Archive for the ‘Medizin’ Category

Du kannst mir mal am Hobel blasen!

22. Dezember 2016

Kuang-Yi Ku von der Design Academy in Eindhoven, Niederlande, ein Zahnarzt, der zum Künstler wurde, will im Zahnlabor des King’s College in London die Art und Weise, wie wir über Medizin denken, mit Hilfe von Sexprothesen verändern. Sein Workshop ist Teil der Ausstellung „Mouthy“ der Science Gallery, in der Werke gezeigt werden, in denen sich Kunst und Wissenschaft vereinigen. In dem Artikel, in dem seine Arbeit vorgestellt wird, heißt es:

Die Wissenschaft hat keine große Erfolgsbilanz vorzuweisen, wenn es darum geht, menschliche Sexualität in Forschung und Praxis zu integrieren. Die Zahnmedizin betrachtet beispielsweise drei Funktionen für die Mundhöhle: Ästhetik, Aussprache und Kauen. „Es gibt eine andere Funktion, Sex, die in den Lehrbüchern nie erwähnt wird“, sagt Ku. „Ich komme aus der Homosexuellen-Gemeinschaft und ich erkannte, daß die Ausbildungsinstitute der Medizin sehr patriarchalische Systeme sind, sehr ernst, und die Professoren sind sehr traditionell, vor allem in den asiatischen Ländern. Folglich wollte ich mich diesem Zusammenhang nähern.“

Resultat ist eine Zahnprothese, die die Fellatio lustvoller machen soll. Zum erwähnten Workshop gehören auch Frauen aus der LGBT-Gemeinschaft der Universität. Fellatio-Hilfen sind für Lesben zwar irrelevant, doch die LGBT-Gemeinschaft sei im ganzen offener eingestellt, was Körperveränderungen betrifft, und sie böte so eine hervorragende Plattform dafür, wie Kunst und Wissenschaft zu diesen körperlichen Modifikationen beitragen könnten. Kuang-Yi Ku selbst plant, seine Prothese schließlich mit lebendem Gewebe zu überziehen und fest im Gaumen zu verankern und dergestalt den Mund so zu modifizieren, wie es den sexuellen Präferenzen des betreffenden Klienten entspricht. Der Leiter der Science Gallery sieht den umfassenden Zusammenhang:

Ein Gutteil des Denkens über Gesundheit löst sich vom Aufheben des Negativen von Krankheit, Tod, Schmerz und bewegt sich zu etwas das ihm eigen ist, den positiven Dingen, die wir mit Hilfe aller möglichen Interventionen anstreben sollten. Das ist demnach Teil einer Bewegung, die Technologie einsetzt und Wissenschaft benutzt, um das Leben zu verbessern und nicht nur um Schaden zu mindern.

Wie man bei Wilhelm Reich, Elsworth F. Baker und Charles Konia nachlesen kann, hat sich der linksliberale Charakter, also genau jene Klientel, die heute die entarteten Kunstgalerien und die „Wissenschaft“ dominieren, vollständig von seinem bioenergetischen Kern gelöst. Sexualökonomische Analysen im Sinne Reichs findet man heutzutage nur in konservativen Publikationen, während sich die linksliberalen in Geschlechtsgleichschaltung („Gendermainstreaming“) erschöpfen. Die Verknüpfung der Sexualwissenschaft mit ihren biologischen Grundlagen, wie Reich sie in der Orgonbiophysik vorexerziert hat, nimmt heute eine extrem „antibiologische“ Wende, d.h. die Körper sollen mit Hilfe von Robotik, Schnittstellen zum Computer und genetischen Modifikationen so modifiziert werden („Transhumanismus“), daß sie den pervertierten Trieben des gepanzerten Menschen entsprechen.

Die Zukunft wird ein Horrorfilm sein, dessen Grauen unser jetziges Vorstellungsvermögen übersteigt. Die einzige Überlebenschance der Menschheit ist die allgemeine Verbreitung der von Elsworth F. Baker und Charles Konia entdeckten soziopolitischen Charakterologie im allgemeinen und die Analyse des liberalen Charakters im besonderen. Siehe dazu Dr. Konias Blog http://www.orgonomie.wordpress.com.

Die Stimulierung des Vagusnervs

23. September 2016

In Psychology Today ist zu lesen, daß Entzündungen oft die Antwort des Organismus auf Streß seien. Statt Medikation sei die Erhöhung des „vagischen Tonus“ eine Option, etwa durch Yoga und Meditation oder durch die Implantation von Geräten, die den Vagusnerv ständig stimulieren.

1921 entdeckte der deutscher Physiologe Otto Loewi, daß Stimulation des Nervus vagus eine Reduktion der Herzfrequenz verursacht, indem er die Freisetzung eines Stoffes auslöst, den Loewi „Vagusstoff“ nannte. Der Vagusstoff wurde später als Acetylcholin identifiziert, der erste Neurotransmitter überhaupt, den Wissenschaftlern identifiziert haben.
Der Vagusstoff (Acetylcholin) ist wie ein Beruhigungsmittel, das man einfach sich selbst verabreichen kann, indem man ein paar tiefe Atemzüge mit langem Ausatmen macht. Das bewußte Erschließen der Kraft deines Vagusnervs kann einen Zustand der inneren Ruhe erzeugen und dabei den Entzündungs-Reflex zähmen. (…)
Ein gesunder Vagotonus wird durch einen leichten Anstieg der Herzfrequenz beim Einatmen angezeigt und eine Abnahme der Herzfrequenz beim Ausatmen. Tiefe Zwerchfellatmung – mit einem langen, langsamen Ausatmen – ist der Schlüssel, um den Vagusnerv zu stimulieren und die Herzfrequenz sowie den Blutdruck zu verlangsamen, vor allem bei Zeiten des Leistungsdrucks.
Ein höherer Index des Vagotonus ist mit körperlichem und psychischem Wohlbefinden verbunden. Umgekehrt geht ein niedriger Index des Vagotonus mit Entzündungen einher, Depression, negativen Stimmungen, Einsamkeit, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Mit derartigen Erkenntnissen und Erläuterungen ist die moderne Medizin wieder da, wo Reich in den 1920er Jahren mit der Entwicklung der medizinischen Orgonomie angefangen hat. Reichs Ansatz zur Bekämpfung der chronischen Sympathikotonie war die charakteranalytische Vegetotherapie (psychiatrische Orgontherapie) und später der Einsatz des Orgonenergie-Akkumulators (physikalische Orgontherapie). Das mechanische Äquivalent heute ist die direkte Stimulierung des Vagusnervs mittels eines kleinen unter die Haut implantierten „Schrittmachers“. Problem mit dieser neuen „bioelektronischen Medizin“, und übrigens auch mit den erwähnten „Yoga und Meditation“, ist, daß diese Interventionen nur oberflächlich wirken und der alte Zustand rasch wiedekehrt, wenn sie eingestellt werden.

Die Hoffnungen sind groß, daß die Nervenstimulation die kostspielige und nebenwirkungsreiche Medikation bei rheumatischer Arthritis, Parkinson, Morbus Chron und Alzheimer ersetzen könnte. Wie weit wären wir, wenn man vor 70 Jahren die medizinische Orgonomie unterstützt hätte, statt dem verbrecherischen Irrweg des Verabreichens giftiger Substanzen!

Frau Meier kommt!

3. August 2016

Seit jeher ist es ein Rätsel, warum Frauen einen Orgasmus haben. Lange Zeit wurde ihnen die „Befähigung“ zu demselben sogar rundweg abgesprochen. Für Biologen ist er so ein Rätsel, weil sich der evolutionäre Vorteil eines weiblichen Orgasmus nicht recht erschließen will. Die neuste Theorie ist, daß bei den frühen Säugetieren der Eisprung durch den Geschlechtsakt selbst ausgelöst wurde, womit der Orgasmus bei den Weibchen eine ähnliche Rolle spielte, wie der Samenausstoß bei den Männchen. Erst später erfolgte bei Herdentieren wie den Schimpansen, die ständig Sexualpartner haben, der Eisprung in regelmäßigen monatlichen Zyklen. Die ursprünglich notwendige Stimulierung des Eisprungs würde den Orgasmus erklären, zumal sich die Klitoris ursprünglich innerhalb der Vagina befand und erst im Verlauf der Evolution nach außen wanderte. Der weibliche Orgasmus habe sich dabei sozusagen verselbständigt und, wenn er nicht funktionslos geworden sei, habe er vielleicht andere Funktionen übernommen, etwa die Paarbindung durch Ausschüttung entsprechender Glückshormone.

Was bei diesen Überlegungen immer unter den Tisch fällt, ist die naheliegende Funktion des Orgasmus: die Abfuhr überschüssiger biologischer Energie, um ein möglichst hohes Energieniveau aufrechterhalten zu können. Dies gilt gleicherweise für Mann und Frau. Diese Funktion würde auch erklären, warum es so drastische Folgen für das psychische und körperliche Wohlbefinden hat, wenn der Orgasmus durch Störungen „ruiniert“ wird. Der Orgasmus ist ohne Zweifel kein bloßer Irrläufer der Evolution, auf den man ebensogut verzichten könnte!

Siehe dazu auch meine Ausführungen in Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht.

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 4.b.

14. März 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

a. Die Atemsperre

b. Wahrnehmung und Bewußtsein

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 4.a.

8. März 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

a. Die Atemsperre

Der Gegensatz von Alzheimer und Krebs

14. Juli 2013

Massimo Musicco (L’Ospedale Santa Lucia, Roma) et al. konnten erneut und jetzt mit einiger Sicherheit bestätigen, daß Alzheimer und Krebs (und zwar durch die Bank alle Krebsarten) sich weitgehend gegenseitig ausschließen. Es ist zwar nicht unmöglich, daß ein Alzheimer-Patient auch an Krebs erkrankt oder ein Krebs-Patient auch an Alzheimer, aber dieses Zusammentreffen ist äußerst selten. Bisher bestand der Verdacht, daß diese statistische Korrelation einfach darauf zurückzuführen ist, daß Krebspatienten eher sterben und Alzheimer weitgehend eine Alterserscheinung ist, doch die neue Studie konnte diesen Verdacht ausräumen.

Für die Reichsche Krebstheorie ist es stets bedeutsam, wenn es bei Untersuchungen um den Krebs geht, nicht nur um bestimmte Krebsarten. Reich hatte nämlich aus seinen Forschungen erschlossen, daß der Krebs eine „Schrumpfungsbiopathie“ ist, d.h. eine Biopathie die mit einer allgemeinen Senkung des Energieniveaus einhergeht, im Zentrum des Organismus keine Energie mehr „produziert“ wird, bis der Körper bei lebendigen Leibe buchstäblich in Verwesung übergeht. Die Krebstumoren stellen den verzweifelten Versuch des Organismus dar, sich auf einem niedrigeren Organisationsniveau neu zu organisieren. Sie entstehen insbesondere dort, wo die Panzerung besonders stark ist, etwa an Schließmuskeln.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang der oben umrissene antagonistische Gegensatz?

alzheimkrebs

Alzheimer ist mit einiger Sicherheit so etwas wie „Diabetes des Gehirns“ und damit ebenfalls eine Schrumpfungsbiopathie. Das Spezifische dieser Art von Schrumpfung scheint jedoch eine „zentrale Desorganisation“ zu sein. Jedenfalls ist die Wahrscheinlichkeit an Alzheimer zu erkranken bei Menschen, deren Persönlichkeit von Gewissenhaft und Zielstrebigkeit gekennzeichnet ist, deutlich geringer.

Die Erklärung der mechanistischen Wissenschaft für den Gegensatz von Alzheimer und Krebs ist einfach:

Erklärt wird er meistens damit, daß Alzheimer und Krebs in gewisser Hinsicht zwei Seiten derselben Medaille sind: Bei Krebs reagieren die Körperzellen zu wenig auf Signale, die ihnen den Selbstmord befehlen, und wachsen ungebremst drauflos. Bei Alzheimer sind die Nervenzellen dagegen offenbar überempfindlich für solche Signale: Sie sterben ab, obwohl es keinen offensichtlichen Grund dafür gibt. Wer also ein gut funktionierendes Zell-Selbstmord-System in seinem genetischen Code beherbergt, wird seltener Tumoren entwickeln, aber anfälliger für Alzheimer und – ebenfalls bereits belegt – ähnliche Krankheiten wie Parkinson sein. Wer dagegen sehr robuste Zellen besitzt, neigt zwar weniger zu Alzheimer und Parkinson, hat aber eher entartete Zellen im Körper.

Die mechanistische Wissenschaft erklärt den Krebs damit, daß normale Zellen biologisch entarten, durch einen „Programmfehler“ jedoch nicht zerfallen („Zellselbstmord“), sondern sich ganz im Gegenteil wie wild teilen, es also zu Zellwucherungen = Krebs komme. Bei Alzheimer komme es ganz im Gegenteil zu Zellselbstmorden auch bei vollkommen gesunden Gehirnzellen, bis das Gehirn aussieht wie ein Schweizer Käse.

Reichs Forschungen legen ein ganz anderes Szenario nahe: Während Krebs Folge extremer Panzerung ist, die das Leben dermaßen drosselt, daß es buchstäblich anfängt zu faulen, ist Alzheimer durch Kontrollverlust gekennzeichnet. Zwar kommt es zu Krampfanfällen (insbesondere auch bei Parkinson), doch generell ist dieser Zustand von einem Zerfall der Panzerung und einer entsprechenden Enthemmung, insbesondere sexuellen Enthemmung, geprägt. Weil es sich um zwei Biopathien handelt, wird die organismische Energie schon Jahrzehnte vor dem eigentlichen Krankheitsbeginn entsprechend „gepolt“ sein.

Da die Gegensätzlichkeit dieser beiden Krankheitsbilder so fundamental zu sein scheint, wäre auch an den Gegensatz zu denken von energetischem Orgonom (Zentrales Nervensystem, Kontrollverlust, Alzheimer) und orgonotischem System (Vegetatives Nervensystem, Einstellung der zentralen Energieproduktion, Krebs). Als Beispiele denke man an den Alzheimer-Patienten Ronald Reagan, der vital und „bauchgesteuert“ blieb, aber nie als besonders gewissenhaft galt, und vergleiche ihn etwa mit dem Krebspatienten Freud, der bis zuletzt zielstrebig, „zerebral“ und vor allem kontrolliert blieb. Auf gesellschaftlicher Ebene entspricht das dem Gegensatz von „entfesseltem Kapitalismus“ auf der rechten Seite und dem „sozialen Krebstod“ (Kommunismus) auf der linken Seite.

Die antiautoritäre Gesellschaft am Beispiel des Ärztestandes

23. Juni 2012

ein Gastbeitrag von Dr. med. Mann

Hört man das Wort „antiautoritäre Gesellschaft“, denkt man an Rebellion oder gar „Emanzipation“. Manche werden sich fragen, ob dieser Begriff nicht ein fataler Fehlgriff ist, um eine Gesellschaft zu beschreiben, die (unter dem Deckmäntelchen der „Demokratisierung“) immer mehr Lebensbereiche reglementiert und bürokratisiert; was sich letzten Endes als weitaus repressiver entpuppt, als es die vielbeklagte „Repression in der bürgerlichen Gesellschaft“ je gewesen ist. Am Beispiel des Arzt-Berufs läßt sich zeigen, welch totalitäre Züge die antiautoritäre Gesellschaft annimmt, trotz vordergründig gegenteiliger Assoziationen bei dem Begriff „antiautoritär“.

Kaum ein Berufsstand war in der autoritären Gesellschaft geachteter als der des Arztes. Dabei spielten zwar Standesdünkel und Mystizismus („Halbgötter in Weiß“) hinein, aber diesem verzerrten Kontakt zum bioenergetischen Kern entsprach dennoch eine gewisse arbeitsdemokratische Rationalität. Es galt, was der Arzt sagte und verordnete. Das sorgte für einen gewissen Dezentralismus und autonome Strukturen. Kein Gesetzgeber, keine Regierung oder Versicherung kam auf den Gedanken, das fachärztliche Urteil anzuzweifeln oder an seiner Gültigkeit zu zweifeln. Patienten folgten widerspruchslos den Anordnungen und Verordnungen des Fachmanns.

