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Der verdrängte Christus: 13. Christliche Spiritualität

1. Juli 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

13. Christliche Spiritualität

Milo Yiannopoulos und Wilhelm Reich

25. Februar 2017

Milo Yiannopoulos ist eine der Stimmen der libertären Rechten, die maßgeblich daran beteiligt waren, Trump zum Präsidenten zu machen. Als bekennender Schwuler und bekennender Katholik, der gegen Abtreibung ist, ein Antifeminist und Islamophob und dazu sich auch noch gegen den ganzen Genderschwachsinn und gegen die Selbststilisierung der Schwulen als Opfer der Gesellschaft wendet, trieb er die Linke in den USA in die schiere Raserei. Nun wurde er, ein schwuler Jude, der sich ausschließlich von wohlbestückten Negern ficken läßt, von den international(istisch)en Großkonzernen, die die linksliberalen Medien kontrollieren, als Kinderficker denunziert, nachdem das Lebel „Nazi“ irgendwie nicht haften wollte. Es wurden (im übrigen schon seit langem veröffentlichte) Videos zusammengeschnitten, in denen er die Pädophilie verteidigte. Niemand kann das überleben, schon gar kein Schwuler!

Milo hatte eine schreckliche, emotional kalte und einsame Kindheit, wurde von seinem Vater und Mutter kaum beachtet, und fand als 13jähriger schließlich Wärme und Zuneigung bei seinem katholischen Priester. Später bedankte er, das Opfer, sich öffentlich bei diesem Priester, daß der ihn in den schwulen Sex eingeführt hatte. Dieses Bekenntnis war eine Mischung aus Sarkasmus und Stockholm-Syndrom, zu differenziert für eine tumbe Öffentlichkeit, die keinerlei Gespür für Zwischentöne und Tragik hat. Jetzt steht Milo als Verteidiger der Kinderfickerei, wenn nicht sogar selbst als Kinderficker da!

Und das von den Skippy Podestas dieser Welt, die ihre Freizeit damit verbringen kleine Kinder zu Tode zu quälen. Es gibt einen Bereich, der ausschließlich von den Reichen und Mächtigen geprägt wird: moderne Kunst, Design und Architektur. Sie sind die Kunden und entsprechend sieht die Produktion aus: ein Panoptikum der Scheußlichkeiten, des Sadismus und der Nekrophilie. Man gehe in ein Museum für moderne Kunst und man weiß, wie es in den Köpfen unserer Herrscher aussieht. Ein Schwein, das sich in dieser entarteten Kultur wälzt, ist der Journalist und Kulturmanager Christopher Turner, dessen Buch über Reich ich ausführlich rezensiert habe. Danach war er beim Cabinet Magazine, Modern Painters und Icon Magazine, danach Leiter der London Design Biennale.

Er ging damals ähnlich gegen Reich vor, wie man heute Milo erledigt. Turner, der sich im Ekligen und Degenerierten aalt und niemals auch nur ansatzweise eine kritisches Wort über Alfred Kinsey verliert, tut alles, um den vollkommen unschuldigen Reich in die Nähe von sexuellem Kindesmißbrauch zu rücken und dergestalt jene Gestalt endgültig fertigzumachen, die sich vielleicht als einzige dieser Kultur der Kinderficker, Mörder und Satanisten entgegenstellen kann.

In welcher Gedankenwelt sich Turner räkelt, sieht man an seiner letzten Buchbesprechung über Pornotopia.

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 6.h.

30. April 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

6. Äther, Gott und Teufel

a. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

b. Spiritualität und die sensationelle Pest

c. Die Biologie zwischen links und rechts

d. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

e. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

f. Die gesellschaftlichen Tabus

g. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

h. Dreifaltigkeit

Nachtrag zu Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 3.e.: Die Marxsche Arbeitswertlehre als Emotionelle Pest (Teil 2)

16. Januar 2016

Wirklich dämonisch wird der Marxismus aber erst durch eine clevere Denkfigur, die ihn unverwundbar macht. In diesem Sinne ist er eine verblüffend genaue Entsprechung zur Neurose, die ja auch eine unentrinnbare Falle ist. So ist er im wahrsten Sinne des Wortes „der neurotische Irrationalismus auf dem sozialen Schauplatz“.

Am ehesten läßt sich diese Denkfigur anhand des Neurotikers und seiner Reaktion auf die Genitalität aufzeigen. Da der neurotische Charakter letztlich auf der Abwehr der Genitalität gebaut ist, sieht er diese stets im Lichte der von ihm direkt abgewehrten prägenitalen Impulse. Wenn er zum Kern sehen will, muß er immer durch die alles tönende Panzerung hindurchschauen. Weil er seine passiv-analen Tendenzen abwehrt, wird der phallisch-narzißtische Charakter den Genitalen Charakter als „schwul“ empfinden. Während der gleiche genital gesunde Mann dem passiv-femininen Charakter als zu phallisch-aggressiv, ja sadistisch erscheinen wird. Im Bezugsrahmen des Neurotikers ist es dergestalt völlig rational, die Genitalität abzulehnen. Ein Beweis für die Irrationalität der Neurose wird dadurch zu einem für die Irrationalität der Genitalität!

Genauso ist Marx’ Angriff auf unsere Gesellschaft geartet. Unter der Voraussetzung falscher Annahmen wird die Widerlegung seiner Theorie durch die kapitalistische Wirklichkeit zu ihrer Bestätigung! Denn natürlich wird das „wahre Wertmaß“ verzerrt, was aber keine Widerlegung des Kapitalismus, sondern der Marxschen Theorie vom wahren Wertmaß ist! Dieses hat sich nach dem konkreten Marktgeschehen zu richten und nicht umgekehrt. So sind ja auch nicht die Neurotiker das Maß aller Dinge, sondern einzig die Genitalität, weil sie nicht in Konflikt mit der kosmischen Orgonenergie steht und in diesem Sinne nicht realitätswidrig ist.

Einen Ansatz zu der realitätsgerechten, „genitalen“ Volkswirtschaftslehre findet sich in dem Aufsatz „Toward a Functional View of Economics“ von Curtis Barnes (Journal of Orgonomy, May 1979).

Damit, daß sie glaubten „Wert“ sei eine quantitative in Einheiten von Arbeit, Preisen oder irgendeiner anderen objektiven Skala meßbare Eigenschaften der Waren, haben, so Barnes, Ökonomen wie Marx einen „biologischen Rechenfehler“ begangen:

Man trifft immer noch Äußerungen wie „ein Pferd ist 10 Schafe wert“ [von solchen Gleichungen strotzt Marx’ Kapital], die die Tatsache ignorieren, daß es verschiedene menschliche Gefühle sind, worüber gesprochen wird, und nicht Pferde und Schafe. (…) Es ist schwer vorstellbar, daß irgendein Tausch vor sich geht, ohne daß zwei Menschen unterschiedliche Gefühle hinsichtlich der getauschten Objekte hätten. Die Artikel werden nicht nur verschieden bewertet, sondern solch Wert ist lebendig und veränderbar; es ist eine emotionale Äußerung in Menschen und ihren Beziehungen; etwas, was keine Untersuchung oder Messung des Arbeitsproduktes erklären kann.

Wert entsteht buchstäblich durch unsere „Bewertung“. Barnes weiter: Der Arbeiter beeinflußt

durch die Äußerung seiner Vorlieben und seiner Wahl von Arbeitsprodukten und seinem Austausch (…) die Art und Weise in der Materialien, Zeit, Aufwand und Fähigkeit angewandt werden. Die Gesellschaft wird eine Sache von Zusammenarbeit und wechselseitigem, wohltuendem Kontakt. (…) Die Marktfunktion erlaubt die Überlagerung von Arbeitsfunktionen in einer Art, die tiefe Wahrheiten über die Natur, bioenergetisches Funktionieren und subjektive emotionale Äußerungen offenbart.

Seinen Aufsatz hebt Barnes im Gegensatz zu Marx nicht mit irgendwelchen abstrakten „Elementarformen“ an, sondern mit dem Gesamtbild „Gesellschaft und Arbeit“, in dem wir täglich stehen. Dieses Netzwerk ist

ein funktionelles Ergebnis von (…) lebendigen Menschen, die Arbeit und Austausch nutzen, um Freude und Lust in ihr Leben zu bringen. Die Frage ist nicht, wie man diesen Prozeß verändern oder kontrollieren kann, sondern wie man ihn verstehen und dadurch sich entfalten lassen und beschützen kann.

Der Marxist reagiert auf eine solche Aussage mit einem zynischen, überheblichen Grinsen.

In diesem Zusammenhang beschreibt Barnes im Bereich der Arbeit eine Entsprechung zur Orgasmusformel (Spannung-Ladung-Entladung-Entspannung):

Arbeit entstammt bioenergetischer Spannung, die der Organismus als Gefühle von Sehnsucht, Verlangen oder Unbehagen erfährt; physische Arbeitstätigkeit folgt und schließlich ist Kontakt mit dem Arbeitsprodukt hergestellt, was ein Nachlassen der Spannung hervorruft, das als lustvolle Befriedigung empfunden wird.

So ist letztlich die Orgasmusfunktion der Dreh- und Angelpunkt des Wirtschaftslebens. Dabei ist die Entsprechung von Ökonomie und Sexualökonomie sehr weitgehend. Man denke etwa an die lustverneinende „Pflichtethik“ der autoritären Gesellschaft: „Arbeite um der Sache selbst willen und nicht für den Ertrag!“, während umgekehrt Sexualität kein Selbstzweck mehr sein darf, sondern der Fortpflanzung dienen muß (der Pflicht gegenüber der Familie oder sogar der „Rasse“). Mit dem Verneinen der Lust wird das Wesen von Arbeit und Sexualität jeweils ins Gegenteil verkehrt. (Auf diesen verqueren Maximen beruhen praktisch alle nicht europäisch geprägten Gesellschaften!)

Indem er die Orgasmusformel auf die Arbeitsenergie angewandt hat, ermöglichte Barnes eine orgonomische Wirtschaftstheorie. Barnes:

Erst das Erkennen der vitalen bioenergetischen Prozesse im Kern der Arbeitsfunktion macht eine direkte Anwendung orgonomischer Prinzipien bei der Untersuchung der Arbeit möglich. Ebenso ermöglicht es ein besseres Verstehen des Platzes, den die Arbeit in der Gesellschaft einnimmt, in Bezug darauf ob die Arbeiter/Arbeitsprodukt-Beziehung selbstgesteuert ist oder nicht.

Im Anschluß an Barnes beschreibt Charles Konia die Energieökonomie in der Gesellschaft als ganzer:

Im Prozeß der Entwicklung einer unbehinderten (arbeitsdemokratischen) Gesellschaft ruft eine gegebene Funktion (psychologisch „Bedürfnis“, ökonomisch „Bedarf“) spontan ein Variationspaar hervor: den Dienstleister bzw. Produzenten und den Käufer.

Zwischen diesen beiden Funktionen kommt es nun zum Energieaustausch:

Basierend auf wechselseitigem Bedürfnis und wechselseitiger Befriedigung „entlädt“ bzw. „gibt“ der Lieferant dem Kunden eine Dienstleistung oder ein Produkt. Umgekehrt wird er mit Geld bezahlt („er lädt auf“). Auf der anderen Seite gibt der Kunde Geld (er „entlädt“ oder „lädt auf“) und erhält im Gegenzug Waren und Dienstleistungen (das „Aufladen“ durch den Lieferanten). („Cancer and Communism“, Journal of Orgonomy, May 1986)

Konia vergleicht diesen Vorgang mit der biologischen Pulsation im Organismus, die z.B. über die Muskulatur Bewegung hervorruft. „Der identische Prozeß bewirkt im sozialen Bereich die ökonomische Aktivität.“ Die Gesellschaft wird freudlos und verarmt materiell, wenn dieses Streben nach wechselseitigem Lustgewinn und Profit unterbunden wird. Diesen Vorgang beobachten wir im Sozialismus (und in abgemilderter Form im gegenwärtigen Pseudo-Kapitalismus, bei dem sich der Staat in alles einmischt).

Aus diesen Erläuterungen läßt sich erschließen, daß der Antikapitalismus der Marxisten, Nationalsozialisten, Katholiken, Anthroposophen, Globalisierungsgegner, etc. eine direkte Entsprechung ihrer „Antisexualität“ ist. Antikapitalismus, wie immer er auch rational begründet wird, hat stets einen antisexuellen Kern – ist im eigentlichen Sinne reaktionär. Antikapitalismus ist gegen das Leben selbst gerichtet. In welcher Gestalt er auch immer sein Haupt erhebt: er ist nichts weiter als Emotionelle Pest. Zwar wäre es irreführend, Kapitalismus und Arbeitsdemokratie gleichzusetzen, aber ein Großteil jener, die antikapitalistische Argumente vorbringen, verfolgen damit alles andere als „emanzipatorische“ Ziele. Was sie wirklich am Kapitalismus abstößt, ist die Apotheose des Lebens, die er verkörpert – aktuell die angebliche „Dekadenz“ der „neoliberal entfesselten Gesellschaft“ (!), die enge Seelen in die gleiche giftgrüne (und fast durchweg antisemitische) Raserei treibt, wie einst Fourier, Proudhon, Bakunin, Marx, Hitler und Konsorten.

„Aber es gibt doch unverzeihliche Auswüchse!“ Ja, die gibt es aber auch im Bereich der Sexualität. Die Lösung kann nicht in immer weiteren Einschränkungen und Regularien stehen, in mehr „Abpanzerung“, sondern darin die Ursache des Chaos zu beseitigen, d.h. die Panzerung selbst.

Ohne ein Verständnis der Funktion des Orgasmus ist es unmöglich überhaupt irgendeine vernünftige Wirtschaftstheorie aufzustellen. Dementsprechend erinnern die politökonomischen Anregungen der Marxisten so verblüffend an die verantwortungslosen Vorschläge der Sexualwissenschaftler, die uns von der „Tyrannei der Genitalität“ befreien wollen. Nicht von ungefähr spricht etwa Trotzki davon „mit Hilfe der sozialistischen Organisation die blinde elementare Spontaneität aus den ökonomischen Verhältnissen ausmerzen“ zu wollen (Joel Carmichael: Trotzki, Frankfurt 1973, S. 256). In der gleichen Stelle fordert Trotzki „aufklärerisch“ und an Freud gemahnend die „rationale“ Beherrschung der Triebe und sogar, trotzky-typisch spintisierend, die bisher autonomen Körperfunktionen unter bewußte Kontrolle zu bringen. Sozialismus als alle Bereiche des Lebens bestimmende „Yoga-Kultur“ (vgl. Reichs Äther, Gott und Teufel).

Bronislaw Malinowski, auf den sich Reich immer wieder berufen hat, leitete aus seiner Untersuchung der Trobriander den Wert, wie in Funktionelle Ökonomie (Teil 1) erwähnt, aus dem emotionalen Wesen des Menschen ab. Am Anfang der Wirtschaft stand also der „Fetischcharakter der Waren“ nicht ihr angeblicher „wahrer“ Wert! Man nehme etwa einen typischen Gebrauchsgegenstand, wie etwa einen Suppenlöffel. In unserer maschinellen Zivilisation ist er (mal von vernachlässigbaren Ausnahmen abgesehen, die meine Argumentation aber ohnehin eher noch unterstützen) ganz auf seine nackte Funktion reduziert, während bei den „Primitiven“ jeder Gegenstand von Ornamenten und Ausschmückungen übersät ist, die seine Funktion nur behindern können. Nur so ist auch der „Wert“ der Gegenstände zu verstehen: sie wurden rein „subjektivistisch“ bewertet, etwa so wie heute ein Kunstsachverständiger Gegenstände betrachtet.

Wie die Ethnographen immer wieder festgestellt haben, scheint der Hauptlebensinhalt primitiver Gesellschaften der ständige, wirtschaftlich vollkommen sinnlose, Austausch von Geschenken zu sein. Aus Berichten über die Trobriander und andere Naturvölker läßt sich schließen, daß für sie Reichtum und der mit ihm verbundene soziale Status sehr wichtig ist. Man schaue nur, wieviel Wert Naturvölker auf Kleidung, Schmuck und schöne Körperformen legen. Für sie sind Sein und Schein ein und dasselbe. Sie sind ein einziger Hohn auf Erich Fromms zutiefst triebfeindliches, pfaffenhaftes und von Marx inspiriertes „Haben oder Sein“!

Malinowski hat gezeigt, daß die „Primitiven“ nicht etwa essen, um zu leben, sondern weil sie nach oraler Triebbefriedigung streben. Entsprechend war der Austausch lebensnotwendiger „Lebens-Mittel“ (von denen ein Großteil verfault, weil sie aus Prestigegründen zur Schau gestellt werden) ein zufälliges Abfallprodukt des Austausches von Luxusprodukten (Armreifen, Trophäen, magische Formeln und Zaubermittel, etc.) – genauso wie die Fortpflanzung ein zufälliges Nebenprodukt der Sexualität ist.

Bereits die grundlegende Dualität von Sexualität und Hunger, von der Freud (und mit seiner „Fetischismus-Theorie“ gewissermaßen auch Marx) ursprünglich ausging, um die Neurosen zu erklären, war ein triebfeindliches Konstrukt. So hat auch Reich, der doch angeblich das erste Triebkonzept der Psychoanalyse wiederbelebt haben soll, sich kaum je auf diese angeblich natürliche Dichotomie bezogen.

Für den Urmenschen hatte Ernährung kaum etwas mit bewußter Erhaltung zu tun, sondern war ursprünglich reine Triebbefriedigung. Malinowski schreibt, daß den Trobriandern

nur verschwommen gegenwärtig (ist), daß Essen Ernährungswert besitzt. Sie wissen zwar, daß das Nichtvorhandensein von „Grundnahrungsmitteln“ Hungersnot bedeutet, die sie zutiefst fürchten, aber die wichtigste Bedeutung des Essens liegt darin, daß es ein lebendiger Genuß ist – und der wird durch die Zutat von „Delikatessen“ erhöht und ausgedehnt. (Korallengärten und ihre Magie, Frankfurt 1981, S. 51)

Mit anderen Worten: Ernährung, ist wie jeder andere Luxus auch, ein Teilbereich der Sexualität, d.h. des Strebens nach Lust.

Von Anfang an wird dergestalt die Ökonomie nicht von „rationalen“ Überlegungen und rein quantitativ faßbaren Faktoren bestimmt, sondern von Gefühlen. Daß die Wirtschaft nicht primär auf Nützlichkeitserwägungen beruht, paßt natürlich weit besser zu Reichs „biologistischen“ Grundintentionen als der Pseudo-Rationalismus von Marx. Und tatsächlich gab es schon zu Marx‘ Zeiten eine entsprechende quasi „orgonomische“ Alternative zur Arbeitswertlehre.

Zeitgleich mit dem Aufkommen des psychologischen Denkens entstand um das Jahr 1870 eine „subjektive Wertlehre“ (die es bezüglich von Luxusgütern natürlich ansatzweise auch bei Adam Smith und den anderen klassischen Nationalökonomen gab). Da es einfach nicht gelingen wollte, zu erklären, wie genau in den Gütern „geronnene“ Arbeitszeit es schafft, auf dem Markt die Preise zu bestimmen. Die Ökonomen gaben die scholastische Arbeitswertlehre auf – genau zu dem Zeitpunkt als Marx mit seiner von vornherein hoffnungslos überholten, altertümlichen Wirtschaftslehre an die Öffentlichkeit trat. Ohnehin ist jede konsequent objektivistische Wertlehre a priori widersinnig, da Waren, die niemand will, wertlos sind, egal wie viel Arbeitszeit in sie investiert wurde. Sinn kann die Arbeitswertlehre grundsätzlich nur in einer sozialistischen Planwirtschaft machen – auf diese fatale Logik habe ich bereits angespielt.

Wie Marx mit dem offensichtlichen Unsinn „seiner“ auf die absurde Spitze getriebene Arbeitswertlehre fertiggeworden ist, macht m.E. das aus, was man heute „Marxismus“ nennt. Die von Marx sehr schwammig dargestellte sozialistische Utopie (merkwürdigerweise sind die Marxisten auf diesen Mangel an Konkretheit auch noch stolz) ist einfach eine auf maschinenhaften Niveau reorganisierte Gesellschaft, die der kruden Primitivität von Marx‘ Arbeitswertlehre entspricht. Die offensichtliche Widerlegung von Marx‘ Theorie durch die kapitalistische Wirklichkeit – wird zu einer Bestätigung der Marxschen Theorie und gleichzeitig zum zwingenden Motiv, die kapitalistische Gesellschaft in eine sozialistische umzuwandeln. Ein perfektes ideologisches Wahnsystem. Vielleicht das perfekteste, das je entwickelt wurde!

Der Realsozialismus, dessen Wirtschaftssystem Reich zufolge in „scharfem Gegensatz“ zur Weltsicht seiner geistigen Vätern „durch und durch mechanistisch“ ist (Christusmord, Freiburg 1978, S. 349), hat im Rahmen des Möglichen nur getreulich das nachvollzogen, was Marx‘ gefordert hatte. Und im übrigen sahen bereits Marx‘ Zeitgenossen bis ins Detail das voraus, was dann tatsächlich kommen sollte.

Proudhon meinte damals, der Kommunismus ließe sich

nie mit der Würde des Einzelnen und mit den Werten des Familienlebens vereinbaren; er strebe die Universalisierung des Elends an und die Unterdrückung des menschlichen Lebens in einem kasernenhaften Mittelmaß. Seine Befürworter hält er für Fanatiker der Macht, die zur Einführung der Allgewalt des Staates streben, der auf dem öffentlichen Eigentum basiert. In Wirklichkeit hebt der Kommunismus das Eigentum und dessen destruktive Folgen nicht nur nicht auf, sondern führt das Eigentum ad absurdum; im kommunistischen System besitzen die Individuen kein Eigentum, das gesamte Eigentumsrecht – oder vielmehr Unrecht – wird auf den Staat übertragen, der nicht nur zum Besitzer der materiellen Güter, sondern auch zum Besitzer seiner Bürger wird. Die einzelnen Menschen, ihre Bestrebungen, Talente, ihr Leben, das alles wird auf einen Schlag verstaatlicht. Das Prinzip des Monopols, welche Quelle allen sozialen Unheils ist, erfährt im Kommunismus seine höchste Steigerung; der Kommunismus ist nichts anderes als die Ankündigung des extremen Polizeidespotismus. (Leszek Kolakowski: Die Hauptströmungen des Marxismus (Bd. 1), München 1977, S. 237f)

Stalins Zwangsarbeitslager waren eben nicht nur eine „Kleine Mann-Entstellung“ von Marx‘ „menschliche Arbeitskraft schafft Mehrwert“ (vgl. Christusmord, S. 322), sondern dessen zwangsläufige, in der Sache selbst angelegte Folge!

Warum ist hier Religion ein so großes Thema? (Teil 1)

3. September 2015

Wer meinen Blog verfolgt, weiß, daß „Religion“ zu meinen Hauptinteressen zählt. Ich kann die rationalistische Verachtung für dieses Thema nicht nachvollziehen, gibt es doch keinen Bereich, der die Menschen mehr vereinigt und gleichzeitig mehr trennt. Ich meinerseits empfinde Verachtung für Menschen, die, wie Hitler, dieses Thema aus opportunistischen Gründen kleinhalten wollen, weil es Deutschland, die multikulturelle Gesellschaft oder welche Gemeinschaft auch immer spaltet und „Gefühle verletzt werden könnten“. Gefühle! Das geht soweit, daß Religionskritik zunehmend kriminalisiert wird.

Ich bin zu diesem Blogeintrag neulich inspiriert worden, als mir der Besitzer eines kleinen Bekleidungsgeschäfts hier im Einkaufszentrum auf der Straße begegnete. Der Mann stammt aus Indien und ist Sikh. Mir ging auf, wie vollkommen anders er auftritt, sich bewegt, wie vollkommen anders seine Mimik ist und seine Ausstrahlung als bei einem Moslem. Buchstäblich: Sikh gehen anders als Moslems, nämlich gutgelaunt und entspannt. Ich kenne das aus meiner eigenen Familie, seit ich ein Baby bin: Katholiken sind vollständig andere Menschen als Protestanten. Die Atmosphäre in einer katholischen Stadt in Norddeutschland, etwa Münster oder Hildesheim, ist vollkommen anders als in einer vergleichbaren protestantischen Stadt, etwa Oldenburg oder Lübeck, nämlich bedrückt und bedrückend, die Menschen gehen gebeugter. Das typische katholische Miasma.

Jamaika war in den 1970er Jahren, als es von den Rastas geprägt wurde, ein vollkommen anderes Land als heute, wo es von der Hip-Hop-Kultur dominiert wird. Gut, Hip Hop ist keine Religion, aber es geht hier vor allem um Kultur, Lebensgefühl, Werte, „Geist“. Nichts änderte sich in Jamaika, „nur“ die Populärkultur, und aus dem karibischen Paradies wird die Hölle auf Erden! Vom Marxistischen Ungeist vernebelte Dummköpfe werden das nie begreifen. Sie werden nie verstehen, daß Australien eine Erfolgsgeschichte ist, weil es protestantisch geprägt ist, und das vergleichbare Argentinien ein Trauerspiel, weil es katholisch ist.

Ich könnte so unendlich fortfahren, etwa auf die Inder und Pakistaner in England verweisen, die genetisch und kulturell identisch sind, die sich nur durch die Religion unterscheiden – und deren Stellung in der englischen Gesellschaft nicht unterschiedlicher sein könnte. Es gibt wirklich keinen wichtigeren Faktor im gesellschaftlichen Leben als die Religion! Das wußte im übrigen auch Reich bereits zu Zeiten der Sexpol, als er die Bedeutung der Sexualökonomie im gesellschaftlichen Leben analysierte.

Mein Traum wäre eine Art „Charakteranalyse“ der Religionen zu schreiben, doch das überschreitet mein Wissen und Können bei weitem. Deshalb hier nur ein paar Stichworte zur Anregung:

Erstmal zurück zu meinem Sikh und seiner Art der Bewegung. Man schaue sich Pierre Vogel oder irgendeinen anderen Vertreter des Islam an: alle haben die gleichen Manierismen, die gleiche Ausstrahlung, den gleiche Zungenschlag, den gleichen „Stallgeruch“. Und dann betrachte man zum Vergleich dazu Vertreter des Sikhismus: wie Menschen von zwei verschiedenen Planeten!

Es geht schlicht um unterschiedliche Ausdrucksweisen der organismischen Orgonenergie in ganzen Gruppen. Wie Glaubensdinge sich an der Orgonenergie festmachen, sieht man an folgendem Beispiel:

Ich kenne eine 6-jähriges Mädchen, die hin und wieder gerne während der Dämmerung mit ihrer Mutter auf der Couch liegt. Sie sagt ihrer Mutter, sie solle auf dem Rücken liegen und zur Decke schauen. Dort gäbe es, so erzählt sie, sehr viele angenehme bewegte Bilder zu sehen. Nach einem Aufenthalt bei ihren Großeltern erwachte das Kind eines abends stark verängstigt. Nachdem sie etwas beruhigt war, sagte sie, daß sie an der Decke und an den Wänden die sich bewegenden Augen der Großmutter sehe. Sie würden sie beobachten und ihr sagen, zu masturbieren sei schlimm. Der Eindruck hielt an, selbst nachdem das Licht eingeschaltet wurde. Die Kleine bestand auf der Objektivität ihrer Wahrnehmung. Sie verlor ihre Angst, als die Mutter, statt diese Objektivität in Frage zu stellen, ihr sagte: „Vertreib die Augen. Sie haben Dir nichts zu verbieten.” (Jakob Baumann: „Some Observations of Atmospheric Orgone Energy”, Orgone Energy Bulletin, Vol. 2, S. 81)

Hier haben wir schon die ganze Geschichte des Monotheismus. Wenn man das Alte Testament liest, ging es vor allem um atmosphärische Phänomene, die man einem „Gott“ zuschrieb, der in seinen Moralvorstellungen eine erstaunliche Nähe zu den Patriarchen der nomadisierenden Völker zeigte, die schließlich Israel ausmachten. Nicht von Ungefähr stellte Michelangelo dieses „Über-Ich“ als gestrengen Greis mit weißem Bart dar. Der absurde Glaube an diesen „Gott“ konnte sich aber nur verankern, weil er im Großen und im Kleinen (siehe das Erleben des kleinen Mädchens oben, wo atmosphärische Orgonenergie unversehens zum plastischen „Über-Ich“ wird) mit überwältigenden orgonotischen Phänomenen verbunden war. Sie sind überwältigend, weil die atmosphärische und die organismische Orgonenergie funktionell identisch sind und man sich entsprechend kaum gegen diese Massenpsychose wehren kann.

Der Monotheismus konnte sich nur im Zentrum Saharasias entwickeln, wo mit der wachsenden Ver-Wüstung die atmosphärische Selbstregulation zusammenbrach und es entsprechende überwältigende atmosphärische Phänomene gab. In der übrigen Welt, etwa in Griechenland, herrschte weiterhin der Polytheismus vor, der nichts anderes ist als eine Projektion des Gefühlslebens des Menschen. Die Götter des Olymp sind anders als Jahwe keine moralischen Instanzen, sondern ganz im Gegenteil, wieder psychoanalytisch ausgedrückt, die widerstreitenden Strebungen des „Es“. Der Altphilologe Robert Hübner schreibt zu dieser Glaubenswelt:

Oft hat man den Eindruck, daß die Unsterblichen nichts anderes sind als personifizierte Kräfte, Gefühle, Handlungsmöglichkeiten oder Eigenschaften des Menschen; wenn diese in ihrer stärksten Ausprägung – von intensivem Erleben begleitet – auftreten, werden sie als göttlich empfunden. (…) Diese Ausprägung des Göttlichen wird mit Ehrfurcht betrachtet: man besitzt in jenen Zeiten die Bescheidenheit, erstaunliche Energieausbrüche nicht ohne weiteres der eigenen Kraft zuzuschreiben. Es ist klar, daß diese Götter keines „Glaubens“ bedürfen: jeder erfährt sie an sich selbst ganz unmittelbar. (…) Niemand kann aber je alle inneren und äußeren Kräfte überschauen und beherrschen. Daher gibt es auch Furcht vor den Göttern. Dann werden sie als vom Menschen nicht lenkbare Wesen empfunden. Der Einzelne bleibt im Rahmen dieser Götterwelt im Grunde auf sich selbst gestellt. Das erfüllt ihn mit Stolz – aber auch mit Gefühlen der Unsicherheit und Verlassenheit. (Robert Hübner: Elemente einer Selbstbiographie, Berlin 2015, S. 68)

Hier dreht sich alles, man möchte sagen „animalisch“, um die eigenen orgonotischen Impulse und entsprechend um das eigene Fortkommen, die eigene Familie, das eigene Volk. Universalistische Gedanken, eine allumfassende Feindesliebe und Fanatismus in „Glaubensdingen“, wie sie dem Judentum eigen sind, sind polytheistischen Völkern, wie den antiken Griechen, den Indern, Chinesen und Japanern wesensfremd.

Der Sikh und der Moslem stehen jeweils am Ende einer langen Entwicklung dieser beiden Traditionsstränge. Beispielsweise hat der Islam den Anspruch den Universalismus des Judentums zu vollenden, indem er dezidiert „nichtvölkisch“ ist. Kurioserweise hat er aber das altertümliche Stammesdenken weiter verschärft, indem er das Heil an die Mitgliedschaft in der „Umma“ (der Glaubensgemeinschaft, die idealerweise auch eine staatspolitische Gemeinschaft ist) bindet, während im Judentum jeder des Heils sicher ist, solange er ein gottgefälliges Leben führt. Nur Masochisten können überflüssigerweise zum Judentum übertreten und sich all den priesterlichen Regeln unterwerfen! Beim Islam ist es ebenfalls so, daß nicht alle Menschen zum Islam übertreten müssen – aber mit einer grundlegend anderen Implikation: Hauptsache, die Scharia gilt uneingeschränkt; die Ungläubigen sollen gar nicht alle bekehrt werden, sondern eine gewisse Anzahl hat den Moslems als rechtlose Sklaven zu dienen.

Der Islam hat auch den Anspruch den „Polytheismus“ des Christentums (doppelte Natur Jesu, Dreieinigkeit, Maria und die Heiligen) zu überwinden und wird dadurch zu einer patriarchalen Gesetzesreligion, in der keinerlei Platz mehr für Selbststeuerung ist. Er übernimmt also das Schlechteste der beiden Traditionen: die Rücksichtslosigkeit und Amoral der Polytheisten, die nur das Eigene kennen, daß gegen das Fremde durchgesetzt werden muß, und die patriarchale Außensteuerung der Monotheisten. Die Abpanzerung ist total.

Der Sikhismus, der an der Schnittstelle von Islam und Hinduismus entstanden ist, hingegen übernahm das Beste der beiden Traditionen: eine universalistische Mitmenschlichkeit ohne jeden Ausschluß der „Unglaubigen“ und eine erstaunliche Toleranz in Glaubensdingen. Die zehn Gurus übermittelten keine absoluten Glaubenswahrheiten, sondern praktische Lebensweisheiten, die jeder am eigenen Leibe erfahren kann.

Das Resultat sind zwei vollkommen unterschiedliche Menschentypen, die sogar einen unterschiedlichen Gang haben. Nichts prägt die organismische Orgonenergie mehr als die Religion. Religion ist der Kontakt mit der Orgonenergie vermittelt durch unterschiedliche Charakterstrukturen – die wiederum den Kontakt mit der Orgonenergie bestimmen.

religionmonopoly

Der Mensch, der selbst Produkt der Natur ist und durch diese belebt wird, belebt, als Animist, seinerseits das Unbelebte in der Natur oder stößt, als Naturwissenschaftler, auf die Lebensenergie in der unbelebten Natur. Er ist weder triebhaft, wie der Polytheist, noch triebgehemmt, wie der Monotheist, sondern schlicht ein Menschentier.