Posts Tagged ‘Tschechoslowakei’

Ideologie und das Nichtglaubenwollen (Teil 6)

6. Mai 2020

von Paul Mathews, M.A.

 

Lassen Sie uns an dieser Stelle eine Pause einlegen, um einige zwingende Fragen zu stellen: Wie bestimmen wir, was ideologisch und was natürliches, rationales Denken ist? Wie messen wir den Grad der Wahrheit in der Ideologie? Auch hier können wir uns an Reich wenden, um uns beraten zu lassen:

Wahrheit ist voller, unmittelbarer Kontakt zwischen wahrnehmendem und wahrgenommenem Leben. Je besser der Kontakt ist, desto voller ist das wahrheitsgetreue Erleben. Je besser die Funktionen der lebendigen Wahrnehmung koordiniert sind, desto umfassender ist eine jeweilige Wahrheit. Und die lebendige Wahrnehmung ist genau in dem Grade koordiniert, wie die Bewegung des lebendigen Protoplasmas koordiniert ist. . . . Wahrheit ist ihrem Wesen nach kein ethisches Ideal, wie viele Glauben. Sie wurde erst zum ethischen Ideal, als sie zusammen mit dem „Paradies“, d.h. der vollen Funktionsfähigkeit des Lebendigen im Menschen, verloren ging. . . . Wahrheit ist in einem und wirkt in einem, genau wie das Herz eines Menschen schlägt und seine Augen sehen, nämlich gut oder schlecht, je nach dem Zustand seines Organismus. . . . Wahrheit ist demnach eine natürliche Funktion, ebenso wie das Gehen oder das Laufen oder das Jagen von Bären bei den Eskimos oder das Auffinden von Spuren des Feindes bei den Indianern. (1:167)f

Wenn es also eine grundlegende Wahrheit gibt, dann sind es die Gesetze des Lebens. Reichs Entdeckung der Orgasmusformel und des funktionellen Denkens haben verdeutlicht, welche diese Gesetze sind. Die Wahrheit liegt also unter den Trümmern der sekundären Schicht und ihrer oberflächlichen Fassade. Sie liegt innerhalb des primären Kerns der Lebensstruktur. Rationales Denken muss daher in funktioneller Hinsicht den Bedürfnissen dieses Kerns entsprechen und nicht der Abwehrfunktion der oberen destruktiven und täuschenden Schichten. Reich bezeichnete die sekundäre Schicht als das „Reich des Faschisten“ und die äußere Schicht als das „Reich des Liberalen“ (15). Damit verdeutlichte er die Charakterfunktion des Liberalen; dass er seine Schuld und Scham vor anderen und vor sich selbst verbergen muss. Die humanistische Ideologie des Liberalen ist, wie E.F. Baker und andere gezeigt haben, nur eine große Täuschung, die ironischerweise versucht, das Gute des primären Kerns zu nutzen, um es sehr gut abzuwehren (16, 17). Der Liberale tut dies, indem er eine Ethik von Güte und „Fairness“ schafft, die aufgrund ihrer kontaktlosen und mechanistischen Anwendung unweigerlich zum Gegenteil führt und zur Unterstützung der schlimmsten Unterdrücker der Menschheit, der organisierten und der unorganisierten. Hinsichtlich der Liberalen („Freiheitskrämer“) sagte Reich:

. . . Er meint nicht das, was er sagt. Er weiß nichts über das Leben und dessen Schwierigkeiten. Er verwandelt alle Realitäten in Formalitäten und alle praktischen Probleme des Lebens in Ideen über ein zukünftiges Paradies der Menschheit. Auf diese Weise bringt er sich – und wenn er durch gutgläubige Massen an die Macht gebracht wurde, auch diese – in eine schlimme Situation. . . . Wahrheit ist für ihn ein „Ideal“ und nicht die Art und Weise, in der alle Angelegenheiten erledigt werden. Ist er rechthaberisch, so glaubt er, dass er die Wahrheit verteidigt. Der Konservative, der aus der instinktiven Kenntnis der großen Schwierigkeiten, die mit dem Streben nach Wahrheit verbunden sind, den status quo im gesellschaftlichen Leben verteidigt, ist weit ehrlicher. (1:173g)

In Übereinstimmung mit dem obigen Zitat neigt der Liberale dazu, sich selbst als ein Modell für Mitgefühl, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit darzustellen. Doch wo immer sein Einfluss vorherrscht, wird entweder das Gegenteil von dem erreicht, was er angeblich anstrebt – oder eine grobe Verzerrung davon – wie ein Zustand der Zügellosigkeit, der Verwirrung, des Chaos und der Unordnung, der sich leicht für eine Übernahme durch eine Gegentyrannei (das Weimarer Deutschland, Kerenskis Russland, Benes‘ Tschechoslowakei usw.) oder der Reaktion eignet. Dafür gibt es, wie bereits erwähnt, einen guten Grund, also lassen Sie uns unter anderem speziell die Frage des modernen Liberalismus und des Rassismus untersuchen.

 

Anmerkungen des Übersetzers

f Christusmord, Verlag Ullstein GmbH, 1983, S. 297f.
g Christusmord, Verlag Ullstein GmbH, 1983, S. 307. Fehlendes Kursiv hinzugefügt.

 

Literatur

1. Reich, W.: The Murder of Christ. Rangeley, Maine: Orgone Institute Press, 1953.
15. Reich, W.: The Mass Psychology of Fascism. New York: Orgone Institute Press, 1946, p.viii.
16. Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Co., 1967.
17. Mathews, P.: „A Functional Understanding of the Modern Liberal Character“, Journal of Orgonomy, 1(1&2), 1967.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 21 (1987), Nr. 1, S. 68-83.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Mechanismus und Mystizismus bei Liberalen und Konservativen

25. Dezember 2019

Während der Liberale nur in seinem Kopf lebt (Zentrales Nervensystem, energetisches Orgonom), ist der Konservative bioenergetisch besser integriert. Dementsprechend ist das gesellschaftliche Leben des Konservativen: er geht mit Menschen rein instinktiv um, er geht aus seinem Bauch heraus mit Menschen um (Autonomes Nervensystem, orgonotische Pulsation). Er ist nicht „gesellschaftlich engagiert“, wie der Liberale sagen würde, nicht „sozial bewußt“. Hingegen ist das Innenleben des Konservativen durchaus „bewußt“ und „wach“, d.h. er „beherrscht sich“, „führt sich selbst“ und handelt verantwortlich. Er ist ein Erwachsener, d.h. wenn er etwas braucht, handelt er dementsprechend; bei Schmerzen geht er zum Arzt usw. Er handelt in seinen persönlichen Angelegenheiten achtsam und man kann mit ihm auf rationale, logische Weise diskutieren, obwohl es vielleicht alles ein bißchen mechanisch wirkt.

Natürlich neigt der Konservative zum Mystizismus in gesellschaftlichen Fragen (siehe die Ausführungen von Baker, Mathews und Konia), aber hier beziehe ich mich auf sein persönliches Alltagsleben. Die Starrheit der autoritären Gesellschaft, der Militarismus, das rigide Geschäftsleben, oder etwa die mechanische Art und Weise, wie Weihnachten in der Familie organisiert ist; all das, was Reich in Was ist Klassenbewußtsein? (1934) und Die Massenpsychologie des Faschismus (1933-1942) beschrieben hat. Die Nazis waren zweifellos Mystiker, aber der Alltag war äußerst mechanisch. Oder nehmen wir die Religion. Ihr Inhalt ist mystisch, aber die tatsächlichen Rituale und das Alltagsleben sind eine Karikatur des Mechanismus und von einer absurden Zwangsneurose nicht zu unterscheiden.

Der verkopfte Liberale versucht, das gesellschaftliche Leben zu kontrollieren, er analysiert alles zu Tode. Alles dreht sich um soziale Feinabstimmung und Mikromanagement. Das gesellschaftliche Leben ist für ihn kompliziert, unendlich komplex, aber gerade deshalb sein Gegenstand von Überlegungen und Planungen. Man ist verantwortlich für das, was in der Welt passiert (Schuldgefühle). Gleichzeitig fehlt seinem Innenleben Orientierung, d.h. er ist nicht in der Lage, sich selbst zu regulieren, und er ist Spielball äußerer (sozialer) und innerer (emotionaler) Kräfte – und empfindet sich so. Es ist ja alles so „ungerecht“ und ständig fühlt er sich „betroffen“ bzw. fühlt „Betroffenheit“. Er ist verantwortungslos und kann nicht von sich aus rational handeln und wartet daher auf Anweisungen und darauf, daß die Gesellschaft (andere Liberale!) sein Leben verwaltet. Er handelt nicht, er reagiert, und es ist unmöglich, mit ihm ein vernünftiges Gespräch von einer unabhängigen verantwortlichen Person zur anderen zu führen. Vielleicht findet man hier und da etwas auffällig Funktionales in seinen Argumenten, aber in all der emotionalen Verwirrung bleibt es isoliert.

Man schaue sich den ehemaligen Ostblock an, insbesondere die DDR: Das gesellschaftliche Leben war absolut mechanisch bis zum Äußersten, während auf persönlicher Ebene alle möglichen Freiräume herrschten. Das Mechanische schaffte bzw. hinterließ Leerräume, ließ Freiräume. Man denke nur an Phänomene wie Rolf Schilling oder auch Solschenizyn oder gar an die „psychotronische“ Forschung in der UdSSR und der Tschechoslowakei.

Das Problem mit dem Konservativen ist, daß er die Gesellschaft als naturgegeben betrachtet. Für ihn ist die Gesellschaft, in die er hineingeboren wurde, zumindest eine traditionelle Version derselben, „natürlich“ und so, wie die Dinge sein und bleiben sollten. Der Liberale hingegen spürt, daß mit der Gesellschaft etwas grundlegend falsch läuft und geändert werden muß. Aber leider tragen fast alle Änderungen, die er verbreitet und zu institutionalisieren versucht, nur zur Verwirrung bei. Dies liegt daran, daß er keine Möglichkeit hat, in sich selbst zu schauen, um die bioenergetische/charakter-strukturelle Grundlage aller Irrationalität in dieser Welt zu erkennen. Stattdessen „verändert er die Gesellschaft“ auf verantwortungslose Weise ohne Sinn und Verstand. Der Konservative hingegen ist in der Lage, verantwortungsbewußt zu handeln, aber er ist taub und blind für die soziale Tragödie, die ihn umgibt. Alles ist in Ordnung – während, etwa durch den Katholizismus, eine junge Seele nach der anderen getötet wird.

Das Gegenteil beim Liberalen: während für ihn alles Soziale nur ein „Konstrukt“ ist, sieht er sein Innenleben als natürlich und unveränderlich an. (Deshalb sind ihm auch Homosexualität und alle möglichen anderen Neurosen und Perversionen „ganz natürlich“!) Orgontherapie ist ihm grundsätzlich fremd, weil sie etwas verändern will, nämlich den Charakter, der etwas ist, das er einfach nicht erfassen kann; ein Konzept, zu dem er einfach keinen Zugang findet. Aus genau diesem Grund ist die Charakteranalyse für die Behandlung des Liberalen so wichtig: um ihn darauf aufmerksam zu machen, daß es so etwas wie einen „Charakter“ gibt. In ähnlicher Weise ist es wichtig, den Konservativen der sozialen Orgonomie (die historisch auf den „Freudo-Marxismus“ und die „Sexpol“ zurückzuführen ist) auszusetzen, weil er keinerlei Sensorium dafür hat, daß „Gesellschaft“ als etwas existiert, das geändert werden kann und muß.

Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

19. Mai 2019

 

Paul Mathews:
Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

 

Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen (Teil 2)

17. Juni 2018

 

Paul Mathews: Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

Weder links noch rechts: Die Unsinnigkeit aller politischen Auseinandersetzungen

17. November 2017

„Faschismusforscher“ tun den lieben langen Tag nichts anderes, als sich mit „rechtem Gedankengut“ auseinanderzusetzen, aber kaum einer wird jemals von der Kritik an der systematischen Ausmerzung der weißen Rasse beeindruckt oder wenn ihm gezeigt wird, wie ängstlich bemüht die Alliierten waren, beim Nürnberger Prozeß bestimmte Dinge draußen vor zu lassen. Wer weiß beispielsweise, daß nicht nur Deutschland, sondern auch Polen Teile der Tschechoslowakei annektiert hat? Umgekehrt: welcher Rechte hört schon gerne, daß „Freiheit“ für Millionen Menschen bedeutet, ausweglos in der Hölle vegetieren zu müssen?

Zeitungen, Sachbücher, Fernsehsendungen etc. dienen nur dem einen Zweck vorgefaßte Meinungen zu zementieren. Das ist so, weil politische Anschauungen keine Funktion des nüchternen Verstandes sind (Unterscheidungsvermögen = Autonomie), sondern der Charakterstruktur (automatenhafte Blindheit = Heteronomie). Zwingt man einen Leser der Süddeutschen Zeitung die Junge Freiheit zu lesen (oder umgekehrt) wird die Lektüre ihn nur in seiner einseitigen Weltsicht bestärken. Entsprechend ist unsere gesamte „Debattenkultur“ eine Farce.

Der einzige Ausweg besteht darin, die gesellschaftlichen Probleme als Ergebnis der Panzerung zu betrachten.

Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens – sie sollten es auch beherrschen. Sie sind weder „links“ noch „rechts“, sondern vorwärts gerichtet.

Der biologische Rechenfehler des multikulturellen Experiments

11. Oktober 2017

Unser Leben wird immer bizarrer und komplizierter. Gerade flattert eine Einladung zu einer Veranstaltung über „transkulturelle und globale Medizin“ auf meinen Schreibtisch. U.a.:

  • Diversity (sic!) – Herausforderung im ärztlichen Alltag
  • Interkulturelle Kommunikation in der somatischen Medizin
  • Der Fremde – zwischen Neu-Gier und Neu-Angst – Kommunikative Aspekte der transkulturellen Medizin
  • Mitteilung einer lebensbedrohenden Diagnose – Kontroversen zwischen Tradition und leitliniengerechter Medizin in der Frauenheilkunde
  • Versorgung von Säuglingen und Kleinkindern – Kontroversen zwischen Tradition und leitliniengerechter Medizin

Eine Veranstaltung, eine Fortbildung dieser Art folgt der anderen, als wenn es gegenwärtig in der medizinischen Versorgung des deutschen Volkes keine anderen Probleme gäbe! Das Leben ist schon schwierig genug. Wer braucht das? Wer will das? Was soll das? Wie abwegig ist es, daß sich das System an „Einwanderer“ anpaßt! Lebe ich im IRRENHAUS? Zumal: Wie viele dieser Leute bezahlen im Endeffekt für ihre Behandlung bzw. für ihre Versicherung?!

Zwei Szenen: Deutsche Psychiatrie, therapeutisches Gruppengespräch mit Patienten aller Herrgottsländer und einem Psychologen. Es bricht die Hölle los, als der Italiener in einer hitzigen Diskussion zum Ungarn sagt, man wisse ja, daß alle Ungarn „Katzenficker“ seien. Der Ungar kontert und andere Nationalitäten greifen ein. Tohuwabohu! Schulklasse in New York mit Negern und Puerto-Ricanern. Der verpeilte weiße Lehrer will einen „lebensnahen Unterricht“ gestalten und fordert die Schüler auf, Schimpfwörter für die jeweils andere Gruppe zu nennen. Nach wenigen Minuten gerät die Situation außer Kontrolle und wird lebensbedrohlich. In den „multikulturellen“ USA können schon kleinste Unbedachtsamkeiten einen „Rassenkrieg“ auslösen.

Das sind die kleineren Reibereien zwischen Volksgruppen, die überall zu finden sind. Kratzt man ein wenig an der Oberfläche, tun sich Abgründe auf, die sporadisch in Szenen wie den folgenden kulminieren:

Der ungarische Halbjude Sandor Kovacs, der das KZ der Nazis überlebte und bei seinem Heimmarsch nach Budapest durch Prag kam, gab zu Protokoll:
„Im hitlerischen KZ sah ich Sachen, die ich nicht für möglich gehalten hätte, daß sie von Menschen anderen Menschen angetan würden. Als ich im Mai 1945 auf dem Rückmarsch in meine Heimat in Prag vom Ausbruch des tschechischen Wahnsinns überrascht wurde, erlebte ich ein Inferno menschlicher Armseligkeit und moralischer Tiefe, gegen das meine KZ-Zeit fast eine Erholung gewesen war. Frauen und Kinder wurden bei lebendigem Leib mit Petroleum übergossen und angezündet, Männer unter unvorstellbaren Qualen ermordet. Dabei mußte ich ausdrücklich feststellen, daß sich die gesamte Bevölkerung an diesem Verbrechen beteiligte, nicht nur der übliche Mob. Ich sah hochelegante junge Tschechinnen, die vielleicht noch vor kurzem mit den deutschen Offizieren geflirtet hatten, und die nun mit Revolver und Hundspeitschen durch die Straßen liefen und Menschen quälten und mordeten, ich sah offensichtlich höhere tschechische Beamte gemeinsam mit tschechischem Straßenmob johlend Frauen vergewaltigen und qualvollst umbringen. Ich fürchtete mich vor einem deutschen Wiedererwachen. Denn was den Deutschen geschah, ist unbeschreiblich!“

Ein beliebiges, vollkommen zufälliges Beispiel, über das ich soeben im Weltnetz gestolpert bin.

Wer sich auch nur etwas in Primatologie auskennt, weiß, daß entsprechende Szenen in Ruanda oder bei den Massakern an den Chinesen in Indonesien zu Zeiten Suhartos, verhaltensbiologisch nichts besonderes sind. Was Schimpansenhorden, und Menschen sind nichts anderes als nackte und schwächliche Schimpansen, in freier Wildbahn den Mitgliedern anderer Schimpansenhorden antun, läßt jedem Beobachter das Blut in den Adern gefrieren.

Linke Traumtänzer, wie der naive Psychologe in der bundesdeutschen Psychiatrie oder der idealistische Lehrer in New York, wollen das nicht sehen. Sie wollen nicht sehen, daß das, was Hamburger Kindern bei der Kinderlandverschickung während des Krieges von bayrischen Kindern in Passau angetan wurde (meine Mutter könnte erzählen…) zur menschlichen Natur gehört. Fremde werden ausgesondert, sadistisch gequält und in letzter Konsequenz physisch vernichtet und das mit einem kaum kontrollierbaren Affekt sadistischer Genugtuung.

Man betrachte nur die Besiedlung Nordamerikas: die Indianer empfingen die ersten armseligen Siedler, von denen noch keine Bedrohung ausging, mit freundlichem Interesse als potentielle Handelspartner. Eine kulturelle Bereicherung! Aber kaum wurde klar, daß das keine Gäste waren, sondern es um territoriale Ansprüche ging, versuchten sich beide Parteien – gegenseitig auszurotten.

Das ist unsere Natur, unsere Haut, aus der wir nicht heraus können. Die linken Traumtänzer wollen dem entgegenarbeiten, indem sie die „Einheimischen“ mit den „Fremden“ möglichst gut „vermischen“. Eine rein abstrakte Kopfgeburt. Tatsächlich steigt der Streßpegel, wenn wir nicht ständig von unseres Gleichen umgeben sind. Zum ohnehin vorhandenen Druck aufgrund der orgastischen Impotenz der gepanzerten Menschen, die die archaischen Triebe energetisch besetzt, kommt noch die künstliche zusätzliche Belastung von außen. Das pestilente Projekt „Multikulti“ bewirkt also das Gegenteil dessen, was angestrebt wird. Am Ende wird ein blutiges Inferno stehen.

Schon mal was von Selbststeuerung gehört? Wenn die Regierung, d.h. das Organ der linken Traumtänzer, nicht eingreift, bleiben die Leute unter sich. Beispielsweise gibt es in den USA, wo Religionsfreiheit das höchste Gebot ist, „schwarze“ und „weiße“ Kirchen. Ohne den Eingriff irgendwelcher „Städteplaner“ bilden sich von ganz alleine homogene Nachbarschaften. Kein Schwarzer käme auf die Idee sich in Chinatown niederzulassen und umgekehrt. Nur so können sich die Menschen ENTSPANNEN! Entsprechend ist das rotgrüne Multikulti nichts anderes als eine besonders schlimme Form der gesellschaftlichen PANZERUNG!

Die historisch-materialistische Interpretation und die bio-psychologische Interpretation des Todestriebes und der gesellschaftlichen Ideologie

14. Januar 2017

Der sozialistische Kampf, das theoretische Organ des Austromarxismus war im faschistischen Österreich verboten. Es wurde deshalb in der Tschechoslowakei veröffentlicht. Sein Herausgeber war der berühmte Otto Bauer, Führer des „Austromarxismus“. Anläßlich von Freuds 80. Geburtstag veröffentlichte das Magazin 1936 zwei Artikel. Einen von W.M. (d.i. Karl Frank): „Sigmund Freud und der revolutionäre Sozialismus“. Wegen dem historischen, d.h. bürgerlichen Hintergrund der Psychoanalyse und der Enge des zeitgenössischen Marxismus gäbe es bis heute (1936) keine marxistische Analyse der Psychoanalyse. Es gäbe eine Freudsche Philosophie, z.B. Freuds Todestrieb, die mit Oswald Spengler gemeinsame Wurzeln habe, nämlich die Philosophie der untergehenden Bourgeoisie. Trotzdem schuf Freud eine moderne Psychologie, indem er auf die soziale Verursachung psychologischer Tatbestände hinwies und dergestalt eine biologisch-materialistische Grundlage für eine Herangehensweise entwickelte, die dem historischen Materialismus ähnlich sei. Die grundlegende Leistung der Psychoanalyse sei ihr Beitrag zum Verständnis des sozialen Überbaus (Wolfgang Huber: Psychoanalyse in Österreich seit 1933, Wien: Geyer-Edition, 1977; Ernst Glaser: Im Umfeld des Austromarxismus, Wien: Europaverlag, 1981, S. 271).

Das entspricht auch weitgehend Reichs damaliger Sichtweise (siehe dazu Otto Fenichels 119 Rundbriefe, Bd. 1, S. 379f). Reich ist nur weitergegangen, über die Psychoanalyse und den Marxismus hinaus. Zunächst einmal führte nicht die soziologische Verortung der Todestriebtheorie (Ideologie der „untergehenden Bourgeoisie“) zu deren Überwindung, sondern die Durchdringung des Masochismus als bio-psychologisches Problem, d.h. als einer Funktion der Panzerung (siehe Charakteranalyse). Und überhaupt, was den ideologischen „Überbau“ betrifft: dieser ist tatsächlich eine Funktion der dreischichtigen bio-psychologischen Struktur des gepanzerten Menschen (siehe Die Massenpsychologie des Faschismus).

Es ist ernüchternd, daß man sich noch heute mit der Denkungsweise, die im ersten Absatz dargestellt wurde, auseinandersetzen muß – selbst bei „Reichianern“.

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 14)

13. August 2013

Was wir im Ersten und Zweiten Weltkrieg vor uns haben, sind nicht nur politische, militärische und geostrategische Verwicklungen, sondern wir haben am Grunde des ganzen den Menschen, der sich hoffnungslos in der Falle verfangen hat. Die Falle ist natürlich bio-sozialer Natur, d.h. beruht auf der Panzerung des Menschen, der es ihm verunmöglicht unverzerrt zu fühlen, klar zu denken und entsprechend zu handeln. Stattdessen strampelt er sich sinnlos ab und opfert seine ganze Existenz, seinen gesamten Genius, dem – Wahnsinn:

Rückblickend ist es schwer zu glauben, wie dieses kleine und nicht-autarke Deutschland unter den damaligen Umständen gelungen ist, im Zweiten Weltkrieg Europa vom Nordcap bis Nordafrika und im Osten bis zu den Vororten von Moskau zu erobern. Deutschland (das sogar seinem „Mitstreiter“ Italien helfen mußte) war in der Lage, einen Krieg gegen am Ende 189 Staaten sechs Jahre durchzustehen.

Sogar nachdem die alliierten Luftstreitkräfte die komplette Lufthoheit über Deutschland erlangt hatten (und eine deutsche Luftwaffe kaum mehr existent war), dauerte es noch einmal zwei Jahre und Myriaden von Bomben bis Deutschland sich geschlagen gab. Unter den Militärhistorikern gibt es darüber einvernehmen, daß die Wehrmacht (und noch mehr die Waffen-SS) die beste und effizienteste Armee in der Geschichte der Menschheit gewesen ist. Es gibt viele Beispiele in der Endphase des Krieges, wo 1 000 Deutsche mit zehn Panzern gegen russische oder westliche Einheiten gewannen, die aus 20 000 Soldaten und 150 Panzer bestanden. Vor allem die SS kämpfte bis zur letzten Kugel und ergab sich nie. Und obwohl die Alliierten die Lufthoheit über Deutschland innehatten, erreichte Deutschland seine höchste Waffenproduktion Ende 1944. Der Grund dafür war, daß die deutschen Ingenieure unterirdisch die größten Fabriken mit der höchsten Leistung in der Geschichte der Menschheit gebaut hatten. Selbst in der Kriegskunst wollten die Deutschen unbedingt die Nummer eins sein.

Alle Deutschen fühlten sich durch den Vertrag von Versailles 1918 verraten und verkauft. Dabei hatte Deutschland den Ersten Weltkrieg an der Ostfront gewonnen, während an der Westfront deutsche Truppen mitten in Frankreich standen und im Vorjahr ein Sieg sogar in greifbare Nähe gerückt war. Während des ganzen Krieges konnte kein einziger ausländischer Soldat seinen Fuß auf deutschen Boden setzen. Wie sollte da irgendeinem Deutschen begreifbar gemacht werden, daß der Krieg verloren war? Zwar wurde die Lage mit den sich formierenden amerikanischen Truppen immer aussichtsloser, auch mit dem Aufkommen der Panzer, aber die Front war nicht gerade in heilloser Auflösung befindlich und selbst wenn sich die Truppen auf deutschen Boden hätten zurückziehen müssen, kann man sich schlecht vorstellen, wie die Entente jemals den Rhein (bei gesprengten Rheinbrücken!) mit der damaligen Kriegstechnik unter Feuer hätte überwinden wollen. Zumal frische Truppen aus dem Osten herangebracht werden konnten und die neuen großen Territorien im Osten die Versorgungslage langsam aber sicher stabilisiert hätten.

Aber das ist Theorie, denn nach vier Jahren waren auf beiden Seiten die Streitkräfte erschöpft. Die deutsche Truppen kehrten erleichtert heim, voll Vertrauen in die leeren Versprechen von US-Präsident Wilson, daß es eine faire Nachkriegsordnung unter seiner Aufsicht geben würde, gegründet auf dem Prinzip der Selbstbestimmung für alle Völker der Welt. Stattdessen wurde Deutschland gezwungen die Verträge von Versailles zu unterzeichnen, in denen festgelegt wurde, daß das Reich den Krieg verloren hatte und Deutschland der eine und einzige Staat war, der Verantwortung für den Ausbruch des Krieges trug. Außerdem sollten bis zum Jahr 1989 astronomische Geldsummen an die Alliierten gezahlt werden. Das machte allzu klar, daß das Hauptziel des Ersten Weltkrieges für Großbritannien und Frankreich darin lag, die totale wirtschaftliche Zerstörung eines ernsthaften Konkurrenten auf den Weltmärkten herbeizuführen. Deutschland war damals ungefähr das, was heute China ist.

Die „Selbstbestimmung für alle Völker“ war nichts anderes als eine große Lüge. Zum Beispiel wurde es Deutsch-Österreich und Deutschland von den Alliierten explizit untersagt sich zu vereinigen, obwohl 99 Prozent der Bevölkerung es wollten. Es gibt viele Beispiele, wo die Alliierten den Willen der ethnischen Gruppen, die zusammenkommen wollten, ignorierten. Stattdessen erschufen die Alliierten künstliche Staaten wie Polen, Jugoslawien und die CSSR, unabhängig von den schweren ethnischen Spannungen in deren Grenzen. Im Gegensatz zu US-Präsident Wilsons Versprechen ignorierten die Alliierten organisch gewachsene Nationen und sperrten gezielt ethische Gruppen in ein neues „Land“ zusammen, die nicht zusammen paßten oder sich sogar als Feinde betrachteten.

Der korrekte Name für die CSSR hätte „Tschecho-Slowakisch-Deutsch-Ungarisch-Polnisch-Karpato-Ukrainische-Republik“ lauten müssen. So waren schwerwiegende ethnische Spannungen vorhersehbar. Versailles erlaubte es dem neuen Staat Polen die Landbrücke zum urdeutschen Ostpreußen und Danzig abzuschneiden und machte damit sicher, daß der nächste militärische Konflikt hier aufkommen mußte. Das ganze war das gleiche Desaster wie später die Aufteilung des indischen Subkontinents in Indien und Pakistan. Oder überhaupt das Ziehen willkürlicher Grenzen in Arabien und dem gesamten Afrika durch die Kolonialmächte Frankreich und England.

In manchen Teilen Europas sah es nach dem Krieg genauso aus wie heute im Kunststaat Irak! Tatsächlich hat die künstliche Zusammensetzung eines Staates mit dem Namen „Jugoslawien“ zu den mörderischen Konflikten in den 1940er und 1990er Jahren geführt. Es war die imperiale Selbstherrlichkeit und Ignoranz von Frankreich und England, die für unendliches Leid gesorgt haben und noch immer sorgen.

Man kann sagen, daß den Westmächten in ihrem blinden Haß auf Deutschland und ihrer Rachsucht es auch nur an einem Minimum an Intelligenz, Weisheit und genauerer Kenntnis der ethnischen Verhältnisse in Osteuropa abging. Durch die dummen Entscheidungen und Interventionen der Alliierten mußten die Menschen geradezu den Eindruck gewinnen, daß die Alliierten alles Taten, damit es so bald wie möglich zu einem neuen Weltkrieg komme.

Es war klar, daß Versailles keine angemessene staatliche Neuordnung Europas sein konnte, die zum Frieden führen und lange andauern konnte. Und es war auch klar, daß das restlos gedemütigte Deutschland alles tun würde, was in seiner Macht stand, es zum Tag der Rache kommen zu lassen. Statt also über zwei Weltkriege zu sprechen, bevorzugen es die meisten Historiker heute von einem 30jährigen Krieg von 1914 bis 1945 zu reden. Als die Tinte auf den Versailler Verträgen noch nicht trocken war, war klar, daß der Krieg noch nicht vorbei war und ein zweiter „Großer Krieg“ bald stattfinden werde.

Für die stolzen Deutschen war die Situation nach dem Ersten Weltkrieg einfach nicht akzeptabel, da es sich wieder erwiesen hatte, daß Frankreich und Großbritannien nicht bereit waren „den Kuchen zu teilen“ und Deutschland Respekt als gleichberechtigter Partner zu zollen. Es ist kaum ein Wunder, daß so viele an eine internationale (natürlich „jüdische“) Verschwörung glaubten, um Deutschland unten zu halten! Deutschland fühlte sich kastriert: Elsass-Lothringen, das Saarland, große Gebiete im Osten und natürlich die Kolonien wurden abgeschnitten. Es ging um die Ehre!

Millionen Menschen starben auf den Schlachtfeldern, um den Gordischen Knoten zu durchschlagen, d.h. nach all den ethnischen Spannungen (die im Attentat von Sarajevo exemplarisch zum Ausdruck kamen), der wuchernden Paranoia (die sich etwa in den Greueltaten der Reichswehr in Belgien 1914 entlud) und der ständigen Feindschaft zwischen den Nationen ein Ende zu setzen. Und was war das Ergebnis all der Opfer? Europa sah danach weitaus schlimmer aus als zuvor. Das Konfliktpotential hatte sich potenziert und die Verschwörungstheorien wucherten wilder als jemals zuvor. Und wie war es nach dem Zweiten Weltkrieg, mit noch mehr Toten und noch mehr Leid? Die Welt erfror im Kalten Krieg, erstickte im Verfolgungswahn und Millionen starben in den Stellvertreterkonflikten an fernen Gestaden. Es gibt kaum ein besseres Beispiel für die Lage des Menschen in der Falle! Dieser ganze Alptraum erinnert fatal an den Film The Cube:

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Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 13)

11. August 2013

Die „Kriegsschuldfrage“ im Ersten Weltkrieg ist eine leidige Angelegenheit. Sie reduziert sich aber imgrunde auf folgende Aussage:

Das Mächtesystem Europas ertrug den deutschen Nationalstaat gerade so lange, wie er bereit war, sich strikte Beschränkungen aufzuerlegen. Die ausgleichende Außenpolitik von Reichskanzler Otto von Bismarck war von seinen Nachfolgern jedoch nicht fortgesetzt worden; die europäischen Mächte empfanden das neue, weltpolitisch auftrumpfende Deutsche Reich als bedrohlichen Störenfried. Zudem versechsfachte Deutschland zwischen 1871 und 1914 seine industrielle Produktion und überflügelte damit Großbritannien.

In beiden Weltkriegen mußte sich Deutschland auf sich selbst verlassen, da es keine starken Brudernationen hatte, die es unterstützen konnten, stattdessen waren unsere Verbündeten immer so schwach, daß wir ihnen beim Überleben helfen mußten. Wegen der vertraglichen Bindung an die Donaumonarchie hatte Deutschland den Österreichern, die zu dieser Zeit bereits ziemlich geschwächt waren, nach dem Attentat von Sarajewo politische und militärische Unterstützung zu gewähren. Und im Zweiten Weltkrieg war Japan nie ein enger Freund Deutschlands. Es gab nur in einigen Situationen eine informelle Zusammenarbeit, die aber weitgehend folgenlos blieb.

Aber Hitler war von Pearl Harbor derartig enthusiasmiert, daß er, um seine Solidarität mit Japan auszudrücken, sofort an Amerika eine Kriegserklärung richtete, im festen Glauben Amerika sei im Pazifik genug beschäftigt und die U-Boot-Waffe würde schon Schlimmeres verhindern. Kein Bündnisvertrag hatte Hitler zu diesem wahnwitzigen Schritt gezwungen. Sicherlich spekulierte er auch darauf, daß Japan im Gegenzug Rußland den Krieg erklären würde. In diesem Fall wäre die UdSSR innerhalb eines halben Jahres zusammengebrochen. Schließlich wollte er sicherlich, auch die letzte Brücke hinter sich niederbrennen, um den Deutschen jede verbliebene Hoffnung auf eine nichtmilitärische Beendigung des Konflikts zu nehmen. In diesem Sinne war es auch eine Kriegserklärung an das eigene Volk: „Fanatismus oder Untergang“. Er wollte in Deutschland eine Mentalität wie in Japan. Und tatsächlich: Hätte die Wehrmacht auch nur den mittlerweile vollkommen sinnlosen Krieg wenige Wochen weiter ausgefochten, wäre die erste Atombombe auf Berlin gefallen!

Italien war der katastrophalste Freund, den Deutschland finden konnte. Nicht nur verlor Italien wirklich ausnahmslos jede einzelne Schlacht im gesamten Krieg, sondern wechselte schließlich auch noch die Seiten. Mussolinis Operetten-Abenteuer verzögerten den Angriff auf Rußland um sechs entscheidende Wochen und kosteten damit Deutschland den fast sicheren Sieg mit der Eroberung Moskaus vor dem Winter. Mussolini zwang Hitler in eine militärische Überexpansion in Afrika, Griechenland und Bulgarien hinein, die sich als zu viel für ein so kleines Land wie Deutschland erwies. Ohne diesen wahnsinnigen Amateur hätte kein deutscher Soldat jemals seinen Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt – stattdessen hätte Rommel Moskau erobert. Einige Tage vor seinem Tod erklärte Hitler nicht ganz zu Unrecht sinngemäß: „Wir hätten leicht den Krieg gewinnen können, wenn Italien unser Feind, nicht unser Verbündeter gewesen wäre!“ Und warum das ganze? Weil Hitler sich Mussolini gegenüber, den er bereits 1923 als Vorbild genommen hatte, persönlich verpflichtet fühlte!

Nie wurde der ganze Wahnsinn der Politik, das ganze erbärmliche Affentheater, mehr ad absurdum geführt als durch Hitler. Das gleiche gilt für jeden „materialistischen“ Versuch, die Geschichte zu erklären. – Aber zurück zu eben diesen materialistischen Grundlagen des Zweiten Weltkrieges, denn das ist schließlich der Rahmen, in dem sich das besagte Affentheater abspielte:

Im Gegensatz zu fast allen seinen Kriegsgegnern war Deutschland überbevölkert, hatte nur einen kleinen und leicht blockierbaren Zugang zu den Ozeanen, war, was Rohstoffe und selbst die Nahrungsversorgung anbetrifft, zur Selbstversorgung nicht in der Lage, hatte nach dem Versailler Vertrag keine einzige Kolonie mehr und direkt an unserer Grenze standen die Armeen von Österreich, Schweiz, Frankreich, Belgien, Niederlande, Dänemark, Polen und der Tschechoslowakei. Ein solches Land ist leicht angreifbar und erpreßbar im Gegensatz etwa zu Frankreich, England und Amerika.

Daher war in beiden Weltkriegen Deutschland stets knapp in der Zeit. Es wird immer so getan, als wären Wilhelm II. und Hitler in der Offensive gewesen: oberflächlich betrachtet waren sie das natürlich, aber bei genauerer Betrachtung der globalen Machtverhältnisse waren sie in einer (jedenfalls aus ihrer subjektiven Perspektive heraus) verzweifelten Defensive und mußten so schnell wie irgend möglich zum Befreiungsschlag ausholen, um nicht schließlich hoffnungslos marginalisiert zu werden. Frankreich, England und Amerika hatten alle Zeit der Welt, Deutschland nicht. Wenn Deutschland einen Krieg führen würde, mußte es jetzt und ein „Blitzkrieg“ sein, weil Deutschlands Lage nicht mehr hergab.

Für Deutschlands Gegner war die Situation umgekehrt – weil sie wußten, daß mit jedem Jahr, das verstrich, die Überlegenheit der Alliierten größer und ihre gemeinsame Bewaffnung immer überwältigender werden würde. Ein kleines Land wie Deutschland ist in der Regel nach 4 bis 5 Jahren der Kriegsführung komplett ausgeblutet, was die Anzahl der verfügbaren Soldaten und Ressourcen betrifft. Während England, Frankreich und die USA aufgrund ihrer überseeischen Besitzungen und zahllosen alliierten Staaten auf der ganzen Welt bei Bedarf 20 Jahre hätte weiterkämpfen können. (Sie taten es dann auch im 40jährigen Kalten Krieg!)

Deshalb taten im Zweiten Weltkrieg an der Westfront Frankreich und England anfangs rein nichts. Sie warteten nur, weil sie wußten, daß die Zeit für sie arbeitete. Erst recht sah es so bei Stalin aus, der im krassen Gegensatz zu Hitler so viel Zeit schinden mußte wie nur irgend möglich.

Hitler wußte jedoch, daß, was immer er auch tun wollte, es sehr bald geschehen müsse. Deshalb marschierte er in das abwartende Frankreich ein und überfiel nur ein Jahr später das ebenfalls abwartende Rußland. Dabei hatte er keinen „großen Plan“, sondern wurde zum großen „Vabanquespieler“, der jeweils spontan reagierte. Und genau das macht selbst für den Zweiten Weltkrieg die „Kriegsschuldfrage“ nicht so eindeutig, wie es uns die Historiker, die stets ihren volkspädagogischen Auftrag im Hinterkopf haben, weißmachen wollen.

Im Spätsommer 1939 richtete Hitler an Polen eine Friedensofferte nach der anderen, in der Hoffnung das Danzig-Problem am Verhandlungstisch zu lösen. In seinem Buch Der Krieg der viele Väter hatte dokumentiert der Bundeswehr-Generalmajor im Ruhestand Gerd Schultze-Rhonhof, daß die Polen von den Briten und Franzosen dazu angehalten wurden, sämtliche Friedens- und Verhandlungsangebote Deutschlands zurückzuweisen. Tragischerweise waren die Polen voll des Optimismus jeden denkbaren Krieg gegen Deutschland leicht zu gewinnen, weil England und Frankreich ihnen unverantwortlicherweise versprachen, daß sie sofort in Deutschland einmarschieren würden, sobald Deutschland es wagen würde, Polen anzugreifen. Deutschland wäre sofort in einen hoffnungslosen Zweifrontenkrieg verwickelt gewesen, den es schnell verloren hätte, da Deutschlands Bewaffnung ziemlich schwach war. Nachdem Polen alle Annäherungsversuche arrogant und brüsk von sich gewiesen hatte, sah Hitler keine andere Möglichkeit, als Polen so schnell wie möglich anzugreifen. Es ist wohldokumentiert, daß Hitler vollkommen überrascht war, als daraufhin Frankreich und England ihm den Krieg erklärten, da er davon überzeugt war, daß beide das denkbar unbedeutende Polen opfern würden – was sie dann ja auch taten.

Hitler improvisierte und die seiner Ideologie zutiefst widersprechende taktische Antwort auf die Bedrohung aus dem Westen war der Hitler/Stalin-Pakt, der Polen zwischen Deutschland und der UdSSR weitgehend nach den historischen Grenzen vor Versailles aufteilte. Über das Vorgehen Hitlers regt man sich zu Recht auf, aber über das unverantwortliche, feige und zutiefst verachtenswerte Verhalten von Frankreich und England wird großzügig hinweggegangen. Es schnürt einem die Kehle zu, wenn man an die unfaßbar heroischen polnischen Soldaten etwa am Monte Cassino denkt, die in englischer Uniform voller Todesverachtung für ein befreites Polen kämpften, zu einer Zeit als die Engländer Polen schon wieder hinters Licht geführt, verraten und verkauft hatten – diesmal an Stalin. Polen wurde in diesem Krieg von den Westmächten genauso verraten und verkauft wie die Juden!

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Hitler griff Frankreich nicht an, um es zu erobern, sondern weil er unter Zeitdruck stand und sich die Gelegenheit bot. Er wollte damit England imponieren und die englischen Expeditionstruppen vom Kontinent vertreiben. Der daran anschließende Luftkrieg gegen England war nur eine große Show, um ein friedliches „Gentlemen´s Agreement” zwischen Brudernationen zu erreichen und endlich freie Hand für sein eigentliches Ziel zu haben. Er wollte die Sowjetunion, die Deutschland im Ersten Weltkrieg geschaffen hatte, um Ruhe an der Ostfront zu haben, durch deutsche Hand wieder den garauszumachen. Dazu mußte er Stalins durchsichtigen Plan durchkreuzen, daß sich Deutschland und die Westmächte in einem aufreibenden Kampf gegenseitig schwächen würden, so daß Stalin bequem in das dann restlos ausgeblutete Westeuropa hineinmarschieren hätte können. In diesem Zusammenhang ist die Kriegsschuldfrage auch an die Sowjetunion zu richten!

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 5)

22. Juli 2013

Der 4. Teil endete mit der faschistoiden „La Grand Nation“. Die Ironie der ganzen Angelegenheit (und das Bittere für Deutschland) ist, daß Frankreich besonders stolz auf seine „militärische Überlegenheit über Deutschland“ ist, da in beiden Weltkriegen Frankreich sich (sozusagen als „Erntehelfer“) unter die „Sieger“ einreihen konnte. Eine Position, die faktisch mehr als fraglich erscheinen muß.

Während des gesamten Ersten Weltkrieges waren die französischen Soldaten so schwach, daß sie es (sogar mit alliierter Unterstützung) nie geschafft haben, auch nur einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen. Man darf auch nicht vergessen, daß die Deutschen an der Ostfront triumphal gesiegt hatten! Trotzdem legten die deutschen Soldaten ihre Waffen nieder, als noch Hunderttausende von ihnen tief auf französischem Boden standen, weil sie dem Versprechen von US-Präsident Wilson vertrauten, daß es einen „gerechten Frieden“ geben werde. Nachdem die Deutschen das getan hatten, benahmen sich die Franzosen sofort wie „die verdienten Sieger“, die die Deutschen arrogant erniedrigten, wo immer sie konnten.

Anfang der 1920er waren es im Rheinland vor allem schwarze französische und belgische Soldaten, die, wenn sie auf dem Bürgersteig einer deutschen Straße auf einen deutschen Passanten trafen, sich einen Spaß daraus machten, diesem ins Gesicht zu spucken und brutal mit einer Peitsche Hiebe zu versetzen, bis er blutend niedersank. Diese verächtliche Behandlung von Seiten der vermeintlichen „Sieger“ brachte Hitler so sehr in Rage, daß er in Mein Kampf klagte: „Wer brachte den Neger an den deutschen Rhein?“ Hitler war auch wegen der deutschen Mädchen von Zorn erfaßt, die von Schwarzen vergewaltigt wurden und dabei „ihr Blut mit dem arischen Blut mischten“. Man denke auch an Hitlers Phantasmagorien über die „französische Krankheit“ (Syphilis). (Übrigens war auch nach dem Zweiten Weltkrieg das französische Besatzungsregime im Vergleich mit dem der Amerikaner und Briten mit Abstand das Härteste!)

Ins deutsch-französische Verhältnis spielen viele Elemente hinein, von denen sexualökonomische nicht die geringste Rolle spielen. Da wäre einmal der Haß der Deutschen auf die Franzosen, die mit ihrer Revolution und Bonapartes Eroberungsfeldzügen die Deutschen von einem noch immer weitgehend mittelalterlich geprägten Ständestaat in die Neuzeit katapultierten mit all den neuen Freiheiten und Ungewißheiten, insbesondere was die Stellung der Frau in der Gesellschaft betraf.

Ein weiterer Faktor ist der Neid der deutschen auf die sprichwörtliche französische Lebenskultur. Ich erinnere mich der Erzählung von jemand, der zunächst in Deutschland in der Fabrik arbeitete und dann in Frankreich. Während es in Deutschland im Gespräch zwischen Kollegen fast ausschließlich um Fußball, schmierige Herrenwitze und anale Zoten ging, drehten sich die Gespräche in französischen Fabriken vor allem um reale amouröse Abenteuer, was leicht zu verifizieren war. Eine zwanghafte Analität und Verdruckstheit hier, eine erfrischende Genitalität und Offenheit dort. Gleichzeitig beneiden uns die Franzosen wegen unserer Arbeitsmoral und Effizienz. Es ist, als wenn in Frankreich die Sexualität die Arbeit blockierte, in Deutschland die Arbeit die Sexualität.

Für die Westeuropäer muß es im Ersten Weltkrieg gewesen sein, als wären von jenseits des Rheins tatsächlich „die Hunnen“ ins zivilisierte „römische Reich“ eingedrungen. Und tatsächlich war der Krieg gegen Belgien, das sich im Ersten Weltkrieg unerwarteterweise heftig zur Wehr setzte, äußerst brutal und ging mit Massenerschießungen von Zivilisten einher, es gab Plünderungen und „verbrannte Erde“. In mancher Hinsicht zeichneten sich bereits die deutschen Kriegsgreuel des Zweiten Weltkriegs ab. Schon damals „Partisanenbekämpfung“! Zumindest teilweise war es auch bereits ein „Weltanschauungskrieg“, in dem das protestantische Preußen gegen das erzkatholische Belgien und das kaum minder katholische Frankreich focht. Tatsächlich hatten die Deutschen etwas von Glaubenskriegern: „Wenn ihr euch nicht wehrt, dann passiert euch nichts, aber sobald ihr die Faust gegen uns erhebt, werden wir den Bann über euch vollstrecken!“ Es wurde geradezu als ungeheures Sakrileg empfunden, daß die Belgier, die nicht mal eine richtige Nation waren, ihr eigenes Land verteidigten! Ganz ähnlich reagierten die Deutschen im Zweiten Weltkrieg, als die Polen und die Holländer „die ungeheuerliche Frechheit besaßen“ – zurückzuschießen… Der „Herrenmensch“, mit seinem ach so kostbaren Blut, macht seine Aufwartung!

Umgekehrt muß es für die Deutschen so gewesen sein, als würde sich die seelenvolle „Kultur“ (beispielsweise vertreten durch die Musikdramen Wagners) gegen eine entmenschte und liederliche französische „Zivilisation“ erheben, die schon damals viel von dem beinhaltete, was wir heute so an Amerika und Hollywood verabscheuen: das „Moulin Rouge“ und alles für was es steht. Objektiv hat auf beiden Seiten natürlich nur eins triumphiert: die Menschenfleisch zerfetzende und zermalmende Maschine. Das war auch die Essenz von Reichs Kriegserinnerungen: das sinnlose gegenseitige Massaker von Maschinenmenschen-Armeen. (An anderer Stelle habe ich mich mit der gegenteiligen Auseinandersetzung mit dem Krieg bei Freud und Reich auseinandergesetzt.)

Im Zweiten Weltkrieg besiegte Deutschland Frankreich in nur wenigen Wochen, obwohl die durch und durch kriegsunwilligen Franzosen einen enormen Rüstungsvorsprung vorzuweisen hatten und darüber hinaus erhebliche militärische und logistische Unterstützung von britischen Elite-Einheiten auf französischem Boden erhielten. Der eine oder andere wird sich an Geißlers Bundestagsrede erinnern, daß die Pazifisten in Frankreich mit für Auschwitz verantwortlich waren. Man war damals empört oder machte sich über Geißler lustig, aber der hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Mit dem entsprechenden Willen und einer fähigeren Militärführung hätten die Franzosen Hitler gleich am Anfang des Krieges in seine Schranken weisen können. Selbst die Tschechoslowakei hätte sich wehren können, wenn sie nicht im Namen des „Friedens“ von Frankreich und England verraten worden wäre! Jedenfalls hatte die Wehrmacht eine Todesangst vor der Tschechoslowakei und war darauf und dran den wahnsinnigen Vabanquespieler Hitler zu entmachten – doch dann kam „München“!

Andererseits: Man hat sich immer wieder über die schlechten militärischen Leistungen der Italiener im Ersten und Zweiten Weltkrieg lustig gemacht, die nicht vergleichbar seien mit den Leistungen der deutschen Soldaten. Mag ja sein, aber die Italiener haben trotzdem ihre Ehre gerettet, während die deutschen sie verwirkt haben. Die Italiener haben nämlich auffällig häufig Ritterlichkeit und Rücksicht, etwa auf verwundete Gegner gezeigt, während die Deutschen fast durchweg unter dem Motto handelten „Krieg ist Krieg!“ Die Deutschen haben ihre Seele an den Kriegsgott, an den Teufel verkauft, die Italiener nicht. So sehen sich die Italiener auch selbst gerne – und schätzen es gar nicht, wenn man sie an die ungeheuerlichen und feigen Massaker im vollkommen sinnlosen Krieg in Abessinien erinnert…

Während der Jahre der deutschen Besatzung hatte Frankreich die höchste Rate an Kollaborateuren von allen besetzten Ländern. Nur mit Hilfe von 188 anderen Nationen (ohne jeden signifikanten eigenen Beitrag und nicht vor 1945) fand sich Frankreich schließlich unverhofft unter den Siegern wieder! In den 68 Jahren seitdem haben sie sich wie „die glorreichen und stolzen Sieger über Deutschland“ benommen. Bei der Wiedervereinigung 1989/90 mußte Kohl einer Kreatur wie Mitterand die Füße küssen und ihn um seine Erlaubnis bitten, welche Mitterrand erst gab, nachdem Kohl Frankreich Abermilliarden zusätzlicher Reparationszahlungen für die Stärkung der französischen Volkswirtschaft versprochen hatte. Nicht zuletzt zwangen uns die Franzosen als Preis für die Wiedervereinigung den Euro auf!

Der widerlichste Akt der Franzosen ereignete sich aber unmittelbar nach der Befreiung, als sie ihre Scham, ihre Schuldgefühle und ihren unterdrückten Haß vor allem an einer Bevölkerungsgruppe ausließen: an den Frauen, die mit deutschen Besatzungssoldaten „angebandelt“ hatten oder auch nur für deutsche Dienststellen als Sekretärinnen tätig gewesen waren: Rache für die „horizontale Kollaboration“.

Bei all dem gibt es nicht wirklich eine „gute“ und eine „böse“ Seite: es gibt nur die Emotionelle Pest und ihr Opfer, das Lebendige. Der mechanistische Geist stellt sich immer auf eine Seite, deren Fehlverhalten geflissentlich relativiert wird, und fühlt sich dann vielleicht sogar als großer „Aufklärer“. Ganz vergessen wird dabei, daß es immer nur um die eine Sache geht:

lebendigepest