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Die Pharmaindustrie und die Emotionelle Pest

15. Mai 2016

Auf der deutschen Heimatseite der Orgonomie ist ein Aufsatz von Charles Konia erschienen: „Mechanistisches Denken in der Medizin und die Emotionelle Pest“.

Alle Präventionsbemühungen und der ganze Gesundheitswahn hat nichts gebracht. Profitiert an der „Vorbeugung“ hat nur die Pharmaindustrie, die nebenwirkungsreiche Medikamente gegen Schlaganfall, Herzinfarkt, Knochenschwund, Cholesterin, etc. an kerngesunde Menschen verkauft – die dadurch krank werden.

Mit exakt dem gleichen Problem war Amerika und Reich schon vor 70 Jahren konfrontiert. Siehe dazu „Mechanistic Medicine and National Health“ im International Journal of Sex-Economy and Orgone-Research, Vol. 1, No. 2, July 1942, S. 176.

Anläßlich eines Artikels in der New York Times demzufolge, trotz besserer Lebensbedingungen und aller Vorsorgebemühungen, keine Verbesserung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung zu verzeichnen sei, zeigten die medizinischen Erfahrungen der Orgonomen:

    1. Die Medizin findet keinen Zugang zum lebendigen Funktionieren, weil sie mechanistisch und an der Chemie orientiert ist.
    2. Folglich versteht sie die Erkrankungen des vegetativen Systems, welche Störungen der biologischen Pulsation sind, nicht.
    3. Störungen des sexuellen Funktionierens sind dem durchschnittlichen Arzt unbekannt. Sie gehören nicht zum Kurrikulum der medizinischen Fakultäten, trotz der Tatsache, daß 60 bis 80 Prozent der Gesamtbevölkerung unter ihnen leiden.

Der gegenwärtige (1942!) Zustand könne sich erst ändern, wenn ein biologisch-funktionalistisches Denken in der Medizin um sich greife. Krankheiten, die auf Sexualstauung zurückgehen, d.h. die Biopathien, müßten grundlegend verstanden werden. (Siehe auch Konias Ausführungen über „Die mechanistische und die mystische Betrachtungsweise der menschlichen Sexualität” auf seinem Blog.)

Entsprechend führt Reich das, was an Fortschritt zu konstatieren ist, auf die Befreiung der Sexualfunktion zurück. Beispielsweise meint Reich im Zusammenhang mit dem verfrühten Tod, wie er vor allem durch die Krebsschrumpfungs-Biopathie repräsentiert ist, daß

die Pflege der positiven Lebensfunktion wie Lust, Entwicklung, Tätigkeit etc. entscheidend in der Verhütung verfrühter Sterbensvorgänge (ist). Die Verlängerung des durchschnittlichen Lebensalters der Menschen mancher Kulturkreise in den letzten Jahrzehnten ist dem Durchbruch natürlicher Sexualfunktionen zuzuschreiben. (Der Krebs, Fischer TB, S. 259f)

Was mich in diesem Zusammenhang seit Jahren wirklich zutiefst schockiert, ist die Werbung für Psychopharmaka und – Lebensmittel! Man schaue sich einmal das Werbefernsehen an: da wird Werbung für alkoholfreie Erfrischungsgetränke und Süßigkeiten gemacht, – als wäre Kokain beigemischt. Untergründig wird nur eins verkauft: das Versprechen auf sexuelles Glück!

Weil Cola und Orangenlimonade den versprochenen Zustand nicht herbeiführen können, greifen die Menschen schließlich zu den Produkten der Pharmaindustrie. Da lauten dann die Überschriften: „Neue Lebensenergie gewinnen!“ „Neue Kraft schöpfen!“ „Ganz ohne Zwang leben!“ „Entspannt zurück ins Leben!“

Die Menschheit hat die Wahl: entweder folgt sie den Rattenfängern, die künstliche Paradiese versprechen, ins Verderben – oder sie kämpft für ihr Lebensglück.

Man nehme etwa das weitverbreitete Schmerzmittel Paracetamol, das weite Teile der Bevölkerung zu unempathischen, empfindungslosen Arschlöchern macht.

Ich habe mich bereits öfters mit Botox auseinandergesetzt, beispielsweise hier.

Mittlerweile lassen sich Millionen von Frauen Botox spritzen um jünger auszusehen, doch das Mittel zerstört nicht nur die Fähigkeit mit Hilfe der Gesichtsmuskeln Emotionen auszudrücken, sondern beeinträchtigt auch die Fähigkeit die Emotionen in anderen wahrzunehmen.

Dies stellten David Neal von der University of Southern California und Tanya Chartand von der Duke University, North Caerolina in einer nun publizierten Untersuchung fest.

In der Studie wurden Frauen gebeten, die Emotionen von Leuten auf Photos zu benennen, nachdem ihnen zuvor entweder Botox, Restylane (eine Faltenbehandlung, die die Muskeln nicht vollständig lähmt) oder ein Gel verabreicht worden war, das die Muskeln überhaupt nicht beeinträchtigt. Die Probandinnen, die Botox erhalten hatten, waren am wenigsten in der Lage, die abgebildeten Emotionen zu identifizieren. Die zweite Gruppe war etwas besser, während die Gruppe mit dem Gel am besten die Gefühle richtig benennen konnte.

