Posts Tagged ‘LaMettrie’

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 147)

6. August 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

So gut wie alles, was seit 1845 über Max Stirner geschrieben wurde, also über sein Buch Der Einzige und sein Eigentum, ist für die Tonne. Allgemein ist es einfach nur abstoßend, wie sich irgendwelche Sonderlinge in ihrer „Einzigkeit“ wälzen, einem radikalen Nominalismus frönen, über „das Nichts“ meditieren und sich an ihrer eigenen Bilderstürmerei berauschen. All die Bibliotheken die seit fast 200 Jahre mit diesem Zeugs gefüllt wurden, sind allenfalls zu einem einzigen gut: das dingfest zu machen, dem nicht nur alle ausgewichen sind, sondern das durch diese Papierflut auch auf ewig unerreichbar begraben werden sollte.

Was ist am Grunde des Berges, im Zentrum, weit unten unter dem Gipfel des Papierhaufens, sozusagen die geheime Grabkammer des Pharaos? Es ist der Kern von Stirners Nominalismus. Sein „Nominalismus“ bedeutet, daß es keine „abstrakten Objekte“ gibt, d.h. Begriffe bloße Werkzeuge sind, unsere Werkzeuge – und keinerlei Macht über uns haben sollten. In der amerikanischen Fassung der Massenpsychologie des Faschismus hat Reich ein ganzes Kapitel darüber geschrieben: darüber wie aus unseren Werkzeugen unsere Herrscher wurden. Letztendlich geht es um die Panzerung, deren psychischer Aspekt das Über-Ich ist.

Es geht darum, daß wir uns nicht mittels eines bloßen Willensaktes aus dieser imgrunde lächerlichen Sklaverei befreien können, sondern „nur“ darum, (1.) uns unserer Situation bewußt zu werden und (2.) entsprechend ZU HANDELN, was vor allem heißt, jede Generation so aufwachsen zu lassen, daß sie wirklich „eigener“ sind als die jeweils vorausgehende Generation. Es geht um ein Reha-Programm nach 6000 Jahren in einem psychiatrischen Horrorhospital.

Stirner bedeutet eben nicht, daß, frei nach Hume, die Seele keine Substanz hat, d.h. nur Oberfläche ist, oder ähnlich wie bei Nietzsche alles nur wesenlose Worte und Handlungen sind („Alles ist nur Maske und nichts außerdem!“), wir also wie bei einer CSD-Umzug unsere geschlechtliche Identität frei wählen können, sondern Stirner verweist auf eine Realität hinter dem Virtuellen: die Maske verweist auf einen Maskenträger. Mit anderen Worten: die Wirklichkeit ist nicht so wie sie nun mal halt ist, Nietzsches „Amor fati!“, sondern es herrscht der Große Verdacht, daß zwar alles falsch ist, sich aber hinter der Lüge eine Wahrheit verbirgt.

Das erinnert etwas an Marx‘ Wert- und Fetisch-Theorie: die Preise fluktuieren zwar, aber das ist nicht die wirkliche Wirklichkeit, denn sie hängen mit wenig flexiblen sozusagen „Gummibändern“ vom Wert ab, entsprechend leben die Menschen nicht unbekümmert in einer schönen Warenwelt, sondern waten tatsächlich durch das Blut der den Arbeitern abgepreßten Lebenszeit, die den Wert der Waren bestimmt. Das entspricht ziemlich genau Stirners „Gespinsten“, die die Menschen davon abhalten, die wirkliche Wirklichkeit zu sehen. Bei Nietzsche gibt es keine wirkliche Wirklichkeit, sondern nur die Aktualität, nur Oberfläche, nur „Willen zur Macht“ (das eben kein metaphysisches Konzept ist!). Das zu erkennen, ist der „Große Mittag“: du erkennst, daß alles so ist, wie es ist (Amor fati) und ewig so wiederkehren wird, weil es nichts weiter gibt als das Puzzle der Wirklichkeit, das wie eine Uhr mit Notwenigkeit immer zur gleichen Konstellation zurückkehren muß. Bei Nietzsche ist der Einzige damit nicht „unerschöpflich“ wie Gott, sondern identisch mit der Welt.

Marx hat Stirner „überwunden“, indem er alles auf Ökonomie reduzierte und Stirner als „Fetischisten“ entlarvte, während Nietzsche Stirner (und Marx) „überwandt“, indem er aus Stirners „Alles was man von Gott sagt, trifft auf mich zu!“ das „Gott“ strich. Es gibt keinen „Einzigen“ und er kann kein „Eigentum“ haben, da alles eins ist.

