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Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 6.i.

4. Mai 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

6. Äther, Gott und Teufel

a. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

b. Spiritualität und die sensationelle Pest

c. Die Biologie zwischen links und rechts

d. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

e. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

f. Die gesellschaftlichen Tabus

g. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

h. Dreifaltigkeit

i. „Ätherströme“, Überlagerung und gleichzeitige Wirkung

Die Lebensenergie am Rande der Wissenschaft

27. März 2015

Karl Freiherr von Reichenbach (1789-1869), Od;
Martin Ziegler (1818-1893), Atonizität und Zoozität;
Abbé Fortin (um 1820-1890), das atmosphärische Fluidum „Magnetismus“;
E.K. Müller (erste Beobachtung 1882 – Buch 1932), objektiver Nachweis einer biologischen Emanation;
Wilhelm Reich (1897-1957), Orgon;
Andrew Crosse und seine „künstlichen Insekten“ (1837);
Oskar Korschelt (1840?-1935?), Entwicklung von Äther-„Lebensstrahlern“;
Franz Dyonis Rychnowski (1850-1930?), der ätherische Stoff „Elektroid“;
René Blondlot (1849-1930; Veröffentlichung 1903), N-Strahlen (mit denen später der russische Nervenarzt Naum W. Kotik in Odessa bei der Untersuchung der psycho-physischen Energie arbeitete);
die Parapsychologie und Esoterik und ihr Konzept vom Fluidalkörper des Menschen;
Viktor Schauberger (1885-1958), „Implosion und Spiralbewegung“, „Frucht und Befruchtungsstoffe“;
„Panspermie, Gene und Archetypen“.

Das ist der Inhalt des Buches Die Grauzone in der Wissenschaft von Lars Jörgenson (Berlin: WDB-Verlag, 1990), das einen hervorragenden Überblick über die Erforschung der kosmischen Lebensenergie bietet. Nebenbei werden kurz angeschnitten:
Radiästhesie,
Akupunktur,
Georges Lakhowsky (1870-1942) und sein „Universion“,
Jagadis Chandra Bose (1858-1937) und seine Arbeit zur Pflanzenphysiologie (die in vielem Reichs bioelektrischen Experimenten am Menschen entspricht – siehe auch den „Backster-Effekt“),
Kirlianphotographie und die von Jörgenson im Anschluß an F.A. Popp selbst vorgenommenen Untersuchungen der Biostrahlung mit dem Photomultiplier.

Nicht zu vergessen Franz Anton Mesmers (1734-1815) „Animalischer Magnetismus“ und sein „Baquet“, sowie Samuel Hahnemanns (1755-1843) Homöopathie. In seinem Organon der Heilkunst spekuliert Hahnemann kurz über eine kosmische Energie, die die Planeten in der Umlaufbahn hält und er beschreibt seine Erfahrungen mit dem „Mesmerismus“.

Dem Leser fällt sicherlich noch weiteres ein: das „Mana“ und der ganze Animismus der Naturvölker, der „Große Geist“ der Indianer, das „Prana“ und die „Gunas“ des Yoga, das „Brahman“ des Vedanta, das „Akasha“ (Äther) der materialistischen indischen Schulen.

Das Konzept der drei Guna (Qualitäten) finden wir in den Upanischaden und anderen klassischen Schriften der Inder. Die „Guna“ sind Bestandteil des Prakriti (Materie): das weiße Sattva (das Gute, Klarheit), das rote Rajas (Schleier, Leidenschaft) und das schwarze Tamas (Behinderung, Finsternis). Die Vorstellung dieser drei Qualitäten der Materie soll sich, nach dem Indologen Helmuth von Glasenapp, von der Beobachtung der Atmosphäre hergeleitet haben. Die Parallelität, z.B. von der Farbe her, zu den drei Zuständen der Lebensenergie ist offensichtlich – frische, gesunde Orgonenergie (OR); fiebrige, aufreizende Energie (ORANUR); und abgestorbenes, tödliches (DOR).

Das „Chi“ oder „Qi“ des Taoismus hat eine giftige Form, den „schlechten Atem“, das „schwarze“ Sha, das als bewegungsloses, stagniertes Qi dem DOR entspricht.

Weitere Traditionen sind der „Heilige Geist“ des Christentums im allgemeinen und die „göttlichen Energien“ der Orthodoxie im besonderen, die „Quintessence“ der Alchimie, die Metaphysik von Heraklit bis Heidegger, die naturphilosophische Linie Bruno, Goethe, Schelling und alles was dazugehört, z.B. die Arbeit von Theodor Schwenk und anderer „Goetheisten“ und Anthroposophen.

Goethe schrieb 1825 über die damals noch kaum erforschte Elektrizität:

Diese darf man wohl und im höchsten Sinne problematisch ansprechen. Wir betrachten sie daher vorerst unabhängig von allen übrigen Erscheinungen; sie ist das durchgehende allgegenwärtige Element, das alles materielle Dasein begleitet, und ebenso das atmosphärische; man kann sie sich unbefangen als Weltseele denken. Inwiefern sie sich nun ruhig verbirgt, sodann aber durch den geringsten Anlaß gestimmt wird, sich bald von dieser, bald von jener Seite zu zeigen, einen oder den ändern Pol herauszukehren, sich anzuhäufen und von da sich unbemerkt wieder zu zerstreuen, oder aber wohl mit den gewaltsamsten und wunderbarsten Explosionen sich zu manifestieren, darüber möchte wohl schwer sein, durch Erfahrung nachzukommen, ob sich schon nicht leugnen läßt, daß Barometer- und Thermometerstände darauf bedeutend einfließen mögen.

Luigi Galvanis (1737-98) „animalische Elektrizität“ zusammen mit der ganzen frühen Erforschung der Elektrizität, die in Wirklichkeit mit der Orgonenergie identisch war. Zum Beispiel stimulierten die beiden französischen Abbés Jean Antoine Nollet und Pierre Bertholon de Saint Lazare in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Wachstum von Pflanzen. Bertholon erfand zu diesem Zweck 1783 sein „Elektrovegetometer“. Robert O. Becker (1977) hat daran wieder angeknüpft mit seiner Regeneration von tierischem Gewebe durch elektrische Felder.

Das Konzept „Äther“ geht auf Giordano Brunos Vorstellung von einem alles durchdringenden und umfassenden kosmischen Kontinuum zurück. Sie ermöglichte über Huygens Wellentheorie des Lichts, die ohne die Anregung durch Bruno nicht zustande gekommen wäre, ein Verstehen der elektrischen Wechselwirkung. Faraday berief sich bei seiner Feldtheorie auf den Philosophen R.G. Boscovich (1711-1787), dessen 1755 dargelegte dynamistische Atomistik und energetische Materievorstellung auf Leibniz beruhte und so auf Bruno zurückweist. Bei Boscovich sind die Atome „Kraftzentren“, die mit „Kraftsphären“ ausgestattet sind. Dies regte Faraday zu seiner Vorstellung von den „Kraftlinien“ an, woraus sich dann direkt die Theorie Maxwells entwickelte, „die im Grunde nichts weiter ist als die Übersetzung der Faradayschen Kraftlinienvorstellung in die exakte Sprache der Mathematik“ (Max Born: Die Relativitätstheorie Einsteins, Berlin 1964, S. 147).

Schelling beeinflußte mit seinem Konzept der „einen schöpferischen kosmischen Urkraft“ Physiker wie Christian Oersted und seine Begründung der elektromagnetischen Theorie. Der zentrale Begriff der Geistes-und Willensphilosophie von Hegel bis Nietzsche verstanden als potentia und dynamis der klassischen griechischen Philosophie: Hegel, Schopenhauer (der einen Aufsatz über den Animalischen Magnetismus geschrieben hat) und Nietzsche sprachen von Reichs Orgon-energeia.

Zu nennen wäre auch die „elektrizitäts-ähnliche Beseelung“ der Natur des „romantischen Physikers“ Johann Wilhelm Ritter (1776-1810) und sein „Siderismus“. Ritter hat u.a. das Pendel und die Wünschelrute untersucht.

