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Deutschland und die Emotionelle Pest REDUX (Teil 3)

16. Mai 2019

Die Behauptung, daß das deutsche Kaiserreich imperialistisch gewesen sei, ist ein schlechter Witz, wenn man Großbritannien, Frankreich und sogar das winzige Belgien und die winzigen Niederlande betrachtet, die über Jahrhunderte hinweg zusammen fast den gesamte Globus auf die infamste und unfairste Weise ausbeuteten, während Deutschland auf einen freien Weltmarkt angewiesen war und unter künstlich überteuerten Importen von Lebensmitteln und Rohstoffen litt.

Was Imperialismus damals wirklich bedeutete, kann man am hier willkürlich herausgegriffenen Beispiel Madagaskar ersehen:

Die ersten diplomatischen Beziehungen zwischen dem deutschen Kaiserreich und dem madagassischen Königreich wurden 1883 in einem Freundschaftsvertrag festgeschrieben. Das Ziel der madagassischen Regierung, Deutschland als Verbündeten gegen die drohende französische Kolonialisierung zu gewinnen, wurde allerdings nicht erreicht.

Auf der Kongo-Konferenz 1885 wurde Madagaskar Frankreich als „Interessengebiet“ zugesprochen. 1896 konnte sich Frankreich gegen den Widerstand vieler Madagassen als Kolonialmacht etablieren. Als Manifestation und Symbol der Machtübernahme wurde noch im gleichen Jahr die letzte Königin (!) von Madagaskar Ranavalona III. abgesetzt; Madagaskar wurde eine französische Kolonie. In dem folgenden halben Jahrhundert beuteten französische Unternehmer Glimmer- und Grafitminen aus und betrieben Kaffee- und Reisplantagen. Die einheimische Bevölkerung wurde durch das Apartheid-ähnliche System des Code de l’indigénat massiv unterdrückt. Zwei nationalistische Rebellionen 1915 und 1929 wurden von Frankreich niedergeschlagen.

Vom abgrundtief verbrecherischen Krimkrieg Englands gegen Rußland Mitte des 19. Jahrhunderts, wo es einzig und allein um die Handelsinteressen der Lords ging, bis zum Giftgas-Massaker der Briten 1919 in Mossul – als die Araber so dumm waren, das Selbstbestimmungsrecht der Völker ernstzunehmen – davon will ich erst gar nicht anfangen. (Sie haben übrigens richtig gelesen: GIFTGAS.)

Deutschland war zu Beginn des 20. Jahrhunderts sicherlich die eine Macht, die sich am unteren Ende jedes denkbaren „Emotionelle Pest-Indexes“ bewegte! Man denke nur an die widerliche Propaganda im Ersten Weltkrieg, beispielsweise hier. In Deutschland gab es nichts auch nur annähernd Vergleichbares! Es gab auch keine Ausgangssperre für Neger, jede Nacht zwischen 20.30 Uhr und 8.30 Uhr, wie in dem Hollywood, das einen solchen antideutschen Dreck produzierte – und bis heute ungebrochen produziert.

Gut, man kann es hin und her schieben, wie man will: „Deutschland hat sich auch einiges geleistet!“ Man komme mir aber bitte nicht mit dem von der „DDR“ lancierten Ammenmärchen von den Herero in Deutsch-Südwest! Imgrunde gab es nur einen wirklichen Unhold im Ersten Weltkrieg: die Vereinigten Staaten von Amerika. Die hatten nichts, wirklich gar nichts in Europa verloren. Ohne sie wäre es irgendwann 1919 zu einem Waffenstillstand aufgrund vollkommener Erschöpfung der Kriegsparteien gekommen. Deutschland hat nur unter Vorspiegelung falscher Tatsachen durch Präsident Wilson die Waffen niedergelegt im irrigen Glauben, dies wäre sozusagen eine Vorwegnahme des erwähnten „Erschöpfungsfriedens“. Daß Wilson ein pseudoliberaler pestilenter Charakter war, habe ich bereits in Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 1) angeschnitten. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, haben dann US-Diplomaten dafür gesorgt, daß im Versailler Vertrag Deutschland die alleinige Verantwortung für den Krieg zugeschoben wurde. Damit wollten die USA Frankreich und Belgien beschwichtigen…

Deutschland und die Emotionelle Pest REDUX (Teil 1)

14. Mai 2019

Anläßlich der anstehenden hundertjährigen Feier des Versailler Diktats dient dies der Erinnerung an meinen umfangreichen (im Sprech der Roten Faschisten) „geschichtsrevisionistischen“ Aufsatz Deutschland und die Emotionelle Pest und, apropos Geschichtsrevisionismus, seine „deutschen Opfermythen“.

In einer quasi offiziösen Verlautbarung heißt es über den Schandfrieden:

Der Friedensvertrag von Versailles wird in der heutigen Forschung gleichermaßen als zu hart und zu milde bewertet. Das Vertragswerk erwies sich ohne Zweifel als eine schwere Bürde für die junge deutsche Demokratie. Gleichzeitig waren die Bedingungen des Friedensvertrages aber weniger rigoros ausgefallen, als dies aufgrund der Gegebenheiten möglich gewesen wäre. Der Vertrag besaß durchaus einen Kompromißcharakter, wenn er auch nicht den deutschen, realitätsfernen Hoffnungen auf einen milden „Wilson-Frieden“ entsprach. Das Deutsche Reich konnte trotz des Vertrages seinen Status als europäische Großmacht behalten und man hätte, bei geduldigem Vorgehen, auf längere Sicht wieder eine aktive Rolle in der europäischen Politik spielen können. Die außenpolitische Bewegungsfreiheit hatte sich durch die Abdrängung Rußlands aus Mitteleuropa und durch die anhaltende Fokussierung auf innenpolitische Probleme in Rußland sogar vergrößert.

So weit, so gut, man darf aber nicht das eigentlich Perfide an diesem Vertrag vergessen: daß Deutschland seine Reparationszahlungen nur hätte leisten können, wenn es freien Zugang zum Welthandel gehabt hätte, aber genau dieser wurde Deutschland verwehrt. Das war ja auch das eigentliche Kriegsziel der Alliierten! Dieser antideutsche Grundimpetus setzt sich über den Zweiten Weltkrieg hinweg bis heute fort. So verglich Le Figaro den Vertrag von Maastricht mit dem Vertrag von Versaille:

Die Gegner von Maastricht fürchten auch, daß die Einheitswährung und die europäische Zentralbank die Überlegenheit der Mark und der Bundesbank festigen würden. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn der Vertrag angewandt wird, muß Deutschland seine Geldmacht teilen, die es heute gebraucht und mißbraucht, indem es sich die Wiedervereinigung vom Ausland bezahlen läßt. „Deutschland wird zahlen“, sagte man in den zwanziger Jahren. Heute zahlt es: Maastricht, das ist der Versailler Vertrag ohne Krieg.

Was immer man über diesen m.E. geradezu „genozidalen“ „Vertrag“ sagen mag, darf man das nicht sagen eingenebelt von den propagandistischen Hirngespinsten von Deutschland als „Obrigkeitsstaat“ und Hort der Barbarei („Hunnen“), gegen den es galt die Zivilisation zu retten. Das deutsche Kaiserreich war sicherlich keine Demokratie im westlichen Sinne, aber eben auch alles andere als eine Diktatur. Es hatte einen gewählten Reichstag, der den Haushalt kontrollierte, und einen Bundesrat, der die Interessen der verschiedenen Länder vertrat, aus denen sich das Reich zusammensetzte. Nur Elsaß-Lothringen wurde unmittelbar vom Kaiser regiert (in Preußen war er in Personalunion der König). Deutschland war eines der ersten Länder mit allgemeinem Wahlrecht – wenn auch ohne Frauen, obwohl es bereits 1918 das volle Frauenwahlrecht einführte, während es in England und Frankreich erst 1928 bzw. 1944 soweit war. Vor allem war das Kaiserreich aber ein Rechtsstaat. Ein armer Bauer konnte einen Herzog vor Gericht zerren. Das damals zusammengestellte „Bürgerliche Gesetzbuch“ gilt ungebrochen bis heute. Tatsächlich war das deutsche Kaiserreich historisch der erste moderne Wohlfahrtsstaat, der mit Jahrzehnten Vorsprung Pionierarbeit für andere Staaten leistete. Bereits 1883 wurde die obligatorische Krankenversicherung für die Arbeiterklasse durch den Staat eingeführt, 1884 die Unfallversicherung, 1889 die Altersrente und die Invalidenversicherung. Auch nach heutigen Maßstäben brauchte sich Deutschland hinter keinem Land dieser Welt verstecken.

Die höchst fortschrittlichen soziale Errungenschaften in Deutschland waren etwas, von denen die Arbeiter der viel reaktionäreren Klassengesellschaften in Frankreich, England (mit seinem „Manchester Kapitalismus“) oder gar dem zaristischen Rußland nur träumen konnten. Verglichen mit dem herzzerreißenden Elend englischer Fabrikarbeiter im viktorianischen Zeitalter oder der extremen Armut des russischen Volkes (beide wurden von einer kleinen Gruppe von dekadenten „Herrenmenschen“, unglaublich reichen Adeligen, erbarmungslos ausgebeutet) war die soziale, wirtschaftliche und rechtliche Situation der unteren Klassen im deutschen Kaiserreich wesentlich besser.

Im Gegensatz zu Frankreich, England und Rußland hatte das Kaiserreich eine florierende Mittelschicht. Vor allem die Handwerkergilden waren mächtig, wohlorganisiert und hatten einen hohen gesellschaftlichen Rang. Sie bildeten eine expandierende Bürgergesellschaft (zwischen den Proletariern und den wohlhabenden Adligen), so daß ein fleißiger Handwerker oder Besitzer einer Manufaktur mit Adligen durchaus wirtschaftlich konkurrieren konnte. Dies war eine wirklich fortschrittliche und zutiefst „demokratische“ Entwicklung. Der Kaiser konnte keine Politik gegen die Mehrheit seines Volkes machen, zumal das Land von seiner Struktur her im krassen Gegensatz zu England (London) und Frankreich (Paris) nicht zentralistisch organisiert war.

Im Kaiserreich war die vertikale soziale Beweglichkeit viel höher als in vergleichbaren Ländern. Wenn du als Sohn eines ungelernten Arbeiters in den Docks von Liverpool geboren wurdest, war zu 99% vorgezeichnet, daß du in den unteren Klassen verbleiben wirst. Rußland war in dieser, und jeder anderen, Hinsicht das Schlimmste. Entsprechend waren die deutschen Sozialdemokraten (übrigens ganz im Geiste der fanatischen Rußland-Hasser Marx und Engels!) im Ersten Weltkrieg besonders bestrebt, gegen Rußland zu kämpfen, denn der Zarismus stand für eine äußerst reaktionäre Klassengesellschaft, die die Bedürfnisse der Bevölkerung mißachtete.

Das Kaiserreich war also (im Verhältnis zu anderen Monarchien und sogar zu einer Republik wie Frankreich) eine bemerkenswert moderne Gesellschaft. Das wurde durch die wirklich beeindruckende Entwicklung der technischen und naturwissenschaftlichen Revolution in Deutschland zwischen 1871 und 1914 verstärkt und beschleunigt. Wobei dieser Wohlstand nicht, wie in England, Frankreich, Belgien und den Niederlanden auf Jahrhunderten des Kolonialismus beruhte. Die Geschichte des deutschen Kolonialismus war auf kleine Gebiete beschränkt und dauerte gerade mal 30 Jahre an! Man vergleiche das mit dem britischen Imperium, das ein Drittel der Welt beherrschte…

Nachbemerkungen zu Dr. Koopmans Artikel (Teil 1)

9. April 2019

Barbara Koopmans in den vergangenen fast drei Wochen in neun Teilen hier erschienener Artikel ist nicht nur von historischem Interesse, sondern ist angesichts des neuerlichen Marihuana-Hypes, der alle Grenzen sprengt, aktueller denn je. Ich für meinen Teil kann in einem durch und durch gutbürgerlichen und geradezu „provinziellen“ Stadtteil am Rande Hamburgs buchstäblich nicht mehr die Wohnung verlassen, ohne Marihuana zu riechen. Praktisch in jedem Treppenhaus, das ich betrete. Beim Durchqueren des Kleingartenvereins. Auf dem Weg zum Supermarkt. Ich wette schon mit mir selbst, etwa wenn ich zur Post gehe, – und verliere fast immer. Ich denke, ich habe es geschafft, schon schlonst ein Jugendlicher an mir vorbei und mit ihm das Aroma von Shit. Man kann geradezu paranoid werden: alle scheinen bekifft zu sein. In Münster, d.h. in der Nähe der Niederlande, sind alle bekifft! Jedenfalls alle Jugendlichen.

Es macht nicht nur eine Orgontherapie unmöglich, wie Koopman als erste feststellte, sondern es verunmöglicht überhaupt jedweden tieferen menschlichen Kontakt. Ich jedenfalls stelle mit Erschrecken fest, daß ich Jugendliche nur noch als Gegenstände wahrnehme. SIE HABEN DIE EMOTIONALE PRÄSENZ EINES STRASSENBEGRENZUNGSPFOSTENS ODER EINER PARKBANK. Gleichzeitig tun diese Nichtentitäten so, als hätten sie den Durchblick. Man denke nur an die verpeilten und einfach nur peinlichen „Freitagsdemonstrationen“.

Nach neuerer orgonomischer Theorie verändert Marihuana die Wahrnehmung, indem Emotionen in Sensationen (Empfindungen) und Gedanken transformiert werden. „Unter dem Einfluß von Marihuana entwickelt man ‚bemerkenswerte‘ Sensationen und ‚erstaunliche‘ Gedanken – alles auf Kosten des emotionalen Kontakts“ (Crist: An Adolescent Comes Out of the Fog of Marijuana. The Journal of Orgonomy 50(1)).

Als Kind hatte ich die Neigung, wenn die Emotion, d.h. der zwischenmenschliche Kontakt zu stark wurde, aus der Situation sozusagen herauszutreten, indem ich ganz gefühlsneutral etwa Tapetenmuster bewunderte und die Situation im Kopf „analysierte“ – und fühlte mich ob meiner Beobachtungsgabe, „Mustererkennung“ und weltbewegenden Einsichten plötzlich überlegen. Nur gut, daß ich mein Leben lang „krankhaft“ straight war, denn Drogen, insbesondere aber Marihuana, verunmöglichen die Selbsteinsicht. Das ist auch einer der Gründe, warum es die Therapie verunmöglicht. Oder mit anderen Worten: es verdammt den Kleinen Mann in alle Ewigkeit ein Kleiner Mann zu bleiben!

Wenn man sich „Emotion → Sensation“ plastisch vergegenwärtigen will: es ist der gesamte Inhalt der modernen „Kunst“. „Texturen“ auf der Leinwand, „Konzeptkunst“, Joseph Beuys, etc. Cannabis verstärkt diese für die Zeitepoche typische Flucht ins Zerebrale auf „pharmazeutische“ Weise.

Ergänzungen zur BIBLIOGRAPHIE DER ORGONOMIE

23. Januar 2019

BibliographiederOrgonomie - Kopie

32ed und 32ee in http://www.orgonomie.net/hdobiblio.htm
36sa in http://www.orgonomie.net/hdobiblio3.htm
38fa bis 38fe ebenfalls in http://www.orgonomie.net/hdobiblio3.htm

Iggy Pop und das Orgon

14. September 2018

Iggy Pop ist ein Phänomen, weil er stets die Spontanität zelebrierte (inspiriert vom Gottmenschen John Coltrane), keine Maske trug, sondern (im wahrsten Sinne des Wortes) stets nackt auftrat und weil er in seinen Songtexten und Statements immer unprätentiös war und außer Lebensfreude keine „Botschaft“ hatte. Ein durch und durch wunderbarer Mensch, der erfaßt hat, worum es im Leben geht: meide das DOR und suche das OR. „Wenn du Scheiße riechst, versuch wegzukommen, und wenn du etwas Schönes entdeckst, dann nichts wie hinterher.“ Das sei die einzige wichtige Lektion, die ihn das Leben gelehrt habe.

Als ich das Leben in vollen Zügen genoß, bin ich auf ein Interview mit ihm im Magazin mobil der Bundesbahn gestoßen. In den 1970er Jahren lebte er jahrelang auf der Insel Westberlin und konnte als Amerikaner problemlos Ostberlin besuchen. Hamburg und München seien „bunt“ gewesen, Berlin jedoch „schwarzweiß“, aber generell seien in Deutschland die Farben extrem „blaß“. Das kontrastiert er mit Kalifornien und Miami, wo er gegenwärtig lebt:

Deutschland ist ein blasses Stück Land, ein sehr blasses, mit einem ganz speziellen grauweißen 360-Grad-Licht, während man in Kalifornien ein heftiges Sonnenlicht sieht, das alles zu einem gelblichen Relief macht. Bei mir zu Hause in Miami haben wir hingegen eine Art rosafarbenes Streulicht, Es ist, als würde man alles durch ein Glas Champagner ansehen.

Das sind nicht nur Beschreibungen der Lichtverhältnisse auf verschiedenen Breiten- und Längengraden und in unterschiedlichen Klimazonen. Der Künstler Iggy Pop, der davon lebt, sich von der Welt „beeindrucken“ zu lassen und das dann komprimiert wieder „auszudrücken“, nimmt die unterschiedlichen Erregungszustände der atmosphärischen Orgonenergie wahr. Das DOR der „DDR“, wo die Lebendigkeit, „die Farbe“, aus der Atmosphäre verschwunden war, verglichen mit der „Buntheit“ des Westens. Die Farbe Orgonit (scheinbar schattenloses, von überall kommendes „weißes Tageslicht“) in Deutschland. Die generelle „Blässe“ und „Gedämpftheit“ Deutschlands, bedingt durch eine hohe Luftfeuchtigkeit und der damit einhergehenden „atmosphärischen Anorgononie“. Im Vergleich dazu die hohe Orgonität der USA, die jedem Besucher sofort auffällt und die Atmosphäre in Gelb- und Rosatönen erstrahlen läßt. Hier anale Kontraktion („Scheiße!“), dort phallische Expansion („Fuck!“). Und dann die atmosphärischen Nuancen zwischen den beiden quasi mediterranen Provinzen der USA, Kalifornien und Florida. Es sei nur daran erinnert, wie van Gogh die atmosphärische Orgonenergie in seinen Bildern ausdrückt; der Kontrast zwischen den „deutschen“ Niederlanden und der Provence. Künstler sind wandelnde Orgonenergie-Meßapparate, die die quantitativen vor allem aber qualitativen Unterschiede der atmosphärischen Orgonenergie „messen“.

Historische Vorworte zur niederländischen Ausgabe von „Die Sexualität im Kulturkampf“ (Teil 2)

9. Juni 2018

VORWORT
ZUM ZWEITEN DRUCK DER NIEDERLÄNDISCHEN AUSGABE

Das politische und soziale Leben in den Niederlanden steht seit der Befreiung im Abschwung. Die klerikale Reaktion gewinnt an Boden und die Beschränktheit im Bereich der Sexualmoral nimmt mit jedem Tag zu.