Im krassen Gegensatz zu Nietzsche war Laska zeitlebens ein Revolutionär, der die Wirklichkeit, „wie sie nun mal aktuell ist“, bis aufs Blut haßte. Das einzige, was er als authentisch (sozusagen als „nichtvirtuell“) anerkannte, war die Natur (inklusive noch über-ich-freie Kinder) und „theoriefreie“ Technik, wie sie sich einem Ingenieur darstellt. Marxist konnte er nicht sein, weil die Werttheorie letztendlich Metaphysik ist (kaum mehr als Aristoteles und Thomas von Aquin!) und Nietzscheaner konnte er nicht sein, weil er die Menschenwelt nicht als unwandelbare „Natur“ akzeptierte.

Problem ist, daß Laska diese meine Ausführungen nie und nimmer unterschrieben hätte, weil er immer „Mißverständnisse“ vermeiden wollte. Deshalb sein Rückzug auf die Darstellung der Rezeptionsgeschichte, sozusagen auf eine Aktualität, die sich selbst transzendiert, weil ihre inneren Widersprüche so evident sind. – Aber wer läßt sich darauf wirklich ein? Laskas Funde werden zur Kenntnis genommen und dann, wie etwa bei Ursula Pia Jauch (LaMettrie) oder Rüdiger Safranski (Nietzsche), in irgendwelche Theoriekonstruktionen verwurstet. Stirnerianer nehmen sie zur Kenntnis und machen dann unbekümmert weiter mit ihrem bizarren Stirner-Kult, der (genau wie der Mohammed-Kult im Islam) nur ihre eigenen Perversionen, Idiosynkrasien und Beschränktheiten ideologisch untermauern soll.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 145)

28. Juli 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

1929 hat Reich in seiner Schrift Psychoanalyse und Dialektischer Materialismus Marx als Verkörperung der Bewußtwerdung der ökonomischen Gesetze, bzw. der ökonomischen Ausbeutung, gedeutet und parallel dazu Freud im Bereich des Sexuellen die gleiche Stellung zugewiesen (die Lebensreform- und Mentalhygiene-Bewegung seit der Zeit des Jugendstils). Alles im Sinne des Historischen Materialismus, dem sich Reich kurz zuvor verschrieben hatte. Später, mit Verstreichen der 1930er Jahre, hat er das dann zunehmend im Sinne einer „objektiven Logik“ gesehen, der Logik der Entfaltung der „vegetativen Energie“ und sich selbst als bloßes Werkzeug dieser Logik. Es ist nur konsequent Stirner an die Stelle von Marx zu setzen und Reich selbst an die Stelle von Freud. Und das dann auf LaMettrie auszudehnen, der an die Stelle von Kant und Rousseau tritt.

Apropos „Wellen“: Kann man Schopenhauers und Nietzsches Einfluß auf die Deutschen unterschätzen? Aber die beiden sind auch nicht vom Himmel gefallen, sondern wurzeln in der romantischen Strömung. Es ist immer die Frage nach dem Huhn und dem Ei. War zuerst die gesellschaftliche Strömung da, die in Deutschland zweifellos bis auf die Bauernkriege und dann den 30jährigen Krieg zurückgeht, dann der Pietismus, etc. also „das Huhn“ – oder war es „das Ei“, irgendein Denker. Kann man etwa Luthers Einfluß überhaupt unterschätzen? Was ist die „Ideengeschichte“ neben der „materiellen Geschichte“? Man nehme etwa die Rolle der „ideelen“ Jugendmusik (d.h. Negermusik) und der „materiellen“ Pille in den letzten 60 Jahren!

Nach Reich war etwa Hitler vollkommen unbedeutend, ein echter Fliegenschiß in der Geschichte. Bedeutsam wurde er nur, weil seine Charakterstruktur so paßgenau zu der des durchschnittlichen Deutschen gepaßt hat. Aber wo wären wir heute ohne Hitlers nicht weiter reduzierbaren persönlichen Idiosynkrasien? Ein mehr maritim orientierter Mensch hätte den Krieg gewonnen: die ansonsten ziemlich nutzlose deutsche Marine überfällt Leningrad, Gibraltar, ohne das das Britische Empire nicht lebensfähig ist, wird von einem mit deutschen Konzessionen überschütteten Spanien heim geholt und eine weitaus größere U-Boot-Flotte sperrt den Atlantik. Das hätten weder Rußland noch England überlebt und Italien hätte keinen Schaden mehr anrichten können.

Es gab zwei alles entscheidende Umbrüche in der Menschheitsgeschichte: etwa 4000 Jahre vor Christi die Entstehung der Panzerung („der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral“) und etwa 1960 der (Anfang des) Zusammenbruch(s) eben dieser Panzerung („die sexuelle Revolution“). Das ist der Wechsel von der autoritären zur antiautoritären Gesellschaft und die Umstrukturierung des Menschen von der Muskel- zur Augenpanzerung. In Begriffen des Über-Ichs der Wechsel von einem mehr oder weniger in die psychische Struktur gut integrierten Über-Ich zu einem „isolierten Über-Ich“, wie Reich es bereits 1925 in seiner Beschreibung von „Lumpenproletariern“ und „Perversen“ beschrieben hat (Der triebhafte Charakter). Dieses „isolierte Über-Ich“ agiert wie eine unkontrollierbare autodestruktive Triebregung und führt zu Drogenmißbrauch, Selbstverstümmelung und all dem, was heute die „woke“ antiautoritäre Gesellschaft und ihr ausgeklügeltes Selbstmordprogramm auszeichnet.

Die philosophischen Strömungen mit „gesellschaftlicher Relevanz“ sind all die, die den besagten welthistorischen Umbruch entweder getreulich widerspiegeln (insbesondere die „Dekonstruktion“ a la Derrida) oder sich ihm explizit entgegenstellen (all die sich politisch verdächtig machenden Philosophen, beispielsweise, keine Ahnung, Sloterdijk?) bzw. über ihn hinausweisen (Laska).

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 143)

22. Juli 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Generation auf Generation wurden die Menschen seit mindestens 6000 Jahren geschädigt. Insbesondere wurde ihre Fähigkeit zur Selbstregulation in Mitleidenschaft gezogen. Diese ist schlichtweg die Grundlage jedweden Lebens. Drehe ich einen Stein um, bleibt er so liegen. Mache ich das gleiche mit einer Schildkröte, wird sie alles tun, um wieder auf dem Bauch zu landen. Jedes Lebewesen weiß instinktiv, welcher Zustand der beste für es ist und tut entsprechend alles, um diesen Zustand zu erreichen. Nur beim Menschen wurde dieser Instinkt systematisch zerstört und gleichzeitig auch die organismische Beweglichkeit, um den besagten Zustand auch zu erreichen. An die Stelle des Instinkts sind künstliche Vorgaben getreten (das Über-Ich), die nie wirklich optimal und situationsangemessen sein können. Gerechtfertigt werden sie durch die allgemeine Lähmung und Unbeholfenheit der Menschen.

LaMettrie, Stirner und Reich (LSR) haben jeweils dieses wahnwitzige System aus zerstörter Selbststeuerung, „Verkrüppelung“ und einem denkbar schlechten Ersatz (moralische Regulierung, sozusagen „innere Planwirtschaft“) in Frage gestellt.

Die Menschheit befindet sich in der verzweifelten, ausweglosen Lage, eines geistig behinderten Krüppels, der nur schwachsinnige Zwangsgedanken im Kopf hat. Intellektuell sensiblere Menschen können die Situation des gepanzerten Menschen mangels der richtigen Kategorien zwar nicht verbalisieren, aber sie ahnen es und angesichts des sich auftuenden Abgrunds wird ihnen schwindelig, so daß sie nicht mal etwas sagen würden, wenn ihnen diese Kategorien auf dem Silbertablett präsentiert werden.

6000 Jahre haben den Seelenkrüppeln jedes Selbstvertrauen genommen, so daß sie sich ein Leben ohne Über-Ich nicht mehr vorstellen können, so wie ein Krüppel sich nicht mehr ohne Krücken auf die Beine traut. In diesem Zusammenhang finde ich Laskas Satz auf S. 6 seiner Korrespondenz mit dem Philosophen Hermann Schmitz bemerkenswert: „Die Konsequenz dessen, was [Schmitz] mit ‚sittlicher Leerlauf“ andeutend umschreib[t], der ‚Absturz [!, BAL] in schrankenlose Beliebigkeit‘ (…), scheint gerade diejenigen bis ins Mark zu schrecken, die sich die tiefsten Gedanken machen.“ Noch schlimmer: es trifft sie so ins Mark, weil die Krüppel auch bösartig geworden sind, ähnlich Werwölfen oder Vampiren. Sie von ihren moralischen und körperlichen Schranken zu befreien, würde die Hölle auf Erden freisetzen.

