Posts Tagged ‘Psychoanalyse’

Die fünf Stufen der Orgonomie (Teil 1)

12. Mai 2025

Wie jede Wissenschaft ist auch die Orgonomie eine Geschichte von Fehlschlägen. Die Theorie von heute wird morgen kopfschüttelnd überwunden. Fangen wir mit der Psychoanalyse an, die als Reich um 1920 herum auf den Plan trat, schlicht und ergreifend gescheitert war. Das beliebige Bewußtmachen unbewußter Anteile der Psyche machte die Menschen nicht gesünder. Freud entwickelte daraufhin die Todestriebtheorie: eh alles scheiße und man muß sich in dieser Scheiße einrichten! Reich entwickelte hingegen die Charakteranalyse, d.h. das systematische Aufdecken der unbewußten Anteile – was dem Grundwesen der Freudschen Psychoanalyse fundamental widersprach (unsystematisches „freies Assoziieren“). Die 1920er Jahre waren sozusagen die Orgonomie 0.0.

In den 1930ern versuchte Reich das Erbe von Friedrich Kraus (Flüssigkeits- und Ionenströme im Körperplasma) weiterzuführen (Orgonomie 1.0), nur um am Ende feststellen zu müssen, daß die ganze „bioelektrische Theorie“ vorne und hinten nicht paßte und er etwas tun mußte, was er zuvor dezidiert abgelehnt hatte: aus der Libido eine Art „Lebensenergie“ zu machen. Die sexualökonomische Lebensforschung wurde wie zuvor die klassische Psychoanalyse zur Makulatur und es entwickelte sich die „Orgon-Biophysik“, die Orgonomie 2.0. Bis 1950 wurde alles schön ausgearbeitet und am Ende erstmals von Rech als „Orgonomie“ bezeichnet. Bumm, das ORANUR-Experiment schlug ein und versenkte diesen Ozeanriesen, da zentrale Voraussagen schlichtweg falsch waren! Diese Orgonomie 3.0 entwickelte sich in den 1950er Jahren inmitten der juristischen Auseinandersetzungen und dem ORANUR-Chaos.

Nach Reichs Tod versuchte Charles Konia das von Reich hinterlassene Trümmerfeld aufzuräumen und stellte fest, daß dessen „orgonometrischen“ Aufstellungen nicht recht zusammenpaßten. Resultat war eine neue Ausstellung, die die Einführung der Funktion „koexistierende Wirkung“ erzwang, was die Orgonomie mit der Jahrtausendwende wieder vollkommen umwarf: aus einem Weltbild einer Art „feinstofflichen“ Sauce, die das Weltall durchwabert, zu einer, na ja, vielleicht mehr „holographischen“ Welt: Orgonomie 4.0.

Um die Entwicklung und den heutigen Stand der Orgonomie erfassen zu können, muß etwas weiter ausgeholt werden – hier am Beispiel meines Aufsatzes über Orgonogenetik:

Das Orgon hat zwei Eigenschaften im Bereich der relativen Bewegung: Pulsation und die Kreiselwelle („energetisches Orgonom“, „Bohnenform“, „Embryoform“). Zunächst einmal läßt sich zeigen, daß die Pulsation (verkörpert im Vegetativen Nervensystem) sich im Verlauf der Evolution zum Menschen immer weiter differenziert und eindeutiger wird, d.h. der Sympathikus repräsentiert im Verlauf der Stammesgeschichte immer eindeutiger Kontraktion und entsprechend der Parasympathikus die Expansion. Primordiale Orgonenergie-Funktionen werden also immer eindeutiger zu Struktur. Parallel dazu werden die Emotionen immer bedeutsamer („Emotionalisierung“). Das gleiche gilt für die Orgonom-Form und die zunehmende „Sexualisierung“ des Menschen im Vergleich zu unseren evolutionären Vorfahren bzw. deren gegenwärtigen Repräsentanten.

Der Materie (DOR) wird auf dieser Weise im Zeitverlauf der Stempel der „Prämaterie“ (Orgon) aufgedrückt. Das kann man unmittelbar unter dem Mikroskop bei Bionen beobachten, die aus zerfallender Materie hervorgehen und sich zu Protozoen organisieren, oder indirekt wenn man die auffallende „mechanisch“ wirkenden Urtiere mit heutigen „geschmeidigen“ Tieren vergleicht.

