Posts Tagged ‘Neue Linke’

Buchbesprechung: REICH – FOR BEGINNERS von David Zane Mairowitz (Teil 3)

16. September 2020

von Paul N. Mathews

 

Der Rest des Buches ist einer von Abneigung geprägten Sicht auf die Vereinigten Staaten in den 1950er Jahren gewidmet, mit ihrer Verurteilung von Alger Hissb als Meineidigem auf Seiten der Roten und der Hinrichtung der „sogenannten ‚Atom-Spione‘ Ethel und Julius Rosenberg“ („auf dem elektrischen Stuhl geröstet“). Er spricht verächtlich von Eisenhower, als „einen Kriegsgeneral, der kaum das Wort ’nuklear‘ aussprechen kann und der Präsident werden soll“. Aus diesem Grund, meint Mairowitz, „kann ein bösartiger Kommunismus-Renegat wie Reich jetzt gar nicht anders, als kräftig in die Schmähungen gegen ‚Rote Faschisten‘, ‚Heckenschützen‘ der Kommunistischen Partei und ‚Chinesische Rote Teufel‘ einzustimmen“. Mairowitz glaubt den letzteren Beschreibungen offensichtlich nicht. Für ihn ist man „bösartig“, wenn man antikommunistisch ist. Interessanterweise habe ich den Begriff „bösartig“ zur Beschreibung eines Nazigegners noch nie verwendet gesehen. Reich wird der Mystifizierung der Kinder beschuldigt, das Konzept der emotionellen Pest leite sich aus seiner „theologischen Vision“ ab, die eine „Quelle des Bösen“ erfordert – und anderen solchen Unsinn. Auf alle Fälle zeugt dieser letzte Teil des Buches von der offensichtlichen linken Orientierung des Autors, auch wenn er in bestimmten Passagen kritisch gegenüber der Linken sein kann – aber als freundlicher Kritiker. Etwas, was er jedoch niemals im Fall der Rechten ist.

Das Buch endet mit dem schließlichen Tod Reichs nach der Verfolgung und dem Prozess durch die FDA. Es gereicht dem Autor zur Ehre, daß er die Nachwirkungen von Reichs Tod in einem „Epilog“c erzählt, in dem er den Missbrauch von Reichs Sexualtheorien durch die Neue Linke, die reaktionären sexuellen Vorstellungen des pädiatrischen Helden der Linken, Dr. Benjamin Spock, und den Wahnsinn derjenigen beschreibt, die Reich als „Irren“ bezeichneten – all dies sollte deutlich machen, was ich mit den „Unklarheiten und Zweideutigkeiten“ des Autors meine.

Dies wird noch durch seine „Schlussbemerkung“ unterstrichen, in der er seine europäische, wiewohl britische, Überlegenheit gegenüber Reichs „derzeitigen Treuhändern, Herausgebern, Übersetzern usw. zeigt, [die] vor allem Amerikaner sind, die ihn erst gegen Ende seines Lebens [d.h. seiner Orgonphase] kannten und die im Allgemeinen seine ‚antipolitische‘ Voreingenommenheit teilen“. Er informiert und warnt seine Leser, dass die gegenwärtige Arbeit der „Reichianer“ sich „nur aus einem schmalen Bereich Reichs entwickelt. Sie spiegeln die eher ‚private‘ Phase von WR wider. Sie sind nicht die Erbsöhne des Mannes, der illegale Abtreibungen (usw.) arrangierte, oder gar des ‚Verrückten‘, der sagte: ‚Wir werden lernen, den mörderischen Formen der Atomenergie die lebensfördernde Funktion der Orgonenergie entgegenzusetzen, um sie damit unschädlich zu machen.’“

Er wirft also die „Neo-Reichianer“ und die „Post-Reichianer“ in einen Topf mit den Orgonomen und versucht, die Ziele der Orgonomie zu ändern, von der Arbeit für den Wandel durch die Erziehung gesünderer Kinder und die Wiederherstellung der Genitalität bei nicht gesunden Menschen hin zu einem politischen Aktivismus der einen oder anderen Art – genau das Gegenteil von Reichs letztendlichen Erkenntnissen und Schlussfolgerungen.

Ich persönlich empfand das Comic-Format geschmacklos, als ablenkend und unangemessen für die Ernsthaftigkeit und Tiefe des Materials, das es zu bieten vorgibt.

 

Anmerkungen des Übersetzers

b Alger Hiss (1904-1996) war ein amerikanischer Rechtsanwalt und Regierungsbeamter, dem Spionage für die Sowjetunion vorgeworfen wurde und den 1950 ein Bundesgericht wegen Meineid zu fünf Jahren Gefängnis verurteilte. Bis zu seinem Lebensende bestritt Hiss die Vorwürfe. Seit der Auswertung sowjetischer Archivmaterialien herrscht unter amerikanischen Historikern die Auffassung vor, dass er Informant der sowjetischen Geheimdienste war. Auch die in Moskau erscheinende Tageszeitung Prawda nannte Hiss einen sowjetischen Spion. (Wiki)

c Zitat aus http://www.lsr-projekt.de/miscwr.html : „Leider fehlen in der deutschen Ausgabe die sieben Seiten des ´Epilogs`, in dem Mairowitz einige Schlaglichter auf die Folgen der fehlgegangenen bzw. ausgebliebenen Rezeption Reichs wirft und auf einige nicht weithin bekannte, aber durchaus wichtige Eigentümlichkeiten der Editionspraxis Reichs und seiner Nachlassverwalter hinweist.“

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 20 (1986), Nr. 2, S. 293-296.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Paul Mathews: Ideologie und das Nichtglaubenwollen

3. Juli 2020

 

Paul Mathews:
Ideologie und das Nichtglaubenwollen

 

Paul Mathews: Ideologie und das Nichtglaubenwollen (Teil 4)

25. April 2020

 

Paul Mathews:
Ideologie und das Nichtglaubenwollen

 

Das Reich des Teufels

25. Januar 2020


Die Linke ist die Partei Satans.

Das Reich des Teufels

Buchbesprechung: THE FREUDIAN LEFT von Paul A. Robinson (Teil 1)

20. Dezember 2019

von Paul Mathews, M.A.

 

Mit seiner Analyse von Reich und Geza Roheim, dem großen Anthropologen, sowie mit seiner politischen Bereinigung von Freud, scheint Dr. Paul A. Robinson (ein Assistenzprofessor für Geschichte an der Stanford University) in diesem Bucha beweisen zu wollen, dass Marcuse der wahre Erbe von allem ist, was an der freudschen Tradition revolutionär war. Zu diesem Zweck lässt er eine beeindruckende Reihe von wissenschaftlichen Dokumenten und Fakten Revue passieren (und das auch noch in einem extrem intellektuellen Jargon), die er neu interpretiert, um Reich und Roheim als Beispiele für den „Freudschen Linksradikalismus“ hinzustellen und als Sprungbretter für den heutigen Aktivismus der Neuen Linken unter Leitung ihres Chefideologen Marcuse. Authentizität dieses Prozesses der Neuinterpretion kann jedoch nur seiner Betrachtung Marcuses zugesprochen werden, der, laut Robinson, Einsicht ins Manuskript hatte und es wohlwollend abnickte. Seine Behandlung von Roheim erscheint äußerst respektvoll, obwohl er in seinen Interpretationen von Roheims Ansichten und Arbeiten voller Anmaßung ist. Bei seiner Behandlung von Reich zeichnet sich seine bösartige Einstellung jedoch am deutlichsten ab.

Unter Reichs Kritikern und Historiographen kann man zwei Grundtypen ausmachen (anders als bei authentischen orgonomischen Biographen): diejenigen, die ihn schlechtweg für inakzeptabel befinden und ihn entweder für irregeleitet oder verrückt (oder beides) halten, und diejenigen, die nur sein Werk der frühen psychoanalytischen und der charakteranalytischen Zeit für akzeptabel erachten. Auch wenn man unter Letzteren jene findet, die nach eigener Einschätzung Reich gegenüber freundlich gesinnt sind und sogar einige wenige, die sich als „Reichianer“ sehen, sind die Ersteren wegen der fehlenden Zweideutigkeit wohl zu bevorzugen. Es ist viel schwieriger, den Mangel an Objektivität gegenüber und den Hass auf Reich bei Letzteren zu erkennen und das macht es leichter, ihren ungenauen Bewertungen mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen. Sie werden die „Brillanz seiner Vision“ anerkennen, wie Philip Rieff in The Triumph of the Therapeutic,1 aber die Gültigkeit seiner Ergebnisse aus Gründen persönlichen Mystizismus, Moralismus oder Politisierens in Abrede stellen. Die zugrundeliegende Motivation ist Hass auf die Genitalität, wie sie durch Reichs Orgasmus-Theorie bejaht wird. Die Implikationen dieser Entdeckung zu verstehen und zu akzeptieren, wäre für sie äußerst verheerend. Ihre einzige Zuflucht ist daher Verzerrung, Gespött und absichtliche Falschdarstellung (genannt „Neuinterpretation“), wie es Rieff, Robinson und Norman Brown2b und nicht zuletzt der ultimative Held von The Freudian Left, Herbert Marcuse, exemplifizieren.

Wortgewandtheit, Verzerrungen, Irrtümer, Falschdarstellungen und glatte Verleumdung würzen Robinsons Darstellung von Reichs Werk.3 Nachsichtig ist er natürlich was Reichs frühe Periode betrifft, die durch seine Beschäftigung mit dem Marxismus und den Versuch, ihn mit der Psychoanalyse in Einklang zu bringen, gekennzeichnet war: „Aus meiner Sicht ist Reich jedoch hauptsächlich als Sozialphilosoph von Interesse, der vielleicht konsequenter als jeder andere die kritischen und revolutionären Implikationen der psychoanalytischen Theorie herausgearbeitet hat“ (S. 10). Er geht aber auch kurz auf Reichs eigene Abkehr von dieser Phase seines Denkens ein und betrachtet diese im Einklang mit dessen „verrückter“ Exkursion in die Orgonomie sowie dessen Antikommunismus: „Während Reichs politische Ideen utopisch waren, können seine biologischen und kosmologischen Spekulationen nur als geisteskrank bezeichnet werden“ (S. 59).

 

Fußnoten:

1 New York; Harper and Row, 1966. (Besprochen in Jg. 2, Nr. 2 dieser Zeitschrift.)

2 In seinem Life Against Death (New York: Vintage Press, 1959).

3 In Anbetracht dessen kann man die Tatsache nicht erklären, dass der Wilhelm Reich Infant Trust Fund dem Autor die Erlaubnis erteilt hat, aus Reich zu zitieren, wie in den Danksagungen des Buches angegeben.

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Paul A. Robinson: The Freudian Left, New York: Harper and Row, 1969. Zu lesen unter https://archive.org/details/freudianleftwilh00robi

b Deutsch unter Zukunft im Zeichen des Eros, Neske Verlag 1962.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 4 (1970), Nr. 1, S. 136-140.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Paul Mathews: People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest

1. November 2019

 

Paul Mathews:
People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest

 

Über Panzerung, Krieg und Frieden

6. Juni 2019

 

Paul Mathews:
Über Panzerung, Krieg und Frieden

 

Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

19. Mai 2019

 

Paul Mathews:
Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

 

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 1)*

3. Mai 2019

 

Paul Mathews:
People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest

 

Paul Mathews: Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters

22. März 2019

 

Paul Mathews:
Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters