese ich aber aus Ihren Zeilen, aus jenem „aber“, daß Sie es sehr wohl für möglich halten, daß all diese Köpfe ersten Ranges, Marx, Nietzsche, Klages u.v.a., von Stirner so „schockiert“ waren, daß Sie nicht „offen“ gegen ihn antreten wollten, und zwar, weil sie eben nicht in der Lage waren, jenes Gedankengebäude zu errichten, dank dessen Sie sich stark genug fühlen, eben das zu tun. Sie seien also der erste Philosoph, der sich nicht mehr genötigt sieht, Stirner zu verdrängen – im Gegenteil: Sie würdigen Stirner ja ausdrücklich wegen seiner konsequenten Ehrlichkeit und seines Ernstes. (S. 328f)

Auf denkbar geschickte, bravouröse Weise entlarvt hier Laska als jemanden, der vor dem Wesentlichen ausweicht. Wie all die anderen, nur in letzter Konsequenz, hat Schmitz sein Leben damit verbracht, durch ein alle Dimensionen sprengendes Werk (gleich mehrere Bücher pro Jahr!) LSR zu verdrängen: Aufklärung und Emanzipation.

Dieses Buch dokumentiert ein denkbar tiefgründiges Ringen, dessen Bedeutung kaum überschätzt werden kann!

Peter liest die Laska/Schmitz-Korrespondenz (Teil 12)

14. April 2024

Die Korrespondenz zwischen Hermann Schmitz und Bernd Laska ist allein schon deshalb interessant, weil sie auf verblüffende Weise ziemlich genau den Konflikt zwischen den Psychoanalytikern und Reich wiederholt.

Wie in den 1920er Jahren in Wien und Berlin geht es auch hier um eine neue „Ich-Psychologie“. Nicht von ungefähr will Schmitz Laskas Ausdruck „rationales Über-Ich“ durch den Begriff „rationale Ich“ ersetzt sehen (S. 275). – Schmitz diagnostiziert am Anfang des europäischen Denkens eine Art Zersplitterung des menschlichen Innenlebens, bei der alles, ob in uns oder in unserer Umgebung, als ein Sammelsurium objektiver Dinge betrachtet wird, zwischen denen sich ein Kampf um Vorherrschaft abspielt. Um das Jahr 1800 kam es zu einer entscheidenden Wende, als die „subjektiven Tatsachen“ entdeckt wurden, aber weiterhin alles wie „objektive Dinge“ behandelt wurde. Das Subjekt ist damit einerseits „ich selbst“, andererseits aber, da objektiv ungreifbar, zerrinnt es zu einem Nichts. Mit diesem „Ich hab‘ mein Sach‘ auf nichts gestellt!“ (Stirner) begann, so Schmitz, der Nihilismus, dessen zerstörerische Kraft wir heute in einer immer haltloseren und „kindischeren“ Gesellschaft hautnah miterleben. Ironie und Zynismus, entsprechend der angeschnittenen Entfremdung am Beginn des europäischen Denkens, und das alles beherrschende Machtspiel beginnen buchstäblich alles zu atomatisieren.

Ähnlich den „Ich-Psychoanalytikern“ zu Reichs Zeiten, die die „objektivistische“ Libido durch Soziologie (das Einbinden des Individuums in die Gemeinschaft) ersetzten, versucht Schmitz unter Wahrung der kritischen, aufklärerischen Distanz, die dem europäischen Projekt inhärent ist, die beschriebene Spaltung aufzuheben, indem er dem „Heiligen“ bzw. dem „unbedingten Ernst“ eine erneute Chance gibt, vor allem aber, indem er auf die „einpflanzenden Gesamtumstände“ setzt, bei denen der Unterschied zwischen Subjekt und Objekt weitgehend aufgehoben ist, d.h. imgrunde setzt er auf eine Einbindung in die Gemeinschaft, wie sie beispielsweise beim Spracherwerb gegeben ist. Das erinnert sehr an die Entwicklung der Psychoanalyse sozusagen „jenseits des Ödipuskomplexes“, insbesondere mit ihrem Fokus auf Frühstörungen, die Mutter-Kind-Bindung etc.

Laska hingegen beharrt darauf, daß das Ich unter dem Druck von außen zersplitterte, indem es dieses Außen in Gestalt des „irrationalen Über-Ichs“, einer nicht mehr kritisch hinterfragbaren inneren Instanz, aufnahm. Die heutigen Verhältnisse sind, so Laska, nicht etwa auf Stirner zurückzuführen, der universell als der bzw. das Böse hingestellt wird, sondern auf dessen „Bewältigung“ durch insbesondere Marx und Nietzsche. Laska versucht aber immerhin eine Brücke zu Schmitz zu schlagen, indem er erstens bestimmten „implantierenden Situationen“ durchaus nicht die Notwendigkeit abspricht und zweitens auf eine hier noch nicht genannte, dritte Instanz bei Schmitz neben dem Heiligen und der einpflanzenden Situation verweist: den „starken Daimon“, also so etwas wie einen autonomen inneren zielgerichteten Antrieb. Dieser Daimon dürfe, so Laska, nicht unterdrückt, sondern müsse gehegt und gepflegt werden, durchaus auch durch „implantierende Situationen“, um „Eigner“ im Sinne Stirners aufwachsen zu lassen.

Schmitz wendet ein, daß ein „starker Daimon“ nur bei wenigen Menschen anzufinden ist und, hätten alle ihn, gäbe es nur ein Hauen und Stechen zwischen lauter Rechthabern. Außerdem habe auch beispielsweise Hitler einen „starken Daimon“ besessen, dieser sei also nichts von vornherein Positives. Das erinnert fatal an das Menschenbild der orthodoxen Psychoanalytiker: der Mensch als sadomasochistisches Tier, das durch das Heilige und „implantierende Situationen“ gebändigt werden muß, bzw., bei den Neo-Psychoanalytikern, der Mensch als formbare Masse, der an die Hand genommen werden muß.

Übrigens ist Laskas Verständnis von „Daimon“ sehr irreführend, denn der „Dämon“ entspricht eher den „isolierten Über-Ich“, wie ihn Reich beim triebhaften Charakter beschrieben hat. Er steht keineswegs für einen starken inneren Kern. Beispielsweise meint Schmitz Goethe haben einen schwachen Daimon besessen.

Wie gesagt: das ganze wirkt wie eine um hundert Jahre versetzte Debatte zwischen den Psychoanalytikern (Schmitz) und Reich (Laska)! Sie wirft übrigens auch ein Licht zurück auf die 1920er Jahre. Schmitz  zufolge ist es „Stirner: Ich gegen eine fremde Welt“, während es für Laska „Stirner: Ich gegen das Fremde in mir“ ist. Genauso wie Schmitz dachten die Psychoanalytiker damals: den „schizoiden“ Menschen mit der Welt zu versöhnen, während Reich der „Schizophrene“ war, der gegen die Welt wütete.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 123)

13. April 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Reich war der Überzeugung, daß die Arbeitsdemokratie (und somit auch die „Eigenheit“ der Individuen bzw. die LSRity), so sehr sie auch mit Füßen getreten wird, bereits im Hier und Jetzt überall existiert und daher „nur“ ausgebaut bzw. als solche besser artikuliert werden muß. Auch Stirner ist alles andere als ein Utopist, da die ersehnte Welt, die aus Vereinen von Egoisten besteht, schon jetzt alltäglich funktioniert – entsprechend Reichs „Utopie“ von der Arbeitsdemokratie. Einem seiner Kritiker, der ihm Utopismus vorwarf, entgegnete Stirner:

Sähe Heß (der besagte Kritiker) das wirkliche Leben, worauf er doch soviel hält, aufmerksam an, so würde er hunderte von solchen teils schnell vorübergehenden, teils dauernden egoistischen Vereinen vor Augen haben. Vielleicht laufen in diesem Augenblicke vor seinem Fenster Kinder zu einer Spielkameradschaft zusammen; er sehe sie an und er wird lustige egoistische Vereine erblicken. Vielleicht hat Heß einen Freund, eine Geliebte; dann kann er wissen, wie sich das Herz zum Herzen findet; wie ihrer zwei sich egoistisch vereinen, um aneinander Genuß zu haben, und wie keiner dabei „zu kurz kommt“. Vielleicht begegnet er ein paar guten Bekannten auf der Straße und wird aufgefordert, sie in ein Weinhaus zu begleiten; geht er etwa mit, um ihnen einen Liebesdienst zu erweisen, oder „vereint“ er sich mit ihnen, weil er sich Genuß davon verspricht? Haben sie sich wegen der „Aufopferung“ schönstens bei ihm zu bedanken, oder wissen sie’s, daß sie zusammen auf ein Stückchen einen „egoistischen Verein“ bildeten? Freilich wird Heß es diesen trivialen Beispielen nicht ansehen, wie inhaltsschwer und wie himmelweit verschieden sie von den heiligen Gesellschaften, ja von der „brüderlichen, menschlichen Gesellschaft“ der heiligen Sozialisten sind. (Stirner, Max: Parerga, Kritiken, Repliken, Nürnberg 1986, S. 204)

Das ist das Problem der Arbeitsdemokratie: daß die „einfachen Menschen“ nicht die Macht übernehmen politisch und „intellektuell“. Reich ist bei seinen Sexpol-Abenden aufgefallen, daß die „einfachen“ Menschen zu bestimmten Fragen weitaus vernünftigere Ansichten vertreten als seine psychoanalytischen und Apparatschik-Kollegen, die, losgelöst vom tatsächlichen Leben wie sie sind, immer „um den heißen Brei herumreden“, wie man so schön sagt. „Heilige Sozialisten“! Mit traumwandlerischer Sicherheit weichen sie der LSR-Essenz aus – und durch die dergestalt erzeugte Freifläche weisen sie auf eben diese LSR-Essenz hin. Genau diese Dialektik ist die „bioenergetische“ Grundlage von Bernd Laskas Arbeit, die nur scheinbar intellektualistisch abgehoben ist! Er hat immer wieder darauf bestanden, daß er aus der „Arbeitssphäre“ stammt.

Letztendlich geht es um den Unterschied zwischen dem liberalen („linken“) Charakter und dem konservativen Charakter, der heute sichtbarer wird als je zuvor, wo die „einfachen Menschen“, „die Arbeiter“, AfD wählen, die Herrschenden und Parasiten jedoch fast durchweg rotgrün sind – und „heiliger“ als jemals zuvor.

Aus Laskas Email-Verkehr Anfang der 2000er Jahre: Über die Einsamkeit

11. April 2024

Aus Laskas Email-Verkehr Anfang der 2000er Jahre: Über die Einsamkeit

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 122)

10. April 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Reich trat auf der einen Seite gegen die ihm aus dem Kollegen- und Bekanntenkreis offensichtliche Dekadenz im Wien und Berlin der 1920/30er Jahre an mit ihren „de Sadisten“ und „Zynisten“ und andererseits … Reich stand in Opposition gegen Freuds „Mensch als sadomasochistisches Tier“, „die Reaktion“ („Erbsünde“), die damals wirklich allesbestimmende Eugenik und die „kapitalistische Geschäftemacherei“ (die er aus der eigenen Ursprungsfamilie kannte). Die Natur hatte in der Selbstverortung Reichs entsprechend friedfertig zu sein und ohne den Menschen ein Paradies. Tatsächlich ist insbesondere Äther, Gott und Teufel ein durchaus „Rousseauistisches“ Buch. Er mußte gegen einen universellen „Darwinismus“ antreten (Hitler war nichts als ein „Darwinist der Praxis“!), über den Reinhard Eichelbeck schreibt: „Er (der besagte „Darwinismus“) hat sozialneurotische Unarten des Menschen – Egoismus, Aggressivität, Rücksichtslosigkeit, Geilheit, die alten Macho-Untugenden, möglichst viele Nachkommen und möglichst viele tote Feinde zu hinterlassen – als naturgegeben, ja sogar als Grundprinzipien der Evolution dargestellt“ (Das Darwin-Komplott, München 1999). In einer anderen, weniger rundherum bösartigen geistigen Umwelt hätte es einen anderen Reich gegeben, da er sich anders verortet hätte!