Leserbrief zu Volkmar Sigusch (1983)

21. April 2025

Leserbrief zu Volkmar Sigusch (1983)

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Trieb” und folgende

13. April 2025

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Trieb“ und folgende

Zum Gedenken an Bernd A. Laska, 4. August 1943 – 8. April 2025 (Teil 1)

9. April 2025

Bernd Laska war kein Mann großer bzw. ausufernder Worte, da die doch nur dazu dienen, den Kern der Aussage im Gewirr der Argumente verschwinden zu lassen. Oder wie mir Laska 1999 schrieb:

Zu all dem kann man sicher viel Kluges schreiben – „man“, aber nicht ich. „Parallelen“ gibt’s immer irgendwie massenhaft, ich suche die Diskrepanzen. Ich will ja gerade raus aus dem ganzen Sprachschlamassel, in dem natürlich auch L/S/R noch drin steckten.

Laskas Theorie über Reich war kurz zusammengefaßt: Mai 1926 überreicht Reich sein Manuskript von Die Funktion des Orgasmus, worauf Freud antwortet: „So dick?“, will sagen, Reich solle sich wie alle anderen Psychoanalytiker gefälligst mit immer neuen Nebensächlichkeiten auseinandersetzen. Reich erkrankt an Tuberkulose und schreibt Anfang 1927 im Sanatorium von Davos unter ein Portraitphoto von sich selbst: „Konflikt mit Freud“. Im Juli 1927 fällt die Politisierung Reichs. Laskas Kommentar: „Freud & Co trieben R in die ‚Politik‘, um ihn dann unter eben dem Vorwand, seine ‚Politik‘ sei ‚gefährlich‘, zu vernichten.“

Ausführlicher führte Laska mir gegenüber aus:

Freud war anfangs eher jovial gegenüber dem ganz jungen R (nie „seelenverwandt“, wie Sie aaO schreiben), dann ironisch („So dick?!“ / „ambitionierter Steckenpferdreiter“) etc., bald ernsthaft besorgt, aber noch um Gelassenheit bemüht abwartend, schließlich (nach Maso-Ms 1.1.1932 „Schritte gegen Reich“) zur Vernichtung entschlossen. Er wußte nur nicht: wie. Denn R hätte sich nie ohne Begründung abservieren lassen, trat vielmehr immer unverhüllter als der „wahre Freud“ gegen den lebenden (insofern „wahreren“) Freud auf. Da kam für Freud die „politische Karte“ wie gerufen, und er verschmähte es in seiner Not sogar nicht, sich mit einer elenden Figur wie Boehm zu verbünden (17.4.33: „Befreien Sie mich von Reich!“) Dieser politische „Nebel“ von 1933/34 blendete manche PsA damals, blendete sogar R und blendet Fallend & Co noch heute. (Und ich könnte – wenn Sie darauf bestehen, um das Diabolische daraus zu tilgen – auch konzedieren, daß er sogar den Nebelwerfer Freud blendete). Also: kein „master plan“; fataler: eine echte, ohne viel Absprache funktionierende „conspiracy“ (im lat. Wortsinn), im übrigen auch die, in die ich Jim Martin’s Funde einbetten würde (während JM die „order from Moscow“, falls sie gefunden werden würde, für das non-plus-ultra an conspiracy zu halten scheint).

Laska schrieb mir einst:

Reichs Weg scheint mir noch lange nicht plausibel und produktiv gedeutet. Als Resultat meines gewiß langen Studiums des Reich’schen Werkes auf der Basis meiner Herkunft aus der arbeitenden/realistischen Sphäre ist LSR entstanden. Mein Verhältnis zum Komplex Philosophie ist vielleicht vergleichbar mit dem, das Reich zum Komplex Neurose hatte. Reich begab sich in diesen Unrat nicht, weil er sich dort – wie Freud et al. – wohl und heimisch fühlte. LSR erinnert auch ein bißchen an eine „Widerstandsanalyse“…

Was das LSR-Projekt betraf hat sich Laska nie „offen erklärt“. Der Leser müsse erst den großen Verdacht nachvollziehen, dann können wir des Pudels Kern besprechen – wenn das dann noch nötig ist! Es ist ähnlich wie mit der Charakteranalyse, die ursprünglich zur eigentlichen psychoanalytischen Deutung („des Pudels Kern“) führen sollte, dann aber die Deutung überflüssig gemacht hat: der Patient spricht es selbst aus, er spürt es selbst.

Es sei auch gesagt, wie er zu mir und damit zum NACHRICHTENBRIEF stand:

Aber noch einmal kurz zu unserer Differenz jenseits vieler möglicher Mißverständnisse. Sie läßt sich vielleicht ein wenig so umschreiben: Sie favorisieren mehr den späten Reich (ab ca. 1940), ich mehr den frühen. Sie fokussieren auf Nietzsche, den kühnen Denker, ich auf den evasiven. Sie sehen in „Mystik“, „Gott“, „Gewissenszwang“, „irrationalem Über-Ich“, etc. etwas von Wert, während ich es „radikal liquidiert“ sehen möchte in meiner Wunschwelt – wobei, wie ich gleich hinzufügen muß, es mir nicht um die Konstruktion einer Wunschwelt geht, sondern LSR für mich eher so etwas wie eine lebensnotwendige Selbstbehauptung darstellt.

Zur Orgonomie und dem ganzen Umfeld stand er wie folgt:

Die Abwehr gegen Reich (von Fachleuten) war für mich (als Nichtfachmann) schon immer das stärkste Indiz, daß Reich „recht hatte“ (nicht nur „jeder hat irgendwo recht“). Die Entwicklung seit 1945 scheint aber dahin zu gehen, daß die alte Abwehr gegen L+S+R schwindet – im Namen der großen Toleranz und der Abneigung gegen die „großen Gesänge“ und der Ideologie der Ideologielosigkeit und… Alles wird ihnen „egal“ – bis auf die jeweils ihnen durch die Massenpropaganda suggerierten „Entscheidungen“, die die sich souverän dünkenden modernen Subjekte zu treffen meinen (politisch, alltagsmodisch, wie auch immer). LSR wird vielleicht von einigen als philosophiehistorische Schrulle genommen, sogar goutiert (bis sie auf eine andere Schrulle stoßen). Ein anderes Problem wäre die Abwehr Reichs durch Reichianismus (rein oder „weiterentwickelt“) bzw. die „Rehabilitationen“, wie sie L+S+R gelegentlich von „wohlmeinenden“ Leutchen erfahren.

Und an anderer Stelle:

Ich habe irgendwo das Werk Rs als Palimpsest bezeichnet, das aus vielen Schichten besteht, die eine Grundaussage überdecken. Die Schichten bestehen aus den Bemühungen Rs, seine Grundaussage „wissenschaftlich“ zu vermitteln – was von den jeweiligen Wissenschaftsgemeinden nicht akzeptiert wurde. Ich trage mit LSR diese Schichten ab. Mit welcher Berechtigung könnte ich als Laie auf allen Gebieten auch darauf bestehen, daß R richtig liegt und die Experten falsch? Und warum sollte ich? Ich bin an der Grundaussage interessiert, und ich bin mir „existentiell“ vollkommen sicher, daß Rs (weder „wissenschaftliche“ noch „philosophische“) Grundaussage richtig ist. Die will ich mit LSR freilegen. Schon die Genese des LSR-Projekts zeigt, daß R dessen Anfang war (und Motor ist). Auf ein Verständnis der „Reichianer“ kann ich dabei leider nicht hoffen.

Und schließlich:

Viele Reichanhänger scheinen darauf aus zu sein, WR zu „rehabilitieren“. Mein Herangehen ist eher umgekehrt: Was war und ist an WR so inakzeptabel, daß so viele sich von ihm distanzier(t)en, ihn hass(t)en, bekämpf(t)en – und zwar ohne Nennung des wahren Grundes?

Auf meinen Einwand, der späte Reich stehe ihm wohl fremd gegenüber, antwortete Laska:

Nein, überhaupt nicht fremd. Aber ich sehe sie [also Reichs damalige mehr konservative Haltung] nicht als die genuin Reich’sche bzw. LSR’sche. Natürlich ist die „konservative, pessimistische Anthropologie“ angesichts der Menschheitsgeschichte (incl. „Trobriander“ etc.) die realistischere, aber etwa in dem Sinn wie Hegel realistisch ggü den alten Aufklärern war. Reich bzw. LSR sollte angesichts von Reichs späten Äußerungen jedenfalls nicht unter die „konservative, pessimistische Anthropologie“ subsumiert werden. In diesem Sinne nehme ich „den Frieden, den er mit der Religion und den anderen bürgerlichen Institutionen schloß“, nicht allzu ernst. Ich erkläre ihn mir biographisch wie so vieles in Reichs Karriere (—>meine „Palimpsest“-These). Immerhin schloß er den CM, wenn ich mich recht entsinne, mit der Vision, wahre „Kultur“, die bisher nicht war, werde einmal möglich sein. (bei Stirner: das Zeitalter des „Eigners“). Woher nahm er diese Zuversicht? Jedenfalls nicht aus den Erhebungen aus den „6 Jahrtausenden“. Doch wohl, wie Stirner: Aus sich!

dieser Reich – der frühe Reich: Ich würde sagen: beide stehen mir gleichermassen fern. Aber es gibt darunter (—> meine „Palimpsest“-These) einen dritten, und den habe ich wohl von Anfang an gespürt. Seine Freilegung ist – LSR.

Abschließend:

Am Anfang meiner tieferen Beschäftigung mit WR stand die Erfahrung, daß die „Reichity“ nicht „tragfähig“ ist; daß die allermeisten Reichianer xxxxxxx sind. Die „Stirnerity“ dito. Und gäbe es eine „Lamettrity“, erwartete ich jetzt nichts anderes. Meine Reaktion darauf war LSR.

Laska stand über den heutigen Auseinandersetzungen:

An diesem ganzen Hin-und-Her zwischen Permissivität (zB Clinton) und moralischer Aufrüstung (zB Bush) nehme ich keinen besonderen Anteil. Aber ich glaube, Reich hatte recht mit der pauschalen Tendenz-Diagnose: „The human ocean has begun to stir.“ Er ist nicht mehr zu beruhigen. Der Zerfall der alten, „ethischen“ (Über-Ich-kontrollierten) Kultur zeigt sich überall. Daran ändert der „boom“ der Ethik nichts, auch nicht die „konservativen Feldzüge“ dieses oder jenes Reaktionärs. Nur: was wird daraus? Nix Gutes, wie ich vermute. Was immer nach den alten Schemata geschieht – Moral plus oder minus – ist falsch. Wäre ich Gott, wäre ich sehr alarmiert über die Zukunft meiner Schöpfung. Zum Glück bin ich’s nicht.

Leider gibt es m.W. niemanden (mit einer löblichen Ausnahme :-), der diesen Prozeß wenigstens prinzipiell richtig zu deuten weiß. Selbst die kühnsten Revolutionäre waren „Ethiker“ oder „Anti-Ethiker“ wie Sade (der nicht umsonst ein Star unter heutigen Intellektuellen ist – sofern sie nach Ahnherren suchen); sie waren und sind auf Moral/Über-Ich angewiesen, zum Gehorchen oder zum Revoltieren. „Anethiker“ wie L/S/R blieben rudimentär/nihilismusgetarnt/palimpsestartig – kaum identifizierbar.

Orgonomie im Schnelldurchlauf (Teil 3)

1. April 2025

Die orgonomische Wissenschaft setzt sich aus fünf Bereichen zusammen: 1. Medizin, 2. Soziologie, 3. Biologie, 4. Physik und 5. Kosmologie.

  1. MEDIZIN: Zwischen 1919 und 1927 war Reich Psychoanalytiker und nichts außerdem. Er entwickelte die Orgasmustheorie und arbeitete die Charakteranalyse heraus. Der Organismus des Neurotikers ist krank, weil sich dem natürlichen Trieb, der entladen werden will, die Triebabwehr entgegenstellt. Das dynamische Gleichgewicht zwischen Trieb und Triebabwehr konstituiert den Charakterpanzer, der in der Charakteranalyse aufgebrochen werden soll, um eine ungestörte Triebökonomie zu ermöglichen („orgastische Potenz“). Der Panzer ist (abgesehen von Erbkrankheiten, Vergiftungen, Unfällen, etc.) für sämtliche psychologischen, psychiatrischen und medizinischen Leiden verantwortlich.
  2. SOZIOLOGIE: Zwischen 1928 und 1933 beschäftigte sich Reich neben der Medizin vor allem mit der sozialen Verursachung der Triebabwehr. Wie entstand die sexualfeindliche, „gepanzerte“ Gesellschaft? (Studie über die Trobriander) Wie ist eine sexualbejahende, „ungepanzerte“ Gesellschaft wieder herzustellen? (Studien über Sexualreform, den Faschismus und die Sowjetunion)
  3. BIOLOGIE: Zwischen 1934 und 1939 untersuchte Reich neben seinen medizinischen und soziologischen Studien den Trieb der Trieb-Triebabwehr-Dichotomie. Als Ergebnis einer erfolgreich verlaufenden Charakteranalyse hatten seine Patienten über „vegetative Strömungen“ berichtet, die Reich objektivieren wollte. In seinen „bio-elektrischen Untersuchungen über Sexualität und Angst“ maß er den Potentialunterschied zwischen der Hautoberfläche und dem Gewebe unterhalb der Haut. Er entdeckte, daß bei Lustempfindungen die Lebensenergie nach außen hin expandiert, während sie bei Unlustempfindungen (insbesondere Angst) nach innen hin kontrahiert. In einer zweiten Versuchsreihe versuchte er diese „Plasmabewegung“ unmittelbar unter dem Mikroskop bei durchsichtigen Mikroorganismen, insbesondere Amöben, direkt zu beobachten. Bei den entsprechenden Experimenten entdeckte er, daß nicht Zellen, sondern einfache Energiebläschen die kleinste Lebenseinheit darstellen. An diesen „Bionen“ entdeckte er schließlich eine Strahlung, die „Orgonstrahlung“, die sozusagen die Substanz der vegetativen Strömung ausmacht: es handelt sich um das Fließen von „Orgonenergie“ durch den Körper.
  4. PHYSIK: Zwischen 1940 und 1950 beschäftigte sich Reich neben seinen medizinischen, soziologischen und biologischen Studien mit den physikalischen Eigenschaften der von ihm entdeckten neuen Energieform Orgon. In erster Linie ging es dabei um die Untersuchung des von ihm konstruierten „Orgonenergie-Akkumulators“, der beispielsweise in seinem inneren wärmer ist als die Umgebung und in dem sich ein aufgeladenes Elektroskop langsamer entlädt als außerhalb des Akkumulators.
  5. KOSMOLOGIE: Zwischen 1951 und 1957 beschäftigte sich Reich neben seinen medizinischen, soziologischen, biologischen und physikalischen Studien mit einem Bereich, den er als „cosmic orgone engineering“ bezeichnete. Dabei ging es prinzipiell um zwei Forschungsrichtungen: die „kosmische Überlagerung“ und das ORANUR-Experiment, die sich jeweils damit beschäftigen, wie sich die Orgonenergie bei Erregung verhält. Verkürzt ausgedrückt, kommt es im kosmischen Orgonenergie-Ozean zur spiralförmigen Überlagerung von Orgonenergie-Strömen, die sich gegenseitig anziehen und erregen. Man denke in diesem Zusammenhang an eine typische Spiralgalaxie. Aus dieser Überlagerung geht Materie hervor. Diese Materie kann einen „Störfaktor“ im Orgonenergie-Ozean darstellen, insbesondere wenn sie wieder zerfällt („Radioaktivität“), wodurch es zu einer Übererregung der ursprünglichen Orgonenergie kommt, an deren Ende eine abgestorbene, toxische Form der Orgonenergie („OR“) steht, das „DOR“ (deadly orgone energy). Der OR-DOR-Metabolismus und die kosmische Überlagerung sind Inhalt des besagten Cosmic Orgone Engineering (CORE) und umfassen die vier anderen Bereiche der orgonomischen Wissenschaft.

reichswegfunf

Orgonomie im Schnelldurchlauf (Teil 2)

31. März 2025

1927 erschien das Buch Die Funktion des Orgasmus, das die Grundlage der spezifischen Lebensarbeit Reichs darstellt. In den folgenden Jahren arbeitete Reich in fünf Bereichen die Grundlagen dessen aus, was wir heute als „Orgonomie“ kennen.

1. Er wurde zu einem militanten Marxisten, der im Anschluß, angefangen mit der 1934 erschienen Schrift Was ist Klassenbewußtsein? sich das Konzept erarbeitete, das er später als „Arbeitsdemokratie“ bezeichnete.

2. Er engagierte sich in der Sexualreformbewegung und erarbeitete im Rückgriff auf die Arbeit von Bronislaw Malinowski die theoretischen Grundlagen seines späteren Konzepts „Kinder der Zukunft“.

3. Er baute die Psychoanalyse zur Charakteranalyse aus, um diese dann ab 1934 zur „charakteranalytischen Vegetotherapie“ zu erweitern.

4. Auf der Grundlage der damaligen biomedizinischen Forschung, insbesondere der von Friedrich Kraus („vegetative Strömung“), legte er die theoretischen Grundlagen dessen, was er ab1934 als „sexualökonomische Lebensforschung“ bezeichnete.

5. Mit der Ausarbeitung und Weiterentwicklung des auf Marx und Engels zurückgehenden Dialektischen Materialismus legte er die Grundlagen des späteren „orgonomischen Funktionalismus“.

Bemerkenswerterweise wurden diese fünf Stränge nicht nur zwischen 1927 und 1934 zu Zeiten seines sehr zeitaufwendigen und lebensgefährlichen politischen Engagements ausgeformt, sondern lassen sich jeweils auf seine Formations- und Selbstfindungsjahre zwischen 1919 und 1926 zurückverfolgen. Sein starkes soziales Engagement zeigte sich bereits in seiner Arbeit am von ihm angeregten psychoanalytischen Ambulatorium für Mittellose in Wien. Eine Arbeit, die sich in seinem ersten Buch, Der triebhafte Charakter (1925), niederschlug, das sich hauptsächlich mit dem „Lumpenproletariat“, sozusagen „den Wilden“ der Neuzeit, beschäftigte und das seine ersten charakteranalytischen Formulierungen enthält. Es sei auch auf seine beiden Artikel über „Eltern als Erzieher“ (1926) und seine frühen naturphilosophischen Studien (insbesondere Henri Bergson und F.A. Lange) verwiesen. Nach 1927 (Die Funktion des Orgasmus) kondensierten sich diese Anfänge zu den genannten fünf Strängen.

Die Zeit zwischen 1927 und 1934 ist kaum zu überschätzen und man reibt sich die Augen, was der Mann in diesen sieben Jahren alles geleistet hat. Nicht nur, daß er die Psychoanalyse zur Charakteranalyse weiterentwickelte, kreierte er auch eine eigenständige Massenpsychologie und das nicht nur in der bequemen Schreibstube, sondern im aktiven politischen Kampf. Sowohl in Wien als auch in Berlin baute er eine sexualpolitische Organisation auf. Quasi nebenbei schrieb er ein Buch zur Ethnographie, das selbst Bronislaw Malinowski selbst beeindruckte, und verfaßte eine sexualsoziologische Studie. Später wurden sie bekannt als Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral und als Die sexuelle Revolution. Und er bereitete spätestens mit seiner bahnbrechenden Studie über den masochistischen Charakter, die Anlaß des endgültigen Bruchs mit Freud war, den „Einbruch ins biologische Fundament“ vor.

Orgonomie im Schnelldurchlauf (Teil 1)

30. März 2025

Es gibt eine lückenlose und vor allem detaillierte Darstellung der europäischen Periode der Arbeit Reichs:

  1. Fritz Erik Hoevel: Wilhelm Reichs Beitrag zur Psychoanalyse (2001)
  2. Karl Fallends Darstellung von Reichs politischem Wirken in Wien: Wilhelm Reich in Wien (1988)
  3. Andreas Peglaus Darstellung der Sexpol in Berlin: Unpolitische Wissenschaft? (2013)
  4. Christiane Rothländers Biographie von Karl Motesiczky (2010), die eine ausführliche Darstellung der Sexpol in Skandinavien beinhaltet
  5. James Stricks Wilhelm Reich, Biologist über Reichs sexualökonomische Lebensforschung in Skandinavien

Für die Kontiuität sorgt Reichs wissenschaftliche Autobiographie Die Funktion des Orgasmus von 1942. Reichs erste Jahre werden von ihm in Leidenschaft der Jugend (1994) beschrieben.

Was die Entwicklung der Orgontherapie aus der charakteranalytischen Vegetotherapie und Reichs amerikanischer Periode betrifft, sieht die Lage weniger rosig aus. Als Übergang bis etwas besseres vorliegt, sozusagen „Wilhelm Reich, Physicist“, kann ich nur auf das Buch Wilhelm Reich von Ilse Ollendorff verweisen, die Reichs Entwicklung in den 1940er Jahren hautnah miterlebt hat. Sodann Ola Raknes‘ Wilhelm Reich und die Orgonomie und schließlich Jerome Edens Die kosmische Revolution. Reichs letzte Jahre werden ausführlich von Jerome Greenfield in USA gegen Wilhelm Reich beschrieben.

Orgonomie ist die Wissenschaft von der kosmischen Lebensenergie. Diese Energieform ist durch zwei Charakteristika gekennzeichnet: ihren Energiemetabolismus und die Bewegungsformen, die ihr eigen sind.

Aufgrund des ihr inhärenten „orgonomischen Potentials“, durch das Energie spontan von niedrigeren zu höheren Konzentrationen fließt, kommt es zu lokalen Energieansammlungen, die sich ebenso spontan wieder entladen („mechanisches Potential“).

Das zeigt sich insbesondere anhand der Funktion des Orgasmus: die als extrem lustvoll empfundene Entladung überschüssiger Energie. Nur so kann der Organismus sein hohes Energieniveau und seinen entsprechend hohen Energieumsatz (= Gesundheit) aufrechterhalten.

In den Konvulsionen des Orgasmus zeigen sich besonders eindeutig die beiden Bewegungsformen, die der Orgonenergie eigen sind: die Pulsation und die Kreiselwelle.

Die orgastische Plasmazuckung ist nichts weiter als eine beschleunigte Pulsation, bei der die Kontraktion überwiegt, während in der normalen organismischen Pulsation die Expansion überwiegt. Das wird insbesondere in der Zellteilung (Kontraktion) evident, die am Ende einer langen Wachstumsphase (Expansion) steht.

Bei Vertebraten erfolgt die orgastische Entladung im Zusammenhang mit einer Überlagerung (Kontraktion).

Dazu muß man zunächst die zweite Art der orgonotischen Bewegung betrachten, die Kreiselwelle:

Höhere Organismen sind nach der Kreiselwelle, bzw. einem „Wellenzug“ der Kreiselwelle, geformt:

Entsprechend sieht die genitale Überlagerung aus:

Wird die Orgonenergie in ihrer natürlichen Bewegung behindert, insbesondere durch die toxische Wirkung von Kernstrahlung, kommt es zunächst zu einem „Wutanfall“ (ORANUR), der schließlich in „Resignation“ (DOR) endet. Dazu muß man wissen, daß Emotionen der unmittelbarste „psychische“ Ausdruck der Orgonenergie sind.

Die funktionelle Identität subjektiver (qualitativer) und objektiver (quantitativer) Gegebenheiten hat Reich mit Hilfe der „Orgonometrie“ beschrieben, die wiederum mit den nichtlokalen sozusagen „geistigen“ Eigenschaften der Orgonenergie zusammenhängen. Siehe dazu meine Ausführungen in Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 2.i..

Anhand der Orgonometrie wird auch deutlich, wie es zu einer Störung kommen kann: sie tritt immer dann auf, wenn die natürliche Entwicklung von „links nach rechts“ sich umkehrt und ein höherer („rechterer“) Funktionsbereich einen tieferen („linkeren“) Funktionsbereich beeinflussen will. Beispielsweise geschieht das, wenn Kernstrahlung frei wird, also eine hochenergetische Ausdruckform der („sekundären“) Materie, die aus der („primären“) Orgonenergie hervorgegangen ist.

Im menschlichen Bereich (Medizin, Psychologie, Soziologie, Ökonomie) ist diese Wendung gegen den eigenen Ursprung identisch mit Panzerung.

Email [Über Adorno] 2004

19. März 2025

Email [Über Adorno] 2004

Sex und Kultur

15. März 2025

Marx:

Volker Elis Pilgrim hat in seinem Buch Adieu Marx (Rowohlt 1990, S. 156ff) gezeigt, daß Marx, wie später Lenin, Trotzki und Stalin, den sattsam bekannten Bonzen des Realsozialismus glich: „Karl spielt (…) nicht nur Moral, er hat sie im Blut!“ Jede kleinste Abweichung von der Sittlichkeit bringt diesen verbiesterten ständig geifernder Spießer in Rage. Ein „Mann“, der seine ältere „Schwester“ (das beschreibt wohl das Verhältnis) Jenny heiratet und dann, vor Entrüstung über die Unmoral der Welt „da draußen“ nur so triefend, bei der erst besten Gelegenheit seine beiden Hausangestellten schwängert und die eigenen Töchter fickt (von denen eine an Blasenkrebs verreckt ist und die beiden anderen Selbstmord begingen), sich aber nie an Frauen außerhalb der Familie herantraut.

