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ZUKUNFTSKINDER: 4. Geburtshilfe, a. Das soziale Umfeld des Fötus

14. Februar 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

4. Geburtshilfe, a. Das soziale Umfeld des Fötus

Grundelemente einer orgonomischen Soziologie (Teil 4)

16. Januar 2013

Man kann unsere Beziehung zum gigantischen Organismus der Arbeitsdemokratie über das zentrale Moment der natürlichen Selbststeuerung verstehen: das Ganze und seine Teile existieren in gegenseitiger Abhängigkeit.

Versucht etwa das Ganze auf Kosten einzelner Teile zu leben, wird es sich nur selber schädigen. Das gleiche gilt für das Teil, das nicht überleben könnte, wenn es im Widerspruch zum Ganzen stünde. Dies wiederholt sich auf allen Ebenen:

sozioteilganz

Beispiele sind:

  • Deutschland, das Anfang des 20. Jahrhunderts das europäische Gleichgewicht zu zerstören drohte;
  • die Marktwirtschaft kann ohne den „ehrbaren Kaufmann“ nicht existieren, die Demokratie nicht ohne den „gesetzestreuen Bürger“ – „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ ist der Beginn von Anarchie und Diktatur;
  • wir alle kennen die Unmöglichkeit eines gedeihlichen Zusammenlebens, wenn es keine Leitkultur gibt, an der sich alle orientieren (beispielsweise ein gewisses Maß an Großmut und Ritterlichkeit im alltäglichen Umgang mit vollkommen Fremden – Dinge die außereuropäischen Kulturen teilweise vollkommen fremd sind);
  • für die organischen und zellulären Ebenen gilt ganz allgemein: Krankheit ist der Zerfall der Ganzheit, der Einheit, des einheitlichen Funktionierens und Reorganisation auf niederen Ebenen. Am Ende steht die Apoptose, der Zerfall der Zellen in ihre Organellen.

So sind weltweites politisches Chaos, Anarchismus, Drogensucht und krebsiger Gewebezerfall in T-Bazillen unvereinbar mit Selbststeuerung, zumal sie ihre ebenfalls anti-arbeitsdemokratischen Gegenteile heraufbeschwören: hegemonistischer Imperialismus, Polizeistaat, Spießertum und bösartige Geschwulste. Auf die Wirtschaft übertragen lehnt deshalb die Orgonomie einen rücksichtslosen „Manchester-Kapitalismus“ des Jeder-gegen-jeden genauso ab wie einen rigiden kollektivistischen Staatskapitalismus.

In Die Massenpsychologie des Faschismus hat Reich diesen Sachverhalt wie folgt beschrieben:

Es ist (…) die politische Zerklüftung der Gesellschaft, die die Staatsidee, und es ist umgekehrt wieder die Staatsidee, die die soziale Zerklüftung erzeugt. Es ist ein circulus vitiosus, aus dem man nur herausspringen kann, wenn man sowohl der Zerklüftung wie der Staatsidee auf den Grund geht und beide auf einen gemeinsamen Nenner zurückführt. Dieser dritte Nenner ist (…) die irrationale Charakterstruktur der Menschenmassen.

Orgonometrisch kann man dies wie folgt fassen:

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Um also den über der Gesellschaft stehenden Staat unnötig zu machen, muß man die Charakterstrukturen der Menschen verändern. Ohne vorher dieses angegangen zu haben, den Staat abschaffen zu wollen, würde nur zu mehr Chaos und von dort zur Gegenreaktion führen, und so weiter im Kreis, bzw. in der Falle. Nur durch eine Änderung des CFPs (Gemeinsamen Funktionsprinzips) ist dem schädlichen Kreis zu entrinnen:

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Ein CFP bestimmt die potentiell unendlichen Variationen, die das ganze System bilden:

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Das CFP ist der eine Zentralpunkt, an dem man alles „aus den Angeln heben kann“. Die Gesellschaft ist nicht durch Manipulationen an den Variationen veränderbar, man verfängt sich nur im Netz, sondern einzig durch eine radikale Veränderung, einen Austausch der Wurzel (radix).

Genau auf diese Weise wurde seit Anfang der 1960er Jahre geradezu systematisch eine autoritäre Gesellschaft in eine anti-autoritäre Gesellschaft umgewandelt: durch eine fundamentale Änderung der Kindererziehung (sozusagen der „Charakterproduktion“) wurde das CFP der Gesellschaft und damit alles verändert. Man frage einen beliebigen Therapeuten: heute gibt es kaum noch die klassischen Neurosen, während alle Arten von „Frühstörungen“, Suchterkrankungen und schrillen Symptomen wuchern. Mit den desorganisierten Menschen hat sich entsprechend die Gesellschaft verändert, die wiederum die Charakterbildung der Kinder bestimmt – und so weiter im Teufelskreis.

Revolutionäre Veränderungen sind möglich! Schließlich umfaßt eine Generation gerade mal lächerliche 30 Jahre! Jeder kann etwas tun, schlicht dadurch, daß er nicht mitmacht bei der gegenwärtigen „Kultur“. Stichworte sind „Straight Edge“, das Hochhalten bürgerlicher Tugenden und das Angehen gegen die „Sentimentalisierung“ („Betroffenheit“) im öffentlichen Diskurs. Ich verweise auf Reichs Schrift Was ist Klassenbewußtsein?.

Nachdem sich innerhalb der Familie die „Charakterproduktion“ verändert hat, funktioniert der Charakter autonom und entwickelt eine Eigendynamik, die vollkommen unabhängig von sozioökonomischen Bedingungen ist. Reich hat das in der Massenpsychologie des Faschismus dargestellt.

Was hat konkret den etwa 1960 beginnenden Umbruch von einer autoritären (triebgehemmten) in eine antiautoritäre (triebhafte) Gesellschaft zunächst in Amerika und dann im gesamten Westen hervorgerufen? Es war der Triumphzug der mechanistischen, „maschinenhaften“ Lebensanschauung, wie Reich ihn in Massenpsychologie des Faschismus beschreibt. Der Mensch verstand sich zunehmend als Maschine, was zu einer Loslösung vom bioenergetischen Kern führte.

Dazu die folgende Stelle beim Doyen der amerikanischen Verhaltenspsychologie, John B. Watson, der 1928 in seinem viel beachteten Buch Psychological Care of Infant and Child die amerikanischen Mütter warnte:

Man kann Kinder auf vernünftige Art und Weise behandeln. Behandeln Sie sie wie junge Erwachsene. Kleiden und baden Sie sie vorsichtig und umsichtig. Verhalten Sie sich selbst stets sachlich und freundlich-streng. Küssen und umarmen Sie sie niemals, und lassen Sie sie auch nicht auf Ihrem Schoß sitzen. Wenn es sich nicht vermeiden läßt, küssen Sie sie auf die Stirn, wenn Sie gute Nacht sagen. Schütteln Sie ihnen morgens die Hand. Geben Sie ihnen einen Klaps auf den Kopf, wenn sie eine schwierige Aufgabe besonders gut gelöst haben. Versuchen Sie es. Innerhalb einer Woche werden Sie feststellen, wie einfach es ist, Ihrem Kind gegenüber vollkommen sachlich und doch freundlich zu sein. Sie werden sich zutiefst dafür schämen, wie rührselig und gefühlsduselig Sie früher mit ihm umgegangen sind (…) Deshalb dürfen Sie nie vergessen, wenn Sie in Versuchung geraten, Ihr Kind zu verwöhnen, daß Mutterliebe ein gefährliches Werkzeug ist. Ein Werkzeug, das eine niemals verheilende Wunde aufreißen kann, welche die Kindheit unglücklich und die Jugend zum Alptraum machen kann, ein Werkzeug, das die berufliche Zukunft Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter und ihre Chancen auf Eheglück zunichte machen kann. (z.n. Jeffrey M. Masson: Wenn Väter lieben, München 2000, S. 237)

Hinzu kam der verhängnisvolle Einfluß der Psychoanalyse, man solle durch zu große Nähe nicht den Ödipuskomplex provozieren, und überhaupt die Manie, alles zu „analysieren“. Das Resultat waren haltlose, verunsicherte Menschen, die zwar alles „hinterfragen“, aber niemals zum Kern der Sache vordringen.