Dazu gehört auch, daß sein Publikum sich zu 99% aus linksliberalen und sozialistischen Gutmenschen rekrutierte, die etwa in Stirner instinktiv das sahen (bzw. gesehen hätten), was die Linke von Marx bis Hans Günther Helms immer in ihm sah und sehen: DEN „kleinbürgerlichen“ Ideologen des Raubtierkapitalismus, DEN Bösen schlechthin. Wie sollte Reich in einer solchen Umwelt eine Identität als „Stirnerianer“ bewahren? Man muß sich das mal vorstellen: sein ganzes Leben und auch noch posthum nur von „Grünen“ Spinnern („Reichianern“) umgeben zu sein (vermeintlichen Altruisten) – und um die Gruppe herum nur reaktionäre „Darwinisten“ (vermeintliche Egoisten)!

Peter liest die Laska/Schmitz-Korrespondenz (Teil 9)

8. April 2024

Manchmal muß ich auch beim Dipl.-Ing. Laska den Kopf schütteln, weil er merkwürdig starr wie ein Ingenieur denkt. Beispielsweise, wenn Schmitz erläutert, daß auch, wenn man dem inneren Daimon folgend am Ziel angelangt ist, man immer noch „teleologisch“ weiterwirkt. Ob der Mensch dann, so frägt Laska, neue Ziele anstrebt, so als ob Schmitz nicht eindeutig Goethes Maxime zitiert hatte: „Erwirb es, um es zu besitzen.“ Wenn mich etwa mein Daimon dazu treibt, einen Schrebergarten herzurichten und ich schließlich das Ziel erreiche: bis zu meinem Lebensende werde ich trotzdem am Schrebergarten „teleologisch“ rumwerkeln der Zielvorgabe „Schrebergarten“ folgend. Und so in allem. Was ist daran so schwer zu begreifen? Außer man ist in der mechanischen Logik eines Statikers gefangen! (S. 198).

Schmitz führt aus, daß Menschen je nach Veranlagung von ihrem Daimon oder vom Zu-Fall, letztendlich dem „Göttlichen“, geführt werden bzw. von beidem. Du hast einen unbedingten inneren Drang oder etwas Zwingendes überkommt dich oder beides in unterschiedlichem Mischverhältnis. Reich ist dafür das beste Beispiel. Einerseits seine Lebensmission seit dem tragischen Selbstmord seiner Mutter, andererseits seine Hypersensibilität für, um mit Schmitz zu sprechen, „Atmosphären“.

Aus dem, was ich in den bisherigen Teilen dieser, wenn man so will, „Buchbesprechung“ geschrieben habe, könnte man schließen, daß ich gerne auf Schmitz verzichten würde und nur die Laska-Briefe für wertvoll erachte. Nein! Auch wenn ich durch Schmitz manchmal bis zum Anschlag schlichtweg genervt bin: er ist das perfekte Gegengift gegen Laskas „Wahnsinn“. Und genau das macht die objektive Großartigkeit dieses Buches aus.

Das ganze ist erwähnenswert und geradezu tragikomisch, weil Laskas einerseits versucht Schmitz‘ Begriff „starker Daimon“ und Stirners „Eigner“ gleichzuschalten, dabei aber andererseits die Grundlage seiner eigenen (Para-) Philosophie ganz aus den Augen verliert, den glücklichen, „serenen“ Zufall. Auch in dieser Korrespondenz taucht Laskas Lieblingswort mit penetranter Regelmäßigkeit auf: „serendipity“ – der glücklich Zufall oder, mit anderen Worten, der „göttliche Zu-Fall“. (BTW: Wenn jemand Fremdwörter benutzt, soll fast immer etwas verborgen bzw. verdrängt werden! Das gilt im übrigen auch für Schmitz, beispielsweise seine „implantierende Situation“ = „einpflanzende Gegebenheit“.)

