Archive for the ‘Psychologie’ Category
David Holbrook, M.D.: Sentenzen 3
8. November 2023Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 86)
5. November 2023[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Immer wieder liest man, daß die Religion die schlimmste Geißel der Menschheit sei und wir glücklich wir doch wären, gäbe es diesen mörderischen Aberglauben nicht. Es ist leider etwas vertrackter, als sich das linke Träumer ausmalen, denn selbst wenn die „Freiheit von der Religionsfreiheit“ bestünde, d.h. Atheismus im Sinne, daß kein Über-Ich mehr implantiert wird, fängt das Elend erst wirklich an. Einfach weil es immer Restbestände der alten über-ich-igen Welt geben wird, die wie unwiderstehliche Kristallisationskeime für die lebensfeindliche Reaktion wirken. Das hat ja Stirner selbst gesagt: „unsere Atheisten sind fromme Leute“. Oder etwa, kaum ist die sexuelle Freiheit gegeben, fangen die Leute an mit ihrer „Geschlechtsidentität“ zu experimentieren (manche mit ausdrücklichem Verweis auf Stirner!). Das ist wie bei der Hysterikerin; an sich ein genitaler Charakter, der aber aus Angst vor der Genitalität wirklich alles und jedes „genitalisieren“ kann – nur halt nicht die Genitalität selbst.
Mit anderen Worten: jede Revolution mündet in die Reaktion. Ganz platt „Angst vor der Freiheit“ und deshalb Flucht zurück in noch mehr, in verschärfte Unfreiheit. In diesem Sinne muß auch jede Aufklärung scheitern. Worauf die Katholen, beispielsweise „Pater Brown“, schon immer triumphierend verweisen konnten: der Glauben verschwindet und dafür zieht der pure Aberglaube ein.
Die Lösung kannte Reich aus seiner psychotherapeutischen Praxis: die langsame Akklimatisierung an die gewonnene Freiheit. Evolution. Was natürlich im gesellschaftlichen Feld bedeutet, daß sich die Aufklärung niemals wird durchsetzen können, weil alles so langsam vor sich geht, daß sich die Gegenaufklärung bequem wird durchsetzen können und sich wirklich gar nichts ändert.
Es bleibt dann nur, gemäß Reichs ursprünglichem „Leninismus“, eine Art „Wächterrat“, der das Projekt Aufklärung doch noch am Leben erhält, d.h. den besagten Akklimatisierungsprozeß am Leben erhält, einfach indem er ein Stachel im Fleisch bleibt. Und genau das ist der gesellschaftliche Ort des LSR-Projekts – meiner Meinung nach.
Nach außen hin, mag das wie der ultimative Idealismus aussehen, doch wie Reich, sagte geht aus jedem Sein ein Sollen hervor, aus jeder gegebenen Frage nur eine einzige Antwort. Das ist kein Idealismus, das ist Pragmatismus. Jeder Apfel fällt den „idealen“ kürzesten Weg vom Baum auf die Erde. Alles andere ist Unsinn. Genauso ist alles Unsinn, was nicht LSR entspricht.
Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 84)
20. Oktober 2023[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Daß Burkes Ansichten über die Natur des Menschen sich kaum mit denen Reichs vereinbaren lassen dürften, ist mir durchaus bewußt. Es stört mich auch, daß Robert Harman das in seinem Aufsatz über Burke gar nicht zur Sprache bringt (Edmund Burke and the French Revolution. The Journal of Orgonomy 30(1), Spring/Summer 1996, S. 20-32). Das scheint symptomatisch zu sein, wenn ich etwa an John Bells orgonomische Analyse von Shakespeares Der Sturm denke (Shakespeare’s THE TEMPEST: Cosmic Dimensions, Comedic Transformations. The Journal of Orgonomy 16(2), November 1982, pp. 244-259). Diese ist zwar stimmig und sicherlich richtig, aber Shakespeares Ansichten über die Natur des Menschen… – der verworfene „Caliban“ ist eben nicht der „gepanzerte Mensch“, sondern Shakespeares Vorstellung des Menschen im Naturzustand – der „Kannibale“, der unter zivilisatorische Kontrolle gebracht werden muß. Konkret waren die nordamerikanischen Indianer gemeint (was ganz praktische Folgen hatte…). Genau dasselbe, sogar explizit in Bezug auf die Indianer, findet sich in Burkes Betrachtungen.
