[Stalin] Lektüren 1981 (nach alten handschriftlichen Aufzeichnungen)

28. März 2023

[Stalin] Lektüren 1981 (nach alten handschriftlichen Aufzeichnungen)

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 6)

27. März 2023

Der gesellschaftliche Zerfall, der nur in einer unvorstellbaren Katastrophe münden kann, ist unmittelbar greifbar und geht bis zur Selbstverstümmelung.

Kaum je war die Emotionelle Pest greifbarer. Es ist buchstäblich so, als würde sich Ebola oder sowas von Mensch zu Mensch ausbreiten und Verzweiflung und entstellte Körper zurücklassen.

Warum nimmt der Vegetarismus und Veganismus vor allem bei Frauen zu? Es ist eine antisexuelle Reaktion auf den Zusammenbruch der sozialen Panzerung. Das senkt Energie und Vitalität, und es gibt einen unbewußten psychologischen (emotionalen) Aspekt. Man sühnt für seine fleischlichen Gelüste, indem man aufhört, „fleischlich“ zu essen. Kann eine Veganerin Geschlechtsverkehr haben?

Auch Multikulturalismus, Genderismus etc., das ganze Paket der antiautoritären Transformation, die Charles Konia beschrieben hat… Sogar der „Klimawandel“ paßt dazu, denn er ist im Grunde eine Rebellion gegen das kohlenstoffbasierte Leben selbst, d.h. das Aufbegehren gegen den Körper und die Sexualität. Man schaue sich nur die jungen Menschen an, die fanatische Anhänger dieses faschistischen Anti-Lebens-Kults sind! Es ist alles Ausdruck einer neurotischen Sexualangst, die immer mehr ins Psychotische umschlägt. Im Grunde genommen ist es der Nazismus von heute: die biologische Revolution, ihr Scheitern und die Reaktion gegen beides.

Die Massenpsychologie der Wokeness ist offensichtlich. Man will etwas Besonderes sein, in der (heutigen Opfer-) Hierarchie ganz oben stehen, und vor allem rein sein, frei von der untermenschlichen Sexualität. Das dabei gleichzeitig, wie einst im Nationalsozialismus mit dem Hakenkreuz und den aufreizenden Uniformen, die Sexualität zelebriert wird, ist kein Widerspruch.

Man nehme etwa folgende junge Dame, die weder Männlein oder Weiblein noch etwas dazwischen sein will, sondern alles in einem, d.h. ein geschlechtsloses Wesen, – das von nichts anderem redet als vom Sex und dessen ganze Identität auf diesem Gerede beruht. Gleichzeitig macht sich dieses vollkommen bedeutungslose und denkbar flache Wesen unglaublich interessant. Man kann ihr tausende von Fragen stellen, denn es ist alles unfaßbar kompliziert (intellektuelle Abwehr, die Sexualangst bindet) und, vor allem, gehört sie einer genauso elitären wie unterdrückten Minderheit an:

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 58)

26. März 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Der Vordenker eines „zukunftsfähigen Konservatismus“, Günter Rohrmoser, behandelt Stirner wie folgt:

Diese Individualisierung und das mit ihr verbundene Freiheitsprinzip sind Ausdruck einer geschichtlichen Entwicklung, die Max Stirner, ein Philosoph des 19. Jahrhunderts, in seinem Buch Der Einzige und sein Eigentum charakterisiert hat. Es ist die Tendenz, daß jeder einzelne sich mit seinen Bedürfnissen, seinen Interessen und Ansprüchen selbst zum Absoluten erklärt und jede Beschränkung seines Willens zur Erfüllung der eigenen Ansprüche als eine unerträgliche Einschränkung und Unterdrückung seiner Freiheit versteht. Nietzsche hat diese Tendenz die „atomistische Revolution“ genannt, das heißt die Auflösung aller innerlich zusammenhaltenden, Gemeinschaft schaffenden Kräfte. (Rohrmoser: Der Ernstfall. Die Krise unserer liberalen Republik, Berlin: Ullstein, 1994, S. 423)

Und nochmal – mit den gleichen Worten:

Was sich nach dem Wiederaufbau der Gesellschaft nach dem Kriege in Deutschland entwickelt hat, ist eine Gesellschaft, die dabei ist, alles zu revidieren, was als Grundlage für ihren Aufbau von Bedeutung war. Die zunehmend postmodern sich verfassende Gesellschaft ist die Konsequenz eines seit langem andauernden, nun sich beschleunigenden Prozesses der Individualisierung. Die einzig beachtenswerte Substanz in dieser Gesellschaft scheint der einzelne zu sein, der sich in seinem Recht absolut setzt. Das sich absolut setzende Individuum negiert jede es übersteigende objektive Allgemeinheit. Das ist das Zeitalter Max Stirners: Jedes Individuum ist im Verhältnis zu sich selbst das Absolute. Wenn dieser Prozeß der Individualisierung und des Hedonismus sich weiter durchsetzt, muß das zwangsläufig zur inneren Auflösung der Gesellschaft führen. Es wird die „atomistische Revolution“ (Nietzsche) eintreten. Nietzsche sah, daß aus dem Niedergang der bürgerlichen Gesellschaft, aus der Selbstzersetzung und der Dekadenz der bürgerlichen Kultur die atomistische Revolution hervorgehen und die Gesellschaft sich in Anarchie auflösen werde. Die Individuen sind nicht mehr bereit, irgendeine durch die Geschichte gewordene oder vermittelte Autorität anzuerkennen. (ebd., S. 425)

Bezeichnend ist, daß sich der christliche Philosoph Rohrmoser auf den Antichristen Nietzsche beruft, um vor der geistigen Atombombe Stirner zu warnen. Auch interessant, daß Rohrmoser die gleichen Befürchtungen hegt, wie vor 150 Jahren Marx angesichts Stirners: Zersetzung und Anarchie! Rohrmosers Befürchtungen ähneln auch denen des Super-Marxisten Hans G. Helms (Die Ideologie der anonymen Gesellschaft, 1966) der Stirner schnurstraks mit den Nationalsozialisten und allem Bösen in der Welt kurzschloß.

Vielleicht bezieht sich Rohrmoser auf folgende Stelle aus Nietzsches Schopenhauer als Erzieher (nach Laskas Theorie hat Schopenhauer Nietzsche vor Stirner „gerettet“):

Es sind [im modernen Leben] gewiß Kräfte da, ungeheure Kräfte, aber wilde, ursprüngliche und ganz und gar unbarmherzige. Man sieht mit banger Erwartung auf sie hin wie in den Braukessel einer Hexenküche (…). Seit einem Jahrhundert sind wir auf lauter fundamentale Erschütterungen vorbereitet; und wenn neuerdings versucht wird, diesem tiefsten modernen Hange, einzustürzen oder zu explodieren, die konstitutive Kraft des sogenannten nationalen Staates entgegenzustellen, so ist doch für lange Zeiten hinaus auch er nur eine Vermehrung der allgemeinen Unsicherheit und Bedrohlichkeit. Daß die Einzelnen sich so gebärden, als ob sie von allen diesen Besorgnissen nichts wüßten, macht uns nicht irre: ihre Unruhe zeigt es, wie gut sie davon wissen; sie denken mit einer Hast und Ausschließlichkeit an sich, wie noch nie Menschen an sich gedacht haben, sie bauen und pflanzen für ihren Tag, und die Jagd nach Glück wird nie grösser sein, als wenn es zwischen heute und morgen erhascht werden muß: weil übermorgen vielleicht überhaupt alle Jagdzeit zu Ende ist. Wir leben die Periode der Atome, des atomistischen Chaos. Die feindseligen Kräfte wurden im Mittelalter durch die Kirche ungefähr zusammengehalten und durch den starken Druck, welchen sie ausübte, einigermaßen einander assimiliert. Als das Band zerreißt, der Druck nachläßt, empört sich eines wider das andre. Die Reformation erklärte viele Dinge für Adiaphora, für Gebiete, die nicht von dem religiösen Gedanken bestimmt werden sollten; dies war der Kaufpreis, um welchen sie selbst leben durfte: wie schon das Christentum, gegen das viel religiösere Altertum gehalten, um einen ähnlichen Preis seine Existenz behauptete. Von da an griff die Scheidung immer weiter um sich. Jetzt wird fast alles auf Erden nur noch durch die gröbsten und bösesten Kräfte bestimmt, durch den Egoismus der Erwerbenden und die militärischen Gewaltherrscher. Der Staat, in den Händen dieser letzteren, macht wohl, ebenso wie der Egoismus der Erwerbenden, den Versuch alles aus sich heraus neu zu organisieren und Band und Druck für alle jene feindseligen Kräfte zu sein: das heißt, er wünscht daß die Menschen mit ihm denselben Götzendienst treiben möchten, den sie mit der Kirche getrieben haben. Mit welchem Erfolge? Wir werden es noch erleben; jedenfalls befinden wir uns auch jetzt noch im eistreibenden Strome des Mittelalters; es ist aufgetaut und in gewaltige verheerende Bewegung geraten. Scholle türmt sich auf Scholle, alle Ufer sind überschwemmt und gefährdet. Die Revolution ist gar nicht zu vermeiden und zwar die atomistische: welches sind aber die kleinsten unteilbaren Grundstoffe der menschlichen Gesellschaft? (KSA Bd. 5, S. 367f)

Es sind die selbstsüchtigen tierischen Triebe und die hündische Feigheit des Menschen. Doch „der Schopenhauerische Mensch nimmt das freiwillige Leiden der Wahrhaftigkeit auf sich“ (ebd., S. 371). Schon bei Nietzsche findet sich dergestalt nicht nur Stirner vs. Schopenhauer, sondern bereits mehr als deutlich Reich („der revolutionäre Träumer“) vs. Freud („der abgeklärte Realist“).

Dieser innere Konflikt Nietzsches, der den Kern unserer gesamten Kultur ausmacht, zieht sich in den Folgejahren durch Nietzsche Oeuvre. Das geht bis Der Fall Wagner (KSA Bd. 6, S. 27), wo von „(…) Anarchie der Atome (…) ‚Freiheit des Individuums‘ (…) ‚gleiche Rechte für Alle‘ (…)“ die rede ist, wobei er sich hier wohl in erster Linie auf Rousseau (indirekt also auf Marx!) und wieder auf das (bzw. Rohrmosers) Christentum bezieht. Denn was habe das Christentum „am besten und längsten“ gelehrt? Die „Seelen-Atomistik“ (Jenseits von Gut und Böse, KSA Bd. 5, S. 27). Das ganze geht also bis auf den (gnostischen) Christus zurück… Zu Christus und Stirner siehe Bd. 1 von Der verdrängte Christus.

David Holbrook, M.D.: LIEBESANGST

25. März 2023

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Liebesangst

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 5)

24. März 2023

Die autoritäre Gesellschaft beruhte im Wesentlichen darauf, daß die Menschen „nicht aus der Reihe tanzen“. Die Gesellschaft war bei allen Klassenkämpfen und Kriegen doch eine einheitliche Formation. Genau das hat Reich 1934 in Was ist Klassenbewußtsein? beklagt und Wege beschrieben, wie dieses Gebilde aufzuspalten ist.

Was die einheitliche Formation betrifft verweise ich auf den nach oben gerichteten einheitlichen Pfeil in der Abbildung in Teil 4. Wie kam es „1960“ zur in Teil 4 beschriebenen Aufspaltung dieses einheitlichen Impulses, d.h. zur Transformation von der autoritären zur antiautoritären Gesellschaft?

Es war die „sexuelle Revolution“, vor der Reich bereits 1953 in Christusmord gewarnt hatte, sie könnte zum Untergang der Menschheit führen. Man nehme etwa die „Bewegung für freie Meinungsäußerung“, Stichwort Woodstock, die die autoritäre Gesellschaft tatsächlich zerstörte. Und wie? Indem man alles und jeden „psychoanalysierte“. Das war krank und zerstörte jeden Kontakt, machte die Menschen ahnungslos bis hin zur Psychose. Das Ergebnis ist, daß sich heute niemand mehr traut, etwas zu sagen, weil buchstäblich ein bloßes „Hallo“ einen als „Rassisten, „Misogynsten“, „Transphobiker“ oder was auch immer dastehen lassen kann. In einer dialektischen Verdrehung zerstört entsprechend heute die freie Rede die antiautoritäre Gesellschaft. Die Gesellschaft ist auf jeder Ebene gespalten und jeder steht gegen jeden. Ich verweise nochmals auf die Illustration in Teil 4!