Diese Studie schließt sich an eine vorangehende von Joshua Davis (Columbia University) an, die herausgefunden hatte, daß jemand, dem Botox gespritzt worden war, schlechter in der Lage ist seine eigenen Emotionen wahrzunehmen.

Der Studie von Neal und Chartand zufolge sind mit Botox behandelte weniger fähig, die Emotionen des Gegenübers zu lesen, weil man die Emotionen teilweise dadurch wahrnimmt, daß man sein Gegenüber nachmacht. Wir fühlen uns in andere ein.

Neal, Professor für Psychologie:

Wir beginnen erst jetzt zu ergründen, wie wichtig Nachahmung und der Körper in vielen psychologischen Prozessen ist. Der Geist ist natürlich entscheidend, aber der Körper gibt uns wichtige zusätzliche Informationen, die uns beim Zurechtfinden in unserem sozialen Umfeld helfen.

Wirklich revolutionäre Erkenntnisse 😉

Der Student der Orgonomie muß dem Außenstehenden oft arrogant und anmaßend erscheinen, da er scheinbar alles besser weiß als die vermeintlichen Experten. Aber wie soll man schon reagieren, wenn Leute wie Neal Trivialitäten, die Reich bereits in den 1930er Jahren voll erfaßt hatte, 80 Jahre später als überraschenden Durchbruch feiern. Geht die Entwicklung so weiter, wird „die Wissenschaft“ in weiteren 80 Jahren ungefähr da angelangt sein, wo Reich 160 Jahre zuvor stand, als er die Emotionen und ihre Behinderung durch Panzerung voll erfaßt hatte.

Wir sind in erster Linie energetische Wesen. Emotionen und auch Gedanken sind weder eine Sache des Gehirns noch des Körpers, sondern Ausdruck des Energieflusses im Körper. Wird die freie Entfaltung der Energie durch eine gelähmte Muskulatur oder durch Ideologie (den Mechano-Mystizismus) behindert, ersterben die Emotionen und die Gedanken verlieren jede Bedeutung. Die Kommunikation zwischen den Menschen bricht zusammen und wird durch willkürliche Regeln ersetzt.

Menderes, Du bist mein Dschungelkönig!

31. Januar 2016

Ich bin ein Star, holt mich hier raus! 2011 schrieb ich über die damalige Folge:

Ich liebe diese Sendung. Die erste, die ich mir seit Monaten angeschaut habe, wenn ich denn die Gelegenheit dazu hatte. Sie ist so ungefähr das einzige Intelligente, was im Fernsehen zu sehen ist. Millionenmal besser als der Dreck, der uns als Hochkultur verkauft wird. Es ist die beste Erziehung für die Massen, die ich mir überhaupt vorstellen kann. Und zwar aus einem einzigen Grund: man lernt, daß es nichts bringt sich zu verstellen. Es ist vielmehr kontraproduktiv und fällt letztendlich auf einen selbst zurück.

Ansatzweise wird auch deutlich, wie Mobbing funktioniert. Sogar die Mechanismen der Emotionellen Pest zeichnen sich im Relief ab. Diesmal war der sensible und „merkwürdige“ („ein Depp“) Peer Kusmagk das Opfer. Wie das ganze im einzelnen abgelaufen ist, kann man im Boulevard nachlesen. (Auch das besser, als die widerlichen Ergüsse unserer „Intellektuellen“!) Ist es nicht schön, daß sich die Massen mit ihm identifizieren und nicht mit einem der blöden, vermeintlich „sozial kompetenten“ Arschlöcher, die ihn geschnitten und gemoppt haben?!

Was war sein Verbrechen? Während alle anderen auf ihre Außenwirkung und ihre Karriere bedacht waren, blieb Peer naiv, „unbedarft“. Während alle anderen über die tatsächlich sehr nervige und teilweise schlichtweg asoziale Sarah herzogen, blieb Peer objektiv und versuchte auch Sarahs Standpunkt nachzuvollziehen. Das erste zog ihm die Verachtung der Gruppe zu, das letztere deren Aggression. Geradezu klassisch für Mobbing war eine Szene, in der Mathieu und Indira sich auf herablassende Weise über Peer unterhielten in dessen Hörweite. So kann man Leben vernichten!

Obwohl so etwas hunderttausendfach in diesem Land geschieht, bleibt es doch immer verborgen. Jeder weiß davon, doch niemand will es wahrhaben. Diese Sendung wirft Licht auf die alltägliche Sauerei.

Peer ist einfach der beste im Dschungel 🙂 Am Anfang war mir das ganze total egal, aber jetzt freue ich mich schon in der Schule darauf wieder Dschungelcamp zu schauen und ich hab Angst, dass er raus fliegt. Die anderen sind einfach alle nur falsch, lästern über ihn und machen ihn schlecht. Die können doch gar nicht wissen, was in ihm vor ging. Und wenn er weint muss man fast schon mit weinen. Das macht ihn nur sympathischer ::-)

Ganz genau.!! Leute, die sich über weinende Männer lustig machen sind einfach niveaulos. Er steht zu seinen Gefühlen, er ist ECHT, er spielt keinem was vor, & wenn alle auf eine Person rumkacken, & er glaubt, dass nur DIESE Person Recht haben könnte, dann schenkt er diesem einzelnen Menschen Unterstützung. In diesem Moment ist ihm es egal, wenn er dann auch gegen die Gruppe läuft. Er ist eben KEIN Mitläufer & hat sehr wohl viel Rückgrat, was Jay, Thomas, Indira, Katy & Mathieu nicht haben. -__-

Soweit 2011. Fünf Jahre später habe ich, soweit wie möglich, die Sendung erneut verfolgt. Sie war langweilig, da mittlerweile jeder begriffen hat, daß man in solchen Situationen, wo man seiner Würde beraubt und dabei ständig videoüberwacht wird, schon verloren hat, wenn man etwas spielt, was man nicht ist. Praktisch in jeder Folge kommentiert einer der Stars nach einigen Tagen über seine Mitstreiter: „Die Fassade fällt, der Charakter zeigt sich!“ Oder wie jetzt Menderes, der neue Dschungelkönig, am Ende sagte: „Ich habe gelernt, daß man sich nicht verstellen, sondern man selbst sein soll.“

Die Tusse hat es ins Finale geschafft, die auf den ersten Blick die Verliererin schlechthin zu sein schien: Sophia Wollersheim, mit ihren grotesken Silikontitten, dem blondierten Haar, dem Botox-Gesicht, den überlagen Fingernägeln und einem Gesamtbild, das der Karikatur einer geistig minderbemittelten Friseuse entsprach. Tatsächlich gewann sie ganz am Anfang alle Herzen, als sie auf Nachfrage erklärte, daß sie früher in der Schule gemoppt worden sei, sich ihrer dicklichen Figur und ihres kleinen Busens geschämt hatte, daß sie mit ihrem Auftreten, dem Botox und dem ganzen „Plastik“ ihre tiefsitzende Unsicherheit kaschiere; freimütig davon erzählte, wie sie über My Space jede Menge Promis angeschrieben hatte, aber der Zuhälter Wollersheim der einzige war, der geantwortet hatte und daß sie ihn nach wenigen Monaten geheiratet habe, um nicht für eine seiner Nutten gehalten zu werden. Sie war im Camp dazu prädestiniert das Opfer zu sein, wie einst der „Porno-Star“ Dolly Buster, die nach wenigen Tagen fliehen mußte, weil sie die Verachtung und das Mobbing nicht mehr ertrug. Sophia entging diesem Schicksal, indem sie die Emotionelle Pest durch etwas entwaffnete, was Reich wie folgt angeraten hatte:

Wenn nötig, enthülle offen deine Schwachpunkte, sogar deine Geheimnisse. Die Menschen werden verstehen. („Truth Versus Modju“, Orgone Energy Bulletin, Vol. 4, 1952, S. 162-170)

Der Ex-Fußballprofi Thorsten Legart, der es ebenfalls ins Finale schaffte und Dritter wurde, erzählte freimütig von seiner traumatischen Kindheit, in der der alkoholkranke und gewalttätige Vater die Familie tyrannisierte und seinen eigenen Sohn, nämlich Thorsten Legart, mißbrauchte. Und schließlich die von allen verachtete „Witzfigur“ Menderes Bağcı, der, wie er freimütig zugab, mit 31 noch nie eine Frau geküßt, geschweige denn mit ihr geschlafen hat.

Peer Kusmagk hat damals in seinem ersten Interview als Dschungelkönig die wichtigste Lektion verraten, die er in der RTL-Show gelernt hat: „Wenn man seinem Herzen folgt, dann kann einem eigentlich nichts passieren.“

Es geht um die Seele, nicht um den Geist!

20. Mai 2015

In Wachkomapatienten sind keine seelenlosen Körperhüllen! habe ich mich mit der von der Katholischen Kirche bekämpften modernen Kultur des Todes auseinandergesetzt, in der Leben und Leiden zu einem Störfaktor werden, die durch Abtreibung und Euthanasie zu beseitigen sind.

In dem besagten Blogeintrag beschäftigte ich mich insbesondere mit neuen Entdeckungen, die darauf hinweisen, daß man Wachkomapatienten zwar nicht auf „geistiger“ Ebene, dafür jedoch auf emotionaler erreichen kann. Das läßt sich mittels Magnetresonanztomographie nachweisen. Auch wenn sich Wachkomapatienten uns nicht mitteilen können und kein Bewußtsein ihrer selbst haben, emotional „sind sie da“!

Eine Studie von Justin Feinstein (University of Iowa, Iowa City) et al. hat mit Probanden, die unter ständigem Gedächtnisverlust litten, gezeigt, daß man immer noch Gefühle empfindet, nachdem deren Ursachen längst vergessen sind. Die Versuchsteilnehmer litten unter Verletzungen am Hippocampus, der für das Abspeichern von neuen Erfahrungen verantwortlich ist. Betroffene vergessen neue Erlebnisse gleich wieder.

Die Forscher zeigten ihnen jeweils einen kurzen Film, einer davon mit lustigen Inhalten, der andere mit trauriger Grundstimmung. Fünf bis zehn Minuten nach Filmende wurden die Versuchspersonen über Details befragt. Wie erwartet, erinnerten sich die Probanden kaum mehr an den Film (…). Bei einer Befragung nach dem Gedächtnistest zeigte sich aber, daß die Emotionen immer noch vorhanden waren, die die Probanden während des Films erlebt hatten. Bei zwei Patienten blieben die Gefühle sogar deutlich länger bestehen, als bei den Gesunden, die den Film noch präsent hatten.

Diese Befunde zeigen, daß ein liebe- und respektvoller Umgang mit Menschen, die unter stark eingeschränkten Geistesfunktionen leiden, etwa Alzheimer-Patienten, alles andere als „vergebliche Liebesmüh“ ist. Feinstein erläutert dazu:

Ein Besuch oder Anruf kann also bei Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, anhaltende Freude auslösen – auch wenn sie den Besuch oder das Telefonat bereits wieder vergessen haben.

Im übrigen bestätigen die Forschungen Feinsteins Reichs psychotherapeutischen Ansatz, bei dem es, anders als bei der von der Psychoanalyse beeinflußten tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie und der kopflastigen kognitiv-behaviouralen Therapie, in erster Linie um die Befreiung der Emotionen geht. Sie sind weitaus fundamentaler als die „Psyche“ und machen den eigentlichen Wesenskern des Menschen aus. Sie machen uns zu liebesbedürftigen Menschen, auch wenn die höheren (d.h. oberflächlicheren) mentalen Funktionen weitgehend erloschen sind.

Emotionen haben primär gar nichts mit dem Gehirn zu tun, sondern sind unmittelbarer Ausdruck der Bewegung der Orgonenergie in einer geschlossenen Membran. Selbst Amöben spüren Lust (Expansion) und Angst (Kontraktion gegen die Expansion). Mit der Entwicklung einer Muskulatur tritt die Wut hinzu (expansive Bewegung der Energie in die Muskulatur hinein). Reich hat die Emotion Sehnsucht als Energiefluß definiert, der in den Brustbereich und die Arme geht. Unsere Sprache bringt die Verbindung zwischen Trauer, Sehnsucht und dem Herzbereich sehr klar zum Ausdruck.

Ich habe mich bereits mit Botox beschäftigt. Dieses Zeugs ist so bedeutsam, weil es viel über die muskuläre Panzerung sagt. Beispielsweise verschwinden Kopfschmerzen, wenn man die Gesichtsmuskulatur lahmlegt.

In Amerika machen sich konservative Kommentatoren häufig über die fast durchweg extrem linken „Reichen und Schönen“ (insbesondere in Hollywood) lustig, deren Markenzeichen mittlerweile jugendlich entspannte und gleichzeitig puppenhaft tote Gesichter sind: offensichtlich sei das Botox auf ihr Gehirn geschlagen.

Neuere Forschungen zeigen, daß das tatsächlich passiert. Botox setzt die kognitiven Funktionen herab, insbesondere das Sprachverständnis.

Ein Team um David Havas von der Universität Wisconsin-Madison habe 20 Frauen vor und nach einer Botox-Behandlung einem Sprachtest unterzogen. Nach der Therapie benötigten die Frauen eine Sekunde länger, um etwa folgenden Satz zu verstehen: „Sie verabschieden sich von einem guten Freund, den sie nie wieder sehen werden.“
Eine Sekunde Verzögerung klinge zwar nicht besonders lang, sagte Havas laut Magazin, sie genüge aber, um gewisse emotionale Schwingungen in einem Gespräch nicht mitzubekommen. Nach Vermutungen der Forscher benötigt das Gehirn ein Feedback der Gesichtsmuskeln, um Emotionen steuern zu können.

Jeder, der die Orgontherapie aus eigener Erfahrung kennt, weiß, daß Emotionen Ausdruck unseres gesamten Körpers sind. Botox und geradezu tragikomische Sätze wie „Nach Vermutungen der Forscher benötigt das Gehirn ein Feedback der Gesichtsmuskeln, um Emotionen steuern zu können“ – zeigen, wie weit wir auf dem Weg fortgeschritten sind, zu seelenlosen Barbiepuppen zu werden.

Die Panzersegmente (Teil 1): Der Augenpanzer

5. November 2014

Das Auge ist keine tote Kamera, wie wir im „Biologie“-Unterricht gelernt haben, sondern ein lebendiges Organ, dessen Funktionieren in jeder Hinsicht von Bewegung abhängt.

Der Neurologen Michele Rucci (University of Boston) zufolge stehen die Augen beim „Fixieren“ eines Objekts keineswegs still, sondern bewegen sich unwillkürlich hin und her. Werden diese Augenbewegungen in einer entsprechenden Versuchsanordnung kompensiert, kann der Proband feine Details schlechter wahrnehmen.

Sehen funktioniere nicht wie bei einer Kamera, mit der ein Bild aufgenommen und anschließend analysiert wird, sondern der eigentliche Prozeß des Schauens beeinflusse, was man sehe, erklärt Michele Rucci.

