Posts Tagged ‘Psychose’

Einige Gedanken zur Rolle der Diagnose in der Orgontherapie (Teil 2)

6. Oktober 2026

Eine der schlagendsten Einwände gegen die von Elsworth F. Baker in Der Mensch in der Falle dargelegten psychiatrischen Nosologie betrifft die anale Schizophrenie. Baker zufolge würde der anale Zwangscharakter überproportional häufig eine katatone Schizophrenie entwickeln. Doch, so der Einwand, gäbe es weder epidemiologisch einen Hinweis darauf, daß Leute, die die Kriterien für die ICD-10-Diagnose „anankastische Persönlichkeitsstörung“ („Zwangspersönlichkeit“) erfüllen, häufiger eine Krankheit kriegen, die die ICD-10-Kriterien für „katatone Schizophrenie“ erfüllt, noch darauf, daß von den Leuten, die die Kriterien für die ICD-10-Diagnose „katatone Schizophrenie“ erfüllen, überproportional viele prämorbid die Kriterien für die ICD-10-Diagnose „anankastische Persönlichkeitsstörung“ erfüllt hätten. Eine zwanghafte Persönlichkeit zu haben, könne nicht als Vulnerabilitätsmarker für die Entwicklung einer katatonen Schizophrenie gelten. Bakers Annahme würde also von den epidemiologischen Fakten nicht gestützt und sei deshalb kaum mehr als eine vor-wissenschaftliche Spekulation aufgrund vorsintflutlicher psychoanalytischer Spekulationen.

Von orgonomischer Warte kann man anfügen, daß, während heutzutage von den Orgontherapeuten kaum je Zwangscharaktere diagnostiziert werden, die Diagnose katatoner schizophrener Charakter zu den häufigsten orgonomischen Diagnosen überhaupt gehört. Das stellt zweifellos einen gewissen Widerspruch dar! Umgekehrt werden von der mit den ICD-10-Kriterien arbeitenden Psychiatern häufig Zwangsstörungen und anankastische Persönlichkeitsstörungen („Zwangspersönlichkeiten“) diagnostiziert, aber eher selten Katatonien. Bemerkenswert ist auch, daß rein klinisch Orgontherapeuten (die durchweg auch als klassische Psychiater ausgebildet sind und einen entsprechenden Facharzttitel besitzen!) feststellen, daß katatone Schizophrene nach Auflösung der Augenpanzerung, wie von Baker vorhergesehen, automatisch zu Zwangscharakteren werden, die dann als solche weiterbehandelt werden können.

Irgendwas paßt hier offensichtlich ganz und gar nicht zusammen! Mit Sicherheit hat die „anankastische Persönlichkeitsstörung“ (also Persönlichkeitsstrukturen, die durch Kontrollzwang, Regeln, Geiz und Starrheit etc. geprägt sind) wenig bis nichts mit dem Zwangscharakter zu tun. Zwangscharaktere sind durch ihre Rigidität und „Maschinenhaftigkeit“ definiert, nicht durch eine Liste von Symptomen, die man, ja, „zwangsneurotisch“ abhaken könnte. Außerdem zeigen sie einen auffälligen Hang zu verstärkter okularer Panzerung, was manchmal die Abgrenzung zum katatonen schizophrenen Charakter problematisch macht.

Baker würde darauf hinweisen, daß Zwangshandlungen nicht sonderlich mit dem Zwangscharakter korreliert sind (die Bezeichnung ist mehr historisch als deskriptiv bestimmt!), sondern daß derartige Symptome bei allen möglichen Charaktertypen auftreten, besonders aber beim diametralen Gegenteil des Zwangscharakters, also dem hysterischen Charakter. Charakterdiagnosen beruhen auf der alles bestimmenden Hauptabwehr, nicht irgendwelchen Symptomen! Es geht um das Sein, nicht um das Verhalten!

Im übrigen finden sich auch in der gängigen Psychiatrie unter den Vulnerabilitätsmarkern für die Entwicklung einer katatonen Schizophrenie Trotz, Angst vor Kontrollverlust (Aktivitätshemmung), vor allem aber Zweifel und Ambivalenz: halt Zwangscharaktere.

Es ist unmöglich, eine Entität (etwa den Zwangscharakter) aus der orgonomischen Nosologie zu nehmen, die etwas beschreibt, was die gängige Psychiatrie gar nicht kennt, nämlich die Charakterstruktur – und diese Entität dann mit der mechanischen Entsprechung aus der ICD-10 (also die „anankastische Persönlichkeitsstörung“) zu vergleichen. Das geht nur, wenn man es mit der funktionellen Entsprechung macht.

