Posts Tagged ‘Kastrationsangst’

David Holbrook, M.D.: IST ES MÖGLICH TRUMP ZU LIEBEN? / TRUMPS CHARAKTER / DIE BISHERIGEN PUTSCHVERSUCHE / KAMALA HARRIS UND DIE LINKE GEGEN DONALD TRUMP / IST ES „DER TRUMP-VIRUS“? / WARUM ICH TRUMP VERTEIDIGE / TRUMP: SÜNDER UND RETTER

28. August 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Ist es möglich, etwas an dem, was Trump repräsentiert, zu lieben?

 

Trumps Charakter und dessen Auswirkungen auf seine Fähigkeit, ein Führer zu sein

 

Eine Liste der bisherigen Putschversuche gegen Trump (die Liste ist möglicherweise nicht vollständig)

 

Kamala Harris und die Linke gegen Donald Trump: die Rolle der Fassade

 

Ist es „der Trump-Virus“?

 

Warum ich Trump verteidige

 

Trump: Sünder und Retter

 

Buchbesprechung: THE FREUDIAN LEFT von Paul A. Robinson (Teil 3)

24. Dezember 2019

von Paul Mathews, M.A.

 

Den Höhepunkt bildet jedoch die Analyse von Marcuse, der laut Robinson mit seinem Konzept von Repression und Sexualität sowohl Freud als auch Reich überholt hat: Nicht Freuds Realitätsprinzip stehe im Widerspruch zum Lustprinzip, sondern das Leistungsprinzip, ein Begriff, der eine zusätzliche Unterdrückungd der prägenitalen Sexualität im Interesse einer Genitalität symbolisiert, die den ausbeuterischen Funktionen von Kapitalismus und Imperialismus dient. Das Konzept der polymorphen Perversität des Menschen wird als verleugnete Funktion rehabilitiert, die für das menschliche Glück notwendig ist. Hier, so Robinson, knüpft Marcuse an Marx‘ Konzept des Mehrwerts an, der, neben der zusätzlichen Unterdrückung, für die Entfremdung und Verdinglichung des modernen Menschen verantwortlich sei. Man kann in diesen im Wesentlichen verkopften und metapsychologischen Spekulationen die Sackgasse sehen, die sich aus der Unkenntnis oder Ablehnung der orgastischen Funktion und des Primats der Genitalität ergibt. Für Marcuse wird die Genitalität zu einem Instrument in den Händen der Unterdrückung; und Freuds Hypothese des Urverbrechens, wie sie durch Roheims Erkenntnisse über die Totempraktiken der Primitiven gestützt wird, wird neu interpretiert, um den Urvater in den kapitalistischen Ausbeuter und die mordenden Brüder, die ihre Schuld in der Totemnahrung sühnen, in das Proletariat zu verwandeln. Homosexualität als Ausdruck polymorpher Perversität, verwandelt sich von einer Neurose, die auf orgastische Impotenz und Kastrationsangst hinweist, in eine Rebellion gegen die „genitale Tyrannei“ und in eine „soziale Funktion . . . analog zu der des kritischen Philosophen“ (S. 208).

Es wird gezeigt, daß Marcuse (wie Robinson in seinem Umgang mit Reich, Roheim, etc.) alles und jeden neu interpretiert, von der hegelschen Dialektik und dem Marxismus über Nietzsche und Schiller bis hin zu Freud. Wie Robinson hat auch er alles destilliert, was für seine vorgefassten Meinungen offensichtlich nützlich war und, wo es nicht hineinpasste, gründlich „rationalisiert“. Sogar die sexuelle Freizügigkeit wurde abgelehnt, wenn er der Meinung war, dass sie im Interesse der Ablenkung vom Problem der Ausbeutung verwendet würde; und das Produkt dieser Ausbeutung – der Wohlstand der technologischen Gesellschaft – wird zu etwas Fluchwürdigem. Das endgültige oder letzte Stadium scheint die Unterstützung einer neofaschistischen Elite von Jugendlichen der Neuen Linken zu sein. Die Rolle der patriarchalischen Familie wurde nun durch die Funktion der modernen technologischen Gesellschaft und ihrer Kommunikationsmedien ersetzt; so ist laut Marcuse der Ödipuskomplex nicht mehr relevant. Dieses Sammelsurium von Widersprüchen und Verzerrungen („Neuinterpretationen“) wird vom Autor als Inbegriff des „Freudianismus“ und sogar des „Reichianismus“ ernst genommen. Es ist beängstigend zu erkennen, dass ein bedeutender Teil unserer Jugend direkt oder indirekt von diesem Durcheinander geleitet wird.

Neben der Anti-Genitalität ist der Aspekt, der sich aus Robinsons These am stärksten ergibt, sein Anti-Konservatismus. Er nimmt für sich in Anspruch, Reich, Roheim und Freud vor dem konservativen Standpunkt zu retten. Wie viele andere ist er nicht in der Lage, den Konservativen vom Reaktionär zu unterscheiden und er findet es schwer zu verstehen, inwiefern Pioniere wie Freud, Reich und Roheim konservative Positionen haben einnehmen können. Es kommt ihm nicht in den Sinn, dass es dem Genie und der Größe dieser Menschen eigen war, dass sie ein instinktives Bewusstsein für die Gefahren sekundärer Triebe hatten und so das verantwortungslose „radikale“ Verhalten vermieden haben, das sich aus der falschen Anwendung ihrer wirklich radikalen (die Ursachen suchenden) Erkenntnisse ergibt. Was das am meisten bewunderte Thema des Autors betrifft, Marcuse, wird dessen aktive Identifikation mit den schlimmsten Elementen des skrupellosen Linksradikalismus und – jawohl – der Pest ihn letztendlich auf einen anrüchigen Platz in der Geschichte der Sozialreform verweisen. Es ist kein Zufall, dass Reich den Todestrieb widerlegt, während Marcuse ihn hochhält.

 

Anmerkungen des Übersetzers

d „Während jede Form des Realitätsprinzips ein beträchtliches Maß an unterdrückender Triebkontrolle erfordert, führen die spezifischen Interessen der Herrschaft zusätzliche Kontrollausübungen ein, die über jene hinausgehen, die für eine zivilisierte menschliche Gemeinschaft unerlässlich sind. Diese zusätzliche Lenkung und Machtausübung, die von den besonderen Institutionen der Herrschaft ausgehen, sind das, was wir als zusätzliche Unterdrückung bezeichnen.“ (Herbert Marcuse: Triebstruktur und Gesellschaft, Frankfurt a.M. 1977, S. 42)

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 4 (1970), Nr. 1, S. 136-140.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Die Biodynamik hinter Trump und Hillary

21. November 2016

Hier ein ehemaliger Berater von Bill Clinton, der die Seiten gewechselt hat:

Trump mag, wie im „phallischen“ New York üblich, ein Arschloch sein, ein ultraharter Geschäftsmann, aber er ist nicht gemein, d.h. außerhalb und nach dem Geschäft will er dir nicht übel, ganz im Gegenteil. Hillary ist hingegen, „ganz Washington, DC“, hinterhältig und gemein („anal“), sticht dir in den Rücken, kaum hast du dich umgedreht. Sie ist schwach und könnte in der direkten Auseinandersetzung nicht überleben.

Dazu ist dreierlei zu sagen:

  1. Der „anale Mann“, d.h. jeder, der weniger phallisch-narzißtisch als Donald Trump ist, fühlt sich bedroht (Kastrationsangst). Ähnlich jede hysterische Frau. Das erklärt die absolut groteske hysterische Angst vor Trump bei den Beta-Männern in den Medien und bei den Frauen, die so tun, als bestünde die Gefahr, daß sie jeden Moment von Trump höchstpersönlich vergewaltigt werden.
  2. Der Liberale (Linke) ist intellektuell gepanzert („intellektuelle Abwehr“), Konservative wie Trump sind muskulär gepanzert („muskuläre Abwehr“). In der direkten Auseinandersetzung kann der Linke nur mit Hinterhältigkeit bestehen. Beispielsweise wird dem Konservativen jedes Wort im Mund umgedreht, so daß er, wie er sich auch immer wendet, als sadistischer Faschist dasteht.
  3. Der genitale Charakter ist gradlinig und meint, was er sagt. Das entspricht auch weitgehend dem Ich-Ideal der meisten Neurotiker. Beim pestilenten Charakter hingegen steht das Verhalten nie in Übereinstimmung mit seinen Worten: es ist von Liebe (sic!) und Offenheit die Rede, doch die Taten sind hinterhältig und von nachtragendem Haß geprägt.

The Journal of Orgonomy (Vol. 12, No. 1, May 1978)

28. Dezember 2011

1924, noch ganz in traditionellen psychoanalytischen Bahnen, formulierte Reich das Ziel der psychoanalytischen Therapie wie folgt:

Wir ziehen es vor, auch bei vollkommenem Symptomschwund nach unvollkommener Analyse nur von Symptomfreiheit, nicht von Heilung zu sprechen, weil der psychoanalytische Begriff der Heilung notwendigerweise ein viel strengerer ist als der sonst übliche. Man dürfte in der Analyse von Heilung nur sprechen, wenn der Patient in subjektiver und sozialer Beziehung wieder hergestellt, unfähig zur Rezidive ist (Federn) und der Fall die weitgehenste Lösung sämtlicher Libidoanteile erfahren hat. („Über Genitalitär“, Frühe Schriften, S. 173f Fußnote)

Bereits im gleichen Jahr, 1924, formulierte Reich sein eigenes spezifisches Heilungskriterium:

Und nicht früher kann eine Analyse als beendet gelten, als bis der Patient seine Genitalität vom Schuldgefühl befreit und vom Inzestobjekt abgezogen sowie seine prägenitalen Organisationsstufen endgültig überwunden hat. („Die therapeutische Bedeutung der Genitallibido“, Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 10(2), 1924, S. 217f)

Wiederum im gleichen Jahr kommt sein Gesundheitskonzept in „Weitere Bemerkungen über die therapeutische Bedeutung der Genitallibido“ für den Rest seines Lebens gültig zum Abschluß: Reich geht es nicht primär um die Beseitigung neurotischer Symptome, sondern um Charakterveränderung, bzw. „die Umstellung der Gesamtpersönlichkeit auf das genitale Primat“ (Frühe Schriften, S. 229), deren aktive Betätigung vor dem Rückfall in die Neurose schützt und persistierende Symptome früher oder später verschwinden läßt.

Nachdem er kurz darauf in Der triebhafte Charakter (1925) die neue psychoanalytische Ichpsychologie in sein Gesundheitskonzept vollends integriert hat, heißt es in einem Brief an Sandor Ferenczi aus dieser Zeit der sich formierenden Charakteranalyse:

(…) true and lasting cures can be achieved only if we succeed in modifying the neurotic character, which is the substructure of its symptomatology. (In the ego: overcoming ambivalence and narcissism; in the sexual sphere: building up the „erotic reality sense“, the unambivalent, heterosexual genital libido.) (Reich Speaks of Freud, S. 128; deutsches Original wurde noch nicht veröffentlicht)

Die Psychoanalyse hat Reich dann in einem nächsten Schritt überwunden, als er im Zusammenhang mit seiner Orgasmustheorie durchblicken ließ, daß eine zu tiefe Analyse anstatt der Heilung zu helfen, dieser sogar eher im Wege stehen kann, da der heilende Faktor die Genitalität ist und nicht neuerlich aktivierte Prägenitalität:

Es gibt Fälle, die, ohne vollständig analysiert worden zu sein, auch dauernd symptomfrei bleiben. Das sind diejenigen, bei denen die Analyse zuerst an den genitalen Fixierungen angriff und sie vollständig lösen konnte, ehe tiefere Fixierungen die Übertragungssituation komplizieren konnten. Die von der Kastrationsangst befreite Genitallibido konnte automatisch andere Wünsche außer Kraft setzen, indem die orgastische Lösung der Libidostauung die Bereitschaft zu regredieren praktisch beseitigte. („Über die Quellen der neurotischen Angst“, Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 12(3), 1926, S. 430f)

Elsworth F. Baker sagt in seinem Aufsatz „Orgone Therapy“ über den Heilungsprozeß in der Orgontherapie:

Wenn die Energie von ihrer Verankerung in sadistischen, narzißtischen und prägenitalen Fixierungen befreit wurde, wird akute Angst freigesetzt, da die zum Genital fließende Energie die infantile Angsthysterie von neuem aktiviert und zur Rückkehr der Symptome führt.

Zeichen des therapeutischen Erfolgs ist, wenn der Patient masturbieren und sich dabei ohne Schuldgefühle den Inzest vorstellen kann und wenn er zu genitalen Empfindungen während der Therapie fähig ist. Das bedeutet, daß die Kastrationsangst überwunden wurde. (S. 47)

Man sieht wie wichtig noch immer das „Inzestobjekt“ ist. Bakers Kollege Arthur Nelson beschäftigt sich in der gleichen Ausgabe des Journal of Orgonomy ausführlich mit dem Thema Inzest: „A Case of Incest“. In diesem Fall geht es zwar um den Sex zwischen Geschwistern, jedoch stellt Nelson, auch mit Verweis auf die psychologische Literatur fest, daß hierdurch ödipale Wünsche intensiviert werden können. Baker habe ihm, Nelson, berichtet, daß Reich das Problem des Inzest und des universellen Inzesttabus oft diskutiert habe, das ganze jedoch nicht wirklich orgonomisch erklären konnte.

Reichs zeitweilige Sekretärin und Geliebte, Lois Wyvell beschreibt in ihren Erinnerungen was Reich ihr über die Gründe seiner eigenen Gesundheit erzählte. Er habe seine Gesundheit auf folgende Elemente zurückgeführt: er hatte als Kind viel freien Bewegungsspielraum, um das Leben in den Wäldern und auf der Farm selbständig zu erkunden; in erster Linie führte er seine Gesundheit auf seine Mutter zurück „für die er die glühendste Liebe und Bewunderung zum Ausdruck brachte“, die eine sehr liebevolle und im besten Sinne des Wortes gutmütige Frau gewesen sein muß; schließlich führte Reich seine Gesundheit auf die frühen sexuellen Episoden in seinem Leben zurück, die ihn von Anfang an überzeugten, daß an seinen sexuellen Empfindungen nichts Schlimmes und Sexualität etwas Gutes war („An Appreciation of Reich“, Journal of Orgonomy, 7(2), November 1973, S. 173f). Im krassen Gegensatz zu den Schuld- und Ekelgefühlen, die einem Großteil seiner Generation eingetrichtert wurden und die noch heute den Kindern eingetrichtert werden mit Pornographie und AIDS-Horrorgeschichten.

Wie bisher jeder Biograph hervorgehoben hat, blieb Reich jedoch zeitlebens durch seine Mutter- und Vaterbindung belastet. Immerhin hatte Reich von Anfang an Klarheit über seinen Zustand gefunden, wie beispielsweise seine allererste psychoanalytische Veröffentlichung „Über einen Fall von Durchbruch der Inzestschranke“, eine Selbstanalyse, zeigt.

Wer seine eigene Bindung an Familie und Mutter nicht überwunden hat oder sie zumindest durch Klarheit aus seinen Urteilen ausschaltet, der unterlasse es, die Ideologiebildung zu erforschen. (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 72, Fußnote)