Posts Tagged ‘Newton’

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 6.k.

14. Mai 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

6. Äther, Gott und Teufel

a. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

b. Spiritualität und die sensationelle Pest

c. Die Biologie zwischen links und rechts

d. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

e. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

f. Die gesellschaftlichen Tabus

g. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

h. Dreifaltigkeit

i. „Ätherströme“, Überlagerung und gleichzeitige Wirkung

j. Die Schöpfungsfunktion

k. Die Rechtslastigkeit der Naturwissenschaft

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 5.b.

30. März 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

a. Biologie

b. Physik (Vorbemerkung)

Die „Orgonomie“ als weltanschaulicher Halt

4. Juni 2015

Neulich habe ich versucht, ein tiefsitzendes Gefühl des Unwohlseins hinsichtlich der Orgonomie mit Hilfe Alexander Hamiltons zu formulieren. „Die ganze rebellische, antiautoritäre Richtung paßt mir nicht!“ Hier nun ein zweiter Versuch:

Was ist Orgonomie? Die Welt so zu sehen, wie sie ist bzw. wie sie „funktioniert“. Es geht nicht darum, sie vorgestanzten Schablonen anzupassen. Es geht stets um Funktionen, nicht Modelle. Funktionen verändern sich spontan, ihnen ist spontane Bewegung eigen, sie haben ein Eigenleben. Modelle sind fix und starr. Funktionen verweisen auf tiefere und höhere Funktionsbereiche. Modelle sind „eindimensional“. Funktionen sind stets direkter Ausdruck der Orgonenergie. Modelle sind Produkte unseres Gehirns, die sich an starrer Materie orientieren.

Ab und an wird mir gesagt, wie froh doch mein Gegenüber sei, daß er mittels der Orgonomie alles sofort einordnen könne, was in der Welt so vor sich geht. Wenn man manche Darstellungen der Orgonomie liest, kann man tatsächlich den Eindruck gewinnen, Reich sei kein Naturwissenschaftler gewesen, sondern ein „sinnstiftender“ Dichterphilosoph, der alles Geschehen auf Ätherströme im Kosmos und in den Menschen zurückgeführt habe. Daraus habe er dann ein Modell der Wirklichkeit bzw. eine Weltanschauung gebastelt. Kommt man diesen vermeintlichen „Orgonomen“ mit Fernwirkung bei Newton oder in der Quantenmechanik, wischen sie das verächtlich vom Tisch, weil hier kein Platz für Ätherströme ist. Diese Art von „Orgonphysik“ setzt uns ein hydraulisches Weltmodell vor, das an mechanischer Grobheit kaum zu überbieten ist, zumal uns versichert wird, daß Orgon müsse eine „minimale Masse“ haben, um die Phänomene zu erklären.

Ähnlich sieht es im Bereich der Soziologie aus. Manche vermeintlich „orgonomische“ Gesellschaftsanalysen grenzen an Idiotie, weil Reichs Erkenntnisse, die er in einer autoritären Gesellschaft gewonnen hat, mechanisch auf eine vollkommen andere Gesellschaft, die antiautoritäre, übertragen werden. Ein Beispiel habe ich in Warum die Sexualökonomie heute „rechts“ steht präsentiert.

Und dann ist da dieser wohlfeile Antifaschismus, der mich nur anwidert, – weil er selbst faschistisch ist. Reich innerhalb der antiautoritären Gesellschaf als „Antifaschisten“ rehabilitieren zu wollen, in einem Umfeld des Genderwahns und der Kinderkrippen, der „Antifa“ und grünroter Kinderficker… Allein schon wie vermeintliche „Antirassisten“ das deutsche Volk verachten und angesichts des gegenwärtigen Völkermordes an den Deutschen triumphieren. Versucht man die Geschichte Deutschlands seit 1871 im allgemeinen und Hitler im besonderen zu verstehen, kommen sie mit der „Emotionellen Pest“ und man steht unversehens selbst als „Revisionist“ (sic!) da, weil man sich nicht dem als „Geschichtswissenschaft“ kaschierten Tugendterror unterwirft. Hinterfragt man Grunddogmen der antiautoritären Gesellschaft, etwa indem man behauptet, daß es selbstverständlich Rassen gibt und daß sich die Unterschiede nicht auf die Hautfarbe reduzieren lassen und daß Reich sich hinsichtlich der Vererbungslehre ideologisch verrannt hatte… Man hat damit die „orgonomische“ Weltanschauung verraten, die der ganze Lebensinhalt des Pseudo-Orgonomen ist.

Liest man Reich selbst, wird man gewahr, daß er Einstein nicht nur mit Ätherströmen entgegengetreten ist, sondern vor allem auch mit dem Konzept der „Erstrahlung“, die Fernwirkung beinhaltet. Auch kann man darauf verweisen, daß Reich wiederholt geschrieben hat, daß Hitler in manchen Punkten recht hatte, und daß Reich Deutschland nie mit der Emotionellen Pest gleichgesetzt hatte, wie es manche Historiker implizit tun. Dafür erntet man Entsetzen, wenn nicht puren Haß. Man hat eine enge, kitschige und, ja, pseudowissenschaftliche Weltanschauung hinterfragt, ist Verräter an dem, was diese Herrschaften sich als „Orgonomie“ zusammengebastelt haben, um ihr Leben besser zu bewältigen. Sie wollen Halt im Leben finden, indem sie für alle Lebenslagen sofort mechanische, wohlfeile Erklärungsmuster bereit haben. Reich hat jedoch keine Glaubenslehre hinterlassen, sondern eine Denkmethode.

Sie wollen vor allem eins: daß der Name „Wilhelm Reich“ bekannter wird und sich sein „Gedankengut“ ausbreitet. Diese Wahrheitskrämer würden potentielle Patienten zwar gerne zu einem medizinischen Orgonomen schicken, verweisen sie dann aber mangels Anbietern auch auf Reichianische Körpertherapeuten. Hauptsache es hat irgendwas mit Reich zu tun! Wen kümmert es, daß diese Therapeuten nur Schaden anrichten! Es sind Leute, die Bedenken hinsichtlich des Orgonenergie-Akkumulators in einer ORANUR- und DOR-verseuchten Umwelt fast schon verächtlich von sich weisen. Hauptsache alles entwickelt sich in Richtung auf Reichs „Vision“ einer flächendeckenden Krebsprofilaxe in Der Krebs!

Aber zurück zum Thema meiner Serie über Deutschland und die Emotionelle Pest: Es geht darum, daß Deutschland nach 1871 auf vergleichsweise kleiner Fläche (die „Ostgebiete“ waren schon zur Kaiserzeit unproduktiver Ballast!) sich rasend schnell zu einer der innovativsten und produktivsten Länder der Welt entwickelte, nachdem es ohnehin bereits im Jahrhundert zuvor zur bestimmenden Kulturnation geworden war. Deutschland war auf dem Weg die „Weltmächte“ Frankreich und England zu dominieren. Selbst Amerika war bis zum Zweiten Weltkrieg technologisch kaum ebenbürtig und seine Infrastruktur war über weite Landstriche „Burkina Faso“! Sogar heute, wer kauft schon amerikanische Produkte?

Der Erste und der Zweite Weltkrieg und sogar der Kalte Krieg und die EU drehten sich nur um eins: Deutschland zurechtzustutzen und „einzubinden“. Einem „Orgonomen“ kann man damit nicht kommen, denn es paßt nicht in sein Begriffsraster („Emotionelle Pest“, „Schwarzer Faschismus“, „Roter Faschismus“, „Saharasia“). Es paßt nicht in seine Weltanschauung, die auf verblüffende Weise an „Krieg der Sterne“ erinnert: der Kampf für die Republik und gegen das Imperium mit Hilfe „der Kraft“. – Übrigens eine Weltanschauung, die Hitler weitgehend teilte! (siehe Der Blaue Faschismus).

Ökonomisch ist Deutschland der Kern Europas, dem die Peripherie zuarbeitet und in die hinein sich der Kern entlädt (Export). Zunächst versuchte man die Bildung dieses Kerns zu verhindern und dann hat man alles versucht diesen Kern einzudämmen (abzupanzern). Das jeweils ohne Erfolg: aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg ist Deutschland eher gestärkt hervorgegangen. Der Kalte Krieg hat ihm eine jahrzehntelange Ruhephase beschert und die EU ist kaum mehr als eine Freihandelszone für deutsche Produkte.

Ist man erst einmal trotz aller „orgonomischen“ Denkschablonen soweit vorgedrungen, zwingt sich einem der orgonomische (bioenergetische, charakterologische) Hintergrund dieser Dynamik geradezu auf. Nationen wie England, Frankreich, Italien und Griechenland sind urban und zentralistisch organisiert, während Deutschland wegen seiner Abkunft aus dem Römischen Reich Deutscher Nation stets dezentral und ländlich strukturiert war. Das spiegelt sich in der durchschnittlichen Charakterstruktur seiner Bevölkerung und damit seiner Führer wider. Gemäß der Funktion der deutschen Nation als „ökonomischer Kern“ Europas herrschen hier Charakterstrukturen des rechten, konservativen Spektrums vor. (Der Deutsche gilt, bzw. galt, als „unlocker“, d.h. muskulär gepanzert!) An der ökonomischen Peripherie, man nehme nur Frankreich als bestes Beispiel, sind es Menschen des linken, liberalen Spektrums. Die einen produzieren, die anderen konsumieren und verteilen um. Wenn ich dann noch erwähne, daß es in Deutschland eine Bevölkerungsgruppe gab, die fast durchweg liberal strukturiert war, nämlich die Juden, rasten „Reichianer“ endgültig aus.

Es ist unmöglich mit gläubigen Kindern zu diskutieren. Sie haben eine „orgonomische“ Weltanschauung, die reflexartig über das Rückgrat funktioniert.

Es bringt nichts, die Wirklichkeit mit der Massenpsychologie in der Hand zu betrachten und jeweilige Übereinstimmungen abzuhaken. Das ist eine sterile, ideologische und sektiererische Herangehensweise. Man muß stets so vorgehen, wie sich Reich etwa der Mikrobiologie genähert hat: einfach hinschauen was passiert, durchgehende energetische Funktionen identifizieren und so lange warten, bis sich eine ausformulierbare Theorie quasi von selbst aufdrängt.

Mit einer „hydraulischen“ Orgonomie, die alles mit einer Art „Sauce“ erklären will, die wirbelnd das Weltall durchfließt, und einer Orgonomie, die auch Reichs soziologische Theorien zu einer kastrierten Karikatur ihrer selbst macht, will ich nichts zu tun haben. Das ganze ist mittelalterliche Scholastik! Sektenunwesen! Wobei ich mir natürlich bewußt bin, daß ich hier und da kaum anders argumentiert habe, als der typische, beschränkte „Reichianer“, der seine Heilslehre gefunden hat!

soziopol

Erstrahlung, Überlagerung und Relativität

5. Dezember 2013

www.orgonomie.net

Ursprünglich hatte ich vor, den Text Erstrahlung, Überlagerung und Relativität vollkommen neu zu schreiben, weil ich die Dinge mittlerweile etwas anders sehe, insbesondere was die Funktion der Erstrahlung betrifft. Bei der erneuten Lektüre mußte ich jedoch einsehen, daß der Text so steht, ich ihn noch immer zu rechtfertigen vermag und er kaum sinnvoll auf grundlegende Weise umgebaut werden kann. Er wurde deshalb nur leicht verändert und sozusagen „endgültig“ ins Netz gestellt.

Nahwirkungstheorie und Fernwirkungstheorie (Teil 1)

31. August 2013

Denkbar knapp ausgedrückt besagt die Nahwirkungstheorie, daß alles in der Welt wie ein Billardspiel funktioniert, bei dem alles auf dem direkten Kontakt zwischen den Billardkugeln, dem Coe und den Banden beruht. Ein Beispiel für die Fernwirkungstheorie ist die Newtonsche Gravitationstheorie, die auf jeden „Erklärungsmechanismus“ verzichtet. Der Fall des Apfels vom Baum und die Bewegung des Mondes um die Erde werden von einer hypothetischen „Kraft“, der Gravitation, bestimmt, ohne daß irgendein Mechanismus angegeben wird, wie diese Kraft funktioniert. Ein „Mechanismus“ ist auch schwer vorstellbar, da die Wirkung der „Schwerkraft“ instantan sein soll.

Newton selbst war diese Vorstellung zutiefst zuwider. Sie war jedoch unausweichlich. Angenommen die Gravitation würde sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten: dann würde die Erde zu einem Ort hingezogen, an dem die Sonne vor 8 Minuten war und umgekehrt die Sonne zu einem Ort, wo die Erde vor 8 Minuten war. Ergebnis wäre, daß die beiden Objekte gemäß den Gravitationsgesetzen spiralförmig aufeinander zustürzten! Diese Überlegung war der Tod aller mechanischen Nahwirkungstheorien der Gravitation, insbesondere der von Descartes, welcher die Gravitation mittels „Ätherwirbeln“ erklären wollte. Er dachte dabei etwa an einen Wasserstrudel, bei dem alles „gravitationsartig“ dem Mittelpunkt zustrebt. Newton wollte die Gravitation ähnlich wie vor ihm Descartes ebenfalls auf den Äther zurückführen, da ihm wie gesagt die Fernwirkungstheorie persönlich zutiefst zuwider war, beließ es aber bei privaten naturphilosophischen Spekulationen, die er nicht mit seinen mathematischen Formulierungen verbinden konnte.

Einstein löste das Problem mit seiner Allgemeinen Gravitationstheorie, der zufolge Gravitation „gekrümmte Raumzeit“ ist und die Energie der Gravitation selbst die „Raumzeit krümmen“ kann, was den oben beschriebenen Effekt aufhebe, obwohl sich die Schwerkraft nur mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet.

Schaut man in die Weiten des Universums mit seinen weiträumigen Strukturen, wo die Lichtgeschwindigkeit „zum Verzweifeln“ langsam ist, wird jede Nahwirkungstheorie, inklusive der Einsteinschen, vollkommen absurd. Es bleibt dann nämlich nichts, was das ganze organisiert und zusammenhält, d.h. das Universum zu einer funktionellen Einheit macht.

Entsprechendes läßt sich auch über den menschlichen Organismus sagen. Wie bereits F.A. Lange vor 150 Jahren in seiner Geschichte des Materialismus herausarbeitete, gibt es keinen denkbaren Schritt von „Atomen“, welcher Natur diese auch immer seien, d.h. den oben erwähnten Billardkugeln der Nahwirkungstheorie, zu dem, was wir „Geist“ nennen. Der Geist ist etwas, was schlichtweg keine „Teile“ hat. Oder anders ausgedrückt: Teile konstituieren ein Objekt, aber nie und nimmer ein Subjekt. Der „Geist“ repräsentiert das einheitliche Funktionieren des Organismus.

Es bleibt natürlich Newtons verzweifelte Frage, wie man die Fernwirkungstheorie verstehen soll, bzw. was man sich eigentlich darunter vorzustellen hat. Wie Newton selbst sagte, ist sie vollkommen absurd. Lange berief sich auf Kant. Das „Ding an sich“ sei unerkennbar, weshalb der ansonsten in jeder Hinsicht vorzuziehende Materialismus und damit alles menschliche Wissen hier an seine Grenze stoße.

Die Antwort findet sich in Einsteins Relativitätstheorie, der zufolge der Raum kein starrer Rahmen wie bei Newton ist, in dem sich das besagte Billardspiel „zeitlich“ abspielt, sondern Raum und Zeit ineinander verzahnt sind. Es kommt, abhängig vom Beobachter, aber trotzdem nicht nur subjektiv, zur „Längenkontraktion“ und „Zeitdilatation“. In der Allgemeinen Relativitätstheorie ist der Uhrenlauf von der Krümmung der vierdimensionalen Raumzeit abhängig, in der Raum und Zeit zu einer Art „Substanz“ vereinigt sind, die theoretisch auch mit Überlichgeschwindigkeit verschoben werden kann (der berüchtigte „Warp-Antrieb“ des Science Fiction).

Als Einstein sich mit dem Äther-Problem beschäftigte, zunächst in der Speziellen Relativitätstheorie mit dem „Lichtäther“ und dann in der Allgemeinen Relativitätstheorie mit dem, wenn man so sagen kann, „Gravitationsäther“, ist er zwangsläufig auf die entsprechenden orgonotischen Funktionen gestoßen, in denen beispielsweise aus einem räumlichen Nebeneinander ein zeitliches Nacheinander wird und entsprechend der trennende Raum zu verschwinden scheint. Newton hat das für die Schwerkraft beschrieben, Henri Bergson für den „Geist“, den man nur „zeitlich“, aber nicht räumlich beschreiben könne. (So ist auch Reichs frühes Studium der Werke Langes und Bergsons zu verstehen: der letztere wies den Weg aus der Sackgasse, die der erstere aufgezeigt hatte.)

Orgonometrisch läßt sich „Fernwirkung“ in allen ihren Aspekten auf folgendes reduzieren:

translt

Siehe zu diesen Ausführungen auch The Journal of Orgonomy (Vol. 40, No. 2, Fall/Winter 2006).

Vis Viva

12. April 2013

ein Gastbeitrag von John Wilder

Wilhelm Reich war Produkt einer deutschen Erziehung, nicht einer britischen oder französischen, so wurde er in der Schule wahrscheinlich von den Ansichten des großen deutschen Wissenschaftlers Gottfried Wilhelm Leibniz durchdrungen und wurde in der Schule wahrscheinlich mit Leibniz‘ Konzept von der integralen „Lebenskraft“, die der materiellen Welt inhärent ist, bekannt gemacht, statt der kälteren, mehr abstrakten Weltsicht eines Newton und Descartes, die in England und, in geringerem Maße, in Frankreich vorherrschten.

Bevor moderne europäische Wissenschaftler begannen, den Begriff „Energie“ zu verwenden, war der Begriff Vis Viva (aus dem Lateinischen für „Lebenskraft“) in Gebrauch. http://en.wikipedia.org/wiki/Vis_viva

Leibniz war von der Bedeutung des Produkts aus „Masse und Geschwindigkeit im Quadrat“ überzeugt, die ursprünglich von Huygens untersucht worden war und die Leibniz Vis Viva, lebendige Kraft, nannte. Er glaubte, daß die Vis Viva das wirkliche Maß der Kraft sei, im Gegensatz zu Descartes Kraft der Bewegung (was „Masse mal Geschwindigkeit“ bzw. dem Impuls entspricht). Es ist nicht ganz klar, warum Leibniz „m v2“ als Größe gewählt hat, statt Descartes‘ „m v“, aber er kam offenbar aufgrund mechanischer Überlegungen zu dem Schluß, daß seine Größe fundamentaler war. Leibniz‘ Behauptung, daß Vis Viva, nicht Descartes‘ Größe, die grundlegendste Erhaltungsgröße war, kommt einer frühen Formulierung des Energieerhaltungssatzes der Mechanik sehr nahe. Da jedoch die Erhaltungsgröße der Bewegung eine der Säulen der kartesischen Naturphilosophie geworden war, wurde Leibniz‘ Vorschlag, daß die grundlegende Bewegungsgröße eine anders war als die, die Descartes vorgeschlagen hatte, von vornherein von allen guten Cartesianern abgelehnt. Eine große Kontroverse folgte zwischen der deutschen Schule des physikalischen Denkens, die natürlich Leibniz unterstützte, und den Schulen Frankreichs und Englands, deren Cartesianer und Newtonianer sich gegen ihn wandten. Beim Bestimmen der Vis Viva als grundlegender Bewegungsgröße suchte Leibniz nach einem Wirkprinzip, das erhalten blieb und das Universum davon abhielt „abzuwirtschaften“. http://scienceworld.wolfram.com/biography/Leibniz.html

Ab 1686 schrieb Leibniz eine Reihe von Arbeiten, in denen er einwendete, daß die Größe, die in der Natur absolut und unzerstörbar erhalten bleibt, nicht die Bewegungsgröße „m v“ (Masse mal das absolute Geschwindigkeitsmaß) sei, sondern eher die Vis Viva oder lebendige Kraft „m v2“ (Masse mal Geschwindigkeit mal Geschwindigkeit). Die lebendige Kraft, gemessen mit „m v2“, bildete für Leibniz das Wesen der Natur, ein allumfassendes Prinzip, die Grundlage seiner ganzen Philosophie. Damit ist die frühe Kontroverse um das Vis Viva kein sinnloser Streit um „Impuls“ gegen „kinetische Energie“, sondern ein geschickter Einspruch von Leibniz gegen ein unzureichendes Konzept, „m v“, und wie es die Welt beschreibt.

Bewegung und Ausdehnung, für Descartes das Wesen der Natur, waren für Leibniz lediglich Beziehungen und bildeten nicht die Realität. Was in der Natur für Leibniz wirklich real war, ist die Urkraft oder das Streben und das wurde von ihm in den folgenden Jahren als die Essenz der von ihm so benannten Monade ausgearbeitet.

Was für Leibniz im Universum real ist, ist Aktivität; das Wesen der Substanz ist Aktion, nicht Ausdehnung, wie Descartes insistiert hatte. Diese Tätigkeit stellt sich als eine Urkraft oder ein Streben nach Veränderung dar; es ist die innerste Natur des Körpers. Die unteilbaren Grundstoffe, deren Wesen eine kontinuierliche Tendenz zur Aktion ist, wurden später, im Jahre 1714 von Leibniz als Monaden bezeichnet.

So bilden die Erhaltung von Substanz und Kraft die Grundlage von Leibniz‘ philosophischem Standpunkt. Da Zeit und Raum weder Realitäten noch Substanzen sind, sondern lediglich Beziehungen darstellen, ist Bewegung, die die kontinuierliche Veränderung in Raum und Zeit ist, ebenfalls nur eine Beziehung. Was real an der Bewegung ist, ist die Kraft, ein momentaner Zustand, der in sich das Streben nach einem zukünftigen Zustand trägt. Es ist daher klar, warum Bewegung und Ausdehnung für Leibniz nicht das Wesen der Realität sein können, wie sie es für Descartes waren. http://nature.berkeley.edu/departments/espm/env-hist/articles/2.pdf

Im Laufe der Jahre haben sich die Ansichten von Descartes und Newton in der theoretischen Physik durchgesetzt, aber Leibniz‘ Anschauungen wirken bis zu einem gewissen Grad in der angewandten Technik, bei der praktischen Arbeit, fort. Beispielsweise bleibt heute in der Himmelsdynamik die Vis Viva-Gleichung (auch orbitale Energieerhaltungsgleichung genannt) eine der grundlegenden und nützlichen Gleichungen, die die Bewegung von um die Erde kreisenden Körpern bestimmt. In moderner Ausdrucksweise ist es die direkte Folge des Satzes von der Erhaltung der Gesamtenergie, bei der die Summe von kinetischer und potentieller Energie konstant bleibt, während sich der Satellit in seiner Umlaufbahn bewegt.

Diese Seite http://www.eoht.info/page/Vis+viva hilft die Evolution (oder den Rückschritt?) der Vis Viva, der „Lebenskraft“, in den Begriff „kinetische Energie“ und andere abstrakte Begriffe, meist durch die Schüler Newtons, zu verstehen:

[Émilie du Châtelets] Buch Institutions de Physique („Lektionen in Physik“) erschien im Jahr 1740; es war als Überblick der neuen Ideen in Wissenschaft und Philosophie für ihren 13 Jahre alten Sohn konzipiert, beinhaltete aber komplexe Ideen führender Denker der Zeit und versuchte diese miteinander in Einklang zu bringen.

Im Buch kombiniert sie die Theorien von Gottfried Wilhelm Leibniz und die praktischen Beobachtungen von Willem ‘s Gravesande, um zu zeigen, daß die Energie eines sich bewegenden Objekts nicht proportional zu dessen Geschwindigkeit ist, wie von Newton, Voltaire und anderen angenommen worden war, sondern zum Quadrat seiner Geschwindigkeit. (In der klassischen Physik lautet die richtige Formel Ek = 1⁄2 m v², wobei Ek die kinetische Energie eines Objekts ist, m die Masse und v die Geschwindigkeit.) http://en.wikipedia.org/wiki/Émilie_du_Châtelet

In der Technik wurde nach Leibniz‘ Tod „lebendige Kraft“ schrittweise in „Arbeitsenergie“ oder die Energie der Arbeit umgewandelt.

Eine kurze aber umfassende Darstellung der Geschichte der „lebendige Kraft“ in der Physik findet sich hier: http://rhig.physics.wayne.edu/~sean/Sean/Course_information_files/VisViva.pdf

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=n61voBTbfAo%5D