Ich glaube tatsächlich, daß die Psychoanalyse die westliche Gesellschaft zerstört hat, so wie Kinder reihenweise von ihren „psychoanalytischen“ Eltern zerstört wurden. Alles und jedes wird „hinterfragt“. „Du hast also Hunger? Was willst du mir damit eigentlich wirklich sagen? Was bedeutet ‚Hunger‘, meine Liebe? Was verbindest du mit diesem Begriff?“ usw. In gewisser Weise hat auch die Charakteranalyse die Gesellschaft zerstört: heutzutage wird jeder als „Rassist“ oder was auch immer „diagnostiziert“. Die Menschen sehen keine Individuen mehr, sondern „Typen“. Seit den 1960er Jahren wollten alle möglichen Linken den Menschen die „Charaktermasken“ (ein Begriff, der seit Ulrike Meinhofs Zeiten zum festen Vokabular der Linken gehört) vom Gesicht reißen, um sie zu entlarven („Hinter dem Lächeln des scheiß Liberalen verbirgt sich die Fratze des Nazis!“). Dies wurde bei Trump ständig getan. Es scheint, als seien Amerika und Deutschland zu großen Höllenlöchern geworden, in denen jeder jeden analysiert!

Aus dem Akt der Befreiung „im Jahre 1960“, der der ganzen Verlogenheit der autoritären Gesellschaft ein Ende setzen sollte, wurde ein Sprengsatz, der jede Möglichkeit eines menschlichen Zusammenlebens zerreißt!

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 57)

23. März 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Apropos anständig bleiben der Konservativen: die haben Reich immer mit offenem Visier bekämpft, während die Linke ihn, gemäß ihrer verkorksten („verlogenen“) Charakterstruktur, mit ihm auf ihre Weise fertiggeworden ist. Sie lächeln dich an, um dich desto besser fertigmachen zu können, d.h. die soziale Fassade steht im Dienst der sekundären, destruktiven Schicht des Charakterpanzers.

Laska hat ausgeführt, daß die Freudsche Linke Reich erst diskreditiert hat (man denke nur an Otto Fenichel und seinen Kreis oder wie Reich im Anschluß an die Studentenbewegung fertiggemacht wurde, etwa von Helmut Dahmer) und ihn später dann „rehabilitiert“ hat und zwar als „Antifaschisten“. Man denke nur an den Suhrkamp-Band von Bernd Nitzschke und Karl Fallend über den „Fall“ Wilhelm Reich von 1997, wo Reich zu Beginn in diesem Sinne „rehabilitiert“ wird, um ihn dann am Ende des Bandes mit entsprechenden Beiträgen vollends in den Orkus zu stoßen. Ähnlich ist, Laska zufolge, die Frankfurter Schule mit Reich umgegangen: man hat ihn nicht einfach todgeschwiegen, was zu auffallend gewesen wäre, sondern in sporadische Fußnoten verbannt, d.h. zu einer Fußnote der Geschichte gemacht, die in Adorno, Fromm und Marcuse kulminierte – die so ungefähr das Gegenteil von Reich vertraten. Eine ganz ähnliche „Vorgehensweise“ wie in dem besagten Buch zu Reichs 100stem.

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 4)

22. März 2023

Reichs Lobpreisung des Konservatismus in der Zeit nach 1947, also dem Jahr der Attacke des linksliberalen bis sowjetfreundlichen Amerika auf Reich in der Gestalt Mildred Bradys, die sich vor allem in Christusmord (1953) niederschlug, entspricht weitgehend dem, was zur gleichen Zeit etwa sein ehemaliger Freund William Schlamm (in Deutschland „der Kalte Krieger Nr. 1“) von sich gab. Siehe dazu meine Ausführungen in Der Rote Faden.

Es ist wirklich zu blöd, daß, dank Sharaf, Boadella & Co. auf der einen Seite und Schlamm auf der anderen Seite, Reich neben dem schwulen „Proto-68er“ Paul Goodman und den linken Opfern des McCarthyismus gestellt wurde. Dazu der konservative Vordenken Günter Rohrmoser in seinem Buch Ernstfall (Ullstein 1994):

Die konservative Bewegung in den USA hat als „geistige Strömung“ begonnen. Während des ersten Jahrzehnts nach dem Krieg bestand sie aus einem versprengten Häuflein Intellektueller, die sich in Büchern und Aufsätzen verzweifelt gegen den linksliberalen Zeitgeist zur Wehr setzten. 1955 und 1957 wurden die ersten Zeitschriften gegründet; und erst Anfang der sechziger Jahre wurde ernsthaft der politische Kampf aufgenommen…

Das ist schon eine etwas andere Sichtweise, als die, die von linken Reich-Biographen propagiert wurde, nämlich daß das freiheitliche Licht Reichs sich in einem von den Konservativen restlos beherrschten Dunkelamerika nicht gegen die Finsternis durchsetzten konnte. Tatsächlich war Reich Teil der ersten Anfänge einer konservativen intellektuellen Revolution, die erst nach Reichs Tod wirklich Fahrt aufnahm.

Damit ist praktisch alles, was über den damaligen Reich geschrieben wurde, auf fundamentale Weise schief und krumm. Nochmal: Reich wäre in einem stickig-stinkigen rechtskonservativen Amerika gefangen gewesen (dem er sich aus opportunistischen Gründen teilweise sogar angepaßt habe), das alles Linke und Progressive marginalisierte und erst die „68er“ hätten Reichs Erbe aus diesem Panzer befreit. Unsinn!

Das bedeutet natürlich nicht, daß nach 1960 Amerika konservativer geworden ist, sondern daß Leute wie Barry Goldwater, Ronald Reagan und schließlich Donald Trump etwas taten, was vorher undenkbar gewesen wäre: sie wurden etwas, was ein Widerspruch in sich selbst ist, „progressive Konservative“, und schlugen mit der Faust auf den Tisch. Berühmt ist Senator Goldwaters Wutausbruch, er könne nicht nachvollziehen, warum die CIA (die Fortführung Neu Beginnens) in Amerika ausgerechnet sozialistische Bewegungen und die „Gegenkultur“ aktiv fördere. Auf Goldwater folgte Reagans Versuch beide Bewegungen einzuschränken und schließlich Trumps Kampf gegen diesen mittlerweile offen linksradikalen „tiefen Staat“.

Während bis um das Jahr 1960 herum, Amerika weitgehend apolitisch war bzw. vielmehr „a-ideologisch“, sondern pragmatisch und man vor allem einfach amerikanisch war, kam es nunmehr zu einer Aufspaltung:

Seit der Roosevelt-Administration in den 1930er Jahren hatten es die Linken mit ihrer ideologischen Dominanz in den USA einfach zu wild getrieben und das allumfassende „Amerikanertum“ ausgenutzt, um eben diesem „Leben und Leben lassen“-Pragmatismus ein Ende zu setzen. Es kam zu einer anfangs eher zaghaften ideologischen Gegenreaktion von konservativer Seite, was schließlich im Verlauf der 1960er Jahre sich zu einer sich immer weiter voneinander entfernenden Spaltung führte, die spätestens seit dem Wahlbetrug, der Trump das Amt kostete, in einem Bürgerkrieg kulminiert, wenn die beiden Seiten „aufeinander losgehen“: Stadt gegen Land, die beiden Küsten gegen das Kernland, „Drag Queen Book Hour“ gegen die christliche Nation, „Kopf gegen Bauch“.

„1960“ beschränkt sich dabei nicht auf Amerika, sondern ist ein weltweites Phänomen. „Weltgeschichtlich“ ist das Jahr 1960 aber aus einem anderen Grund. Wie Charles Konia ausgeführt hat, begann um dieses Jahr herum, eine 6000 Jahre alte Kultur sich erstmals FUNDAMENTAL zu verändern. Erstmals veränderte sich die individuelle und gesellschaftliche Panzerstruktur fundamental. Der Körperpanzer verlagerte sich praktisch vollständig auf den Augenpanzer und parallel dazu lösten sich alle lokalen Autoritäten, angefangen vom Familienoberhaupt bis hin zu regionalen Funktionsträgern, in ihrer Bedeutung in nichts auf und alles verlagerte sich auf die ferne Autorität des Zentralstaates, was zu einer unglücklichen Mischung von Anarchie und Tyrannei führt. Typisch sind die „kritischen Geister“, die, mit blaugefärbten Haaren und ultraaggressivem Auftreten, sich von nichts und niemandem etwas sagen lassen, aber fanatische Verfechter der Corona-Todesspritze sind. Seit 1960 erleben wir buchstäblich die Zombie-Apokalypse. Der kleine konservative Haufen, der das sieht und noch etwas retten will, darunter die paar wenigen Orgonomen, die Reich treu geblieben sind, werden als „Nazis“ diffamiert und zum Abschuß freigegeben.

Trotzdem ist es korrekt, daß in der obigen Abbildung die beiden divergierenden bzw. konvergierenden Pfeile gleich stark sind, denn sowohl die Waffenträger als auch die, die die Güter produzieren, von denen wir alle leben, haben von Natur aus eine konservative Struktur. Die Linken mögen die ideologische Hegemonie haben und alle Kinder von der Krippe an indoktrinieren, wir haben die Gewehre und das Brot – und wir haben Eier!

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 3)

21. März 2023

Die Progressiven in der autoritären Gesellschaft waren vorwiegend kulturkritisch, d.h. es wurde das „geistige Schicksal des Menschen“ gerungen, wobei die Gesellschaft als „idealistische“ Ganzheit betrachtet wurde. In der antiautoritären Gesellschaft geht es dann vorwiegend um gesellschaftskritische Fragen, d.h. um „materialistische“ Konflikte, die die besagte „Ganzheit“ als Illusion entlarven. Mit anderen Worten geht es um Subversion! Der Übergang von der einen „Kritik“ zur anderen fällt in die 1960er Jahre.

Genauso wie es in der „kulturkritischen Periode“ nie darum ging irgendetwas tatsächlich grundlegend zu verändern, sondern, um mit Reich zu reden, die Falle immer wieder von neuem zu dekorieren („die Kultur geht vor!“), geht es in der heutigen „gesellschaftskritischen Periode“ nicht um die tatsächliche „Emanzipation“ irgendwelcher vermeintlich benachteiligter gar unterdrückter Gruppen, sondern einzig und allein um die Spaltung der Gesellschaft, um der Spaltung an sich. Es müssen Zeichen gesetzt, d.h. immer neue spaltende Frontlinien gezeichnet werden.

Tatsächlich ist die Revolution der 1960er Jahre nichts anderes als der klägliche Versuch einer sexuellen bzw. biologischen Revolution. Alte, überkommene Strukturen sollten aufgebrochen werden, doch verursachte dieser chaotische Versuch eine derartige Angst, eine bioenergetische Panik, daß sich seitdem die Gesellschaft selbst zerstört. Selbst die Definition von Kategorien wie „Deutscher“ oder „Frau“ wird zunehmend unmöglich, da dieser Verweis auf Identität, Eigenheit, Einheit und Natürlichkeit einen derartig starken bioenergetischen Spannungszustand hervorruft, daß sofort alles getan wird, die „Gesellschaftskritik“ immer weiter bis zu den absurdesten Konsequenzen voranzutreiben. All die sich selbstverstümmelnden Borderliner-Monster, die heute unsere Städte bevölkern, sind der sinnfällige Ausdruck der „woken“ Gesellschaftskritik.

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 2)

20. März 2023

Für die Linke ist es konstituierend die „göttliche Ordnung“, den „Logos“, zu leugnen. Ihrer Meinung nach ist es reaktionär von einer „natürlichen Ordnung“, einer „natürlichen Gesellschaftsstruktur“, neuerdings sogar von einer „natürlichen Sexualität“ zu sprechen. Es sei alles gesellschaftlich bedingt und könne beliebig geändert werden, selbst das Geschlecht. Ihr Hauptvorwurf gegen Reich war immer, daß er „biologistisch“ sei, ein „wahrer Sozialist“, d.h. jemand, der eine „natürliche Ordnung“ wiederherstellen, dem „Naturrecht“ Geltung verschaffen will.

Die Lebenslüge der Linken ist die Verleugnung der Natur. Beispielsweise gibt es, entgegen der linken Ideologie, keine „Homosexualität“. Doch: der Höhepunkt schwulen Sexes ist das Aufeinandertreffen von Macho-Man und Sissy-Boy. Bei Lesben ist es der überdimensionale Umschnall-Dildo. Von dem ganzen Genderkrampf will ich gar nicht erst anfangen… Was immer die Linken tun oder lassen, letztendlich scheitern sie an – der Natur.

Umgekehrt ist die Lebenslüge der Rechten ihr Vertrauen in die Natur; daß die Menschen irgendwann gemäß dem Bio-Logos aufwachen, „bio-logisch“.

Die Linken haben von vornherein kein Zugang zur Panzerung, die uns von der Natur abschneidet. Leider ist es mit den Rechten kaum besser bestellt, deren Vorstellung von „Biologie“ sadomasochistisch entstellt ist. Sie sind kaum weniger pervers als die Linken.

Die Linken haben die rosarote Brille auf und sind blind für die Perversionen ihrer Mitmenschen, die Rechten sind so beschränkt, daß sie die eigene Perversion nicht sehen. Zusammen sind sie in der Falle gefangen.

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 1)

19. März 2023

Vielleicht könnte man Reichs Studie zum Masochismus („der Drang von außen zum Platzen gebracht zu werden“) auf das Weltgeschehen anwenden. Man denke nur an den Iran (den 12. Iman hervorlocken, indem man die Welt an den Abgrund bringt) oder Israel (dem Messias und damit dem Weltende die Bahn ebnen).

Meines Wissens beschäftigt sich Reich nur an einer Stelle ausdrücklich mit dem „Jüngsten Gericht“ und zwar im Christusmord:

Christus ist „gegen“ einen bewaffneten Aufstand. Er lehnt es ab, einen solchen Aufstand zu führen. Er predigt eine Seelenrevolution, die das Tiefstinnere nach außen kehrt. Christus weiß, daß das jüngste Gericht schon auf seine Generation herabkommen wird. Wenn es nicht gelingt, dieses Tiefstinnere nach außen zu kehren und zu praktischer Wirksamkeit zu bringen. Christus fühlt mehr als daß er bewußt erkennt, daß der Mensch seinen Kern widerfinden und lieben muß, wenn er überleben und das Himmelreich auf Erden errichten will. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 129f)

Das schrieb Reich zu einer Zeit, 1951, als langsam jener „Emanzipationsprozeß“ anhob, der sich dann in den 1960er Jahren entfalten und sich schließlich als ein Alptraum erweisen sollte. In dieser Hinsicht ist sein Gesamtwerk so eine Art „Apokalyptik“: „die mißglückte biologische Revolution“ (Titel des Kapitels über den Nationalsozialismus in Die Funktion des Orgasmus, 1942). Das „vegetative Leben“ strebt nach Befreiung, aber da sich die „Struktur“ nicht ändert (die „Panzerung“ = festgefahrene Verhaltensmuster, versteifte Körper), muß jeder „Befreiungskampf“ wohl oder übel in einen Alptraum münden – und je grundsätzlicher die Befreiung ist, desto schlimmer der Alptraum, desto totaler die Apokalypse.

Was Reichs Thema „sexuelle Revolution“ betrifft schreibt er beispielsweise im Christusmord:

Nichts ist leichter, als aus einer Lehre, die die Liebe und die natürliche genitale Umarmung umfaßt, eine Religion der permissiven, pornographischen Sexualität zu machen. Und es gäbe für die Menschheit keine größere Katastrophe als die Herausbildung solch einer Bordellreligion aus einer Botschaft, die die Liebe mit genitaler Umarmung verbindet. (Christusmord, S. 183)

70 Jahre später fühlen sich die Orgonomen, als würden sie die Apokalypse durchleben: nach all der angeblichen „Befreiung“ sind die Menschen kränker und „strukturell“ hoffnungsloser („härter“) als je zuvor – weil es zu keiner „Seelenrevolution“ gekommen ist. Ganz im Gegenteil: die Menschen haben ihre Seele verloren – sie sind kontaktloser geworden.