Posts Tagged ‘Rudolf Hess’

Das ultimative Tabu (Teil 6)

11. September 2021

In einem Interview von 1986 über den Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923 sagte der Jugendaktivist des Putsches und spätere SS-Sturmbannführer Gustav Adolf Lenk (Jahrgang 1903) auf Bayern 3 (6. Nov. 1993), daß es drei Vorbilder gegeben hätte, denen er Zeit seines Lebens gefolgt wäre: „Hitler, Rudolf Steiner und General Ludendorff“. 1922 hatte Lenk den „Jugendbund der NSDAP“ gegründet und nachdem die NSDAP verboten wurde, gründete er 1924 die „Großdeutsche Jugendbewegung“ – aus der dann die Hitler-Jugend wurde.

Ein anderer SS-Anthroposoph war der Chef der Abteilung III des Reichssicherheits-Hauptamtes, der SS-Obersturmführer Otto Ohlendorf, der seine anthroposophischen Gesinnungsgenossen im Dritten Reich aktiv unterstützte. Jahrgang 1907 trat er 1925 als eines der ersten Mitglieder in die neugegründete NSDAP ein, 1926 kam er zur SS und 1936 zum SD, wo er für „Volkstum“ und den Inlandsnachrichtendienst verantwortlich war und in dieser Eigenschaft den Holocaust plante. Zwischen Juni 1941 und Juli 1942 war er Leiter der „SS-Einsatzgruppe D“, die in Rußland mehr als 91 000 Juden ermordete.

Himmler nannte den Anthroposophen und puritanischen Vertreter der NS-Orthodoxie verächtlich „Gralsritter des Nationalsozialismus“. Am Ende des NS-Regimes versuchte Ohlendorf als SD-Inlands-Chef, und damit als einer der mächtigsten Männer des Reiches, dieses durch anthroposophische „Dreigliederung“ zu retten, wobei die NSDAP zu einem von aller Machtpolitik befreiten „Tempel der Weisheit“ werden sollte. Bis zu seiner Exekution 1951 als Kriegsverbrecher blieb er glühender Nationalsozialist und Anthroposoph.

In den Erinnerungen einer französischen Korrespondentin im Deutschland der 1930er Jahre entdeckte ich folgenden Fall: 1935 durfte Jules Sauerwein vom Paris-Soir als erster ausländischer Journalist ein KZ besichtigen. Als Sauerwein nach Berlin zurückkehrte, fiel der Jounalistin an Sauerwein auf, daß er so begeistert war, wie sie ihn nie zuvor erlebt hatte. Sauerwein war beim Besuch des KZs Sonnenburg von einem jungen SS-Mann aus dem Justizministerium begleitet worden. Der SS-Offizier hatte sich auf der gemeinsamen Reise als glühender Anhänger Steiners erwiesen, was sich gut traf, denn Sauerwein hatte die Bücher Steiners ins Französische übersetzt. Der anthroposophische SS-Mann „Alexander“ erklärte seinem anthroposophischen Glaubensbruder und Duzfreund „Jules“ das KZ wie folgt:

Das ist eine unserer schönsten Einrichtungen. Das sind keine Straflager, sondern Besserungsanstalten. Wir halten unsere Häftlinge nicht für Kriminelle, sondern für Verirrte.

(Offenbar eine Art von Waldorf-Schule!) Dementsprechend enthusiastisch war auch der Bericht des Anthroposophen Sauerwein im Paris-Soir (Stephane Roussel: Die Hügel von Berlin, Hamburg 1986, S. 189-91).

Der Lebensreformer Rudolf Heß las die Schriften Steiners mit großem Interesse, aß nur, was auf anthroposophischen Bauernhöfen angebaut wurde und sogar Hitler selbst bezog seine vegetarische Nahrung ausschließlich von einem anthroposophischen Bauernhof. Sein Stellvertreter nahm die Waldorf-Schulen und die anthroposophische „Christengemeinschaft“ unter seinen persönlichen Schutz, während Walther Darré, der NS-Reichsbauernführer und Landwirtschaftsminister, das gleiche für die anthroposophisch-biodynamische Landwirtschaft tat.

1941 ordnete Himmler eine wissenschaftliche Studie in Auschwitz an, um ein für allemal festzustellen, ob anthroposophische (die Himmler vorzog) oder industrielle Anbaumethoden bessere Resultate erbringen würden. In einem Briefwechsel über seinen Befehl den biodynamischen Anbau in Auschwitz zu untersuchen, erwähnt Himmler einen ungenannten SS-Offizier, der ein agitierender Anthroposoph in Auschwitz sei (Helmut Heiber: Reichsführer! – Briefe an und von Himmler, Stuttgart 1968, S. 89f).

1944 war Thies Christophersen „SS-Sonderführer für Pflanzenzucht“ im Auschwitzer Zweig-KZ Raisko, mit anthroposophischem Anbau. Nach dem Krieg leitete er ein neo-nationalsozialistisches Netzwerk. 1973 veröffentlichte er das Buch Die Auschwitzlüge mit einer Auflage von insgesamt 100 000. Er veröffentlichte die neonazistische Zeitschrift Die Bauernschaft, wo er u.a. den anthroposophischen Anbau propagierte.

Der Anthroposoph Franz Lippert, Leiter des Heilpflanzenanbaus bei der anthroposophischen Aktiengesellschaft „Weleda“, die anthroposophische Medizin herstellt, wurde ins KZ Dachau abkommandiert, um dort den medizinischen Kräutergarten der SS zu leiten. Auch wurden in Dachau Gefangene unterkühlt bis der Tod eintrat, um die Weleda-Frostschutzcreme zu testen. Ausgeführt wurden diese Versuche von dem KZ-Arzt, Anthroposophen und SS-Hauptsturmführer Dr. Sigmund Rascher.

Raschers wuchs in einer prominenten anthroposophischen Familie auf mit engen Verbindungen zu Steiner persönlich. Ich verweise den geneigten Leser auf den Aufsatz Vom Muttersöhnchen zum Massenmörder – Überlegungen zu einer fatalen Biographie von Hubert Rehm.

Das ultimative Tabu (Teil 4)

8. September 2021

Es ist modern aber irreführend, den Nationalsozialismus als eine Art Okkultverschwörung zu betrachten – und dergestalt zu „verzaubern“. Der Sachverhalt wird durch folgenden Tagebucheintrag von Goebbels anläßlich des Englandflugs von Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß beleuchtet:

So ein Narr war der nächste Mann nach dem Führer. Es ist kaum auszudenken. Seine Briefe strotzen von einem unausgegorenen Okkultismus. Prof. Haushofer und seine Frau, die alte Heß, sind dabei die bösen Geister gewesen. Sie haben ihren „Großen“ künstlich in diese Rolle hineingesteigert. Er hat auch Gesichte gehabt, sich Horoskope stellen lassen u.ä. Schwindel. So was regiert Deutschland. Das Ganze ist aus der Atmosphäre seines Gesundlebens und seiner Grasfresserei erklärbar. Eine durchaus pathologische Angelegenheit.

Hitler selbst stand zwischen diesen Extrempositionen. Am Anfang wurde er von der okkulten „Theozoologie“ und „Ariosophie“ beeinflußt. Sein zeitweiliger „Kampfgefährte“ Ludendorff war das, was man heute als „Esoteriker“ bezeichnet. Doch emanzipierte sich Hitler rasch von diesem Sektierertum (das im Dritten Reich unterdrückt wurde, wodurch die okkulten Ur-Nazis nach dem Krieg als „Widerstandskämpfer“ auftreten konnten), nahm nur die Essenz des Okkultismus, nämlich den Kult der Macht, und formte den Nationalsozialismus nach dem Muster der Marxistischen Massenparteien. Religion sollte ganz verschwinden, bzw. in die Politik aufgehen (das erklärt die nationalsozialistische Vorliebe für den Islam und die islamische Vorliebe für den Nationalsozialismus).

Auf Leute wie Rosenberg und Himmler, die „ariosophische“ Okkultisten blieben, reagierte Hitler genauso zynisch wie Goebbels auf Heß. In Mein Kampf und insbesondere in den Tischgesprächen vermittelt er eher den Eindruck in einer „aufklärerischen“ Tradition zu stehen: Voltaires und Eugen Dührings antisemitischer und antichristlicher Materialismus, Darwins Abstammungslehre, Hygiene und Bakteriologie, Ökonomisches von Malthus und Massenpsychologisches von Gustave LeBon.

Der „okkulte“ Gehalt des Nationalsozialismus erschöpft sich in dem, was der Okkult-Betrüger Hanussen auf die Frage geantwortet hat, was Magie sei:

Die Menschen in dem geliebten Glauben an das Wunderbare nicht zu stören, sondern zu bestärken. Ich zeige ihnen, daß man mit Wille, Mut, Energie und Impertinenz zweitausend Leute, die im Saal sitzen, in die Tasche stecken kann. Was ist Publikum? Schwachköpfige, Wundersüchtige, Hysteriker, ein paar wirklich Unglückliche – vor allem aber doch Kinder, deren großer Kummer es ist, daß ihnen kein Lehrer, Vater, Vorgesetzter, Freund genug imponiert, um sich ihm restlos anvertrauen zu können. Warum nun werden mir Menschen immer vertrauen, bedingungslos? Weil ich stärker bin als sie, mutiger, energischer, willenskräftiger. Weil sie Kinder sind und ich ein Mann. (z.n. Wilfried Kugel: Hanussen, Düsseldorf 1998, S. 48)

Erik Jan Hanussen, Jahrgang 1889, war während des Ersten Weltkrieges offizieller Rutengänger in der österreichischen Armee und hatte in Bosnien seine eigene Einheit aus von ihm ausgebildeten Rutengängern, die sogar spezielle Uniformen trugen. Zu dieser Zeit war er bereits ein ziemlich bekannter Varieté-Künstler á la Uri Geller. In seinen Bühnenshows mit „Gedankenlesen“ benutzte er neben der Kunst des „Muskellesens“ (bei der es darum geht, feinste unwillkürliche Muskelreflexe wahrzunehmen und richtig zu interpretieren) und betrügerischen Tricks, Hypnose und die schiere Suggestivwirkung seiner Person. 1922 veröffentlichte er das leider verschollene 300seitige Buch Die Weltseele, in dem es wohl darum ging, daß, wie Hanussen 1930 in einem Interview sagte, das Dasein des Menschen nicht materieller, sondern „ideeler Natur“ ist „und der Mensch mit der Gottheit in unmittelbarster Beziehung (steht)“ (ebd., S. 19).

Anfang der 1930er Jahre gelang es dem gebürtigen Juden (der in Wirklichkeit Hermann Steinschneider hieß, jedoch als gebürtiger Däne auftrat) in Berlin Kontakt mit leitenden Köpfen der nationalsozialistischen Bewegung aufzunehmen und teilweise Freundschaften aufzubauen. Schließlich wurde er sogar Mitglied der SA ehrenhalber inklusive eigener SA-Uniform. Mit seiner Hanussen-Zeitung, ein Blatt, in dem es vor allem um Astrologie ging, machte er offen Werbung für Hitler, den er zudem mit seinen „hellseherischen“ Prophezeiungen unterstützte: die Machtübernahme war unvermeidlich. Vorsehung! Es würde zu weit führen, hier Hanussens mögliche Verwicklung in den Reichstagsbrand und seine Ermordung darzustellen. Es sei ausdrücklich auf Wilfried Kugels oben zitiertes Buch über Hanussen verwiesen – die Fallgeschichte eines pestilenten Charakters (Emotionelle Pest). Möglicherweise hat Hanussen den psychisch gestörten van der Lubbe hypnotisiert und seinen Freunden von der SA beigebracht, diese Hypnose bis zur Exekution aufrechtzuerhalten.

Aus Hanussens zynischem Verhalten sprach seine vollkommene Verachtung für das Leben im allgemeinen und seine Mitmenschen im speziellen – die ihm zu Füßen lagen wie heute einem Popstar. Hanussen:

Das Individuum ist doch nur eine krankhafte Form der Schöpfung. Der Mensch ist wie ein Karzinom am Bauch der Schöpfung. Das Ideal dieser Schöpfung ist er sicher nicht. Es ist doch alles Kampf! Wären wir etwas Vollkommenes, wie könnten wir Magenschmerzen haben? Das, was wir vom Weltall sehen, ist ja nur ein Teil. Unsere Welt aber ist eine Beule am After des Kosmos. (ebd., S. 19)

Die okkulte Grundlage des Nationalsozialismus ist die Emotionelle Pest, d.h. der Haß auf das Lebendige, „da Glück unmöglich ist“. „Es ist alles Kampf“ – oder wohl eher Krampf. In diesem Zusammenhang möchte ich nochmals J.P. Stern zitieren, der sein Buch über Hitler mit der Bemerkung abschloß, er habe genügend Beweise dafür genannt, daß „nicht Eroberung, sondern blinde Vernichtung“ Hitlers Ziel gewesen sei.

Dies – und nicht irgendeine heroische Selbstbehauptung, nicht einmal die Aussicht auf materiellen Gewinn – war das Geheimnis, das seine Anhänger an ihn band; und nicht nur seine Anhänger. Auf diesem heimlichen Einverständnis beruhte seine Karriere. (Der Führer und das Volk, München 1978, S. 209)

Anti-Summerhill

21. März 2016

Anlaß dieses Blogeintrags ist meine zufällige Entdeckung eines Interviews zum Thema auf brightsblog Das ist unendlich besser, als alles, was ich verzapfen könnte. Bitte auch den unten verlinkten Vortrag anschauen! Anyway:

Als 1934 die Gefahr bestand, daß seine Waldorfschule geschlossen wurde, schrieb der anthroposophische Lehrer René Maikowski, ein ehemaliger Mitarbeiter Steiners, einen Brief an Hitler und pries die wahrhaft deutsche Willens- und Charaktererziehung an Waldorfschulen. Steiner sei immer für den gleichen Geist wie die Nazis eingetreten. Maikowski führt die „Opferfreudigkeit“ seines Bruders, des „Blutordensträgers“ Hans Maikowski, eines SA-Führers, der bei der Machtübernahme von Kommunisten erschossen worden war, auf dessen Waldorferziehung zurück. 1935 schrieb Maikowski an Rudolf Heß im Namen des „Bundes der Waldorfschulen“ über die Haltung der Waldorferziehung zum Judentum: da Waldorfschulen jeden einseitigen Intellektualismus ablehnten und wegen ihrer christlichen Grundhaltung gäbe es sowieso nur sehr wenige jüdische Schüler und die meisten würden ohnehin die Waldorfschulen nach kurzer Zeit wieder verlassen.

Obwohl sie die ideologische Exklusivität der Nazis gefährdete, wurde die autoritäre, anti-intellektuelle und anti-materialistische (und deshalb anti-Marxistische) Ausrichtung der Waldorferziehung anerkannt. Viele ihrer Elemente wurden 1936 Teil der damals eingerichteten offiziellen Adolf-Hitler-Schulen und Napola-Schulen. Tatsächlich ähnelten die Erziehungskonzepte der Nazi-Pädagogin Magdalene von Tiling ziemlich denen Steiners. Der Nazi-Pädagoge Alfred Baeumler fand für die Waldorferziehung lobende Worte. (Dieses Mitglied der SS und Nazi-Interpret Nietzsches pries Steiners Buch Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit als das beste Buch über Nietzsche, das er jemals gelesen habe.)

