
Der Rote Faden (Band 2): 40. Anorgonie
27. Oktober 2023Reich im Kampf gegen den Nihilismus des Westens (Teil 3: Linke Pestratten aus der Hölle)
26. Oktober 2023Die Neue Linke, etwa die „Frankfurter Schule“ oder Saul Alinsky, glaubte nicht mehr an eine Revolution mit Waffengewalt, sondern an das schrittweise Zersetzen des kapitalistischen bzw. neuerdings des „patriarchalischen“ Machtgefüges über viele Generationen hinweg. Es galt die Bildungseinrichtungen, die Medien und die politischen Ämter allmählich zu infiltrieren und sie langsam aber sicher in Marxistische Transformationsagenturen umzuwandeln. Man schaue sich heute die humanwissenschaftlichen Fakultäten an, selbst in den naturwissenschaftlichen geht es nur noch um ideologische Vorgaben („Klima“); man denke an die Rotstrahlung, die von ausnahmslos allen Medien ausgeht, und die Tatsache, daß, egal was immer du wählst, du von den Grünen (Bolschewisten) regiert wirst.
Es ist die Ausbreitung der Emotionellen Pest. Genuin „links“ wird sie dadurch, daß alles über den Kopf geschieht, gemäß der okularen Pathologie, die die Linke kennzeichnet. Alles ist zerebral und „ideologisiert“. Alles dreht sich um „Bildung“ und „Anleitung von oben“, um „ideologische Zersetzungsarbeit“. Nichts ist bodenständig gewachsen, organisch, „basisdemokratisch“ – um einen eigenen Begriff dieser Pestratten zu verwenden.
Reich hatte mit seinem Projekt „Kinder der Zukunft“ formal einen ähnlichen Ansatz, was die Generationenfolge betrifft, doch ging es ihm nicht um Ideologie und die Indoktrination neuer „Bildungsinhalte“, d.h. um die Ersetzung des alten Über-Ich durch ein neues Über-Ich, sondern ganz im Gegenteil um die schrittweise Freilegung der naturgegebenen Eigenheit eines jeden Kindes durch das systematische Ausradieren des Über-Ich. Es geht darum der Natur zu folgen und nicht irgendwelche Kopfgeburten durchzusetzen. Beispielsweise steht bei der Rolle der Frau nicht eine abstrakte „Emanzipation“ (Angleichung an den Mann) im Vordergrund, sondern das Interesse des Kindes, das ohne engen orgonotischen Kontakt zur Mutter emotional so verkrüppelt, daß die Errichtung einer neuen, freieren Gesellschaft von vornherein ausgeschlossen ist. Die Linke hingehen lebt explizit, man denke nur an Herbert Marcuse, von derartigen Seelenkrüppeln. Sie sind ihr neues „revolutionäres Subjekt“.
Apropos Kinder der Zukunft: Shannon Cofrin Gaggero, Mutter von zwei Kindern (2 und 4), schreibt im Internet unter der Überschrift „Preserving My Children’s Innocence Is An Act Of Preserving White Supremacy“ über ihre progressiven Erziehungsmethoden. Zu Beginn spricht sie von ihrem natürlichen Instinkt ihre Kinder zu beschützen, aber, nein, sie will ihre Kinder opfern. Denn von selbst würden ihre privilegierten Kinder nicht von rassischer und klassenmäßig bedingter Ungerechtigkeit betroffen sein. Gegen die Redewendung: „Laßt Kinder, Kinder sein“, wendet sie ein, daß nicht allen Kindern dieses Privileg zuteil wird. Ihre Kinder sollen lernen, daß es Ungerechtigkeit gibt. Sie müssen die „Funktionsweise von Unterdrückungssystemen“ kennenlernen. „Die Benennung der Rasse und der Ungerechtigkeit mit meinen Kindern sind direkte Maßnahmen, die ich jetzt ergreifen kann, um die weiße Vorherrschaft zu überwinden. Ich möchte nicht länger ihre Unschuld bewahren, da dies den Status quo bewahrt. (…) Wie sehen Sie das? Sind Sie bereit, damit aufzuhören, die Unschuld Ihres Kindes zu bewahren, und damit zu beginnen, die weiße Vorherrschaft abzubauen?“
Reich im Kampf gegen den Nihilismus des Westens (Teil 2: Der Tod Gottes)
25. Oktober 2023Man lasse sich auf den allgegenwärtigen Nihilismus ein, der einen umgibt! Es ist, als wenn die gesamte westliche Zivilisation von einem todestrieb-artigen „Es hat doch sowieso alles keinen Sinn!“ infiziert ist. Und das schon seit langer Zeit! Ich verweise auf Nietzsches Analyse der allgegenwärtigen „Dekadenz“; den anorgonotischen „Zuständen“, unter denen die Menschen zu Zeiten Freuds litten (hysterische Ohnmachtsanfälle, Neurasthenie, Wagnerianische Todessehnsucht, etc.). Man schaue sich auch das Gruselkabinett der nationalsozialistischen Führungsmannschaft an: der entscheidungsschwache Hitler, der den halben Tag im Bett gammelte und sein ganzes Leben nicht einen Tag gearbeitet hat; Göring, der schwabbelige Morphinist; der verklemmte Phantast Himmler, der Rouge auftrug und all die anderen haltlosen Gestalten. Das ganze „stramme“ Gehabe der SA und vor allem der SS scheint mir wie ein verzweifelter Selbstheilungsprozeß: plakative „Gepanzertheit“, um der inneren „Schlaffheit“ (Anorgonie) entgegenzuwirken. Ähnlich die muskelbepackten „Superhelden“ in der amerikanischen Trivialkultur. Hollywood scheint sich nur noch um „Superhelden“ zu drehen! Karikaturen von Nietzsches „Übermensch“.
Ob das hierhin gehört? Ich habe mal eine Diplom-Psychologin, die jahrelang mit sicherheitsverwahrten Triebtätern gearbeitet hat, gefragt, wie man denn Kinderficker erkennt: klein, „schwabbeliger“, schlaffer Körper, schwammiges, konturloses Gesicht.
Woher diese Dekadenz, die sich heute vor allem im ekelerregenden Gendergetue und Transunsinn zeigt? Nietzsche sprach vom „Tod Gottes“. Der mache in der „aufgeklärten“ Gesellschaft zwar kaum noch jemand betroffen, doch tatsächlich würde uns durch dieses Geschehen langsam aber sicher der Boden unter den Füßen weichen. Aus orgonomischer Sicht ist es die immer stärker werdende Trennung von unserem bioenergetischen Kern, die mit einer immer weiter um sich greifenden Abnahme an Vitalität einhergeht.
Zurückzuführen ist das auf den Zerfall des christlichen Weltbildes, der Ständegesellschaft, vor allem aber auf die bereits von Goethe am Ende von Faust II problematisierte industrielle Revolution. Man betrachte auch die bis auf Rousseau und Goethes Werther zurückgehende Romantik, die im beschriebenen Nationalsozialismus kulminierte. Heute findet sie ihre Entsprechung in all dem Fantasy-Schwachsinn, mit dem uns Hollywood beglückt.
Gott und die Natur waren verschwunden, der Mensch „aus der Kirche und vom Acker“ verband, doch statt nun frei sein Leben zu leben, fing er an sozusagen Gott und die Natur zu „zitieren“, als hätte er nicht viel mit ihnen zu tun. Die Natur wurde sozusagen zu einem „Bühnenereignis“ wie bei Caspar David Friedrich und „Gott“ wurde wie bei Ludwig Feuerbach sozusagen zu einer Stimme aus dem Off: die Stimme der „humanistischen Moral“. Das ganze Schmierentheater kulminiert gerade bei unseren Grünen denaturierten vermeintlichen Naturfreunden und gemeingefährlichen Moralisten bzw. Gutmenschen. Sie haben beispielsweise die norddeutsche Tiefebene mittels Vogelschreddern („Windkraftanlagen“) lückenlos in eine Industrielandschaft verwandelt und zukünftige Deutsche einer fremdrassischen Terrorherrschaft ausgeliefert.
Man muß ständig „Aktivist“, etwa „antifaschistischer Klimakleber“, sein, um sich stets von neuem Absolution einzuhandeln, ist man doch für alles persönlich verantwortlich. Das machte auch die Anziehungskraft des Marxismus aus: wenn du versagt hast, lag das nicht an dir, sondern ist den Umständen zu schulden. Dergestalt war der Marxismus der perfekte Religionsersatz – und ist es heute in Gestalt seiner Verwesungsreste, mit denen noch immer ständig irgendwas „dekonstruiert“ wird und sei es die eigene Geschlechtszugehörigkeit.
Aber das ganze ist wie angedeutet nicht wirklich neu. Es ist das alte Elend eines „ausgehöhlten“, substanzlosen, anorgonotischen Daseins, infolge einer drastisch gescheiterten Aufklärung, die „Gott“ (die mystisch verzerrte Wahrnehmung des eigenen Bauchgefühls) zur zerebralen Stimme machte, und infolge einer Mechanisierung des Lebens, das die Natur zum kitschigen Schauspiel degradierte. Am Ende steht die „ethische Führung durch die KI“ und der Kampf gegen „den Kohlenstoff“ – d.h. gegen das Leben selbst im Namen „der Natur“. Das „Ausgehöhltsein“ wird heute sofort augenfällig, wenn man sich die neuste Generation von Studenten anschaut: keine Persönlichkeiten mehr, alle die gleiche Meinung, Haltung, Kleidung, Musikgeschmack, die gleiche INNERE LEERE.
Reich im Kampf gegen den Nihilismus des Westens ( Teil 1: Der Tod des Menschen)
24. Oktober 2023Für Reich war Christus ein genitaler Charakter, der sein Anderssein innerhalb der Begriffswelt seines ererbten pharisäischen Judentums zum Ausdruck zu bringen versuchte – bzw. gar nicht anders konnte. Das Christentum entstand aus dem Versuch seiner Jünger diesen Mann irgendwie zu verstehen. Für sie war er ein Mensch, aber auf unbestimmte Weise auch etwas darüber hinaus; nach ihrem jüdisch-hellenistischen Weltbild ein „Gottmensch“. In der griechischen und orientalischen Kirche wurde dann mehr die göttliche Seite hervorgehoben, was ihn unnahbar machte, die Religion „orthodox“ erstarren ließ und ganz zu einem Machtinstrument des Staates machte.
In der römischen Kirche und im Anschluß daran in der evangelischen wurde mehr die menschliche Seite hervorgehoben. Man denke nur an all die Kruzifixe mit dem zerschundenen, erniedrigten und leidenden Heiland, – während im Osten selbst der am Kreuz hängende Jesus noch immer der souveräne Kaiser des Universums ist.
Auf beiden Seiten triumphierte dergestalt die Emotionelle Pest, indem sie den lebendigen Impuls „Christus“ zum Erstarren brachte. Wobei der Westen auch noch der gnostischen Häresie verfiel, die sozusagen das Menschliche, Allzumenschliche an Jesus wieder wettmachen sollte. Aus dem souveränen Herrscher des Universums wurde der Botschafter aus einer Lichtwelt, der die Frohe Botschaft in die absolute Finsternis trägt. Das sieht man im zentralen Satz der Theologie der Westkirche, den ich wie folgt formulieren möchte: „Ohne die Gnade Gottes sind wir alle elende, verkommene Sünder, die die Hölle und die Strafe Gottes verdienen. Jedes gute Potential, überhaupt schlichtweg alles Gute in uns kommt einzig und allein von Gott und der Kraft des Heiligen Geistes, wenn wir uns taufen lassen und unser Herz Christus schenken.“ Dieser Satz ist die Emotionelle Pest des Abendlandes: Du bist weniger als nichts, das Über-Ich ist alles.
Die im Westen triumphierende Gnosis betrachtet die Schöpfung und damit auch jedes einzelne menschliche Herz als zutiefst verfehlt und böse von Natur aus. Wir müssen innerlich ersterben, damit der Lichtbringer aus einer anderen Welt, Christus, in uns leben kann. Das zeigte sich unmittelbar in der Kindererziehung. Kinder, die in evangelikalen und fundamentalistisch katholischen Sekten aufgewachsen sind, können Geschichten aus den Abgründen der Hölle erzählen… Selbst unsere eigenen Kinder sind weniger Wert als Hundekot, wenn wir nicht Christus in sie hineinprügeln. Unsere eigenen Triebe, überhaupt alles an uns, ist des Teufels, solange nicht ganz allein Christus in uns herrscht.
Kann man sich einen schlimmeren Verrat an der „Lehre“ des vor 2000 Jahren ermordeten Christus Jesus vorstellen? In der antignostischen Orthodoxie scheint immerhin das genaue Gegenteil durch: daß die Schöpfung und damit der Mensch von Grund auf gut ist:
Die von Gott gegebene Würde wird durch das Vorhandensein der sittlichen Grundsätze in jedem Menschen bestätigt, die durch die Stimme des Gewissens erkannt werden. Darüber schreibt der heilige Apostel Paulus im Brief an die Römer: „Die Forderung des Gesetzes ist ihnen ins Herz geschrieben; ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab, ihre Gedanken klagen sich gegenseitig an und verteidigen sich” (Röm 2, 15). Namentlich deshalb offenbaren die sittlichen Normen, die der menschlichen Natur eigen sind, wie auch die sittlichen Normen, die in der Göttlichen Offenbarung enthalten sind, den Plan Gottes mit dem Menschen und seine Bestimmung. Sie sind wegweisend für ein glückseliges Leben, das der von Gott geschaffenen Natur des Menschen würdig ist. Das größte Vorbild eines solchen Lebens hat der Welt der Herr Jesus Christus offenbart.
Unwürdig ist das Leben eines Menschen in Sünde, weil es den Menschen selbst zerstört und anderen Menschen sowie der Umwelt Schaden zufügt. Die Sünde stellt die Hierarchie der Beziehungen in der Natur des Menschen auf den Kopf. Statt daß der Geist Macht über den Leib hat, unterwirft er sich in der Sünde dem Fleisch. Der Heilige Johannes Chrysostomus verweist hierauf und sagt: „Wir haben die Ordnung verkehrt und das Böse ist so stark geworden, daß wir die Seele zwingen, den Wünschen des Fleisches zu folgen” (Gespräch 12 Homilien über Genesis). Das Leben nach den Gesetzen des Fleisches ist den Geboten Gottes zuwider und entspricht nicht den sittlichen Grundsätzen, die von Gott in die Natur des Menschen hineingelegt wurden. In den Beziehungen zu anderen Menschen handelt der Mensch unter dem Einfluß der Sünde als Egoist, der sich nur um die Befriedigung seiner Bedürfnisse auf Kosten der Nächsten kümmert. Ein solches Leben ist gefährlich für eine Person, für eine Gesellschaft und für die Umwelt, weil es die Harmonie des Seins zerstört und mit seelischen und körperlichen Leiden, Krankheiten und Hilflosigkeit gegenüber den Folgen der Zerstörung der Umwelt endet. Ontologisch führt ein sittlich unwürdiges Leben nicht zur Zerstörung der von Gott gegebenen Würde, aber es trübt sie so weit ein, daß sie kaum wahrnehmbar ist. Gerade deshalb bedarf es einer starken Willensanstrengung, um die natürliche Würde eines Schwerverbrechers oder eines Tyrannen zu sehen und erst recht, um sie anzuerkennen. (https://www.kas.de/c/document_library/get_file?uuid=5633845a-d204-d782-ad23-56ddf784c6b9&groupId=252038)
Bei allem Kampf gegen „das Fleisch und den Egoismus“, der natürlich auch die Ostkirche prägt, bleibt doch zumindest die Würde des Menschen erhalten. Ich habe das zitiert, weil man hieran sehen kann, wie aus der „Lehre Christi“ sich die frühe Kirchenlehre entwickelte und aus diesem bereits lebensfeindlichen, pestilenten Kern der gnostische Nihilismus des Westens – der schließlich im Tod Gottes mündete.
Der Rote Faden (Band 2): 39. Die Krebs-Schrumpfungsbiopathie
23. Oktober 2023Email [Marx, Nietzsche und Stirner] (2011)
22. Oktober 2023Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 84)
20. Oktober 2023[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Daß Burkes Ansichten über die Natur des Menschen sich kaum mit denen Reichs vereinbaren lassen dürften, ist mir durchaus bewußt. Es stört mich auch, daß Robert Harman das in seinem Aufsatz über Burke gar nicht zur Sprache bringt (Edmund Burke and the French Revolution. The Journal of Orgonomy 30(1), Spring/Summer 1996, S. 20-32). Das scheint symptomatisch zu sein, wenn ich etwa an John Bells orgonomische Analyse von Shakespeares Der Sturm denke (Shakespeare’s THE TEMPEST: Cosmic Dimensions, Comedic Transformations. The Journal of Orgonomy 16(2), November 1982, pp. 244-259). Diese ist zwar stimmig und sicherlich richtig, aber Shakespeares Ansichten über die Natur des Menschen… – der verworfene „Caliban“ ist eben nicht der „gepanzerte Mensch“, sondern Shakespeares Vorstellung des Menschen im Naturzustand – der „Kannibale“, der unter zivilisatorische Kontrolle gebracht werden muß. Konkret waren die nordamerikanischen Indianer gemeint (was ganz praktische Folgen hatte…). Genau dasselbe, sogar explizit in Bezug auf die Indianer, findet sich in Burkes Betrachtungen.
Und trotzdem bleibt da bei Shakespeare und Burke ein unaufgelöster Rest: beide berufen sich dann doch ständig und zentral auf die menschliche Natur – auf die imgrunde rationale menschliche Natur, auf das „Gute und Naturwüchsige“. Das ist ein klarer Widerspruch. Man kann ihn übersehen – und hat einen „Reichianisch“ verkürzten Shakespeare und Burke vor sich. Aber immerhin: es ist bemerkenswert, daß diese „Verkürzung“ überhaupt möglich ist.
Was die heutige „Ideologiefeindschaft“ betrifft: mich erinnert der hemdsärmelige Pragmatismus manchmal fatal an ideologiegesteuertes Verhalten. Man hatte das Ziel (etwa die „klassenlose Gesellschaft“) fest im Auge, da man aber keine Beziehung zur Realität besaß, hat man willkürlich und „pragmatisch“ drauflos agiert. Das gemahnt doch fatal an vieles, was heute so abgeht: „Energiewende“, Gentechnik, Euro, etc. Man springt (aus „ideologischen“ Gründen) „pragmatisch“ ins Wasser, ohne zu wissen, wie tief das Wasser ist und ob man mit Bleischuhen und festgebundenen Armen überhaupt schwimmen kann.
Burke hat zum Thema folgendes zu sagen:
Sie sehen, mein Freund, daß ich dreist genug bin, um in diesem erleuchteten Jahrhundert frei zu gestehen, daß wir im ganzen eine Nation von naturwüchsigen Gefühlen sind, daß wir, statt alle Vorurteile wegzuwerfen, sie vielmehr mit Zärtlichkeit lieben und, was noch strafbarer sein mag, daß wir sie eben darum lieben, weil sie Vorurteile sind, und nur um so wärmer lieben, je länger sie geherrscht und je allgemeiner sie sich verbreitet haben. (…) Viele unserer denkenden Köpfe, weit entfernt, im ewigen Kriege mit den Vorurteilen zu leben, wenden ihren ganzen Scharfsinn an, um die verborgene Weisheit, die darin liegen mag, zu erforschen. Wenn sie entdecken, was sie suchten (…), dann finden sie es klüger, das Vorurteil beizubehalten mit der Weisheit, der es zur Hülle dient, als das Gewand wegzuwerfen und die nackte Weisheit stehen zu lassen, weil ein Vorurteil, das ein Prinzip der Weisheit enthält, zugleich eine Kraft, um dies Prinzip zu beleben, und ein Gefühl der Zuneigung, um ihm Dauer zu verschaffen, bei sich führt. (Betrachtungen, Suhrkamp 1967, S. 146f)
DMF (Diderot, Marx, Freud) waren Radikalinskis der „nackten Wahrheit“, die für die Burkes nur Verachtung übrig hatten. Siehe Marx‘ Ausfälle gegen Burke in Das Kapital und Freuds Ausfälle gegen das ozeanische Gefühl.
Charakter ist alles und Genitalität ist alles
19. Oktober 2023Die gesamte moderne Medizin kann man als eine geradezu systematische Umgehung der Frage nach der Charakterstruktur, d.h. der bioenergetischen Struktur des Organismus, betrachten. Entsprechend stellt die moderne Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie eine einzige Vermeidungsstrategie gegenüber der Genitalität dar.
1.
Patienten können die abartigsten, untherapierbarsten somatischen Erkrankungen haben – trotzdem sind diese oberflächlicher als die Charakterstruktur. „Man kann sie als Komplikationen der Charakterneurosen ansehen. … [Sie] können bei jedem Charaktertypus vorkommen und sind nicht auf den spezifischen Charakter, sondern vielmehr auf die spezifische Panzerung zurückzuführen“ (Elsworth F. Baker: Der Mensch in der Falle, S. 286). Ähnlich verhält es sich mit extremen psychiatrischen Störungen, etwa Baerbocks Sprachstörung. Man kann sie vielleicht „heilen“, aber die Charakterpathologie, die ihren Nährboden darstellt, besteht fort.
Das ist nicht so offensichtlich, weil die charakterliche Störung „peripher“ ist, d.h. letztendlich soziale Ursachen hat (auch die Kindererziehung ist eine „soziale Ursache“!). Man nehme etwa Reichs Beschreibung des Zusammenhangs zwischen charakterlicher Resignation und der Krebsschrumpfungsbiopathie, die das bioenergetische Zentrum des Organismus befällt:
Resignation ohne offenen oder geheimen Protest gegen die Versagung der Lebensfreude muß als eine der wesentlichen Grundlagen der Schrumpfungsbiopathie angesehen werden. Die biopathische Schrumpfung wäre demnach eine Fortsetzung chronischer charakterlicher Resignation im Bereich der Zellplasmafunktion. (Reich: Der Krebs, Fischer TB, S. 223f)
Es gibt Schichten des Lebensapparates verschiedener Tiefe um den biologischen Kern herum. Es gibt höhere und tiefer gelegene Schichten im Biosystem. Es gibt demzufolge oberflächliche und tiefergreifende Störungen der Körperfunktion. Eine akute Atemstörung wird dem Kern des Biosystems nichts anhaben. Eine chronische Atemstörung durch Inspirationshaltung wird chronische Angst erzeugen, aber die biologische Zellplasmafunktion nicht berühren, solange die bioenergetischen Funktionen in den Zellen selbst weitergehen, solange der Organismus weiter kräftige Impulse produziert. Ist aber die Impulsproduktion in den Zellen selbst getroffen, hat die periphere charakterliche Resignation das Zellplasmasystem erfaßt, dann haben wir es mit dem Prozeß der biopathischen Schrumpfung zu tun. (ebd., S. 224)
2.
Generell stehen in der Neurose die prä-genitalen Störungen im Vordergrund (phallisch, anal, oral). Am extremsten in der „okularen“ Schizophrenie (ja, keine Neurose, sondern Psychose). Trotzdem arbeitet sich der Therapeut zum Kern dieser Störungen vor und das ist die genital-orgastische Störung. Die prägenitalen „Frühstörungen“ sind in jedem Fall oberflächlicher als der ödipale Konflikt.
Ärzten, Psychiatern, Psychologen ist das so fremd und unverständlich, weil sie nicht so tief vordringen wie Reich. Ihre Arbeit ist erledigt, wenn die oberflächlichen „prägenitalen“ Symptome verschwinden, d.h. ein neurotisches Gleichgewicht hergestellt ist. Ähnlich wie die eingangs beschriebenen „genesenen“ somatisch Kranken, haben die Patienten zwar ihre psychische Auffälligkeit überwunden und sich wieder in die Gesellschaft integriert, aber das wirkliche Problem bleibt unberührt (siehe dazu den gestrigen Blogeintrag).
Beispielsweise kann eine Schizophrenie geheilt werden, wenn der okulare Block beseitigt ist, doch dann fängt die eigentliche Arbeit erst wirklich an, weil nunmehr der tieferliegende ödipale Konflikt angegangen werden muß. Generell kann man sagen, daß in der Therapie „von oben nach unten“ („von okular zu genital“), vom Oberflächlichen zum Tiefen, von der Oberfläche zum Kern, von der Gegenwart in die Vergangenheit fortgeschritten wird, vom Prägenitalen zum Genitalen, (richtig verstanden!!) vom Unwesentlichen zum Wesentlichen.
Ein orgonomischer Blick auf die moderne Psychotherapie und Psychiatrie
18. Oktober 2023In der modernen Psychiatrie ist der Begriff „Charakter“, der in der Orgonomie so zentral ist, ein Tabu. Bereits Reich hatte Probleme den geisteswissenschaftlich vorbelasteten Begriff „Charakter“ durchzusetzen (Charakteranalyse, KiWI TB, S. 198). Außerdem gehört es zur Natur der institutionalisierten Psychiatrie, daß sie sich nur mit der Oberfläche beschäftigt, d.h. mit den hervorstechenden Symptomen und nach diesen die Patienten einteilt. Demgegenüber hat die Reichsche Diagnose des Charakters nur bedingt etwas mit den präsentierten Symptomen zu tun. Zum Beispiel ist eine Patientin mit Waschzwang mit einiger Wahrscheinlichkeit kein Zwangscharakter, sondern ein hysterischer Charakter, der die prägenitale (anale) zwanghafte Hygiene dazu benutzt, um vor der zwar libidinös besetzten aber mit Angst verbundenen Genitalität hysterie-typisch „wegzulaufen“.
Der Kernimpuls spaltet sich in einen destruktiven Impuls und einen abwehrenden Impuls auf, wobei der letztere in einen Ersatzimpuls (neurotisches Symptom) sozusagen überschießen kann. Die Psychiatrie kapriziert sich auf diesen weit sichtbaren Ersatzimpuls und macht daran laienhaft alles fest, während die Charakteranalyse ihre Diagnose auf den tief verborgenen abwehrenden Impuls gründet. Eine Hysterikerin kann sich beispielsweise in Persönlichkeiten aufspalten, eine „multiple Persönlichkeit“ aufweisen. Für die Orgonomie ist das keine Grundlage einer Charakterdiagnose. Sie richtet den Blick vielmehr auf das Wegrennen (abwehrender Impuls) vor der Genitalität (abgewehrter Impuls). Wie dramatisch und facettenreich sich dieses Wegrennen nun nach außen hin gestalten mag, ist von sekundärer Bedeutung, da es sich ebensogut in einer narzißtischen Persönlichkeitsstörung („ich bin ein Star!“), in Depressionen („ich kann nicht, ich habe Migräne!“), in nerviger Kindlichkeit, in masochistischen Anwandlungen oder sonstwie zeigen kann. Die vollständig verpeilten Psychiater kleben dann jeweils ihre Etiketten dran und merken nicht, daß sie es mit ein und derselben Charakterneurose zu tun haben. Manchmal steht auf diesen Etiketten sogar das exakte Gegenteil des zugrundeliegenden Charakters, da in diesen Fällen die Ersatzimpulse die gleiche Richtung aufweisen wie der abgewehrte Impuls.
In der Freudschen Psychoanalyse werden, so Reich, die Einzelsymptome
ausdrücklich als Fremdkörper in einem sonst gesunden psychischen Organismus betrachtet. (…) ein Stück der Persönlichkeit, hieß es, hat die Gesamtentwicklung zur Erwachsenheit nicht mitgemacht und ist auf einer frühen kindlichen Entwicklungsstufe der Sexualität zurückgeblieben. (…) Dieses Stück gerät nun in Konflikt mit dem übrigen Ich, durch das es in Verdrängung gehalten wird. Meine (…) Charakterlehre behauptet dagegen, daß es neurotische Symptome ohne eine Erkrankung des Gesamtcharakters nicht gibt. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 35f)
Mit ihrem Gerede von diversen „Störungen“ ist die Psychiatrie 2023 noch im gleichen Zustand, den Reich 1923 überwunden hat!
Es ist noch schlimmer, denn das Elend mit der heutigen Psychiatrie ist, daß sie nun auch noch zwei Dinge hoffnungslos durcheinanderbringt: 1. Charakterstörungen, wie sie klassisch Elsworth F. Baker umrissen hat, und 2. die eigentlichen Persönlichkeitsstörungen. Es ist aber entscheidend, das auseinanderzuhalten, denn Charakterstörungen sind eine Funktion der biopsychischen mittleren Schicht, Persönlichkeitsstörungen eine der sozialen Fassade. Dazu gehören Störungen des Selbstbildes und der Beziehung zu anderen Menschen, also „narzißtische““ Störungen. Das wird in der modernen Literatur teilweise gut beschrieben, wenn nur nicht immer wieder Elemente hineingemengt würden, die nicht zur Persönlichkeit (Fassade), sondern zum Charakter (mittlere Schicht) gehören.
Im allgemeinen kann man sagen, daß Persönlichkeitsstörungen sozial auffällig und störend sind, d.h. die moderne Psychiatrie benutzt durchweg letztendlich willkürlich gesetzte soziale Normen (die wiederum nichts anderes als charakterneurotische Normen sind), um die Persönlichkeitsstörungen zu definieren. Gesund ist dann das, was sich in die Gesellschaft einpaßt. Alles, was nicht hineinpaßt, wird als „Persönlichkeitsstörung“ abqualifiziert. Das Über-Ich wird also von der „unpolitischen“ Psychiatrie unterstützt statt unterminiert. Beispielsweise gilt heute das als normal, insbesondere alles, was sich um „Gender“ dreht, was vor noch wenigen Jahren als hochpathologisch eingeschätzt wurde – und umgekehrt, etwa „toxische Männlichkeit“.
Helfen, d.h. objektive, also wissenschaftliche Maßstäbe bieten, kann hier nur die Orgonomie, für die Persönlichkeitsstörungen überall dort auftreten, wo die Fassade nicht mehr in der Lage ist, mit den aus der mittleren Schicht durchbrechenden neurotischen Symptomen fertigzuwerden.
Die mittlere Schicht (bzw. „sekundäre Schicht“) wird mit den Strebungen aus dem Kern fertig (Charakter), die Fassade mit den Strebungen aus der mittleren Schicht (Persönlichkeit). Beispielsweise kann das Unvermögen sekundäre Strebungen zu beherrschen zu einer multiplen Persönlichkeit führen. Die Fassade zersplittert förmlich in diverse Segmente.
Das, was die moderne Psychiatrie, als Therapie anbietet, sind entweder Medikamente, die die Energieproduktion eindämmen (Panzerung wird durch Biochemie hergestellt), oder Gesprächs- und Verhaltenstheapien, die „den Charakter stärken“ (die Symptome werden buchstäblich zurück in den Körper gedrückt, wo sie dann somatisieren – aber das ist dann das Problem des Hausarztes). Außerhalb der Orgonomie gibt es keine Wissenschaft im allgemeinen und keine Psychiatrie im besonderen.
