Leuten, die mit Pferden zu tun haben, wird Michael Geitners Methode der „Dual-Aktivierung“ ein Begriff sein. Mit ihr lassen sich Probleme wie Schreckhaftigkeit, Schwierigkeiten beim Verladen, Bewegungsschwächen und Taktfehler in den Griff bekommen. Geitner hat denkbar einfache Übungen entwickelt, die das Pferd dazu zwingen, Reize gleichzeitig mit beiden Augen zu verarbeiten und von beiden Seiten zu erfassen.

Diese Methode erinnert an EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) zur Behandlung des posttraumatischen Streßsyndroms beim Menschen. Beim EMDR folgt, ähnlich wie in der klassischen Orgontherapie, der Blick des Patienten dem Finger des Arztes, der vor seinen Augen hin und her geführt wird, während der Patient die auslösende Situation seines Traumas innerlich visualisiert. In der Orgontherapie wird zur weiteren Stimulierung des Augensegments eine Penlight-Taschenlampe benutzt.

In einem ganz anderen Zusammenhang kann man Augenpanzerung bei Hunden beobachten. Hunde sind uns gewisserweise näher als unsere nahsten genetischen Verwandten, die Schimpansen. Hunde können nämlich unseren Gesichtsausdruck weit besser deuten als jeder Menschenaffe.

Seit geraumer Zeit ist der Golden Retriever „Modehund“. Um die ungeheure Nachfrage zu decken, nimmt man es mit der Zucht nicht so genau, so daß vermehrt die Produkte von Inzucht auf den Markt kommen. Ein Kennzeichen der Inzucht sind neben körperlicher Krankheitsanfälligkeit psychische Auffälligkeiten, insbesondere die sogenannte „Retriever-Wut“, die man auch als “Mental lapse syndrome“ bezeichnet. In einem entsprechenden Forum heißt es dazu:

Die Sudden Onset Aggression äußert sich in plötzlicher und unvorhersehbarer anfallsartiger Aggression. Das Verhalten tritt völlig unprovoziert und unkontrollierbar auf. Die Hunde machen dabei einen abwesenden Eindruck und greifen Personen (…) an. Dabei erscheinen die Augen des Tieres häufig glasig und die Pupillen sind weit dilatiert.

Es ist extrem wichtig, ein Gefühl für okulare Panzerung zu gewinnen, da groteskerweise ausgerechnet sogenannte „Reichianer“ ganz besonders darunter leiden. Das liegt daran, daß in den sogenannten „Körperpsychotherapien“ oder gar „Körpertherapien“ die Panzerung des Augensegments vernachlässigt wird.

Resultat sind dann Menschen, deren Stirn unbeweglich ist und die, was besonders gruselig wirkt, kaum die Augenlider bewegen. Einer der lebensnotwendigen Grundreflexe!

Durch Zufall bin ich auf folgendes Video gestoßen. Eine interne Werbesendung der Sekte „Scientology“. Was dort gesagt wird, ist vollkommen gleichgültig (es geht um die Mobilisierung der Mitglieder). Wichtig sind nur die starren Augen. Es wirkt so, als wären diese Leute in einer ständigen Hypnose.

Dieser Ausdruck erinnert mich an die „Sehmänner“, wenn sie, lange vor dem Video- und schließlich Internetzeitalter, die Sexkinos und Sexshows auf Sankt Pauli verließen. Sie hatten genau den gleichen „Energiestau“ in den Augen, den gleichen Ausdruck. Es war sogar exakt das gleiche stagnierte und „schmutzige“ Gefühl, das ihr Augensegment vermittelte: DOR!

Hier ein weiteres Video, das Scientologen zeigt, bei denen diese „schmutzige“ okulare Panzerung extrem ausgeprägt ist. Interessanterweise sind sie auch voller schmutziger Gedanken:

Das traurige dabei ist, daß wir alle bis zu einem gewissen Grade an dieser Panzerung leiden. Der erste Schritt zur Freiheit besteht darin, sich dessen in sich selbst und bei seinen Mitmenschen bewußt zu werden. Kontakt!

Wie sich diese Panzerung von innen her anfühlt, beschreibt eine Frau, nachdem sie sich von Scientology befreien konnte, wie folgt:

Mir kommt es vor, als hätte ich bisher alles durch eine geriffelte Milchglasscheibe wahrgenommen, die sich plötzlich beiseite schiebt, was ich erst jetzt bemerke, wo sie verschwindet. Ich muß meinen Kopf richtig schütteln, aber es bleibt, wie es ist. Ich bin so verwundert, daß ich mich richtig umschauen muß. Alles ist wie vorher, und doch sieht auf einmal alles anders aus – klarer, deutlicher. Was war denn bloß los? Auch mein ganzer Körper fühlt sich anders an, konkreter, leichter, besser. (Anonymus: Entkommen. Eine Ex-Scientologin erzählt, Reinbek bei Hamburg 1993, S. 187)

Wir alle leben in einem derartigen depersonalisierten Trancezustand, in solch einer Nebelwelt, mit fremden, tauben, schweren Körpern. Es ist die gepanzerte, die kontaktlose Welt.