Laskas Gott ist die Welt: „Von Anfang an waren es nicht die Dinge, die meine Ataraxie störten, sondern die Meinungen über sie. Zu den Dingen hatte und habe ich ein unerschütterliches Urvertrauen. Es geht, davon bin ich überzeugt, in der Welt mit rechten Dingen zu“ (S. 213). Sowas, das wohlige Einlassen auf das, was objektiv gegeben ist, kann ein Ingenieur schreiben, nie und nimmer aber ein Physiker! Das sorgte auch stets für Irritationen zwischen uns: „…, aber Nasselstein glaubt jeden Unsinn“. Ja, ich kann zum Befremden meiner Mitmenschen sagen: „Irgendetwas stimmt nicht mit der Realität!“

Übrigens: Soweit ich das einschätzen kann, will auch der „Phänomenologe“ Schmitz mit derartigen Phänomenen nichts zu tun haben.

Nachbemerkung apropos Fremdwörter: „Ataraxie“ meint bei den alten Griechen die affektlose Seelenruhe. Schmitz versucht Laska zu erklären, daß es diese nicht geben kann, d.h. daß es im Leben immer ein Auf und Ab gibt, d.h. eine Distanzierung von den Dingen, die als mir fremd erkannt werden, und eine Resubjektivierung der Dinge, bei der die Grenzen zwischen Eigenem und Fremden wieder verschwimmen. (In orgonometrischen Begriffen Dissoziation vs. Assoziation.) Darüber hinaus hat man, ebenfalls gegen die „Ataraxie“, sozusagen „horizontal“, immer ein Ziel anzusteuern, wie oben beschrieben (die Orgonometrie dazu findet sich in Die kosmische Überlagerung), will man nicht in einem anorgonotischen Sumpf ertrinken. Man muß sich an den Kopf fassen, daß Schmitz das LSR-Projekt einfach nicht begreifen will, aber es ist kaum weniger verstörend, wie begriffsstutzig Laska gegenüber Schmitz ist!

Brief an Prof. Henri Arvon (11.11.92)

5. April 2024

Brief an Prof. Henri Arvon (11.11.92)

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 120)

27. März 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Bei Hal Cohen (A Secret History of the Sexual Revolution: The Repression of Wilhelm Reich. Lingua franca, March 1999, S. 24-33) findet sich ein leichter Anklang an Stirner, der ansonsten leicht übersehen wird:

Im Zentrum von Reichs durch ständige Ortswechsel geprägte Karriere steht eine ehrwürdige, wenn auch unzeitgemäße Überzeugung: Unter dem Mantel gesellschaftlicher Konventionen verbirgt sich ein natürliches, instinktives Selbst, und die Befreiung der Energien dieses Selbst von der Unterdrückung durch die Gesellschaft ist der einzige Weg zu psychischer Gesundheit, politischer Gerechtigkeit und geistigem Wohlbefinden. Dieser Gedanke findet heute nur wenige ernsthafte Anhänger. Innerhalb der Akademie verhöhnen die Nachfahren des französischen Poststrukturalismus die Idee eines natürlichen Selbst, während außerhalb der Akademie die konventionelle Weisheit die Tugenden der Unterdrückung wiederentdeckt hat.

Es war und ist in dieser Welt kein Platz für den Eigner seiner selbst, den Einzigen, er muß von inkorporierten Hierarchien, dem Über-Ich, der Panzerung gezähmt und kontrolliert werden.

Dies zeigt die verborgene funktionelle Anziehung zwischen linken poststrukturalistischen „Philosophen“, die als pseudoliberale Charaktere den Kontakt zum Kern völlig verloren haben (z.B. Cohen), und dem reaktionären kleinen Mann, der diesen Kern behandelt, als sei dieser der Teufel selbst.

Cohens Essay ist ein perfekter Ausdruck dieses sado-masochistischen Weltbildes. Cohen ist einer derjenigen, denen Reich in psychoanalytischen und kommunistischen Kreisen begegnete. Es hat sich in dieser Hinsicht seit den 1920er und 30er Jahren nichts geändert!

(Joseph Goebbels über Max Stirner)

23. März 2024

(Joseph Goebbels über Max Stirner)

Email [Beweggründe] 2003

8. März 2024

Email [Beweggründe] 2003