Freud:

Bereits 1893 schrieb Freud an seinen damaligen Freund Wilhelm Fließ, daß bekanntermaßen „die Neurasthenie eine häufige Folge abnormen Sexuallebens“ sei, d.h. von Masturbation und Coitus interruptus. Er stellte dagegen die Behauptung auf, daß sie ausschließlich eine „sexuelle Neurose“ sei und kam zu dem Schluß, daß man Neurosen zwar nicht heilen könne, sie aber vollständig vermeidbar seien. „Die Aufgabe des Arztes verschiebt sich daher ganz in die Prophylaxis.“ Als Konsequenz forderte er ganz sexualökonomisch den „freien sexuellen Verkehr“ der Geschlechter unabhängig von der Eheinstitution und bessere Verhütungsmittel (Peter Gay: Freud, Fischer TB, S. 77). In seinen Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie sollte er 1905 schreiben, daß die neurotischen Symptome „die Sexualbetätigung der Kranken“ seien (ebd., S. 169). 1907 berichtete ein Teilnehmer der Freudschen „Mittwochsgesellschaft“, „wie er während einer Zeit sexueller Abstinenz an allen Arten von psychosomatischen Symptomen gelitten habe, die verschwunden seien, sobald er ein Verhältnis mit der Frau eines impotenten Freundes angeknüpft habe“ (ebd., S. 201f).

Man kann so beliebig fortfahren: es zeichnet sich in den ersten Jahren der Psychoanalyse Reichs Sexualökonomie ab.

Die Freudo-Marxisten:

Adorno, Fromm, Marcuse, etc. haben eine kulturalistische Vorstellung von dem, was Therapie oder ganz allgemein „Umgestaltung“ hervorbringen kann oder soll. Das impliziert, daß sie bei allem hohlen Freiheitspathos die Falle („Kultur = Über-Ich“) gar nicht verlassen wollen. Für sie gilt das gleiche, was für den resignierten Freud der alles bestimmende Leitspruch war: DIE KULTUR GEHT VOR!

Das bedeutet im Umkehrschluß nicht, daß Reich eine „biologistische“ Vorstellung hatte, denn offensichtlich ist der Mensch ohne Kultur undenkbar und niemand will „zurück zu den Affen“. Reich will schlicht, daß der Mensch Abstand nehmen und wählen kann. Konkretes Beispiel: Bewußtmachen der Atemsperre –> kein Mensch will mit dieser Sperre dahinvegetieren –> bei guter Therapie wird der Patient einen neuen Halt in der autonomen Atmung finden, ein besseres Körpergefühl entwickeln, erstmals wirklich fühlen –> er wird selbst „autonom“ und unabhängig und kann das von der Kultur annehmen, was ihm gemäß ist und dazu beitragen langsam eine neue Kultur zu errichten.

Man kann nicht sagen, daß das Ziel der Therapie nicht vom Patienten bestimmt wird – oder daß es vom Patienten bestimmt wird. Wenn ich mich nämlich von mir selbst distanziere, dann wähle nicht mehr ich das Ziel, – aber auch ein anderer wählt nicht das Ziel. Die Autonomie, die ich gewinne, bedeutet nicht, daß ich meinen „tierischen Impulsen“, meinen genetisch programmierten Instinkten blind folge, sondern meinen bioenergetischen Funktionen. Das ganze ist weder kulturalistisch (wobei die unverzichtbare Rolle der Kultur gar nicht geleugnet wird), noch biologistisch (wobei der Menschenaffe Homo sapiens selbstredend auch nicht geleugnet wird – es lebe die Verhaltensforschung!), sondern bioenergetisch. Letztendlich geht es um orgastische Potenz.

Bei aller Theorie geht es letztendlich um etwas sehr Praktisches und Handgreifliches: um Charakteranalyse, d.h. das Innehalten, etwa wenn man gefragt wird, warum man grinst oder die Schultern hochgezogen hat, etc. Man wacht auf aus einem Automatismus und gewinnt Handlungsoptionen zurück.

Email [Reich 1924-1934] 2012

12. März 2025

Email [Reich 1924-1934] 2012