Posts Tagged ‘Wilhelm Reich’

Wilhelm Reich, Physiker: 3. Der physikalische Laie Wilhelm Reich, b. Der Atomkern

8. Februar 2026

Wilhelm Reich, Physiker: 3. Der physikalische Laie Wilhelm Reich, b. Der Atomkern

Bernd A. Laska liest den Roman IDEALISTEN von Hans Scherfig (Teil 3)

4. Februar 2026

Bernd A. Laska liest den Roman IDEALISTEN von Hans Scherfig (Teil 3)

Bernd A. Laska liest den Roman IDEALISTEN von Hans Scherfig (Teil 2)

30. Januar 2026

Bernd A. Laska liest den Roman IDEALISTEN von Hans Scherfig (Teil 2)

Reichs Vorwort zur dänischen Ausgabe von Freuds DREI ABHANDLUNGEN

20. Januar 2026

VORWORT ZUR DÄNISCHEN AUSGABE

Die „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ von Sigmund Freud sind grundlegende Bestandteile des komplizierten und entwicklungsreichen Gebäudes, das er mit der Psychoanalyse geschaffen hat. Dieses Werk Freuds wird in seinem Schülerkreis mit Recht die „Bibel der Psychoanalyse“ genannt. Dennoch ist es seinem Wesen nach von nichts so weit entfernt wie von einer Bibel: Es enthält die sichersten Elemente einer naturwissenschaftlichen Sexualtheorie. Wie viele neue Entdeckungen die zukünftige Forschung innerhalb der Sexualpathologie und Psychopathologie uns auch schenken mag, Freuds Entdeckungen, wie sie hier zusammengefasst sind, werden nicht nur weiterhin die Grundlage jeder weiteren Sexualforschung bleiben, sondern ihr wesentlichster Inhalt wird zum bleibenden Besitz menschlichen Wissens gehören. Die Lehre vom Dasein und von der Entwicklung der Sexualität beim Kinde wird vielleicht in diesem oder jenem Detail, zum Beispiel in der Frage der sexuellen Konstitution, eine gewisse Korrektur erfahren, aber dass die Kinder von Geburt an von libidinösen Lustmechanismen beherrscht werden, kann nicht mehr geleugnet werden. Was Freud hier mit Hilfe der psychoanalytischen Methode entdeckte, wurde später durch die Entdeckung von Lipschütz u. a. bestätigt, dass der physiologische genitale Hormonapparat nicht, wie man bisher glaubte, erst in der Pubertät zu funktionieren beginnt, sondern bereits um die Geburt herum. Freuds Abgrenzung des Begriffs der Sexualität vom Fortpflanzungsbegriff und die Erweiterung des Sexualitätsbegriffs um die nichtgenitale (orale, anale usw.) Sexualität hat die gesamte Sexuologie auf ein sicheres Fundament gestellt. Die Formulierung des Begriffs der „Libido“, die er vor nunmehr über dreißig Jahren gab, als Maß der Energie des Sexualtriebes, und das Aufzeigen der Zusammenhänge zwischen den sexuellen Ich- und Objektinteressen, hatte einen umwälzenden Einfluss auf das gesamte Verständnis der seelischen Störungen. Selbst dort, wo Freud sich nur plastischer Bilder bediente, um die schwierigen seelischen Prozesse anschaulich zu machen, etwa im Vergleich zwischen der Aussendung des Objektinteresses und einem Pseudopodium, hat er sehr tiefe biologische Probleme berührt.

Da Laien die Psychoanalyse oft als eine Art Spekulation betrachten, kann nicht deutlich genug betont werden, dass jedes einzelne Stück ihrer naturwissenschaftlichen Theorie auf mühsamste Weise gewonnen wurde, und zwar nicht nur durch Selbstbeobachtung, sondern durch monatelange, oft jahrelange Beobachtung und Analyse krankhafter Seelenzustände. Die psychoanalytische Erkenntnis ist für jeden zugänglich, der sich die Methode der Analyse angeeignet hat oder frei genug von Sexualwiderstand ist, um die Phänomene, die ihr zugrunde liegen, unmittelbar an Kindern und Geisteskranken zu beobachten.

Die vorliegende dänische Übersetzung von Freuds Werk wird zweifellos vielen, die sich aus Mangel an Orientierung der Feindschaft gegen die Psychoanalyse angeschlossen haben, die notwendige Klarheit bringen, sodass sie selbst über den Wert der analytischen Forschung urteilen können.

Wilhelm Reich.

Übersetzt von Robert Hase

Quelle: TRE AFHANDLINGER OM SEXUALTEOR I SIGMUND FREUD PROFESSOR, DR. MED.

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Ankündigung von Reichs Vortrag „Sozialpolitik und Kulturrevolution“

6. Januar 2026

In der Roten Fahne* der KPÖ war folgende Ankündigung zu finden:

Sozialpolitik und Kulturrevolution

Zum Vortrag des Gen. Dr. Wilhelm Reich am Sonntag, den 3. Jänner.

Die Herrschaft der bürgerlich-kapitalistischen Klasse über die Arbeiterschaft wird so lange als möglich durch ideologische Beeinflußung gestützt, die zeitweise sogar wichtiger erscheint, als die Gewalt des bewaffneten Staatsapparates. Jahrhundertelang sehen wir, wie Kirche, Literatur, Kunst und Wissenschaft in den Dienst der herrschenden Klasse gestellt werden, um bei den unterdrückten und ausgebeuteten Massen Unterwerfung, Angst, das Gefühl der Machtlosigkeit zu erzeugen.

Mit steigender Radikalisierung der Arbeiter-und Bauernschaft, wenn das Klassenbewußtsein sich andauernd verstärkt, tritt daher nicht bloß eine Verschärfung der bewaffneten Gewalt ein (Steigerung des Budgets für Heer, Polizei, Gendarmerie, Aktivität der Gummiknüttel, grundlose und willkürliche Verhaftungen und lang dauernde Untersuchungshaft, während fette, reiche Hochverräter nach kurzer bequemer Scheinhaft entlassen werden, brutale Behandlung der Proletarier usw.), sondern auch eine Verschärfung der Kulturreaktion zeigt sich auf allen Gebieten.

Weil man die Freidenkerbewegung (allerdings in zahmen, sozialdemokratischen Formen) jahrelang toleriert hat, werden jetzt revolutionäre Spieltruppen verhaftet, weil sie sogenannte Gottlosenszenen aufführen. Proletarische Literatur und Zeitungen werden in großem Maße beschlagnahmt. Und auch in den Fragen der Sexualpolitik – diese ist eines der wunderbarsten Mittel, um vor allem die Frauen des Proletariats und durch sie auch die Männer in Angst und Abhängigkeit zu erhalten – zeigen sich verschärfte Maßnahmen gegen die Aufklärung, gegen die Abschaffung des Paragraph 144 usw.

In Deutschland, wo die gewaltige, revolutionäre Arbeiterbewegung die Kulturreaktion bekämpft, sind in den letzten Jahren zahlreiche Organisationen im Kampf gegen die Kulturreaktion entstanden. Genosse Dr. Wilhelm Reich, der sich im letzten Jahre in Deutschland aufgehalten hat, hält nun zu diesem Thema einen Vortrag am 3. Jänner 1932, in Dreher Saal, Wien, 3. Bez., Landstraßer Hauptstraße 97.

Im Zusammenhange mit den gestellten Problemen wird Gen. Dr. Wilhelm Reich auch über die Sexualfrage der Arbeiterklasse sprechen.

* Quelle: Die Rote Fahne, Zentralorgan der Kommunistischen Partei Oesterreichs, Wien, Samstag, 2. Jänner 1932, Seite 4

„Gummiknüttel“: altes Wort für Gummiknüppel

„revolutionäre Spieltruppen“: siehe https://www.akweb.de/gesellschaft/agutprop-kpd-kunst-bretter-die-die-revolution-bedeuten/

„gegen die Abschaffung des Paragraph 144“: bezieht auf den Abtreibungsparagraphen (Fassung bis 1974), der lautet: „§144. Eine Frauenperson, welche absichtlich was immer für eine Handlung unternimmt, wodurch die Abtreibung ihrer Leibesfrucht verursacht, oder ihre Entbindung auf solche Art, daß das Kind tot zur Welt kommt, bewirkt wird, macht sich eines Verbrechens schuldig.“

Dreher Saal: https://www.dasrotewien.at/seite/drehers-etablissement

Gastbeitrag von Robert Hase

Peter Töpfer (Teil 17)

5. Januar 2026

Töpfer unterscheidet zwischen „präsexuellen“ und sexuellen Bedürfnissen. Die ersteren könnten zwar etwas „Lustvolles“ haben, aber nichts Geschlechtliches, Sexuelles (Tiefenwahrheit, S. 292-298). Nun, das ist identisch mit Freuds und Reichs Unterscheidung von prägenital und genital! Die sexuellen Perversionen von Erwachsenen kann man lückenlos auf deren prägenitale Sexualität zurückführen. Allein von daher ist die Leugnung einer kindlichen Sexualität widersinnig. Reich definiert „sexuell“ als „lustvolle Expansion“! Im übrigen ist es nicht Reich, der Kinder „sexualisiert“, sondern eine Gesellschaft, die milliardenfach Penisse von Kindern (teilweise schon von Säuglingen!) verstümmelt:

Die sexualverneinende Gesellschaft macht aus praktisch jedem kleinen Mädchen eine Hysterikerin, die schon vor der Pubertät mit x-Beinen und nach innen weisenden Füßen rumläuft, weil das Patriarchat in keinster Weise mit der Sexualität von weiblichen Kindern umgehen kann. Ich erinnere nur an das „berüchtigte“ „Beckenschlagen“ von jungen Mädchen! Was ist mit den unzähligen kleinen Jungs, die schlaflose Nächte haben, wenn sie voller Horror sehen, daß ihre Spielkameradin, die statt männlicher Genitalien eine Wunde hat , offensichtlich kastriert wurde? Nicht wir „Reichianer“ sind die Perversen, sondern die antisexuelle (antigenitale) Drecksgesellschaft, der der vermeintliche „Anarchist“ Töpfer derartig fanatisch verteidigt!

Es ist wie mit Töpfers lächerlichem „Agnostizismus“: sein Angriff auf den „Maschinenmenschen“, der von vegetativen Strömungen durchflossen wird, die sich entladen müssen, entstammt einer tiefsitzenden erzreaktionären Loyalität gegenüber der überkommenen durch und durch verkommenen gepanzerten Gesellschaft.

Daran schließen sich dann 150 Seiten über den pädosexuellen Juden Reich an, dessen ganze Sexualität „schmutzig“ war (S. 315):

Wir können dieses große Thema im Rahmen dieses Buches natürlich nicht erschöpfend behandeln. Hatten Freud und Reich eine Mitschuld an der Verbreitung dieser verbrecherischen Erscheinung in der 68er Bewegung („sexuelle Revolution“) und ganz besonders in der Post-68er Bewegung (Alternative Liste, Partei Die Grünen, bei denen es von Reichianern wimmelte)? Wenn ja, würde das Reichs Gegenwart in einem dem intakten Individuum gewidmeten Projekt LSR schwer in Frage stellen. (S. 299)

Immerhin hatten Freud und Reich erfolgreich die „Lustzonen“ zu sexuellen Zonen umdeklariert, also Nichtsexuelles sexualisiert. Das war ein erster Schritt in Richtung Pädokriminalität. (S. 300)

(…) so ist wohl Reichs Verbleib in der illustren Runde der Radikalen Aufklärer neben Stirner und La Mettrie allein aufgrund der Überschneidungen mit der normalen, wissenschaftlich unapologisierten Pädokriminalität kompromittiert. Es ist – zumal nach der definitiven Enttarnung Reichs als ich-feindlicher Mechanist und dessen Therapie als „ineffizient“ (Laska) – endgültig „an der Zeit“ (Laska), Reich durch Janov und LSR durch LSJ oder am besten gleich durch LST zu ersetzen. (S. 302)

Und wer genau hat Reich letztendlich durch Töpfer ersetzt? Bingo!

Inzwischen scheint Nasselstein aber auch bezüglich der „orthodoxen“, also der unmittelbar von Reich autorisierten Orgonomie desillusioniert zu sein. Er glaubt einerseits immer noch an das Gute in der Orgonomie: „Andererseits wachsen die eigenen Kinder der Orgonomen unter denkbar optimalen Bedingungen auf, doch“, so fährt Nasselstein andererseits fort, „immer wieder gibt es dort neurotische Wracks, Schizophrene, Perverse – und kein Mensch weiß, was passiert ist.“ Das schrieb Nasselstein am 1. August 2024 – da hatte er zwei Monate zuvor schon seine Rezension des ihn erschütternden Buches von Paki S. Wright geschrieben! Da „wußte“ er also schon längst, „was passiert ist“. (S. 306)

Nein, Nasselstein denkt nicht an sexuellen Kindesmißbrauch. Nicht alles Leid der Welt geht auf diesen einen Faktor zurück! Aber weiter in Text:

Man kann aber Nasselstein überhaupt nicht vorwerfen, die Augen vor diesen Verbrechen verschlossen zu haben. Einerseits ist das das mindeste und selbstverständlichste, aber andererseits rechne ich ihm als Orgonomen das trotzdem hoch an, weil ich weiß, was ihm die Orgonomie bedeutet. Aber hier hören der Spaß und die Bedenken wegen „Nestbeschmutzung“ allerspätestens wirklich auf. Das ist Nasselstein absolut klar; dafür will er sicherlich keinen Orden. Wofür ich ihn eigentlich lobe, ist, wie schonungslos und ausführlich er hier die Orgonomie im Grunde auseinandernimmt und zerstört. (S. 306)

Man sieht, daß ich Töpfer verwirrt habe: einerseits, andererseits. Alles geschenkt, aber wie er dann daraus eine Anklage ausgerechnet gegen LASKA schmiedet…

Bei Laska habe ich noch nie eine Andeutung darüber gelesen. Ist Laska das alles vollständig entgangen? Die Bücher von Paki S. Wright und Malcolm J. Brenner sind zwar erst 2002 bzw. 2015 veröffentlicht worden, doch bis zum 14.02.15 hat Laska noch an den 307 Webseiten des LSR-Projektes gearbeitet. Im Jahre 2002 ist immerhin noch etliches an Aktivität auf der Seite feststellbar, aber nichts wird davon erwähnt. Sollte Laska wirklich nichts von „The All Souls‘ Waiting Room“ mitbekommen haben? Oder war ihm – einem der am meisten an Reich Interessierten der Welt – dieses bedeutende Buch keinen kleinen Text wert? Laska hätte doch auch noch nach dem Februar 2015 zur Feder greifen müssen, um das andere Buch – das von Brenner – irgendwie zu erwähnen, so bedeutend für die Reich-Thematik ist auch dieses. (S. 306f)

Unvermittelt wird aus einem Fall Reich ein Fall Laska!

Doch unabhängig von diesen beiden Autoren muß Laska – nicht so ein vergleichsweise eher oberflächlicher Reich-Interessent wie ich – doch mal etwas zu Ohren gekommen sein. – Ist er nie entsprechenden Hinweisen nachgegangen? Selbst Gerüchte, wenn sie solch schwere Anschuldigungen vortrugen, sollte man doch als sonst so überaus akribischer Reich-Forscher ernst nehmen und prüfen – ganz zu schweigen davon, daß auch er – wie ich – darauf hätte kommen können, daß in einer „aktiven Unterstützung der Sexualität von Kindern“ nicht nur etwa eine riesige Gefahr lag, sondern bereits eindeutig kriminelles Handeln. (S. 307)

Der neumodische Whataboutism, d.h. jeder kann Laska alle möglichen Versäumnisse an den Kopf werfen – vom Leid der Palästinenser bis hin zum Klimanotstand, vom Leben nach dem Tode bis hin zur karnivoren Ernährung. Töpfer hat das LSR-Projekt schlichtweg nicht verstanden: an L und S und R war Laska so gut wie alles gleichgültig bis auf den einen Punkt, der sie jeweils zu Parias der Geistesgeschichte gemacht hat. Und was nun spezifisch Reich und den sexuellen Kindesmißbrauch anbelangt: Laska war hier nur an einem Text interessiert, Reichs Aufsatz „Eltern als Erzieher“ von 1926. Dort geht es um den neurotischen „Erziehungszwang“ der Eltern, gegen den Reich auf die „Enthaltsamkeit in der Erziehung“, d.h. äußerste Zurückhaltung bei den Erziehungsmaßnahmen setzt.

Bei Töpfers Anschuldigungen gegen Reich und die Orgonomie in Sachen Kindersex, für die ich, Peter Nasselstein, einzige Quelle bin, wird ständig Laska dazwischengeschoben.

Laska hat sich 1981 explizit in die Diskussion über die „infantile Sexualität“ eingemischt. Wenn jemand – in diesem Falle Hansjörg Hemminger (…) – die Frage „Sexualität beim Kind: ja oder nein?“ mit „nein“ beantwortet, wird er von Laska lächerlich gemacht – „Hemminger glaubt dies entweder selbst“ –, oder Hemmingers Leser werden zu Idioten gemacht: „oder er setzt auf die Unwissenheit seines akademischen Fachpublikums“. (S. 317)

Laska beruft sich auf den Biologen Max Hartmann, einem Zeitgenossen Reichs, für den die Sexualität ein allgemeines Naturphänomen darstellte, das nicht mit Fortpflanzung identisch war. Allein schon dadurch macht sich Laska mitschuldig:

Warum Laska die beiden Fragen – „infantile Sexualität“ und Sex Reproduktions-Verkoppelung – vermischt, haben wir schon durchschaut: Es ist der billige „Alle-Lebewesen-auch-vorpubertäre-Menschen“-Trick, mit dem er die „infantile Sexualität“, eine folgenreiche Spinnerei seiner Helden Freud und Reich, retten will. (S. 319)

Von S. 317 bis S. 344 wird Laskas Haltung zur infantilen Sexualität ausgewalzt, was in folgendem kulminiert:

Ich will nicht abstreiten, daß Reich Beiträge zur Selbststeuerung des Menschen (…) geleistet hat. – Das mit dem „Gesundheitskriterium“ gehört aber schon mal nicht dazu. Aber erst recht ganz und gar nicht gehört die These von der „Sexualität vorpubertärer Menschen“ dazu, weil sie nicht nur Schwachsinn ist – das allein wäre die harmlose Spinnerei eines Verrückten –, sondern weil sie kriminell ist und im Zuge der Umerziehung eine enorme Wirkmächtigkeit gehabt hat und hat. Das Ziel (die orgastische Potenz), fährt Laska in seiner quintessentiellen Einführung fort, sei, so R, durch „Prophylaxe“ zu erreichen. Das heißt nichts anderes als die ekelhafteste und verbrecherischste Propaganda, die tatsächlich heutzutage fanatisch bis in die Kindergärten hineingezwungen wird und schon längst keine bloße Propaganda mehr ist. Eine Beteiligung Laskas, wie aller Reichianer, daran kann und darf – bei allen guten Leistungen Laskas – nicht weggewischt werden. (S. 343f)

Kurioserweise sagt Töpfer „abschließend“, daß in der „Tiefenwahrheit“ natürlich jeder an die infantile Sexualität glauben dürfe: „Hier zählt nur jedermanns eigene Wahrheit“ (S. 344).

Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonbiophysik, a. Wissenschaftstheorie

29. Dezember 2025

Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonbiophysik, a. Wissenschaftstheorie

W. Reichs fotografische Darstellung des Orgasmusreflexes

19. Dezember 2025

Robert Hase

Bislang war mir nicht bekannt, dass Wilhelm Reich den Orgasmusreflex bildlich darzustellen versucht hat. In seiner Broschüre Orgasmusreflex, Muskelhaltung und Körperausdruck* enthält der Bildteil jedoch ein Foto, das offenbar den Orgasmusreflex zeigen soll. Die Aufnahme ist allerdings von äußerst geringer Qualität und vermittelt kaum erkennbare Details.

Es stellt sich die Frage, weshalb Reich ein derart unscharfes und inhaltlich wenig aussagekräftiges Bild in seine Publikation aufnahm. Auf dem Foto ist ein Arm in einem hellen Hemd zu sehen; auf Höhe des Oberarms befindet sich eine Hand, vermutlich die Reichs selbst, möglicherweise aber auch die des abgebildeten Patienten. Im Oberkörper und Becken ist eine starke Schrägstellung zu erkennen, die offenbar eine Phase des Orgasmusreflexes darstellen soll. Eine eindeutige Interpretation ist jedoch nicht möglich.

Das Foto besitzt keine dokumentarische oder wissenschaftliche Beweiskraft. Dennoch scheint Reich selbst die Abbildung als bedeutsam erachtet zu haben, da er sie trotz ihrer geringen Qualität veröffentlichte. Weiteres Bild- oder Filmmaterial Reichs zum Orgasmusreflex ist mir bislang nicht bekannt.

* Reich, Wilhelm: Orgasmusreflex, Muskelhaltung und Körperausdruck. Zur Technik der charakteranalytischen Vegetotherapie. Der dialektische Materialismus in der Lebensforschung. Bericht über die Bion-Versuche. Klinische und experimentelle Berichte. Abhandlungen zur personellen Sexualökonomie Nr. 5. Sexpol-Verlag, Oslo-Kopenhagen, 1937

THE JOURNAL OF ORGONOMY: chronological index vols. 1-57 (1967-2025)

7. Dezember 2025

THE JOURNAL OF ORGONOMY: chronological index vols. 1-57 (1967-2025)

Schlechte und billige Ausgabe von DIE FUNKTION DES ORGASMUS

4. Dezember 2025

Robert Hase

1978 las ich zum ersten Mal Reichs Die Funktion des Orgasmus. Die Entdeckung des Orgons. Sexualökonomische Grundprobleme der biologischen Energie als Fischer-Taschenbuch. Im Vergleich zu heutigen Ausgaben war das Format kleiner (10,5 × 18 cm) als bei späteren Auflagen. Sehr nachteilig war außerdem die schlechte Klebebindung: Oft brach sie auseinander, sobald man die Seiten zu weit nach außen bog.

Was mich fast zur Verzweiflung brachte, war die Wiedergabe der Zeichnung des vegetativen Nervensystems aus Müllers Lebensnerven, die am Schluss des Buches abgedruckt war. Sie erschien in Graustufen – laienhaft oft als Schwarz-Weiß-Bild bezeichnet.

Ich erinnere mich noch, wie ich stundenlang darauf schaute, um irgendwas zu erkennen.  Es war eine echte Nervenprobe, weil die Unterschiede kaum sichtbar waren. Ich überlegte, mit Farbstiften das hellere Grau zu markieren.

Was mir bislang nicht bewusst gewesen war: Sowohl Müllers Originalfassung der Zeichnung als auch die der Ausgabe von 1942 erschienen in Farbe. Erst als ich Müllers Lebensnerven sowie die US-Ausgabe von 1942 erwarb, bemerkte ich, dass das Original tatsächlich farbig war und man die „Lebensnerven“ dadurch deutlich erkennen konnte. Nun ließen sich drei Farben klar voneinander unterscheiden.

Aus: Orgasmusreflex, Muskelhaltung und Körperausdruck

Zudem stellte ich fest, dass die Ausgaben der Orgone Institute Press alle als Festeinband und auf hochwertigem Papier hergestellt wurden. Man könnte sich nun erklären, dass ein Taschenbuch möglichst billig produziert werden muss und ein Farbdruck das Buch erheblich teurer gemacht hätte. Dennoch bleibt die Frage, warum der Wilhelm Reich Infant Trust Fund eine derart deutliche Qualitätsverschlechterung zuließ. Wollte man das Buch um jeden Preis verbreiten, oder waren die Lizenzgebühren von existenzieller Bedeutung?