Übrigens ist der Rückfall nicht auf die vorherrschenden Ansichten über Sexualität beschränkt, die Freiheit an sich steht auf dem Spiel. Was bedroht ist, gehört nicht ausschließlich zu den spirituellen Werten einer Handvoll fortschrittlicher, bewusster Menschen (und das ist glücklicherweise, auch jetzt, viel mehr als eine Handvoll), die ein Interesse am Ausgang des Kampfes zwischen Sklaverei und Freiheit haben, was jetzt in fast allen Bereichen des Lebens vor sich geht.

Daher ist die Neuauflage von „Sexualität und neue Kultur“, (die erste Ausgabe erschien 1939) eine der populärsten Arbeiten von Dr. Wilhelm Reich, dessen Bücher in der Regel nicht leicht zu verdauen sind, eine mutige Tat.

Mutig nicht nur wegen der ungewöhnlichen Offenheit mit der Reich über das Problem Sexualität schreibt, sondern vor allem, weil Reichs Ansichten sehr revolutionär sind und von allen Seiten angegriffen werden.

Die Seite Reichs zu wählen bedeutet in Vielem, auch in den fortschrittlichsten Kreisen, eine Bombe platzen zu lassen; die oft aus unbewussten, schwer zu formulierenden Motiven aufbrodelnden Widerstände gegen Reich bleiben äußerst stark. Ein bemerkenswertes Phänomen ist zum Beispiel, dass es in unserem Land bisher nicht gelingen durfte, Anhänger für die Theorien Wilhelm Reichs zu gewinnen. Einige Intellektuelle, selbstverständlich aus progressiven Haushalten, haben sich die Mühe gemacht, Reichs Schriften genauer zu studieren; sie haben sowohl schriftlich als auch verbal mutige Versuche gemacht, die neuen Theorien den Arbeitern näher zu bringen, aber leider erwies sich der Widerstand als zu stark. Die seltenen Bücher und Broschüren sind nicht verschwunden, nur hier und da findet man im Bücherregal eines links Orientierten ein fast vergessenes Stückchen Reich. Ein Gespräch darüber führt meist zu einem negativen Ergebnis: Man scheint von ihm nicht sonderlich beeindruckt gewesen zu sein, zumindest nicht in dem Maße, dass man die revolutionäre Bedeutung von Reich auch und vor allem für die traditionellen Ansichten zur Revolution sehen möchte. Die am häufigsten gehörte, aber auch die einfältigste Sichtweise, mit dem man das Gespräch gewöhnlich beendet, ist: „Nun, es war natürlich eine große Sache diese Theorie so darzustellen, aber seine Position ist schon wieder passé.“ Da zielt man denn auf die oft geäußerte Kritik, die darauf hinausläuft, dass Reichs bewiesener Zusammenhang zwischen sexueller Unterdrückung und Sklavenmoral schwer zu argumentieren scheint, dass aber die freieren sexuellen Beziehungen unter den heutigen Jugendlichen noch keine Garantien für ein wachsendes soziales Verantwortungsbewusstsein gezeigt haben. Diese Kritik ist oberflächlich und an den Haaren herbeigezogen. Denn die sexuellen Beziehungen, die sich ein Teil der heutigen jungen Menschen erlauben, deutet noch nicht auf das Vorhandensein einer wirklichen freien Sexualmoral hin. Sie ist schwer belastet mit Angst- und Schuldgefühlen, sie ist oft wenig mehr als „Onanieren zu zweit“. Übrigens gibt es noch mehr zu berichten über diese „Widerlegung“ von Reich, was jedoch die Spannweite eines allgemeinen Vorworts übersteigt.

Ein Vorwort bedeutet normalerweise nicht, eine Analyse des Autors oder des initiierten Buches zu geben, sondern eine Bemerkung über die Bedeutung der vorliegenden Ausgabe zu machen und den Leser daran zu erinnern, warum das eingeführte Buch für ihn von Interesse sein könnte.

Also muss ich zu meinem Ausgangspunkt zurückkehren. Zu Beginn meines Vorwortes habe ich eine Verbindung zwischen der Neuauflage dieser Übersetzung und der Bedrohung der Freiheit gelegt, die jetzt in eine akute Phase eingetreten ist. Sobald man den Kern von Reichs Ansichten erreicht hat, ist diese nicht schwer zu entdecken. Es ist sehr schwierig, diese Ansichten kurz zu formulieren, sie sind sehr schwer auf den Punkt zu bringen. Versucht man dies, so bleibt die gefundene Formel sehr ungenügend und unvollständig. Mit dieser Einschränkung muss Folgendes gelesen und kritisch gegenüber dem tatsächlichen Inhalt dieses Buches getestet werden.

Das Problem der Freiheit, so Reich, hat sehr viel, wenn nicht gar alles, mit der Sexualmoral zu tun. Die wirtschaftliche und geistige Sklaverei im Kapitalismus hat ihre Wurzeln in der Unterdrückung der natürlichen Triebbefriedigung. Dieser einfache Indikator weist in Richtung einer Synthese, die im Gehirn Reichs stattgefunden haben muss, nämlich eine bemerkenswerte Zusammenfassung zweier Denkweisen, die jeweils ihre eigenen Gründe abdecken und nach der Auffassung einiger Autoren sich total widersprechen: der historische Materialismus von Marx-Engels und die Psychoanalyse von S. Freud.

Die zunächst von Freud angenommene Spannung zwischen Lebenstrieb und Todestrieb wurde von Dr. Wilhelm Reich, von der Psychoanalyse und von Anhängern der marxistischen Theorie des dialektischen Materialismus in Frage gestellt und überarbeitet als grundsätzlicher Gegensatz zwischen dem Individuum und der Außenwelt, in diesem Fall der kapitalistischen Gesellschaft.

Und er beweist weiter, wie eng die Sexualmoral mit der Ideologie der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft verwoben ist. Er kommt dann zu einigen Schlussfolgerungen, wovon die Wichtigste wohl diese ist: Rebellion gegen den Kapitalismus ist für die Arbeiterklasse nur negativ, wenn die Akzeptanz der sozialen Revolution nicht einhergeht mit der Eroberung einer neuen, eigenen Sexualmoral für sich selbst und die Gesellschaft. Tatsächlich kommt man nach dem Lesen von Reichs Büchern zu dem Schluss, dass die soziale Revolution sinnlos ist, solange der revolutionäre Geist sich nicht erstreckt auf den ganzen Menschen, sein Denken, Fühlen und Handeln, besonders mit Bezug zur Sexualität.

Die Akzeptanz von Obrigkeit, Autorität, Unterwerfung hängt weitgehend davon ab, in welchem Maße man seine sexuelle Moral unmittelbar und kritiklos der allgemeinen bürgerlichen Auffassungen entliehen hat, die in der Verneinung und das Verpöntsein des Sexualtriebs wurzeln.

Das meinte ich, als ich Reichs Buch eine aktuelle Bedeutung zuerkannte. Zurzeit erscheinen unzählige Bücher über das Sexualleben des Menschen, jedoch vermochte sich keiner soweit vorzuwagen wie Dr. Wilhelm Reich, so dass trotz der Vielfältigkeit des Lesematerials dieses Buch einzigartig bleibt, das nun einem erbitterten Kampf ausgesetzt sein wird.

Nichtsdestotrotz ist es notwendig, dass das Problem noch einmal aufgeworfen wird, und deshalb müssen wir der Herausgeberin für ihre mutige Tat dankbar sein. Besonders jetzt, wo die römische Heuchelei mehr Einfluss gewonnen hat, als es der Freiheit guttut.

Zu diesem Zeitpunkt ist eine große Dosis Zivilcourage vonnöten unter diesen Umständen für das Recht sexueller Befriedigung zu plädieren, für die Anerkennung der Sexualität als ein wertvolles Element des Lebens, für das Recht eines jeden Menschen auf Glück, das ohne sexuelles Glück unvollkommen ist.

Man braucht nicht in jeder Hinsicht mit den Ideen Wilhelm Reichs übereinstimmen, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass der Aufbau eines sozialistischen Lebens- und Weltbildes die Annahme der vollständigen sexuellen Befriedigung einschließen muss, ohne die der Mensch kein Mensch und die soziale und kulturelle Freiheit keine Freiheit sein kann.

Deshalb bildet die Neuauflage dieser Übersetzung einen Beitrag zur Verteidigung der Freiheit in den Niederlanden.

Möge dies von allen verstanden werden, die die Freiheit lieben, die verstehen, dass ein Mensch ohne Freiheit nichts als ein Haus- und Arbeitstier ist.

JACQUES REES

Historische Vorworte zur niederländischen Ausgabe von „Die Sexualität im Kulturkampf“ (Teil 1)

8. Juni 2018

Einführung [von Robert (Berlin)]

Es gelang mir nach langer Zeit, jemanden zu finden, der des Holländischen mächtig ist und bereit war, die zwei holländischen Vorworte ins Deutsche zu übersetzen. Die Vorworte sind allenfalls von historischer Bedeutung und bringen keine neuen Erkenntnisse. Die erste Ausgabe des Buches mit dem Vorwort von Max von Prag, „Sexualiteit En Nieuwe Cultuur“ erschien 1939 bei Uitgeverij voor Sociale Psychologie [dt. Verlag für Sozialpsychologie], Rotterdam. Es stellt die Übersetzung von Die Sexualität im Kulturkampf, 1936, dar. Eine weitere, von Reich nicht genehmigte Neuauflage erschien dann 1949, mit einem weiteren, hier mitübersetzten Vorwort von Jacques Rees.

 

EINLEITUNG

Ich werde gerne die Bitte erfüllen, ein kurzes Vorwort zu diesem Buch zu schreiben. Es ist keine leichte Aufgabe, Dr. Wilhelm Reichs Ideen in Ihren Leserkreis zu bringen. Ein großer Teil der frei-sozialistischen Bewegung steht mit Befremden, ja sogar abweisend den zwei Gedankengängen, aus denen Reichs Ansichten und Einsichten gewachsen sind, gegenüber. Diese beiden Gedankengänge sind der Marxismus oder, im weiteren Sinne, der dialektische Materialismus und die Psychoanalyse. Die große und dauerhafte Bedeutung von Reichs Werk ist die brillante Kombination marxistischer und psychoanalytischer Einsichten. Gerade durch diese Kombination entstand ein breiteres, tieferes und umfassenderes Verständnis der Probleme von Menschen und Gesellschaft; deshalb kollidierte Reich zwangsläufig mit den orthodoxen Marxisten und mit den orthodoxen Psychoanalytikern. In beiden Lagern geistig verwurzelt, prüft er marxistische Einsichten über die Psychoanalyse und psychoanalytische Einsichten über den Marxismus; er wuchs über beides hinaus und dies wurde der Anfang von etwas Neuem. Und das Neue ist vielversprechend; es öffnet weite Horizonte, es zeigt neue Möglichkeiten. Aber die übergroße Mehrheit der Arbeiter sehen diese Einsicht mit Befremden, stehen ihr misstrauisch, feindselig, ängstlich und abstoßend gegenüber. Diese neue Einsicht ist jedoch für alle unverzichtbar, die sich für die Befreiung der Arbeiter aus der kapitalistischen Sklaverei einsetzen. Deshalb begrüßen wir die Übersetzung dieses Buches durch Reich sehr und hoffen, dass diese Lektüre zu einem allmähligen Sieg über den Widerstand gegen seine Ideen führen wird.

Neue Erkenntnisse werden nicht im Sturm erobert, nicht sofort und nicht auf einfache Weise. Man muss sich dafür anstrengen. Obwohl faszinierend und klar geschrieben, ist die Arbeit von Reich keine leichte Literatur; sie muss eher studiert als gelesen werden. Was aber in erster Linie erforderlich ist, ist die Erkenntnis, dass für eine neue Erkenntnis eine neue Methode dringend benötigt wird. Wer mit der aktuellen Situation zufrieden ist, wer glaubt, dass die traditionelle sozialistische Weisheit ausreicht, wer nicht glaubt, dass die sozialistische Bewegung als Ganzes in eine Sackgasse geraten ist, wie soll man die Kraft finden solch neue Erkenntnisse zu erobern? Erst eine bestehende tiefe, innere, nagende und schmerzhafte Unzufriedenheit mit dem, was uns traditionellen Sozialisten, egal ob sie sich Partei-Sozialisten oder Frei-Sozialisten nennen, täglich gibt, macht uns fit zu einer neuen Erkenntnis zu kommen. Dieses Buch ist in erster Linie für solche Leser bestimmt, und für diese wage ich ausdrücklich zu sagen, dass sie nicht enttäuscht sein werden.

Neue Einsichten entstehen meist aus tiefer Entzauberung. Dies ist auch bei Reich der Fall. Die deutsche sozialistische Bewegung wurde vom Faschismus ausgelöscht, und das konnte passieren, weil die deutschen Massen der Nachkriegszeit hinter dem Faschismus standen. Der traditionelle Sozialismus hatte erwartet unter dem Druck des Elends der Nachkriegszeit einen großen Zustrom zur sozialistischen Bewegung zu bekommen; stattdessen gab es eine stürmische Massenbewegung gegen den Sozialismus, eine Massenbewegung gegen den Sozialismus, die ihre Anhänger tief in die proletarischen Linien fand. Diese schockierende Tatsache veranlasste Reich, sich zu fragen: „Wie kann es sein, dass sich die Massen nicht von der alten Welt trennen können, dass sie Parolen und Anführern folgen, der Antithese zu ihren wesentlichen Interessen?“ Seine marxistischen Einsichten ließen ihn erwarten, dass sich die Ideen der Arbeiter in einem sozialistischen Sinn wandelten. Aber diese sozialistische Umgestaltung kam nicht zustande; die völlig neuen Wirtschaftsbeziehungen schrien nach einer sozialistischen Gesellschaftsordnung. Aber wo ist die sozialistische Ideologie? Was bindet die Arbeiter dann an der alten Welt, was hält sie in der bürgerlichen Ideologie, obwohl sie durch diese Ideologie materielles und geistiges Leiden erleiden müssen und schließlich zugrunde gehen müssen? Ist denn diese bürgerliche Ideologie so unbeweglich verwurzelt, dass die Arbeiterklasse in den grausamen Tod des anstehenden Weltkrieges läuft, wie ein verängstigtes Pferd in den brennenden Stall läuft?

Die orthodoxe marxistische Antwort auf diese Fragen nämlich, dass die Umstände den Menschen schließlich verändern würden, konnte Reich nicht mehr befriedigen. Nicht dass Reich an der verwandelnden Macht der Umstände gezweifelt hätte; dafür war er zu tief in die marxistische Welt des Denkens eingedrungen, aber er erkannte, dass es tiefe Kräfte in der Seele der Arbeiter gab, die der Umwandlung ihres Denkens und Fühlens entgegenwirkten. Diese Hemmungen in der Seele der Arbeiter mussten gefunden und beseitigt werden. Wirtschaftliche und politische Einsichten können hier nicht helfen; hier musste die Lösung von der Seite der Psychologie kommen, und gerade, weil Dr. Wilhelm Reich neben Marxismus und Politik auch Psychologe von der Schule der Psychoanalyse war, konnte er diese Lösung finden.

Allerhand wirtschaftliche und politischen Meinungen und Einsichten über die Entwicklung der sozialen Verhältnisse sind allmählich in einem großen Teil der Arbeiterklasse verinnerlicht worden. Durch zahllose Bücher und Broschüren wurde in vielen kostenlosen Kursbesprechungen marxistischer Sozialwissenschaft zu den Arbeitern gebracht. Die klassenbewussten Arbeiter sind in diesem Bereich mehr oder weniger zuhause; zumindest sind sie mit vielen Konzepten und Denkformen vertraut, die in diesem Bereich üblich sind. Bei der noch so jungen Psychologie ist es ganz anders. Marx und Engels legten den Grundstein der sozialistischen Wirtschaft und sozialistischer Doktrin, die von Anfang an scharf im Gegensatz zu der Zivilgesellschaft und Wirtschaftsansichten standen. Die Ansichten der bürgerlichen und sozialistischen Gesellschaft waren fortan immer noch scharf und unvereinbar. Die sozialistischen Einsichten von Marx und Engels haben sich jedoch teilweise aus den bürgerlichen Erkenntnissen ihrer Zeit entwickelt und sind weit darüber hinausgewachsen.

Solch ein Prozess vollzieht sich heute auf dem Gebiet der Psychologie. Eine sozialistische Psychologie steht vor der Tür; sie befreit sich mühsam von den Fesseln bürgerlicher Ansichten. Dieser Prozess findet jedoch vollständig außerhalb der großen Mehrheit der Arbeiterklasse statt. Dies kann auch nicht sein, denn dafür braucht man ein tiefgehendes Wissen der bürgerlichen Psychologie und dieses Wissen gehört natürlich nur einigen Theoretikern. Dr. Wilhelm Reich ist sicherlich der wichtigste dieser Theoretiker, obwohl er glücklicherweise nicht der einzige ist. Die Erkenntnisse von Alfred Adler und seiner Schule sind auch in dieser Hinsicht von großem Wert.

Je mehr sich die sozialistische Psychologie entwickelt, desto schärfer wird ihr Gegensatz zur bürgerlichen Wissenschaft, aus der sie stammt. Die Sozialisten von heute stehen vor der Aufgabe, die sozialistische Psychologie zu stärken und zu vertiefen, sie gegen bürgerliche Psychologen zu verteidigen und die sozialistische Psychologie unter die Arbeiter zu bringen. Letzteres ist am schwierigsten. Die Leute wollen nichts über die Psychologie wissen, sie denken, das ist nur eine Frage des bürgerlichen Verhaltens und beurteilt, dass alle Psychologie nur vom Befreiungskampf abhält. Und doch ist ohne diese Psychologie die Befreiung der Arbeiter unmöglich.

Die Bücher von Reich sind klar geschrieben; trotzdem sind sie für all diejenigen, die auf dem Gebiet der psychologischen Wissenschaft Fremde sind, sehr schwer zu lesen. Seine Bücher setzen ein ziemlich großes Wissen über psychologische und sogar biologische und sexologische Aspekte voraus, will man wenigstens das Wesentliche verstehen. Das vorliegende Buch gehört zu seinen populäreren Schriften, ist aber für den ungebildeten Leser nicht ganz einfach. Der Bedarf nach populärer und einfacher psychologischer Erziehung der Arbeiter brennt trotz Reichs Schriften weiter.

Es versteht sich von selbst, dass es in diesem Vorwort völlig unmöglich ist zu erklären, wie sich die sozialistische Psychologie aus Freuds bürgerlicher Schule entwickelt hat und wo sie mit der offiziellen Psychoanalyse unvereinbar geworden ist. Nur auf einen Punkt, den Wichtigsten, wollen wir hier hinweisen.

Seit Freud wissen wir, dass die überwiegende Teil unserer Seele außerhalb unseres Bewusstseins liegt und das doch diese unbewussten Kräfte in uns, unser bewusstes Denken stark beeinflussen und sehr oft unser Verhalten bestimmen. Wir wissen, dass der Mensch für den größten Teil ein irrationales Wesen ist. Das heißt, dass er nicht aus vernünftigen, rationalen Motiven handelt, sondern getrieben wird durch unverstandene, unbewusste Gefühle, die stärker sind als sein Verstand. Diese unbewussten Kräfte zwingen unseren Verstand in eine bestimmten Richtung zu gehen, sie verhindern ihn in eine andere Richtung zu gehen, und führen oft zu Taten, die wir nicht wollten, die diagonal gegenüber unseren rationalen Einsichten stehen, und die wir dennoch tun, unwiderstehlich angetrieben durch diese inneren Kräfte unseres Unbewussten. Die neuere Tiefenpsychologie aber befasst sich mit der Erforschung dieser unbewussten Triebkräfte menschlichen Verhaltens. Diese unbewussten Antriebskräfte sind mit dem Wort ‘treiben‘ (driften) bezeichnet. Wir hoffen, dass der Leser nun aber nicht oh-jetzt-reicht-es-mir-das-Gesicht zieht, denn wie bekannt und vertraut ihm das Wort ‘treiben‘ aus der Literatur und Umgangssprache auch sein mag, Einsicht in der Art und Funktion dieses ‘treiben‘ hat er darum noch nicht.

Die Probleme und Gegensätze zwischen den modernen Psychologen drehen sich alle um die Frage der Art und Funktion menschlicher Triebe. Bürgerliche Psychologen sehen das Unbewusste des Menschen als einen Komplex wilder, egozentrischer, sadistisch-blutrünstiger, herrsch- und habsüchtiger Triebe. Alle diese Triebe sind durch die Kultur aus dem Bewusstsein ins Unbewusste verdrängt worden. Da aber liegen sie weiterhin als abscheuliche Raubtiere auf der Lauer, bereit um bei der erstbesten Gelegenheit auszubrechen. In seinem tiefsten Innern wäre der Mensch ein furchtbar grausames, aggressives, egozentrisches und asoziales Wesen. Je mehr sich die Kultur entwickelt, desto schärfer wird der Kontrast zwischen der unterdrückten natürlichen Person und dem bewussten Kulturmenschen. Und immer wieder wird es Zeiten geben, in denen der unterdrückte prähistorische Mensch die Staudämme der Kultur durchbricht und eine wüste Mord- und Vernichtungsorgie auslebt. In dieser Denkweise werden der ewige Frieden und die Brüderlichkeit unter den Menschen zu einem törichten Traum von schlaffen Idealisten, die es nicht wagen, der Realität in die Augen zu schauen.

Diese bürgerliche Sicht auf die Menschheit ist nichts anderes als die Projektion des gegenwärtigen individualistischen Menschen in der Vergangenheit. Der Urmensch wird bei Freud und seinen Gefolgsleuten zu einer Art von Haaren überwachsenen Manchester-Liberalen. Weniger wissenschaftlich gesehen findet man diese Auffassung bis tief in die Arbeiterklasse hinein. Der Mensch ist einfach ein Egoist; mit ihm ist nichts anzufangen; jeder Versuch, ihn in ein sanftes, soziales und vernünftiges Wesen zu verwandeln, ist nutzlos, weil die Natur nicht erzwungen werden kann. Wissenschaftlich betrachtet, finden wir in der bürgerlichen Psychoanalyse den christlichen Unglauben des Menschen wieder.

Nun ist es Reichs unsterbliches Verdienst, dass er in dieser bürgerlichen Auffassung eine Bresche geschlagen hat, ihre Unrichtigkeit gezeigt und Wege aufgezeigt hat, durch die eine wirkliche Verwandlung des Menschen zustande kommen könnte.

Reich zeigt, dass der aggressive, blutrünstig-sadistische, dominierende und gierige Charakter des modernen Menschen keineswegs sein ursprüngliches Wesen ist, sondern eher eine Folge der Unterdrückung seiner ursprünglichen Natur. Von Ursprung ist der Mensch ein etwas gemächliches, gütiges soziales Wesen, aber die Unterdrückung seiner natürlichen Triebbefriedigung, macht ihn zum Tiger. Diese Unterdrückung der natürlichen Triebbefriedigung beginnt beim Kind und muss dort beginnen, denn im späteren Leben wäre es nicht mehr möglich. Und wer ist für diese Unterdrückung des kindlichen Trieblebens verantwortlich? Das machen die Arbeiter selbst in ihrem Familienleben. Natürlich ohne es zu wollen und ohne zu verstehen, was sie tun. Von der bürgerlichen Moral selbst auferlegt, übertragen sie diese automatisch auf ihre Kinder. Die Familie ist eine Ideologiefabrik, sagt Reich. In der Familie wird die bürgerliche Ideologie Tag für Tag von den Arbeitern selbst aufgebaut. Die Hemmungen, die die Umwandlung des derzeitigen Arbeitnehmers verhindern, werden daher von diesem Arbeitnehmer selbst vorgenommen. Er zeigt das tragische Schauspiel eines Menschen an, der bewusst versucht, sich von seinen Ketten zu befreien und gleichzeitig unbewusst dabei ist diese Ketten zu schmieden. Eine solche Entdeckung ist tatsächlich in der Lage, jemanden mit Bestürzung zu erfüllen, aber dann durchbricht die freudige Erkenntnis, dass jetzt, wo wir dies wissen und durchschaut haben, wir dies jetzt ändern können. Die Wege, die zur Umwandlung des sozialistischen Sinnes für den Menschen führen, sind offen. Wir müssen es nur wollen.

Aber zwischen Wille und Tat liegt eine große Distanz. Denn es ist leichter Agitation und Propaganda zu machen, Treffen zu organisieren und Reden zu halten, als sich selbst umzubilden, altmodische Gewohnheiten und Sitten den Kampf anzusagen. Und doch ist gerade dies vonnöten; es ist das erste und das Notwendigste. Es gibt einen Bereich, in dem diese innere und äußere Veränderung am schwierigsten ist. Das ist der Bereich des Sexuallebens, der sexuellen Beziehungen. Und genau dieser schwierigste Punkt ist der Wichtigste. Die Unterdrückung der Sexualität, die bereits in der Kindheit beginnt, macht den Menschen für den Rest seines Lebens für ein glückliches Liebesleben im Erwachsenalter ungeeignet; diese Unterdrückung verzerrt, verformt die menschliche Seele in etwas Lahmes und Böses und zerstört Lebensfreude und Lebensmut. Und wie sollten wir ohne diese Lebensfreude und Lebensmut die Kraft finden, diese faule Welt aufzubauen?

Wie immens groß die Rolle der Sexualität ist, kann der Leser in diesem Buch lesen. Er wird zu der Erkenntnis gelangen, dass die altbekannte dreieinige Gott-Familien-Autorität in der Tat eine echte Dreieinigkeit ist, dass tatsächlich die bürgerliche Familie die Stütze der bürgerlichen Gesellschaft ist. Die Umbildung des Familienlebens von einer bürgerlichen Sicht auf die Gesellschaft in eine sozialistische, ist die große Aufgabe einer neuen sozialistischen Bewegung. Eine sozialistische Bewegung kann zunächst nur als wirklich neu bezeichnet werden, wenn sie diese Aufgabe tatsächlich als ihre größte und wichtigste anerkannt hat. Wo sich die bürgerliche Familie von der sozialistischen unterscheidet, können wir in diesem Vorwort nicht erklären. Mit Reichs Kritik an der bürgerlichen Sexual- und Familienmoral sind wir voll und ganz einer Meinung, aber wenn es darum geht, eine damit entgegengesetzte positive sozialistische Moral zu stellen – und das ist hauptsächlich was zählt –, dann treten Unterschiede zutage worüber wir, wie gerne wir das gerne machen würden, hier nicht schreiben können. Man muss zuerst Reichs Ideen verstehen und durchdenken, bevor sie kritisiert werden können.

Dr. Wilhelm Reich kommt aus dem Lager der Parteisozialisten. Er war Mitglied der deutschen kommunistischen Partei. Seine neugewonnenen Erkenntnisse brachten ihn jedoch in Konflikt mit der Partei und er wurde vertrieben. Reich macht unmissverständlich eine Entwicklung in Richtung des freien Sozialismus; seine Ansichten über das Schicksal einer sexualitätsfeindlichen und autoritären Erziehung in der Familie mussten ihn unausweichlich immer mehr mit den offiziellen kommunistischen Ansichten der Partei in Konflikt bringen. Die neuen Einsichten Reichs stehen grundsätzlich im Gegensatz zu parteisozialistischen Ansichten und führen unmissverständlich zum freien Sozialismus. Die Tatsache, dass Reich selbst diese Wahrheit nicht einsieht, genauso wenig wie viele seiner Anhänger, beeinträchtigt diese Wahrheit nicht. Für den freien Sozialismus haben Reichs Ideen daher eine ganz besondere Bedeutung, denn mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse wird es möglich sein, eine noch fruchtbarere Propaganda zu betreiben als bisher, zum Teil durch Reichs Ideen. Der freie Sozialismus hat durch Reich eine neue wissenschaftliche Grundlage erhalten oder ist zumindest auf dem Wege sie zu bekommen.

Wir freuen uns daher sehr über die Veröffentlichung von Reichs Arbeit in der niederländischen Sprache und hoffen, dass sie einen großen Beitrag zur notwendigen Innovation und Vertiefung der freien sozialistischen Bewegung leisten wird.

MAX VON PRAG

ZUKUNFTSKINDER: 7. Das Drogenproblem, d. Drogen und Sexualökonomie

25. April 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

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ZUKUNFTSKINDER: 1. „Rousseauismus“? a. Von der Schwarzen Pädagogik zum digitalen Zeitalter

23. Januar 2018

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1. „Rousseauismus“? a. Von der Schwarzen Pädagogik zum digitalen Zeitalter

Die bioenergetische Grundlage des Euro

7. Mai 2017

Die unterschiedlichen Währungen spiegeln die unterschiedliche Arbeitskapazität der Völker wider. Wegen des signifikant höheren Arbeitsethos haben beispielsweise die Währungen protestantischer (oder zumindest protestantisch geprägter) Länder eine höhere Kaufkraft als die katholischer Länder. Das gleiche gilt für klimatische und genetische Unterschiede (der IQ ist weitgehend angeboren). Nicht zuletzt spielen auch sexualökonomische Elemente mit hinein, d.h. je weiter das Land von „Saharasia“ entfernt liegt, desto durchschnittlich freier fließt die Orgonenergie durch den Körper. Eine freiere Sexualität entspricht einer größeren Arbeitsleitung. All das spiegelt sich im Nord-Süd-Gefälle innerhalb Europas wider. (Hinzu kommen Mitte-West- und Mitte-Ost-Gefälle.) Deshalb konnte man früher die Deutsche Mark oder den niederländischen Gulden nicht mit der italienischen Lira, der spanischen Peseta oder der griechischen Drachme vergleichen. Es waren zwei Welten, die miteinander auskamen, weil die unterschiedliche Kraft der Währungen das Gefälle zu etwas Positivem machten, d.h. etwa die Schwäche der Drachme machte es möglich, daß der Norden griechische Waren und Dienstleistungen nachfragte und so kostbare Devisen nach Griechenland flossen. Eine Situation, von der alle profitierten!

Dann kam in Gestalt des Euro der Angriff der Emotionellen Pest (d.h. der Gesellschaftspolitik). Rational wäre es gewesen, etwa die Währungen der Niederlande, Dänemarks und Deutschlands zu vereinigen und das dann langsam auszuweiten. Aber nein, gegen alle wirtschaftliche und bioenergetische Vernunft wurden den unterschiedlichsten Völkern die gleiche Währung aufoktroyiert. Griechenland wurde so zerstört, zu einem Bittsteller ohne jede Zukunftsaussicht degradiert, und Deutschland hat sich Verpflichtungen aufgebürdet, die uns eines Tages das Genick brechen werden.

Warum dieser Wahnsinn? Der Euro wurde durchgepeitscht, weil der „Zeitgeist“, d.h. die dominierende linksliberale Charakterstruktur, keine Unterschiede, letztendlich keine bioenergetische Erregung ertragen kann. (Sie wollen sogar die Geschlechter abschaffen!) Alles andere als ein europaweiter Euro wäre „rassistisch“ gewesen! Und das ist keine Theorie, so hat die SPD explizit argumentiert, als es um die Aufnahme Griechenlands ging.