Posts Tagged ‘The Who’

ZUKUNFTSKINDER: 4. Geburtshilfe, a. Das soziale Umfeld des Fötus

14. Februar 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

4. Geburtshilfe, a. Das soziale Umfeld des Fötus

Wilhelm Reich und unsere Ahnen

13. August 2015

Es ist offensichtlich, daß Reich mit persönlichen Dämonen gerungen hat, die zu seinem frühen, tragischen Tod beigetragen haben. William Schlamms „Theorie“ habe ich bereits referiert, bei Reichs Biographen Myron Sharaf ist es der Selbstmord der Mutter, für den Reich sich verantwortlich fühlte, andere führen den frühen sexuellen Mißbrauch an, dem Reich angeblich zum Opfer gefallen ist.

Nun, Reichs „Humorlosigkeit“, der auch seinem Freund Alexander Neill aufgefallen war, bezog sich hauptsächlich auf sexuelle Witze und Zoten. Reichs Sekretärin und zeitweilige Geliebte Lois Wyvell hat dazu gefragt, was denn beispielsweise an einem ästhetisch und emotional ergreifenden Sonnenuntergang „lustig“ sei. Nun, was ist dann an der Genitalen Umarmung „witzig“? Was am Leid der orgastischen Impotenz – daran, daß die überwiegende Mehrheit der Menschheit in einem „energetischen Sumpf“ lebt?

Was die Tragödie der Familie Reich betrifft: in einem seiner allerersten psychoanalytischen Aufsätze hat er diesen Fall, entsprechend verfremdet, lang und breit ausgewalzt, hat oft darüber mit Freunden (meist psychoanalytische Kollegen) gesprochen – es war nichts, was er verdrängt hat.

Und schließlich die frühen sexuellen Erfahrungen: die hat er mit fast allen Kindern von Großgrundbesitzern geteilt. Überhaupt: ständig haben sich irgendwelche Nutztiere begattet und all die Mägde und Knechte hatten kaum eine andere Freude im Leben als einander zu beglücken – und zumindest im Sommer alle Möglichkeiten der Welt.

Ich möchte auf all dies nicht weiter eingehen, sondern meine eigene Theorie vortragen 😉

Gleich bei der ersten Lektüre bin ich über eine der unsinnigsten Stellen in Reichs Werk gestolpert:

Ich bin ein biologischer und kultureller Mischling (mongrel), und ich bin stolz, das geistige und körperliche Ergebnis aller Klassen und Rassen und Nationen zu sein, und nicht reinrassig wie du, noch reinklassig wie du, noch chauvinistisch wie du, kleiner Faschist aller Nationen, Rassen und Klassen. (Rede an den Kleinen Mann, S. 37).

Diese Aussage ist, zumindest was die Biologie betrifft, nicht nur schlicht Unsinn, sondern einfach nur ungeheuerlich, denn sowohl Reichs Vater als auch seine Mutter (die Ronigers) konnten auf eine lange ungebrochene Vorfahrenreihe aus Rabbinern zurückblicken. Man braucht sich Reich nur anzuschauen und etwa mit David Ben-Gurion oder Ariel Scharon zu vergleichen, um sofort zu sehen, daß er „reinrassiger“ Jude war. (Untersuchungen des Genoms von europäischen Juden scheinen Reich aber eher recht zu geben.)

Liest man die Biographien, die seine Frau Ilse Ollendorff und sein Mitarbeiter Sharaf über ihn geschrieben haben, fällt auf, daß Reich sich mit Gewalt von seinen familiären Wurzeln losgerissen hat und beispielsweise auch nichts mit der Familie seiner Ehefrau zu tun haben wollte. Ein Mann ohne Herkunft und ohne nationale Identität. Jemand, dem am Ende sogar der Gedanke kam, sein Vater wäre nicht Leon Reich, sondern ein „Außerirdischer“ gewesen (Das ORANUR-Experiment: Zweiter Bericht).

Wenn Reich einen „Knall“ hatte, dann kreiste er primär um seine Herkunft bzw. um deren einfach nur als krankhaft zu bezeichnende Leugnung.

