Posts Tagged ‘Sozialwissenschaften’

Blogeinträge November/Dezember 2012

9. Juli 2018

Mehr zum „biologischen Rechenfehler“ heute::

Blogeinträge November/Dezember 2012

  • Der Gesundheitszustand der amerikanischen Wirtschaft
  • Die Grenzen des politischen Konservatismus
  • Die bio-soziale Bedeutung der früh einsetzenden Pubertät
  • Warum in der Politik fast immer die Linke gewinnt
  • Ein weiteres Schulmassaker, ein weiterer politischer Dialog
  • Ausflüchte und Ablenkungen gehen mit der oberflächlichsten Schicht des sozialen Panzers einher

Blogeinträge April 2012

26. Oktober 2017

Zur Ergänzung des gestrigen Blogeintrags: Charles Konia verkörpert den orgonomischen Funktionalismus. Es sei insbesondere auf den letzten Beitrag in folgender Reihe verwiesen:

Blogeinträge April 2012

  • Es sind die Menschen
  • Wie die politische Rechte das Unmögliche verspricht
  • Hat der Mensch, insbesondere der Mann, ein tiefverwurzeltes Bedürfnis gewalttätig zu sein?
  • Die politische Rechte ist für die Linke kein ernstzunehmender Gegner
  • Teile und herrsche: Die Emotionelle Pest am Werk
  • Die Probleme, die Menschen beim Erkennen der Emotionellen Pest haben
  • Die Quelle der Popularität von Barack Obama
  • Das übliche Verständnis von „Charakter“ reicht nicht aus
  • Die Rolle des Panzers bei Sprechstörungen
  • Um die Biologie zu verstehen, ist funktionelles Denken notwendig

 

Kommentar zu „Es sind die Menschen“:

Robert (Berlin) 2013: Paul Craig Roberts: Obama könnte die Schuldenkrise zur völligen Machtergreifung nutzen

Paul Craig Roberts, der frühere Staatssekretär im Finanzministerium unter Präsident Ronald Reagan, warnte, Präsident Barack Obama könnte die Krise im Zusammenhang mit der Schuldenobergrenze dazu benutzen, sich durch die Ausrufung des Staatsnotstandes und über Präsidialdirektiven, die angeblich einen Wirtschaftszusammenbruch verhindern sollen, praktisch eine absolute Machtposition zu verschaffen.

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/paul-joseph-watson/paul-craig-roberts-obama-koennte-die-schuldenkrise-zur-voelligen-machtergreifung-nutzen.html

Kommentar zu „Wie die politische Rechte das Unmögliche verspricht“:

Peter: An der Diskussion um die Kinderkrippen läßt sich ablesen, daß in Europa das soziopolitische Spektrum weit nach links verschoben ist und die politische Kultur flächendeckend von Roten Faschisten dominiert wird. Bei den „Grünen“ wirken Ansichten, die auf einen Kontakt mit dem bioenergetischen Kern hinweisen, als kämen sie von Marsmännchen: fremd und exostisch bizarr.

http://www.pi-news.net/2013/10/grune-kritisiert-familienpolitik-der-eigenen-partei/

Hier mehr über die rote Entartung und die rote Zersetzungsarbeit in unserer Gesellschaft:

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bettina-roehl-direkt-der-gesellschaftszerstoerungsmodus-ist-im-vollen-gange/8966354.html

Kommentare zu „Die politische Rechte ist für die Linke kein ernstzunehmender Gegner“:

Robert (Berlin): Das passt sehr gut auf die heutigen Pseudo-Liberalen, die Grünen und ihnen nahestehende.

O.: Ich frage mich, wo Konia in seinem Land die Linken hernehmen möchte? Das Amerika von jeher von der emotionellen Pest regiert wird, ist banal, aber woher kommen die Linken? Oder anders gefragt, seine edlen Rechten, woher kommen die? Ganz viele Ufos müssen in den USA gelandet sein und solche Kreaturen mitgebracht haben.
Mir scheint als würde Konia rechte emotionell Pestige zu Linken machen wollen und seine edlen Rechten kommen aus einem Klonlabor. Mag ja sein, dass Obama im linken Gewand herkommt, doch sein Vater war in der rechten CIA, die die „guten“ Nazis aus dem 3. Reich aufnahm, weil sie ihre Technik und ihr Spionagewissen wollten. Grüne sind in den USA ein europäisches Kuriosum gewesen, um dass uns einige beneidet hatten, die KP war eine Randerscheinung. Eine Großdemo bestand in den Achtzigern aus 10 Leuten, die im Kreis mit einem Plakat in der Hand liefen, in Deutschland hätte man sie für eine kleine religiöse Sekte gehalten.

Kommentare zu: „Teile und herrsche: Die Emotionelle Pest am Werk“:

Peter: Gerade in der heutigen BILD-Zeitung gelesen: „Hamburg kämpft gegen Rechts!“ Also gegen die Hälfte der Bevölkerung und den Großteil der Steuerzahler?! Und dieses Drecksloch soll eine „Demokratie“ sein?! Nein, mit einem neuen Programm, das mal so eben 500 000 Euro kostet (ein Klacks für die restlos überschuldete Hansestadt, die für die existentiellen Bedürfnisse ihrer steuerzahlenden Bürger kaum einen Cent übrighat!), will Sozialsenator Detlef Scheele (57, SPD) unsere Stadt vor dem „Rechtsextremismus“ schützen. Die Zahl der Hamburger, die rechtsextremen Organisationen angehörten, ist 2012 im Vergleich zum Vorjahr von 440 auf 330 gesunken. Ähh, das macht mehr als 1500 Euro pro Kopf! Ich kommentiere das mal lieber nicht…
Wer schützt uns vor…

O.: Endlich wurde der Hamburger Verfassungsschutz personell verkleinert, finde ich gut!

O.: Divide et impera (lat. teile und herrsche):
Konia nimmt hier (kaum unbewußt) auf Machiavelli Bezug und verfolgt selbst unverkennbar dieses Prinzip, in dem er in gut und böse aufspaltet bzw. Fronten stilisiert in der amerkanischen Parteilandschaft Selbiges Prinzip spielte sich im „Kalten Krieg“ ab und man kann nur eine dritte (verborgene und manipulierende) Kraft dahinter vermuten (und erkennen). Dies ist eine elegante Kriegstaktik, die ständig verwendet wird und kann nur mir dem „Werk der emotionellen Pest “ beschrieben werden. (Nur) im Titel ist Konia korrekt.
Auch Konias Buchtitel „Neither .. Nor …“ verspricht er dieses Teufelsprinzip aufzuheben, dem er aber inhaltlich nicht folgt. Von daher macht er sich unglaubwürdig für mich.
Würde ich politisch agieren wollen und in den Krieg ziehen (lassen), würde ich die von Machiavelli durchschaute Taktik anwenden wie die Charakteranalyse. Ebenso ist sie in Betrieben die „neue“ beliebte Methode, um die Globaliseriungsdoktrin gegen die gespaltenen Arbeitnehmer gnadenlos durchzusetzen. Auch hier kann sie nicht anders als emotionelle Pest genannt werden und verdient in der Bekämpfung keine Gnade, kennt man nicht ein besseres Gegenmittel.
siehe auch:
https://de.wikipedia.org/wiki/Teile_und_Herrsche
und
https://de.wikipedia.org/wiki/Niccol%C3%B2_Machiavelli

Peter: Siehe den Abschnitt über Machiavelli S. 25 bis 27 in:

Peter: Konia hat 150%ig Recht: die USA werden von Roten Faschisten regiert, die ganz offen mit Terror drohen:

http://www.pi-news.net/2013/11/droht-us-ausenminister-kerry-israel-mit-terror/

Statt die Emotionelle Pest zu bekämpfen, kooperieren pestilente Charaktere (Kommunisten) wie Obama und Kerry mit ihr. Und das schlimme ist, daß Kerry mir so etwas durchkommt, ohne das er einen Proteststurm erntet.

Kommentar zu „Die Quelle der Popularität von Barack Obama“:

Robert (Berlin): „Obama und die meisten, wenn nicht alle seine Anhänger, haben daher Kontakt mit einander durch ihre oberflächlichen und mittleren Schichten.“

Also Wut, Sadismus und Perversionen der mittleren Schicht und die reaktive Rationalisierung der oberflächlichen Schicht mit ihrer Intellektualisierung („Gerechtigkeit“, „Gleichheit“).

Kommentar zu „Die Rolle des Panzers bei Sprechstörungen“:

Robert (Berlin) 2012: Die Rolle der Emotionen wird beim Stottern vollkommen übersehen oder sogar als Störfaktor gesehen. Rein mechanische Methoden mit Handübungen oder Tonübungen sollen Erfolg bringen. Es ist allen Stotterern bekannt, wenn sie sehr wütend sind und es dann nicht unterdrücken, stottern sie nicht. Ebenso wenn sie singen oder eine schauspielerische Rolle spielen.

Kommentar zu „Um die Biologie zu verstehen, ist funktionelles Denken notwendig“:

Robert (Berlin): Erinnert ein bißchen an „Schöne, neue Welt“ von Huxley, wo die Emotionen chemisch gesteuert wurden.

Blogeinträge Januar/Februar 2011

19. Oktober 2016

Im Augist 2010 stellte Dr. Konia folgende Blogeinträge ins Netz, auf die hier erneut hingewiesen wird, damit sie nicht verlorengehen:

Blogeinträge Januar/Februar 2011

  • Antiquierter Liberalismus ist nicht die Antwort auf den arabischen Rassismus
  • Das Massaker in Tucson
  • Das Problem Aggression
  • Die politische Strategie der linken Ideologen
  • Die wahre Bedeutung von „Christus starb für unsere Sünden“
  • Es ist die Wahl zwischen schlecht und schlechter
  • Die sozio-politische Dynamik einer Betrugsaktion
  • Die biologische Herkunft der politischen Korrektheit
  • Der Triumph des mechanistischen Denkens in den Sozialwissenschaften
  • Warum es niemals zu einem Waffenstillstand zwischen der Linken und der Rechten kommen wird

   
Kommentar zu: „Die wahre Bedeutung von ‚Christus starb für unsere Sünden‘“

Peter 2013: Zum Karfreitag: In der Nachfolge Christi:
http://bazonline.ch/leben/gesellschaft/Alle-fuenf-Minuten-wird-ein-Christ-ermordet-/story/13051615
 
Kommentare zu: „Warum es niemals zu einem Waffenstillstand zwischen der Linken und der Rechten kommen wird“

Robert: Der Begriff Augenpanzer scheint mir etwas unglücklich, weil die Augen ja selbst nicht muskulär gepanzert sein können. Gemeint ist hier wohl eine geistige Wahrnehmung oder Filterung des Gesehenen, welches spezifisch interpretiert wird, gemeinhin als „selektive Wahrnehmung“ bezeichnet.

Klaus: „Im allgemeinen haben sie weniger Augenpanzer und mehr Muskelpanzer“ – Hier wird von Konia schon zum Ausdruck gebracht, dass „Panzer“ nicht an Muskelverspannung gebunden ist. (Allerdings ist auch Verspannung in Bezug auf die Augen möglich, da sich auch die Augenbewegungen mit Hilfe von Muskeln abspielen. Aber „Panzer“ wird eher in Bezug auf ein Geschehen auf ‚energetischer‘ Ebene verstanden, das ‚Energie‘ chronisch bindet.)

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 6.a.

7. April 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

6. Beiträge zu Reichs Orgonomie

a. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

Elsworth F. Baker: Was ist Orgonomie?

15. Mai 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Elsworth F. Baker: Was ist Orgonomie?

acologo

Sigmund Reich und Wilhelm Freud (Teil 1)

19. März 2014

wr7Das funktionelle Denken ist bereits in der Psychoanalyse angelegt, der es ja weniger um die Aufdeckung des Woher der Symptome geht (das z.B. beim Zwangskranken nicht unbewußt sein muß), sondern um ihr (immer unbewußtes) „Wohin“, d.h. um ihre Funktion.

In seiner Wissenschaftsauffassung, die sich gegen die Pseudoexaktheit richtete, schloß sich Reich unmittelbar an Freud an. Freud:

Es wäre ein Irrtum zu glauben, daß eine Wissenschaft aus lauter streng bewiesenen Lehrsätzen besteht, und ein Unrecht, solches zu fordern. Diese Forderung erhebt nur ein autoritätssüchtiges Gemüt, welches das Bedürfnis hat, seinen religiösen Katechismus durch einen anderen, wenn auch wissenschaftlichen zu ersetzen. Die Wissenschaft hat in ihrem Katechismus nur wenige apodiktische Sätze, sonst Behauptungen, die sie bis zu gewissen Stufengraden der Wahrscheinlichkeit gefördert hat. Es ist geradezu ein Zeichen von wissenschaftlicher Denkungsart, wenn man an diesen Annäherungen an die Gewißheit sein Genüge finden und die konstruktive Arbeit trotz mangelnden letzten Bekräftigungen fortsetzen kann. (Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Fischer TB, 1992, S. 47)

Das ist Orgonomischer Funktionalismus!

Reich hat sich den politischen Problemen stets vom medizinischen Standpunkt her genähert und gesagt, er sei nie politisch im eigentlichen Sinne gewesen. Auf die Frage nach Freuds politischem Standort antwortete Reich:

Politisch? Er sagte immer: „Ich bin Wissenschaftler. Ich habe nichts mit Politik zu tun.“ Und da die Politik mit der Soziologie eng verknüpft ist, sagte ich: „Das ist ein unmöglicher Standpunkt.“ In einer Situation wie der damaligen konnte man nicht unpolitisch sein. Sie erinnern sich an die Jahre der Depression. Aber in Bezug auf die Politik hatte er recht, denn die Politik ist eine irrationale Angelegenheit. Er irrte sich in Bezug auf die Sozialwissenschaften. Aber es war nicht sein Fehler, es gab damals noch keine vernünftige Abgrenzung der Gebiete. Wir mußten aus unseren Fehlern lernen. Wir mußten das Gesellschaftliche vom Politischen trennen. (Von der Psychoanalyse zur Orgonomie. Das Interview über Sigmund Freud, Berlin 1984, S. 78f)

In den 1920er und 30er Jahren habe man, so Reich, kein „reiner“ Wissenschaftler bleiben können. Gewisserweise näherte sich Reich aber später Freud an und Reich kam zur Formulierung eines „antipolitischen“ Denkrahmens.

Freud hatte 1917 verkündet:

Wir sind zwar keine Reformer, sondern bloß Beobachter, aber wir können nicht umhin, mit kritischen Augen zu beobachten, und haben es unmöglich gefunden, für die konventionelle Sexualmoral Partei zu nehmen, die Art, wie die Gesellschaft die Probleme des Sexuallebens praktisch zu ordnen versucht, hoch einzuschätzen. (Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, S. 414)

Reich war eine solche passive Haltung des reinen Beobachters unmöglich, erst in der historischen Rückschau konnte er Freuds Position nachvollziehen („The Silent Observer“). Der resignative Zug, der Freud auf die Gegenwart wie aus historischem Abstand sehen ließ, war offenbar eine Funktion von Freuds Pathologie, seiner Krebsbiopathie. Typischerweise wurde Reichs im Vergleich dazu gesundes Verhalten pathologisiert.

Anfangs war Freud jedoch durchaus wie Reich. Er nahm als junger Arzt Dinge ernst, über die „die Wissenschaftler nur lachen können“. Dazu folgende Anekdote von Freud:

Als wir vor langen Jahren junge Spitalärzte um den Mittagstisch im Wirtshause saßen, erzählte ein Assistent der geburtshilflichen Klinik, was für lustige Geschichten sich bei der letzten Hebammenprüfung zugetragen haben. Eine Kandidatin wurde gefragt, was es bedeute, wenn sich bei der Geburt Mekonium (Kindspech, Exkremente) im abgehenden Wasser zeigen, und sie antwortete prompt: Daß das Kind Angst habe. Sie wurde ausgelacht und war durchgefallen. Aber ich nahm im Stillen ihre Partei und begann zu ahnen, daß das arme Weib aus dem Volke unbeirrten Sinnes einen wichtigen Zusammenhang bloßgelegt hatte. (ebd., S. 379).

Für Reich stellte Ibsens Peer Gynt den Fall einer paranoiden Psychose dar. Reich identifizierte sich eindeutig mit dieser Figur eines Außenseiters und man kann davon sprechen, daß Reich ähnlich wie Freud seine Laufbahn mit einer Selbstanalyse begonnen hat, in Gestalt der Analyse von Ibsens Drama. Reichs erste veröffentlichte Arbeit „Über einen Fall von Durchbruch der Inzestschranke“ ist ebenfalls eine Selbstanalyse.

The Journal of Orgonomy (Vol. 13, No. 1, May 1979)

31. Dezember 2011

Der selbständige Tischler Curtis Barnes stellt in „Toward a Functional View of Economics“ seine von der Orgonomie inspirierte Wirtschaftstheorie vor. Ich habe mich bereits an anderer Stelle mit diesem zentralen Text der Orgonomie auseinandergesetzt. Hier möchte ich mich deshalb auf die Darstellung der Arbeit des französischen Ökonomen André Orléan, Mitverfasser der Streitschrift Manifest der bestürzten Ökonomen, die in Frankreich für Furore gesorgt hat, beschränken, da sich dessen Anschauungen mit denen von Barnes weitgehend decken, insbesondere was die Wertbildung in der Wirtschaft betrifft.

In der bisherigen Ökonomie gäbe es einen Hang zu Verdinglichung, insbesondere was die Preisbildung betrifft. Sowohl für die klassische als auch für die neoklassische Theorie gäbe es zwar, so Orléan, einen Unterschied von Wert und Preis, jedoch werde diese Differenz verdrängt und der Begriff des Wertes vermieden, obwohl man von der Objektivierbarkeit des letzteren ausgeht. Orléan unterstreicht hingegen den Unterschied von Wert und Preis und geht nicht „objektivistisch“ an die Wertfrage heran, sondern betrachtet sie aus der Perspektive der Sozialwissenschaften. Jede der unterschiedlichen Sozialwissenschaften untersucht jeweils wie Individuen ethische, religiöse, ästhetische, etc. Werte entwickeln. Gemeinsame Werte halten die Gesellschaft zusammen. Orléan:

Die Wirtschaftswissenschaften aber lassen sich nicht in diese Einheit der Sozialwissenschaften einordnen. Sie haben eine radikal andere Vorstellung, wie ein Wert entsteht. Für sie ist er keine von den Mitgliedern einer Gemeinschaft geteilte Überzeugung, keine kollektive Vorstellung wie in den Gesellschaftswissenschaften, sondern eine objektive Größe, die den Dingen quasi als vorgesellschaftliche Substanz eignet.

Diese pseudo-physikalische meßbaren „Substanz“ war bei den Klassikern, insbesondere aber bei Marx, die Arbeit, die man brauchte, um einen Gegenstand herzustellen. (Reich ist dieser Vorstellung uneingeschränkt gefolgt.) In der Neoklassik ist es der Nutzen, den ein Gegenstand für seinen Eigentümer haben kann. Eine „verdinglichte“ Sicht der Welt, frei von menschlichen Emotionen, die bis heute die Wirtschaftswissenschaften beherrscht und sie beispielsweise gegenüber der gegenwärtigen Wirtschaftskrise hilflos macht. Orléans Herangehensweise ist hingegen eine sozialwissenschaftliche, die davon ausgeht, „daß Werte durch ein variables Geflecht gesellschaftlicher Beziehungen entstehen“.

Der Homo oeconomicus der klassischen und neoklassischen Theorie ist das Gegenteil des Kunstliebhabers, der ein ganz bestimmtes Gemälde besitzen will und kein anderes. Tatsächlich verhalten sich die Menschen auf den Märkten jedoch wie Kunstliebhaber, die ihren eigenen Vorstellungen und gesellschaftlichen Moden folgen. Curtis Barnes hat eben das behauptet!

Daraus, daß der wirtschaftliche Wert durch den berechenbaren Preis verkörpert werde, dürfe man, so Orléan, nicht schließen, daß er einer „physikalischen Meßgröße“ entspräche, vielmehr sei auch der ökonomische Wert, wie alle anderen „Werte“ auch, eine gesellschaftliche Konvention. Orléan schlägt eine „mimetische Hypothese“ vor, derzufolge der Wert aus einer wechselseitigen Interaktion von gesellschaftlichen Beziehungen der Individuen entsteht. Wie die Neoklassik geht hierbei auch Orléan davon aus, daß der Wert durch den Nutzen entsteht, den die Gegenstände für ein Individuum haben. Er frägt aber weiter, wie die Marktteilnehmer zu dieser Einschätzung des Nutzens kommen. Diese Einschätzung ist wiederum, so Orléan, direkt abhängig von der Interaktion der Marktteilnehmer. Sie werden durch die Werturteile der anderen Marktteilnehmer und durch das Marktgeschehen beeinflußt. Im Gegensatz zur Neoklassik, für die der Homo oeconomicus, ein souveränes, rational handelndes Einzelwesen ist, das weiß, was es will, betrachtet ihn Orléan als beeinflußbares, ständig zweifelndes, getriebenes gesellschaftliches Wesen, das manchmal vollständig irrational andere in ihrem Verhalten kopiert.

Besonders verheerend wirkt sich das auf den Kapital- und Devisenmärkten aus. Orléan:

Es geht im Wirtschaftsgeschehen vor allem ums Geld. Die Waren sind Mittel zur Akkumulation von Liquidität. Das Erstaunlichste für einen Laien ist sicher, daß in der Mainstream-Wirtschaftswissenschaft dem Geld überhaupt keine Bedeutung zugemessen wird. Man sieht in ihm ein neutrales Instrument, mit dem der Erwerb nützlicher Gegenstände leichter fällt als beim direkten Tauschhandel. Wir alle wissen aber, daß in der Wirklichkeit das Verlangen nach Geld den alles dominierenden gesellschaftlichen Konflikt darstellt. Es ist also ein gravierender Mangel der neoklassischen Werttheorie, daß sie von der Nützlichkeit der Dinge ausgeht und das Streben nach Geld ausschließt, obwohl dieses doch konstitutiv für die Waren produzierende Gesellschaft ist.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf den Biologen und Wirtschaftswissenschaftler Hans Hass verweisen, dessen Theorie des Geldes als „übernormalen Schlüsselreiz“ ich an anderer Stelle behandelt habe http://www.orgonomie.net/hdoekonom.htm .

Betrachten wir nun vor diesem Hintergrund was gegenwärtig auf den Finanzmärkten geschieht. Orléan:

Wie funktioniert die Preisfindung auf den Finanzmärkten? Was für einen Investor zählt, ist der zukünftige Preis. Der wird nicht durch irgendwelche Fundamentaldaten bestimmt, sondern durch die Einschätzung der anderen Markteilnehmer. Das sogenannte „Herding“, der Herdentrieb auf diesen Märkten funktioniert durch Nachahmung. (…) Und es kommt unweigerlich zu sich selbst verstärkenden Übertreibungen in die eine oder andere Richtung, weil der Wert eben Produkt kollektiver Überzeugungen und nicht etwa etwas Substantielles ist.

Das zeigte sich beispielsweise an der Immobilienkrise in der USA („Subprime-Krise“), die eben nicht einfach nur Betrug war, weil die Verkäufer mehr wußten als die Käufer, vielmehr waren beide in Herde der Lemminge gefangen:

Finanzprodukte haben keinen objektiven Wert. Der objektive Wert einer Aktie wäre die Summe zukünftiger Dividenden. Der objektive Wert einer Schuldverschreibung wäre die Summe zukünftiger Zinserträge. Die Zukunft aber ist unbekannt. (…) In Bezug auf die Subprime-Krise beispielsweise geht [man] davon aus, daß die Verkäufer den wahren Wert ihrer Papiere kannten, nur die Käufer nicht. Für mich gibt es keinen „wahren“ Wert. Auch die Verkäufer wußten nicht, was sie da verkauften. (…)

Grundsätzlich hat Orléan folgendes zu den Finanzmärkten zu sagen:

Das mimetische Modell gilt, wie wir gesehen haben auch für die Warenwelt. Dort haben sich kollektive Überzeugungen aber in den Vorstellungen einer bestimmten Nützlichkeit einer Ware gleichsam institutionalisiert. Das erlaubt eine gewisse Stabilität dieser Märkte im Sinne des Ausgleichs von Angebot und Nachfrage. Wenn die Preise für eine Ware steigen, geht die Nachfrage zurück, weil die Käufer versuchen werden, die teure Ware durch eine andere mit vergleichbarem Nutzen zu ersetzen. Das ist das Herzstück der neoklassischen Vorstellung von der stabilisierenden Wirkung der Konkurrenz auf den Märkten. Sie begrenzt den Preisanstieg. Niemand wird eine Waschmaschine kaufen, wenn der Preis doppelt so hoch ist wie der einer vergleichbaren Maschine der Konkurrenz. Die Finanzmärkte funktionieren ganz anders. Wenn der Preis steigt, nimmt die Nachfrage nicht ab. Sie steigt, weil die Konkurrenz auch am Preisanstieg teilhaben will. Wenn der Preis fällt, geht auch die Nachfrage zurück. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage ist außer Kraft gesetzt. Die Instabilität der Finanzmärkte ist also systemisch bedingt. (…)

Die Vorstellung, daß die Konkurrenz auf den Finanzmärkten zur Effizienz führe, daß sie so wie die Konkurrenz auf den Warenmärkten funktioniere, wie die Konkurrenz, die Adam Smith beschreibt, dieses moderne Konzept der effizienten Konkurrenz hat uns in diesen Finanzkapitalismus geführt. Das war die Kernbotschaft der Wirtschaftswissenschaftler in den letzten 20 Jahren, das ist der große Irrtum der wirtschafts- und finanzwissenschaftlichen Theorie.

In Reichschen Begriffen: wir sind Opfer einer biologischen Fehlkalkulation geworden!

Frei nach Charles Konias Darstellung der funktionellen Ökonomie, die weitgehend auf Barnes Vorarbeit fußt, kann man das Wesen der heutigen Finanzkrise mit Hilfe zweier orgonometrischer Gleichungen beschreiben (siehe Konias Buch The Emotional Plague):

Es geht bei der gegenwärtigen weltweiten Finanzkrise letztendlich um eine bioenergetische Krise.