Das hat sich grundlegend geändert und zeigt plastisch die fatalen Auswirkungen der antiautoritären Gesellschaft. Zunächst einmal versteht sich der Patient zunehmend als „kritischer Kunde“ und tritt mit einem entsprechend übersteigerten Anspruchsdenken an den Arzt heran, dem ganz offen Wunderkuren abverlangt werden, weil der Patient möglichst gar nichts tun (und nichts an sich und seinem „ungesunden Lebenswandel“ ändern) will – außer den Arzt zu kritisieren. Hiervon kann jeder Arzt „ein Lied singen“, der z.B. mit der „Einstellung“ eines Diabetes mellitus zu tun hat. Dazu passend, verstehen sich viele Ärzte und sogar Psychotherapeuten mittlerweile nicht mehr als „Heiler“, sondern als hochspezialisierte „Dienstleistungs-Anbieter“.

Dabei tritt der Arzt zunehmend in Konkurrenz mit Ratschlägen aus den Massenmedien und jeder Menge anderer „Fachleute“. Oder mit anderen Worten, seine Autorität wird ständig infrage gestellt. Fast jeder Patient (v.a. die jüngeren), der selber nullkommanull Erfahrungen mit Psychopharmaka hat, meint den Arzt (dessen entsprechende Empirie auf Tausenden von Fällen sowie auf seiner Kenntnis unzähliger wissenschaftlicher Studien beruht) gleich im Erstgespräch belehren zu müssen, daß das von ihm vorgeschlagene Medikament laut Google-Recherche ja „fürchterliche Nebenwirkungen“ habe. Tatsächlich ist deren Auftretens-Wahrscheinlichkeit jedoch gegebenenfalls geringer als diejenige, daß man sich beim Autofahren beide Beine bricht.

Der Arzt wird sogar als „Agent der Pharmaindustrie“ verdächtigt, d.h. als Geschäftemacher im Verbund mit „bösen Mächten“. An die Wirksamkeit der Medikation wird sowieso nicht mehr geglaubt, und es gibt ein ewiges Ringen um die „Compliance“ (also Krankheitseinsicht und Mitarbeit) des Patienten. Dieser Aspekt ist auch volkswirtschaftlich von großer Relevanz, da verschiedenen Untersuchungen zufolge etwa jede zweite ärztlich verschriebene Tablette nicht im Magen des Patienten landet, sondern im Müll oder der Toilette entsorgt wird.

Daraus sich ergebende ausbleibende Therapieerfolge werden natürlich dem Arzt angelastet: „die da oben“ haben immer schuld! Wenn man in ein Flugzeug steigt, funktioniert die Arbeitsdemokratie: jeder Passagier vertraut ganz selbstverständlich dem Piloten sein Leben an, da dieser ja im Gegensatz zu den Insassen „von der Pike auf gelernt“ hat, ein Flugzeug zu steuern. Im Gesundheitswesen ist es hingegen ganz anders: fast jeder Patient sieht sich selber als „kleinen Arzt“ oder Psychologen. So beklagte Wilhelm Reich schon zu seinen Zeiten, daß sich jeder „kleine Mann“ für einen psychiatrischen Experten hält, nur weil er selber Emotionen hat.

Hinzu kommt, daß genau wegen dieser grundsätzlich antiautoritären Haltung das Leben zunehmend „kollektiviert“ und bürokratisiert wird. Sie wirkt sich dadurch nicht etwa „emanzipatorisch“ aus, sondern läuft im Gegenteil auf eine totalitäre Kontrolle sämtlicher Lebensbereiche hinaus. Heutzutage verbringt ein Arzt fast die Hälfte seiner Arbeitszeit nicht etwa mit der Behandlung von Patienten, sondern damit, unzählige Schreiben zu verfassen und Formulare auszufüllen, um sich gegenüber viel weniger fachlich qualifizierten Sachbearbeitern von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen (die den Patienten und die Begleitumstände seiner Erkrankung gar nicht persönlich kennen), der Kassenärztlichen Vereinigung, Rentenversicherungsträgern, der Ärztekammer, Gerichten, Gutachtern für Psychotherapie-Anträge, dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen usw. ständig dafür zu rechtfertigen, ob die von ihm gestellte Diagnose und die darauf basierende Behandlung auch richtig ist.

Schon bei der Auswahl des geeigneten Medikaments ist der Facharzt nicht etwa frei (früher gab es mal die so genannte „Therapie-Freiheit“ des Arztes), sondern hat sich an verbindliche „Behandlungs-Leitlinien“ der Fachgesellschaften zu halten, wenn er nicht „mit einem Bein im Gefängnis stehen“ will. Das unsägliche „Punkte-System“ der Kassenärztlichen Vereinigungen mit Fallpauschalen bzw. „DRGs“ (Diagnosis Related Groups), „Richtgrößen-Volumen“ „Budgetierungen“ und entsprechenden Regreß-Forderungen bei deren Überschreitung, tun ihr Übriges, um den VerwaltungsAufwand (und den Frust des Arztes) extrem in die Höhe zu treiben.

Daß das „Gesundheits“-Wesen v.a. aus diesen Gründen hoffnungslos überbürokratisiert, organisiatorisch „gepanzert“, korrupt und konsekutiv viel zu teuer ist, ist eine der „heiligen Kühe“, die in der öffentlichen Diskussion tabu sind – schließlich geht es doch um den „Erhalt von Arbeitsplätzen“ (also z.B. die der über 100.000 „SOFAs“ = SozialversicherungsFachangestellten), was das Herz jedes Gewerkschafters und Sozialdemokraten höher schlagen läßt.

Parallel dazu hat der Gesetzgeber (ebenfalls im Rahmen der genannten „Demokratisierung“) neulich dafür gesorgt, daß die „Patienten-Rechte“ noch weiter gestärkt werden. Was sich auf den ersten Blick gut anhört, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als veritabler Schwachsinn. Jeder Patient kann jeden Arzt „einfach so“ wegen eines vermeintlichen Behandlungsfehlers auf unglaubliche Summen Schadensersatz verklagen. Pikanterweise muß dazu nicht etwa (wie im sonstigen Rechtssystem selbstverständlich) der Patient nachweisen, daß ein solcher Fehler geschehen ist, sondern der Arzt muß vielmehr vor Gericht selber den positiven Nachweis erbringen, daß er korrekt behandelt und nichts falsch gemacht hat! Was natürlich in der Konsequenz dazu führt, daß die umfangreiche schriftliche Dokumentation wichtiger wird als die Behandlung selber. Welcher Kassenpatient kennt nicht die (daraus resultierende) groteske Situation, daß der Facharzt während des Erstgesprächs den Patienten kaum noch ansieht, sondern bereits auf seiner PC-Tastatur wie wild Daten und Abrechnungsziffern eintippt? Dies ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Kontroll- und Regulationswut der Institutionen in Wahrheit zur zunehmenden Panzerung der Arzt/Patient-Beziehung führt, die doch eigentlich das „A und O“ einer jeden guten Behandlung darstellt.

Besonders perfide an dieser Art des systematischen Totalitarismus ist, daß man heute (im Gegensatz zu den Zeiten der autoritären Gesellschaft) nicht mehr auf einzelne „autoritäre“ Herrscher bzw. Individuen wütend sein kann, da die Entmündigung des Bürgers im ach so „demokratisch aufgeklärten“ Zeitalter sehr viel subtiler erfolgt durch die Allmacht der allgegenwärtigen Institutionen (die noch dazu vorgeben, sie täten das alles ja im Sinne der Bürger bzw. Patienten-Rechte).

So kommt es, daß Gesetze und Vorschriften zunehmend den Gestaltungsfreiraum des Arztes einschränken und ihn zu einem bloßen Rädchen im Getriebe machen, das zu funktionieren hat und das ja nichts aus eigenem Antrieb unternehmen darf. Gegenwärtig wird er sogar von umfassendem „Qualitäts-Management“ und „Zertifizierungs-Maßnahmen“ gepiesakt, was wirklich jeden Handschlag standardisiert und vor allem eins bedeutet: zusätzlicher Papierkram, der von der eigentlichen Arbeit abhält. Das Fachwissen und die Erfahrung des Einzelnen gelten nichts mehr. Er hat sich standardisieren zu lassen und muß sich vor irgendwelchen Gremien rechtfertigen, wenn er aus der Reihe tanzt.

Zu allem Überfluß nimmt der Druck von Seiten der privaten Versicherungen zu, und der Arzt muß sich immer mehr gegenüber irgendwelchen Sachbearbeitern rechtfertigen, weil beispielsweise die Medikation (ihrer Meinung nach!) nicht mit der Diagnose harmoniert. Da diese Auseinandersetzungen grundsätzlich über den Patienten laufen, wird so die Autorität des Arztes und das Vertrauen in den Arzt zusätzlich unterminiert.

Und schließlich kommt etwas zum Tragen, was insbesondere in Amerika den Arztberuf zu einem veritablen Alptraum gemacht hat: Patienten, die für ihr Leid ganz „antiautoritär“ immer andere verantwortlich machen, beginnen die rechtlichen Mittel auszuschöpfen. Groteskerweise geht es bei etwaigen Gerichtsverhandlungen aber gar nicht um den Arzt, sondern um seine Haftpflichtversicherung, die möglichst wenig an Entschädigung zahlen will und entsprechend den Arzt weiter entmündigt. Selbst wenn er einen Fehler gemacht hat, darf er den nicht offen einräumen! Er und andere dürfen aus seinen Fehlern nicht klug werden.

Eines der Hauptresultate von alledem sind explosionsartig steigende Kosten (nicht zuletzt aufgrund der der Haftpflicht), die gegenwärtig z.B. die Gilde der freiberuflichen Hebammen buchstäblich auslöschen. Dies und die damit einhergehenden schreienden Ungerechtigkeiten werden natürlich „dem Kapitalismus“ angelastet, was die antiautoritäre Ideologie weiter unterfüttert und nach mehr bürokratischer „Abhilfe“ ruft – so daß sich der Teufelskreis immer weiter fortsetzt.

Man kann sich den „Lösungsansatz“ etwaiger Reformer schon denken: es wird natürlich alles darauf hinauslaufen, „autoritäre Strukturen“ noch radikaler zu hinterfragen und die fachliche Autorität der Ärzte noch mehr zur Disposition zu stellen. Auf diese Weise zerstört die antiautoritäre Gesellschaft die Arbeitsdemokratie in einer scheinbar unaufhaltsamen Abwärtsspirale, während die frühere autoritäre Gesellschaft zumindest eine Karikatur der Arbeitsdemokratie bewahrte.

Am Ende wird vor allem einer der Dumme sein: der Patient und Steuerzahler, um den sich ja angeblich alles dreht und der alles bezahlen muß. Tatsächlich geht es aber bei dieser Angelegenheit jedoch nur um eines, nämlich um das auf den gesellschaftlichen Schauplatz verlagerte ödipale Drama – die „antiautoritäre Emanzipation“ mit ihrer infantilen Rebellion gegen die „Vaterfigur“ Arzt.

Die „Organmediziner“ sind in ihrer Position ziemlich sicher, da letztendlich doch die Realität, etwa in Gestalt eines Blinddarmdurchbruchs, die Oberhand behält und so für den Erhalt einer gewissen arbeitsdemokratischen Ordnung sorgt. Ganz anders sieht es aber im Bereich der Psychiatrie (sowie Psychotherapie, Psychosomatik udgl.) aus, die seit Beginn der antiautoritären Ära, also seit etwa 1960, von absurden Bewegungen wie der „Anti-Psychiatrie“ oder dem „Sozialistischen Patientenkollektiv Heidelberg“ und wirren Pseudo-Philosophen wie Michel Foucault grundsätzlich in Frage gestellt wird. Wer es wagt, „psychische Gesundheit“ zu definieren, steht gleich als „Nazi“ da.