Das ist genauso, als wenn ich behaupten würde, daß sich die Lungen der Säugetiere aus den entsprechenden Organen der Fische entwickelt hätten. Darauf antwortet dann der Skeptiker, daß sich aus den Kiemen der Fische irgendwelche inneren Ohrknochen der Säugetiere entwickelt haben, aber eben nicht die Lungen. Mit dieser „Widerlegung“ träfe man mich aber in keinster Weise, denn die Schwimmblase der Fische wurde im Rahmen eines für die Evolution typischen Funktionswechsels zur Lunge der Säugetiere. Man darf nur vergleichen, was wirklich zusammenpaßt.

Es ist die Frage, ob man die Charaktereinteilung mit der ICD-10 vermischt und dergestalt ein heilloses Durcheinander erzeugt oder ob man, wie der medizinische Orgonom Peter A. Crist es getan hat, die ICD-10 jener orgonotischen Funktion zuordnet, zu der sie funktionell gehört: die „symptomatische“ Persönlichkeits-Fassade gemäß dem orgonomischen Dreischichtenmodell aus Kern (Natur), mittlerer Schicht (Charakter) und Fassade (Persönlichkeit).

Ein analoges Problem aus der internistischen Medizin ist die Frage, ob man etwa Reichs orgonenergetische Erklärung der Immunabwehr („B-Reaktion vs. T-Reaktion“) angesichts der neuen mikrobiologischen Erkenntnisse als überholt verwirft oder ganz im Gegenteil, wie es der medizinische Orgonom Charles Konia getan hat, die Immunabwehr („Erkennen und Ausschalten des Fremden“) mit Hilfe der Orgonometrie auf primordiale Funktionen zurückführt und dazu die neusten mikrobiologischen Erkenntnisse heranzieht.

Zum Schluß möchte ich ein weiteres Problem mit der katatonen Schizophrenie anführen. Wenn ein Orgontherapeut von einem „katatonen schizophrenen Charakter“ spricht, meint er einen Menschen, der aufgrund einer frühen Entwicklungsstörung (Reich meinte die ersten 10 Tage) eine außergewöhnlich starke Augenpanzerung davongetragen hat und dann beispielsweise aufgrund einer strikten Reinlichkeitserziehung eine (okular überlagerte!) zwanghafte Charakterstruktur entwickelt hat. Resultat dieser Kombination ist der katatone schizophrene Charakter. Reich zufolge ist die frühe okulare Panzerung durch die Spaltung zwischen bioenergetischer Erregung und der psychischen Wahrnehmung geprägt. Konia hat diesen Ansatz weiterentwickelt, indem er zwischen einer „Erregungsschizophrenie“ und einer „Wahrnehmungsschizophrenie“ unterscheidet. Die letztere entspricht weitgehend dem, was Psychiater als „Psychosen“ behandeln. Schizophrene, die unter ersterem leiden, brauchen in ihrem gesamten Leben jedoch keine einzige psychotische Episode durchmachen, sind aber trotzdem schizophrene Charaktere. Im ICD-10-System fallen sie unter den Tisch, was für ihre Psychotherapie, insbesondere aber eine etwaige pseudo-orgonomische „Reichianische“ Therapie, absolut verheerende Folgen zeitigen kann!

Zerfaserung, Vernebelung und das Reich der Dämonen (Teil 2)

15. Januar 2026

In seinem Artikel „Orgone Therapy: The Application of Functional Thinking in Medical Practice. Part XVII: The Province of Medical Orgonomy“ (S. 165-174) beschäftigt sich Charles Konia u.a. mit Figuren, die zwar als „Orgontherapeuten“ und „Orgonomen“ auftreten, jedoch nicht die charakterstrukturellen Voraussetzungen dazu nicht mitbringen.

Ein besonderes Problem sind notorische Mystiker:

Mystische Menschen haben (…) einen gewissen Grad des Kernkontakts aufrechterhalten, wenn auch verzerrt (…). Obwohl einige die Orgonomie anfangs annehmen können, bauen sie sie früher oder später in ihr System von mystischen Einstellungen und Verzerrungen ein. Diese Untergruppe, diejenigen, die ihre Mystik nicht aufgeben können, sind häufig in den Tiefen ihrer Struktur psychotisch. (S. 171)

Jeder, der mystischen Lehren anhängt, kann unmöglich Orgontherapeut sein. Reich hat dazu geschrieben: „Ein Ingenieur wird bei seiner Arbeit von seinem Glauben an ein jenseitiges Glück vielleicht nicht gestört, bei einem Sexualökonomen wäre ein derartiger Glaube jedoch eine Katastrophe“ („Work Democracy in Action“, Annals of the Orgone Institute, Vol. 1, 1947, S. 32).

Was zieht dann diese armen Irren ausgerechnet zur Orgonomie? Das, was Reich als „kosmische Sehnsucht“ bezeichnet hat. Reich:

Die mystischen Vorstellungen so vieler Religionen, der Jenseitsglaube, die Lehre von der Seelenwanderung etc. entstammen ausnahmslos der kosmischen Sehnsucht; und die kosmische Sehnsucht ist funktionell in den Ausdrucksbewegungen des Orgasmusreflexes verankert. (Charakteranalyse, KiWi, S. 515)

Was diese unglückselig ver(w)irrten Seelen von uns Normalsterblichen unterscheidet, was sie erleben, hat Reich wie folgt beschrieben:

[Die] Ablösung der Funktion der Selbstwahrnehmung von den organismischen Funktionen kann in einigen Fällen nicht anders erlebt werden als in der Form „Seele verläßt Körper“ oder „Seele befindet sich außerhalb des Körpers“. Da die Wahrnehmung nur geringen und schließlich gar keinen Kontakt mehr mit den bioenergetischen Funktionen hat, die sie subjektiv widerspiegelt, erlebt man auf sehr typische Weise „Selbstentfremdung“ oder „Selbstentrücktheit“. Dementsprechend haben Prozesse wie Projektion, Trance, Depersonalisation, Halluzination usw. eine konkrete Spaltung im bioenergetischen System zur Grundlage. (ebd., S. 572)

Bei allem Mitleid und Verständnis, es wird Zeit diesen wahrscheinlich unheilbar strukturell gestörten Leuten endlich Einhalt zu gebieten.

Barbara G. Koopman: Bewußtseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (1. Hälfte)

15. Mai 2025

Barbara G. Koopman: Bewußtseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib?

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Phantasie” und folgende

31. Januar 2025

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Phantasie“ und folgende

David Holbrook, M.D.: Politisierug / Manisch-Depressive

30. Oktober 2024

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Politisierung der persönlichen Identität

Wahrnehmung, Schizophrenie und manische Depression: Textaustausch mit einem manisch-depressiven Patienten

Politik als Identität

Spontaneität

Die Reduktion des menschlichen Lebens auf die Politik

Wie man mit anderen Menschen umgeht

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Humor” und folgende

2. Oktober 2024

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Humor“ und folgende

Das Gute, Wahre und Schöne

25. Juli 2024

Wahrheit ist Kontakt mit der Realität. (Wilhelm Reich)

Kontakt ist die Verschmelzung von Wahrnehmung und Erregung. (Charles Konia)

Wahrnehmung und Erregung sind die beiden Varianten des Strömens. (Charles Konia)

Trotz des Wortes ist „Strömen“ eine tiefere Funktion als nur „Bewegung“. (Robert Harman)

Strömen ist die Essenz (das Wesen, das Sein) der Realität.

Die Wirklichkeit ist Wahrnehmung der Erregung bzw. Erregung durch Wahrnehmung.

Daher ist die Wahrheit die Wirklichkeit und die Wirklichkeit die Wahrheit.

Beides geht verloren (a) durch die Augenpanzerung, die die Wahrnehmung von der Erregung trennt (Psychose) und umgekehrt (Hyperaktivitätsstörung), und (b) durch die Muskelpanzerung, die sowohl die Wahrnehmung als auch die Erregung abschwächt, d.h. das Strömen unterbindet.

Strömen (Wahrheit) ist das Gegenteil von Panzerung (Lüge). Letztlich ist es der Antagonismus von OR und DOR.

Am nächsten kommen wir der Erregung und Wahrnehmung, wenn wir im Orgonenergie-Akkumulator sitzen, der durch die gegenseitige Erregung von Organismus und ORAC funktioniert, sowie durch die Beobachtung des atmosphärischen Orgons, was die grundlegendste Form der Wahrnehmung ist. Der Medical DOR-Buster kommt dem Strömen am nächsten, da er sowohl „Bewegung“ induziert (siehe oben) als auch DOR eliminiert.

Das Strömen steht hinter der Antischwerkraft, wie jeder gewöhnliche Baum („Osmose“) und der menschliche Organismus, der der Schwerkraft trotzt, zeigen. Die „Essenz“ wird durch den Goldenen Schnitt, die Fibonacci-Reihe und all die anderen mathematischen Wunder, die in jedem Organismus zu sehen sind, eingraviert. Es ist der Logos, das Wort Gottes, die wahre Naturwissenschaft, die mit dem Naturrecht identisch ist.

Es gibt eine objektive Wahrheit – es gibt ein Naturrecht in jedem Sinne des Wortes. Reich starb ausdrücklich bei der Verteidigung dieses Gesetzes!

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 130)

20. Mai 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Die Frage, was mich so sicher mache, daß das Orgon wirklich existiert, beantworte ich mit der Gegenfrage: Was macht mich so sicher, daß die Außenwelt überhaupt existiert?

Natürlich, eine ziemlich hohle Floskel. Aber im Ernst; woher wissen wir denn nun, daß die Außenwelt existiert, zumal diese doch ganz offensichtlich von unserem eigenen biophysischen Zustand abhängt: wie entspannt unser okulares Segment ist; ob wir Alkohol oder irgend eine andere bewußtseinsverändernde Substanz im Blut haben; ob wir einem blöden Vorurteil aufsitzen oder einer „realen“ optischen Täuschung, etc. Antwort: Der Kontakt zu unseren Mitmenschen hält uns davon ab, in eine solipsistische Psychose zu verfallen. Ständig fragen wir: „Siehst du das auch so?“

Mit dem Orgon ist es – ähnlich wie bei der „LSR-Essenz“ – grundsätzlich anders: denn hier haben praktisch alle anderen ein Brett vor dem Kopf; knallen praktisch alle anderen ihre Birne mit irgendwelchem Zeugs zu; folgen alle anderen einer Art Massenhypnose. Hier stellt sich die Frage also fundamental anders, als bei der banalen Frage, ob die Außenwelt überhaupt existiert. Also: Was macht mich so sicher (gegen alle Experten), daß das Orgon wirklich existiert?

Die Grundfunktion der Panzerung ist die „Zerstückelung“, während die Entdeckung des Orgons darin besteht Funktionszusammenhänge zu sehen. Es ist jedoch der Grundzug unserer gepanzerten Gesellschaft alle Funktionszusammenhänge zu zerreißen. Es ist ähnlich wie das, was Laska in seinem LSR-Projekt freilegt: in Dutzenden von Bänden wird Palimpsest auf Palimpsest getürmt, um die einfachen Zusammenhänge nicht zu sehen.

Das Orgon ist nichts anderes als ein Wort, eine gedankliche Abstraktion! Dieses Wort steht dafür, daß ich die Zusammenhänge sehe, daß ich außerhalb „der Falle“ stehe und daß ich ich bin – also nicht zerrissen bin!

Was ist Orgon? Was meinen wir, wenn wir das Wort Orgon verwenden? Orgon ist eine Abstraktion des Geistes. Was wir sehen, sind seine Manifestationen. Man darf das Wort niemals mit dem verwechseln, was wir sehen. Woher weiß ich, daß das, was wir durch das Teleskop sehen, Orgon ist? Wir sagen, es ist Orgon, aber woher wissen wir das? Was macht die eigentliche Entdeckung aus? Man hat nie eine Entdeckung mit einer Tatsache; sagen wir nicht Tatsache, sagen wir Funktion. Aber als ich sah, daß die Bewegung in der Atmosphäre mit To-T und mit dem Elektroskop korreliert war, da hatte ich etwas. Die Entdeckung besteht in der Verflechtung der Phänomene. Man hat immer mindestens zwei Funktionen. Im Funktionalismus kann man nicht ein einzelnes Problem nehmen und versuchen, es in seinem Bereich zu lösen. (From Homo normalis to the Child of the Future, Orgonomic Functionalism Vol. 1, S. 100)

Natürlich ist es für mich und mein Leben scheiß egal, ob der Kosmos von irgendeinem ätherischen Saft durchwabert wird oder nicht! Es kommt auf etwas ganz anderes an, etwas was engstens mit der „LSR-Essenz“ verbunden ist – wie soeben ausgeführt.

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Blau” und folgende

29. März 2024

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Blau“ und folgende

Der Rote Faden (Band 2): 46. Schizophrenie, eine Schrumpfungsbiopathie

25. November 2023

DER ROTE FADEN (Band 2): 46. Schizophrenie, eine Schrumpfungsbiopathie