Archive for the ‘Sozialpsychologie’ Category

Liebe, Arbeit und Wissen und die Emotionelle Pest

24. Juli 2022

Liebe, Arbeit und Wissen sind wie ein „bioenergetisches Feuer“, d.h. orgonotische Erregung breitet sich aus. Ein Mensch steckt den anderen an.

Hier wird jeder, der auch nur Grundkenntnisse des Reichschen Werks besitzt sofort an die „Infektionskrankheit“ Emotionelle Pest denken, die sich ebenso ausbreitet. Was ist der Unterschied?

In der pornographischen Sexualität geht es, ähnlich wie bei Drogen, um den „schnellen Kick“, ohne daß die Menschen in ihrem Inneren berührt werden. Dieser Ersatzkontakt hat mehr mit oberflächlichen elektrischen Reizungen als tiefen orgonotischen Strömungen zu tun. Die letztere wird sogar explizit unterbunden, denn ansonsten könnte die Hure ihre Tätigkeit, ihre „Arbeit“ gar nicht verrichten.

Dort, wo man tatsächlich von Arbeit sprechen kann, etwa bei einer Krankenschwester, reduziert die Emotionelle Pest alles auf Oberflächlichkeit. Alles wird zu einem bloßen Job, den man ohne innere Anteilnahme erledigt. Die gegenseitige Verpflichtung von Arbeitnehmer und Arbeitgeber reduziert sich auf den Austausch von „Anwesenheit“ gegen Geld. Das wird ganz offiziell durch „Volksvertreter“ vorexerziert, die „Sitzungsgelder“ einstreichen. Niemand ist wirklich bei der Sache. Niemand findet mehr Erfüllung in seiner sinnstiftenden Arbeit, sondern alles ist auf die billigen Kicks in der Freizeit ausgerichtet.

Wissen wird durch die Emotionelle Pest durch Propaganda ersetzt. Wie einst im Realsozialismus kann jeder Idiot, solange er nur die offizielle Parteilinie vertritt, dem Spezialisten in die Parade fahren. Allgemein wird Wissen auf bloße Information reduziert. Man denke nur an die heutige Medizinerausbildung, die den Arzt auf einen Mechaniker des Körpers reduziert: „Blutbild –> Medikament“. Auf den Menschen selbst wird nicht mehr eingegangen.

Liebe, Arbeit und Wissen hingegen beruhen auf einem organischen, bioenergetischen Spannungsaufbau, das Halten der Spannung und die erfüllende Entladung (Orgasmus, Arbeitsprodukt, „Heureka“). Genau das zeichnete Reichs Forschungstätigkeit aus: das vorurteilslose, d.h. nicht von der „Parteilinie“ bestimmte Beobachten der Natur, der eine Chance gegeben wird sich zu entfalten und ihre Geheimnisse preiszugeben. Die von der Rockefeller Foundation finanzierten Biologen in Oslo wußten sofort, worum es sich bei den Bionen handelte („Kontamination der Probe mit dem wohlbekannten Mikroorganismus xy“) und Einstein und seine Assistenten „kannten sich mit den thermodynamischen Gesetzen aus“. Die mechanistische Wissenschaft ist ein Ausdruck der Emotionellen Pest, bei der sich alles um den schnellen Fick dreht, um ja nicht am Orgon zu rühren.

Imgrunde geht es immer um wechselseitige Verpflichtungen, die Aufrechterhaltung bioenergetischer Spannung, sei dies in der Liebe, im Kreditwesen (dem Kern jeder Marktwirtschaft) oder im Eingehen auf die Natur. Es geht um den Kontakt (das Zusammenfließen von Erregung und Wahrnehmung) zwischen orgonotischen Systemen und letztendlich um den Kontakt des orgonotischen Systems mit dem ihn umgebenden Orgonozean. Die Emotionelle Pest kann diese Spannung nicht ertragen und schließt alles kurz: Ficken, Jobben, Brabbeln.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 10)

20. Juli 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Stirner will sich von der „Negerhaftigkeit“ (dem Verhaftetsein an Heiligen Dingen) und der darauffolgenden „Mongolenhaftigkeit“ (dem Verhaftetsein an Heiligen Gedanken) befreien. Er hat nach eigener Aussage als Vorfahren jenen, „der mittels des Geistes die Natur als das Nichtige, Endliche, Vergängliche darstellte“ und er, Stirner will nun weitergehen und „auch den Geist zu gleicher Nichtigkeit herabsetzen“ (vgl. Der Einzige und sein Eigentum, Reclam, S. 71-77).

Ausgerechnet jene „rationalen“ Gesellschaften, auf die sich Reich und später James DeMeo berufen haben (Murias und Nagas in Indien, die Trobriander, einige Indianerstämme, die Eskimos und sehr wenige Stämme in Afrika) – ausgerechnet diese „matristischen“ Völker haben ausgesprochen nicht-rationale und größtenteils sogar ausgesprochen schwachsinnige Tabus (Marke: Berühre niemals mit dem linken Knöchel des rechten Fußes einen fruchttragenden Baum!), die absolut heilig sind, weit heiliger als etwa die katholischen Tabus.

Was ich sagen will: es kann nicht abstrakt philosophisch um „Aufklärung“ und „Irrationalismus“ gehen, sondern in unserem Zusammenhang nur um den Gegensatz eines lustfeindlichen vs. eines prinzipiell lustbejahenden Über-Ich. Zum Beispiel ist das Verbot, Freitags Fleisch zu essen, weder rational noch gerade lustbejahend – aber prinzipiell beschränkt es die Lustfähigkeit in keinster Weise – und nur darum kann es gehen.

Und noch was zum Über-Ich. Neulich hat mich ein Leserbrief über Rechtskultur und Mentalität sehr nachdenklich gemacht, weil er etwas in Worte brachte, was mich schon seit langem beschäftigt: „Einem Deutschen genügt meist ein deutlicher Hinweis auf eine Vorschrift, um ihn zum Einlenken zu bewegen. Ein arabischer oder muslimisch-türkischer Ausländer – besonders wenn er noch jung ist – beurteilt oft erst nach der Schulterbreite seines Kontrahenten, ob der berechtigt ist, ihm Anweisungen zu geben.“ Unsere Gesellschaft funktioniert, weil unser Über-Ich so stark ist, während insbesondere Mohammedaner in einer Gesellschaft leben, wo die gesellschaftliche Gewalt weniger „harmonisch“ inkorporiert worden ist, da der äußere Zwang unvorhersehbar und brutal ist. Und etwa Weiblein und Männlein von vornherein gar nicht in Versuchung kommen. Das, also die zeitweise Schwäche des Über-Ichs, erzeugt noch gestörtere Menschen, als man sie in Mitteleuropa findet. Tatsächlich faszinieren die Menschen aus dem moslemischen Kulturraum so manchen unbedarften „Reichianer“ sogar als verhältnismäßig „ungepanzert“. Tatsächlich haben sie jedoch einen weitgehend triebhaften Charakter mit einem isolierten Über-Ich, das schließlich weitaus heftiger, nämlich „triebhaft“ zuschlagen kann.

Ich muß beispielsweise an den Unterschied zwischen dem katholischen Süden Europas denken, etwa das „anarchistische“ Italien – oder die humoristischen Erzählungen eines griechischen Freundes über den Alltag in seinem Heimatland: legal, illegal, scheißegal. Und im Gegensatz dazu an das von Lutheranischen Schuldgefühlen zerfressene Skandinavien. Ähnliches läßt sich über den Gegensatz von Nord- („saharasische Anarchie“) und Süd-Indien („matristisches Law-and-Order“) sagen. Den Unterschied kann man sogar hören: da die irgendwie nach „Hasch-Pfeife“ klingende Hindustani-Musik des Nordens, dort die strenge hoch-stilisierte karnatische Musik des drawidischen Südens.

Es kommt ein weiteres „Ausgerechnet“ hinzu: Das Über-Ich steht für unsere Identifizierung mit den Eltern, unseren Kontakt mit unserem eigenen Wesenskern. Wenn wir gegen dieses Über-Ich rebellieren, trennen wir uns von unserem Kern. Genau das ist in der Aufklärung passiert, als man sich auf naive Weise von „Gott“ abwandte, so als wäre das, worum sich vorher alles gedreht hatte, ein bloßes Nichts. Aber „Gott“ stand für etwas und dieses „Etwas“ hat Reich herausgearbeitet, etwa in Äther, Gott und Teufel. Den rationalen Kern im irrationalen Wahnwitz.

In Der triebhafte Charakter unterscheidet Reich zwischen der reaktiven Über-Ich-Bildung und der „sublimierenden Wandlung des väterlichen Ideals“: „Es ist (…) nicht gleichgültig, ob ein Revolutionär auf sozialem Gebiet lediglich aus Reaktion gegen den Vater ‚revolutioniert‘ oder aus Anlehnung an eine revolutionäre Vaterimago, ohne Rücksicht auf die väterliche Einstellung“ (Frühe Schriften, S. 269). Es geht darum, ob man neurotisch rebelliert und alle Verbindungen „zum emotionalen Bereich der Väter und Mütter“ kappt (die dann wie alles Verdrängte an anderer Stelle um so stärker auftauchen, wie Stirner gezeigt hat: die „Humanität“ als Gott der vermeintlichen Atheisten) oder sich rational damit auseinandersetzt und es z.B. besser machen will als der Vater.

Stirner war der einzige Aufklärer, der sogar den allerletzten Ersatzkontakt des Linken, dessen kollektivistischen „Menschheits-Glauben“ zertrümmert hat. Das erklärt auch, warum der ultimative „Über-Ich-Vernichter“ derartig (von rechts und links gleichermaßen) dämonisiert wird, daß nicht mal sein Name ausgesprochen werden darf, um „nicht den Teufel an die Wand zu malen“! Indem Stirner das Über-Ich angreift, greift er nicht nur „Flausen im Kopf“ an, sondern direkt den innersten Wesenskern der Individuen. Es geht um mehr als nur um Leben oder Tod: es geht um alles, d.h. um das, wofür Menschen sogar freudig ihr Leben hingeben. Es geht um „Gott“, in dem Sinne, wie Reich von „Gott“ sprach. Es geht um die kosmische Orgonenergie…

Ich habe ein Problem mit dem Begriff „rationale“ Gesellschaft und all das „Rationale“, das beispielsweise Bernd Laska in seinem LSR-Projekt anklingen ließ. Da klang er fast wie Habermas. Sozusagen: „Reden wir drüber, an was wir glauben wollen. Keine präkognitiven irrationalen Tabus, sondern rationale Einschränkungen, nachdem wir unsere Probleme rational durchdiskutiert haben.“ Der Mensch war nie so und er wird nie so sein.

Wir können natürlich versuchen den „animistischen Sumpf“ auszutrocknen („Aufklärung“). Problem ist nur, daß wir dabei wahrscheinlich uns selbst zerstören oder es zu einer Gegenreaktion des Obskurantismus kommt, die auch noch den letzten Rest von Rationalität hinwegfegt. Es ist wie bei den „Reichianischen“ Körpertherapeuten, die die Panzerung beseitigen (als wenn das eine große Kunst wäre), sich dann aber wundern, wenn der dergestalt aufgerissene Körper nur um so heftiger kontrahiert und z.B. irreparabel psychotisch wird.

Alles was ist, auch das Irrationalste, ist durch seine bloße Existenz zunächst einmal gerechtfertigt. Hier geht es beispielsweise darum, ob man fremdbestimmt ist; durch das Über-Ich bestimmt. „Fremdbestimmt“ in dem Sinne, daß dieses Fremde (etwa die Sexualfeindlichkeit der Eltern) Teil der eigenen Psyche wird. Imgrunde eine Psychose im Kleinen (bzw. im Großen). Doch genauso wie es in der menschlichen Triebstruktur nur Dinge geben kann, die eine Entartung primärer Anlagen ist, egal wie sekundär die Triebe auch immer sein mögen, ist auch das „schlechte Gewissen“ trotz allem immer noch eine innere Stimme, sozusagen eine grotesk-tragische Imitation von Autonomie. Naturwissenschaft und Technik und Emanzipation im Sinne Stirners konnten sich eben wegen der erwähnten „grotesk-tragischen Imitation von Autonomie“ durch all das Irrationale zur gesellschaftlichen Realität hindurchquälen. Das fehlt in anderen Kulturen, wo die Gewalt eine äußere bleibt und die Menschen in der Position verschreckter Kinder gehalten werden.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 9)

19. Juli 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Wenn man den Glauben der Menschen angreift, ihre Moral, ihr Über-Ich, ist es, als würde man ihren ureigensten Wesenskern attackieren. Und tatsächlich ist es auf eine ungute, tragische, perverse Weise so, daß das religiöse Irrationale nicht nur „fixe Ideen“ sind, sondern sich bioenergetische Gegebenheiten dahinter verbergen. Das ist so, weil das irrationale Über-Ich, das berühmte „Gewissen“, das über allem steht und für das wir bereitwillig in den Tod gehen, für den vermeintlich „eigenen Wesenskern“ steht, den freilich die meisten Menschen später für ihren ureigenen halten, d.h. etwa der Katholik hält sich sozusagen für einen „geborenen Katholiken“! Gemeinhin spricht man vom „höheren Selbst“, sozusagen das „Über-Ich“, wenn man von dem spricht, was wir als „bioenergetischen Kern“ bezeichnen. Kriegsdienstverweigerer haben sich beispielsweise darauf berufen.

Es ist fatal, diese Verwechslung des „Glaubens“ mit dem Ureigenen durch „Aufklärung“ einfach vom Tisch wischen zu wollen, d.h. die „Gewissensnot“ nicht ernst zu nehmen. Es geht ums Eingemachte, so daß, wenn denn die „Aufklärung“ überhaupt funktioniert, es allenfalls zu einer Verlagerung kommen wird. Wie Stirner so schön sagte: unsere angeblichen Atheisten sind doch nur Pfaffen, nur daß sie jetzt „die Menschheit“ oder „die Humanität“ anbeten. Und dieses Festklammern an einen Ersatzkontakt ist nicht einfach „irrational“, sondern hat eine verquere Rationalität – denn letztendlich verteidigt man sein vermeintlich Eigenes. Man lebt zwar ein gebeuteltes, verpanzertes Leben, aber es wird lebenswert, indem man für „sein“ Vaterland, „seine“ Religion, „seine“ Überzeugungen etc. streitet. Wie Reich in Äther, Gott und Teufel darlegte, muß sich der durch die Panzerung „bewegungsängstlich“ gewordene Mensch („Orgasmusangst“) an etwas Absolutes festklammern.

Waren für den Konservativen das Absolute, Gott, Natur, Volk etc., der das Individuum und seine Eigenheit geopfert werden, sind es für den Liberalen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Wir haben nach Stirner:

  1. den politischen Liberalismus (Freiheit): Erzeugung „freier Völker“ durch Knechtung des Einzelnen unter die Staatsidee;
  2. den sozialen Liberalismus (Gleichheit): Erzwingung der „Gerechtigkeit“ dadurch, daß allen das Eigentum genommen wird und alle „gleiche Lumpe“ werden; und
  3. den humanen Liberalismus (Brüderlichkeit): der die „Menschlichkeit“ erzeugt, indem er alles Individuelle negiert.

Dieser Schwachsinn funktioniert, weil die Menschen auf dem Weg in die Versklavung vermeinen, sie würden für sich selbst eintreten, wenn sie fanatisch für die Götzen „Freiheit“, „Gleichheit“ und „Brüderlichkeit“ eintreten. Es geht um das Geheimnis der Religion – der Rückbindung an das eigene Selbst.

Über die antiautoritäre Transformation der westlichen Gesellschaft

2. Juli 2022

Jenseits der Politik.

Über die antiautoritäre Transformation der westlichen Gesellschaft

Über die Zerstörung der amerikanischen Nation durch die Politik

30. Juni 2022

Zur Abtreibungsdebatte in den USA.

Über die Zerstörung der amerikanischen Nation durch die Politik

Der Kommunismus ist in der Demokratischen Partei lebendig und wohlauf

25. Juni 2022

Die kommunistische Verschwörung.

Der Kommunismus ist in der Demokratischen Partei lebendig und wohlauf

Die Emotionelle Pest gedeiht auf der Unwissenheit und Verwirrung der Öffentlichkeit

16. Juni 2022

Der Griff der Emotionellen Pest nach unseren Kindern.

Die Emotionelle Pest gedeiht auf der Unwissenheit und Verwirrung der Öffentlichkeit

Politisierung ist die bevorzugte Zerstörungsmethode der Pest für Amerika

14. Juni 2022

Politik ist das Instrument der Emotionellen Pest.

Politisierung ist die bevorzugte Zerstörungsmethode der Pest für Amerika

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 2)

13. Juni 2022

Mißlingt das Projekt des Abbaus bzw. der Verhinderung der „inneren Hierarchien“ wird das Über-Ich abgespalten und sozusagen autonom. Wie Reich 1925 in seinem ersten Buch Der triebhafte Charakter ausführte, wird das Über-Ich zu einer Art „Trieb“, wie aus dem Freudschen „Es“, oder einer „Stimme im Kopf“, wie bei Multiplen Persönlichkeiten. Was uns hier gegenübertritt sind nicht etwa „autonome selbstregulierte Menschen“, sondern gepanzerte Menschen, deren Panzerung vollkommen desorganisiert ist.

Ist diese Gesellschaft auf eine autoritäre Weise intakt, werden triebgehemmte Charaktere erzeugt, mit einer einigermaßen „vernünftigen inneren Polizei“. Zerfällt die Gesellschaft und verhalten sich die Eltern entsprechend widersprüchlich, kommt es zur Formation eines „isolierten, sadistischen Über-Ich“, wie Reich es bereits 1925 in dem genannten Buch beschrieben hat, nachdem er Menschen aus dem Lumpenproletariat untersucht hatte. Heute ist die instabile Panzerung, die nachgibt, um dann um so heftiger zuzuschlagen, im Mainstream angelangt, Marke Piercing, Branding, Selbstverstümmeling ähh -lung im Genderwahn etc. Je vermeintlich „freier“ sie sind, desto unberechenbarer sind die inneren „Bullenschweine“, desto brutaler das „Gewissen“.

Natürlich hat auch der ungepanzerte Mensch so etwas wie ein Gewissen. Man könnte vom „Gedächtnis für die autonome Eigenverantwortung“ sprechen, die mit souveräner Freiheit funktionell identisch ist. LaMettrie hat das wie folgt ausgedrückt: „In einer vernünftigen Seele vereinigen sich Pflichtbewußtsein und Sensibilität für Lust so vorzüglich, daß sie, weit davon entfernt, einander zu beeinträchtigen, sich gegenseitig verstärken.“ Leider hatte Stirner die Tendenz jedes Ideal zu negieren, so daß er es seinen Gegnern einfach machte, ihn als tumben Egoisten abzutun, ähnlich wie LaMettrie auf die „Menschenmaschine“ und Reich auf den „Orgasmuskönig“ und „Regenmacher“ reduziert wurden. Imgrunde wurden sie als „triebhafte Charaktere“ abgetan, die die „gewissenlose“ Hölle auf Erden heraufbeschwören.

Ich kann nur immer wieder drei Filme empfehlen, die den entsprechenden Horror vor allem des Konservativen vor LSR drastisch beschreiben: From Beyond – Aliens des Grauens von 1986, Hellraiser (Teil 1 und 2) von 1987/88 und Event Horizon von 1997. DARUM geht es hier und nicht um „Philosophie“!

Vor einiger Zeit eine Szene in einem deutschen Krimi, die ich zufällig gesehen habe, als ich den Fernseher anmachte: Ein junger Mann erläutert einer jungen Frau Stirners Philosophie, von der sie noch nie gehört hat. Nach längeren Ausführungen sagt er: „Stirners Grundaussage ist: ‚Es geht nichts über mich selbst!‘.“ Darauf die Frau: „Das hältst Du für eine ernstzunehmende Theorie?“ „Nein, natürlich nicht, aber es ist originell. Hahaha.“ Das ist so typisch, wie die Leute auf LaMettrie, Stirner und Reich reagieren: zunächst sind sie voll Erregung und persönlicher Betroffenheit, dann fühlen sie sich schmutzig und reagieren schließlich dieses Gefühl auf infantile Weise ab, indem sie es ins Lächerliche ziehen. Am Ende treten sie nach und spucken auf den Mann, den sie eben noch angehimmelt haben: er ist jetzt ein egomanes und sexuelles Schwein, das sie verführen wollte, das teuflische Tier in ihnen auszuleben. LaMettrie, Stirner und Reich werden letztendlich zu Superbösewichtern, die die Menschheit in den Untergang führen.

Charlie Chaplin und Wladimir Putin

12. Juni 2022

Reichs dänische Mitarbeiterin und spätere Biographin Ellen Sierstedt wurde nachhaltig von Reichs Faszination für den Film im allgemeinen und dessen massenpsychologische Wirkung auf die Jugend im besonderen beeinflußt. Das war eines der Hauptthemen in den fünf Bänden von Reichs im skandinavischen Exil herausgekommenen Sexpol-Periodikum Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie (1934-1938).

Sierstedt hat nach dem Krieg eine kleine Broschüre für zwölfjährige Schüler veröffentlicht, Was weißt du vom Film? Dort erwähnt sie u.a. Charlie Chaplin, der in seinen Filmen „erzählt, wie es einem einfachen Mann zwischen brutalen und dummen Menschen zu Mute ist“ (Frankfurt: Verlag Schaffende Jugend, o.J.). Mir ist diese Stelle sauer aufgestoßen, nicht weil das falsch ist, was sie schreibt, sondern weil diese offensichtlich nicht sehr bemerkenswerte Aussage den Kern dessen trifft, was unser aller Schicksal besiegeln könnte.

Man kann den Einfluß Chaplins auf die Massen Anfang des 20. Jahrhunderts kaum überschätzen. Er gab den unterdrückten und ausgebeuteten Massen Gesicht und, ich hätte beinahe geschrieben, Stimme. Er stellte die einfachen Menschen dar im täglichen Kampf gegen die Brutalität und Dummheit der Herrschenden und ihrer Schergen. Entsprechend waren seine Filme, die er nach Beginn des Tonfilmzeitalters machte (einen Übergang den er eben wegen seiner „Massenbasis“ praktisch als einziger Stummfilmstar problemlos meisterte), offen linkspolitisch. Seine Darstellung eines Massenmörders, der Reihenweise Frauen abmurkst, in Monsieur Verdoux – Der Frauenmörder von Paris (1947), werde ich ihm ewig hoch anrechnen, denn es war ein kaum verklausulierter Angriff auf die Politiker ALLER Seiten, die einen solchen stümperhaften Amateur des Mordens dem Volk als billiges Bauernopfer vorwerfen, damit sie ihn genüßlich zerreißen, während die ach so hochmoralischen Staatslenker selbst Millionen auf die denkbar scheußlichste Weise massakrierten. Wer denkt heutzutage nicht an die genauso brutale und dumme Bluthyäne Annalena Baerbock, die, dümmlich grinsend, den Ukrainekrieg vollkommen sinnlos in die Länge ziehen, wenn nicht sogar weiter eskalieren will!

Das bringt mich zur größten und wirklich unverzeihlichen Sünde Chaplins: seine Unterstützung für den Einzug Amerikas in den „Großen Krieg“, der damit zum Ersten Weltkrieg wurde. Wie kaum ein anderer unterstützte er, DIE Verkörperung des arbeitenden und leidenden Volkes weltweit, einen der schlimmsten und vielleicht folgenreichsten Ausbrüche der Emotionellen Pest in der Menschheitsgeschichte. Mit primitivster Propaganda, Chaplin an vorderster Front, wurden „der Kaiser“ und wurden die Deutschen als „brutal und dumm“ hingestellt; wahre Teufel, die man unter allen Umständen bekämpfen müsse, egal welche Opfer man dafür selbst aufzubringen hat. Die dergestalt künstlich aufgeputschte Pogromstimmung gegen alles Deutsche in den USA wird in dem James Dean-Film Jenseits von Eden sehr schön dargestellt. Ansonsten: Präsident Wilsons Politik führte fast schon unausweichlich zum Sieg der Bolschewisten in Rußland und zum späteren Sieg der Hitleristen in Deutschland., dergestalt zum Zweiten Weltkrieg – und letztendlich zum heutigen Krieg in der Ukraine und damit dem Dritten Weltkrieg.

Die Geschichte wiederholt sich. Unsere Medien, hauptsächlich das Fernsehen, der heutige „Film“, zeichnen „Putin und die Russen“ auf offen rassistische Weise als „brutal und dumm“. Man müsse alles tun, um „den Russen“ Einhalt zu gebieten, sonst erobern sie die Welt, versklaven uns und unsere Kinder und vergewaltigen unsere Frauen. Danach klauen sie unsere Waschmaschinen… Sogar Campino würde heute voll Begeisterung zum Bund gehen!

Was wir hier vor uns haben, ist die abgrundtief böse Dialektik der Emotionellen Pest: das Lebendige, unser friedliches von Liebe, Arbeit und Wissen bestimmtes Leben, wird unter dem Vorwand in die Hölle geschickt, die Emotionelle Pest („Putin und die Russen“) endlich in ihre Schranken zu verweisen. Die einzigen, die davon profitieren, sind machthungrige Politiker wie die Bluthyäne und das verbrecherische Ausbeuterkonglomerat aus Finanz-, Pharma- und Rüstungsindustrie, das im Hintergrund die Fäden zieht. Man schaue sich Chaplins selbstfinanzierten Film The Bond von 1918 an: