Posts Tagged ‘Tyrannei’

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 4)

22. März 2023

Reichs Lobpreisung des Konservatismus in der Zeit nach 1947, also dem Jahr der Attacke des linksliberalen bis sowjetfreundlichen Amerika auf Reich in der Gestalt Mildred Bradys, die sich vor allem in Christusmord (1953) niederschlug, entspricht weitgehend dem, was zur gleichen Zeit etwa sein ehemaliger Freund William Schlamm (in Deutschland „der Kalte Krieger Nr. 1“) von sich gab. Siehe dazu meine Ausführungen in Der Rote Faden.

Es ist wirklich zu blöd, daß, dank Sharaf, Boadella & Co. auf der einen Seite und Schlamm auf der anderen Seite, Reich neben dem schwulen „Proto-68er“ Paul Goodman und den linken Opfern des McCarthyismus gestellt wurde. Dazu der konservative Vordenken Günter Rohrmoser in seinem Buch Ernstfall (Ullstein 1994):

Die konservative Bewegung in den USA hat als „geistige Strömung“ begonnen. Während des ersten Jahrzehnts nach dem Krieg bestand sie aus einem versprengten Häuflein Intellektueller, die sich in Büchern und Aufsätzen verzweifelt gegen den linksliberalen Zeitgeist zur Wehr setzten. 1955 und 1957 wurden die ersten Zeitschriften gegründet; und erst Anfang der sechziger Jahre wurde ernsthaft der politische Kampf aufgenommen…

Das ist schon eine etwas andere Sichtweise, als die, die von linken Reich-Biographen propagiert wurde, nämlich daß das freiheitliche Licht Reichs sich in einem von den Konservativen restlos beherrschten Dunkelamerika nicht gegen die Finsternis durchsetzten konnte. Tatsächlich war Reich Teil der ersten Anfänge einer konservativen intellektuellen Revolution, die erst nach Reichs Tod wirklich Fahrt aufnahm.

Damit ist praktisch alles, was über den damaligen Reich geschrieben wurde, auf fundamentale Weise schief und krumm. Nochmal: Reich wäre in einem stickig-stinkigen rechtskonservativen Amerika gefangen gewesen (dem er sich aus opportunistischen Gründen teilweise sogar angepaßt habe), das alles Linke und Progressive marginalisierte und erst die „68er“ hätten Reichs Erbe aus diesem Panzer befreit. Unsinn!

Das bedeutet natürlich nicht, daß nach 1960 Amerika konservativer geworden ist, sondern daß Leute wie Barry Goldwater, Ronald Reagan und schließlich Donald Trump etwas taten, was vorher undenkbar gewesen wäre: sie wurden etwas, was ein Widerspruch in sich selbst ist, „progressive Konservative“, und schlugen mit der Faust auf den Tisch. Berühmt ist Senator Goldwaters Wutausbruch, er könne nicht nachvollziehen, warum die CIA (die Fortführung Neu Beginnens) in Amerika ausgerechnet sozialistische Bewegungen und die „Gegenkultur“ aktiv fördere. Auf Goldwater folgte Reagans Versuch beide Bewegungen einzuschränken und schließlich Trumps Kampf gegen diesen mittlerweile offen linksradikalen „tiefen Staat“.

Während bis um das Jahr 1960 herum, Amerika weitgehend apolitisch war bzw. vielmehr „a-ideologisch“, sondern pragmatisch und man vor allem einfach amerikanisch war, kam es nunmehr zu einer Aufspaltung:

Seit der Roosevelt-Administration in den 1930er Jahren hatten es die Linken mit ihrer ideologischen Dominanz in den USA einfach zu wild getrieben und das allumfassende „Amerikanertum“ ausgenutzt, um eben diesem „Leben und Leben lassen“-Pragmatismus ein Ende zu setzen. Es kam zu einer anfangs eher zaghaften ideologischen Gegenreaktion von konservativer Seite, was schließlich im Verlauf der 1960er Jahre sich zu einer sich immer weiter voneinander entfernenden Spaltung führte, die spätestens seit dem Wahlbetrug, der Trump das Amt kostete, in einem Bürgerkrieg kulminiert, wenn die beiden Seiten „aufeinander losgehen“: Stadt gegen Land, die beiden Küsten gegen das Kernland, „Drag Queen Book Hour“ gegen die christliche Nation, „Kopf gegen Bauch“.

„1960“ beschränkt sich dabei nicht auf Amerika, sondern ist ein weltweites Phänomen. „Weltgeschichtlich“ ist das Jahr 1960 aber aus einem anderen Grund. Wie Charles Konia ausgeführt hat, begann um dieses Jahr herum, eine 6000 Jahre alte Kultur sich erstmals FUNDAMENTAL zu verändern. Erstmals veränderte sich die individuelle und gesellschaftliche Panzerstruktur fundamental. Der Körperpanzer verlagerte sich praktisch vollständig auf den Augenpanzer und parallel dazu lösten sich alle lokalen Autoritäten, angefangen vom Familienoberhaupt bis hin zu regionalen Funktionsträgern, in ihrer Bedeutung in nichts auf und alles verlagerte sich auf die ferne Autorität des Zentralstaates, was zu einer unglücklichen Mischung von Anarchie und Tyrannei führt. Typisch sind die „kritischen Geister“, die, mit blaugefärbten Haaren und ultraaggressivem Auftreten, sich von nichts und niemandem etwas sagen lassen, aber fanatische Verfechter der Corona-Todesspritze sind. Seit 1960 erleben wir buchstäblich die Zombie-Apokalypse. Der kleine konservative Haufen, der das sieht und noch etwas retten will, darunter die paar wenigen Orgonomen, die Reich treu geblieben sind, werden als „Nazis“ diffamiert und zum Abschuß freigegeben.

Trotzdem ist es korrekt, daß in der obigen Abbildung die beiden divergierenden bzw. konvergierenden Pfeile gleich stark sind, denn sowohl die Waffenträger als auch die, die die Güter produzieren, von denen wir alle leben, haben von Natur aus eine konservative Struktur. Die Linken mögen die ideologische Hegemonie haben und alle Kinder von der Krippe an indoktrinieren, wir haben die Gewehre und das Brot – und wir haben Eier!

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 51)

24. Februar 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Von Alain de Benoist stammt der Satz: „Der Sinn des Kommenden ist immer in dem Verhältnis zur Herkunft enthalten“ (Aufstand der Kulturen. Europäisches Manifest für das 21. Jahrhundert, Berlin: Edition Junge Freiheit, 1999, S. 39). Wie der Titel seines Buches schon sagt, geht es darum, daß man nur „sinnvoll“ leben kann, wenn man in seiner Kultur, in der Vergangenheit verwurzelt ist. In diesem Zusammenhang gemahnt bei ihm manches an Reichs „europäische“ Abhandlungen über die Arbeitsdemokratie und auch an Reichs einfachen Ausspruch: „Die Zukunft erwächst aus dem ständigen Strom der Gegenwart, wie auch die Gegenwart aus der Vergangenheit hervorgeht“ (Christusmord, 1978, S. 72).

Ich glaube, wenn man gegen seine Herkunft lebt, man einen Preis dafür zu bezahlen hat. Das war wohl ein Teil von Reichs persönlicher Tragik: um er selbst zu sein, mußte er gegen seinen Vater, die Vater-Imago, das Judentum, letztendlich das Über-Ich anleben; das bekämpfen, was er als „Familitis“ bezeichnete. Aber wie, losgelöst von der Herkunft, selbst sein? Diese innere Zerrissenheit haben Ilse Ollendorff und Peter Reich sehr gut beschrieben.

Sie zeigt sich auch in Fragen der Kindererziehung. Anfangs wollte Reich das Kind als quasi autonomes Subjekt behandeln, das möglichst früh von der Familie, gar der Mutter getrennt, „kollektiv“ aufwächst. Erst Mitte der 1940er Jahre sah er angesichts seines eigenen Sohnes die ganze Bedeutung des engen orgonotischen Kontakts zwischen Mutter und Kind in den ersten Jahren.

Reich wollte seine eigene Problematik umgehen, indem er seine Herkunft, seine Erdung, seine „Verwurzelung“ (!) bei Amöben, Quallen und in der Milchstraße suchte (siehe Die kosmische Überlagerung).

Doch man lebt aus den unmittelbaren Wurzeln heraus und kann nicht, quasi religiös, die „Kontinuität der Funktionen“ überspringen (siehe dazu Orgonometrie, Teil 3, Kapitel 12).

Und was ist mit Freiheit, Autonomie, Eigenheit? „Nur ein freier Mensch kann frei sein“ (American Odyssey, S. 296). Ein isolierter Eintrag in Reichs Tagebuch. Sozusagen der Gedanke des Tages. Ein denkbar schwerer Schlag ins Gesicht der sogenannten „freien Gesellschaft“, die solange eine Illusion bleiben wird, solange der Einzelne nicht frei ist von Panzerung bzw. dem „Über-Ich“. Du bist nur frei, wenn nicht nur die äußeren Hierarchien, die dich bedrücken, weg sind, sondern vor allem erst, wenn auch die verinnerlichten Hierarchien („die Stimme des Gewissens“) verschwunden sind.

In seinem Du contrat social ou Principes du droit politique schrieb Rousseau, der Ahnherr der modernen Wurzellosigkeit, daß derjenige, der dem allgemeinen Willen nicht gehorcht, dazu gezwungen werden muß, „frei zu sein“. Wie das? „Wir sollten diesen Ausdruck der Freiheit als eines der grundlegenden Merkmale freier Menschen anerkennen.“ Rousseau glaubte, der Mensch sei gut und je mehr Menschen einen gemeinsamen Willen, eine Art Gemeinschafts-Ich, finden, desto „guter“ werden sie: deshalb müsse sich der Einzelne dem Volkswillen unterwerfen, um er selbst und frei = gut sein zu können. Mit anderen Worten: er soll sich den inneren Hierarchien unterwerfen, etwa im Sinne der modernen „Wokeness“.

Montesquieu, der Ahnherr der modernen (demokratischen) Rechten, glaubte, der Mensch sei von Natur aus schlecht und ohnehin gäbe es den Menschen gar nicht. Deshalb müsse er je nach den unterschiedlichen Gegebenheiten durch Checks and Balances vor der Tyrannei des vermeintlichen Volkswillens geschützt werden. Entsprechend schrieb Reich 1956: „Ein freier Mensch ist der, der sich im Angesicht des Todesurteils weigert, etwas preiszugeben, das er aus freien Stücken preiszugeben bereit wäre“ (Greenfield: USA gegen Wilhelm Reich, S. 388).

Es ist dokumentiert, daß sich Reich um 1956 herum intensiv mit Rousseau auseinandergesetzt hat (das geht aus Christusmord, wo er den Contrat Social erwähnt, und dem Bericht von Wolfe’s Witwe Gladys Meyer-Wolfe hervor, Reich lese Rousseaus Bekenntnisse). Durch Marx und dessen Robespierre (Lenin) war Reichs europäische Periode zwischen 1927 und 1937 durch und durch Rousseauistisch: der wahre Volkswille soll die bürgerliche Welt hinwegfegen (Was ist Klassenbewußtsein?).

Tragischerweise sah sich Reich seit etwa 1932 genau durch diesen „wahren Volkswillen“ (der in Stalin verkörpert war) verfolgt. Man betrachte nur die „Rousseauistischen“ Ausführungen von Wertham und Brady gegen den unsolidarischen „Volksschädling“ Reich (siehe dazu Der Rote Faden, Kapitel 5).

Vor diesem Hintergrund muß man Reichs vollkommene Hingabe an das „Montesquieusche“ Amerika betrachten, seine Bevorzugung des konservativen Geistes (Christusmord, Zeugnisse einer Freundschaft), den Frieden, den er mit dem Patriotismus, der Religion und den anderen bürgerlichen Institutionen schloß. Dieses innere Ringen Reichs schlug sich schließlich in Elsworth F. Bakers Unterscheidung zwischen dem vom bioenergetischen Kern getrennten kollektivistischen „liberalen Charakter“ und dem im Kern verwurzelten individualistischen „konservativen Charakter“ nieder (Der Mensch in der Falle).

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 30)

4. März 2021

Traditionell verteidigten Liberale ihre Mitbürger gegen Übergriffe von Seiten der Regierung. Im Liberalismus ging es um die Begrenzung der Macht der Regierung. Dann kamen „Liberale“ wie Mildred Brady und stellten diesen Ansatz auf den Kopf, indem sie die Regierung benutzten, um ihre Mitbürger zu unterdrücken: „Die Regierung muß uns vor medizinischem Betrug schützen“ – also den mißliebigen Mitbürger unterdrücken. Letztendlich geht es um: „Die Regierung muß den Kapitalismus beseitigen“ – und die Tyrannei errichten.

Die Kernbotschaft der angelsächsischen Welt lautete: „Die Doktrin von den Menschenrechten ist dazu da, der Regierung Grenzen zu setzen, und kann nicht dazu benutzt werden, irgendeine Ausweitung der Regierungsmacht zu autorisieren, die nicht durch deren grundlegende Aufgabe, d.h. Schutz der individuellen Freiheit, gerechtfertigt ist.“ (Roger Sutton: How to be a Conservative, London, Paperback, 2015, S. 70)

Genau das war Reichs Thema in den 1950er Jahren: Der Staat hat keine Handhabe, in Reichs Recht auf Erforschung der Natur und in das Recht seiner Patienten, die Früchte dieser Forschung zu genießen, einzugreifen.

Unabhängig von der Bekämpfung des Machtmißbrauchs, die immer auf einen Kompromiß hinausläuft, stand für Reich die „kompromißlose“ Frage nach der Wahrheit im Raum. Das entsprach der Kernbotschaft Deutschlands an die Welt: Es gibt eine fundamentale faktische, objektive Wahrheit, unabhängig und jenseits nicht nur formaler Autoritäten, sondern auch unabhängig und jenseits individueller Meinungen und gesellschaftlicher Kompromisse. Oder mit anderen Worten: Die Existenz des Orgons ist nichts, was es vor einem Gericht „zu verhandeln“ gilt!

Ohne diese beiden Elemente, das „angelsächsische“ und das „deutsche“, kann es keine wirkliche Freiheit geben, denn beide schränken die Macht der Regierung ein: das erstere öffnet den Raum für Diskussion, wenn das angemessen ist, und das letztere beendet jedwede Diskussion, wenn wiederum das angemessen ist.

Für die Großkapitalisten und Monopolisten, in diesem Fall die Pharmaindustrie, ist der pseudoliberale Verrat an Freiheit und Wahrheit gleichbedeutend mit der Beseitigung der aufstrebenden Konkurrenz. Heute will die Pharmaindustrie, nachdem mit Medikamenten kein Geschäft mehr gemacht werden kann und die regelmäßige zwangsweise Durchimpfung der gesamten Bevölkerung horrende Gewinne verspricht, vor allem die schädlichen „Querdenker“ vom Tisch gewischt sehen. Ihre SA, die „Antifa“, hilft ihr dabei.

Zu diesen Ausführungen siehe auch Die zwei grundlegenden Mißverständnisse bei Reichs Auseinandersetzung mit der FDA und der US-Justiz.

nachrichtenbrief149

17. April 2020

Paul Mathews: Über den Terrorismus

15. März 2020

 

Paul Mathews:
Über den Terrorismus

 

Über den Terrorismus (Teil 1)*

10. Oktober 2019

 

Paul Mathews:
Über den Terrorismus

 

Formaldemokratie und Arbeitsdemokratie

10. Juni 2018

Im alten Griechenland, im ursprünglichen, republikanischen Rom, bei den germanischen Stämmen und den hebräischen Stämmen, in den Republiken Italiens und der Hanse, etwa Hamburg, hat es eine Demokratie gegeben, eine Volksherrschaft. Dabei können wir davon absehen, wer denn dieses „Volk“, d.h. die Wahlberechtigten waren, nämlich freie, reiche Bürger; auch ob es überhaupt „Wahlen“ im heutigen Sinne gab. Es geht um das Prinzip der Repräsentation und die Ablehnung der Tyrannei. Die Demokratie, egal ob sie sich ein republikanisches, pseudo-monarchistisches Gewandt gibt, wie in Amerika, oder ein pseudo-absolutistisches, wie das deutsche Kaiserreich, wo der „Kaiser von Gottes Gnaden“ vom Parlament abhängig war: aus historischen und praktischen Gründen kann es keine vernünftige, praktikable Alternative zu ihr geben. Man nehme nur den Zweiten Weltkrieg, wo Churchill eine umfassendere diktatorische Machtvollkommenheit besaß als Hitler, der stets auf das fragile NS-Machtgefüge und die Wehrmacht Rücksicht nehmen mußte und tatsächlich beinahe weggeputscht wurde – etwas, was in einer Demokratie wie England schlichtweg undenkbar ist. Oft wird das Problem des Machtwechsels erläutert, der nur in einer Demokratie reibungslos funktionieren kann.

Man braucht gar nicht darüber diskutieren und sich irgendwelche utopische Alternativen zu den westlichen Demokratien ausdenken. Das ist alles geschichts- und realitätsblinder Unsinn! Auch Phantasien über eine „direkte Demokratie“ führen zu nichts. Ich hätte gar keine Lust mich mit jedem Scheiß, etwa „Hochschulreform“ oder „Hoheitsrechte im Wattenmeer“ zu beschäftigen und darüber abstimmen zu müssen. Ich will auch nicht, daß die Bäckereifachverkäuferin und der Radioastronom darüber abstimmen. Es gibt schlichtweg keine Alternative zu einer repräsentativen Demokratie, wo Leute dafür abgestellt werden, sich in solche drögen Themen einzuarbeiten.

Dabei sollen Abgeordnete ausschließlich ihrem eigenen Gewissen folgen und so, ähnlich wie bei einer Umfrage bei repräsentativen 1000 Bürgern, den Volkswillen widergeben. Es hat sich dann aber das Gegenteil etabliert: das imperative Mandat der Parteien („Fraktionszwang“), das Ausdruck der gesellschaftlichen Panzerung ist: links gegen rechts bzw. eine Zersplitterung in Kleinparteien. Dergestalt spiegelt das parlamentarische System die Panzerstruktur des Massenindividuums wider. Ein erster Schritt wäre die Einschränkung der Parteienmacht und ihre Ersetzung durch Selbstregulation: der Abgeordnete folgt ausschließlich seinem Gewissen. Der Euro und die Umvolkung hätten es in einem solchen System nie gegeben.

Was bedeutet dabei „Gewissen“? Hier wird das Volk systematisch in die Irre geführt, indem man die „Gewissensfrage“ stets in einen „moraltheologischen“ Zusammenhang stellt. Etwa gilt der (verfassungswidrige!) Fraktionszwang nicht, wenn es, wie bei Gesetzesentwürfen zur „Abtreibung“ (also Mord), um „Gewissensfragen“ geht. Nein, in parlamentarischen Demokratien steht „Gewissen“ nicht für ein mystisches „Seelenheil“, sondern ganz pragmatisch für die Arbeitsdemokratie. Das bedeutet zweierlei:

  1. Der Abgeordnete entscheidet nicht willkürlich nach Gusto, sondern aufgrund seines arbeitsdemokratischen Sachverstandes und wenn der nicht vorhanden ist, holt er sich entsprechendes arbeitsdemokratisches Fachwissen ein. Er entscheidet also nicht als Neurotiker, d.h. irrational, sondern „gewissenhaft“, rational, also als genitaler Charakter.
  2. Der Abgeordnete entscheidet nicht als Vertreter seiner Partei, d.h. gepanzert („gesellschaftliche Panzerung“ – siehe meine Ausführungen oben), sondern als gewissenhafter Vertreter des gesamten, einheitlich, „ungepanzert“ funktionierenden Volkes und gibt so den Volkswillen wider. Er entscheidet also nicht als Neurotiker, sondern als genitaler Charakter. Siehe dazu folgende orgonometrische Gleichung:

    vieleigenheit

Praktisch alle Verfassungen der westlichen Welt sind in dieser Hinsicht perfekt und bräuchten so gut wie gar nicht verändert werden. Das einzige Problem ist die Panzerung der Massenindividuen (die innerlich zerrissen, eben gepanzert sind) und die daraus abgeleitete gesellschaftliche Panzerung (gesellschaftliche Zerrissenheit, ideologischer Parteienstreit). Utopisten und sogenannte „Gesellschaftsreformer“, durchweg persönlichkeitsgestörte Arschlöcher, gehören samt und sonders in die Psychiatrie. Jedenfalls sollte man derartige Spacken einfach ignorieren.

Ähnliches ließe sich über das Verhältnis von Marktwirtschaft („Kapitalismus“) und Arbeitsdemokratie sowie über pestilente „Kapitalismuskritiker“ mit ihren „alternativen Wirtschaftsmodellen“ sagen!

Marx, Freud, Reich (Teil 1)

21. April 2015

Die Hegelsche Methode sollte sich dem 20. Jahrhundert, und damit auch Reich, durch den Marxismus vermitteln, denn

die Bemerkung von Engels entspricht der Wahrheit, daß er und Marx fast die einzigen gewesen seien, die an der von Hegel entdeckten Methode der Wissenschaft festgehalten haben in einer Periode, die sich ganz von Hegel entfernt hatte. (Dieter Henrich: Hegel im Kontext, Frankfurt 1981)

Im Verlauf dieser Übertragung wurde Hegel vom Kopf auf die Füße gestellt, wobei die Frage ist, ob Hegels dialektische Methode eine solche Umkehrung überhaupt erlaubt und übersteht (ebd., S. 205).

Jedenfalls ist die dialektische Methode im Kommunismus zu einem rein machiavellistischen Rechtfertigungsinstrument entartet. Jedes Verbrechen, jede noch so niederträchtige Gemeinheit, jede Lüge, jedes noch so widersinnige Dogma der Kommunisten wurde „wissenschaftlich“ ins Gegenteil umgedeutet. Noch heute sieht man dies anhand der Hirnakrobatik der Political Correctness. Beispielsweise ist das verkehrstechnisch unausweichliche S21 in Stuttgart des Teufels, während die verkehrstechnisch unsinnige und für den Finanzhaushalt des Stadtstaates verheerende Stadtbahn in Hamburg, die von den Grün-Alternaiven durchgesetzt wurde, „progressiv“ ist.

Im Gegensatz zum Orgonomischen Funktionalismus ist die Dialektik der Verneinung des Lebens primär gegen etwas gerichtet. Hier schneidet sich die Ebene der Emotionellen Pest mit der liberalen Charakterdeformation (Rebellion gegen statt Wettstreit mit dem Vater – vgl. Elsworth F. Bakers Der Mensch in der Falle). So sieht Marx als Kern der menschlichen Entfremdung (bei ihm identisch mit der Arbeitsteilung) den Erwerbstrieb, der bei ihm in mythologischer Wahnform als „Kapital“ die Menschen aussaugt oder entmenschlicht, so wie sich Hegels Ich die Welt aneignet und sie entleert. Damit hat aber Marx, fußend auf tiefen mit dem „jüdischen“ Kapitalismus verbundenen Sexualängsten (ursprünglich nannte Marx das, was er später als „Kapitalismus“ bezeichnete, „Judentum“!), nichts als das initiiert, was aufzuheben er vorgab: die menschliche Entfremdung, indem er eine orgonotische Grundfunktion, die untrennbar mit unserer Sexualität verbunden ist und die von der Werbung entsprechend pestilent ausgebeutet wird, mit dem Bann des metaphysisch Bösen belegte. Darüberhinaus hat er seinen Fluch untrennbar mit der Arbeitsteilung verbunden, der Grundlage der Arbeitsdemokratie.

Aber nicht nur über den Umweg Marx wurde das Denken Gottes in das des Teufels pervertiert. Genau dasselbe kann man auch im „christlichen“ Katholizismus beobachten. Überhaupt gibt es, wie Reich in Christusmord beständig konstatiert, viele Gemeinsamkeiten zwischen Katholizismus und dem Kommunismus der guten alten Zeit: Funktionärswesen; das Verhältnis zwischen „Heiliger Schrift“, „Tradition“, „Orthodoxie“ und „Lehramt“; der Umgang mit Ketzerei; der ganze „amoralische Moralismus“. Und diese Gemeinsamkeiten erstrecken sich eben auch auf Denkstrukturen, z.B. bei den sprichwörtlichen dialektischen Verdrehungskünsten der Jesuiten. „Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit!“ – ein solcher Satz, der ein Wort „logisch“ in sein genaues Gegenteil verkehrt, paßt sowohl zum Katholiken wie zum Marxisten.

Wie sehr das katholische Denken dialektisch geprägt ist, sieht man auch an der verdrehten Logik von Begriffen wie „jungfräuliche Mutter“, ganz zu schweigen von der ganzen Problematik der „Dreieinigkeit“ oder gar der Theodizee.

Ich erwähne das auch, weil eines Tages durchaus auch aus dem Orgonomischen Funktionalismus eine solche Kunst des Verdrehens erwachsen könnte. Wie man sich dagegen wehren kann? Ganz einfach: indem man eine Sache konsequent zuendedenkt – indem man sozusagen „ungepanzert“ denkt. Man nehme etwa das folgende Beispiel:

Der Marxismus rechtfertigt sich aus dem schlagenden Argument, die bürgerliche Demokratie wäre ja schön und gut, aber ihre Freiheit bedeute vor allem die Freiheit der Unternehmer die Arbeiter auszubeuten. Noch heute gewinnen die Kommunisten mit dieser Argumentation ihre Anhänger. Tatsächlich ist es eine denkbar diabolische Denkfigur: im Namen der Freiheit (d.h. der Befreiung der Arbeiter) wird die vollkommene Unfreiheit durchgesetzt.

In einer tieferen Schicht des Marxistischen Gedankensystems, d.h. beim frühen Marx, heißt es, der Mensch werde erst er selbst, wenn er seine Individualität aufgibt und ganz im „Gattungswesen“ Mensch aufgeht.

Nach Klaus Hornung führt die konsequente Entfaltung der Marxschen Prämissen, also Aufhebung der Trennung von Gesellschaft und Staat und Aufhebung der Gewaltenteilung (man denke aktuell an den „basisdemokratischen“ Aufstand gegen S21), mit der „Emanzipation als Aufgehen im Gattungsleben“ natürlich nicht zur Aufhebung der Herrschaft, sondern zur Tyrannei der Partei.

Marxens Anthropologie und Gesellschaftstheorie steht jedem Herrschaftswillen offen (…) und der Verdacht ist nicht unbegründet, daß sie letztlich schon Marx [der ernsthaft jeden Augenblick mit der Revolution rechnete] selbst als solche Legitimation dienen sollte. (Der faszinierende Irrtum, Freiburg 1978)

So bedeutet auch das heutige Geschwätz über „Basisdemokratie“ oder gar „Zivilgesellschaft“ (sic!) nichts als die Majorisierung von uns neurotischen Schafen durch ein paar pestilente Wölfe. Deshalb auch ihr Faszinosum „multikulturelle Gesellschaft“: die Nation soll verschwinden und dem „Gattungswesen“ platz machen.

Der Dreitakt

  1. Position: Urgesellschaft –
  2. Negation: Klassengesellschaft –
  3. Negation der Negation: Kommunismus,

läuft auf nichts anderes hinaus, als daß, wie Marx unvorsichtigerweise am Anfang seiner Laufbahn schrieb (er hat es nie veröffentlicht und später fast nichts mehr zum Kommunismus gesagt), zu Beginn der dritten Stufe der Mensch selber negiert wird, der Terror regiert (wie Milovan Djilas und andere sagen: Stalin ist nicht von Marx zu trennen), alles wird Gemeineigentum, aber besonders der Mensch (so ist auch die „Sexuelle Revolution“ am Anfang der SU zu verstehen!), die Ausbeutung ist total – und aus dieser Hölle wächst dann, nach Sankt Karl, irgendwie das herrschafts- und eigentumslose Paradies!

Marx war zu sehr Hegelianer, um nicht zu wissen, daß die totale Herrschaftslosigkeit identisch mit der totalen Unterdrückung ist. Modju fußte vollkommen auf dem Schreibtischtäter, als er seine SU als freiestes Land der Erde bezeichnete.

Marx hat weniger mit den ökonomischen Wissenschaften zu tun, er ist vielmehr ein hervorragendes Beipiel für einen pestilenten Charakter (Emotionelle Pest). Entsprechend ist der Marxismus nicht nur eine Pseudowissenschaft, sondern auch eine organisierte Form der Emotionellen Pest ähnlich dem Hitlerismus. Ich verweise nur auf das Buch Der Mythos Marx und seine Macher von Konrad Löw.

Leider hatte Reich, ein Opfer der Marxistischen Propagandamaschinerie, eine grundsätzlich andere Einschätzung. Reichs Loyalität gegenüber Marx hatte teilweise desaströse Auswirkungen auf die Entwicklung der Orgonomie insbesondere nach Reichs Tod.

Reich wurde von Marxisten immer wieder mißbraucht in ihrem Kampf gegen den Kapitalismus, d.h. gegen die Arbeitsdemokratie. Wie André Glucksmann es ausdrückt:

Wenn die ökonomische Beschreibung der Maschinerie des Kapitals versagt, dann wird sie eben mit Psycho-Sozio-Sexologie verstärkt. (Die Meisterdenker, Reinbek 1979, S. 240)

Reich notierte sich 1951:

Ich muß damit aufhören, meine früheren Bücher zu vertreiben, z.B. Massenpsychologie und Sexuelle Revolution. Nicht weil sie falsch sind, sie stehen so da, wie sie geschrieben wurden, sondern weil sie die entscheidende Frage, d.h. die Orgonenergie, verdecken und von den Leuten mißbraucht werden. (z.n. C.M. Raphael: Wilhelm Reich. Misconstrued-Misesteemed, New York 1970, S. 86)

In diesen Werken finden sich Aussagen, die allem widersprechen, wofür Reichs Konzept der „fachbewußten“ Arbeitsdemokratie steht. Zum Beispiel wollte Reich in den 1930er Jahren ganz nach kommunistischem Muster die Stellung des Industrieproletariats ausnutzen, um als „Gegengewicht gegen die eng zünftlerischen und eng berufsfachlichen Interessen, die der Kapitalismus unter den Arbeitern gezüchtet hat“, zu wirken (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 228). Reichs reife Position hat wirklich rein gar nichts mehr mit irgendwie gearteten Marxismen zu tun – auch wenn sie von Reich in einem vom Marxismus geprägten Zusammenhang präsentiert werden.

In der Wolle gefärbten Marxisten war von Anfang an klar, wie letztendlich „unmöglich“ das Verhältnis von Reich und Marx war. Bereits 1932 war dem psychoanalytischen Marxisten Siegfried Bernfeld unerfindlich „welcher ungeschlichtete Widerspruch oder Zufall aus ihm (Reich) einen marxistischen Kommunisten gemacht hat“. Und 1936 konstatiert Erich Fromm, ebenfalls psychoanalytischer Marxist, Reich habe den Marxismus „in Wirklichkeit nie kapiert“.

In das Zentrum dieser Auseinandersetzung stieß 1969 der neo-Marxistische Historiker Paul Robinson vor. Hinter Reichs Abkehr von Marx Ende der 1930er Jahre habe das gleiche gestanden, wie hinter seiner Abkehr von Freud. Obwohl Reich selbst 1929 in Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse hervogehoben habe, daß sowohl Freud als auch Marx die Realität vom Konflikt (zwischen Trieben, bzw. Klassen) her interpretiert haben, sei, so Robinson, Reichs eigenes Denken imgrunde vollkommen anders geartet gewesen. So habe sich Reich von Freud getrennt, als dieser den unaufhebbaren Dualismus und Konflikt von Eros und Thanatos auf die Spitze trieb.

Auf ähnliche Weise fand Reich schließlich Marx‘ Doktrin vom Klassenkampf mit seinem eigenen Hang unvereinbar, das soziale Leben als imgrunde konfliktfrei zu betrachten. Antagonismen in der Realität; sie waren das künstliche Produkt politischer Ideologien, wobei der Marxismus selbst in dieser Hinsicht zu den schlimmsten Übeltätern gehörte. Unterhalb des sichtbaren Konflikts bestand eine grundlegende Gemeinsamkeit der Interessen, die alle produktiven Individuen verband. Am Ende zog Reich offensichtlich Bentham gegenüber Marx vor. (The Freudian Left, Ithaca, NY 1990, S. 58f)

Der englische Philosoph Jeremias Bentham (1748-1832) begründete den „Utilitarismus“, den Herbert Marcuse die „ausschließlich individualistische Lösung der Frage nach dem Glück“ vorhielt (ebd., S. 187). Vorher im Buch merkt Robinson an, daß Reichs Begriff „Sexualökonomie“ weniger eine Synthese von Freud und Marx sei, „sondern in der Tat mehr einem Gemenge von Freud und Adam Smith ähnelt“ (ebd., S. 16).

Ähnliche Einwände werden noch heute gegen Reichs Adaption des Marxismus angeführt, z.B. von Sebastian Hartmann und Siegfried Zepf in ihrem an Marx‘ Haß auf Max Stirner („Sankt Max“) gemahnenden Aufsatz „Sankt Wilhelm und die wahre Wahrheit eines ‚wahren Sozialisten’“ (Der „Fall“ Wilhelm Reich, Hrsg. von Fallend und Nitzschke, Frankfurt 1997). Auf eine sehr überzeugende Weise wird dort Reichs Konzept der „Arbeitsdemokratie“ mit dem kapitalistischen System gleichgesetzt. Der Leser sei auf diese Bloßstellung des „reaktionären“ Biologismus Reichs verwiesen.