Satisfaction

9. Oktober 2025

Psychologen unterscheiden zwischen „Maximizers“, die selbst bei kleinsten Entscheidungen, sich nur schwer zu einem Entschluß durchringen können, auf der einen und „Satisficers“, die unmittelbar zu einer Entscheidung finden, auf der anderen Seite.

Früher hat man bei Maximizern und Satisficern nur die Entscheidungsfindung selbst untersucht. Schließlich haben die Psychologin Joyce Ehrlinger von der Florida State University, Tallahassee et al. in einem Forschungspapier unter dem Titel „Failing to Commit: Maximizers Avoid Commitment in a Way That Contributes to Reduced Satisfaction“ gezeigt, daß Maximizers trotz all dem Aufwand, den sie bei der Entscheidungsfindung aufgebracht haben, mit sich und ihrer Entscheidung weit mehr hadern als die „Satisficers“, die mit ihrer „leichtfertigen“ Entscheidung zumeist zufrieden sind. Da Maximizer sicher sein wollen, daß sie die richtige Entscheidung getroffen haben, sind sie niemals mit dieser wirklich zufrieden und deshalb, so die Forscher, weniger glücklich in ihrem Leben als die Satisficer.

Der Mangel an Zufriedenheit ruft beim Maximizer eine Menge Streß hervor, so daß, Ehrlinger zufolge, dieses Persönlichkeitsmerkmal sich sehr stark auf die Gesundheit auswirken könnte. Selbst nachdem er sich unendlich viel Mühe bei der Berufswahl, der Wahl einer Partnerin und dem Kaufen eines Hauses gegeben hat, zweifelt der Maximizer typischerweise an seiner wohlüberlegten Wahl immer noch und kann sogar in Depressionen verfallen. Nichts kann ihn jemals zufriedenstellen und in sich ruhen lassen.

Für Ehrlinger bleibt die Frage, ob ein Maximizer zu sein ein zentraler und gleichbleibender Teil der Persönlichkeit ist oder einfach nur „a frame of mind“, eine „Geistesverfassung“. Die gegenwärtige Forschung versuche herauszufinden, ob sich Maximizer verändern können.

Aus Sicht der Orgonomie leidet der Maximizer schlicht unter seiner charakterlichen Panzerung. Geradezu archetypisch ist das ausgeprägt beim Zwangscharakter mit seiner Pedanterie, Umständlichkeit und Grübelsucht. Demnach ist ein Maximizer zu sein tatsächlich „ein zentraler und gleichbleibender Teil der Persönlichkeit“ und nicht nur eine mentale Macke! Gleichzeitig ist dieser Charakterzug jedoch veränderbar, da die Panzerung prinzipiell wieder auflösbar ist.

Während beim orgastisch potenten „genitalen Charakter“, als Grundverkörperung des Satisficers, der bioenergetische Impuls vom Kern frei zur Peripherie fließt, wird er beim gepanzerten Neurotiker förmlich zersplittert. Ergebnis sind Charakterzüge wie Pedanterie, Umständlichkeit und Grübelsucht: der unbefriedigbare Maximizer.

War Hitler antiautoritär? (Teil 2)

8. Oktober 2025

Charles Konia hat sich ausführlich über Psychopathen geäußert. Dabei geht es vor allem um die Psychopathen in den Chefetagen, die nicht zuletzt die Wirtschaftskrise der letzten Jahre zu verantworten haben.

Leider wurden in den modernen Diagnoseschlüsseln ICD-10 und DSM-V der Begriff „Psychopathie“ abgeschafft und durch weniger scharfe Begriffe ersetzt. Immerhin kann man jedoch auf Werke wie Menschenschinder oder Manager: Psychopathen bei der Arbeit (2007) von Paul Babiak und Robert D. Hare verweisen.

Ein Psychopath ist ein sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme, bei erheblich übersteigertem Selbstgefühl. Ein krankhafter Lügner mit betrügerisch-manipulativem Verhalten. Er leidet (bzw. leidet eben nicht) unter einem Mangel an Schuldbewußtsein, hat nur oberflächliche Gefühle, ist gefühlskalt und leidet (bzw. leidet eben nicht) unter einem Mangel an Empathie. Er übernimmt für sein Handeln keine Verantwortung.

Angesichts dieser Stichworte sei daran erinnert, daß Reich Hitler stets als „Generalpsychopathen“ bezeichnet hat! Dazu paßt teilweise auch dessen Impulsivität:

Der Psychopath ist von Erlebnishunger geprägt, führt einen schmarotzerhaften Lebensstil und hat sein Verhalten nicht unter Kontrolle. Schon früh zeigen sich Verhaltensauffälligkeiten, das Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen, Impulsivität, Verantwortungslosigkeit.

Weitere Auffälligkeiten im Leben von Psychopathen sind Kriminalität in der Jugend, überhaupt eine vielgestaltige Kriminalität mit Verstößen gegen Bewährungsauflagen, Promiskuität und viele kurzzeitige eheähnliche Beziehungen.

Es ist beängstigend, daß in der sich seit etwa 1960 kontinuierlich entwickelnden und um sich greifenden anti-autoritären Gesellschaft diese psychopathischen Verhaltensmuster geradezu zu Verhaltensmaximen werden.

Babiak und Hare stellten empirisch fest, daß, während nur etwa 1 % der Gesamtbevölkerung psychopathisch sind, immerhin 3 bis 4 % der höheren Angestellten Psychopathen sind. Die Prozentzahlen an der Spitze der Wirtschaft werden wahrscheinlich sogar weitaus höher liegen.

Das Problem mit dem Kapitalismus ist, daß solche Typen teilweise recht nützlich sind, denn um eine Firma auch unter schwierigen Bedingungen zu gründen (und damit im günstigsten Fall eine ökonomische Kettenreaktion auszulösen, die eine ganze Region wirtschaftlich wiederbeleben kann!), braucht es einen, wenn man so will, „hitleresken“ Charme, Risikobereitschaft, Angstfreiheit und auch eine gewisse Ruchlosigkeit. Ich hätte beispielsweise wirklich Probleme damit, auch nur eine einzige alte Eiche zu fällen, „nur“ um eine Fabrikhalle zu errichten. Wie ist es erst um so etwas bestellt, wie Leute dazu zu bringen, für dich zu bürgen, oder den Ermessensspielraum eines Verwaltungsbeamten mit dem Einsatz von diversen „Überredungskünsten“ voll auszuschöpfen.

Selbst auf dem Gebiet der Sexualität: ein weicher „Frauenversteher“ kann sich auf ein Leben als Onanist einstellen.

Der britische Psychologe Kevin Dutton hat ein ganzes Buch über die Vorzüge einer psychopathischen Gesinnung geschrieben: Psychopathen: Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann. Allerdings würde auch er keine Psychopathen an die Spitze von Unternehmen setzen, bei denen es um langfristige Strategien geht.

Man kann anfügen: auch ein bei Frauen überaus erfolgreicher „James Bond“ wird sich kaum zum Familienvater eignen!

Wie stets bei Fragen von Gesundheit und Krankheit geht es nicht darum, ob eine Strebung vorhanden ist oder nicht, sondern wie sehr sie „energetisch besetzt“ ist. Es gibt „nur“ einen graduellen Unterschied zwischen „Ich habe dich zum Fressen gern!“ und sexuellem Kannibalismus. Entsprechendes läßt sich über den Kapitalismus sagen: er beruht zwar auf Konkurrenz, Gewinnstreben und Egoismus, aber wie in einem Gesellschaftsspiel gibt es doch einen gewichtigen Unterschied zwischen dem Verfolgen eigener Interessen, insbesondere indem Informationen nicht weitergegeben werden, und Betrug.

Mit dem Umsichgreifen der anti-autoritären Gesellschaft wurde diese, wie angedeutet nicht immer ganz eindeutige, Grenze immer eklatanter überschritten, insbesondere in der Finanzwirtschaft, die teilweise kaum noch von mafiöser Wirtschaftskriminalität zu unterscheiden ist. Selbst um das langfristige Überleben der eigenen Firma scheren sich die psychopathischen Finanzjongleure einen Dreck. Folge war die gegenwärtige Wirtschaftskrise, die prompt dazu genutzt wird, den Kapitalismus an sich in Frage zu stellen. Wie Konia ausgeführt hat, kann jedoch nicht der Sozialismus die Antwort sein, sondern einfach nur die konsequente Bekämpfung von Kriminalität.

Was wirklich Not tut, ist ein verbreitetes Verständnis der menschlichen Charakterstruktur, wie sie Reich, Baker und Konia entschlüsselt haben. Leider Gottes hat die moderne Psychiatrie, Psychologie und Soziologie gegenwärtig die unhelvolle Tendenz entsprechende Ansätze, wie etwa das klassische Verständnis der Psychopathologie, zu zerstören und verunmöglicht es dergestalt der Orgonomie in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Diese Entartung von Medizin und Humanwissenschaft ist ein weiteres Symptom der umfassenden anti-autoritären Zersetzung der Gesellschaft. Um so wichtiger und bemerkenswerter ist der eingangs erwähnte Artikel.

Um auf Hitler zurückzukommen: Vor diesem Hintergrund sollte es auch weniger absurd sein, den Nationalsozialismus als eine anti-autoritäre Bewegung zu betrachten.

War Hitler antiautoritär? (Teil 1)

7. Oktober 2025

Die Frage scheint vollkommen absurd zu sein, gilt doch der Nationalsozialismus als die Inkarnation des autoritären Geistes schlechthin. Doch die Sache ist nicht so eindeutig. Erstens beruht Reichs Massenpsychologie des Faschismus zufolge der Nationalsozialismus ganz und gar nicht auf reiner Sexualunterdrückung, sondern gewann einen Großteil seiner Faszination aus der Überwindung des rigiden Kirchenglaubens und dessen, was die Nazis als „die Reaktion“ bezeichneten. Der Nationalsozialismus war in dieser Hinsicht nur eine der vielen Varianten der „lebensreformerischen“ Bewegung des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

Typisch antiautoritär am Nationalsozialismus war die Zentralisierung und Vereinheitlichung auf allen Ebenen. Im Rahmen des Modernisierungsschubs hat Hitler beispielsweise nicht nur die lateinische Schrift verpflichtend gemacht, sondern wollte auch die Mundarten abschaffen. Klingt nicht gerade „völkisch“! Dem Nationalsozialismus ging es ganz zentral, ähnlich den späteren „kulturrevolutionären“ Bemühungen Maos, um die Delegitimierung von lokalen Autoritäten. Das reichte bis in die Familie hinein: Hitler bot sich als Gegengewicht zu den autoritären Eltern an. Das machte auch einen Gutteil des Einflusses der „Hitlerjugend“ aus.

Entgegen dem Vorurteil, der das Dritte Reich gerne als „Monolith“ sieht, war wohl kein westlicher Staat jemals derartig desorganisiert wie Deutschland unter Hitler. Nirgends gab es eindeutige Zuständigkeitsbereiche und Willkür war gang und gäbe. Beispielsweise wurden im Krieg in einem Landesteil des besetzten Polens großzügig alle eingedeutscht, die sich zur deutschen Kultur bekannten, während in anderen strenge rassistische Kriterien (was immer das in diesem Zusammenhang auch bedeuten mag!) angelegt wurden. Daß der denkbar schlecht geplante Krieg fünf Jahre anhielt, verdankte Hitler ausschließlich der hochprofessionellen Generalität, die auch aus den dilettantischsten Befehlen noch etwas machte. Wie heute lebte die antiautoritäre Gesellschaft parasitär von dem, was die autoritäre sich über Jahrhunderte erarbeitet hatte. Das „Dritte Reich“ lebte in jeder Hinsicht von der Substanz, insbesondere aber der Expertise des deutschen Beamtenapparats.

Hitler selbst war das Gegenteil eines pflichtbewußten „Preußen“. Sein Tagesablauf war nicht der eines „obersten Beamten“, sondern der eines dekadenten Müßiggängers, der nie zu sprechen war und jede Entscheidung solange hinauszögerte, bis es zu spät war. Ich kriege „autoritäre“ Zustände, wenn ich die Literatur lese. Bei den Filmdokumenten über die Aufmärsche der Nazis, deren Design größtenteils auf den verhinderten Künstler und Architekten Hitler höchstpersönlich zurückgehen, werde ich unwillkürlich an die „Rocky Horror Picture Show“ oder an den Christopher Street Day erinnert. „Das soll doch wohl ein Scherz sein?!“ Und wenn man dann noch an Knallchargen wie Göring und Himmler denkt, die allen Ernstes mit Schminke im Gesicht herumliefen, macht es irgendwann „Knacks!“ im autoritären Gehirn! Stauffenberg war für dieses groteske Gesindel Ausdruck „der Reaktion“.

Den Vater hat Hitler gehaßt, die Lehrer waren ihm zuwider, er lehnte jeden Zwang ab und bevorzugte eine träge, ziellose Existenz.

Die Adenauer-Periode war eine der Restoration, insbesondere was die Wiederherstellung lokaler Autoritäten betrifft, bis „1968“ der antiautoritäre Ungeist wieder hervorbrach. Daß die Verbindung zu „1933“ ganz und gar nicht so abwegig ist, zeigt die Geschichte von Horst Mahler oder insbesondere die von Reinhold Oberlercher, „Hamburgs Dutschke“.

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 13)

6. Oktober 2025

Generell neigen Betrachter der Geschichte dazu, ein hoffnungsloses Durcheinander anzurichten, indem sie Dinge verknüpfen, die nichts miteinander zu tun haben, etwa daß Hitler der legitime Kanzler des Deutschen Reiches war, mit der Tatsache, daß er ein Nazi und Massenmörder war. Stalins „geschichtliche Aufgabe“ als Führer der russischen Nation war es, jene Gebiete zurück zu Rußland zu holen, die vor dem Versailler Vertrag zu ihm gehörten, insbesondere Ostpolen. Das hat erst mal nichts mit seiner Rolle als Kommunist und Massenmörder zu tun. Nicht viel anders sieht die Sache bei Hitler aus. Aber kaum argumentiert man so, steht man irrwitzigerweise als „Nazi“, „Leugner“, „Revisionist“ da. „Reichianer“ sind besonders gut darin, denn für die war Hitler ein pestilenter Charakter, und damit ist für sie alles erklärt. Tatsächlich haben sie nichts begriffen, denn es geht nicht um das Was (in diesem Fall um die Rückgängigmachung von Versailles, die etwa Stauffenberg voll und ganz begrüßt hat), sondern um das Wie, das in den Holocaust mündete.

Der Zweite Weltkrieg und der Holocaust wären vermeidbar gewesen, wenn England und Frankreich dem Reichskanzler (!) Hitler Osteuropa als dessen Interessengebiet überlassen hätten (ein Großteil hatte, wie angedeutet, vor dem Ersten Weltkrieg sowieso dem Deutschen Reich bzw. der k.u.k.-Monarchie angehört), genauso wie sie es 5 Jahre später Stalin überließen. Im Gegenzug hätte Hitler die bestehenden Westgrenzen und den Erhalt des Empire garantiert. Ohnehin waren die deutschen Generäle vor dem Angriff auf Polen nicht auf eine umfassende europäische Invasion vorbereitet. Nach dem Krieg haben die Alliierten und die Historiker nie konkrete Pläne beispielsweise für eine Invasion Englands gefunden. Als Deutschland in Österreich und Tschechien einmarschierte, standen nicht einmal Militärkarten zur Verfügung, so daß sich die Panzerkommandeure auf Karten für Autofahrer verlassen mußten.

Natürlich wird auf den Militärakademien jeder Nation regelmäßig der Einmarsch in die Nachbarländer simuliert. Und natürlich haben alle Länder ihre Hardliner, etwa Amerika seinen General McArthur, der taktische Atombomben im Koreakrieg zum Einsatz bringen wollte. Aber die beiden Weltkriege mit dem Hinweis auf die „preußischen Junker“ und die aggressive „preußische Militärkaste“ zu erklären, grenzt an Idiotie.

Im Umfeld von Kaiser Wilhelm II. 1914 sowie von Hitler 1939 gab es zwar einige Scharfmacher, die davon träumten, daß Deutschland die Welt regiert, aber solche Spinner gab es in allen Ländern. Beim Krieg, der Ende der 1930er Jahre begann, sollte man nie einen Krieg vergessen, der Anfang der 1930er Jahre beinahe ausgebrochen wäre und dessen Strategie schlichtweg verbrecherisch war, was das Involvieren der Zivilbevölkerung betrifft. Ich spreche vom Beinahe-Krieg zwischen den USA und England (Landkrieg mit Kanada plus Seekrieg):

Auch sollte man an einen Krieg denken, der tatsächlich stattgefunden hat: der Spanisch-Amerikanische Krieg von 1898, mit dem die USA begannen ihr Interessensgebiet auszuweiten. Man denke erst einmal in solchen Kategorien, bevor man Deutschland als singulär böse hinstellt, nur weil es seine egoistischen nationalen Interessen durchsetzen wollte wie alle anderen Mächte auch! Man gebe sich doch keinen Illusionen hin, daß Stauffenberg oder Rommel oder wer auch immer großartig anders gehandelt hätten als Hitler. Nochmals: Es ging weniger um das Was, sondern das Wie. Da, in der Art der Hitlerschen Kriegsführung im Osten, beginnt das Problem der Emotionellen Pest in diesem Krieg, nicht bei den Fragen nach Territorien und deutschen Interessensgebieten.

Ich bin mir bewußt, daß es während des „Boxeraufstands“ 1899-1901 in China und in einigen von Deutschlands Kolonien (die sie bereits nach einigen Jahren verloren) wie Namibia „deutsche Metzger“ gab, die die indigene Bevölkerung abschlachteten, versklavten und sie allgemein schlecht behandelten. Aber Deutschlands Verbrechen während des „Boxeraufstands“ waren nicht größer als die britischen Verbrechen während der „Opium-Kriege“, und was Deutschland in seinen 2 oder 3 Kolonien wie Namibia tat, war quantitativ viel kleiner als das, was beispielsweise der britische Imperialist Cecil Rhodes den Bewohnern mehrerer afrikanischer Länder angetan hat. Im dankbaren Angedenken seines mörderisches Imperialismus‘ benannten die Briten nach dem Zweiten Weltkrieg sogar ein Land nach seinem Namen: „Rhodesien“.

Was die Ausbeutung überseeischer Kolonien betraf, verantwortete das Kaiserreich vielleicht 5 Prozent, während die restlichen 95 Prozent in der Verantwortung von Großbritannien, Spanien, Portugal, Holland, Japan, Frankreich und Belgien lagen, wobei die Kolonialmacht Belgien mit Abstand am brutalsten war. (Auch wenn ich bei letzterem zunehmend in Zweifel gekommen bin und mich frage, ob hier die Verbrechen von arabischen Sklavenjägern, etwa das Abschlagen von Händen und Füßen, den Belgiern zugeschrieben wurden.)

Natürlich weiß ich, daß es sehr große Unterschiede gab, wie die Kolonisierung durchgeführt wurde und wie die indigene Bevölkerung behandelt wurde. Die Spanne reicht von einer „sehr weichen und moderaten“ Kolonisation (die einer „Supervison“ nahekam und sehr viel Verantwortung und Mittel den Eingeborenen überließ), wie auf dem indischen Subkontinent, im Gegensatz zu sehr brutaler Kolonisation, die auf Völkermord hinauslief und den Diebstahl sämtlicher Ressourcen, wie in Belgisch-Kongo. (Aber siehe oben… ) Und ich bin mir auch bewußt, daß viele europäische Kolonialisten eher harmlos waren im Vergleich mit den extrem brutalen Verbrechen mancher indigener Völker untereinander vor dem Beginn der europäischen Kolonisation. Man denke nur an die Sklaverei, die im gesamten Machtbereich der Briten verboten wurde.

Nebenbei bemerkt: all die linken Antikolonialisten scheren sich einen Dreck darum, wenn es etwa um die indonesische Annexion von Ost-Timor geht.

Kaiser Wilhelm II. 1914 und Hitler 1939 sahen, daß die westlichen Nationen sich untereinander die Welt bereits aufgeteilt hatten. Statistisch gesehen, hatte jeder britische Bürger 100mal mehr Quadratmeter als ein deutscher Staatsbürger zur Verfügung, und auch das sehr kleine Land Belgien war im Besitz eines Territoriums, das 100 mal größer war als sein Heimatgebiet. Selbst der Kleinstaat Niederlande hatte sein riesiges Indonesien! Alle anderen westlichen Länder waren autark, während Deutschland es als einziges nicht war. Deutschland war immer abhängig von Ressourcen, die es von der wirtschaftlichen Konkurrenz kaufen mußte. Beispielsweise waren wegen der Zollschranken für die Deutschen Öl, Gas, Gold (vor allem, da alle Nationalökonomien und alle Währungen auf dem Goldstandard beruhten) und Südfrüchte viel teurer als für Engländer oder Franzosen.

Die westlichen Nationen hatten ihre Kolonien mit militärischen Mitteln gestohlen, zeigten aber mit dem moralischen Zeigefinger auf Deutschland, wenn dieses seine Interessen durchsetzen wollte. Die Situation war für Deutschland schlichtweg nicht hinnehmbar, weil bei jedem kleineren wirtschaftlichen Konflikt die anderen leicht eine Seeblockade verhängen und so Deutschland von allen Ressourcen abtrennen konnten.

Email (die vermeintlich großen Denker) 2008

5. Oktober 2025

Email (die vermeintlich großen Denker) 2008

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 12)

4. Oktober 2025

Ich habe noch nie gesehen, daß sich Türken für den Völkermord an den Armeniern schuldig fühlen. Oder daß sich Spanier in ihrem Patriotismus gehemmt fühlen durch Schuldgefühle wegen der brutalen Eroberung und der Völkermorde, die spanische Kolonialherren begangen haben. Oder daß ein Amerikaner ein schlechtes Gewissen wegen der Hunderttausenden unschuldiger Opfer in Hiroshima und Nagasaki hatte. Oder ein Yankee ein schlechtes Gewissen wegen General Sherman, der im Bürgerkrieg der Zivilbevölkerung des Südens „die harte Hand des Krieges genauso spüren lassen wollte wie ihren Armeen“. In dieser Tradition steht Dresden, als die Amerikaner zusammen mit den Briten innerhalb von nur zwei Tagen insgesamt mehr Bomben abwarfen, als Deutschland es auf das gesamte Gebiet Englands während des ganzen Krieges getan hatte.

Ein trauriges Kapitel sind auch die alliierten Tiefflieger: die Hedgehoppers jagten alles, was sich bewegte, darunter auch Frauen und Kinder, die auf den Feldern arbeiteten. Praktisch jeder aus der Landbevölkerung kann von solchen Vorkommnissen berichten! Jedenfalls erinnern sich alle, die ich befragt habe: wie sie um ihr Leben rannten, wenn US-Piloten, wie es zumindest schien, „Zielscheibenschießen“ übten und ihren Spaß hatten.

Wußtest du, daß sich Hitler bis 1943 weigerte, zivile Wohnquartiere statt nur Militärobjekte zu bombardieren (wobei es fast immer zivile Kollateralschäden gibt), während Churchill von Anfang an gezielt die Arbeiterviertel unserer Städte bombardieren ließ, ohne daß militärische Objekte in der Nähe waren? Das englische und amerikanische Militär nannte dies „moralisches Bombardieren“!

Die Attacken der Royal Air Force (RAF) auf deutsche Städte begannen in der Nacht auf den 12. Mai 1940 mit dem Angriff von 35 Bombern auf Mönchengladbach (am Morgen des 10. Mai 1940 hatte die Wehrmacht den Westfeldzug begonnen). In der Folgezeit flog die RAF wiederholt kleinere Angriffe auf deutsche Städte, darunter allein acht auf Berlin. Die deutsche Luftwaffe antwortete mit Angriffen auf London (7. September – siehe The Blitz) und auf Coventry (14./15. November). Ende 1940 begann die RAF dann, großangelegte, gegen Zivilisten gerichtete und bis dahin in diesem Ausmaß im Zweiten Weltkrieg noch nicht dagewesene Flächenangriffe auf deutsche Städte zu fliegen. Da militärische Aktionen auf dem europäischen Festland für die Briten nach der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen nicht mehr möglich waren, erschienen Luftangriffe als die einzige Möglichkeit, Deutschland zu schaden. Daß dabei gezielt die – nach dem Kriegsvölkerrecht eigentlich zu schonende – Zivilbevölkerung getroffen wurde, erfolgte mit der Behauptung, hierdurch deren Moral brechen zu können und den Widerstand gegen die nationalsozialistische Regierung zu stärken („moral bombing“ als neues Leitmotiv einer Direktive vom Juli 1941), und entsprach dem ausdrücklichen Entschluß der Churchill-Regierung, die gleich nach ihrer Regierungsübernahme entschieden hatte, den Bombenkrieg auf das Nichtkampfgebiet auszudehnen.

Die Briten wollten so viele Kinder und Frauen wie möglich töten, um die Moral der deutschen Bevölkerung zu brechen. Interessanterweise reagierte die deutsche Bevölkerung genau gegenteilig. Das offen unethische Verhalten der Alliierten (in der Tradition von General Sherman) überzeugte die deutsche Bevölkerung, daß die Alliierten Terroristen waren, vor denen man niemals kapitulieren dürfe, weil sonst nicht nur sich ergebende deutsche Soldaten gequält und abgeschlachtet würden, sondern auch Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. Mit anderen Worten: Churchills Verlangen nach einer „bedingungslosen Kapitulation“ und die „moralische Bombardierung“ deutscher Wohnviertel machte die Deutschen eher noch fanatischer. Jedenfalls hatte Goebbels Propaganda leichtes Spiel.

Als die Amerikaner nach der „bedingungslosen Kapitulation“ Tausende von deutschen Kriegsgefangenen auf den Rheinwiesen absichtlich an Unterernährung krepieren ließen, fühlte sich die deutsche Bevölkerung in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt.

Wußtest du, daß Hitler selbst 1944/45 den Krieg noch immer hätte wenden können, wenn er sich nicht geweigert hätte, daß Deutschland auf sein chemisches und bakteriologisches Waffenarsenal zurückgreift? Deutschland war damals die Nummer 1 in der Welt in Bezug auf die Produktion von diesen schrecklichen Waffen. Der Wehrmacht standen die neuentwickelten Kampfstoffe Tabun, Sarin und Soman zur Verfügung, während die Alliierten nur das veraltete und inpraktikable Senfgas und Milzbranderreger einsetzen konnten. Die Deutschen hätten Megatonnen in den alliierten Truppenaufmarsch in Frankreich und England feuern können.

Der deutsche Nationalstolz wird noch immer gehemmt durch den Zweiten Weltkrieg, obwohl Deutschland in den letzten 80 Jahren (ich hätte beinahe geschrieben „nach alter guter deutscher Tradition“!) das friedlichste Land in der westlichen Welt war. Bis wir uns im fernen Afghanistan verteidigen mußten, hat für mehr als ein halbes Jahrhundert kein deutscher Soldat einen einzigen Schuß in irgendeinem militärischen Konflikt abgefeuert. Aber noch immer wird Deutschland mit den Nazis gleichgesetzt und beleidigt, wie immer wieder in den griechischen Zeitungen und praktisch ständig in britischen Kloakenblättern. Wir haben die bei weitem striktesten Gesetze gegen Militarismus, Antisemitismus und Rassendiskriminierung. Kein anderes Land garantiert mehr zivile und demokratische Rechte als Deutschland. Kein Land der Welt hat (in Bezug auf seine Größe und die Zahl seiner Bürger) mehr Entwicklungshilfe gezahlt als Deutschland, und kein anderes Land hat mehr ausländische Flüchtlinge und Asylanten, die uns größtenteils nichts, aber auch rein gar nichts angehen, im Verhältnis zu seinen eigenen Bürgern akzeptiert. Jeder Mensch auf diesem Planeten kann nach Deutschland kommen, gegebenenfalls für sich kostenfrei sein Bleiberecht einklagen und den gleichen Lebensstandard genießen wie ein indigener Arbeitsloser, der 40 Jahre malocht hat.

Wie tief der deutsche Selbsthaß verankert ist, zeigt sich am typischen (und im übrigen sachlich falschen) Leserkommentar zu folgendem Video:

deutschlands bewohner sind meist scheisse, da kann man nun sagen was man will. damals waren die frauen kriegsbeute. zuvor aber haben deutsche frauen und kinder umgebracht! von daher ist eine vergewaltigung zu damaliger zeit verständlich.

Warum reagieren so viele so hysterisch, wenn sie Dinge lesen, wo Deutschlands Gegner schlecht und Deutschland selbst gut aussieht? Hier geht es weniger um Moral, Politik und „Wehret den Anfängen!“, sondern um Bioenergetik. Diese Leute können einfach nicht die natürliche Expansion ertragen, die mit dem ganz normalen Nationalgefühl einhergeht. Deshalb, d.h. letztendlich aus Orgasmusangst, hängen sie dem deutschen Kult der Schuld an. Sie wollen ihr neurotisches Gleichgewicht bewahren, die Erregung drosseln, mißbrauchen dazu vor allem die Opfer des Holocaust – und fühlen sich dabei auch noch moralisch überlegen… Wenn dir die Schoah derartig in den Knochen steckt, dann unterstütze Israel!!!

Die Sexualökonomie der Cheyenne

3. Oktober 2025

1927 beschrieb Reich in der damaligen stark von Freuds Todestriebtheorie („Destruktionstrieb“) geprägten psychoanalytischen Begrifflichkeit den Zusammenhang zwischen „Sexualstauung, Aggression, Destruktion und Sadismus“:

Die Intensität real unbegründeter Destruktionsantriebe, besonders die der Brutalität und des Sadismus, hängt vom jeweiligen Zustand der sexuellen Befriedigtheit beziehungsweise von der Stärke der sexuellen Stauung ab.

Diese Abhängigkeit zeigt sich dem Beobachter sowohl auf körperlichem Gebiet als auch im Bereiche der seelischen Haltungen. In Wirklichkeit sind die seelischen Haltungen und die körperlichen Erregungen natürlich nicht zu trennen.

Schon bei der akuten Neurasthenie, die durch Zersplitterung der Befriedigung entsteht und auf sexueller Stauung beruht, sehen wir ein Anschwellen der Erscheinungen destruktiver Antriebe: Reizbarkeit und Ausbrüche des Ärgers über nichtige Vorkommnisse sowie starke motorische Unruhe. Die Destruktionsantriebe sind identisch mit muskulärer motorischer Spannung. Motorische Unruhe kommt bei Neurosen in der Weise zustande, daß unbefriedigte sexuelle Erregung den Muskelapparat erfaßt; sie erscheint aber hier nicht mehr als Sexualphänomen, sondern als Zerstörungsantrieb. Die unterdrückte Sexualerregung überträgt sich auf die Muskulatur, wenn sie nicht symptomatisch gebunden wird oder als Stauungsangst erscheint.

Wir sehen, daß die motorische Unruhe, die Antriebe, zu zerstören oder zumindest den Muskelapparat zu betätigen, sowie die allgemeine Aggressivität bei sadistisch-triebhaften Charakteren um so stärker werden, je länger sie abstinent leben, und daß diese Impulse schwächer werden, wenn die Abstinenz auch nur für kurze Zeit aufgegeben wird. (Genitalität, S. 182)

Die Indianer des nordamerikanischen Kontinents waren nicht durchgehend matristisch, vielmehr gab es auch hier eher patristische, d.h. eher gepanzerte Stämme, bzw. entsprechende Traditionen, die sich aufgrund der Völkerverschiebungen infolge der Landnahme durch die Weißen ausbreiteten. Schließlich überlebten nur die patristisch geprägten Stämme, weil diese sich gegen die koloniale Aggression wehrten (James DeMeo: Saharasia).

Zu diesen gehörten die Cheyenne. Sie glaubten, was typisch für den Patrismus ist, an einen „obersten Gott“ und es gab bei ihnen eine scharfe Trennung zwischen der Sphäre des Krieges (Destruktion) und jener des Familienlebens (Prokreation). Der Anthropologe John H. Moore hat dies anhand der Kriegshäuptlinge der Cheyenne aufgezeigt.

Im Glauben der Cheyenne kam die Energie zum Leben und dessen Erfolg vom allerhöchsten Gott. Aufgabe des einzelnen Mannes sei es, diese allgemeine Energie in eine zielgerichtete Kraft umzuwandeln. Dann kann sie aber nicht mehr für andere Zwecke verwendet werden, weshalb insbesondere Zölibatsgelübde abgenommen wurden, wenn eine schwere Aufgabe anstand. Entsprechend lebten die Krieger, insbesondere aber ihre Anführer, im zeitweisen, teilweise sogar lebenslangen, Zölibat.

Ähnlich wird es bei entsprechenden Stammesgesellschaften in Afrika und auf dem eurasischen Kontinent ausgesehen haben. Das erklärt m.E. auch den Ursprung des Jainismus, Buddhismus und vielleicht der entsprechenden durchweg extrem sexualfeindlichen hinduistischen Guru-Linien aus der indischen Kriegerkaste. Siehe dazu meinen Aufsatz Die Massenpsychologie des Buddhismus.

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 11)

2. Oktober 2025

Es sperrt sich alles in einem, den Rassismus in den Südstaaten der USA oder die zeitweise Internierung von Japanern insbesondere an der Westküste in irgendeiner Weise mit Deutschlands „Judenpolitik“ in Verbindung zu bringen. Auch wenn die Nürnberger Gesetze, d.h. die „Rassentrennung“, durch das entsprechende amerikanische Recht inspiriert war und trotz der Tatsache, daß die Nazis die Juden als „Alien Enemies“ betrachteten… Aber es mutet schon etwas merkwürdig an, wenn es überall in den USA Holocaust-Museen gibt, aber keine über den Genozid an den Indianern; daß in den öffentlichen Schulen Anne Frank und Elie Wiesel gelesen werden, aber die Tragödie der amerikanischen Ureinwohner kaum Erwähnung findet.

Ich mag Amerika sehr, aber die bloße Existenz dieses Volkes basiert historisch auf der Verdrängung, teilweise sogar Ausrottung der Indianer. Und der Reichtum der meisten europäischen Staaten beruht auf ihrer Vergangenheit als Kolonialisten, wurzelt in der imperialistischen Kriegsführung und der Unterdrückung von indigenen ethnischen Gruppen, die über Jahrhunderte als „rassisch minderwertig“ galten und als solche behandelt wurden. Während Deutschland bis 1884 nicht eine einzige Kolonie in seiner Geschichte hatte! Sogar Südafrika, das zu den „Siegern des Zweiten Weltkrieges“ gehörte, fühlte sich bemüßigt, moralische Bedenken über den Rassismus gegen die Juden in Deutschland zum Ausdruck zu bringen, – während die gleichen Südafrikaner bis 1994 an ihrer Apartheid festhielten!

Noch mehr als in Nazi-Deutschland war explizit die ganze soziale Hierarchie im britischen Empire im Rassismus und dem Glauben an eine Herrenrasse „höherer Geburt“ verwurzelt. Wenn du als Sohn eines armen Arbeiters in den Docks von Liverpool geboren wurdest, bliebst du lebenslang Mitglied der Arbeiterklasse. Wenn du als erster Sohn eines Lords geboren wurdest, wurdest du nur durch deine Geburt für den Rest deines Lebens zu einem faulen und dekadenten Edelmann – mit 50 persönlichen Dienern, 5 Häusern, großen Ländereien und einem Einkommen, das zigtausendfach über dem eines Liverpooler Dockarbeiters lag. Die Lordschaften hatten es nicht nötig zu arbeiten und konnten ihre Lebenszeit mit Fuchsjagden, Billard und Poker in ihrem anspruchsvollen „Gentlemen´s Club“ verbringen und ihre Butler herumkommandieren. Darüber hinaus erhielten sie automatisch einen Sitz im House of Lords und konnten das Schicksal der Nation mitbestimmen.

Im London des viktorianischen Zeitalters, der reichsten Stadt der Welt, gab es umfangreiche Slums, wo Hunderttausende auf engstem Raum zusammengepfercht lebten und an Unterernährung und Kälte starben. Das Trinkwasser war mit Cholera verseucht. Um 1880 hatte London 200 000 registrierte Prostituierte (plus eine noch höhere Anzahl, die nicht registriert waren). Die meisten von ihnen litten an Syphilis, darunter viele Kinderprostituierte, die für die Spezialwünsche pädophiler „Gentlemen“ zur Verfügung standen. Viertel wie Limehouse oder Whitechapel im East End waren vergleichbar mit Calcutta in den 1960er Jahren. Es gab Wohnhäuser, in denen 20 Arme sich ein Zimmer teilen mußten. Diese Häuser gehörten den gleichen Gentlemen, die auch die Fabriken besaßen, in denen diese Armen arbeiteten. Sie arbeiteten manchmal 16 Stunden am Tag für einen Hungerlohn, und vielleicht war nach zwei Jahre ihr Organismus von den Giften in der Fabrik unrettbar zerstört.

Fairerweise muß man aber auch sagen, daß die berühmteste Beschreibung dieser Zustände, Engels‘ aufwühlendes Buch Die Lage der arbeitenden Klasse in England, größtenteils auf offiziellen Parlamentsunterlagen beruhte und daß man ständig darum bemüht war, die gröbsten Ungerechtigkeiten abzustellen. Das größte Übel Englands war sein, fast schon an das indische Kastensystem erinnerndes, starres Klassengefüge, das einen Aufstieg fast unmöglich machte und dekadentes, teilweise schlichtweg debiles Gesindel oben hielt. Davon lebt noch heute ein Gutteil der englischen Comedy. Es wirkt nach, etwa wenn sich Mitglieder der Arbeiterklasse gegen das Oberschichtenprojekt des Multikulturalismus wehren: sie werden von der linken Oberschicht sofort als primitives „Nazipack“ abqualifiziert. Als Neandertaler! Als Untermenschen!

In der englischen Sprache kann man sofort erkennen, welcher sozialen Klasse der Sprecher angehört: ob er ein „Edelmensch“ mit Oxford English („Posh“) oder nur ein Proletarier mit Cockney English ist. Das ganze Selbstverständnis des britischen Empire beruhte jahrhundertelang auf diesem hereditären und rassisch gebundenen Herrenmenschentum. Man war der Überzeugung, daß aufgrund seiner Geburt und seines „Blutes“ ein britischer Gentleman besser war als alle anderen Menschen auf der Welt, und daß England daher das Recht habe, andere Völker zu führen und auszunutzen. Genau deshalb bewunderten und verehrten die Nazieliten, allen voran Hitler selbst, die Engländer so sehr.

Woher das kurz umrissene Elend in dieser Gesellschaft, die die Nazis so sehr bewunderten? Das, was England groß gemacht hatte, seine Kolonien, hat es auch zerstört, denn durch die gesicherten Absatzmärkte für minderwertige Waren und durch die Einfuhr spottbilliger Rohstoffe wurden zwar die Reichen immer reicher, aber die englische Wirtschaft selbst mußte dabei logischerweise immer mehr auf sozusagen „Dritte-Welt-Niveau“ absinken. Ernsthafte Konkurrenz war praktisch ausgeschaltet, und die Fabriken konnten minderwertigen Ramsch produzieren, der von unterqualifizierten und unterbezahlten Arbeitern produziert werden konnte. Zumal eine Binnennachfrage durch eine einigermaßen materiell abgesicherte Arbeiterschaft dank der Kolonien so gut wie bedeutungslos war. Das war auch der Grund, warum England die aufstrebende Industrienation Deutschland mit einem absoluten Vernichtungswillen verfolgte: langfristig war England für die Deutschen keine Konkurrenz!

England war von der Kaiserzeit bis heute immer wesentlich ärmer und in jeder Beziehung rückständiger als Deutschland. Das konnte man etwa daran sehen, daß die „DDR“ nie Probleme hatte, England als Referenz zu nehmen, wenn es darum ging, das eigene Land mit einem westlichen Land zu vergleichen, insbesondere in Fernsehberichten und sogar bei den wenigen Reisen ins „westliche Ausland“. Bei Westdeutschland wäre der Kontrast zu groß gewesen, bei England fiel er kaum ins Gewicht. Margaret Thatcher wird vorgeworfen, sie habe England „deindustrialisiert“, dabei hat sie nur das Unvermeidliche beschleunigt, denn Englands Industrie war Schrott! Oder man nehme proletarische Protestbewegungen wie die Skins, die Mods und die Punks. Eine Figur wie Johnny Rotten wäre in Deutschland in den 1970er Jahren gar nicht möglich gewesen, weil es keine Elendsquartiere und krassen Klassenunterschiede wie in England gab – und das trotz der totalen Vernichtung im Weltkrieg und des Millionenheers der Umsiedler! Man schaue sich mal an, wo vermeintliche „Punker“ wie die groteske Figur Campino oder Die Ärzte aufgewachsen sind!

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, daß England als ausschließlich „gut“ und Deutschland als ausschließlich „böse“ dargestellt wird. Ein noch größerer Treppenwitz ist es, daß der idiotische Englandanbeter Hitler ein ähnliches Kolonialreich für Deutschland ersehnte.

Selbst Autarkie ist zerstörerisch genug. Man nehme doch nur die USA, die tatsächlich so gut wie autark sind – und in weiten Teilen ein Entwicklungsland. Welcher normale Mensch kauft schon amerikanische Produkte, etwa amerikanische Kühlschränke oder amerikanische Fernseher? Nur der kapitalistische Weltmarkt, dem Deutschland von Anfang an vollkommen ungeschützt ausgesetzt war, garantiert langfristig Wohlstand und ein hohes Lebensniveau aller Bevölkerungsschichten. Rechte und linke Spinner werden das nie verstehen, um Deutschland „zu retten“.

Wie bereits in Teil 6 angedeutet, war Englands ganzes Kolonialsystem vollkommen irrational und kontraproduktiv: es war nichts anderes als Emotionelle Pest – und genau diese Emotionelle Pest richtete England auf Deutschland, das aus englischer Sicht „sterben muß, damit England leben kann“. Aber kein deutscher Geschichtslehrer wird sich jemals trauen, das seinen Schülern zu erklären!

Charles Konia in der Diskussion (Teil 4)

1. Oktober 2025

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia beschreibt den Zusammenhang zwischen dem gesellschaftlichen Zerfall und ADHS: Die Menschen verlieren zunehmend die Orientierung

Zunächst kommentierte 2014 Jonas:

„Das Wort vom „keine Peilung haben“, das heute gängig ist, beschreibt diesen Geisteszustand genau.“

Sehr schöne Übertragung von Konias Beobachtung ins Deutsche! Passt eigentlich noch viel besser als „clueless“.

Ich gab folgendes zum Besten:

Lese gerade in der neuen NEURO-DEPESCHE: bei US-Kindern stiegen die Psychopharmaka-verordnungen allein von 2011 auf 2012 je nach Altersgruppe im 12,5%, 20,4% und 19,4% an. Bei Jungen vor allem wegen ADHS. Aber was ist mit den Mädchen, auch angesichts des obigen Artikels? Dort sind es vor allem Antidepressiva!

O.:

Ich tue mich schwer, der Feststellung Konias (und auch anderer) zu folgen, Menschen wären nach 1960 (oder 68) weitgehend okular gepanzert und kaum noch muskulär. Diese Entwicklung kann ich aufgrund meines Jahrgangs natürlich nicht beurteilen. Aber noch stärker gepanzert als heute, wäre doch wesentlich schlimmer zu beurteilen. Somit wäre eine okularer Panzer quasi ein Fortschritt im Vergleich zu den emotionalen Zombis der Kriegszeiten.

Medikamente sind kein Beweis für ein gehäuftes Auftreten von ADHS oder ADS bei Jungen oder Depression bei Mädchen, da die Pharmaindustrie dies Medikamente in Kliniken und bei Ärzten massiv bewirbt.

Auch der Schluss die Vegetotherapie würde heute nicht mehr wirken, was andere behaupten und dann esoterische Methoden nutzen, beschreibt keinen Wandel der Klienten, sondern einen Wandel im Denken von einigen Medizinern, die zweifelsohne ihrerseits ihre Orientierung verloren haben.

Darauf warf ich ein:

Konia ist ja nicht allein. Ich kann mich gut an einen führenden Psychiater Deutschlands erinnern, der zu einem jungen Kollegen sagte: „Glückwunsch, daß sie sich in [dieser kleineren Stadt] niederlassen, denn hier gibt es noch richtige klassische Neurotiker…“ in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt, etc. liefen ja nur noch Freaks durch die Gegend.

Ein besonderes Kennzeichen mangelnder Panzerung (= Energiebindung) ist der Anstieg des Angst- und „Depressions“-Pegels. Oder beispielsweise auch das auffallende Fehlen von Muskelmasse in den Beinen (die zum Beckensegment gehören). Immer mehr junge „Männer“ mit spindeldürren Beinen und „keinem Arsch in der Hose“. Es fehlt der Ort, an dem die Energie gebunden werden kann und wenn das auftritt, kommt es zur Augenpanzerung.

Daraufhin O.

An dem Argument ist auch was dran, als Tendenz würde ich dem auch zustimmen müssen. Ich bin auch schon froh über jeden Neurotiker den ich sehe.

Sebastian zu O.:

O., ich frage mich seit geraumer Zeit welcher Feststellung Du überhaupt folgst? Was findest Du an der Orgonomie interessant, außer der Charakteranalyse (1933) von Reich und ORANUR?

O. antwortete Sebastian:

Auf eine solche Frage einfach zu antworten, ist nicht so leicht. Ich habe für mich das politische Interesse verloren, da Politik zu gewalttätig ist und mich für Reich zu interessieren begonnen, Schritt für Schritt. Nach der Charakteranalyse (´33) kam der ORAK, der mich überzeugen konnte, dass Orgon existiert. Leider folgte dann auch die Erfahrung mit dem Oranur in Berlin, wo es an Elektrosmog nicht mangelt. An der Orgonomie nach Reich interessierte mich alles brennend. Bakers soziopolitische Typologie war für mich gleich abstoßend und zudem war das Thema Politik mit ihrem Schematadenken (rechts-links) wieder präsent. Dies ist bis heute für mich ein Missgriff gewesen, somit kann ich auch Konia nicht wirklich nachvollziehen. Die Einteilung in Persönlichkeitstypen ist für mich hilfreich, eine Einteilung nach „politischer Gesinnung“ beinhaltet in der Praxis immer die Diskriminierung der anderen Seite, es entsteht ein Schubladendenken, wo der Einzelne nicht zählt.

Ansonsten bin ich konservativ orgonomisch und stehe Abänderungen, die nicht (argumentativ) fundiert sind, sehr skeptisch gegenüber. Inhaltlich folge ich mir und nehme an, was für mich stimmig erscheint. – Natürlich kann ich mich auch irren oder etwas nicht richtig sehen bzw. es nicht verstehen.

Zur einer These stell ich auch gerne die Antithese auf und schaue dann, ob es eine neue Synthese gibt. Und die Synthese könnte auch eines Tages sein, dass ich Peters Haltung mehr folge als ursprünglich angenommen.

Konia argumentiert häufig zu plakativ und suggestiv für mich, wenn er konsistent (nachvollziehbar) argumentiert, mag er mich besser zu überzeugen, doch bei kleinsten „Fehlern“ ist mein kritisches Denken geweckt. Am besten gefällt es mir, wenn ich was lernen kann, überzeugen muss ich mich selbst von etwas. An der Orgonomie ist für mich nur interessant, was ich verstehen und umsetzen kann. Das, was ein Rätsel bleibt, ist ein Ärgernis.

Sebastian wie immer sehr gut:

Was meinst Du mit orgonomisch konservativ? Heißt das, dass Du bis zur Charakterpanzerung zustimmst, den physiologischen Teil aussparst und bei Orgonenergie wieder anfängst?

„An der Orgonomie nach Reich interessierte mich alles brennend.“

Heißt das, dass Du Dich jetzt nicht mehr dafür interessierst?

„Politik mit ihrem Schematadenken (rechts-links)“

Das hätte ich bis vor vllt 1-2 Jahren gut nachvollziehen können, aber heute erscheint mir das eher skurril.

Die Argumentation hinkt. Bei Reichs Charakterologie zählt der Einzelne auch nicht. Es gibt eine begrenzte Anzahl von Charaktertypen, unter die die Gesamtheit der Individuen eingeordnet wird. Reich unterscheidet sogar noch schubladenmäßiger zwischen gerade einmal zwei Typen: triebgehemmt und triebhaft. Oder ein anderes Schema: genitaler und neurotischer Charakter. Das ist nun mal orgonomischer Funktionalismus.

Bei der politischen Charakterologie handelt es sich um die soziopolitische Wahrnehmung von gepanzerten Menschen, deren schubladenmäßige Einteilung Du auch schon bei Reich findest und zwar in der Massenpsychologie sowie in Christusmord.

„eine Einteilung nach ‚politischer Gesinnung‘ beinhaltet in der Praxis immer die Diskriminierung der anderen Seite“

Nein, das ist ein Irrtum. Wenn man außerhalb des politischen Irrsinns steht, „diskriminiert“ man jede Seite, wie es Reich und Baker taten und Konia bis heute tut, weshalb sein neues Buch auch „Neither Left Nor Right“ heißt. Zudem handelt es sich ja auch gar nicht um eine moralische Diskriminierung, sondern um eine medizinische funktionelle Einteilung.

Und wenn ich noch eine Frage zum Schluss stellen darf: Du schreibst, dass Du Dir selbst folgst. Auf der Grundlage welcher Erfahrungen denn? Auf Deiner? Mit wem? Bist Du der Meinung, dass Deine Wahrnehmung besser funktioniert als die der Nachfolger Reichs mit einer abgeschlossenen Orgontherapie?

O.:

Ich antworte hier mal chronologisch ohne zu zitieren, dann bleibt es übersichtlich. Und ich gebe (nur) meine persönliche Meinung wieder, also jeder darf seine eigen haben.

Mit „orgonomisch konservativ“ will ich mich auf WR beziehen und die Nachfolger erst einmal ausklammern. Zur Orgonomie nach Reich gehört eigentlich alles von Reich: von der Charakteranalyse über die Bioelektrizität, Bione bis hin zu dem was ab 1939 kam. Auch die Frühen Schriften sind vorbereitend für die Orgonomie und sollten dazu gehören, ebenso wie die soziologischen Schriften.

Das allgemein politische Geschehen und vor allem die Links-Rechts-Debatten oder das Farbenspiel „braun, schwarz, rosa, rot, grün, röter, orange …“ ist inhaltslos. Reichs EP Begriff beschreibt es wunderbar. Baker und Konia erscheinen mir zu allgemein politisch orientiert und versuchen dies mit Reich zu verbinden. Würde ich die Argumentation als primär orgonomisch motiviert verstehen, würde ich dem noch folgen können. Andersherum bleibt es für mich allgemein politisch mit sekundär orgonomischem Hintergrund, was mir nicht gefällt, weil es wieder in die Diskriminierung abzugleiten droht. Der Hass auf „Linke“ kommt hier pauschal durch und die Blindheit gegenüber Konservativen wird zum Programm.

Eine „medizinische“ Sicht kann ich nicht erkennen, die vermisse ich.

Was ist nun mit den Nachreichianern? Hier bin ich kritisch, die meisten verbergen ihre falschen Motive, Reich dient ihrem Narzissmus und wird für das eigene Ego missbraucht.

Andere versuchen einfach ihr Bestes ohne Reich hintenrum zu zerstören. Positive Anregungen gibt es viele vom ACO, von Eden, Laska, Müschenich, Nasselstein etc. und haben ihre eigene Haltung.

Zur Wahrnehmung:

Wenn man den Kasten kontinuierlich benutzt und dies mit seiner Struktur aushält, wird man nach meiner Erfahrung eine OR-Sensibiliät erreiche und kann auch Oranur wahrzunehmen lernen. „Reichianern“ gelingt dies trotz verfügbarem ORAC komischerweise nicht.

Bei Eden funktionierte es gleichfalls. Ich glaube dass er daher auch eher ein Sonderling für das ACO war und die Zusammenarbeit nicht ganz so eng wurde. Baker und Eden hatten wohl eine Freundschaft, die auch von anderen respektiert wurde. Aber weder bei Baker noch bei anderen amerikanischen Orgontherapeuten ist eine Sensibilität erkennbar. Niemand hat was drüber geschrieben. Auch Blasband und Sharaf haben hierüber keine Informationen geben können. Der ORAC wurde aufgrund der Verfolgung durch die FDA wohl auch kaum genutzt. Selbst DeMeo wusste vor der Niederschrift seines Buches zu wenig über den Bau des ORAC, dass er sich in Berlin beraten ließ.

Meine Wahrnehmung variiert gleichfalls. Ich habe daher die Umstände und Quellen für Oranur in sensiblen Phasen genau erspürt. In unsensiblen Phasen weiß ich dann schon welches Gerät welchen Schaden (Schmerzen) anrichten wird und muss mich dem nicht so aussetzen, wenn es sich vermeiden lässt.

Somit folge ich meiner Wahrnehmung, aber auch meinem Denken und nehme Sätze nicht als gegeben an, weil es eine Autorität geschrieben habe. Gute sachliche Texte und Erfahrungsberichte sind mir immer willkommen.

Körperpsychotherapie und Orgonwahrnehmung korrelieren nicht positiv miteinander. Unter den KPT-lern wird man 50% Oranur unsensible Suchtler finden, die verbal sich Reich zugeordnet haben. Mit Vorträgen über Oranur verjagt man sie schnell.

Hingegen sind ganz normale Patienten oder Menschen viel sensibler für Elektrosmog, so meine Beobachtung.

Eine zu hohe Sensibilität ist auch nicht wünschenswert, weil man zu durchlässig wird und es schwerer fällt sich abzugrenzen. Ich erinnere auch an Eva Reich, die durch die Oranurverseuchung kein Oranur mehr aushalten konnte.

Zur „Charakterkunde“:

Reich ging es nicht um eine „Charakterologie“, sondern um ein Hilfsmittel (Charakter-Diagnostik) für Therapeuten, um den „Neurotikern“ zu helfen – und damit jedem Einzelnen, der in die Therapie geht. Er analysierte den Charakter des (einzelnen) Menschen, daher heißt es Charakteranalyse. Die Methode zur Behandlung war wichtiger als eine Lehre über die Charaktertypen. Um es überspitzt zu sagen, nützt es einem nichts, über seine Charaktereigenschaften Bescheid zu wissen, aber eine Therapietechnik gut angewandt, kann alles verändern.

Analog, glaube ich nicht, dass eine soziopolitischer Charakterologie vom Wissen her viel nutzt – außer zur Etikettierung. Es ist auch zu berücksichtigen, wie lange es gedauert hat, solche Typologien innerhalb der Psychologie zu etablieren. Daher reicht es wohl nicht, sie aus typischen Einzelfällen heraus zu formulieren. Ferner scheint die Typologie nicht universell zu sein, sondern am politischen Verständnis der USA zu hängen. Zu schnell wird hier eine Weltsicht vermittelt und drängt zur politischen Handlung. Reich Arbeitsdemokratie hingegen sollte weiterentwickelt werden.

Erst, wenn man sicher ist in der therapeutischen Technik, sollte sie zur Anwendung kommen. Therapiefehler sind schwerlich reversibel – rückgängig zu machen. Es bedarf also zur Charakterkunde auch einer Theorie.

Sebastian:

Okay, ich verstehe jetzt ein bisschen besser, was Dich an der soziopolitischen Charakterologie stört. Du hältst sie für praktisch irrelevant, weil man damit nur seinen linken Hass ausleben will.

Ich bin ganz anderer Meinung und, seien wir mal ehrlich, Du lehnst sie deshalb ab, weil sie mit Deiner politischen Einstellung kollidiert. Du fühlst Dich davon angegriffen. Aus keinem anderen Grund lehnst Du sie ab.

Peters Einwurf 2025: Eine individuelle Charakterdiagnose (Phallischer Narzißt, Hysterikerin, Paranoider Schizophrener, Manisch Depressiver etc.) und eine soziopolitische Charakterdiagnose wird gestellt, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, d.h. bei gleicher Behandlung bzw. gleichem Umgang kommen ganz andere Ergebnisse heraus. Auch sind die Diagnosen keine Werturteile: ein Phalliker kann extrem krank sein, während ein Schizophrener vergleichbar extrem gesund sein könnte; es gibt liberale ACO-Orgonomen und konservative fanatische Reich-Hasser bei den „Skeptkern“.

Peter 2014:

Menschen mit dürren Beinen und „Individualismus“ und nichts – außer Fassade:

Darauf O.:

Ohne Trend und Uniform kommen sie nicht aus, absolut perfekte und unauffällige Tarnung … alle sind individuell gleich.

Robert (Berlin) mit neuem Thema:

Konia spricht von der westlichen Gesellschaft. Das bedeutet, die anderen Gesellschaften sind autoritäre Gesellschaften mit muskulärer Panzerung und dem althergebrachten Neurotiker. So z. B. in Zentralafrika, wo noch Freuds klassische Hysterikerin anzutreffen ist. D.h. je nach Panzerung in den Kulturen sind die Krankheiten andere.

O.:

Vielleicht ist es ja auch in den USA genau so, wie Konia es beschreibt, für Europa muss dies dann noch lange nicht gelten. In Berlin prägen ja gerade die ewig jugendlich bleibenden Amerikaner das Stadtbild. Im sonstigen Lande gibt es noch genügend Hysteriker, Zwanghafte, Narzissten usw.

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 10)

30. September 2025

Die wissenschaftlichen, technischen und kulturellen Beiträge unserer kleinen Nation (die kaum mehr als 1 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht) zum Fortschritt der Menschheit sind erstaunlich. Unter anderem haben die Deutschen erfunden: den Buchdruck, die Glühbirne, das Auto, den Diesel-Motor, den Fernseher (das allererste gesendete TV-Programm war Hitlers Eröffnungsrede bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin), das Farbfernsehen, den Hubschrauber, den Kaffeefilter, den Teebeutel, die Antibabypille, den Computer, Aspirin, das Telefon (Reis machte vor Edison ein Ferngespräch), die Waschmaschine, das Elektronenmikroskop, das Düsenflugzeug, das Luftschiff (Zeppelin), Bier, Homöopathie, Papier, das Periodensystem der Elemente, den Dynamo, Bakteriologie (Koch 1896), die Straßenbahn, das Motorrad, den Plattenspieler, funkgesteuerte Uhren, den MP3-Player, den Airbag, die Kreditkarte, den Mikrochip, die Kernspaltung, das Röntgengerät und den Scanner! In der Liste der zehn wichtigsten technischen Erfindungen In der Geschichte der Menschheit stammen fünf von Deutschen.

Das waren technische Erfindungen, aber der Einfluß der Deutschen auf die internationale Kultur ist ebenso groß! In der Liste der zehn wichtigsten klassischen Komponisten gibt es sechs Deutsche/Österreicher: Beethoven, Mozart, Bach, Haydn, Liszt, Schubert, Brahms, Schönberg, Wagner. In der Liste der zehn wichtigsten Philosophen der Neuzeit gibt es acht Deutsche/Österreicher: Kant, Hegel, Schopenhauer, Marx, Engels, Nietzsche, Husserl, Wittgenstein. Was wäre die Welt der Physik ohne die Früchte der Forschung von Einstein, Hahn, Meitner, Fahrenheit, Röntgen, Gauß, Ohm, Planck, von Braun, Kopernikus, Heisenberg, Born, Euler, Mach, Meißner, von Ardenne, Warburg, Schrödinger, von Weizsäcker? Und was die Anthropologen, Psychologen und Psychiater betrifft: Franz Boas, Begründer der Kulturanthropologie, Wundt, der erste experimentelle Psychologe überhaupt, Kretschmer, Kraepelin, Jaspers, Kurt Schneider, Wagner-Jauregg, bei dem Reich seine Facharztausbildung absolvierte und der bis heute der einzige Psychiater war, der jemals den Nobelpreis erhielt, Reich, Freud, Adler, Melanie Klein, Karen Horney, Kernberg, Eysenck, etc. Unter den Schriftstellern nenne ich nur Goethe. (Man beachte hier bitte den Beitrag der jüdischen Deutschen!)

Deutsche Sportler gewannen bei den Olympiaden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die meisten Medaillen. Vor allem bei den Olympischen Spielen in Berlin von 1936 dominierten sie alle anderen Länder. Und bis zu seiner Niederlage gegen Lewis war der Deutsche Max Schmeling der weltweit beste Boxer. Auch in der „kulturellsten“ Sportart – dem Schach – waren in den Jahrzehnten vor und nach 1900 die zwei besten Schachspieler der Welt Deutsche/Österreicher (Steinitz und Lasker).