Der Akademikerklatsch von München behauptete bald darauf, Ritter pendle bis weit in die Nacht über „delikaten Teilen nackter Weibspersonen’“. So drückte sich ein Reporter in seinem Buch „Verschwörung gegen den gesunden Menschenverstand“ aus, einem geifernden Angriff auf die Arbeit Ritters. (Christopher Bird: Wünschelrute, München 1987, S. 98)

Ritter ist also bei der Erforschung der Lebensenergie von Seiten der Emotionellen Pest (genauer gesagt von Seiten der damaligen „Skeptiker“) genau das gleiche widerfahren wie Reich.

Hier eine entsprechende Karikatur aus Mesmers Zeit. Gezeigt wird Mesmers „Baquet“, der damalige „Orgonakkumulator“:

Zwischen 1933 und 39 untersuchte der Franzose P. Cody mit dem Elektroskop die permanente Bettstelle Krebskranker und stellte dort eine deutlich schnellere Entladungsgeschwindigkeit (geringere Orgonenergie-Konzentration) fest, als an zwei Meter entfernten Kontrollpunkten. Bei über 10 000 Messungen im Laufe der Jahre fand er auch, daß zwischen 10 und 14 Uhr sich das Elektroskop am langsamsten entlud und am schnellsten in der Nacht. Das stimmt mit den Messungen Reichs überein (siehe Der Krebs).

1942 entdeckte der deutsche Biometeorologe Bortels eine „Wetterstrahlung“, die viel Ähnlichkeit mit der von Reich zur gleichen Zeit entdeckten atmosphärischen Orgonenergie hat, blieb sie doch auch durch eine überschwere Abschirmung von 25 Zentimeter Blei und 45 Zentimeter Eisen hindurch wirksam. Wirklich bemerkenswert ist aber, daß Bortels diese Wetterstrahlung, genau wie Reich seine Orgonenergie, in zwei antagonistische Abarten aufspaltete: die „H-Strahlung“ (nach Hochdruck-Wetterlagen) und die „T-Strahlung“ (Tiefdruck). Wie OR ist auch H-Strahlung oxidierend, während T-Strahlung reduziert, was dem DOR entspricht. T-Strahlen schwächen den Organismus, indem sie die Zellatmung beeinträchtigen. Sie können „mancherlei Stoffwechselerkrankungen und Gemütsdepressionen“ verursachen und vielleicht sogar „eine wichtige Rolle bei der Tumorgenese spielen“. In wirklich jeder Beziehung entspricht also die T-Strahlung Reichs DOR (Gebauer/Müschenich: Der Reichsche Orgonakkumulator, Frankfurt 1987). Siehe auch Hans Baumers Buch über die „Wetterstrahlung“ (Sferics, Hamburg 1987).

Weitere Stichworte: Robert Fitzroys „Sturmglas“ Anfang des 19. Jahrhunderts;
William Crookes (1832-1919) allseits bekanntes „Radiometer“ als erster „Orgonmotor“;
Rutters „Magnetoskop“ zur Registrierung der von chemischen Stoffen ausgehenden „magnetischen Ströme“ (ca. 1850);
Hippolyte Barducs (1850-1909) und Emile Boiracs (1851-1917) „Biometer“ sowie Paul Joires (geb. 1856) „Stenometer“ zum Nachweis des menschlichen Energiefeldes;
Sydney Gustaf Alrutz (1868-1925) wies „Nervenstrahlung“ nach, die er mit seinem „Volometer“ maß;
die „dynamische Aktivität“ des Dresdener Chemieprofessors Johann Karl Bähr (1861);
der Naturwissenschaftler Marc Thury (1822-1905) sprach von einer „ektenischen Kraft“, die Psyche und Materie verbindet;
George Starr Whites „kosmoelektrische Energie-Kollektoren“, die das Wachstum von Pflanzen unterstützen und auf Tiere und Menschen therapeutisch wirkten;
L.E. Eemans Verbindung zwischen Körperstellen durch Kupferkabel zur Auf- und Entladung mit Lebensenergie;
Walter Kilner (1847-1920), der mit Dicyanid-Schirmen die menschliche Aura sichtbar machte;
Alexander G. Gurwitsch, der 1923 die „mitogenetische Strahlung“ entdeckte;
Albert Abrams (1863-1924) „Radionik“ und sein „Reflexophon“;
der französische Ingenieur Givelet stellte 1935 auf dem parapsychologischen Kongreß in Oslo einen Apparat vor, mit dem er über ein Galvanometer die menschliche Aura messen konnte (in die gleiche Zeit fallen Reichs bioelektrische Experimente);
die „Bioenergotherapie“ des tschechischen Heilers Josef Zezulka (geb. 1912);
der japanische Physiologe Hiroshi Motoyama (geb. 1925), der experimentell Fernwirkungen zwischen Menschen nachwies, obwohl diese sich jeweils in einem Faradayschen Käfig befanden und auch sonst vollkommen voneinander abgeschirmt waren;
Nikola Teslas (1856-1943) Arbeit nach 1910;
die „Pyramiden- Energie“; „Geomantie“, „Feng Shui“ und die Energie Heiliger Orte;
„Psychic Healing“; bionöser Heilschlamm und praktisch das ganze traditionelle Heilbäderwesen und Kneipp-Kuren;
die beiden Physiker Joseph Wüst und Joseph Wimmer, die zur Nazi-Zeit die Wünschelrute erforschten und dabei die „W-Strahlung“ (die sich mit 42 bis 45 m/sec fortbewegt) und den „Magnetoismus“ identifizierten;
Viktor M. Injuschins „Bioplasma“ und die ganze sowjetisch-tschechische „Psychotronik“, z.B. Robert Pavlitas „Psychotroner Generator“, der die „bioplasmatische Energie“ speichert;
Hideo Uchidas Aura-Meßapparat;
Michel Gauquelins Untersuchung der psycho-physiologischen Auswirkungen von kosmischen Rhythmen;
der Philosoph F.S.C. Northrop (der auch in Äther, Gott und Teufel, S. 91 auftaucht) und der Anatom Harold Saxton Burr (1935) sowie der Psychiater Leonard J. Ravitz (1962) und ihre Entdeckung der „elektrodynamischen Lebensfelder“;
Ion Dumitrescus „Elektrographie“;
die „morphogenetischen Felder“ Rupert Sheldrakes (der wie vor ihm Reich von Bergson beeinflußt wurde);
Wladimir Wernadski (1863-1945) und seine Entdeckung eines negentropischen Faktors in der Natur;
James E. Lovelocks „Gaia-Theorie“;
Johannes Keplers (1571-1630) „vis animalis“ neben Immanuel Velikovsky (1895-1979) und der Rolle der elektrostatischen Energie in der Himmelsmechanik;
Georgio Piccardis (1960) Arbeit mit orgonakkumulator-ähnlichen Gehäusen;
T. Henry Morays „Radiant Energy“ und Hans Niepers Darstellung über die Konversion von Schwerkraftfeldenergie (Hannover 1981);
der klassische Äther des 19. Jahrhunderts, von dem man übrigens auch ganz selbstverständlich als von einem „Lebensäther“ sprach, so wie wir heute von „Atemluft“ reden;
die modernen Formulierungen des Äthers von Paul Dirac (1951), Louis de Broglie und sein „Neutrino-Meer“ (1959), H. Dudley (1976) und E.W. Silvertooth (1986, experimenteller Nachweis des Äthers);
die kosmische Hintergrundstrahlung und in ihr die „neue Ätherdrift“;
der Biologielehrer Reichs Paul Kammerer (1880-1926) und seine Vorstellung einer Lebensenergie, sein Lamarckismus und sein Konzept der Serialität (das später C.G. Jung und Wolfgang Pauli als „Synchronizität“ plagiierten);
der Deutsche Monistenbund von 1911 (wobei Paul Kammerer zu dem Hauptaktivisten gehörte) und Wilhelm Ostwalds (1853-1932) „Energetik“ sowie Hans Hass’ (Jahrgang 1919) „Energon-Theorie“.