Und trotzdem bleibt da bei Shakespeare und Burke ein unaufgelöster Rest: beide berufen sich dann doch ständig und zentral auf die menschliche Natur – auf die imgrunde rationale menschliche Natur, auf das „Gute und Naturwüchsige“. Das ist ein klarer Widerspruch. Man kann ihn übersehen – und hat einen „Reichianisch“ verkürzten Shakespeare und Burke vor sich. Aber immerhin: es ist bemerkenswert, daß diese „Verkürzung“ überhaupt möglich ist.
Was die heutige „Ideologiefeindschaft“ betrifft: mich erinnert der hemdsärmelige Pragmatismus manchmal fatal an ideologiegesteuertes Verhalten. Man hatte das Ziel (etwa die „klassenlose Gesellschaft“) fest im Auge, da man aber keine Beziehung zur Realität besaß, hat man willkürlich und „pragmatisch“ drauflos agiert. Das gemahnt doch fatal an vieles, was heute so abgeht: „Energiewende“, Gentechnik, Euro, etc. Man springt (aus „ideologischen“ Gründen) „pragmatisch“ ins Wasser, ohne zu wissen, wie tief das Wasser ist und ob man mit Bleischuhen und festgebundenen Armen überhaupt schwimmen kann.
Burke hat zum Thema folgendes zu sagen:
Sie sehen, mein Freund, daß ich dreist genug bin, um in diesem erleuchteten Jahrhundert frei zu gestehen, daß wir im ganzen eine Nation von naturwüchsigen Gefühlen sind, daß wir, statt alle Vorurteile wegzuwerfen, sie vielmehr mit Zärtlichkeit lieben und, was noch strafbarer sein mag, daß wir sie eben darum lieben, weil sie Vorurteile sind, und nur um so wärmer lieben, je länger sie geherrscht und je allgemeiner sie sich verbreitet haben. (…) Viele unserer denkenden Köpfe, weit entfernt, im ewigen Kriege mit den Vorurteilen zu leben, wenden ihren ganzen Scharfsinn an, um die verborgene Weisheit, die darin liegen mag, zu erforschen. Wenn sie entdecken, was sie suchten (…), dann finden sie es klüger, das Vorurteil beizubehalten mit der Weisheit, der es zur Hülle dient, als das Gewand wegzuwerfen und die nackte Weisheit stehen zu lassen, weil ein Vorurteil, das ein Prinzip der Weisheit enthält, zugleich eine Kraft, um dies Prinzip zu beleben, und ein Gefühl der Zuneigung, um ihm Dauer zu verschaffen, bei sich führt. (Betrachtungen, Suhrkamp 1967, S. 146f)
DMF (Diderot, Marx, Freud) waren Radikalinskis der „nackten Wahrheit“, die für die Burkes nur Verachtung übrig hatten. Siehe Marx‘ Ausfälle gegen Burke in Das Kapital und Freuds Ausfälle gegen das ozeanische Gefühl.
David Holbrook, M.D.: Liebe, Mut, Kontrolle, Direktheit, Spekulationen über die Motive, Masochisten, Religion, Lebe!
2. Oktober 2023Kontrollieren oder nicht kontrollieren: Ist das die Frage?
Direktheit
Über Spekulationen über die Motive von Menschen, Paraphrasieren und darüber, daß politische Diskussionen manchmal auf Projektionen beruhen
Die Emotionelle Pest macht Menschen zu Masochisten
Die der religiösen Erregung innewohnende Verzerrung
Lebe!
Drei alltägliche Orgon-Beobachtungen
27. September 20231. Um zu wissen, warum Leute dermaßen erpicht darauf sind, sich in die Sonne zu legen und in das in unseren Breiten meist sehr kühle Wasser eines Badesees zu springen, muß man eben das tun: sonnen und baden. Man spürt sofort, worum es geht, um Aufladen und Entladen.
Das ist, was jeder sofort spürt. Nur leider wird das mit lächerlichen Erklärungen weggewischt: man wärmt sich in der Sonne und kühlt im Wasser ab. Was tatsächlich passiert und warum die Menschen derartig süchtig nach dem Badevergnügen sind, ist natürlich etwas ganz anderes: sie laden sich mit „Sonnenorgon“ auf (ich erinnere an Reichs allererste Versuche mit dem Orgon!) und entladen DOR. Das eine stärkt und das andere erfrischt. Und jeder, der nur etwas natürliches Körperempfinden bewahrt hat, weiß, daß es einen gewaltigen Unterschied macht, ob man sich in einem Hallenbad verlustiert und in die eklige Chlorbrühe springt, oder unter freiem Himmel in das Gemisch aus Grund- und Regenwasser.
2. Ein einfach nur herrlicher Sommertag. Eine ruhige schattige Wohnstraße, Linden, parkende Autos. Vom Fahrrad aus fällt mein Blick auf „Bewegung vor der Hecke links“. Ich mache mit einiger Mühe einen jungen Mann aus, auffällige Haarpracht, Dreadlocks, üppig, wie man sie selten sieht. Doch ich muß zweimal hinschauen, um diese interessante Erscheinung überhaupt zu sehen. Es ist so als würde er mit dem Hintergrund verschmelzen, gar nicht richtig da sein, gar nicht dreidimensional vorhanden sein, so als wäre er „flach“ und durchsichtig, auch irgendwie verschwommen, ohne deutliche Konturen. Geradeaus, etwa 20 Meter weiter, sehe ich einen stämmigen Familienvater mit Frau und Kind. Er ist da, solide, dreidimensional, unübersehbar, „straight and square“.
Der erste „Mann“ war eindeutig ein Cannabiskonsument, was zweierlei bedeutet: Erstens Verschwinden die Emotionen und Sensationen treten an ihre Stelle – es wird alles „cool und easy“. Deshalb raucht man das Gras ja auch. Und zweitens wird das organismische Energiefeld „schmutzig“ (DOR), verliert an Strahlkraft und hört auf zu funkeln und vor allem verliert es seine Kompaktheit, es dünnt aus und geht ohne Grenze unmerkliche in das atmosphärische Energiefeld über. Im Englischen sprechen die Hascher treffend von „Spaced Out“. Das Ich verliert an Kohärenz und man fühlt sich eins mit der Welt. Das und die Emotionslosigkeit mindert die Angst. (Weniger schön ist, daß solche Leute sich regelmäßig darüber beklagen, daß sie von der spießigen Welt regelmäßig nicht gesehen bzw. übersehen werden, insbesondere aber auch nicht vom anderen Geschlecht…)
Deshalb, d.h. aus energetischen Gründen, habe ich diese merkwürdige Kreatur nicht wirklich gesehen, deshalb war sie wie ein Gespenst, während der Familienvater, der mit Sicherheit regelmäßig dem Alkohol zuspricht, aus der Umgebung hervorstach. Kein Gespenst, sondern ein wirklicher Mensch! Dieses „Da-Sein“ bzw. eben „Nicht-Da-Sein“ ist ein energetischer Effekt, den zwar alle Menschen wahrnehmen, aber da ihnen die Konzeption und die Begrifflichkeit fehlt, nimmt es eben doch niemand wirklich wahr.
3. Ich sitze im IC an einem Tisch. Neben mir eine junge Mutter, vor mir ihr Gatte und diagonal von mir die Tochter. Vielleicht im Einschulalter. Während ich vor meinem Notebook sitze, starrt mich das kleine Mädchen unentwegt neugierig an, wird schließlich immer unruhiger und quengeliger, um schließlich mit dem Oberkörper immer unruhiger hin und her zu wippen, mit den Beinchen zu schlagen (weil es das Becken nicht bewegen kann) und mit den Armen zu fuchteln, während sie immer faszinierter zu mir hinblickt und die Augen glasig werden. Irgendwann verebbt das und bei der nächsten Station muß die junge Familie den Zug verlassen.
Die Eltern haben nicht reagiert, sich nur vielsagend angeblickt. Es ist kaum auszumalen, welche Tragödien entstehen können, weil diese kranke Gesellschaft keine Ahnung von Genitalität hat. Die medizinische Literatur reiht diese Ausbrüche junger Mädchen irgendwo bei „Paroxysmalen Bewegungsstörungen bei Kindern“ ein.
Gratifikationsphänomene bzw. kindliche Masturbationen: Diese treten vorwiegend innerhalb der ersten 5 Lebensjahre bei Mädchen auf. Typisch sind gekreuzt und aneinander gepreßte Beine bzw. Oberschenkel. Die Kinder wirken abwesend, blicken verklärt, oft bemerkt man eine Gesichtsrötung. Rhythmische Beckenbewegungen sind typisch, können aber auch ganz fehlen. Manchmal pressen die Mädchen ihren Schritt auch gegen Gegenstände (Tisch- oder Stuhlbeine). Versucht man die Kinder anzusprechen, reagieren sie nur unwillig. Beendet man die Bewegung aktiv, werden sie ärgerlich und fahren anschließend wieder damit fort. Es liegen keine psychologischen Konfliktsituationen zugrunde! Die kindliche Masturbation ist von sexualisierten (sic!, PN) Verhaltensmustern – die im Gegensatz hierzu andere Personen miteinbeziehen – zu differenzieren. Die Therapie (sic!, PN) besteht in Abwarten. (Quelle)
Erregte Orgonenergie, energetische Expansion, das Zucken der in einer Membran gefangenen Kreiselwelle.
Unsere Mitmenschen tappen durchs Leben und bekommen praktisch nichts von dem mit, was um sie alltäglich geschieht.
David Holbrook, M.D.: Sentenzen 2
14. September 2023David Holbrook, M.D.: SCHLAF / WAS UNS ZURÜCKHÄLT / DEMOKRATIE / SPEKULATION / LIEBE UND HASS / EINFACHHEIT UND KOMPLEXITÄT
29. August 2023Wer hält dich zurück?
Dingen nachjagen, die es nicht gibt
Die Neuartigkeit von Freiheit und Demokratie
Spekulation
Spekulative Schlußfolgerungen im Vergleich zu Schlußfolgerungen, die auf Beobachtung beruhen
Was wir gemeinsam haben
Wie man denkt
Vertrauen
Das Gehirn ist weiter als der Himmel
Uneinigkeit
Liebe und Haß
Wenn man glaubt, die Motive anderer Menschen zu kennen
Einfachheit gegen Komplexität
David Holbrook, M.D.: POSITIVES DENKEN / MÄNNER, FRAUEN, LIEBE / WUT / DÄMONISIERUNG / VERGEBUNG / POLITIK
28. August 2023Vermeidung, „positives Denken“ und die dunkle Seite
Männer, Frauen, Liebe, Gut und Böse: Brief an einen Skeptiker
An die Wut „glauben“
Dämonisierung ist eine soziopsychologische Krankheit
Das, was man nicht vergeben kann, verzehrt einen am Ende. Die Frage ist, wie man zu echter Vergebung gelangt
Politik und unser persönliches Gepäck

















