
Wilhelm Reich, Physiker: 1. Biophilosophie, b. Orgonomischer Funktionalismus
Eine der Hauptaufgaben des College ist es, Orgontherapie zu gewährleisten und weitere medizinische Orgontherapeuten auszubilden. 1973 rief das College den „American Board of Medical Orgonomy” ins Leben. Durch ihn erhalten Ärzte die offizielle Anerkennung zum Orgontherapeuten. Um diese Anerkennung zu erhalten, muß ein Arzt zuerst die Anerkennung des American Board of Neurology and Psychiatry oder einer anderen Facharztvereinigung vorweisen. Ein Bewerber muß auch eine schriftliche und mündliche Prüfung, die durch das ABMO abgehalten wird, bestehen.
Die Entwicklung der Orgontherapie hat uns auch in ihren Anfangsstadien weit über die Grenzen der traditionellen Medizin und Wissenschaft gebracht. Viele Patienten, die sich einer Orgontherapie unterzogen haben, können ein gesünderes und befriedigenderes Leben bestätigen. Für viele wurde durch ihre Therapie ein befriedigendes Liebesleben möglich. Darüberhinaus haben Orgontherapeuten Schizophrenien erfolgreich behandelt und die Symptome von Depressionen, Hysterien, Herzerkrankungen, Asthma und diverser Neurosen gemildert.
In den letzten Jahren haben Ärzte und Wissenschaftler unser Wissen über die orgonenergetischen Funktionen erweitert.
Das College unterstützt Kurse, Vorlesungen und Seminare über Orgonomie, unter anderem einen Kurs an der New Yorker Universität, der seit 1968 durchgeführt wird. Außerdem findet 2-mal im Jahr ein Laborkurs statt. Das Journal of Orgonomy, das halbjährlich erscheint, erreicht 2000 Leser in aller Welt.
Gegenwärtig finden alle College-Aktivitäten in den Wohnungen von Mitgliedern statt. Das Labor, das wir bis jetzt für unsere Forschungsarbeit benutzten, wird uns jedoch in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen.
Ein hohes Niveau auf allen Gebieten der Orgonomie zu erreichen und aufrechtzuerhalten.
Die besten wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Orgonomie zu fördern und zu unterstützen.
Für alle Interessierten Ausbildung, Lehrveranstaltungen und Informationen zu gewährleisten.
Die hohe Stellung und Vollständigkeit der Orgonomie aufrechtzuerhalten, um der Orgonomie einen festen Platz unter den angesehensten Wissenschaften zu garantieren.
Nach Reichs Tod wurden bis jetzt nur sehr begrenzte Anstrengungen unternommen, die Möglichkeiten, die uns die Orgonomie bietet, zu erkennen und anzuwenden. In den letzten Jahren entstand jedoch das Bedürfnis, die Aktivitäten zu erweitern.
Um diesen Ansprüchen und Bedürfnissen gerecht zu werden, wurde der Plan geschaffen, ein Zentrum für die Orgonomie zu errichten.
Vor etwa einem halben Jahrhundert entdeckte ein junger österreichischer Psychoanalytiker die kosmische Lebensenergie. Diese Entdeckung könnte für immer die Art und Weise wie der Mensch seine Umwelt betrachtet, grundlegend verändern. Dieser junge Psychoanalytiker war Wilhelm Reich. Seit er die Orgonenergie entdeckte, und die auf ihren Funktionen basierende Wissenschaft entwickelte, trug die „Orgonomie“ sehr viel zum tieferen Verständnis vieler für die Menschheit bedeutender Bereiche bei – von der Krebsforschung über die Psychologie, bis hin zur Astronomie und Wetterbeeinflussung. Reichs Entdeckung einer allgegenwärtigen Energie hat uns das Tor zu einem völlig neuen Gebiet eröffnet.
Es ist dies ein Gebiet, das wir wohl in den nächsten Jahrhunderten nicht voll erforschen können. Da aber die Orgonomie immer noch sehr jung, fremd und beängstigend ist, herrscht in der wissenschaftlichen Welt ein beträchtliches Unbehagen, was dazu führt, daß für eine Wissenschaft, die so grundlegend von der wissenschaftlichen Tradition abweicht, kaum Forschungsgelder zur Verfügung gestellt werden.
So liegt es an uns, die die Bedeutung der Orgonomie für die Menschheit erkennen, die Verantwortung für die Arbeit Reichs zu übernehmen, und dem Weg zu folgen, den er uns gezeigt hat.
Heute steht die Orgonomie einer besonderen Herausforderung gegenüber, eine, die vorausschauende Planung und Verantwortung für die Zukunft verlangt. Der steigende Bedarf an medizinischer Orgonomie und das wachsende Interesse an orgonomischer Forschung und Lehre, verlangen, daß die orgonomischen Aktivitäten erweitert werden.
Aus diesem Grund haben wir die Aufgabe übernommen, ein dauerndes Zentrum und ein Labor für das Studium der Orgonomie zu errichten. Auf den folgenden Seiten möchten wir einen kurzen Überblick über unsere Arbeit, und unsere Pläne ein Zentrum zu errichten, geben.
Wir hoffen, daß Sie unseren Schritt in die Zukunft unterstützen wollen und wir sind für die Möglichkeit dankbar, Ihnen über unsere vergangene, gegenwärtige und zukünftige Arbeit berichten zu können.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Elsworth F. Baker
Präsident des American College of Orgonomy
Es scheint sicher, daß die Tragweite der Entdeckungen Wilhelm Reichs eines Tages erkannt wird. Sein Name wird dann so bekannt sein wie der von „Galileo“ und „Kopernikus“. Für viele grundlegende Fragen, mit denen die Wissenschaft heute konfrontiert ist, kann die Entdeckung der Orgonenergie und die Entwicklung der orgonomischen Wissenschaft ein Schlüssel sein.
Die Orgonomie ist die Wissenschaft der kosmischen Orgonenergie, sowohl in den Bereichen der lebenden, wie nichtlebenden Natur. Sie wurde von Reich während einer Jahrzehnte dauernden Periode der Erforschung und Beobachtung des Lebensprozesses entwickelt.
1897 in Österreich geboren, begann er seine Karriere als führender Schüler von Sigmund Freud. Er genoß internationale Anerkennung als Psychoanalytiker. Während dieser Zeit entstand sein Werk „Charakteranalyse“, ein Buch, das noch heute zu den Klassikern der psychiatrischen Literatur zählt. Seine weiteren Beobachtungen und Forschungen führten ihn jedoch zu einer neuen Therapietechnik, die von der damals üblichen abwich und es notwendig machte einen eigenen Weg zu gehen. Einen Weg, der zur Entwicklung des biophysikalischen Verständnisses der Psychotherapie, zur Entdeckung der Funktion des Orgasmus, und der schließlich zur Entdeckung der Orgonenergie selbst führte. Die Grundlage der Orgonomie ist das Studium dieser Energie, wie sie in allen Lebewesen und im Universum funktioniert.
1939 übersiedelte Reich in die Vereinigten Staaten, wo Dr. Elsworth F. Baker sich ihm und seiner Arbeit anschloß. Kurz vor seinem Tod, 1957, bat Reich Dr. Baker darum, die Verantwortung für die Zukunft der Orgonomie zu übernehmen.
Seit Dr. Baker die Verantwortung für die Zukunft der Orgonomie übernommen hat, ist einiges geschehen. So wurde 1968 das American College of Orgonomy (ACO) als eine nicht profitorientierte, professionelle in Wissenschaft und Lehre tätigen Vereinigung gegründet. Die Mitglieder des ACO haben sich zur Aufgabe gestellt, die Orgonomie voranzubringen.
Das College setzt sich aus einem Führungsausschuß von 12 Mitgliedern zusammen, die in Gegenwart und Zukunft die Anliegen der Orgonomie vertreten. Es sind dies Ärzte, Psychiater, Biologen, Physiker, Erzieher und Sozialwissenschaftler, die bereits intensiv auf dem Gebiet der Orgonomie gearbeitet haben. Ehrenmitglieder gehören ebenfalls diesem Ausschuß an. Darüberhinaus haben sich etwa 30 Ärzte, die sich der medizinischen Orgontherapie widmen, angeschlossen.
Das College trifft sich einmal im Jahr mit dem Führungsausschuß, um Grundsätzliches zu erörtern, und um das für sämtliche orgonomischen Arbeitsbereiche notwendige Anspruchsniveau festzulegen.
von Bernd Laska
Reich stieß mit seinen Theorien von Anfang an auf erbitterte Gegnerschaft; ob es bei den ‚aufgeklärten‘ Psychoanalytikern war; ob es bei den Kommunisten und Sozialisten mit ihrer ‚wissenschaftlichen Weltanschauung‘ war; oder ob es bei den ‚nüchternen und sachlichen‘ Naturwissenschaftlern war; von anderen Gruppen ganz zu schweigen. Jede von diesen dreien sich auf ihre Rationalität etwas zugute haltenden Gruppen ‚liquidierte‘ Reich auf ihre Art, aber keine setzte sich ernsthaft mit seinen Argumenten auseinander.
Nun ist Reich aber nie ein im eigentlichen Sinne unpolitischer Mensch geworden, der mit seiner Forschung und einer kleinen Anhängerschaft zufrieden gewesen wäre. Er war nur zu der Ansicht gekommen, daß die Veränderung der Welt zum Besseren hin nicht länger durch relativ ungerichtete Aktivität und Agitation erreicht werden kann, auch wenn diese unter den (inhaltlich nie klar ausgefüllten) Schlagwörtern „Fortschritt“, „Freiheit“, „Emanzipation“ usw. läuft; ein Problem, das heute leider noch so aktuell ist wie vor vierzig Jahren, als Reich sich vom organisierten Marxismus löste.
Und gemäß dieser Einsicht, die Reich nicht aufgrund philosophischer Spekulationen und von Wunschdenken gelenkt, sondern durch praktische und theoretische Arbeit an Mensch und Gesellschaft erlangte, arbeitete Reich an einem wissenschaftlichen Menschenbild, das den ganzen Menschen und seine Stellung in Natur und Gesellschaft erfassen sollte und den obenerwähnten Schlagworten einen konkreten Sinn geben konnte.
Ich glaube, daß die Entstehung der oft als unpolitisch bezeichneten Orgonforschung ohne diesen Gesichtspunkt nicht voll verständlich ist. Nach dem Fiasko in der Sowjetunion resignierte Reich nicht wie so viele ehemalige Sympathisanten und ‚fellow travellers‘ aus dem Westen, sondern er suchte und fand die Ursache, die allerdings sehr viel tiefer liegt als der gewöhnliche Intellektuelle akzeptieren möchte.
Das Thema verlockt zur weiteren Ausführung; ich muß aber im Rahmen dieser Vorbemerkung hier abbrechen. Nur noch soviel: Wenn Reich sich später z.B. um die Entwicklung eines Orgonmotors bemühte, so sicher nicht, um den herkömmlichen Motoren Konkurrenz zu machen. Er wollte damit sowohl das wissenschaftliche Fundament seiner Entdeckungen (also auch der Funktion des Orgasmus) verbreitern, als auch die Menschen dazu bringen, daß sie sich damit auseinandersetzen. Gerade er wird sich dabei voll bewußt gewesen sein, daß dies noch lange nicht genügt hätte; aber es hätte ein Anfang sein können.
Ähnliche Motivationen kann man vielen seiner Aktivitäten in der Orgonforschung unterstellen, ob es nun die Experimente zum Krebsproblem, zur Immunisierung gegenüber der Radioaktivität (Oranur) oder zur Wetterbeeinflussung waren. Die Orgonforschung war in einem höheren (oder tieferen) Sinn immer hochpolitisch (zumindest intentional), weil sie nie zu trennen war von Reichs Person und seinem Menschenbild, das vielen „linken“ Idealen erst eine wissenschaftliche Grundlage liefern und sie damit ihres illusionistischen Charakters entledigen könnte.
/1/ The Einstein Affair, Rangeley USA 1953
/2/ Ilse Ollendorff-Reich, Wilhelm Reich, München 1975
Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Wilhelm Reich Blätter 2/76N.