Da man nicht sieht, daß das Antisoziale erst durch die Unterdrückung der primären Triebe entstanden ist, wurstelt man sich irgendwie durch, d.h. versucht auch das Über-Ich und dessen Auswüchse einzudämmen. Rousseau (als Gegenspieler LaMettries) ist ein passendes Beispiel mit seiner Verdammung der schädlichen Wirkung der Zivilisation und der gleichzeitigen Dressur der wilden Natur seines Zöglings Emile. Nietzsches (Gegenspieler Stirners) „blonde Bestie“, ist die durch Zucht und Ordnung gesteigerte „Natur“ a la dem Geigenvirtuosen Heydrich, Hitlers „musischer Mensch mit soldatischer Gesinnung“. Freud (Gegenspieler Reichs) steht uns näher: einerseits waren die Triebe für ihn antisozial, andererseits erzeugte deren Unterdrückung die Neurosen. Als Arzt, dem es um das Individuum zu tun ist, war er deshalb für die Befreiung der Triebe, als Staatsbürger jedoch für deren Unterdrückung. Meines Erachtens warf er Gross, Ferenczi und Reich vor sich aus diesem Dilemma herauszustehlen, indem sie eine Harmonie zwischen diesen beiden Faktoren postulierten, die nach Freuds Auffassung illusorisch war. Das gleiche findet sich haargenau auch im Dialog zwischen Schmitz und Laska: während Schmitz den virtuosen „Wellenreiter“ mimt, der unglaublich differenziert durch die unaufhebbaren Dilemmata des Lebens hindurch gleitet, wirkt Laska wie ein naives Kind, das sich eine blutige Nase an der nächsten überstehenden Klippe einfangen wird. Freud und Schmitz versuchen sich keine Blöße zu geben, indem sie etwa den Status quo verteidigen. Nein, sie sind durchaus für „Reformen“, aber solche – die den Status quo nicht gefährden.

Es ist immer die haargenau gleiche Diskussion: Rousseau, Freud, Schmitz. Alle vermeinen, die Kultur gegen die Sexualität verteidigen zu müssen, die aber durch ihre Unterdrückung noch gefährlicher werde. Gross, Ferenzci und Reich können so argumentieren, wie sie argumentieren, weil sich die vermeintliche „Bestie“ bei ihrer Befreiung als gutartig erweisen wird und weil es ohnehin diese „Bestie“ war, die ursprünglich die Kultur geschaffen hatte. Man kann sich also fallenlassen, während Rousseau, Freud, Schmitz ängstlich am Rande des vermeintlichen Abgrund erstarren.

Daß es, wie bereits angedeutet, diesen Abgrund wirklich gibt, er aber anders geartet ist, dazu im nächsten Teil mehr.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 139)

22. Juni 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Was wollte Laska? Was hat ihn getrieben? Für sich selbst Klarheit schaffen im Gewirr des intellektuellen Lebens. „Selbstvergewisserung“, wie er selbst immer wieder sagte. Warum aber dann ein lohnloser Achtstundentag am LSR-Schreibtisch, all seine Veröffentlichungen und Korrespondenzen? Warum hat er nicht einfach sein Leben genossen, indem er mit seinen geliebten Hunden durch den nahen Nürnberger Wald spazierenging? Weil er einer Utopie anhing. Zitat aus seiner Website: https://www.lsr-projekt.de/wrnega.html

Reich schloß seinen Aufsatz über den Erziehungszwang mit den Worten: „Wir müssen daran denken, daß die ursprüngliche lebendige Kraft, die der Erziehungszwang zähmen will, aus sich selbst heraus einmal Kultur geschaffen hat. Man darf großes Zutrauen zu ihr haben. Ist es gewagt, zu behaupten, daß sich das Leben seine notwendigen Daseinsformen selbst am besten zu schaffen vermag?“ Das war die Grundformel einer nichtpräskriptiven Utopie, die das Dilemma moderner Philosophie, in das sie der Zwang zur Vermeidung des sog. naturalistischen Fehlschlusses führt, überwindet.

In diesem Sinne war Laska ein Getriebener. „Das Leben“ in ihm hat nach außen gestrebt hin zu einer Utopie. Der Eigner (im Sinne Stirners) sehnt sich nach dem Verein – auch wenn der Jahrhunderte entfernt ist. Der Verein schafft sich in der Kooperation der Individuen spontan seine Regeln gemäß dem „rationalen Über-Ich“.

LaMettrie, Stirner und Reich haben durch ihren frühen, elenden Tod ihr Leben „geopfert“, weil sie sich ansonsten selbst verraten hätten. Aber wie das formulieren, ohne daß man im Sinne Hegels, Nietzsches und Heideggers vom Geist/Willen/Sein schwafelt, das einen benutzt, um sich zu verwirklichen – Stichwort „irrationales Über-Ich“?

Bei ihrem letzten Treffen, als sie über die sozialen Konsequenzen der Psychoanalyse sprachen und Reich für seinen sozialen Aktivismus warb, meinte Freud zu ihm „Der Eros [Geist/Lebenswille/Sein] wird eine Anstrengung machen“, was Reich zutiefst befremdet hat. Erinnert irgendwie an das „Verhältnis“ von Stirner und Schopenhauer, LaMettrie und Rousseaus „Naturkult“.

Die eigentlichen Feinde von LSR. Oder: Peter offenbart die letzten esoterischen Geheimnisse der Weltverschwörer (Teil 1, das orgonotische System)

18. Juni 2024

Die wahren Feinde von LSR sind nicht die üblichen Verdächtigen, etwa die Katholische Kirche oder irgendwelche Gutmenschen. Nein, es sind die, die den Glauben und den Altruismus verfluchen und die nur sich selbst anbeten – die kein höheres Wesen über sich anerkennen und deshalb in ihrem Tun frei von jedweder Moral, Ethik und Mitmenschlichkeit sind bzw. vermeinen zu sein. Teilweise sind sie sogar Anhänger von LaMettrie, Stirner, Reich und – Bernd A. Laska.

Wenn man nicht die Abbildung unten vor Augen hat, könnte man irrigerweise glauben, daß die Welt von Anhängern Max Stirners beherrscht wird, also daß die Weltverschwörer Stirnerianer sind. Hans G. Helms und Alexander Stulpe haben sehr dicke Bücher darüber geschrieben.

Um zu den Weltverschwörern zu gehören, mußt du dich zu den sieben Todsünden Trägheit, Neid, Völlerei, Wollust, Habgier, und schließlich Hochmut, d.h. zu Luzifer, bekennen, um schließlich, siebentens, im Zorn und im Namen Satans unaussprechliche Dinge zu tun, die dich, vom Über-Ich befreit, auf ewig aus der menschlichen Gemeinschaft ausschließen…

…schau dir die Kreaturen an, die ihre Seele an den Teufel verkauft haben, die Entertainer (Marke Madonna) mit ihren Musikvideos und die Politiker (Marke Macron) mit ihrer bösartigen Politik! EINFACH MAL DIE AUGEN AUFMACHEN! Die sieben Sprossen der „Stairway to Heaven“ führen schließlich zum letzten Raum im Schloß der blutigen Bestie:

Der Film zeigt das, was sie aus Kubricks Eyes Wide Shut herausgeschnitten haben…

Du willst mir sagen, daß ich dem Marquis de Sade, den bekennenden Satanisten Marx und Lenin und polymorph-perversen Psychoanalytikern wie Isidor Sadger und Paul Federn folgen soll?! DMF (Diderot, Marx, Freud) statt LSR?!

Drogenmißbrauch insbesondere Cannabis (Trägheit), Neid („Kleiner Mann“), Völlerei, Wollust und Habgier (orgastische Impotenz) und Hochmut (die Verlagerung von Energie weg vom Genital in den Kopf: „Hochnäsigkeit“) und schließlich sexueller Kindesmißbrauch und Mord (die blutige Zerstörung von Genitalien) sind das, wofür AUSGERECHNET LaMettrie, Stirner und Reich stehen sollen?!

Ich kann nur immer und immer und immer wieder und wieder und wieder auf Reichs Dreischichtenschema verweisen:

Das DOR in der Mitte wird sequestriert werden und die Fassade wird den Kern ausdrücken! Keine Ahnung warum, aber das findet sich alles ausgerechnet in den B-Movies von Roger Corman.

Email [Am I a Spaceman?] (2003)

15. Juni 2024

Email [Am I a Spaceman?] (2003)

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 135)

6. Juni 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Diderot, Marx, Freud und Konsorten haben die Ausnahmestellung von LaMettrie, Stirner und Reich erkannt, was man von deren Bewunderern und Anhängern in aller Regel nicht sagen kann. Das ist imgrunde das LSR-Projekt in einem Satz.

Bei Wolfgang Röd fand ich folgende Stelle, die zeigt, warum Marx (bereits lange vor dem Einzigen) ein Ohr für Stirners (spätere) Sonderstellung hatte. Nach Hegel gab es nur zwei Wege weiterzugehen – einen beschritt Marx, den anderen Stirner:

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte es nicht nur scheinen, als sei eine bestimmte Gestalt der Philosophie durch ihre Vollendung im Hegelschen System an die Grenze ihrer Entfaltungsmöglichkeiten gelangt, sondern als bereite sich auch die Geburt einer neuen Art Philosophie vor. Daß Marx die Situation so sah, zeigt sich schon in den Vorarbeiten zu seiner Doktor-Dissertation, wo sich der berühmte Hinweis auf Knotenpunkte in der Philosophie findet, an denen die gerade Linie der Entwicklung unterbrochen werde. Nach Marx wurde mit Hegels System ein solcher Knotenpunkt erreicht. Dies äußert sich einerseits in der Hinwendung zur Subjektivität als Reaktion auf den totalen Anspruch einer zur Vollendung gelangten Philosophie [PN: Stirner], andererseits in der Bemühung um Aufhebung der für abgeschlossen gehaltenen Art von Philosophie. An dieser Aufhebung mitzuwirken, sah Marx als seine Aufgabe an. Eine solche Aufhebung war seit längerem vorbereitet, und zwar nicht nur durch die Linkshegelianer und namentlich durch Feuerbach, sondern auch, ja vor allem durch die sogenannten utopischen Sozialisten. Was Feuerbach anbelangt, so zeigt sich bei ihm bereits jene Tendenz zur materialistischen Umstülpung der Hegelschen Philosophie, von der später Marx, Engels und deren Nachfolger sprechen sollten. (Wolfgang Röd: Dialektische Philosophie der Neuzeit, München: C.H.Beck, 1986, S. 196f)

Stirner wird von Röd natürlich nicht erwähnt. Sah Marx schon, lange bevor Stirner in seinen Gesichtskreis trat, die Alternative zwischen „Hinwendung zur Subjektivität“ (d.h. sich dem „absoluten Geist“ entziehen) und „Aufhebung“ (beim Geist kann „Aufhebung“ nur „real werden“ bedeuten). Wenn dem so ist, dann hätte Marx selbst ein „Stirner“ werden können. Er war sich dessen bewußt (natürlich in anderer Begrifflichkeit und deshalb nicht ganz so klar): entweder sich dem Über-Ich entziehen und es liquidieren – oder diesen Geist (die Moral) aufheben, indem man ihn verwirklicht (= das Marxistische Paradies der Gerechtigkeit). Das wäre auch die Erklärung, warum nur er Stirners Bedeutung durchschaut hat. Deshalb hat er sich die Mühe gegeben ein Telefonbuch über Der Einzige und sein Eigentum zu schreiben: Die deutsche Ideologie.

Im Anschluß an Hegel gab es zwei Möglichkeiten: das System verlassen (mit dem Spintisieren aufhören) oder es weiterführen (das Spintisieren mit anderen, geeigneteren Mitteln fortführen). Vielleicht ist mein Röd-Zitat vollkommen belanglos. Das einzige, was ich interessant finde, ist das „Objektive“: daß prinzipiell diese Gabelung bevorstand, egal ob überhaupt jemand den einen Weg genommen hätte und egal, ob Stirner oder Marx je gelebt hätten.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 125)

24. April 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Ist es nicht vielleicht sogar so, daß das Adorno‘sche „kein Wahres im Falschen“ implizit gegen Stirner und Reich gemünzt war? Schließlich läßt sich so die gesamte Kritik an den „Kleinbürgern“ Stirner und Reich zusammenfassen, von Marx‘ Ausführungen in Die Deutsche Ideologie bis hin zu denen der Marxologen der 1970er Jahre!

Auf diesen Einwurf antwortete mir Bernd Laska vor nunmehr zwei Jahrzehnten: „Könnte was dran sein, weil: Der Satz ist der letzte in Abschnitt 18 der Minima Moralia, in dem vorher, wie ich gerade gesehen habe, die Wendung ‚…der Einzelne zu seinem Eigentum‘ vorkommt.“

„Kein Wahres im Falschen“, ist das nicht ein Verweis auf die Falle? Nun, der Ariadne-Faden ist gerissen und so macht man es sich im Labyrinth (in der Falle) gemütlich, genießt das Wirrwarr. Ganz so wie Marx und Nietzsche. Aber im Zentrum des unentrinnbaren Labyrinths lauert nach wie vor das finale Grauen, der Minotaurus: LaMettrie/Stirner/Reich. Exakt so, wie von Laska analysiert. Aber wie stets: der eine, der es durchschaut und den Weg zeigt, wird ignoriert, allenfalls belächelt: „Es gibt kein Wahres im Falschen!“

Peter liest die Laska/Schmitz-Korrespondenz (Teil 8)

6. April 2024

Stark vereinfacht geht Hermann Schmitz von zwei Sündenfällen aus. Der erste ist der, den auch Reich in Christusmord beschreibt. Schmitz typisch verquast:

Der erste Sündenfall, der nach dem biblischen Mythos, besteht darin, daß die Menschen lernen, was gut und böse ist, also Vorzugsrichtungen des Verhaltens zu ihnen zustoßenden Herausforderungen nicht mehr nur blind, sondern mit Wissen und Wollen folgen können. Dabei lernen sie aber erst, was gut und böse ist, als handle es sich bei allem, was sie zu wissen nötig haben, um objektive oder neutrale Tatsachen. (…) Der erste Sündenfall schafft Halt nach außen, durch die Möglichkeit selbständiger, einsichtiger Orientierung am Gegebenen. (S. 175)

Schmitz beschreibt hier die Genese der Panzerung. Die Menschen verlieren die Unmittelbarkeit. Es ist, als wenn sich eine Wand, die Panzerung, zwischen sie und ihre Umwelt und zwischen sie und ihre Innenwelt schiebt. Bei letzterem denke man etwa an Freuds Entdeckung des unbekannten Kontinents des Unbewußten. Aber sie haben immer noch eine Orientierung sozusagen „am Sternenhimmel“ dort draußen und dem „sittlichen Gesetz“ hier innen: der Rahmen der autoritären Gesellschaft.

Der zweite Sündenfall ereignete sich, Schmitz zufolge, um das Jahr 1800 herum mit der „Entdeckung der strikten Subjektivität“ durch Johann Gottlieb Fichte (1762-1814):

Der zweite Sündenfall, der Fichte’sche, belehrt sie, daß es nicht so ist, daß sie also nicht einfach nachsehen können, was (an sich und für alle) ist und sein soll, sondern sich jeder in seinem Namen darum kümmern muß, was meine (seine) Tatsache, sein Programm, sein Problem ist. (ebd.)

Der zweite Sündenfall schafft dem Menschen Unsicherheit im Verhältnis zu sich, weil sich herausstellt, daß der Halt, der nach dem ersten Sündenfall noch gegeben war, langsam aber sicher wegbricht: alles ist subjektiv, willkürlich und unsicher.

Was Schmitz hier beschreibt, sind zwei menschheitsgeschichtliche Einschnitte, die sich vor etwa 6000 Jahren und ziemlich präzise um das Jahr 1960 ereignet haben: der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral und damit der Körperpanzerung und der Beginn der vermeintlichen „sexuellen Revolution“ und damit die weitgehende Ersetzung der Körperpanzerung durch die okulare Panzerung. Der Einbruch des kompletten Wahnsinns von Timothy Leary bis heute, der Freigabe des Cannabis-Konsums:

Man hört geradezu wie die Körperpanzerung Anfang der 1960er Jahre zusammenbricht! An ihre Stelle tritt die komplette Orientierungslosigkeit, der radikale „Werteverfall“ und – der Tod. Seit nun über 60 Jahren macht die Menschheit diese zweite Zensur durch, deren Bedeutung man nicht überschätzen kann, – sie könnte final sein.

Einerseits muß man Schmitz zugutehalten, daß er ein Gespür dafür hat (wer sonst hat diese beiden Sündenfälle so treffend beschrieben?), andererseits ist es fundamental verfehlt, wenn er schreibt, daß der erste Sündenfall „der Ausgang aus der Selbstsicherheit des skrupellosen instinktiven Lebens in die Verantwortung rationalen Prüfens und Wägens von Gut und Böse“ war (S. 179). Der Zusammenbruch der Selbststeuerung und Einbruch des Irrationalismus und der Perversion war für ihn „rational“, das Leben davor „skrupellos“. Schmitz ist ein in der Wolle gefärbter Reaktionär: die Kultur geht vor!

Den zweiten Sündenfall, den er, wie gesagt mit Fichte (und Stirner) und dem Beginn der „ironistischen“ Romantik verbindet, will Schmitz auffangen, indem er sie sozusagen vollendet, – indem er von dem „dem Vorurteil herunterkommt, alle Tatsache müßten objektiv sein, so daß das Subjektive in eine rätselhafte Rand- und Schwebestellung gerät, für die man bald die Metapher des (selbst paradoxen) Nichts erfindet; so kommt es zum Nihilismus. Dieses Mißverständnis, und damit der Nihilismus, kann geheilt werden“ (S. 176). Die Heilung vom Nihilismus verspricht die Neue Phänomenologie, indem sie sozusagen die Welt wiederverzaubert: Subjekt und Objekt verzahnen sich wieder. Die Welt ist dann nicht mehr etwas, wo man seine Stellung in der objektiven Welt findet, „sondern (die Menschen) müssen jeweils ihre Stellung durch eigene Stellungnahme finden und ständig neu gegen Erschütterungen, emotionale Hinfälligkeit, Labilität, personale Regression, sich aufrichtend, behaupten“ (S. 183).

