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Gunnar Heinsohn und die drei Welten

1. März 2014

Krebs (oder genauer gesagt die „Krebsschrumpfungs-Biopathie“, im Gegensatz zu isolierten Tumoren) ist eine Krankheit, für die es keine Heilung gibt (siehe Reichs Der Krebs). Da der Kommunismus der Zweiten Welt nichts anderes als Krebs auf gesellschaftlicher Ebene war, ist Rußland dem Untergang geweiht. Was wir erleben, sind die letzten Todeszuckungen. Die Russen sind buchstäblich am Aussterben! Zunächst kollabiert die Produktion, dann sogar die Reproduktion.

Wenn einmal die „Energieproduktion“ im Inneren eines Menschen oder einer Gesellschaft (Arbeit, Familie) aufgehört hat, gibt es kein Zurück mehr. Auf das Gesellschaftliche übertragen, ist genau das die Gefahr, die vom Sozialismus ausgeht: daß er „das Produktive“ in der Gesellschaft erstickt. Wenn der Kommunismus Krebs ist, d.h. die „Energieproduktion“ im Kern der Gesellschaft aufhört („Mangelwirtschaft“), dann ist der gegenwärtige Kapitalismus des Westens die Entsprechung einer „kardiovaskulären Biopathie“. Die kardiovaskuläre Biopathie, die Reich als „Angstneurose infolge Abstinenz“ definiert, zeichnet sich dadurch aus, daß die „Energieproduktion“ im bioenergetischen Kern zwar lebendig bleibt, diese aber aufgrund einer peripheren Kontraktion (die vor allem durch eine chronische Inspirationshaltung gekennzeichnet ist) zu einer Stauung führt.

Im Kommunismus befand sich praktisch jeder im Dauerstreik: „Ihr tut so, als wenn ihr uns bezahlt, und wir tun so, als würden wir arbeiten!“ Im Kapitalismus hingegen schuften sich die Leute zu Tode, abgesehen von einigen übelriechenden sozialistischen „Tumoren“. Wir ersticken geradezu an der eigenen Produktivität. Aufgrund der Panzerung der Massen besteht eine Blockade, die zwischen Produktion und Konsumption geschaltet ist. „Es wird an den Bedürfnissen vorbeiproduziert.“ Ein Beispiel sind unsere Städte: Gibt es irgendeinen Menschen, dem die modernen Bauten wirklich gefallen?

Was die Länder der Ersten Welt in der Produktion sind, sind die Länder der Dritten Welt (einschließlich der reichen Ölstaaten) in der Reproduktion. Jeder Zuwachs an materiellen Gütern wird unmittelbar in mehr Kinder umgesetzt, weshalb Entwicklungshilfe insbesondere in Afrika ein gigantisches Mißverständnis ist. Wie verheerend es ist, wenn die Erste Welt (Warenproduktion) und die Dritte Welt (Menschenproduktion) einander durchdringen, kann man anhand der USA und Mexiko ablesen – und in unseren „bikulturellen“ Großstädten unmittelbar beobachten.

Reich hat stets Produktion und Reproduktion, Ökonomie (Probleme der Arbeitsdemokratie) und „Sexualökonomie“, als ein und derselben Ebene zugehörig betrachtet. Derjenige, der dem heute noch am nächsten kommt, ist Gunnar Heinsohn mit seinen Theorien über die „Eigentumsökonomie“ und zur Demographie („Youth Bulge“). Problem ist, daß er nicht die bioenergetischen Zusammenhänge sieht.

Die Frage ist natürlich zunächst einmal, ob die Heinsohnsche Eigentumsökonomie überhaupt realitätsgerecht ist. Meines Wissens hat wirklich jeder Rezensent Heinsohn zugute gehalten, daß dieser zur Begriffsklärung beigetragen hat. Besitz ist nicht gleich Eigentum. Beispielsweise kann ich in den Wald gehen und mir dort eine Hütte bauen, Feldfrüchte anbauen, etc. Wirtschaftliche Dynamik kommt aber erst auf, wenn es mir gelingt, diese Hütte und die umliegenden Felder als mein anerkanntes Eigentum eintragen zu lassen. Mit der hergestellten Rechtssicherheit ist es mir möglich Kredite aufzunehmen und so an der Ökonomie jenseits des lokalen Tausches von Feldfrüchten gegen andere Güter teilzunehmen. Wahrscheinlich werde ich wie ein Irrer schuften müssen, um meine Hütte nicht zu verlieren, d.h. meine Kredite bedienen zu können. Für geraume Zeit werden alle dank dieser Schufterei reicher, doch langfristig kommt es durch die Fallstricke des Kreditwesens dazu, daß sich das Eigentum immer mehr konzentriert und das Spiel dergestalt schließlich zum Erliegen kommt. Die Resettaste muß gedrückt werden: ein zeitweises Unrecht stellt das (Eigentums-) Recht wieder her.

Wie das abläuft, haben wir nach dem Fall des Realsozialismus zumindest in Anklängen gesehen. Ein Spieler, der Staat, hatte alle Karten und hat Almosen vergeben: Bezugsscheine für die Realwirtschaft. Nach der kapitalistischen Revolution wurde der Staatsbesitz willkürlich verteilt. An die Stelle von Bezugsscheinen traten Nachweise für Eigentum, mit denen man Kreditgeschäfte tätigen konnte, bis schließlich nach vielen in die Hose gegangenen Kreditgeschäften wieder eine immer kleiner werdende Oligarchie alles in Händen hat. Diese Konzentration von Eigentum in wenigen Händen sieht man auch an der weltweiten Schuldenkrise: immer mehr Menschen haben bei immer weniger Menschen Schulden, wobei es egal ist, ob sie selbst die Schulden aufnehmen oder ob es der Staat für sie tut.

Das ganze ist ein zutiefst tragisches Weltbild, denn echte Ökonomie, d.h. auf Kredit basierende Ökonomie (Eigentumsökonomie), kann nur funktionieren, wenn das Eigentum einigermaßen gleichmäßig verteilt wird, jedoch führt eben dieses System der Kreditvergabe zwangsläufig (fast so wie bei einem Skatspiel) zu einer immer ungleichmäßigeren Verteilung des Eigentums, bis schließlich alle bei ganz wenigen verschuldet sind und man es an sich wieder mit dem Elend einer kommunistischen Verteilungsdiktatur zu tun hat. Eine solidarische Gesellschaft, in der alle zusammenarbeiten, wäre eine Elendsgesellschaft, da ihr die Dynamik des besagten „Kartenspiels“ abgeht. Selbstregulation und eine „Arbeitsdemokratie“ sind eine Illusion. Es bleibt eine Art Keynsianisches System: der Staat muß mächtig sein, da sich das kapitalistische System ansonsten selbst zerstört. Die Anklänge an Marx sind offensichtlich („Konzentration des Kapitals und damit Selbstaufhebung des Kapitalismus“), mit dem entscheidenden Unterschied, daß bei Heinsohn kein Platz für eine Utopie bleibt, allenfalls die ewige Wiederkehr des Gleichen.

Ich habe gesagt, daß man Heinsohn die Begriffsklärung zugute halten muß. Aber genau da zeigen sich auch die Risse in seiner Theorie. Beispielsweise wird schlichtweg bestritten, daß es in der DDR Geld gab, denn das kann es nur geben, wenn es Eigentum gibt, das verpfändet werden kann. Aber kann man ernsthaft in Abrede stellen, daß es in der DDR Geld gab? Und, was noch wichtiger ist: Kann man bestreiten, daß sich neben der Planwirtschaft eine funktionierende Schattenwirtschaft entwickelt hat, die das System erst lebensfähig gemacht hat? Also eine wirtschaftliche Dynamik ganz ohne staatlich gesichertes Eigentum? Und was Gesellschaften betrifft, denen der Eigentumsbegriff weitgehend fremd war, wie etwa den Völkern Amerikas vor den Konquistadoren: Dort gab es ein den ganzen Kontinent umfassenden Handel. Dem das Prädikat einer „genuinen Ökonomie“ abzusprechen, ist einfach ein Jonglieren mit selbstgebastelten Definitionen („Begriffsklärung“).

Der funktionelle Kern bei Heinsohn ist, daß die Eigentumsökonomie die Menschen zwingt, wie blöde zu arbeiten, um ihr Eigentum nicht wieder zu verlieren. Das geht heute so weit, daß die zweite Kernfunktion der Gesellschaft, die Reproduktion der Menschen in den Familien, zum Erliegen kommt, sogar die Familie selbst zur Disposition steht.

Die sexuelle Revolution begann Anfang der 1920er Jahre: damals fingen die Geburten pro Frau an sich statistisch dem heutigen Wert zu nähern. Der nachwirkende Jugendüberhang ist im Zweiten Weltkrieg verheizt worden. Seitdem äußert sich der expansive Impuls nur noch in der Produktion und Überproduktion von Waren.

Um diesem Spuk ein Ende zu setzen, bedarf es etwas, was der sexuellen Revolution entspricht. Die Dritte Welt benötigt eine sexuelle Revolution, wie ich morgen erläutern werde. Die Erste Welt benötigt eine „arbeitsdemokratische Revolution“.

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Die bioenergetischen Grundlagen der gegenwärtigen Sozialpolitik, Psychiatrie und Schulmedizin (Teil 1)

28. Mai 2012

Wie bereits in dem Blogeintrag Ein orgonomisch-funktionalistischer Blick auf den Strafvollzug erwähnt, beruht jedes neurotische Symptom auf einem Versagen der Panzerung. Das ist so im sozialen Bereich (Beispiel Kriminalität), im psychischen Bereich (Beispiel Panikattacke) und im somatischen Bereich (Beispiel Rückenschmerzen). Selbstverständlich bezieht sich das alles ausschließlich auf soziale, psychische und somatische Biopathien, nicht etwa auf Kriminalität aufgrund objektiver sozialer Chancenlosigkeit oder weil imgrunde rationales Verhalten kriminalisiert wird, nicht auf Erbkrankheiten, Krankheiten infolge von Vergiftungserscheinungen, Unfälle, Infektionen, etc.

Reich zufolge erfolgt Heilung, indem den Symptomen die Energie entzogen wird. Diese geregelte Energieökonomie ist wiederum nur durch Auflösung der Panzerung möglich. Deshalb ist Gesundheit funktionell identisch mit orgastischer Potenz. Die konventionelle Herangehensweise ist in jeder Hinsicht naheliegender: die Panzerung versagt, folglich muß sie verstärkt werden. Auf gesellschaftlicher und individualpsychologischer Ebene werden neue Regeln aufgestellt bzw. alten Regeln Nachdruck verliehen, während in der Medizin Symptome medikamentös unterdrückt werden.

Einer der Hauptmechanismen, die zur Anwendung kommen, ist die Kontrolle der Atmung. Das neurotische Gleichgewicht ganzer Kulturen beruht darauf, insbesondere das Indiens.

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Wie in Psychischer Kontakt und vegetative Strömung erläutert, geht die Wirkung von Psychopharmaka weitestgehend auf eine chemisch induzierte Atemsperre zurück oder das Erregungsniveau wird auf andere Weise gesenkt. Das Gehirn wird dann nicht mehr von überbordenden Erregungen in Verwirrung gestürzt bzw. von „depressiogenen Gedanken“ oder Zwangsgedanken überflutet.

Unser gesamtes gesellschaftliches System beruht darauf, daß auf ein Versagen der Panzerung mit zusätzlicher Panzerung, sozusagen „nachgeschobener Panzerung“ reagiert wird. Das ist nicht in jedem Fall zu verurteilen, denn wie anders etwa mit Triebmördern umgehen, als sie webzusperren? Was bleibt einem Psychiater anderes übrig, als einen unter unerträglichen Panikattacken leiden Patienten die entsprechenden Medikamente zu verschreiben und/oder ihn gegebenenfalls in eine Verhaltenstherapie zu schicken? Welche andere Alternative hat ein Hausarzt, als die störenden Symptome seiner Patienten sozusagen zu „kupieren“?

Realistisch betrachtet gibt es meist keine Alternative, allenfalls könnten in ferner Zukunft diese mechanistischen Maßnahmen durch funktionelle Interventionen weitgehend verdrängt werden, wie ich sie beispielsweise hier und hier beschrieben habe.

Problem ist auch, daß nicht zwischen primären und sekundären Trieben unterschieden wird. Es gibt viele Menschen, die nichts im Gefängnis verloren haben, weil ihre Straftaten Folge davon waren, daß sie einfach ihren natürlichen Instinkten gefolgt sind. Reich erwähnt in diesem Zusammenhang angebliche „Sexualstraftaten“ von Jugendlichen. Ein weiteres Beispiel wäre m.E. Strafen für Leute, die angeblich den Notwehrparagraphen mißbraucht haben.

Was die Medizin betrifft, werden heute ganz normale Verhaltensweisen pathologisiert. Man denke etwa daran, daß „hyperaktive“ Kinder mit der Droge Ritalin ruhiggestellt werden, so als wäre es die natürlichste Sache der Welt, daß Kleinkinder den ganzen Tag bewegungslos rumsitzen. Ganz ähnlich sieht es in der Praxis des Allgemeinmediziners aus, der den Körper medikamentös ruhigstellt, wenn dieser gegen unerträgliche Lebensumstände mit den entsprechenden somatischen Symptomen – imgrunde vollkommen gesund, nämlich realitätsgerecht reagiert.

Auffallend ist, daß in der modernen antiautoritären Gesellschaft die Pathologie immer weiter zuzunehmen scheint. Die Kriminalität ist dermaßen angestiegen, daß Dinge, wegen denen man früher noch zur Polizei gegangen ist, heute mit einem Achselzucken hingenommen werden. Immer mehr Menschen sind manifest psychisch auffallend. Der Verbrauch von Psychopharmaka und illegalen Drogen ist dermaßen angestiegen, daß wir es mittlerweile mit einem veritablen Umweltproblem zu tun haben. Auch körperlich scheint es den Menschen immer schlechter zu gehen. Ein Land voller Halb- und Vollinvaliden!

Diesen auffälligen Wandel kann man mit folgenden Funktionsschemata erklären:

Das erste Funktionsschema beschreibt die alte, autoritäre Gesellschaft und den individuellen Organismus im neurotischen Gleichgewicht. Die nach außen drängenden Antriebe (a) werden von den abwehrenden Antrieben (b) in Schach gehalten. Resultat ist eine Affektsperre (c). Selbstverständlich hat es nie eine solche Gesellschaft und solche Individuen gegeben, aber die sprichwörtliche „Adenauerära“ und beispielsweise der gegenwärtige Papst kommen diesem „Ideal“ ziemlich nahe – solange man nicht genauer hinschaut.

Bei der heutigen, der antiautoritären Gesellschaft und ihren Gliedern braucht man nicht genauer hinschauen. Wie im zweiten Funktionsschema dargestellt, versagt die Abwehr (b) auf ganzer Linie und es kommt wie eingangs beschrieben zum Durchbruch aller möglichen und „unmöglichen“ Symptome (d). Man braucht nur mit offenen Augen durch die Stadt gehen: ein Irrenhaus, lauter Psychos und Hypochonder. Das ist so, weil im Verlauf der gescheiterten „sexuellen Revolution“, d.h. seit etwa 1960, es zu einer chaotischen Auflockerung der gesellschaftlichen und individuellen Panzerung gekommen ist. Energien, die früher in traditionellen Verhaltensregeln, im „Konservatismus“ der Gesellschaft und der Individuen, gebunden waren, treten als bizarre Symptome in Erscheinung.

Wie Wilhelm Reich von der Nachwelt betrogen wurde

27. Mai 2012

Reichs Hoffnung für die Zukunft war, daß die Panzerung der Menschen, d.h. das einzige Problem, das die Menschheit hat (andere, wirkliche Probleme ließen sich ohne dieses Scheinproblem leicht lösen), durch drei Mechanismen sich nach und nach aufweiche und schließlich weitgehend auflöse. Der Grad der Bedeutung, den er den Mechanismen jeweils zuschrieb, änderte sich im Laufe der Zeit. Es sind:

  1. Die „sexuelle Revolution“, d.h. eine grundlegende Änderung der gesellschaftlichen Atmosphäre. Das sexuelle Lebensglück, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, würde nicht mehr im Namen der „Moral“ bekämpft oder im Namen der „Vernunft“ geduldet, sondern aktiv geschützt und gefördert werden. Dieser grundlegende Wandel hätte Auswirkungen auf die Charakterstruktur der einzelnen Gesellschaftsglieder und es käme in einem sich selbstverstärkenden und selbsterhaltenden Regelkreis zu einer wahrhaftigen „biologischen Revolution“, d.h. an die Stelle des gepanzerten Menschen träte schließlich ein vollkommen neues Wesen, der ungepanzerte Mensch.
  2. Im Projekt „Kinder der Zukunft“ ist das Augenmerk weniger auf die Sexualökonomie, d.h. die „erste Pubertät“ („Ödipuskomplex“) und die „zweite Pubertät“ (Geschlechtsreife) gerichtet, sondern auf Schwangerschaft, Geburt und Säuglingsalter. Man würde, praktisch vom Zeitpunkt der Empfängnis an, alles dafür tun, daß der Mensch keine Panzerung ausbildet. Da dies mit jeder Generation besser gelinge (die „Kinder der Zukunft“ haben selber Kinder), wäre die Menschheit nach wenigen Generationen befreit.
  3. Die Erforschung des Orgons verlange vom Menschen anders zu fühlen und zu denken: ungepanzert zu fühlen und zu denken (Orgonometrie). Dieser objektive Druck würde im Laufe der Zeit die Subjekte entsprechend weicher und „durchlässiger“ machen, d.h. eben die Panzerung verschwinden lassen. Eine Gesellschaft, die von der Orgonenergie so bestimmt wäre, wie die heutige von der Elektrizität, würde sich automatisch selbst entpanzern.

Abgesehen von hoffnungsvollen Einzelerscheinungen hat sich auf breiter gesellschaftlicher Ebene keine dieser drei Hoffnungen bewahrheitet. In vieler Hinsicht ist es sogar schlimmer geworden!

  1. Die „sexuelle Revolution“ war eine einzige Katastrophe aus (zu einem Gutteil drogeninduzierter) Kontaktlosigkeit und Oberflächlichkeit. Statt sich dem bioenergetischen Kern zu nähern, flüchteten die Menschen immer mehr in die oberflächliche soziale Fassade. Sexualität wird zunehmend reduziert auf „Performance“ und vor allem auf die Frage, was das soziale Umfeld „dazu sagt“. Bei Jugendlichen geht es immer weniger um Gefühle als vielmehr um das „Image“ und narzißtische Befriedigung. Die über das Internet überall und jederzeit abrufbare Pornographie und nicht zuletzt eine immer mechanistischer und „verkopfter“ werdende Sexologie tun ein Übriges. Darüberhinaus sind Reichs sexualökonomische Anschauungen aus Sicht der Political Correctness moralisch verwerflich. In dieser Hinsicht ist die antisexuelle Moral vielleicht stärker als jemals zuvor.
  2. Die aktuelle Diskussion um die Säuglingsbetreuung zeigt, daß wir den Kampf auf ganzer Linie verloren haben. Es fängt mit der künstlichen Befruchtung an, wo gegebenenfalls vorher eingefrorene Spermien und Eizellen in orgonotisch toten Reagenzgläsern miteinander vermischt werden, um dann in einer Gebärmutter heranzureifen, die vielleicht nicht ohne Grund zuvor „steril“ war. Künstliche Gebärmütter sind mittlerweile mehr als bloße Science Fiction. Immer mehr Kinder kommen per Kaiserschnitt zur Welt und auch sonst wird das gesamte perinatale und Säuglingsleben nach allen möglichen Interessen, außer den biologischen Bedürfnissen des Kindes ausgerichtet.
  3. Der eigentliche Verrat ereignete sich aber an Reichs größter Hoffnung: er habe „Gott“ mit der Entdeckung des Orgons greifbar gemacht und damit sowohl dem Mystizismus, als auch selbstredend dem Mechanismus den Todesstoß versetzt. Stattdessen haben zwei an sich gegnerische Fraktionen, die Spökenkicker und die Skeptiker, Reichs Entdeckung in die Zange genommen und so gut wie vernichtet. Das Orgon wurde zunehmend zu nichts anderem als eine neue Art von „Prana“ oder „Qi“, d.h. zu einem Vehikel, um extrem lebensfeindliche mystische Ideologien „wissenschaftlich“ zu untermauern. Die Proponenten sprechen dabei jeweils von einer „Weiterentwicklung“ des Reichschen Paradigmas und beklagen sich heftigst über „orthodoxe Reichianer“. Unvermittelt muß sich unsereiner mit C.G. Jung, Swami Durcheinanda und gechannelten Botschaften von Erzengel Achwasel herumplagen. Ein gefundenes Fressen für die mechanistischen Sektierer. Der Heidelberger Soziologe Edgar Wunder hat die bizarre Welt des „Skeptizismus“ ausführlich analysiert: Das Skeptiker-Syndrom: Zur Mentalität der GWUP.

Um das ganze übersichtlich zu halten, habe ich bisher einen vierten Punkt ausgelassen: Reich hoffte, durch eine „Entpanzerung der Erdatmosphäre“ langfristig auch die Menschen entpanzern zu können. Wenn der „DOR-Panzer“, der den Globus umschließt, mit Cloudbustern aufgebrochen und die übererregte ORANUR-Atmosphäre abgemildert werden könnte, würden auch die Erdbewohner „weicher“ werden.

Derartige Vorstellungen waren der ultimative Beweis, daß Reich in seinen letzten Jahren verrückt geworden ist. Entsprechend wurden seine apokalyptischen Warnungen nicht etwa nur überhört, sondern erst gar nicht wahrgenommen. Im letzten halben Jahrhundert haben wir entsprechend wirklich alles getan, um diesen Planeten in eine DOR- und ORANUR-Hölle zu verwandeln. Der letzte Streich waren die bioenergetisch hochtoxischen „Energiesparlampen“. Zu allem Überfluß kam es in den letzten Jahren zu einer atemberaubenden Explosion des Gebrauchs von „Croft-Cloudbustern“, mit denen „Chemtrails“ bekämpft werden sollen. Tatsächlich wird flächendeckend das Orgonenergie-Feld der Erde in einen künstlichen Expansionszustand versetzt („blauer Himmel“), der sie langfristig abtötet. Es ist ungefähr so wie die Zwangsgabe von Speed oder Kokain: das Opfer wird energetischer, leistungsfähiger, in jeder Beziehung mehr „high“ – und gleichzeitig mechanischer, kontaktloser und schon bald kommt das böse erwachen. Siehe dazu meine Ausführungen über den Kult der Expansion.

Wie zum Hohn werde ich dann auch noch allen Ernstes gefragt, warum ich so verbittert, aggressiv und voller Haß bin!

Was tun? Dazu muß erst einmal die Frage beantwortet sein, was eigentlich geschehen ist. Warum haben sich Reichs Hoffnungen nicht materialisieren können? Seit 1960 hat sich die Gesellschaft grundlegend geändert: aus einer autoritären, „kontraktiven“ wurde eine antiautoritäre, bioenergetisch überexpansive Gesellschaft. Das bedeutet, daß sich die Menschen weiter von ihrem biologischen Kern entfernt haben. Aus der mystifizierten Traum von „der großen Liebe“ wurde ein stupider mechanischer Akt, der Mensch wurde zu einer von der DNA gesteuerten bionischen Maschine und das, was an bioenergetischem Kontakt übrigblieb (denn schließlich sind wir keine bionischen Maschinen), wurde zu einem Mystizismus neuer Prägung. Diese neue Art von „Spiritualität“ ist verkopft, kompliziert und vor allem wirr (im Gegensatz zu genuiner, „bauchgesteuerter“ Mystik).

Wir haben es also mit einem imgrunde soziologischen Problem zu tun. Ein Ansatz, den Charles Konia verfolgt, auf dessen Blog ich nur immer wieder hinweisen kann. Hier sein neuster Beitrag: Communism/Socialism Is A Cancer Of The Social Body.

Tatsächlich vertritt Konia den fünften Ansatz Reichs zur Herstellung einer besseren Zukunft für die Menschheit: die Sozialpsychiatrie. Ich bin darauf an anderer Stelle eingegangen. Dieser Ansatz wurde vielleicht am gründlichsten und vor allem systematisch zerstört durch all den freudo-marxistischen Mumpitz, der seit „1968“ von „Reichianern“ verzapft wurde. Ihre hochintellektuellen Elaborate füllen mittlerweile ganze Bibliotheken! Sie haben den Kampf gegen die „autoritäre Gesellschaft“ immer weiter verschärft.