Außerdem denke ich, daß wirklich jeder in der Welt die Namen der 4 Deutschen/Österreicher Luther, Marx, Freud und Einstein kennt. Niemand hat die moderne Welt mehr als diese 4 beeinflußt! Hitler nicht zu vergessen. Wilhelm Reich, der in seinem ganzen Denken sehr „deutsch“ war. (Schließlich erhielt er seinen Vornamen zu Ehren von Kaiser Wilhelm!

Bis vor kurzem galt Deutschland in diversen Umfragen, etwa des BBC, als das beliebteste Land auf der Erde.

Allerdings, obwohl „Nationalstolz“ (Liebe zum eigenen Land, Patriotismus, d.h. Stolz auf die Errungenschaften des eigenen Volkes) ganz natürlich sein sollten, ist dies in Deutschland ein sehr heikles Thema und auch für mich eine mit Konflikten besetzte Angelegenheit. Das ist so, weil unser Stolz (auf die enormen Leistungen der deutschen Geschichte) stets mit starken Schuldgefühlen wegen Deutschlands Rolle im Zweiten Weltkrieg und vor allem in der Schoah vermischt sind. Während Amerikaner „stolz sind, Amerikaner zu sein“, Franzosen und Engländer sehr nationalistisch sind und stolz auf ihre Streitkräfte (einschließlich der Atombombe) und gerne Uniformen tragen, ist bei Deutschen der Nationalstolz irgendwie gehemmt. Beispielsweise wurde vor kurzem jemand von einigen linken Studenten fast zu Tode geprügelt, nur weil er es gewagt hatte, die deutsche Flagge in seinem Garten zu hissen.

In französischen und englischen Städten sind die meisten großen Straßen und öffentlichen Plätze nach den Kriegshelden oder berühmten Schlachten ihrer Nationalgeschichte benannt (wie Avenue Foch, Nelson Square, Trafalgar Square, Waterloo Bridge), und es finden sich überall entsprechende Statuen – während in Deutschland sogar die öffentlich bekundete Bewunderung etwa von preußischen Generälen schlichtweg undenkbar wäre. Es wäre in Deutschland völlig unmöglich, daß eine Straße nach einem unserer großen Siege im Ersten oder Zweiten Weltkrieg oder aus der Zeit der Preußen benannt werden würde. Allein, daß ich sage, es seien unsere Siege gewesen, bringt fast jeden „kritischen Geist“ auf die Palme!

Uniformen, die deutsche Flagge oder das Absingen der deutschen Nationalhymne werden in Deutschland automatisch mit einer rechtsextremen Einstellung verbunden. Diese seltsame Situation resultiert aus gerade mal 12 Jahren Nationalsozialismus (die Hälfte davon ohne Kriegsführung) innerhalb einer deutschen Geschichte von 1200 Jahren, die im allgemeinen weitaus friedlicher verliefen als bei fast allen unseren europäischen Nachbarn.

Wenn du dich also traust zu sagen, daß du „stolz darauf bist, ein Deutscher zu sein“ – wegen Deutschlands enormen Beiträgen zur weltweiten Wissenschaft und Kultur –, kannst du auf die Gegenfrage gefaßt sein: „Wie können Sie es wagen, solche schrecklichen Dinge zu sagen? Haben Sie Auschwitz vergessen?!“ Aber ich habe nie erlebt, daß sich US-Amerikaner Vorwürfe machen wegen der beiden Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, die zigtausende Zivilisten töteten bzw. radioaktiv verstrahlten. Oder daß sich Engländer beschämt oder gar schuldig fühlen wegen der Verbrechen und der Völkermorde des britischen militanten Imperialismus seit Jahrhunderten. Oder das Gefühl, in ihrem Nationalstolz gehemmt zu sein wegen der Opfer der britischen Konzentrationslager in Südafrika, wo sie die Buren internierten. (In einer berühmten Rede sagte Hitler sinngemäß: „Wir haben einfach aus dem Wörterbuch gelernt, was ein Konzentrationslager ist, und das dann von den Briten kopiert!“).

Nicht nur die britischen Konzentrationslager in Südafrika, sondern noch viel mehr die sowjetischen Gulags waren die historischen Vorläufer der späteren deutschen Konzentrationslager. Ich denke, daß die Kompetenz der Kommunisten in Sachen Massenmord von anderen Bewegungen unerreicht ist, einschließlich der der Nationalsozialisten. Heutige Historiker sagen, daß die Opfer des kommunistischen Terrors sich bis auf 100 000 000 Menschen summieren. Man erinnere sich nur all der ethnischen Völkermorde in der UdSSR, der brutalen Schauprozesse der 1930er Jahre, des brutalen Überfalls auf Polen im Herbst 1939, der Folterung von Dissidenten, der Gulags in Sibirien und so weiter und so fort. Ein Teil des polnischen Offizierskorps hat nur überlebt, weil er nicht in sowjetische, sondern in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war. Die Russen haben ausnahmslos alle polnischen Offiziere, derer sie habhaft werden konnten, ermordet.

Es gibt eine einflußreiche Schule in der Geschichtswissenschaft, die die deutschen Kriegsverbrechen und den Holocaust als kaum vermeidbare Gegenreaktion auf den sowjetischen Terror in der UdSSR interpretieren. Es sei auf den Historiker Ernst Nolte und sein berühmtes Diktum, wonach „die Gulags das Prius zu Auschwitz“ waren, verwiesen:

Katholische Familien, die ansonsten kaum etwas mit den Nazis am Hut hatten, wurden zu vehementen Unterstützern der deutschen Invasion in die UdSSR, nachdem sie gehört hatten, wie im spanischen Bürgerkrieg der 1930er Jahre katholische Priester von Kommunisten massakriert und Nonnen vergewaltigt wurden. Viel von dem brutalen Vorgehen der Wehrmacht und der SS in Rußland während des Zweiten Weltkrieges war eine Reaktion auf die unglaubliche Brutalität, die sie beobachtet und von Seiten der Kommunisten erlebt hatten. Wenn zum Beispiel russische Partisanen einen Wehrmachtssoldaten gefangennahmen, folterten sie ihn zu Tode – am häufigsten wurden die Deutschen kastriert und danach mit ihren eigenen abgeschnittenen Genitalien erstickt. Solche bestialischen „asiatischen“ Methoden waren zuvor in Europa unbekannt gewesen!

Nichtsdestotrotz galt die sowjetische Kriegführung gegen Deutschland immer als etwas „Heroisches“, und ich habe nie gesehen, daß je ein Russe ein schlechtes Gewissen wegen der Myriaden von Verbrechen hat, die sich in der russischen Geschichte zugetragen haben – immer wurden nur die Deutschen als die Bösewichte hingestellt. Entsprechend hatte es bei den Nürnberger Prozessen etwas Lächerliches, als die Sowjets forderten, daß alle deutschen Verbrechen streng geahndet werden, während die sowjetischen Ankläger selbst Ozeane von Blut an den eigenen Händen kleben hatten. Auch wurde in Nürnberg z.B. das geheime Zusatzprotokoll zum Hitler/Stalin-Pakt 1939 verschwiegen, aufgrund dessen die sowjetischen Streitkräfte keine zwei Wochen nach dem deutschen Einmarsch in die westliche Hälfte Polens – welcher bis heute als der Beweis schlechthin für die Alleinschuld der Deutschen an der Auslösung des Zweiten Weltkriegs gilt – die östliche Hälfte Polens mit ebenso großer Brutalität annektiert hatten; man erinnere sich an die Opfer von Katyn. England und Frankreich erklärten mit auffälliger Doppelmoral dem Deutschen Reich 1939 wegen des deutschen Einmarschs in Westpolen den Krieg, verbündeten sich aber paradoxerweise mit der UdSSR, die praktisch zeitgleich exakt dasselbe in Ostpolen getan hatte.

Die Nachgeborenen tragen nicht die Schuld, aber sie tragen die Verantwortung, schließlich genießt man ja auch, wie anfangs angedeutet, mit aller Selbstverständlichkeit all das, was an Gutem aus der Vergangenheit stammt. Funktionell betrachtet, gewährten uns unsere Vorväter einen Kredit, den wir abbezahlen, indem wir den Nachgeborenen eine bessere Welt hinterlassen. Zu diesen unseren Aufgaben als Nachlaßverwalter gehört die Aufarbeitung der Vergangenheit, d.h. das Wegräumen des Schutts der Lügen, des Vergessenmachens, der Verdrehungen und der Fehldeutungen, damit ein Neuanfang möglich ist. Das ist die funktionelle Aufgabe des Geschichtsforschers: er dient den Kindern der Zukunft!