Seit einigen Jahren spritzen Schönheitschirurgen das altbekannte Nervengift Botulinus, um Gesichtsmuskeln lahmzulegen und auf diese Weise Falten zu beseitigen. Als willkommener Nebeneffekt stellte sich ein, daß bei den Klientinnen Kopfschmerzen verschwanden. Selbst bei hoffnungslosen Fällen von Migräne half das Botulinustoxin („Botox“). Die direkte Wirkung hält nur wenige Monate an, dann sind die neuro-muskulären Endplatten wieder toxinfrei und die Muskeln verkrampfen erneut, aber auch danach kehrten die Kopfschmerzen nicht oder nur in einem geringeren Umfang zurück.

In den letzten Jahren haben sich Forschungsergebnisse akkumuliert, die diese anekdotischen Berichte bestätigt haben. Seit 2011 wird Botox offiziell als Mittel gegen Migräne eingesetzt. Siehe dazu den Stern-Artikel mit der Überschrift „Bakteriengift löst verkrampfte Muskeln“.

Die New York Times meinte bereits 2003, es sei vielleicht übertrieben Botox, das ja auch ein von Bakterien stammendes Naturprodukt ist, als „das Penizillin des 21. Jahrhunderts“ zu bezeichnen, aber immerhin sei es denkbar breit einsetzbar: z.B. bei Gesichtszuckungen, Stottern, um Patienten mit verkrampften Stimmbändern ihre Stimme zurückzugeben, Tennisellenbogen, Karpaltunnel-Syndrom, Schreibkrampf; im Magenbereich zur Bekämpfung von Fettsucht und Geschwüren, Schmerzen im unteren Rückenbereich, Inkontinenz, Vaginismus; bei Lähmungen nach einem Schlaganfall und bei Klumpfüßen von Neugeborenen.

Tatsächlich ist Botox eine zweischneidige Sache.

Erstens bestätigt es erneut Reichs Theorie, daß emotionale und psychosomatische Störungen, etwa die Migräne, auf chronische Muskelverspannungen zurückgehen, die wir nicht willkürlich steuern können, sondern denen wir (ohne die Hilfe eines Orgontherapeuten) auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind.

Andererseits zeigt der Schutzmechanismus Panzerung, daß wir einen funktionierenden Energieapparat haben. Im Endstadium der Krebserkrankung, die durch eine energetische Schrumpfung gekennzeichnet ist, und ganz allgemein beim Sterbensprozeß, hört die Energieproduktion auf und entsprechend löst sich auch unsere Panzerung auf. (Siehe dazu Reichs Der Krebs.) Gleichzeitig sind die Patienten bemerkenswert gelassen und angstfrei. Das, was sich auf den ersten Blick positiv anhört, ist eine Tragödie, denn sie bedeutet, daß das Leben in uns erstirbt: Tote haben keine Panzerung.

Wenn man sich die leeren, bewegungslosen, puppenhaften Gesichter von Hollywoodstars (angebliche Schauspieler!) und neuerdings sogar von Politikern anschaut, – es sind Totenmasken. Dort wo die Muskeln sich nicht mehr bewegen können, gibt es auch keine Emotionen mehr. Das Ende ist nahe, die Zombies übernehmen die Weltherrschaft!

Es gibt einen ganzen Kulturbereich, in der erstarrte Gesichtszüge seit jeher gang und gäbe sind:

In Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie habe ich kurz Hans Hass‚ „Expedition zum Menschentier“ beschrieben. Dabei stellte sich heraus, daß, je nachdem es sich um mehr oder weniger „wilde“ (bzw. „indigene“), domestizierte oder „verwestlichte“ Menschentiere handelt, insbesondere der Gesichtsausdruck signifikant unterschiedlich ist: ungepanzert und offen (wie in indigenen Gesellschaften), gepanzert und erstarrt (wie in den asiatischen Gesellschaften) oder gepanzert und manipulativ (wie in den „aufgeklärten“ westlichen Gesellschaften).

Ein internationales Psychologen-Team um Takahiko Masuda (University of Alberta, Edmonton) zeigte japanischen und amerikanischen Testpersonen Darstellungen von Gesichtern, die diese am Computer so manipulieren konnten, daß die Münder und die Augen unterschiedliche Gefühle ausdrückten. Dabei stellte sich heraus, daß für die Japaner der Augenausdruck, für die Amerikaner die Mundstellung das entscheidende Kriterium für den Gefühlsausdruck ist.

Der kulturelle Unterschied wird etwa anhand der „Emoticons“ deutlich: in Japan schreibt man nicht, wie auf der linken, sondern wie auf der rechten Seite:

japsmil

Takahiko Masudas Studien wurden durch Ryo Oda vom japanischen Nagoya Institute of Technology bestätigt.

Er fand mit Hilfe des so genannten „Vertrauensspiels“, daß unsoziale Einstellungen unmittelbar an der Mimik ablesbar sind. Bei Paaren von Probanden trat einer als Verteiler auf, dessen Aufgabe darin bestand, einen bestimmten Geldbetrag zwischen sich und seinem Partner aufzuteilen. Der Empfänger hatte die Option, das Spiel abzubrechen, wenn er kein Vertrauen in den Verteiler hatte. In diesem Fall erhielt der Empfänger vom neutralen Spielleiter einen relativ geringen Fixbetrag.

Oda hatte vorher per psychologischer Tests fünf reine Egoisten und fünf reine Altruisten ausgesucht, die als Verteiler agieren sollten, während 40 Studenten als Empfänger fungierten. Vor dem Spiel schauten sich die Studenten ein tonloses Video an, in dem sich die Verteiler vorstellten.

Im Schnitt brachten die Studenten den Altruisten mehr Vertrauen entgegen. Die beiden gegensätzlichen Charaktereigenschaften waren also an der Mimik erkennbar.

Oda hat (…) herausgefunden, daß freundlich gestimmte Altruisten öfter das Duchenne-Lächeln im Gesicht tragen. Dabei handelt es sich um das Gegenstück zum affektierten „Cheese!“ – ein natürliches, willentlich kaum kontrollierbares Lächeln, das eben nicht nur die Mundregion betrifft, sondern auch die Augen. Das könnte zumindest ein Anhaltspunkt sein, anhand dessen wir selbstlose und selbstsüchtige Menschen unterscheiden, vermutet Oda.

Asiaten haben die kulturspezifische Eigenheit, daß sie beim Interpretieren von Gesichtsausdrücken einseitig auf die Augen fixiert sind, weshalb es ihnen Schwierigkeiten bereitet emotionale Ausdrücke korrekt zuzuordnen. In den Augen ähneln sich die Ausdrücke für Angst und Überraschung sowie Ekel und Ärger so stark, daß Asiaten sie immer wieder verwechseln. Europäer hingegen haben keine Schwierigkeiten die unterschiedlichen Emotionen auseinanderzuhalten, weil sie ihren Blick gleichmäßig über das gesamte Gesicht schweifen lassen.

Das Geschäftspotential der orgastischen Impotenz

30. Mai 2013

Das Handelsblatt machte gestern aus Anlaß des unmittelbar bevorstehenden Patentablaufs von Viagra, das seit 1998 auf dem Markt ist, mit der Schlagzeile auf „Potential mit Potenz“. Die Pharmabranche erwarte einen Boom.

Bis heute hätten Mediziner an 37 Millionen impotente Männer 1,8 Milliarden Viagra-Tabletten verschrieben. Der Patentinhaber und Hersteller Pfizer habe damit sage und schreibe 24,8 Milliarden Dollar umgesetzt. Jetzt wollen in Deutschland 22 weitere Pharmakonzerne ins lukrative Geschäft mit der Impotenz einsteigen, in Österreich sind es 16. Es sollen ganz neue Märkte erschlossen werden. Ein Marktforscher kommentiert: „Es wirken hier Mechanismen wie im Konsumgüterbereich: Je tiefer der Preis fällt, desto stärker steigt die Nachfrage.“

Auch andere Medikamente, mit denen Menschen ihre Lebensqualität steigern wollen, bringen steigende Umsätze. Beispielsweise habe sich der Umsatz mit Botox seit 2003 auf 1,8 Milliarden Dollar vervierfacht. Der Absatz von Provigil, einem Mittel gegen Schläfrigkeit, das immer öfter als Konzentrationsmittel eingesetzt wird, erhöhte sich 2012 um 20 Prozent. Ritalin werde heute viermal mehr verordnet als noch im Jahr 2000. Studenten benutzen es als „Lernhilfe“.

Das Handelsblatt kommentiert:

Moderne Gesellschaften geben sich der Illusion hin, gegen jede Art körperlicher und mentaler Schwäche gebe es eine Pille. Diese Illusion landet in der Kasse der Pharmaindustrie: Sie profitiert von der Sehnsucht nach dem perfekten Leben.

Das ist zu kurz gegriffen: tatsächlich macht die Pharmaindustrie ihre Profite mit der orgastischen Impotenz der Massen. Die verhärmten Gesichter und sogar der mentale Zerfall, die beide mit chronischer orgastischer Impotenz zwangsläufig einher gehen, halten die Wirtschaft in Gange. Es wird immer schlimmer, da die zunehmende sexuelle Enthemmung mit einem entsprechend zunehmendem Frust einhergeht.

Reich erklärte diesen Zusammenhang wie folgt:

Die mechanistische und sexualökonomisch unorientierte Medizin hat zu den Biopathien keinen Zugang. Biopathien sind Erkrankungen zufolge Störungen der biologischen Pulsation des autonomen Lebensapparates. Diese Störungen sind im wesentlichen sozial bedingt; sie sind sexuelle Stauungskrankheiten. Ihr hervorragendstes Anzeichen ist der gestörte Haushalt der biologien Energie, oder kurz, die orgastische Impotenz, die biologisch korrektes Pulsieren des Lebensapparates unmöglich macht und die orgonotische Potenz herabsetzt. Ihre Anzahl ist in stetem Wachsen begriffen. (Der Krebs, Fischer TB, S. 405)

Auf die Frage, warum es zu diesem Wachstum gekommen sei, antwortet Reich, daß früher die sexuellen Verdrängungen und die Panzerung weitaus ausgeprägter waren, doch seien die sexuellen Ansprüche immer mehr durchgebrochen, kollidierten jedoch mit den eingeschränkten äußeren und inneren Möglichkeiten der Befriedigung. Die zunehmende Bewußtheit der sexuellen Bedürftigkeit mußte zur inneren Zerrissenheit und zunehmenden biopathischen Erkrakungen führen. Reich weiter

(…) Erziehung und Medizin haben mit dieser sozialen Entwicklung nicht Schritt gehalten. Das heißt: Die Menschen blieben in ihrer strukturellen Fähigkeit, sich lebendig durchzusetzen, weit hinter ihrem Wissen und ihren Ansprüchen zurück. Die Stauung der biologischen Energie in den menschlichen Organismen ist daher weit größer, als sie vor 20 oder 40 Jahren war. (…) Wenn nun die menschlichen Organismen einer immer größeren Differenz von Lebensverlangen und Befriedigungsfähigkeit ausgesetzt sind, dann ist es klar, daß die Stauungen der biologischen Energie im selben Maße größer werden. Je größer aber die Sexual-Stauung, desto größer der Schaden, den sie im Organismus physiologisch und emotionell anrichtet. (…) Das riesenhafte Anwachsen der Biopathien ist also einfacher Ausdruck der Diskrepanz zwischen sexuellem Lebenswillen und sexueller Lebensunfähigkeit. Der Lebenswille ist riesenhaft geworden, die Lebensfähigkeit (sexuelle Potenz, Verantwortungsfähigkeit, Selbstregulation etc.) dagegen ist nicht angewachsen. (ebd., S. 413)

Die Pharmaindustrie lebt von dieser Diskrepanz. Mit orgastisch potenten Menschen wären Kampagnen, wie sie im folgenden beschrieben werden, unmöglich:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=vZZV5I6WbeM%5D

Das depressive Gesicht mechanistisch und funktionell betrachtet

20. Mai 2012

Ich habe bereits davon berichtet, daß die Gesichtslähmung mit Botulinumtoxin teilweise dramatische Folgen zeitigt. Folgen, die m.W. kein mechanistischer Wissenschaftler vorausgesehen hat.

Die Stimmung eines Menschen erkennen wir in erster Linie an seinem Gesicht. Depressionen sind geradezu ins Gesicht gemeißelt. Für die mechanistische Wissenschaft, die in Begriffen von Wirkung (Ursache und Effekt) und Rückwirkung denkt, sollte es deshalb alles andere als absurd sein, daß die Lähmung der sorgenvoll verkrampften Gesichtsmuskultur auch umgekehrt auf den Affekt wirkt.

Vor kurzem wurde eine Doppelblindstudie an 30 Patienten durchgeführt, die an einer Major Depression litten, die sich durch die Standardbehandlung noch nicht gebessert hatte. Bei den Patienten, denen Botox in die Region zwischen den Augenbrauen gespritzt wurde, kam es zu einer Verbesserung auf der Hamilton Depression Rating Scale von 47,1 Prozent, bei der Placebogruppe von nur 9,2 Prozent. Ein noch größerer Effekt stellte sich heraus, als man die Patienten nach 16 Wochen erneut untersuchte. Ähnliches zeigte sich im Beck Depression Inventory und der Clinical Global Impression Scale, die den klinischen Gesamtzustand erfaßt.

Die Forscher haben hier etwas nachvollzogen, was Reich bereits in den 1930er Jahren erfaßt hatte: Muskel- und Charakterpanzerung sind funktionell identisch. Man kann mittels „Körpertherapie“ die Seele heilen. Und man kann mit Hilfe von Psychotherapie körperliche Leiden abbauen, wenn sich nach Lösung der inneren Konflikte Muskeln nicht mehr „sorgenvoll“ verkrampfen müssen. Weit effektiver und sicherer ist es jedoch, aus diesem mechanistischen System von Ursache und Wirkung auszubrechen und die Funktionen anzugehen, die sowohl dem Muskel- als auch dem Charakterpanzer zugrundeliegen. Dann geht es um die Befreiung der Lebensenergie aus festgefahrenen Bahnen. Konkret handelt es sich um eine Befreiung des lebendigen Ausdrucks, also in vieler Hinsicht dem Gegenteil der „Totenmaske“, in die Botox das Gesicht verwandelt.

Eine psychische Störung wie Major Depression ist nicht einfach nur „Pathologie“, die man „wegspritzen“ könnte, sondern imgrunde ein vollkommen natürlicher Ausdruck, der jedoch übertrieben, isoliert und festgefahren ist. In der Orgontherapie gilt es diese Blockade in der „Ausdruckssprache des Lebendigen“ zu lösen, indem der Patient immer mehr damit in Kontakt gebracht wird, wie er sich gegen das Lebendige sperrt.

Wenn man die Sache von dieser Warte aus betrachtet, wird deutlich, warum auch rein körperliche und rein psychologische Interventionen wirken, um gewisse Pathologien aufzulösen. Es sind Anstöße, die Blockaden lösen und es der Orgonenergie erlauben in diesem Bereich wieder frei zu fließen. Aber nur in den seltensten Fällen ist die Heilung permanent. Der zugrundeliegende Energiestau führt bei solchen „Heilungen“ dann an anderer Stelle zu Symptomen! Weit effektiver ist es im Rahmen einer Orgontherapie die bioenergetische Ebene direkt anzugehen und sich die „Ausdruckssprache des Lebendigen“ entfalten zu lassen.

Siehe zum Thema auch Eine neue Behandlungsmethode bei Major Depression.

Reich hat diese Zusammenhänge in Der Krebs wie folgt schematisch dargestellt: