Posts Tagged ‘Symptome’

Charles Konia, Analytiker des Zeitgeschehens

8. Oktober 2018

Es ist wie in der Psychiatrie: man kann ein und denselben Patienten mit vier, fünf, sechs alternativen oder ergänzenden Diagnosen zu fassen versuchen, doch letztendlich sind sie vollkommen irrelevant. Sie sind kaum mehr als eine Umschreibung der Symptome, die dem jeweiligen Behandler gerade auffallen. Der eigentliche Patient, sein CHARAKTER, der behandelt werden müßte, kommt dabei nie in den Fokus. Genauso mit derartigen küchenpsychologischen „Analysen“, was Politiker und Nationen antreibt. Der eine gibt das zum besten, etwa das Amerika immer mehr von fundamentalistischen Christen bestimmt wird, der andere jenes, etwa das Amerika seine christliche Seele verliert. Einfach nur ein haltloses Blablabla a la Erich Fromm und all den anderen. Während das eigentliche Geschehen von niemanden gesehen wird.

Beispielsweise wird gerne der „McCarthyismus“ angepangert. Tatsächlich sind nur eine handvoll Kommunisten ins Gefängnis gewandert, während die kommunistische Unterwanderung Amerikas ungehindert voranschritt. Siehe dazu beispielsweise Dr. Konias Ausführungen morgen, wo er sich auch mit dem schwarzen Faschismus in unserer Zeit beschäftigt.

nachrichtenbrief115

20. Mai 2018

nachrichtenbrief114

17. Mai 2018

Donald Trump und die Libidotheorie

7. Dezember 2016

Die Schulpsychiatrie stellt Trump als perfektes Beispiel der „narzißtischen Persönlichkeitsstörung“ hin (die u.a. zu Depressionen neigen kann), für die Orgonomie ist Trump ein „oral unbefriedigter phallisch-narzißtischer Charakter“, d.h. ein Phallischer Narzißt mit einer oralen Blockierung aufgrund von Nichtbefriedigung. Er ist ein Mensch mit einer schwerwiegenden Blockierung der oralen Libido. Zwar konnte er trotzdem eine frühe Ausprägung der Genitalität erreichen, den phallischen Narzißmus, doch wird diese von unbefriedigten oralen Strebungen überlagert. Beide Diagnosen, die gängige und die orgonomische, gehen auf Reichs Arbeit zurück, die erstere modifiziert in den 1960er Jahren durch Otto F. Kernberg und Heinz Kohut, die letztere zur gleichen Zeit durch Elsworth F. Baker.

Der Unterschied ist, daß die gängige Diagnostik rein deskriptiv ist, sowie zu allgemein und gleichzeitig zu spezifisch. Was verlorenging war eine Betrachtung von der Libido her, in diesem Fall die phallische und die orale Libido. Das führt dazu, daß willkürlich alles „selbstbewußte Verhalten“ als „narzißtisch“ pathologisiert werden kann und gleichzeitig nur sehr starke Ausprägungen von Narzißmus überhaupt diagnostiziert werden. Man muß schon schrille Symptome zeigen, um die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung zu erhalten. Die Diagnose wird von den Symptomen abhängig und verliert dadurch jeden therapeutischen Wert, da derjenige, der nicht auffällig ist, als „gesund“ eingeschätzt wird – und Gesunde als pathologisch. Eine bio-psychiatrische Diagnostik im Sinne Reichs hingegen sagt zukünftiges Verhalten voraus, da sie die Psychodynamik erfaßt, während die gängige Diagnostik nur eine statische und denkbar oberflächliche Klassifikation darstellt und kein Kriterium für Gesundheit hat.

Man betrachte eine beliebige „Tunte“ mit ihrem affektierten Manierismen, identifiziere sich mit ihr und verhalte sich genau wie sie. Unmittelbar wird man die „klebrige“ anale Abwehr gegen das bedrohliche („kastrierende“) Phallische spüren. Sodann übertreibe man das gängige männliche Verhalten, „zackig“, dominant und aggressiv. Man wird unmittelbar spüren, was „Abwehr der analen Unterwerfung“ bedeutet. Bei Menschen wie Trump wird diese phallische Position, die ständig mit entsprechendem großspurigem Auftreten aufrechterhalten werden muß, von oralen Strebungen überlagert. Wurden diese in der libidinösen Entwicklung unterdrückt, entwickelt sich ein chronisch depressiver Zug mit einer entsprechenden asketischen und buchstäblich „maulfaulen“ Grundhaltung. Kam es zu einer nur teilweisen Unterdrückung, entwickelt sich eine „manisch-depressive“ Symptomatik mit einer Tendenz zu Suchtverhalten und einem „haltlosen Mundwerk“. Das Suchtverhalten hat Trump zeitlebens mit strenger Disziplin und einem schier unmenschlichen Arbeitspensum stets unter Kontrolle gehalten. Aber unbedachte Äußerungen und ein Hang zu unüberlegten Handlungen hätten ihm beinahe seine Präsidentschaft gekostet. Die ungenügende orale Panzerung kann, wenn sie plötzlich nachgibt, zur sporadischen Überflutung des okularen Segments mit Energie und entsprechend irrationalem Verhalten führen („Manie“).

Die gängige Diagnostik („narzißtische Persönlichkeitsstörung“) ist abstrakt und kaum mehr als eine Denunziation. Die auf der Libidotheorie gründende Diagnostik ist unmittelbar nachvollziehbar und praktikabel: man weiß unmittelbar, wo es bei Trump problematisch wird. Es dreht sich alles um die brüchige Männlichkeit des Phallischen Narzißten und um Sprunghaftigkeit aufgrund einer oralen Panzerung, in der die Nichtbefriedigung des Säuglings bis heute fortwirkt.

Die biosoziale Grundlage der Familien- und Paartherapie (Teil 1)

24. August 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Peter Crist: Die biosoziale Grundlage der Familien- und Paartherapie (Teil 1)

acologo

The Journal of Orgonomy (Vol. 12, No. 1, May 1978)

28. Dezember 2011

1924, noch ganz in traditionellen psychoanalytischen Bahnen, formulierte Reich das Ziel der psychoanalytischen Therapie wie folgt:

Wir ziehen es vor, auch bei vollkommenem Symptomschwund nach unvollkommener Analyse nur von Symptomfreiheit, nicht von Heilung zu sprechen, weil der psychoanalytische Begriff der Heilung notwendigerweise ein viel strengerer ist als der sonst übliche. Man dürfte in der Analyse von Heilung nur sprechen, wenn der Patient in subjektiver und sozialer Beziehung wieder hergestellt, unfähig zur Rezidive ist (Federn) und der Fall die weitgehenste Lösung sämtlicher Libidoanteile erfahren hat. („Über Genitalitär“, Frühe Schriften, S. 173f Fußnote)

Bereits im gleichen Jahr, 1924, formulierte Reich sein eigenes spezifisches Heilungskriterium:

Und nicht früher kann eine Analyse als beendet gelten, als bis der Patient seine Genitalität vom Schuldgefühl befreit und vom Inzestobjekt abgezogen sowie seine prägenitalen Organisationsstufen endgültig überwunden hat. („Die therapeutische Bedeutung der Genitallibido“, Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 10(2), 1924, S. 217f)

Wiederum im gleichen Jahr kommt sein Gesundheitskonzept in „Weitere Bemerkungen über die therapeutische Bedeutung der Genitallibido“ für den Rest seines Lebens gültig zum Abschluß: Reich geht es nicht primär um die Beseitigung neurotischer Symptome, sondern um Charakterveränderung, bzw. „die Umstellung der Gesamtpersönlichkeit auf das genitale Primat“ (Frühe Schriften, S. 229), deren aktive Betätigung vor dem Rückfall in die Neurose schützt und persistierende Symptome früher oder später verschwinden läßt.

Nachdem er kurz darauf in Der triebhafte Charakter (1925) die neue psychoanalytische Ichpsychologie in sein Gesundheitskonzept vollends integriert hat, heißt es in einem Brief an Sandor Ferenczi aus dieser Zeit der sich formierenden Charakteranalyse:

(…) true and lasting cures can be achieved only if we succeed in modifying the neurotic character, which is the substructure of its symptomatology. (In the ego: overcoming ambivalence and narcissism; in the sexual sphere: building up the „erotic reality sense“, the unambivalent, heterosexual genital libido.) (Reich Speaks of Freud, S. 128; deutsches Original wurde noch nicht veröffentlicht)

Die Psychoanalyse hat Reich dann in einem nächsten Schritt überwunden, als er im Zusammenhang mit seiner Orgasmustheorie durchblicken ließ, daß eine zu tiefe Analyse anstatt der Heilung zu helfen, dieser sogar eher im Wege stehen kann, da der heilende Faktor die Genitalität ist und nicht neuerlich aktivierte Prägenitalität:

Es gibt Fälle, die, ohne vollständig analysiert worden zu sein, auch dauernd symptomfrei bleiben. Das sind diejenigen, bei denen die Analyse zuerst an den genitalen Fixierungen angriff und sie vollständig lösen konnte, ehe tiefere Fixierungen die Übertragungssituation komplizieren konnten. Die von der Kastrationsangst befreite Genitallibido konnte automatisch andere Wünsche außer Kraft setzen, indem die orgastische Lösung der Libidostauung die Bereitschaft zu regredieren praktisch beseitigte. („Über die Quellen der neurotischen Angst“, Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 12(3), 1926, S. 430f)

Elsworth F. Baker sagt in seinem Aufsatz „Orgone Therapy“ über den Heilungsprozeß in der Orgontherapie:

Wenn die Energie von ihrer Verankerung in sadistischen, narzißtischen und prägenitalen Fixierungen befreit wurde, wird akute Angst freigesetzt, da die zum Genital fließende Energie die infantile Angsthysterie von neuem aktiviert und zur Rückkehr der Symptome führt.

Zeichen des therapeutischen Erfolgs ist, wenn der Patient masturbieren und sich dabei ohne Schuldgefühle den Inzest vorstellen kann und wenn er zu genitalen Empfindungen während der Therapie fähig ist. Das bedeutet, daß die Kastrationsangst überwunden wurde. (S. 47)

Man sieht wie wichtig noch immer das „Inzestobjekt“ ist. Bakers Kollege Arthur Nelson beschäftigt sich in der gleichen Ausgabe des Journal of Orgonomy ausführlich mit dem Thema Inzest: „A Case of Incest“. In diesem Fall geht es zwar um den Sex zwischen Geschwistern, jedoch stellt Nelson, auch mit Verweis auf die psychologische Literatur fest, daß hierdurch ödipale Wünsche intensiviert werden können. Baker habe ihm, Nelson, berichtet, daß Reich das Problem des Inzest und des universellen Inzesttabus oft diskutiert habe, das ganze jedoch nicht wirklich orgonomisch erklären konnte.

Reichs zeitweilige Sekretärin und Geliebte, Lois Wyvell beschreibt in ihren Erinnerungen was Reich ihr über die Gründe seiner eigenen Gesundheit erzählte. Er habe seine Gesundheit auf folgende Elemente zurückgeführt: er hatte als Kind viel freien Bewegungsspielraum, um das Leben in den Wäldern und auf der Farm selbständig zu erkunden; in erster Linie führte er seine Gesundheit auf seine Mutter zurück „für die er die glühendste Liebe und Bewunderung zum Ausdruck brachte“, die eine sehr liebevolle und im besten Sinne des Wortes gutmütige Frau gewesen sein muß; schließlich führte Reich seine Gesundheit auf die frühen sexuellen Episoden in seinem Leben zurück, die ihn von Anfang an überzeugten, daß an seinen sexuellen Empfindungen nichts Schlimmes und Sexualität etwas Gutes war („An Appreciation of Reich“, Journal of Orgonomy, 7(2), November 1973, S. 173f). Im krassen Gegensatz zu den Schuld- und Ekelgefühlen, die einem Großteil seiner Generation eingetrichtert wurden und die noch heute den Kindern eingetrichtert werden mit Pornographie und AIDS-Horrorgeschichten.

Wie bisher jeder Biograph hervorgehoben hat, blieb Reich jedoch zeitlebens durch seine Mutter- und Vaterbindung belastet. Immerhin hatte Reich von Anfang an Klarheit über seinen Zustand gefunden, wie beispielsweise seine allererste psychoanalytische Veröffentlichung „Über einen Fall von Durchbruch der Inzestschranke“, eine Selbstanalyse, zeigt.

Wer seine eigene Bindung an Familie und Mutter nicht überwunden hat oder sie zumindest durch Klarheit aus seinen Urteilen ausschaltet, der unterlasse es, die Ideologiebildung zu erforschen. (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 72, Fußnote)