Mal abgesehen davon, daß ich hier „Nietzsche pur“ höre, ist das ganze nichts anderes als ein ständiges Ausweichen vor dem Wesentlichen. Platt ausgedrückt: es geht weder darum, wie du dich in der Falle verortest (wie nach dem ersten Sündenfall), noch darum, wie du zur Falle Stellung beziehst (wie Schmitz es nach dem zweiten Sündenfall uns nahelegen will), sondern erstens mußt du sehen, DASS du in der Falle sitzt, um dann zweitens diese Falle zu verlassen. Laska versucht ständig Schmitz diesen einfachsten aller Gedanken nahezubringen, aber Schmitz ist blind, verrannt. Wie ALLE Philosophie dient auch die Neue Phänomenologie dazu, die Existenz der Falle zu sichern.

Letztendlich dokumentiert das Laska/Schmitz-Buch die Diskussion zwischen einem realitätstüchtigen Erwachsenen (Laska) und einem komplett verpeilten Kind (Schmitz) – mit manchmal ganz interessanten Einsichten.

Nachbemerkung: Wie „1800“ und „1960“ vereinbaren? Der Riß von 1960, der durchaus die Vernichtung der Menschheit besiegeln könnte, hat eine lange Vorgeschichte. Man denke nur an die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, den Ersten Weltkrieg, der, nicht zuletzt in sexualökonomischer Hinsicht, den gesamten Planeten auf den Kopf gestellt hat. Man denke an Nietzsche als Seismographen einer ungeheuren Umwälzung: den Einzug des alles zerfressenden Nihilismus. Kierkegaard. „Schmitz‘ Fichte“. Die Französische Revolution. Rousseau – der auf LaMettrie zurückgeht. Das ganze ist untrennbar verbunden mit der industriellen Revolution, die bereits Goethe am Ende von Faust II thematisiert. Unter diesem ständig wachsenden Druck, die letzten Faktoren waren vielleicht die Pille und die Drogenkultur (schon zu Reichs Zeiten mit der „Beat-Generation“ vorbereitet), hat dann in den 1960er Jahren die Körperpanzerung begonnen wegzubrechen und die Augenpanzerung trat an ihre Stelle: Its a Mad Mad Mad Mad World (1963)

https://www.youtube.com/watch?v=ejDx-zn7M5Y

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 118)

21. März 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Was die Konservativen auf ewig von LSR trennen wird, ist Reichs Diktum, daß die Moral erst das erzeugt, was sie bekämpfen will. All die, jedem Konservativen eigene, moralische Empörung gegen die „Dekadenz“ ist gut und richtig, bleibt aber imgrunde ein Verhängnis, denn mit den sekundären Trieben werden letztendlich auch die primären Triebe unterdrückt. Man denke dabei insbesondere an die Sexualmoral und daß alle Ethik einen antisexuellen Kern hat.

Ähnliches läßt sich über die „natürliche“ oder „gottgegebene Ordnung“ sagen, denen jeder Konservative anhängt. Stehen LaMettrie und Stirner nicht für die konsequenteste und „zynischte“ Rebellion gegen diese Ordnung? Das ist eine abstrakt philosophische Frage. In Wirklichkeit führt individuelle Willkür stets zu mehr Ordnung als jeder künstliche Eingriff. Das zeigt sich im offensichtlichen Gegensatz von Planwirtschaft, die immer im Chaos mündet, und Marktwirtschaft. Oder man denke daran, daß Menschen immer künstlich sozusagen „durchgewürfelt“ werden müssen, weil sich ansonsten Schulklassen in Cliquen aufspalten, Städte spontan in voneinander abgegrenzte ethnisch und einkommensmäßig Wohnquartiere zerfallen, Kirchengemeinden sich nach ethnischen Zugehörigkeiten organisieren etc. Freiheit und Ordnung bedingen einander. Das beste Beispiel ist Evolution selbst, die auf freier Partnerwahl beruht. Jede „sexuelle Planwirtschaft“ muß zu einer fortschreitenden Qualitätsabnahme des Genpools führen, zu mehr Entropie, Dekadenz.

Wohlverstanden (man beachte: wohlverstanden) ist LSR die EINZIGE konsequent konservative Lebenshaltung. Der linke Abschaum nimmt das sehr wohl wahr!