Jeder einzelne Bauer und „Ureinwohner“ könnte ganze Bände über die Funktionen der kosmischen Lebensenergie, wie er sie alltäglich in der Natur erfährt, zu Protokoll geben. Was könnten all die heute medikamentös „abgeschalteten“ Schizophrenen dem geduldigen Psychiater über ihre orgonotischen Empfindungen sagen! Wie viele landen in der Psychiatrie, nur weil sie das „nichtexistente Orgon“ sehen und spüren? Und schließlich braucht man nur eine beliebige naturwissenschaftliche Zeitschrift wie Spektrum der Wissenschaft aufschlagen, um ständig über das Orgon zu stolpern.

Man könnte endlos fortfahren. So finden sich etwa bei DeMeo Dutzende Namen. Hier das erste Dutzend: Hannes Alfren, Halton Arp, Jacques Benveniste, Frank A. Brown, F.W. Cope, Louis C. Kervran, Dayton Miller (der mit dem Michelson-Interferometer ganz klar einen orgonotischen Effekt nachwies), Thelma Moss, Bjorn Nordenstrom, John N. Ott, Royal Rife, O. Ed Wagner – endlos: und man käme doch immer wieder zur Orgonomie Wilhelm Reichs zurück.

Nicht von ungefähr nimmt in Jörgensons eingangs erwähnten Buch die Orgonphysik den bei weitem größten Raum ein (100 Seiten). Diese Darstellung ist, wenn man großzügig (mit dem Respekt, den der Autor für seine Leistung verdient) über kleinere Schnitzer hinwegliest, sicherlich die beste (und, ja, wohl ohnehin bis jetzt auch die einzige) Gesamtdarstellung der orgonomischen Physik. Diese Präsentation im Zusammenhang mit der Erläuterung von parallelen, aber vollständig unabhängigen, Forschungsansätzen macht dieses Buch für den an der Orgonomie Interessierten so wertvoll.

Durch die Darstellung anderer Ansätze zur Erforschung der kosmischen Lebensenergie bekommt man für die Orgonomie ein ganz neues „umfassenderes“ Gefühl. Die Beschäftigung mit anderen Sichtweisen kann dabei helfen, systematische Fehler, oder besser „systematische Blindheiten“, aus der Orgonomie zu eliminieren. Jörgenson gelingt es besonders gut funktionelle, sich wechselseitig ergänzende, Zusammenhänge zwischen den teilweise extrem unterschiedlichen Herangehensweisen aufzuzeigen, ohne daß Jörgenson dem Leser eine harmonisierte Gesamtschau aufzwingt.

Die zentrale Frage, um die es in dem Buch geht, heißt: Gibt es eine zweite Sorte von Elektrizität und wie wirkt diese auf verschiedene Stoffe und Lebewesen?

Hier wird also Reichs oft kritisierte Auseinandersetzung mit der statischen Elektrizität in einem sehr breiten Rahmen wieder aufgenommen. Zum Beispiel fand Reichenbach, daß Reibungselektrizität und Batterieelektrizität für seine Sensitiven vollkommen disparate Dinge waren. Während statische Elektrizität das größte Od-Licht überhaupt hervorrief, war es bei Batterieelektrizität nur gering und bei den Batterieelementen selbst fehlte jede odische Wirkung. Außerdem war positive statische Elektrizität od-negativ, während die entsprechende positive Elektrode einer Batterie verwirrenderweise od-positiv war (S. 13f). Fortin glaubte an ein Fluidum in der Natur, dessen freie Bewegung beim Durchgang durch Materie gebremst wird, wodurch sich das Fluidum in eine elektrostatische Aufladung umwandelt, die wiederum in einem Ausgleichstrom entladen werden kann (S. 69). Solche Ansätze aus der Frühzeit der Erforschung der Elektrizität müssen von der Orgonomie wieder aufgegriffen werden, um endlich eine befriedigende Verbindung zwischen Orgonenergie, statischer Elektrizität und „Batterieelektrizität“ herzustellen.

Der Diplomphysiker Jörgenson zeigt in der heiklen Frage der statischen Elektrizität ein erstaunliches Maß an Feingefühl. Jeder andere Physiker hätte Reichs Arbeit z.B. mit der Bemerkung beiseite gewischt, daß Reich das Prinzip der Ladungstrennung nicht verstanden hätte. Andererseits hat Jörgenson offensichtlich Schwierigkeiten mit Reichs Energie-Begriff. „Ein Physiker würde Orgon vielleicht als Plasma bezeichnen“ (S. 104). Jörgenson setzt dann auch an einer Stelle anstatt Orgonenergie „Orgonplasma“ (S. 149). Wir werden also von einem Gas ionisierter Teilchen durchströmt? DeMeo spricht von der „(proto)plasmatischen kosmischen Lebensenergie“ und der Ausdruck in der Klammer ist in diesem Zusammenhang das wichtigste. Immerhin gibt es auch in Äther, Gott und Teufel (S. 82) mit dem Rückverweis auf Demokrits „Seelenatome“, die sich Demokrit als Feueratome vorstellte, so etwas wie ein „orgonomisches Plasmakonzept“.

Was ist von Reichs Physik zu halten?

16. Juli 2012

Der Student der Orgonomie, der Reichs Beiträge zur Physik mit anderen diskutieren will, findet sich schnell in einer unhaltbaren Lage wieder. Bereits Mitte des vorigen Jahrhunderts war Reichs Haltung (z.B. daß durch Kochen, Autoklavieren und Glühen Materie „zerstört“ wird und dabei frei nach Einsteins Energie-Masse-Relation „Energiebläschen“ frei werden oder daß in ionisierter Luft zusätzliche Elektronen schweben) dermaßen hinter dem Mond (es entsprach so in etwa der „energetisch-monistischen“ Weltsicht vor 1900), daß es geradezu zum Haaresraufen ist. Jeder Physiker, ja jeder Gymnasiast, hätte 1950 The Cancer Biopathy kopfschüttelnd beiseite legen müssen.

Aber trotzdem beschäftigen sich noch ein halbes Jahrhundert später die Leute mit Reichs Physik. Wie ist das möglich? Erstens, weil es das Orgon tatsächlich gibt (egal wie „reaktionär“ und schlichtweg irrig auch Reichs Vorstellungen über manche physikalische Begriffe waren) und zweitens, weil man Reich „übersetzen“ kann. Zum Beispiel muß man einfach mal ganz im Sinne von Ernst Mach vergessen, daß die Materie sich aus Molekülen und Atomen zusammensetzt und nur davon ausgehen, was man wirklich sieht. In einer solchen Welt kann es keine Ladungstrennung geben und Materie wird durch bloßes Kochen zerstört. Dann muß man sich halt im Rahmen dieser Welt auf Reich einlassen und sehen, wohin er einen führt. Immerhin hätte er ohne seine physikalische Halbbildung niemals den Orgonenergie-Akkumulator und den Cloudbuster entdeckt.

Aber beim „Übersetzen“ des physikalischen Reaktionärs Reich in eine mit der heutigen Physik kompatiblen Sprache gerät man in jene Gefahr, in die bisher die meisten geraten sind. Einerseits „löscht“ man alle genuin orgonotischen Phänomene (weil man sich nicht auf Reichs „irrige“ Vorgaben einläßt) und andererseits erklärt man einen etwaigen Rest mit „Wirkstrukturen“, „zusätzlichen Dimensionen“ und anderem esoterischen „progressiven“ Versatzstücken. „Heutzutage betrachtet man diese Phänomene halt so.“

Tut mir leid, da bleibe ich doch lieber ein „orgonomischer Hinterwäldler“! Es kann nur darum gehen, orgonotische Funktionen in den gängigen physikalischen Theorien zu suchen. Umgekehrt ist in der Physik schlichtweg kein Platz für das Orgon. Mechanik, Elektromagnetismus, Quantenmechanik, Gravitation, die beiden Kernkräfte – das war es. Natürlich läßt sich das ganze ausbauen, um auch Phänomene zu erklären, die nicht zum Alltag gehören und nicht beliebig wiederholbar sind, etwa „parapsychologische Phänomene“. Burkhardt Heim hat das mit einem extrem komplizierten Ansatz versucht. Doch das breitet das Gebiet der mechanistischen Physik nur weiter aus – läßt noch weniger Platz für das Orgon.

Manche betrachten hingegen alles, was seit 1900, insbesondere aber seit 1905, geschehen ist, als Irrweg. Es gelte zur Ätherphysik des 19. Jahrhunderts zurückzukehren. Dem ist entgegenzuhalten, daß diese Physik der Inbegriff alles Mechanistischen ist. Und entgegen des eingangs vermittelten Eindrucks war Reich durchaus kein Freund dieses Ansatzes. Er wies wiederholt darauf hin, daß es ihm selbst viel zu mechanistisch erscheine, wenn er Begriffe wie „Strömen“, „Akkumulieren“, „Dichte“, etc. benutze. Diese Sprache, die der Mechanik der Gase und Flüssigkeit entlehnt ist, verfehle den Charakter der Orgonenergie.

Die Angelegenheit erinnert an die Position der Psychoanalyse Anfang des letzten Jahrhunderts, der von Seiten der sich entwickelnden Psychologie und von Seiten der Wissenschaftstheorie eine nicht haltbare Theoriebildung vorgehalten wurde. Dies war beispielsweise auch Adlers Motiv (u.a.) sich von Freud zu lösen. Anfang der 1920er Jahre hat Reich gegen diese Skeptiker die Wissenschaftlichkeit der Psychoanalyse verteidigt. Wende man die gleiche Methode an (Psychoanalyse), komme man immer wieder zu den gleichen Ergebnissen. Und genau das ist die Crux bei der ganzen Angelegenheit: man kann wissenschaftliche Hypothesen nur im vorgegebenen Rahmen testen, so daß einem immer der Vorwurf des Zirkelschlusses gemacht werden kann. Zum Beispiel wurde von den damaligen Skeptikern Einstein Pseudowissenschaftlichkeit vorgeworfen, da seine Behauptung, die Lichtgeschwindigkeit sei relativ zu jedem Bezugsystem gleich, auf einem reinen Zirkelschluß beruhe, – denn schließlich werde dies ja mit Lichtsignalen gemessen.

Und was den Zirkelschluß betrifft, daß man eine Hypothese nur im vorgegebenen Rahmen der Hypothese testen kann: Man nehme nur mal die Hypothese, daß die Sonnenenergie auf Kernfusion beruht und daß sich dies in den Sonnenneutrinos äußert. Um das nachzuprüfen, muß man in tiefe Bergwerke gigantische Detektoren bauen, was Unsummen kostet. Das macht man aber nur, wenn man von der Stichhaltigkeit der Hypothese überzeugt ist. Ist man das nicht, etwa was das Orgon betrifft, überprüft man die Orgon-Hypothese „wissenschaftlich“ in ORANUR-verseuchten Labors mit nicht-funktionierenden Orgonenergie-Akkumulatoren.

Ich kann nur immer wieder auf das hervorragende Buch von Lars Jörgenson verweisen: Ein Überblick über die Grauzone in der Wissenschaft (Berlin: WDB-Verlag, 1990). Nicht von ungefähr nimmt bei Jörgenson die Orgonphysik den bei weitem größten Raum ein (100 Seiten). Diese Darstellung ist, wenn man großzügig (mit dem Respekt, den der Autor für seine Leistung verdient hat) über kleinere Schnitzer hinwegliest, sicherlich die beste (und, ja, wohl bis jetzt auch die einzige) Gesamtdarstellung der orgonomischen Physik. Diese Präsentation im Zusammenhang mit der Erläuterung von parallelen, aber vollständig unabhängigen Forschungsansätzen macht dieses Buch zu einem Juwel.

Durch die anderen Ansätze zur Erforschung der kosmischen Lebensenergie bekommt man für die Orgonomie ein ganz neues „umfassenderes“ Gefühl. Die Beschäftigung mit den anderen Forschungsansätzen kann dabei helfen, systematische Fehler, oder besser gesagt „systematische Blindheiten“, aus der Orgonomie zu eliminieren. Jörgenson gelingt es besonders gut funktionelle, sich wechselseitig ergänzende Zusammenhänge zwischen den teilweise extrem unterschiedlichen Ansätzen aufzuzeigen, ohne daß er dem Leser eine harmonisierte Gesamtschau aufzwingt.

„Die zentrale Frage, um die es in dem Buch geht, heißt: Gibt es eine zweite Sorte von Elektrizität und wie wirkt diese auf verschiedene Stoffe und Lebewesen?“ Hier wird also Reichs problematische Auseinandersetzung mit der statischen Elektrizität in einem sehr breiten Rahmen wiederaufgenommen. Zum Beispiel fand Reichenbach, daß Reibungselektrizität und Batterieelektrizität für seine Sensitiven vollkommen disparate Dinge waren. Während statische Elektrizität das größte Odlicht überhaupt hervorrief, war es bei Batterieelektrizität nur gering und bei den Batterieelementen selbst fehlte jede odische Wirkung. Außerdem war positive statische Elektrizität odnegativ, während die entsprechende positive Elektrode einer Batterie verwirrenderweise odpositiv war (S. 13f). Fortin glaubte an ein Fluidum in der Natur, dessen freie Bewegung beim Durchgang durch Materie gebremst wird, wodurch sich das Fluidum in eine elektrostatische Aufladung umwandelt, die wiederum in einem Ausgleichstrom entladen werden kann (S. 69). Solche Ansätze aus der Frühzeit der Erforschung der Elektrizität müssen von der Orgonomie wieder aufgegriffen werden, um endlich eine befriedigende Verbindung zwischen der Orgonenergie, der statischen Elektrizität und der Batterieelektrizität herzustellen.

Der Diplomphysiker Jörgenson zeigt in der heiklen Frage der statischen Elektrizität ein erstaunliches Maß an Feingefühl. Jeder andere Physiker hätte Reichs Arbeit z.B. mit der Bemerkung beiseite gewischt, daß Reich nichts vom Prinzip der Ladungstrennung verstanden hätte. Andererseits hat Jörgenson offensichtlich Schwierigkeiten mit Reichs Energie-Begriff. „Ein Physiker würde Orgon vielleicht als Plasma bezeichnen“ (S. 104). Jörgenson setzt dann auch an einer Stelle anstatt Orgonenergie „Orgonplasma“ (S. 149). Wir werden also von einem Gas ionisierter Teilchen durchströmt? James DeMeo spricht von der „(proto)plasmatischen kosmischen Lebensenergie“. Der Ausdruck in Klammern ist in diesem Zusammenhang das wichtigste. Immerhin gibt es auch in Äther, Gott und Teufel (S. 82) mit dem Rückverweis auf Demokrits „Seelenatomen“, die sich Demokrit als Feueratome vorstellte, so etwas wie ein „orgonomisches Plasmakonzept“. [„Der berühmte deutsche Physiologe Pflüger vermutete eine Beziehung der Lebensenergie zum Feuer auf Grund der Funktion des Cyans. Seine Vermutung war richtig“ (vgl. Der Krebs, Fischer TB, S. 32).]

Auf jeden Fall kann man Jörgenson gar nicht dankbar genug sein für die für einen Physiker wirklich außergewöhnliche Unvoreingenommenheit. Die weitaus meisten Physiker sind nämlich unendlich eingebildet und jede Generation erachtet die physikalische Theorie als prinzipiell abgeschlossen und deshalb die Einführung einer neuen Energie für von vornherein widersinnig. Das war schon vor hundert Jahren so.

Physik wird als Naturwissenschaft heute praktisch nicht mehr betrieben, vielmehr ist sie als schlechteres Ingenieurswesen zu einem Handlanger der Technik degradiert worden oder hat sich zur Erforschung der Platonischen Ideenwelt verflüchtigt, indem man in genauso teuren wie sinnlosen Großbeschleunigern nach „Symmetrien“ sucht. Es gibt keine Physik mehr und jeder, der wie Jörgenson oder Reich Physik treiben will, muß sich entweder hinter einem Pseudonym verstecken oder das Ende seiner Laufbahn gegenwärtigen.