Die ungebrochene Tradition wird in folgenden Büchern dargelegt, deren wesentlichen Inhalt ich im Anschluß kurz referieren werde. Ob sich seit dieser Zeit Entscheidendes geändert hat, vermag ich nicht zu sagen.

  • Beckmannshagen, F.: Rudolf Steiner und die Waldorfschulen, Wuppertal 1984
  • Kayser, M./Wagemann, P.A.: Wie frei ist die Waldorfschule?, Berlin 1991
  • Prange, K.: Erziehung zur Anthroposophie, Bad Heilbrunn 1985
  • Rudolph, Ch.: Waldorf-Erziehung, Darmstadt 1987
  • Ulrich, H.: Waldorfpädagogik und okkulte Weltanschauung, Weinheim 1986

Die Autoren führen aus, man könne zwar als positiv konstatieren, daß es in der Waldorfschule keinen Leistungsstreß durch eine rigide Benotung gäbe, dafür gäbe es aber statt dieser einigermaßen objektiven und nachvollziehbaren Noten, persönliche, moralisierende Anmerkungen, die als Zeugnisse dienen. Da werde dann nicht eine Teilfunktion bewertet, sondern gleich die ganze Persönlichkeit. Die Kinder, die nicht ins anthroposophische Entwicklungsschema paßten, z.B. sexuell aktiv seien oder ein gestörtes Verhältnis zu Führerfiguren hätten, würden moralisch runtergemacht. Als Schüler weiß ich, daß mit einer 5 oder 6 nicht ich selbst gemeint bin, sondern einfach nur ein Teilaspekt meines Tuns, während in der Waldorfpädagogik genau mein intimer Wesenskern bewertet und angegangen werde. Das sei totalitär.

Waldorflehrer lebten in einem geschlossenen ideologischen System, in das sie ihre Schüler preßten. Es gäbe die rigiden Schemata der vier „Äther-Körper“, Zyklen von sieben Jahren und die traditionellen Aristotelischen vier Temperamente. Steiner stahl die mehr spezifischen Elemente des letzteren Konzepts, das entscheidende Zentrum der Waldorferziehung, aus den, Ende des 19. Jahrhunderts, populären Erziehungsbüchern von Bernhard Hellwig, zusammen mit all ihren herabsetzenden volkstümlichen Vorstellungen von z.B. dem „phlegmatischen“ Temperament. Auch gäbe es das vom Waldorflehrer zu unterstützende „karmische Gesetz“, das jede Möglichkeit einer persönlichen Entwicklung hintertreibe. Aufgrund von Steiners Version des karmischen Gesetzes erhält jedes körperliche Merkmal moralische Bedeutung, da der Geist diesen besonderen Körper aufgrund der vorherigen karmischen Tätigkeiten zugeteilt bekam – eine Art von Mikro-Rassismus. Eine kleine Schülerin erzählte ihrer Waldorflehrerin, daß ihr Vater sie sexuell mißbrauche, die Lehrerin antwortete: „Du hast dir deine Eltern selber ausgesucht“ – was bedeutet, du bist verantwortlich, aufgrund des karmischen Gesetzes, so trage dein Kreuz.

Waldorflehrer seien Opfer der persönlichen Neurose Steiners, wie sie sich in der Anthroposophie Struktur widerfindet. Sie unterdrücken ihre Gefühle, da Steiner von seinen eigenen Gefühlen entfremdet war. Waldorflehrer, insbesondere die Frauen, sähen stets sehr unattraktiv aus, ohne Make-up, grau, ausgemergelt, „vergeistigt“. In ihrem Ausdruck und Verhalten wirkten die männlichen Lehrer wie Klone von Steiner: asketisch, moralistisch, ohne Humor, trocken, mumifiziert, tot unterhalb des Kopfes. Das Alltagsleben unter Waldorflehrern sei im allgemeinen erfüllt von Intrigen und Gehässigkeiten. Als Priester der Anthroposophie ist der Waldorflehrer eine absolute Autorität mit einem nicht reproduzierbaren absoluten okkulten Hintergrund – das perfekte moralische allwissende Über-Ich. Der Schüler solle dieser Imitation Steiners folgen und selber zu einem kleinen Steiner bzw. zu einer kleinen Marie von Sivers werden. (Ewald Althans, der schwule Neonazi aus dem Film Beruf Neonazi, ist Produkt eines Waldorfkindergartens.)

Waldorflehrer setzten ihre unterdrückte Sinnlichkeit in asexuelle „Übersinnlichkeit“ um. Je mehr die Sexualität unterdrückt werde, desto mehr seien sie an der Kindererziehung interessiert als Ventil für ihre fehlgeleitete, sadistisch gewordene Sexualität. Sie werde von Zeit zu Zeit in wilden hysterischen Ausbrüchen körperlicher Bestrafung ausgelebt und sogar in buchstäblichen Exorzismen von „bösen Geistern“! In seinem Tagebuch notierte sich Franz Kafka als besonderes Merkmal der Anthroposophen ihre starren, stechend moralistischen Augen. Waldorflehrer schauten stets tief in deine Augen, um ein schlechtes Gewissen hervorzurufen. Dieses typische hypnotische Starren ist eine unbewußte sexuelle Annäherung. Ganz allgemein arbeiteten sie nicht erzieherisch, sondern mit Moralurteilen, d.h. maskiertem Sadismus, der eine perverse sexuelle Äußerung ist. Alles werde aus moralistischer Sicht betrachtet. Sogar die künstlerischen Äußerungen des Kindes werden in Moral erstickt: keine Farbkontraste und keine scharfen Kanten sind erlaubt und allem wird eine ethische Bedeutung zugeordnet.

So kämpfe die Waldorfschule gegen alles, was unterhalb des Kopfes liegt. Der Blickwinkel von Waldorf sei patriarchalisch, moralistisch, antisexuell und konservativ. Die Märchenwelt des 19. Jahrhunderts werde den Kindern nahegebracht, mit all der Schuld und Angst. Ein kleines Mädchen, das keine Märchen mochte, wurde von Steiner als „Naturdämon“ bezeichnet, dem jedes Menschentum abgehe. Seit den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts wären menschliche Gestalten geboren worden, die überhaupt keine Inkarnationen von Menschen sind, „sondern wo die Menschenform ausgefüllt wird von einer Art Naturdämon.“

Der Hauptfeind der Waldorferziehung sei das masturbatorische Interesse des Kindes für den eigenen Körper. Es gelte als Hindernis für die gesunde Entwicklung des Kindes. Steiner zufolge, sind kleine Kinder nicht egoistisch, nicht aggressiv, nicht neugierig, nicht erotisch, nicht sexuell – wenn sie es sind, stehen ahrimanische Kräfte dahinter. Vor dem Alter von 20 oder 21 Jahren werde die Sexualität als etwas Pathologisches und Perverses betrachtet, so daß Kinder aus Waldorfschulen geworfen würden, wenn ihre Sexualität zu offensichtlich werde. Jugendliche sollten durch das Spirituelle von der Pubertät abgelenkt werden. Kinder würden geschlagen. Es gäbe einen Fall, wo eine Erzieherin im Waldorfkindergarten einen kleinen Jungen eine heftige Ohrfeige verpaßt habe, als er sich einem kleinen Mädchen nackt zeigte. Der Mund eines kleinen Jungen wäre mit Seife ausgewaschen worden, nachdem er schmutzige Wörter benutzt hatte.

In Waldorfsonderschulen würden unruhige Kinder an ihre Sitze festgebunden. Andere Methoden der anthroposophischen Erziehung seien das hundertfache Niederschreiben des gleichen Satzes, in der Ecke stehen oder Schläge – wie in der guten alten preußischen Schule. Noch raffinierter sei die Methode des Liebesentzugs. Tatsächlich sei er die hauptsächliche Erziehungstechnik des geliebten Waldorflehrers. Die Lehrer arbeiteten natürlich auch mit vernichtenden Moralpauken – und okkulten Flüchen!

Waldorflehrer machten regelmäßig Hausbesuche und zwängen die ganze Familie in einen anthroposophischen Lebensstil hinein. Das reiche vom Verzicht auf Coca Cola bis zu dem auf Kartoffel, weil diese indianische Nahrung unserem germanischen Wesen widerspräche. Und in der Schule würden die Kinder über das Familienleben ausgefragt. Es sei wie in einem totalitären Staat. Waldorf als „Freie Schule“ zu bezeichnen, sei dasselbe, als würde man katholische Privatschulen so nennen.

Die Anthroposophie sei ein vom Staat unterstützter destruktiver Kult und viele Entscheidungsträger im Staatsapparat und in der Politik seien selbst Anthroposophen, insbesondere in den Erziehungsministerien. Nur dies erkläre, wie die Waldorfschulen gedeihen und so viel staatliche Unterstützung erhalten konnten und so wenig Kontrolle ausgesetzt wären. Selbst Helmut Kohl schickte seine Kinder in Waldorfschulen. Waldorfschulen seien ein Weg um neue Anthroposophen zu rekrutieren. Selbst wenn nur die Hälfte oder ein Drittel der Schülerschaft sich zu gläubigen Anthroposophen entwickelt, macht dies angesichts der derzeitig 221 Waldorfschulen in Deutschland eine beträchtliche Masse aus.

Waldorfschüler lernten Zeugs wie: der Mensch stamme nicht von den Affen ab, vielmehr seien die Affen eine Degenerationsform des Menschen. Und selbst wenn, wie es der offiziellen Waldorfdoktrin entspricht, inhaltlich nichts indoktriniert wird, komme es doch durch die Bewertung der Gesamtpersönlichkeit des Schülers, durch die Schulstruktur selbst und durch die Entfremdung von der Realität zugunsten der „geistigen Welt“ zur kultischen Prägung.

1986 gründeten Opfer der Waldorferziehung die Selbsthilfeorganisation „Distel-Bund“ in Herne.

 

Christentum und die Biologische Revolution (Teil 2)

23. September 2015

Für Reich war Christus das Symbol des Ungepanzerten. Die Christus-Geschichte beschrieb das tragische Schicksal des Lebendigen in einer lebensfeindlichen Welt. Man müsse Jesu wahre Geschichte nur aus den Deckschichten befreien, mit der Paulus und die Kirchenväter sie verkleistert haben. Das kann man alles in seinem Buch Christusmord nachlesen. Leider kann gerade aus der Christus-Geschichte ebenso ein lebensfeindlicher Mythos gemacht werden. Entsprechend wird man aus dem Umgang der „Reichianer“ mit der Christus-Geschichte vielleicht am ehesten den Blauen Faschismus ablesen können.

Die Nazis etwa waren in ihrer Eigensicht „lebenspositive“ Kräfte des Lichts und der Liebe gegen finstere sadistische „Dämonen des Verfalls“. Im Parteiprogramm von 1920 erklärten sie ihre Lehre als vereinbar mit dem „positiven Christentum“. Die Partei bekämpfe „den jüdisch-materialistischen Geist in und außer uns“. Vom Christentum übernahm der Nationalsozialismus, daß die Juden das Haupthindernis für die Erlösung der Menschheit seien. Später verbanden wiederum die „Deutschen Christen“ ihr „positives Christentum“ mit „politischem Kämpfertum“. 1933 verkündete der Gauobmann der Deutschen Christen von Großberlin, Dr. Reinhold Krause, im Berliner Sportpalast:

Wenn wir aus den Evangelien das herausnehmen, was zu unserem deutschen Herzen spricht, dann tritt das Wesentliche der Jesuslehre klar und leuchtend zutage, das sich – und darauf dürfen wir stolz sein – restlos deckt mit den Forderungen des Nationalsozialismus. (z.n. Werner Reichelt: Das Braune Evangelium, Wuppertal 1990, S. 97)

Wenn sie „Dein Reich komme!“ beteten, meinten sie das Dritte Reich als „Tausendjähriges Reich“ aus der Apokalypse des Johannes (Offb 20,3). Grundbegriffe des „deutschen Christentums“ waren „Blut und Boden“, „Rasse und Volk“, „Schicksal, Ehre und Heldentum“ und ihr Symbol war das Zeichen der „unbesiegbaren Sonne“, das Hakenkreuz – Christus, der Sol invictus. Ähnlich wie der Katholizismus war auch der Nationalsozialismus ein Sonnenkult. Für die Nazis war Christus der arische Lichtbringer, in der Anthroposophie ist Christus der „Sonnengeist“, beider Symbole ist die Swastika. Beider Kampf galt den dunklen sexuellen „Kräften der Erde“, den sexuellen „dämonischen unterirdischen Kräften“. Norden (Geist) gegen Süden (Genital).

Bereits für den in Der Blaue Faschismus erwähnten Jörg Lanz von Liebenfels war das Christentum in seinem Kerngehalt „arischer Ahnen- und Rassenkult“. Lanz zufolge ist Christus „Frauja-Jesus“, bzw. der germanische Gott Fro. Lanz wollte, genauso wie Rudolf Steiner, eine „Johanneskirche“, „eine Kirche des heiligen Grals“ begründen. Die arische „Reinheit“ wird durch die Emanzipation der Frauen, mit ihrem „Hang zu Niederrassigen“, und durch die Emanzipation der ebenso triebhaften Juden gefährdet. Der Jude ist bedrohlich und gleichzeitig sexuell faszinierend. Er ist hinterhältig (intellektuell), feige (weibisch) und grausam (tierisch).

Später sollte Himmler soweit gehen, als geheime Kommandosache Expeditionen nach Südfrankreich zu entsenden, um dort im Gebiet der Albigenser, bzw. Katharer nach dem „Heiligen Gral“ suchen zu lassen.

Am 14.2.1942 notierte sich Goebbels in sein Tagebuch:

Die Juden haben die Katastrophe, die sie heute erleben, verdient. Sie werden mit der Vernichtung unserer Feinde auch ihre eigene Vernichtung erleben. Wir müssen diesen Prozeß mit einer kalten Rücksichtslosigkeit beschleunigen und wir tun damit der leidenden und seit Jahrtausenden vom Judentum gequälten Menschheit einen unschätzbaren Dienst.

Der „Christussozialist“ Goebbels hat in diesem Geiste Christus als „das Genie der Liebe“ bezeichnet, als solches sei er „der diametrale Gegenpol zum Judentum, das die Inkarnation des Hasses darstellt“. Wir müssen, so Goebbels, Christus „aufs neue in uns erwecken“ (Claus-E. Bärsch: „Antijudaismus, Apokalyptik und Satanologie“ Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, 1988, S. 112-133). Auschwitz läßt sich nicht mit bloßem Rassismus oder Völkerhaß erklären, sondern am ehesten mit der Johanneischen Botschaft.

Da Hitler fanatischer Wagnerianer war, kann man sich dieses nationalsozialistische „Glaubensgut“ wohl am besten anhand von Wagners Parsifal vergegenwärtigen. Wagner behauptete, sein Drama würde „die höchsten Mysterien des christlichen Glaubens“ auf der Bühne darstellen. Zentral steht dabei die manichäische Dichotomie zwischen dem solarischen Parsifal, als Personifikation des reinen Ariers, und dem tellurischen Klingsor, der die satanische Macht des Judentums, Machtpolitik und schmutzige Sexualität verkörpert. Parsifal vertritt ein vom Judentum gereinigtes Christentum: „Erlösung dem Erlöser“, Erlösung Christi von den Juden.

Dieses „Johanneische Christentum“ bezieht sich auf biblische Aussagen, wonach die Juden „zum Gefolge Satans gehören“ (Offb 2,9) und „Kinder des Teufels“ (Joh 8,44) sind. Wagner und die Nazis kämpften gegen Satan, d.h. die egoistische, machthungrige geistige Blindheit, die durch die jüdische Rasse verkörpert wird, die den arischen Erlöser Jesus Christus ermordete. Hitler war von der Johanneischen Materie- und Leibfeindlichkeit beseelt, und wollte als vergeistigter, vegetarischer Reinheitsfanatiker die „materiellen Juden“ buchstäblich wie Ungeziefer vertilgen und wie Christus die jüdischen Geldwechsler aus dem Tempel vertreiben.

In der hellenistischen Gnosis gab es einen Erlöser, der aus der antiweltlichen Lichtzone herabstieg, um die Menschen aus der sündigen Welt zu erretten. Im christlich-gnostischen Mythos wurde diese Welt von den Juden symbolisiert, die zum „Herren dieser Welt“ beteten. Genauso war für Hitler „der Weltjude“ „der Widersacher“. Das besondere am Wagnerianertum und infolge am Nationalsozialismus war nun die Naturalisierung dieses manichäischen Reinheitswahns, die Biologisierung des Grals-Christentums: die Idee des „unbefleckten“ Blutes und der gewalttätigen Darwinistischen Durchsetzung dieses reinen Blutes gegen die degenerativen dunklen Mächte des Bösen. Für Hitler war der arische Christus kein defensiver Mensch, sondern ein heroischer Kämpfer des Lichts gegen die verräterischen Juden.

Dem Antisemitismus-Forscher Robert Wistrich zufolge ist das „Entweder-Oder“ der innerste Kern der Hitlerschen Weltanschauung. 1922 hatte Hitler gesagt, daß er sich grade als Christ verpflichtet fühle, Antisemit zu sein:

Mein christliches Gefühl weist mich hin auf meinen Herrn und Heiland als Kämpfer. Es weist mich hin auf den Mann, der einst einsam, nur von wenigen Anhängern umgeben, diese Juden erkannte und zum Kampfe gegen sie aufrief, und der, wahrhaftiger Gott, nicht der Größte war als Dulder, sondern der Größte als Streiter. (Der antisemitische Wahn, Ismaning 1987, S. 252)

Hitler fand für seinen Fanatismus

eine Bestätigung in einem bekannten Ausspruch Christi: „Was nicht heiß und nicht kalt ist, wird ausgespien aus dem Munde“ (Offb 3,16). Mehr als einmal zitierte Hitler diesen „Ausspruch des großen Nazareners“ als Zeugnis gegen jene, die an den goldenen Mittelweg glaubten, ob in der Politik oder im Leben. „Dieser Halbwille ist (so sagt Hitler) die Schwäche und vielleicht der größte Fluch, der auf Deutschland lastet.“ (ebd., S. 76f)

Hitler habe, so Wistrich, im Juden den „Satansmenschen“, das „auserwählte Volk“ eines fremden Gottes der Finsternis gesehen. Sein Antisemitismus habe „eine metahistorische Dimension, die aus der Wahrnehmung einer Rivalität zweier Gottheiten, die nicht nebeneinander existieren können, resultiert“. Er hätte in seiner Politik den Endzeitvisionen Martin Luthers und jener christlichen Sektierer entsprochen, die glaubten, in Gottes Auftrag die Welt zu erlösen, indem sie im endzeitlichen Krieg der Kräfte des Lichts gegen einen teuflischen Feind die „Söhne des Teufels“ beseitigen. Die „Endlösung“ war demnach das Jüngste Gericht, die endgültige Entscheidung zwischen Gut und Böse und damit die Wiederherstellung des Paradieses (ebd., S. 76f). Alfred Rosenberg sah sich entsprechend in der Traditionsfolge: Albigenser, Waldenser, Katharer, Arnoldisten, Stedinger, Hugenotten, Reformierte, Lutheraner, NSDAP.

Wistrich merkt dazu an:

In den Reden, die Hitler in den Jahren der Kampfzeit besonders im katholischen Bayern hielt, verglich er seine eigene Heilslehre (…) zuweilen mit der von Jesus Christus. Wie dieser lebe auch er in einer „materialistischen, jüdisch verseuchten Welt“, in der die staatliche Macht korrupt und unfähig geworden sei. Der Jesus Christus der Hitlerschen Selbstprojektion hatte eine politisch-religiöse Bewegung von Weltrang dadurch begründet, daß er eine mit patriotischen Idealismus vermischte, populäre antijüdische Botschaft verkündete. Hitler wollte es ihm in gewisser Weise nachtun.

Er habe, so Wistrich weiter, immer wieder daran erinnert, daß Jesus „wenn nötig, sogar zur Peitsche griff, um aus dem Tempel des Herr diesen Widersacher jedes Menschentums (die Juden) zu treiben. (ebd., S. 76)

Hitler 1922 in einer Rede:

In grenzenloser Liebe lese ich als Christ und Mensch die Stelle durch, die uns verkündet, wie der Herr sich endlich aufraffte und zur Peitsche griff, um die Wucherer, das Nattern und Otterngezücht (Mt 23,33) hinauszutreiben aus dem Tempel (Joh 2,15). Seinen ungeheuren Kampf aber für diese Welt, gegen das jüdische Gift, den erkenne ich heute, nach zweitausend Jahren, in tiefster Ergriffenheit am gewaltigsten an der Tatsache, daß er dafür am Kreuz verbluten mußte. (z.n. Wistrich, S. 251)

Hitler wollte, wie er 1923 in einer Rede sagte, einen neuen Christusmord durch „die Juden“ verhindern: „Wir wollen vermeiden, daß auch unser Deutschland den Kreuzestod erleidet!“ Die christlichen Anklänge verband Hitler wohl mit dem Aufruf zur Inhumanität gegen „die Juden“, aber nur, um, wie er sich ausdrückt, dadurch „der Sittlichkeit wieder Bahn zu brechen“ (ebd., S. 61). 1933 bezeichnete er die Juden als „Brunnenvergifter des deutschen Volkes und des universellen christlichen Geistes“ (ebd., S. 139).

In einer Rede von 1926 ging Hitler so weit, Jesus als den ersten Nationalsozialisten zu porträtieren:

Die Geburt dieses Mannes, die an Weihnachten gefeiert wird, ist für Nationalsozialisten von größter Bedeutung. Christus war der größte Pionier im Kampf gegen den jüdischen Weltfeind. Christus war die größte Kämpfernatur, die je auf Erden gelebt hat. (…) Der Kampf gegen die Macht des Kapitals war sein Lebenswerk und seine Lehre, für die er von seinem Erzfeind, dem Juden, ans Kreuz genagelt wurde. Die Aufgabe, mit der Christus begann, die er aber nicht zu Ende führte, werde ich vollenden. (Robert Wistrich: Der antisemitische Wahn, Ismaning 1987, S. 252).

1926 gelobte Goebbels Hitler:

Mag ein Tag kommen, wo alles zerbricht, wir zerbrechen dann nicht. Dann mag eine Stunde kommen, wo der Mob um Sie geifert und grölt und brüllt, „kreuzigt ihn!“, wir stehen dann eisern und brüllen und singen: „Hossianah“.

Einer Abordnung von Auslandsdeutschen erklärte Rudolf Heß: „Geht hinaus und berichtet: Deutschland wird leben, weil ein Adolf Hitler lebt.“ Auf einer Kundgebung: „Wir wählen Adolf Hitler, weil er durch seine Taten und sein Leben bewiesen hat, daß er die Verkörperung alles Guten im deutschen Menschen ist.“ Hitler wurde ganz offen als neuer Christus verkündet, so erklärte Heß 1939:

Wir Deutsche blicken ruhigen und festen Mutes in die Zukunft, was sie uns auch bringen möge. In vergangenen Jahren war alles, was kam an Gutem und Bösem, notwendig für das Leben und für den Aufstieg unseres Volkes. Und wir haben den Glauben, daß es auch künftig so ist. Wir wissen, daß alles, was gegen das neue Deutschland und seinen Führer unternommen wurde, sich immer auswirkte für das neue Deutschland und für den Führer. Es wird auch künftig so sein, denn wir haben den Glauben, daß der Höchste mit Deutschland ist und seiner gerechten Sache. Denn wir haben den Glauben, daß der Höchste uns den Führer gesandt hat zur Rettung aus tiefster Not. Indem wir zum Führer stehen, erfüllen wir den Willen dessen, der uns den Führer gesandt. (z.n. H.J. Gamm: Der braune Kult, Hamburg 1962, S. 40)

Gamm führt dazu aus:

Theologisch betrachtend könnte man sagen, hier entstand eine Art vollständiger Christologie. Die Verbindung Hitlers mit Gott führte dazu, daß im Führer eine nahezu allmächtige Persönlichkeit gesehen wurde. Sein Tun war sozusagen rückversichert bei dem, der ihn gesandt haben sollte. Der Glaube an seine Sendung wuchs im Volk mehr und mehr, und etwas Mystisches begann ihn zu umgeben. Diese Heiligensehnsucht der Massen wußten die Propagandisten geschickt zu stillen. (…) Zum letzten Male sprach Joseph Goebbels über den Großdeutschen Rundfunk am 19. April 1945, dem Vorabend des Führergeburtstages; bereits drei Wochen später war das Reich zusammengebrochen. Damals sagte Goebbels, die Stunde vor Sonnenaufgang sei stets die dunkelste, doch dürfe man nicht verzagen, denn der Führer wisse einen Weg. Auf ihn gelte es gläubig zu vertrauen und seine Pflicht bis zum letzten zu erfüllen.

Man denkt dabei unwillkürlich an: „In der Welt habt ihr Angst; aber seit getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33). Goebbels nannte Hitler „Umgestalter der Menschheit“, „auserwählter Führer eines auserwählten Volkes“.

Hitler war der prototypische Vertreter des „Unbekannten Soldaten“, der aus dem Schattenreich zurückkehrt, um als Bote des Lichtreiches den Frühling zu bringen und die Finsterlinge in den dunklen Abgrund zu stoßen. Wie Werner Reichelt in seinem Buch Das Braune Evangelium (Wuppertal 1990) belegt, hat Hitler sein ganzes Leben, seine Wirkung und seine nacherzählte Vita, nach dem Muster der Evangelien aufgebaut. Hitler selbst verkündete 1936:

Heute nun, mein deutsches Volk, rufe ich dich, tritt du jetzt mit deinem Glauben hinter mich! Sei du jetzt die Quelle meiner Kraft und meines Glaubens. (…) Deutsches Volk, ich habe dich glauben gelehrt, jetzt gib du mir deinen Glauben! (z.n. Reichelt, S. 58f)

Die „Volksgemeinschaft“ war die nationalsozialistische Adaption des Corpus Christi. In einem Gedicht Baldur von Schirachs kam dies so zum Ausdruck:

Ihr seid viel Tausend hinter mir, und ihr seid ich, und ich bin ihr. Ich habe keinen Gedanken gelebt, der nicht in euren Herzen gebebt; und forme ich Worte, so weiß ich keins, das nicht mit eurem Wollen eins. Denn ich bin ihr, und ihr seid ich, und wir alle glauben, Deutschland an dich. (z.n. Gamm, S. 30)

In seinem ganzen Aufbau und Gepräge war der Nationalsozialismus als „die deutsche Glaubensbewegung“ „Katholizismus ohne Christentum“: durchgestaltetes Ritual, Märtyrerkult, Prozessionen, „deutsche Weihestätten“, nationalsozialistische Volksandachten, das „nationalsozialistische Kirchenjahr“, Passionsspiele, Feiern für die Märtyrer der Bewegung, liturgische Handlungen, päpstliches Führerprinzip, Hierarchie, Ordensgedanke; Errichtung von „Ordensburgen“, in denen in der „reinen“ Lehre unterwiesen wurde; absolute Beugung unter Hitlers Lehre, außerhalb der es kein Heil gab; dauernde Rede vom „Schöpfer“, dem „Allmächtigen“ und der „Vorsehung“.

Ostern steht nicht mehr für die Auferstehung Christi, sondern für die ewige Erneuerung des deutschen Volkes und Weihnachten feiert man die Geburt des deutschen Heilands: „des Geistes der Heldenhaftigkeit und Freiheit unseres Volkes“. Das Opfer auf Golgatha wurde mit dem Opfer in den Schützengräben gleichgesetzt. Das Kreuz der Christen entsprach dem Opfergang des deutschen Soldaten. Das Kreuz ist durch das Hakenkreuz zu ersetzen und statt des Blutes des bisherigen Erlösers ist das reine Blut des deutschen Volkes zu zelebrieren. Das Blut Christi kann erlösen, weil es rein ist und es ist rein, weil er in Keuschheit gezeugt wurde. Das Blut des Ariers ist rein wegen der Reinheit seiner Rasse. Neue Hauptreliquie ist die „Blutfahne“, die mit dem erlösenden Blut der Elite der Arier getränkt ist. Hitler küßt die Blutfahne, wie der gläubige Christ die Wunden Christi. „Wein und Brot“ wird durch „Blut und Boden“ ersetzt. Der christliche Seelenbegriff wird mit dem „Blut“ gleichgesetzt. Erlösung ist dann biologische Erbgesundung. Kreuzigung des „arischen Christus“ ist identisch mit der „Rassen-Kreuzung“. Der Heiligenkult ist durch den Kult der „Märtyrer der Bewegung“ zu ersetzen. Entsprechend dem Ritus der Eucharistie ist die deutsche Ackerfrucht als heilige Gabe zu empfangen und als Symbol der ewigen Volksgemeinschaft zu essen, wie bisher der Leib Christi genossen wurde. Aus dem „Nächsten“ wurde der „Rassegenosse“. Aus dem fleischgewordenen Wort wird Hitler, als der „leibhaft gewordene Befehl“ der völkischen Vorsehung. Der Arier ist der neue Adam, Christus. In Mein Kampf schreibt Hitler:

Das Untergraben des Bestandes der menschlichen Kultur durch Vernichtung ihres Trägers aber erscheint in den Augen einer völkischen Weltanschauung als das fluchwürdigste Verbrechen. Wer die Hand an das höchste Ebenbild des Herrn zu legen wagt, frevelt am gütigen Schöpfer dieses Wunders und hilft mit an der Vertreibung aus dem Paradies.

Hier ein schönes Beispiel. Eine Rede von Göring 1933 kurz nach der „Machtübernahme“: Hitler als Christus. Und so ging das 12 Jahre lang ununterbrochen!

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Asylirrsinn, linker Irrsinn, rechter Irrsinn

8. September 2015

Hitler ist mehr denn je das größte Verhängnis der deutschen Nation. Wie bereits an anderer Stelle angedeutet, ist es heute vor allem der Kampf gegen Hitler, der zerstörerisch ist. Automatisch ist man gegen alles, wofür der Name „Hitler“ steht. Das reicht von der Humangenetik bis hin zu den schlimmsten Auswirkungen der christlichen Nächstenliebe. Wenn man einem „gefestigten Demokraten“ erzählt, welch ein Wahnsinn es sei, wegen billiger Gefühlsduselei eine Bevölkerung, deren angeborener Durchschnitts-IQ bei 100 liegt, das Mindestmaß an Intelligenz für ein industrialisiertes Land, mit Millionen Menschen anzureichern, deren angeborener IQ bei vielleicht 85, wenn nicht gar, was Schwarzafrikaner betrifft, 75 liegt, wird man angestarrt, als sei man Vertreter des Bösen schlechthin. Gut möglich, daß einem Reichs Die Massenpsychologie des Faschismus entgegengehalten wird!

Zu Reichs Zeiten, d.h. in der autoritären Gesellschaft, war der schwarze Faschismus virulent, d.h. eine ORANUR-Reaktion gegen den Zusammenbruch der autoritären Gesellschaft infolge des Ersten Weltkriegs und der zunehmenden Industrialisierung. Heute stehen wir vor dem Triumph des roten Faschismus. Der Zerfall der Gesellschaft ist soweit fortgeschritten, die Fähigkeit zur individuellen Selbststeuerung hat soweit abgenommen, daß es zu einer zentralistischen Reorganisierung auf primitivstem Niveau kommt („Sozialismus“). Sozialistische und sogar kommunistische Denkmuster sind heute wie selbstverständlich Teil des gesellschaftlichen Diskurses. Mehr, sie dominieren ihn!

Der schwarze Faschismus zeigt sich heutzutage vor allem in Verschwörungstheorien. Was früher die Nationalsozialisten waren, sind heute die Verschwörungstheoretiker:

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In dieser geisteskranken Weltsicht gibt es klare Entsprechungen zwischen damals und heute: was einst das „Weltjudentum“ war, sind heute die „Zionisten“ bzw. das „internationale Finanzkapital“, was damals das Freimaurertum war, sind heute die „Illuminaten“. In dieser Hinsicht unterscheidet sich ein Rudolf Hess in keinster Weise von irgendeinem dieser Spinner, die heute das Internet verpesten. Man nehme nur mal diesen Leserbrief:

(…) Die Schuld trägt der Islamische Staat …welcher als Kopf einen ehemalige Mossadagenten hat und von der CIA im Kampf gegen Rußland als AL-Kaida gegründet wurde. Die Schuld (…) liegt nicht bei dem IS, denn der ist nur ausführende Kraft. Die Schuld liegt bei einigen wenigen Finanzglobalisten, welche sich über die Kriege im Mittleren und Nahen Osten oder der Ukraine eine geopolitischen oder Rohstoff sichernden Vorteil erschleichen wollen. Es ist die Politik dieser Gruppe, welche in Kriegen alle Seiten mit Waffen versorgen und sich daran eine goldene Nase verdienen und wenn WIR nicht aufpassen auf dieses PACK, dann sind WIR die nächsten Opfer!

Genauso hat zu seiner Zeit, und mit den damaligen Versatzstücken, Heinrich Himmler gedacht – und wollte gegen Ende des Krieges allen Ernstes mit Vertretern des „Weltjudentums“, also den vermeintlichen Strippenziehern hinter Roosevelt, Churchill und Stalin, verhandeln! Verschwörungstheorien sind der ungeeignete Versuch von persönlichkeitsgestörten Sonderlingen im wachsenden Wahnsinn Sinn zu finden. Der Blickwinkel der Orgonomie ist ein grundlegend anderer:

1933 hat Reich den schwarzen Faschismus auf die durchschnittliche „rechte“ Charakterstruktur der Massen zurückgeführt, die hinter der industriellen Entwicklung und die damit bedingte Auflösung alter Lebensbezüge hinterherhinkte und dergestalt die „Reaktion“ in den Massen verankerte. Ähnlich sieht das heute aus, wo die Menschen sich, wie gesagt, zunehmend weniger selbststeuern können und deshalb nach dem Staat rufen. Der Unterschied ist, daß im schwarzen Faschismus das verzerrte Lebensgefühl (der Kern im Verein mit der sekundären Schicht) gegen die Verlogenheit der liberalen Gesellschaft rebellierte („Biologismus“), während heute umgekehrt die „liberale“ soziale Fassade im Verein mit der sekundären Schicht den Kern bedroht („Soziologismus“). Das sehen wir aktuell im fanatischen Kampf gegen alles Deutsche, gegen „Blut und Boden“. Es soll keine Grenzen mehr geben und kein Volk.

Die Grenzen sind offen und Politiker wie Merkel reden wirres Zeugs. Das ganze kann man nur biophysisch („charakterologisch“) richtig verstehen, d.h. von der Panzerung her gesehen. Die anti-autoritäre Gesellschaft ist dadurch gekennzeichnet, daß sich bei den Menschen die körperliche Panzerung, insbesondere aber die Beckenpanzerung, weitgehend aufgelöst hat und sich als Ausgleich, d.h. zur Bindung der freiwerdenden Angst, die Augenpanzerung verstärkt hat. Wenn der rot-grüne Mainstream für offene Grenzen eintritt und das mit schierem Unsinn rechtfertigt (etwa dem vermeintlichen oder meinetwegen auch wirklichen „Fachkräftemangel“ – Fachkräfte, die als Asylanten aus Afrika und Arabien ins Land strömen sollen…), dann spiegelt dies getreulich die verbreitete Charakterstruktur einer anti-autoritären Gesellschaft wider: keine Grenzen = keine Panzerung und wirres, gefühlsduseliges Denken = okulare Panzerung. (Bei der Umstrukturierung in Alexander Lowens „Bioenergetik“ und anderen „Reichianischen“ Therapien wird exakt diese Charakterstruktur künstlich erzeugt! Man halte sich tunlichst von sogenannten „Reichianern“ fern, denn sie sind das Problem, sie verkörpern das Problem, nicht die Lösung.)

Über kurz oder lang wird eine Gestalt wie Donald Trump in Amerika, Marine LePen in Frankreich oder Viktor Orbán in Ungarn auftreten, die tabuisierten Themen zum Zentrum seiner Politik machen und „Tacheles reden“. Es wird weitgehend von dieser jeweiligen Gestalt selbst und den Eliten, die sie umgeben und eingrenzen können, abhängen, ob hier ein neuer Hitler entsteht oder jemand, man denke an Franco oder Pinochet, der dem Wahnsinn zumindest zeitweise Einhalt gewährt und das Land vor dem Untergang im roten Faschismus bewahrt.

In Amerika wurde Trump schon wiederholt von Linken mit Hitler verglichen. Für einen funktionellen Denker ist ein solcher Vergleich weder abwegig noch schockierend. Er ist nur für jemanden anstößig, der mechanistisch in fixen Kausalitäten („Hitler → Auschwitz“) oder von der Ethik her, also mystisch denkt. (Auf verquere Weise ist für letztere Ausschwitz und damit Hitler heilig!) Was Europa betrifft sind diese Volkstribunen, etwa Strache oder Wilders, völkische Sozialdemokraten wie einst Hitler. Allein schon deshalb werden sie die Probleme auf keinen Fall lösen können, aber sie werden immerhin dafür sorgen, daß die Probleme lösbar bleiben. Eine „multikulturelle“ Gesellschaft, auf die wir zusteuern, wenn man CDU, SPD und Grüne weiter gewähren läßt, wird sich auflösen und der Barbarei den Weg ebnen. Wie diese konkret aussieht, kann man heute in Afrika oder Arabien (also den Herkunftsländern der „Flüchtlinge“) bewundern oder etwa in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, wo der Kommunismus die gesellschaftliche Selbststeuerung nachhaltig, wenn nicht sogar irreparabel zerstört hat. Von daher haben wir es beim Asylirrsinn mit sich ausbreitendem Krebs zu tun, der hier Fuß fassen kann, weil unsere Gesellschaft ebenfalls bereits vom Krebs befallen ist.

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Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 12)

9. August 2013

Wie im 11. Teil ausgeführt, war Hitler nicht nur „Hitler“, sondern auch Reichskanzler und hat sich „im Rahmen der Schweinerei“, wie Reich sich ausgedrückt hätte, entsprechend „rational“ verhalten, genauso wie sich Stalin „rational“ verhielt, als er die Grenzen des zaristischen Rußlands wiederherstellte. Beiden kam ihre jeweilige Charakterstruktur mit ihren jeweiligen kommunistischen bzw. rassistischen Vorurteilen in die Quere.

Als Reichskanzler schaute Hitler voller Neid auf England, daß selbst wenn er es erobert hätte (was er im übrigen niemals ernsthaft vorhatte) den Krieg von den Commonwealth-Gebieten, insbesondere Kanada, aus bequem hätte fortsetzen können. Er wollte aber Großbritannien, das er als „arische Brudernation“ betrachtete, ohnehin nie zerstören, desgleichen Englands ehemalige Kolonie Amerika.

Das erklärt auch die überraschende Tatsache, daß er keinen Versuch unternommen hat, die Hunderttausende von britischen Elitesoldaten bei Dünkirchen 1940 zu vernichten, sondern er sie entkommen ließ. Neuere Aktenfunde sollen belegen, daß sich Hitler mit diesem denkbar überraschenden Befehl einfach gegenüber seinen Generälen, die bis dahin den Krieg (extrem erfolgreich!) geführt hatten, durchsetzen wollte. Aber ist das eine Erklärung? Hitler selbst gab später an, dies sei ein Akt der Freundschaft und des Fair Play gewesen, eine Geste dafür, daß er einen dauerhaften Frieden mit England wollte. Historiker sind sich einig, daß England besiegt gewesen wäre, wenn Hitler (aus welchem Motiv auch immer) sich nicht eingemischt hätte. (Überhaupt, wenn er sich nie in die Kriegsführung eingemischt hätte!)

In die gleiche Richtung geht Hitlers naiver Plan 1941 seinen Stellvertreter Rudolf Hess nach Schottland zu schicken, um Friedensverhandlungen mit der britischen Regierung in die Wege zu leiten. Diese Aktionen entsprachen Hitlers irrationaler Charakterstruktur, nicht seiner („im Rahmen der Schweinerei“) rationalen Persona als Reichskanzler.

Hitler wollte nicht die Fehler des Ersten Weltkriegs wiederholen und ernsthaft nur im Osten eine Expansion, aber auch das war nur bis zu einem gewissen Grad realistisch. Wenn Deutschland den Krieg gegen Rußland gewonnen hätte, wäre es, aufgrund unserer geringen Zahl von Bürgern und Soldaten, unmöglich gewesen, diese extrem großen Gebiete und langen Grenzen für mehr als nur ein paar Jahre zu kontrollieren, zumal Hitler – aufgrund seiner extrem narzißtischen und starren Psyche – einen sehr großen Fehler machte, der sich später als entscheidend für die Niederlage gegen die UdSSR erweisen sollte.

Der Fehler war, daß (im Gegensatz zu den Briten in Indien) die Wehrmacht auf ihrem Weg Richtung Moskau die ethnischen Minderheiten der Sowjetunion unterwerfen sollte, statt ihnen die Hand zur Freundschaft zu reichen und sie zu einem gemeinsamem militärischem Vorgehen gegen die UdSSR zu nutzen. Man darf dabei nicht vergessen, daß im Ersten Weltkrieg die Reichswehr bereits schon einmal weite Teile des damaligen Zarenreichs besetzt hatte und die Bevölkerung, insbesondere aber die jüdische Bevölkerung, dabei weitgehend gute Erfahrungen mit den Deutschen gemacht hatte.

Als Soldaten der Wehrmacht ihre Füße auf ukrainischen Boden setzten, wurden sie in jedem Dorf von der ländlichen Bevölkerung enthusiastisch begrüßt, weil die Bewohner so überglücklich waren, endlich vom Bolschewismus befreit zu sein. Arm, wie sie waren, überhäuften sie die deutschen Soldaten mit Geschenken und die ukrainischen Mädchen wollten deutsche Soldaten heiraten. Unter den ethnischen Minderheiten im westlichen Teil der UdSSR wollten Hunderttausende junger Männer freiwillig in der Wehrmacht oder der Waffen-SS dienen, um gegen die verhaßten Kommunisten in den Kampf ziehen zu können. Aber Hitler war so verblendet, daß er die Hilfe dieser Völker ablehnte und sie wie Dreck („Untermenschen“) behandelte. Nicht vor Ende 1944 erlaubte Hitler der „Wlassow-Armee“ zu kämpfen, einer großen Gruppe von russischen Offizieren, die Stalin derartig haßten, daß sie immer noch Hitlers Krieg gegen Moskau unterstützen wollten.

Es ist einfach zu sagen, daß die Deutschen „böse“ waren. Tatsächlich waren sie Opfer der extremen okularen Panzerung ihrer Führungselite, die buchstäblich nicht sehen konnten, daß Deutschland als die Mittelmacht eine ganz andere Funktion im Weltgefüge einnahm, als sozusagen „randständige“ Nationen wie Frankreich und insbesondere England; daß England aus diesem Grund nie und nimmer der „Freund“ Deutschlands sein konnte. Das durch den Kolonialismus nur oberflächlich gestärkte, im Mark aber zutiefst geschwächte England, konnte und durfte Deutschland in keinster Weise als Vorbild dienen. Gut, Hitler hätte lernen können, wie man mit einer verhältnismäßig kleinen Heimatbevölkerung und einer eher kleinen Armee wie England ein Viertel der Welt beherrscht, aber dazu war er wegen seiner verqueren „biologischen“ Hirngespinste nicht in der Lage. Während Großbritannien intelligente Freundschaften mit den lokalen Eliten in Indien einging und es den Briten so gelang einen ganzen Kontinent zu regieren, obwohl dort nur ein paar tausend britische Soldaten stationiert waren, bewegte sich Hitler in Rußland wie ein blinder Elefant.

Hess hatte den Nationalsozialismus als „praktische Biologie“ definiert. In dieser Art von verquerer „Biologie“ waren die Engländer die „natürlichen Freunde“ und die Ukrainer die „natürlichen Feinde“. Kaum je war eine Führungselite wirklichkeitsfremder und bioenergetisch kontaktloser als die Deutsche. In dieser „Biologie“ gab es nur den „Kampf um Lebensraum“, statt friedlichen Handel. Tatsächlich war es die „Biologie“ der verhärteten Körper von Leuten wie Hitler und Hess. Mit Wilhelm II., der partout in Konkurrenz zur Seemacht England treten wollte, sah es auch nicht viel besser aus.

Abermillionen mußten sterben, eine der großen Nationen der Weltgeschichte zugrundegehen – aus Gründen, die ein (orgonomisch geschulter) Psychiater besser beurteilen kann als ein Historiker…

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