Es ist müßig, über die Ursachen für dieses neurotische Symptom zu spekulieren. Wir würden nur im üblichen „psychohistorischen“ Geschwafel ertrinken. Viel wichtiger ist die Frage nach den Folgen für Reich und ganz allgemein für die Orgonomie, die von Reichs Persönlichkeit geprägt wurde.

Man fügt sich selbst schweren Schaden zu, wenn man sich von seinen Vorfahren abwendet. Sie leben in uns fort, ob wir es wollen oder nicht, ob es in unsere Weltanschauung paßt oder nicht. Das kann jeder bezeugen, der adoptiert wurde (oder seine Existenz gar einer künstlichen Befruchtung verdankt) und nichts über seine biologische Herkunft weiß. Man denke nur an Alex Haleys Lügenmärchen Roots: The Saga of an American Family, das von der Sehnsucht nach „Wurzeln“ spricht.

Wie nicht zuletzt Haley zeigt, war, historisch gesehen, bis vor kurzem das Wissen um die Vorfahren, um die Stellung in der Ahnenreihe, das wichtigste Wissen überhaupt, das ein Mensch haben konnte. Seit der Aufklärung wurden diese Bande zunehmend zerrissen. Ein „Progressiver“ wie Reich hat das ganz bewußt getan.

Die oben zitierte Stelle aus seiner Rede an den kleinen Mann beginnt mit dem Satz:

Ich bin der einzige in dieser Welt, der zu bestimmen hat, wer ich bin, und niemand sonst.

Klingt gut, aber – man kann nicht „aus seiner Haut raus“. Niemand kann seinem biologischen Erbe und seiner kulturellen Prägung entgehen. Billwerder-Moorfleet, Hamburg und den Genmix meiner Eltern werde ich ewig in den Knochen haben. Diese Wurzeln zu leugnen, ist so, als würde ich mich nicht mit meinem Körper identifizieren.

Seinem Schüler Elsworth F. Baker sagte Reich, ein Jude sei jemand, der regelmäßig in die Synagoge gehe. Womit Reich zu verstehen gab, daß er selbst und auch keiner seiner Schüler ein Jude sei. Baker hat das ganz und gar nicht überzeugt. Tatsächlich ist es ziemlicher Quatsch!

So zu tun, als ob man irgendwie nicht in diese Welt gehört, ist purer, krankhafter Mystizismus, der es schwer macht, sich rational zu verhalten. Es geht dabei natürlich nicht um das intellektuelle Wissen, daß meine Familienlinie auf, sagen wir mal, einen spanischen Söldner im 30jährigen Krieg oder einen obskuren slawischen Volksstamm im östlichen Polen zurückgeht, sondern um die emotionale Erfahrung Teil einer in Raum und Zeit verankerten Geschehniskette zu sein.

Man lese etwa die Geschichten auf der Weltseite der iGENEA Gentest.ch GmbH. Bei der iGENEA kann jeder mit Hilfe genetischer Testverfahren feststellen, woher er kommt. Erstaunlich sind die Geschichten, wo Leute unerklärliche Affinitäten zu bestimmten Dingen hatten und sich nach einer solchen Genanalyse herausstellt, daß die Vorfahren, von deren Existenz man nichts ahnte, ganz offensichtlich damit zu tun hatten.

In der Orgonomie dreht sich alles darum, wirklich im dreidimensionalen Raum zu sein, der nicht leer, kein bloßes Konzept ist, sondern von einem energetischen Medium, dem Orgon, angefüllt ist. Er ist etwas Lebendiges. Genauso sind wir Teil des lebendigen Stromes der Zeit. Reich:

Leben hat keine festen Vorstellungen davon, was in der Zukunft geschehen wird. Leben läßt diese Dinge ihren natürlichen Lauf nehmen. Die Zukunft erwächst aus dem ständigen Strom der Gegenwart, wie auch die Gegenwart aus der Vergangenheit hervorgeht. Sicherlich gibt es Gedanken, Träume und Hoffnungen für die Zukunft; aber die Zukunft beherrscht nicht die Gegenwart, wie dies beim gepanzerten Leben der Fall ist. (Christusmord, S. 72)

Dieser Film ist nicht nur ein Beispiel für Ahnenforschung, sondern auch ein Dokument der Sexualökonomie, Emotionellen Pest und Modjus in den 1930er Jahren!