Posts Tagged ‘Wilhelm Reich’

Peter liest die Übersetzung REICH ÜBER FREUD (Teil 3)

27. Juli 2026

Mittlerweile kenne ich keine Edition von Reichs Werken (abgesehen von Christian Fernandes‘ Neuausgabe von Christusmord), die nicht ein bedrückender Alptraum wäre. Eine klare Manifestation der Emotionellen Pest, die wenn nicht bewußt, dann unbewußt alles tut, um gegen die Genitalität, d.h. Wilhelm Reich vorzugehen! Offenbar wirkt in dieser universellen Sabotage ein tiefsitzender Widerstand gegen Reich, ein tiefsitzendes „Nein!“.

Die ganze editorische Problematik sieht man allein schon an dem Artikel „The Source of the Human ‚No‘“, den Reich 1955 in Elsworth F. Bakers Zeitschrift Medical Orgonomy veröffentlichte. Es handelt sich dabei um einen Ausschnitt des Eissler-Interviews. Als Higgins das 1982 in dem zusammengeklaubten Buch Children of the Future erneut veröffentlichte, war das merkwürdigerweise eine andere Version…

Warum haben Higgins und Raphael die Stelle mit dem „Gesellschaftsjesus“ („Society Jesus“) unterschlagen? (Higgins/Raphael, S. 60; Psychosozial, S. 73).

Manchmal ist die Übersetzung merkwürdig ungelenk. Beispielsweise wird aus: „In other words, if your destructiveness is just inhibited and you turn it against yourself and eat yourself up inside, then I agree with you fully“ (Higgins/Raphael, S. 72) – das folgende: „Wenn die Destruktivität gehemmt ist, und man sie gegen sich selbst wendet, weil man sich innerlich auffrißt, gewissermaßen – um es in einfachen Worten zu sagen –, dann stimme ich Ihnen vollkommen zu, ja“ (Psychosozial, S. 82). Das „Ihnen“ leitet fehl, da es aus Eissler einen Todestriebtheoretiker macht, was definitiv nicht gemeint ist. Warum „Ihnen“ nicht einfach streichen? Das vermeintlich so schlechte „Übersetzerkollektiv“: „wenn der Destruktionstrieb nur gehemmt ist, und er sich gegen die eigene Person richtet, man sich selber innerlich auffrißt, dann stimme ich mit ihnen vollkommen überein“ (Raubdruck, S. 47).

Über Karen Horney und ihre Theorie sagt Reich: „But without sex, without libido, without any bio-energy, without anything. She did a good job in taking many things“ (Higgins/Raphael, S. 74). Daraus wird im Deutschen das diametrale Gegenteil: aus einer pestilenten Diebin wird eine gute Arbeiterin! „Aber ohne Sex, ohne Libido, ohne jegliche Bioenergie, ohne all das. Sie hat eine gute Arbeit geleistet, um vieles zu erfassen“ (Psychosozial, S. 84). Im Original beklagt sich Reich darüber, sieht aber ein, daß das eh sinnlos ist. Folgt man der im Psychosozial Verlag erschienenen neuen deutschen Übersetzung wäre diese, seine Beschwerde sinnlos, da sie ja viel erfaßt und dabei gute Arbeit geleistet hat! Richtig wäre: „Aber ohne Sex, ohne Libido, ohne jede Bioenergie, ohne alles. Sie hat es verstanden, sich viele Sachen anzueignen“ (Raubdruck, S. 49).

Wie sehr Higgins und Raphael Reich verstümmelt haben, sieht man an diesem Beispiel:

You see, you couldn’t get at the mental-hygiene problem with ideas such as the oedipus complex. You couldn’t get at it. It didn’t make sense. What made sense was the frustration, the genital frustration of the population. Adolescents get frustrated. There is misery in marriage. Why is it so? How does it work? What can we do about it? And, here, you hit upon the social problem – the institution of marriage, laws, Catholic dogma, birth control, and all kinds of social stuff. Here we see sociology out in the open. (Higgins/Raphael, S. 79)

Hier, was die deutschen Übersetzer aus dem Transkript übersetzten:

R.: (…) Sehen Sie, man konnte an das Problem der mentalen Hygiene nicht mit Ideen wie dem Ödipuskomplex herangehen, verstehen Sie? So konnte man nicht herangehen Es machte keinen Sinn und führte zu nichts. Was Sinn macht bezüglich der mentalen Hygiene ist zuallererst die Frustration, die genitale Frustration der Bevölkerung im allgemeinen zu betrachten. Ist das klar?

E.: Ja.

R.: Es ist glasklar. Jugendliche sind generell frustriert Es gibt ein Elend in der Ehe. Wie entsteht das, wie funktioniert das, und vor allem, was kann man dagegen tun? Und hier trifft man sofort auf das soziale Problem, und auf das der Institution Ehe, des Gesetzes, der Gesetze sowie auf andere soziale Themen, auf das katholische Dogma, die Empfängnisverhütung auf direktem Weg, unmittelbar. Sofort. Und so weiter. Hier liegt die Soziologie offen vor uns. (Psychosozial, S. 87)

Englisch: „The admission of lay analysts into natural scientific psychoanalysis was a very great mistake” (Higgins/Raphael, S. 87). Deutsch: “Die Zulassung von Laienmedizinern zur naturwissenschaftlichen Psychoanalyse war ein sehr großer Fehler“ (Psychosozial, S. 94). Woher, um alles in der Welt, kommt das absurde Wort „Laienmediziner“?! Von Reich? Warum nicht schlicht: „Die Aufnahme der Laienanalytiker in die naturwissenschaftliche Psychoanalyse war ein großer Fehler“ (Raubdruck, S. 57).

Und: Wo ist die „Nachschrift“ Reichs an Eissler, die sich bei Higgins/Raphael und im Raubdruck findet, in der Reich nochmals auf den Inhalt des Gesprächs eingeht und Korrekturen anbringt, die sich aus seiner Lektüre der Freud-Biographie von Ernst Jones ergaben? Die Korrekturen betrafen Freuds Jüdischheit, seine vermeintliche genitale Gesundheit und die Libido als tatsächliche physische Energie.

Peter liest die Übersetzung REICH ÜBER FREUD (Teil 2)

26. Juli 2026

Hier ein weiteres Beispiel, dafür, wie die beiden Editionen voneinander abweichen: „It drove me into the world outside, into sociology. From now onward, the great question was: ‘Where does that misery come from?’ And, here, the trouble began. While Freud developed his death-instinct theory…” (Higgins/Raphael, S. 42). Deutsch: „…in die Welt hinaus, d.h. in die Soziologie. Dort fing es an. In der Welt da draußen. ‚Woher kommt dieses Leid?* Während Freud seine Todestheorie entwickelte…“ (Psychosozial, S. 60f). In der Fußnote heißt es: „* Hier ist im Orinaltext eine handschriftliche unleserliche Anmerkung [Anm. d. Übers.].“ Haben Raphael und Higgins sie entziffert? Warum haben die Übersetzer das nicht übernommen? Frust!

Beispielseise finden sich auf S. 61f der deutschen Übersetzung Sätze, die ich das erste Mal in meinem Leben lese, was nichts anderes bedeutet, als daß Higgins und Raphael eine zusammengestrichene Version des Interviews veröffentlich haben (Higgins/Raphael, S. 43f). Und zwar Passagen, die zentral sind, um die Auseinandersetzung zwischen Reich und Freud zu verstehen. Oder man nehme in Bezug auf C.G. Jung: „He really meant the energy in the universe, a universal libido“ (Higgins/Raphael, S. 88). In der deutschen Ausgabe lerne ich erst jetzt, daß Reich das deutsche Wort „All-Libido des Weltalls“ verwendete (Psychosozial, S. 95), etwas was Raphael und Higgins einfach unterschlugen. Das ist unterhalb jedes akademischen Niveaus! Oder Reich erwähnt in der deutschen Ausgabe, er habe sein Bild vom „Reh auf dem Feld“, während sich die Feinde des Lebens im Gebüsch verstecken, schon einmal gebrauch, vielleicht „irgendwann im Jahre 1930“ (Psychosozial, S. 105). Das ist wichtig, weil es über zwanzig Jahre beispielsweise in Christusmord wiederuftaucht. Davon kein Sterbenswort bei Higgins und Raphael (Higgins/Raphael, S. 101).

Ich muß bei sowas immer daran denken, was Higgins in ihrem Vorwort zu Reichs Ausgewählte Schriften (S. 10) aus dessen Testament ausdrücklich zitiert hat: „daß unter keinen Umständen und unter keinem Vorwand irgendein Dokument, Manuskript oder Tagebuch (…) geändert, gekürzt, zerstört, ergänzt oder sonstwie verfälscht wird“. Auf S. 111 der Higgins-Edition fehlt ein ganzer Absatz – ohne jedwede editorische Anmerkung (siehe Psychosozial, S. 114)! Und ich habe das ganze nur stichprobenmäßig geprüft. Es ist schlichtweg UNGLAUBLICH, was das Horrorteam Higgins/Raphael sich da geleistet haben. EINE ABSOLUTE FRECHHEIT!!

Und dann sind da Rätsel wie: „I wasn’t promiscuous. I did not do immoral things. In general, it was always clean and clear“ (Higgins/Raphael, S. 111). „Ich war nicht promiskuitiv. Ich tat nichts Unmoralisches. Natürlich geschahen Dinge, die nicht ganz so menschlich waren, aber im Allgemeinen war alles immer sehr sauber und klar“ (Psychosozial, S. 114). Man sieht: Higgins und Raphael haben den Text verstümmelt, gleichzeitig fragt man sich aber, ob man der deutschen Übersetzung trauen kann! Es geschahen Dinge, die „nicht ganz so menschlich waren“? Hä?!

Oder Higgins/Raphael, S. 113-115 – mit Ergänzungen aus der Psychosozial-Edition, S. 116-118 (hier fett gedruckt):

When I worked in the socialist and the communist groups in Vienna from 1927 to 1930, the analysts said that I was a communist. It was a handy tool for my enemies, you know. I wasn’t a communist. I wasn’t a Marxist. I understood Marx, but I saw that Marxism, as I proved in my writings, was insufficient to handle the problems. Das hat stark mit Freud zu tun. Ich habe dies sehr oft und tiefgehend mit Freud in den Jahren 1927 bis 1928 besprochen. Gleich nach dem Aufstand in Österreich, am 15. Und 16. Juli. Damals entschied ich, etwas in der sozialen Szene [„soziale Szene“?!, PN] zu tun. Zuerst gab es Freud und Federn. – haben [sic!] Sie die Papiere, die Dokumente, die Briefe von 1933 gesehen, in denen Federn mich bittet, in Österreich nicht mehr vorzutragen? Haben Sie sie gesehen?

Dr. E.: Ich erinnere mich an sie.

But the analysts were already afraid of the „social consequences.“ If I had known where it would lead, I would have been afraid, too. But I didn’t, you see. I was determined to go right after the problem. There was the marriage situation. Infantile genitality. The puberty, the adolescent situation. These are the crucial points of mental hygiene. I am still at it. But, this time, on a much deeper level, much deeper. I don’t work on the psychological level anymore. It is biology, today, die Biologie der Menschheit.

Now, about the communists: I was never a communist in the usual sense. I was never a political communist. I would like to have that fully on record. Never. Oh, yes, I worked in the organization. I worked with them. I believed that capitalism was bad, but I don’t believe, today, that the misery stems from capitalism. The misery is older than capitalism. Aber ich war niemals Kommunist – ich war niemals ein politischer Kommunist. I tried hard to get psychology, especially psychoanalytic psychology, into sociology. And I succeeded. I don’t say that I did it all, of course. Bernfeld began it about 1925, but he dropped it. I continued in 1927. Haben Sie Fragen?

Dr. E.: Nein.

Dr. R.: Und ich war niemals Mitglied der Kommunistischen Partei. In Austria, I worked with the communists, but I was in the Arbeiter Hilfe. Erinnern Sie sich?

Dr. E.: Ja.

In Germany, I belonged to the socialist physicians under Simmel. I worked with the communist faction because of the new laws in Russia—the sexual laws. Freud was all for it. Today, everybody is for it except the Russians, who dropped it long ago. Und wie es damals im sowjetischen Rußland war, ist es heute in den USA eine Tatsache. Ist das klar? Nicht alles wurde rückgängig gemacht, aber das meiste. Somehow, the world has split up. You see, there was this tendency in the late twenties to unite psychology and Marxism, or psychoanalysis and Marxism. Erinnern Sie sich daran? Das war Ende der 20er Jahre.

Peter liest die Übersetzung REICH ÜBER FREUD (Teil 1)

25. Juli 2026

Reichs Interview mit Eissler dreht sich (jedenfalls aus REICHs Perspektive) einzig und allein um die Genitalität. Das Thema Freud ist nur ein Anlaß, um „on the record“ zu gehen. Reich beschreibt, wie beeindruckt er 1919 in dieser Hinsicht von Freud war: „He couldn’t possibly have been [genitaly] disturbed“ (Higgins/Raphael, S. 17). Was machen 2026 die Übersetzer der deutschen Ausgabe daraus? Das GEGENTEIL, ein neurotisches Wrack: „…und daß er [also Freud] unter keinen Umständen beunruhigt werden konnte“ (Psychosozial, S. 42). In der ach so schlechten Übersetzung des „Übersetzungskollektivs“ von 1969 heißt es richtig: „Er konnte unmöglich gestört sein“ (Raubdruck, S. 11).

Rätsel gibt folgender Satz auf, in dem Reich die zweite Silbe von „Modju“ erklärt: „Und DJU (ich meine selbstverständlich nicht das Jüdische) ist Djugashvili“ (Psychosozial, S. 43). Was soll das bedeuten? In der amerikanischen Ausgabe von Reich Speaks of Freud, ein ranziger „Schweizer Käse“, fehlt die Stelle in den Klammern. Meinte Reich: „Natürlich nicht die Anrede ‚Du‘, wie wir sie im Jiddischen verwenden!“? Der Leser muß Reich doch, ohne eine solche Erklärung, für beknackt und verwirrt halten!

Eine Seite weiter eine andere auffällige Stelle. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob hier überhaupt ein Fehler vorliegt bzw. wer ihn gemacht hat, denn die deutsche Version dieses Absatzes ist deutlich länger als das amerikanische Original. Dort fehlen ganze Sätze! Higgins und Raphael waren dafür bekannt, selbstherrlich die Reichschen Texte zu redigieren… Anyway, die Übersetzer hatten das von Reich persönlich beglaubigte Originaltranskript vor sich. Im Amerikanischen sagt Reich in Bezug auf Krebs: „you just give up, you resign – and, then, you shrink“ (Higgins/Raphael, S. 20). Im Deutschen heißt es, “daß man schrumpft, aufgibt, man anfängt, hinzufallen, wenn man resigniert, wenn man in Resignation verfällt” (Psychosozial, S. 44). Spielt Reich auf die Fallangst aufgrund von Anorgonie an oder ist „hinzufallen“ ein Übersetzungsfehler?

Die ganze Problematik der Editionen des Eissler-Interviews zeigt sich in folgendem Absatz:

It is quite clear that people seduce you if you are a leader, if you have something to give. They seduce you by admiration so that you will give them as much as possible, and they can then thrive on you. Freud didn’t know that. He tended to identify with the leader. But there is no doubt that he should have stayed alone, completely alone. I know what I’m talking about. I’ve had quite a few experiences myself with this seductive admiration. I have had to destroy one organization after another in order to remain free. You get my point? Any questions now? (Higgins/Raphael, S. 34f)

Die Übersetzung des Originaltranskripts:

Das ist doch klar. Die Leute verführen einen, wenn man ein Führer ist, wenn man etwas zu geben hat. Sie verführen einen durch ihre Bewunderung, damit man ihnen so viel wie möglich gibt, und sie von einem profitieren können. Und Freud wußte das nicht. Er neigte dazu, sich mit dem „Führer“* zu identifizieren, mit dem Anführer in der Masse, auf dem Gebiet der Ich-Psychologie und der Massenpsychologie. Aber er hat sich dann überlegen gefühlt (?) Daran besteht kein Zweifel. Er hätte allein bleiben sollen, ganz allein, ja. Ganz allein. Ich weiß, wovon ich spreche, wissen Sie warum? Ich habe auch einige solcher Erfahrungen gemacht. Ich mußte eine Organisation nach der anderen zerstören, um frei zu bleiben und nicht gezwungen zu sein, klein beizugeben. Verstehen Sie, was ich meine? Ja. Haben Sie Fragen?

[* Im Originaltext auf Deutsch. „Führer“ ist ein Begriff aus dem Buch Christusmord. Menschen, die die eigene Lebendigkeit nicht zulassen können, projizieren diese auf eine charismatische Person. Diese wird zum Hoffnungsträger und gleichzeitig zum Sündenbock, auf den die Aggression entladen wird (Anm. d. Übers.).] (Psychosozial, S. 54f)

Warum haben Higgins und Raphael den Text so verstümmelt. Warum kein Hinweis darauf, daß Reich an einer Stelle nicht „leader“, sondern explizit „Führer“ gesagt hat? Und ist in der deutschen Ausgabe, der Verweis auf Christusmord wirklich weiterführend? Und wie soll ich das Fragezeichen zwischen den Klammern interpretieren? Philologie und gar Wissenschaft… Seufz!

Gnosis

23. Juli 2026

Die Grundaussage der Gnosis ist, daß mit „der Welt“, „der Natur“, „der Schöpfung“ etwas grundlegend nicht stimmt, d.h. daß der herrschsüchtige Demiurg böse, zumindest aber verblendet ist und deshalb verhindern will, daß wir die Früchte vom Baum der Erkenntnis pflücken – und infolge seine Plantage verlassen.

Reich und Laska (bzw. mit ihm neben Reich auch LaMettrie und Stirner) wurden wiederholt der Gnosis zugeordnet, was zunächst einmal deshalb abwegig ist, da die Orgonomie und LSR auf der Überzeugung beruhen, daß „mit der Natur alles seine richtig Bewandtnis hat“ und erst die Eingriffe durch den Menschen alles durcheinanderbringen. Man lese Reichs Äther, Gott und Teufel, betrachte LaMettries auf Selbststeuerung setzenden, wenn man so will, „vitalistischen Materialismus“, Stirners pädagogischen Ansatz (die Natur des Kindes sich ungehindert entfalten lassen) und Laskas Verachtung für alle Geisteswissenschaften („Unrat!“). Mit der Natur ist alles OK. Secundum Naturam!

Woher dann überhaupt die erwähnte Zuordnung zur Gnosis? Zunächst einmal ist offensichtlich nicht „alles in Ordnung“, wenn „die Natur“ durch den menschlichen Irrationalismus dermaßen dominiert werden kann! Reich konnte diesen „Einbruch der naturfeindlichen Moral“ nicht wirklich erklären, bis er im ORANUR-Experiment und der daran anschließenden Entdeckung des DORs, feststellte, daß eben nicht alles mit der Natur in Ordnung ist. Die naturwidrige Panzerung ist identisch mit dem DOR in der Natur und es gilt, dieses DOR zu sequestrieren.

Ist das nicht Gnosis mit dem ihr inhärenten Dualismus? Reich ist bei seiner Forschung unverhofft über bisher unbekannte Funktionen gestolpert und hat entsprechend ein paar seiner älteren Formulierungen relativiert oder eher dies dem Leser selbst überlassen. Man kann da das eine oder andere „gnostisch“ interpretieren, aber macht das Reich zu einem Gnostiker?

Natürlich ging es „L + S + R“ um die Befreiung des „authentischen Ich“ vom „Über-Ich“, das man mit „Gottes Stimme in uns“ und damit mit dem unterdrückerischen Demiurgen gleichsetzen könnte, aber das ist eine bloße Gnosis-Metapher kein Gnosis-Konstrukt. Will sagen: es ist nur ein Bild wie „Meine Gedanken schwingen sich auf wie ein Adler!“, was nicht bedeutet, daß meine Gedanken sich jemals als „Adler“, äh, „materialisieren“ werden. Genauso hat LSR über eine bloße Metapher hinaus substantiell nichts mit Gnosis zu tun.

Das sieht man allein schon daran, daß Gnosis vor allem Ritual ist: mittels Astrologie, Alchimie, Sexualmagie, Evokationen, Meditation, Yoga, etc. versucht der Adept sich von dieser Welt zu reinigen und sich dem fremden Gott, Luzifer, zu öffnen. Das funktioniert nur, weil er davon ausgeht, daß die materielle Welt imgrunde Geist ist und sich alles letztendlich dem Geist unterwerfen müsse. Deine Gedanken können sich entsprechend buchstäblich wie ein Adler erheben! Die Vorstellung ist also keine bloße Metapher mehr, sondern ein Konstrukt, das Realität werden kann.

Für Reich bzw. allgemein für die Orgontherapie ist dieser Kern der Gnosis, der „rituelle Weg“ und die Denunzierung der materiellen Welt als bloße Illusion, das diametrale Gegenteil der Wahrheit nämlich Spuk, Verblendung, Negierung der Selbstregulation, Sexualverneinung, Lebenshaß, Abpanzerung und DOR.

Vielleicht etwas schief formuliert, aber doch auf den Punkt gebracht: der gnostische Adept ist wie ein leeres Glas, das gefüllt werden muß, nach Reich hingegen muß das volle Glas geleert werden.

Email (Paraphilosophie) 2008

21. Juli 2026

Email (Paraphilosophie) 2008

Wilhelm Reich, Bernd A. Laska und das Erahnenmachen des Kasus Knaxus

19. Juli 2026

Ich fand es immer schreiend komisch, daß sich die „letzten Wahrheiten“ der unterschiedlichen Religionen untereinander kraß widersprechen. „Wahrheiten“, für die sich Menschen selbst opfern und andere töten. Keine Gottesvorstellung und keine Seelenvorstellung stimmt mit der anderen überein. Man spürt und kann intellektuell nachvollziehen, daß sie sämtlich einer der zahllosen durch die Panzerung verzerrten Wahrnehmungen der kosmischen und organismischen Orgonenergie entsprechen, also durchaus einen Wahrheitskern haben, aber es ist halt genau das: ein Panoptikum absurdester sexueller Perversionen. Die Welt der Religionen ist eine bunte divers-perverse Regenbogenwelt! Von ihr etwas über die Orgonenergie erfahren zu wollen, ist etwa so sinnvoll wie in einem BDSM-Klub die Genitalität erforschen zu wollen! Aber, und dieses „aber“ ist entscheidend: die mystischen Religiösen haben wenigstens eine vage Ahnung von der Orgonenergie, während die mechanistischen Atheisten lebende Leichname sind. Seelenlos und innerlich tot, abgetrennt von der inneren und äußeren Natur. Wie in dem besagten Klub: es ist zwar eine widerliche Karikatur, aber immerhin annäherungsweise „Sex“ und ansatzweise sogar „Liebe“!

Das Ahnen der Orgonenergie bedeutet auch, daß das Instrument, das uns die Religion zur Verfügung stellt, nämlich die „Mythologisierung“, ein Potential hat, das der mechanistische Wissenschaft vollständig verschlossen bleibt. Man nehme Reichs Bücher Äther, Gott und Teufel über Gottvater, Die kosmische Überlagerung über den Heiligen Geist und Christusmord über den Sohn. Manche Dinge kann man gar nicht in „rein wissenschaftlicher“ Sprache ausdrücken. Die quasi religiöse Sprache muß auf den unvorbereiteten Leser befremdend, wenn nicht vollkommen bizarr wirken, aber es ist nun mal Fakt, daß es eine „Seele“ und „Gott“ wirklich gibt – nur vollkommen anders, als man es sich bisher vorstellte.

Das letztere ist auch einer der Gründe, warum ich so brutal abwehrend reagiere, wenn Leute mir mit Prana, Chi, Jakob Böhme, Anthroposophie und ähnlichem Dreck, gar einer „orgonomischen Spiritualität“ kommen. Sie haben nichts, aber auch rein gar nichts verstanden!

Man könnte natürlich einwenden, warum denn nicht schlicht Klartext gesprochen wird. Genau DAS ist ja aber das Problem: daß für manche Dinge die Sprache an ihre Grenze stößt. Von manchen Dingen kann man nur „raunen“, weil das Gegenüber sie selbst erfassen muß. Das fing schon mit Reichs Sexualökonomie an: „Ach Willi, Du meinst also das Ficken?!“ „Nein….“ „Also romantische reine Liebe?!“ „Äh, nein…“

Zuletzt hat Bernd A. Laska in seinem LSR-Projekt damit gerungen, wie er den Kasus Knaxus von „LSR“ eigentlich vermitteln soll. Und hat sich schließlich ganz auf die „Re(pulsions- und De)zeptionsgeschichte“ der Werke von LaMettrie, Stirner und Reich zurückgezogen, die den Kasus Knaxus erahnen lassen soll. Die ganze Problematik läßt sich vielleicht anhand des Wirkens von Hitlers Krohnjurist Carl Schmitt, der ein Krypto-Stirnerianer war, ja, erahnen. Ich verweise auf Laskas Schrift „Katechon“ und „Anarch“.

Als Schmitt im Zuchthaus der alliierten Kriegsverbrecher saß, also den absoluten Tiefpunkt seiner Existenz erreicht hatte, fand er Trost und Kraft bei „Max“. Seine gesamte Privatmythologie zielte auf diesen letzten Ausläufer des Späthegelianismus: Max Stirner. Mit ihm rang er privatmythologisch ein Leben lang: „Der Feind ist unsere eigene Frage als Gestalt.“

05In der Jugend von Nicolaus Sombart, Sohn des berühmten Soziologen und Wirtschaftswissenschaftlers Werner Sombart, war Schmitt einer von Nikolaus väterlichen Freunden in der Reichshauptstadt Berlin. Er erinnert sich an etwas, was man nur vor dem Hintergrund von Laskas LSR-Projekts wirklich würdigen kann. Das letzte Geheimnis, das keiner anspricht… Nicolaus Sombart:

Carl Schmitt testete an mir seine Formulierungen. Er brauchte solche Testpersonen, um ihre Wirkung zu erproben. Aber so machte Geschichte Spaß. (…) Offenbar gab es, soviel hatte ich schon begriffen, zwei Arten von Wissen und zwei Arten der Erkenntnis. Beide hatten sie ihre Regeln, ihre Methode, ihre Evidenz. Die eine kannte ich durch meinen Vater; die andere, von der mein Vater nichts hielt, war mir durch meine Freunde Robakidse und Bruno Goetz, aber auch durch meinen Mentor Celibidache vertraut. Es handelte sich offensichtlich um zwei völlig verschiedene Mentalitäten, zwei ganz unterschiedliche Denkstrukturen. Die eine operierte mit Begriffen und Fakten, die andere mit Symbolen und Bildern.

Der entscheidende Unterschied lag wohl in ihrem Begriff von Wahrheit. Für meinen Vater ging der Weg der Erkenntnis über ein Wissen, das allen allgemein und jederzeit zugänglich war. Jeder Mensch guten Willens konnte es sich aneignen und damit den Weg zur Wahrheit betreten. Die Wahrheit war die Summe dessen, was man wissen konnte, natürlich immer nur ein Annäherungswert gegenüber einem absoluten Wissen, aber soweit allgemein verständlich, verifizierbar, übertragbar. Jedem zugänglich, der das Wissensniveau seiner Zeit erreicht hatte, immer einsehbar und aussprechbar. Für den anderen Denktypus lag nun alles genau umgekehrt.

Die Wahrheit ist das, was man nie aussprechen kann und darf. Sie ist ihrer Natur nach „geheim“. Das Wissen, das mit ihr verbunden ist, kann nicht ohne weiteres vermittelt werden. Was öffentlich ausgesprochen und gewußt werden kann, ist nicht wert, gewußt zu werden. Man erschließt sich die Wahrheit nicht durch logisch-diskursives Denken, sondern „erschaut“ sie, wenn man den nötigen Reifegrad erreicht hat. Darüber in der Öffentlichkeit zu sprechen ist ein Sakrileg. Sie ist das streng gehütete Geheimnis-Monopol einer kleinen Zahl von „Eingeweihten“, der Zugang zu ihr „Initiation“, die nicht jedem gewährt wird. Man muß dazu berufen. „auserwählt“ sein. Das Medium der Verständigung darüber (der Vermittlung des Unaussprechbaren) ist das mythische Bild.

So weit, so gut. Das hatte ich ungefähr kapiert. Hie ein System positiven Wissens, die Grundlage dessen, was wir „Wissenschaft“ nennen – dort ein okkulter Traditionszusammenhang mystischer Gewißheiten und Sinndeutungen, der offenbar so lange zurückgeht, wie man menschliches Denken zurückverfolgen kann. Der Name dafür ist Gnosis.

In Carl Schmitt war mir nun eine sonderbare Mischform dieser beiden so konträren, wie man denken sollte, völlig inkompatiblen Denktypen begegnet. Er war ein Mann der Wissenschaft, des begrifflichen Denkens – ein Professor wie mein Vater, dem rationalen, diskursiven Denken verpflichtet, ein Meister des Syllogismus, der logischen Deduktion. Gleichzeitig aber war er auch der schauende Myste, der Epopt, der seine Einsichten nicht in Begriffen faßt und vermittelt, sondern in Symbolen und Bildern. Er beherrschte beide Register.

Er machte perfekte Wissenschaft – Staatstheorie, Verfassungslehre, Völkerrecht, immer mit einem leichten Vorbehalt, was die Positivität betrifft, aber mit einer emphatischen Betonung der „Wissenschaftlichkeit“. Dahinter stand seine Privat-Mythologie. Er maskierte seine Mythologeme mit einem Anschein von Theoriebildung. Seine Begriffe sind immer bildhaft, suggerieren Symbolisches, evozieren Archetypen. Er spielt mit dem Doppelsinn der Worte, die er als Zeichen benutzt, mit denen er aber Emotionen mobilisiert, die aus der Tiefe aufsteigen. Seine berühmten Formulierungen sind nie einfache „Sätze“, sondern Beschwörungsformeln. Wenn er auch nicht gerade von „Dämonen“ und „Wesenheiten“ sprach, so war doch so etwas im Spiel, wenn er die Mächte beschwor, die die Geschichte bewegen. Mit der griechischen und asiatischen Mythologie hatte er nichts im Sinn. Er bevorzugte die Gedankenfiguren der christlichen Theologie und Gnosis bis hin zu ihren hegelianischen Spätformen. Mit ihrer Hilfe mythologisierte er das ganze 19. Jahrhundert. (Nicolaus Sombart: Jugend in Berlin 1933-1943. Ein Bericht. München: Carl Hanser Verlag, 1984, S. 257-259)

Schmitt rang mit Stirner, weil dieser einerseits faszinierender „Versucher“ war, gleichzeitig aber auch die zu bekämpfende Negation der Kultur, also Satan höchstpersönlich. Er konnte ihn deshalb nicht „akademisch sachlich“ verarbeiten, sondern allenfalls im Rahmen einer Privatmythologie. Eine offene Auseinandersetzung hätte nur Werbung für „das Böse“ gemacht und Schmitts Anliegen gleichzeitig profanisiert und mit einer „demokratischen Zivilisation“ kompatibel gemacht, die er zutiefst verachtete. Tatsächlich hat er Stirner natürlich wie alle anderen intellektuell umgangen und emotional verdrängt. Laska seinerseits will den Kern von Stirners Anliegen durch das Kenntlichmachen dieses Umgehens und Verdrängens in den alleinigen Fokus rücken – und so unser eigenes Umgehen und Verdrängen unterlaufen.

Peter liest Thomas Harms‘ Vorwort zu REICH ÜBER FREUD

17. Juli 2026

In diesem Buch wird das Interview, das der Psychoanalytiker Kurt Eissler 1952 mit Reich führte, dokumentiert.

Zunächst verwundert, daß das Buch keine 1:1-Übersetzung des amerikanischen Originals Reich Speaks of Freud von 1967 ist, das von Mary Higgins und Chester Raphael mit einem denkbar umfänglichen editorischen Apparat und einem überbordenden Anhang herausgegeben worden war. Warum das alles weggelassen wurde, bzw. überhaupt das es weggelassen wurde (das Buch wäre mehr als doppelt so dick!), wird von Harms mit keinem Wort erwähnt. Nicht, daß ich etwas dagegen hätte, denn wie Richard Blasband in seiner Besprechung der amerikanischen Originalausgabe (Journal of Orgonomy, 1968) hervorhob, lenkten die tatsächlich zahllosen und meist überflüssigen Fußnoten vom eigentlichen Inhalt des Gesprächs nur ab. Eissler und im Anschluß an ihn Higgins, Raphael und auch dem deutschen Herausgeber Thomas Harms drehte und dreht sich alles um Reichs Verhältnis zu Freud. Wie Blasband zu recht herausstellt, ging es Reich jedoch um etwas fundamental anderes: um sein, Reichs, Alleinstellungsmerkmal, die Genitalität. Und zwar nicht nur als Teil seines Lebenswerks, das man wohl oder übel erwähnen muß!

Bezeichnenderweise beginnt Harms etwas betulich daherkommende Einleitung mit einer Fußnote, in der er sich dafür entschuldigt, daß er in seinem folgenden Text nicht durchgehend gendert, aber natürlich jeweils immer alle „Geschlechtsidentitäten“ gemeint seien. Geschenkt, zusammen mit dem Verweis auf Reich als Vorläufer der „Körperpsychotherapien“ – die gleichfalls durchgehend auf der Negierung der Orgasmustheorie beruhen. Nicht geschenkt ist folgende vollkommen irreleitende und das gesamte Buch desavouierende Aussage. Harms beschreibt zunächst Reichs Erhebungen über die sexuelle Potenz von Neurotikern. Manche von diesen „schienen in ihrer Sexualität keinerlei Beeinträchtigungen aufzuweisen“. Korrekt, aber Harms fährt dann unglaublicherweise fort, daß dieses Ergebnis „zentralen Aussagen der damaligen psychoanalytischen Theorie“ widersprochen habe (S. 18). Das exakte Gegenteil ist der Fall! In Die Funktion des Orgasmus von 1942 erinnert sich Reich, seine psychoanalytischen Kollegen hätten darauf bestanden, daß seine Behauptung, die Genitalstörung sei für die Genese, Beurteilung und Behandlung der Neurosen von zentraler Bedeutung, schlichtweg falsch wäre (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 78). Reich hingegen insistierte: „Sollte meine Annahme zutreffen, die Genitalstörung also die Energiequelle für die neurotischen Symptome bildet, dann durfte sich kein einziger Fall von Neurose mit intakter Genitalität finden“ (ebd., S. 79, Hervorhebung hinzugefügt).

Wirkt wirr, aber dafür ist Harms verantwortlich! Also nochmals: Reich erhob (in der Psychoanalyse erstmals überhaupt) Daten über das konkrete Sexualleben der Patienten. Demnach war der Großteil der Neurotiker zwar sexuell gestört, aber nicht alle. Harms behauptet, dies widerspräche zentralen Aussagen der damaligen Psychoanalyse. „Wie kann es sein“, so fragt Harms, „daß erwachsene Menschen, die mit Angst-, Zwangs- oder anderen Persönlichkeitsstörungen in die Psychotherapie kamen, trotzdem eine intakte Sexualität aufwiesen?“ (S. 18) Das fragen jedoch nicht die Psychoanalytiker, sondern einzig und allein Reich, denn es widerspricht seiner Theorie. Deshalb hinterfragte er die Aussagen der Patienten, daß bei ihnen in sexueller Hinsicht alles in Ordnung sei, und entwickelte das Konzept der orgastischen Potenz.

Es ist im Lichte von Blasbands Analyse absolut symptomatisch, daß Harms ausgerechnet an dieser Stelle derartig ins Stolpern kommt! Uns aber Reich nahebringen wollen… „Man kann doch Fehler machen!“ Im zentralen Punkt des gesamten Buches?! In einem PSYCHOANALYTISCHEN Kontext so eine absurde Fehlleistung? Wie geht nochmal der Spruch? „Zum Glück bin ich kein Psychoanalytiker!“

Vielleicht wäre ich gnädiger, wenn Harms‘ Vorwort nicht so ungelenk und lieblos geschrieben wäre. Kennzeichnend dafür sind Stilblüten wie die folgenden beiden: „Nachdem Reich 1933 von den Nazis auf die rote Liste der politisch Verfolgten gesetzt worden war (…)“ (S. 24). „Seine therapeutischen Arbeiten nennt er, nachdem er die Orgonenergie postuliert hat – nun ‚Psychiatrische Orgontherapie‘“ (S. 26). Es lohnt einfach nicht, das alles zu kommentieren! Gut, einen habe ich noch: „Am Ende seines Lebens widmete sich Wilhelm Reich den Babys, den Schwangeren und den Eltern“ (S. 27).

Zum Abschluß nochmal das Zitat des Diplom-Psychologen (und „Körperpsychotherapeuten“ [sic!]) Harms: „Wie kann es sein, daß erwachsene Menschen, die mit Angst-, Zwangs- oder anderen Persönlichkeitsstörungen (sic!) in die Psychotherapie kamen, trotzdem eine intakte Sexualität aufwiesen?“ (S. 18) Meine Güte, Angst- und Zwangsstörungen sind keine Persönlichkeitsstörungen! Ohnehin ein Mitte der 1970er Jahre geprägter Begriff, der in diesem Kontext eh nichts zu suchen hat. Und wie heißt es drei Seiten weiter, wo Harms Reich referiert? „Anders als psychische Angst- oder Zwangssymptome wurden die Charakterhaltungen von den Patienten als Teil der Persönlichkeit erlebt“ (S. 21).

Reich in der Diskussion (Teil 3)

15. Juli 2026

Bücherlogo

Leserkommentare zu:

Breger: Freud. Darkness in the Midst of Vision (2000)
 

O. schrieb 2012: Mal abgesehen davon, dass Louis Breger keiner kennt – zumindest meine Wenigkeit hat nie zuvor von ihm gehört – sollte er seine Ansichten von Sexualität nicht für „reif“ oder „normal“ halten, damit fängt eine Kritik wohl schon mal an. Zweitens wovon man offensichtlich keine Ahnung zu haben scheint, sollte man schweigen.
Es ist erbärmlich, was für schräge Ansichten über Sexualität vorherrschen und wie stark die Sexualunterdrückung noch funktioniert – neben der pornographischen „Revolution“.
Welche Absurdität noch über den „Ödipuskomplex“ zu referieren ohne ein Wort ums Wesentliche zu verlieren: Die (zwangs-) moralische Sozialkontrolle über Partnerwahlen und die Vorstellung vom Glück in der Einehe-Beziehung, die lediglich der Geldakkumumulation und dem Anhäufen von Gütern dient und unter dem Mantel der „Liebe“ verdeckt wird, um diese zu ersticken bis Krebs das Ergebnis sein wird.
Im Ödipuskomplex steckt nicht die Liebe des Jungen zur Mutter, sondern die homosexuelle Neigung eines Freud, der wohl die Mutter als Nebenschauplatz brauchte, wo es doch immer um die Anerkennung um den Vater ging. Hier kann man viel deuten, wenn die eigene Fantasie dazu ausreicht. Man wird aber am allerwenigsten von der Liebe des Jungen (Ödipus) zu seiner Mutter (unbewußt) kommen, vielmehr zum inzestiösen Wunsch des Vaters nach seiner Tochter, wo wahre Vatergefühle durch Sexualverdrängung zu perversen Gelüsten führt. (vgl. Sigmund und Anna Freud miteinander turtelnd.)
Die Ursache ist klar: Die Partnerwahl zur Frau ist nicht mehr befriedigend und war wohl die falsche Wahl, zumindest für einen späteren Zeitpunkt, doch man verbleibt aus sozialen Gründen bei ihr bis das der Tod sie scheide. Und die Frau, die davon zehrt, dass der „Alte“ bei ihr bleibt, als Strafe für seine Wünsche zu anderen, will dass ihr Mann die Zeit mit ihr verbüßen muss und gibt dafür auch noch die Tochter her.
Eine ödipale Bindung entsteht wohl eher zwischen Tochter und Vater, wobei es nicht von der Tochter zunächst ausgeht.

Robert: Ferenczi hat ja schon zu Lebzeiten Freuds die Mutterbedeutung hervorgehoben und später dann Spitz und Winnecott die Mutter-Kind-Bindung. Also es gab immer Korrekturversuche an Freuds Vaterbild, wo der Vater typisch patriarchalisch eine übergroße Bedeutung hat, während heutzutage im Zeitalter des Staatsfeminismus (z.B. finanzierte die CIA die feministische Zeitschrift ‚Ms‘) der Vater und Mann eine marginale, ausgebeutete und versklavte Rolle zugewiesen bekommt.

Dolphin: Für mich gehörte der „Ödipuskomplex“ immer schon zu den abstruseren Fantasiegeburten.
Nie habe ich auch nur entfernt irgendetwas in dieser Art bei mir (oder Bekannten) feststellen müssen.
Ich lese mit großer Zustimmung „Freud war wirklich ein emotional zutiefst gestörter Mann mit den teilweise denkbar abstrusesten Vorstellungen!“.
Gab es aber davor nicht Zustimmung zu einem „libidinöse(n) Grunddrama des Ödipuskomplexes“?
Für überzeugende Aufklärung (ich meine vor allem bzgl. Ödipuskomplex …) bin ich durchaus offen.
Ich wundere mich sehr, wie solche abstrusen Lehren eines zutiefst gestörten Mannes eine solche Aufnahme und Wirkung entfalten konnten/können.
Vergleichbar mit z.B. Lehre und Wirken von Karl Marx.
Auch hier würde ich mich über Aufklärung sehr freuen.

O.: Nun ein Therapeut würde vielleicht fragen „Was hat das mit Ihnen zu tun, dass Sie den Ödipuskomplex, sprich die Liebe zur Mutter und den Hass auf den störenden Vater leugnen müssen?“
Und wenn man sich schon darum Gedanken machen muss, kommt man vielleicht auf sinnvolle Beziehungsmuster und Themen. Das Thema Liebe zum Beispiel oder meine Beziehung zur Mutter und schließlich die zum Vater,das sind alle zentrale und wichtige Themen, die in der Regel emotional besetzt sind.
Würde man umgekehrt an Freud die Frage richten, was keiner wagte aufgrund seiner Authorität, so würde man vielleicht hinterfragen wollen: „Herr Freud, was verdeckt der Ödipuskomplex, die Sohn-Mutter-Analyse? Wie sieht es mit ihrer Liebe zur eigenen Tochter aus? Würden Sie hieraus auch eine Tochterliebe zum Vater machen?“ Freud: „Unbedingt!“ müsste Freud kontern. Ist nicht die Fixierung der Tochter auf den Vater eine der Grundvoraussetzung für die spätere Partnerwahl?
Kinder weden psychisch an ihre Eltern gebunden, erzogen und geprägt. Und dies geschieht libidonös. Reich erklärte das bestens in der „Charakteranaylse“ (Reich 1933, 1945).
_______________________
Die Frage ist wie wörtlich will man den Ödipuskomplex als Motor der Psychodynamik eines Erwachsenen nehmen, dem etwas in der Kindheit unterstellt wird, was im Erwachsenen Schuldgefühle machen soll? Klienten mit unauflösbaren Schuldgefühlen bleiebn länger in Therapie und zahlen besser, sie bleiben abhängige Kinder vom „Vater“, dem Therapeuten.
Die Übertragung leitet sich hieraus ab, sie wird so eingeleitet. Dies erspürt der Therapeut in der Gegenübertragung. Eine Therapeutin wird mehr die Mutterrolle übernehmen.
Die Frage hinter dem Ödipus ist, was ist mit den eigenen Triebwünschen (kindliche Sexualität) geworden, wer hat sie versagt? In der Regel der gleichgeschlechtliche Elternteil – das ist die drohende Kastration des Kindes (psychisch gesehen) und kann bei jedem von uns angenommen werden, weil keiner (außer Reich :)) in der Kindheit seine Sexualität früh ausleben durfte. Stattdessen haben wir unsere Dispositionen zu zwanghaften, hysterischen, masochistischen oder narzisstischen Eigenschaften unseres Charakters (Persönlichkeit) entwickelt.
Unsere Liebe zur Mutter bleibt uns verborgen, so wie in der Mythologie Ödipus nicht wusste, dass er seine Mutter liebte und später seinen Vater töten wird.
Ich hoffe mal ein paar Gedanken hierzu ausgelöst zu haben, warum das was Freud sagte nicht völlig Unsinn ist, wenn es einem natürlich auch irgendwie so scheint. Ich stelle mir aber oft auch dieselbe Frage.

Dolphin: Vielen Dank für die Gedanken!
„die Liebe zur Mutter und den Hass auf den störenden Vater“: Das sind Begriffe/Gedanken/Gefühle der Erwachsenenwelt, die Welt des Kleinkindes ist eine andere (natürlich auch irgendwie erotisch=vom Orgon erfüllt).
Und überhaupt klingt das nach einem furchtbar „primitiven“ und armseligen Gefühlsleben, wenn jemand in solchen Begriffen fühlt (Hass, störend).
Die Liebe des Kindes oder von mir aus auch des Knabens zur Mutter ist eine andere als die spätere Liebe zur Frau.
Es scheint mir unbestreitbar, dass sich die „echte“ Sexualität erst später entwickelt, eben mit der Geschlechtsreife.
Schade, dass Meister Peter sich nicht äußert, meine Frage „wie solche abstrusen Lehren eines zutiefst gestörten Mannes eine solche Aufnahme und Wirkung entfalten konnten/können“ und nach Parallelen mit dem Kommunismus scheint mir doch eine gute und wichtige Frage zu sein.

O.: Bitte, gerne Dolphin!
Die Vorstellung Freuds in Bezug auf den Ödipuskomplex klingt sehr schematisch und abstrakt. Freud geht eben nicht auf die kindliche „Erotik“ ein (Erotik ist ein zu erwachsener Begriff), sondern bleibt in prägenitalen Phasen (oral, anal) stecken.
Das Kind darf gerade seine eigene Libido (Lust) nicht ausleben und fixiert sich auf den versagenden Elternteil, so entsteht erst etwas wie ein „Ödipuskomplex“. Das ist abstrakte Theorie, die zu erklären versucht, was mit dem (Liebes-)Trieb geschieht, wenn er sich nicht ausdrücken darf.
Die Liebe des Knaben bezog sich ursprünglich wohl kaum auf die Mutter, sieht man von der Brust ab, was aber unter notwendige Ernährung zu zählen ist. Freud hat schon die frühsten Verhaltensweisen analysiert und erotisiert. Die kindliche Sexualität hat er hingegen aufgegeben, da er hiermit nur Widerstand bei Kollegen erzeugte. Sobald der Knabe aus der Fütterungsphase heraus ist und sozial tätig wird, beginnt die Liebe primär zu anderen – in diesem Fall kleinen Mädchen. Die Mutter wird nur zum Ersatzobjekt, da sie die (kindlich-) genitalen Strebungen des Sohnes unterbindet.
Und somit nimmt die Katastrophe der psychischen Entwicklung ihren Lauf, die Befriedigungsfähigkeit des Kindes ist für immer zu einer (normal) neurotischen Persönlichkeit gestört.
Literaturempfehlung: W. Reich: „Charakteranalyse“ 1933, 1. Aufl. immer wieder mal lesen, das kann ich nur empfehlen, ich entdecke da immer wieder etwas Neues.
Freud hatte seine eigenen Konflikte und Kämpfe und war auch nicht so frei in seinen Gedanken, zum Schluss war er überangepasst und hatte keine Kraft mehr zu kämpfen. Sein Mundkrebs spricht Bände: Er hat sich oft den Mund verboten und die Kraft fehlte, da das Sexuelle nicht gelebt werden konnte bei ihm – mit dem Ergebnis des Krebses. Reichs Krebsforschung sehe ich als eine Art „Bringschuld“ oder seinem geistigen Vater Freud noch helfen wollend, wenn auch nur noch symbolisch mit dem Buch „Der Krebs“.
Angesichts FREUDS Leistungen – wie verquer man es heute auch beurteilen kann – bleibe auch ich mit ihm nachsichtig, trotz seines teilweise miesen Umgangs gegenüber Reich und anderen Psychoanalytikern.

edmalek 2014: In his early days (i.e., Studies in Hysteria), Freud was a functional thinker in the following ways:
a-He used direct observation of the natural state of his patients instead of following the mechanistic theories of his time (e.g., the „brain“ is the mind)
b-Was able to see discrepancy in his patient’s emotional state between what they said and how they reacted (precursor to Character Analysis).
c-Used words such as „foreign body and parasite“–indication of energy.
d-Was aware of an energetic factor in the buildup of emotions– which when not allowed expression, converted to hysteria.
e-Was able to „guess“ the functionality of the armor segments even though he was unaware of them: neuralgia in throat meant patient had to „keep quiet“ etc.
f-Hysteria did not follow the neurology of organs, but a functional one.
g-was aware that erotic life is most important for human development and did not dismiss this as his contemporaries did.
h-When Freud discovered a “law”, he always sought for the deeper level, never sufficing with the superficial.
He also was aware of symptomatic behavior of his patients (e.g., doubt revenge) that led him to discover resistance and transference.
Generally speaking, had Freud continued in his functional thinking instead of turning to “ego psychology” and nihilism, he would have possibly discovered bioenergetic orgone before his student Reich had the good fortune to.

O. 2012: „Psychologen“ (Psychotherapeuten und die bekannten Ärzte eingeschlossen, die sich mit Psyche beschäftigten) befassen sich mit der physikalischen „Energie“ und umgekehrt befassen sich die Physiker mit der Wirkkraft der „psychischen“ (dynamischen … etc.) Energie. Beide versuche zu beweisen, was nicht ihrer Fachrichtung angehört, den Beweis der Existenz auf dem anderen Gebiete.
Ein Physiker war bereits wesentlich konkreter und räumte mit dem „Placebo-Effekt“ auf, wie er hier benannt ist: „Breger zufolge seien Heilerfolge „zweifellos“ auf den Placebo-Effekt und die persönliche Zuwendung durch den Arzt zurückzuführen.“ (Zitat PN oben)
Breger ist der typische Schwätzer (wenn er solches behauptet hat, auch Stefan Zweig versuchte Mesmer in diese Richtung zu interpretieren, weil eine andere Richtung (wie die von Mesmer oder Reich) nicht gestattet zu sein scheint.
Über den Heilerfolg des Mesmerismus gab es zu seiner Zeit und danach keine Differenz, diese Methode hatte außerordentliche Erfolge. Über die Erklärung jedoch wurde gestritten: Es wurde Mesmer abgesprochen, dass es sich um eine physikalische Energie handeln dürfe, das Agens sollte eine „psychische Kraft“ sein. In diese Richtung ge- und verdrängt, entwickelte sich hieraus der Hypnotismus (Hypnose). Und der sog. Placeboeffekt wurde als mächtige „Wirkkraft ohne Erklärung“ akzeptiert und als Mystikum der Wissenschaft hinzugefügt, an der sich die Psychologie und Medizin messen lassen musste. Es ist falsch anzunehmen, das ein Placebo aus „Nichts“ bestehe, noch ist ihre suggestive Kraft wirkungslos. Der Glaube eines Menschen habe alleine schon eine Wirkung die eine Kraft des Mesmerismus darstellt, aber nicht deren ursprüngliche Kraft ist.
Freud hätte sich mit dem Phänomen hinter der Suggestion von Bernheim und der Hypnose von Charcot befassen können, statt einer „Bioelektrizität“ nachzujagen und in die Psychoanalyse abzudriften. Doch der Weg zum Mesmerismus war durch Meinungen und negative (Vor-)Urteile bereits versperrt. Heute geht es nicht mehr um die Frage, ob es eine physikalische Energie ist, die Mesmer benutzt hat – dies wird verneint, sondern um das Verschwinden der Heilkräfte und deren Methode.
Ebenso geht es in der Orgonomie weniger um dessen Effizienz, was gleichfalls bestritten wurde, sondern um das Verschwinden dieser Technik; und wie wir sehen gelingt dieses bestens – abseits von diesem Blog.

Robert: Wie Herbert Will in Was ist klassische Psychoanalyse?: Ursprünge, Kritik, Zukunft aufführt, ist das, was später als klassische Psychoanalyse bezeichnet wurde, ein Konstrukt der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, das selbst von Eissler u. A. stammt!
Freud selbst war viel flexibler zu seinen Patienten, wie man es bei den Erlebnissenberichten (Blum, Wortis, Kardiner, Blanton, Andreas-Salome, Koellreuter) der Patienten oder Schüler liest.

O.: Freud hat wohl immer wieder noch experimentiert, seine Technik verändert und war auf der Suche, wissend das er die Lösung noch nicht gefunden hatte. Nachfolger können tatsächlich eine „Pest“ sein, ohne das sie überhaupt verstehen warum – eben, weil sie nicht verstehen „warum“.
Sehr schön zu sehen hier, dass Freud empathisch und vernünftig Therapie machen konnte. Letztlich war dieser Einzelfall nach Reichs Thesen gelöst worden, wie es Breuer ihm zuvor auch schon geraten hatte und er es entweder nicht verstand oder zunächst ingnorierte und stattdessen die merkwürdige „Psychoanalyse“ entwickelte. – Merkwürdig aufgrund ihrer inhaltlichen Fantasterei über sexuelle Triebe – Interpretationen über vergangene Bedeutungen.
Nach der Karikatur schläft selbst der Analytiker dabei ein.
Freud hatte sich auch in der Suggestion und Hypnose versucht, sie studiert und scheiterte – auch daraus erwuchs die Psychoanalyse.
Reich studierte diese Seite von Freud nicht. Er war zu sehr von der Pychoanalyse überzeugt und sucht diese (unfähige) Therapie zu bessern – nachzubessern. Breuers Hinweis wird doch noch zum Leitbild: Katharsis – emotionale Erinnerung! Hieraus entstand die Vegetotherapie!
Keine Pulsationsarbeit, wie heutige Jünger es uns glauben machen wollen, auch kein Taoyoga der „energetischen Medizin“ – was nichts mit Reich zu tun hat außer ein Lippenbekenntnis, wie der christliche Glaube zu einem unsichtbaren Gott.
Die Therapieforschung und -geschichte könnte einmal belegen, dass der eingeschlafene Psychoanalyitker besser therapiert als der wach und smart agierende Analytiker.
Der Körperpsychotherapeut der hierüber schmunzeln möchte, sollte wissen, dass die Psychoanalyse bereits weiß, dass sie nicht wirkt und wirken konnte, die Körperpsychotherapie wird diese Erkenntnis erst noch erringen müssen.
Hatte (auch) Reich etwas falsch gemacht? Dies ist die nicht gestellte Frage. Was es von Freud zu lernen gibt, ist, dass Genialität nicht vor Fehlern schützt. Reich hat sich dieses Recht auf Fehler bewußt zugestanden, auch wenn er sich bezüglich seiner Therapie für unfehlbar hielt. Auch die Nachfolger halten ihn in allen seinen Phasen für unffehlbar, für therapeutisch genial. Dies steht auch außer Zweifel, doch darf man deswegen (vor Anbetung) nicht in Schreckstarre verfallen und nur noch Altare für Reich bauen, sondern darf weitergehen, neu forschen.
Reich hat Freud verteidigt, dies war seine Mission. Freuds Mission war es eine neue Theorie und Therapie zu schaffen und Psyche zu definieren. Missionen haben meist nur ein Ziel! Sie sind blind gegen den Prozess und dessen Früchte. Hier liegt der mögliche Fehler der beiden Pioniere.

Robert: „Indes hier ist es an der Zeit, ein Mißverständnis abzuwehren. Ich habe nicht die Absicht zu behaupten, daß die Analyse überhaupt eine Arbeit ohne Abschluß ist. Wie immer man sich theoretisch zu dieser Frage stellen mag, die Beendigung einer Analyse ist, meine ich, eine Angelegenheit der Praxis. Jeder erfahrene Analytiker wird sich an eine Reihe von Fällen erinnern können, in denen er rebus bene gestis vom Patienten dauernden Abschied genommen hat. Weit weniger entfernt sich die Praxis von der Theorie in Fällen der sogenannten Charakteranalyse. Hier wird man nicht leicht ein natürliches Ende voraussehen können, auch wenn man sich von übertriebenen Erwartungen ferne hält und der Analyse keine extremen Aufgaben stellt. Man wird sich nicht zum Ziel setzen, alle menschlichen Eigenarten zugunsten einer schematischen Normalität abzuschleifen oder gar zu fordern, daß der »gründlich Analysierte« keine Leidenschaften verspüren und keine inneren Konflikte entwickeln dürfe. Die Analyse soll die für die Ichfunktionen günstigsten psychologischen Bedingungen herstellen; damit wäre ihre Aufgabe erledigt.“
Wieso „theoretische“ Charakteranalyse? Freud schreibt doch überhaupt nicht davon.

Peter: Siehe bei Freud Anfang Abschnitt VIII:
In therapeutischen ebenso wie in Charakteranalysen wird man auf die Tatsache aufmerksam, daß zwei Themen sich besonders hervortun und dem Analytiker ungewöhnlich viel zu schaffen machen.

Robert: Nochmal: wo steht dort die ‚Theorie‘, da du von „(theoretischen) Charakteranalysen“ schreibst. Soll es die Charakteranalyse nur theoretisch geben und nicht praktisch?

Peter: „In therapeutischen [Analysen] ebenso wie in Charakteranalysen (…).“!

O.: Ist mir peinlich und unverständlich was Freud da über die Wünsche von der Frau (seiner Tochter?) und dem Manne (seine homo. Neigungen?) allgemeinsgültig vom Stapel lässt.
Die Anspielungen auf Reich sind auch wenig erhellend, wenn auch nur reflektierend „über den Anfang und Abschluss einer Therapie“ (natürlich ist die Charakteranalyse gemeint) und auch hier muss man fragen: Wieso kommt noch auf Reich?

Robert: ‚Wieso kommt er noch auf Reich?‘
So schnell konnte er ihn wohl doch nicht vergessen. 1935 bekam er noch einen Appell von Malinowski wegen der Aufenthaltsgenehmigung Reichs und 1939 erwähnt Federn Reich nochmal in „Das psychoanalytische Volksbuch“, außerdem hatte Reich ja noch Anhänger und Schüler in der IPV.

O.: Er nennt Reich nicht (soweit ich es wüßte), aber der hier zitierte Bezug ist auf Reich gemünzt, was mich auch verwundert, dass er überhaupt sich damit auseinandersgesetzt hat.

David: … als wenn man die Frauen bewegen will, ihren Peniswunsch als undurchsetzbar aufzugeben, und wenn man die Männer überzeugen möchte, daß eine passive Einstellung zum Mann nicht immer die Bedeutung einer Kastration hat
Penisneid??
Offenbar gibt es Mädchen, die ab und zu mit dem Penis männlicher Kameraden spielen.
In Heiden bei Rorschach (Schweiz) ist irgendwo der folgende Witz angeschrieben:
Verärgert fragt in der Schule die Lehrerin: wer hat meinen Namen in den Schnee gepinkelt?
Meldet sich in der letzten Reihe Fritz: „Prönzlet han i, aber gschribbe hat mei große Schwester.“
oder so ähnlich.

Robert: Freud hat sich nur indirekt öffentlich zu Reich geäußert, nämlich in Anspielungen. Siehe Hoevels: Wilhelm Reich, S.37f

Orgonomische Spiritualität?

13. Juli 2026

In entsprechenden Aufsätzen wird meistens zweierlei getan: erstens spreizen sich die Autoren narzißtisch, was für außergewöhnliche Seelen sie doch seien, und zweitens versuchen sie das „Geistige“ in die vermeintlich „orgonomische Weltanschauung“ zu integrieren. Uns interessiert nur der ins Auge springende bioenergetische Hintergrund: der Drang nach oben, zum Kopf hin, weg vom Genital, egal welche „großseelischen“ und „sexualpositiven“ Lippenbekenntnisse auch immer dargereicht werden.

Diese, wenn man so will, „Verhirnung“ zeigt sich allein schon in der Obsession mit „weltanschaulichen“ Fragen. Tatsächlich hat Reich keine „Weltanschauung“ vertreten (von denen gibt es wahrhaftig schon genug!), sondern schlicht geforscht, seine Ergebnisse präsentiert und miteinander in einen Zusammenhang gebracht. Es handelt sich definitiv nicht um eine „Philosophie“, die man annehmen, vertreten und verbreiten könnte. Zwar kann man insbesondere Äther, Gott und Teufel so lesen („ein Universum aus einer Art Energiesuppe, in der es zu Verdickungen kommt“ etc.), aber die zentrale Aussage des Buches ist, daß der gepanzerte, d.h. „mechano-mystische“ Mensch nach dem Absoluten sucht, an das er sich festklammern kann, weil er Angst vor Bewegung hat.

Genau hier entlarven sich die Vertreter einer „spirituellen Orgonomie“! Ihre gesamte „Spiritualität“ ist genau das und nichts außerdem: die verzweifelte Suche nach bzw. das ängstliche Festklammern am „Absoluten“ – dem „Geist“. Ihr durchweg anti-orgonomisches Streben ist, wie angedeutet, bioenergetisch schlicht und ergreifend Orgasmusangst und die „Phänomene“, auf die sie verweisen, sind bisher unverstandene Funktionen der Orgonenergie im allgemeinen und Phänomene die zum Funktionsbereich der „koexistierenden Wirkung“ gehören im besonderen. Daß es bei letzteren durchweg um Erscheinungen der orgonotischen Erregung und Anziehung geht, verdrängen sie systematisch, denn genauso wie alles Religiöse mit Hilfe der orgonotischen Pulsation und des energetischen Orgonoms SEXUALÖKONOMISCH erklärt und „genichtet“ werden kann, wird mittels der orgonotischen Erregung und Anziehung auch alles Spirituelle SEXUALÖKONOMISCH dekonstruiert.

Mystik und Spiritualität sind nichts anderes als verzehrte Wahrnehmungen der Bewegung (Pulsation und KRW) und des einheitlichen Funktionierens (Erstrahlung und Anziehung) der kosmischen Orgonenergie – und haben als solche genausowenig etwas in der Orgonomie zu suchen wie, sagen wir, Sadomasochismus, Nationalsozialismus, Tantrismus oder Transvestitentum.

Die Krokodile der Orgonomie

11. Juni 2026

Es sind unreine Geister, Dämonen aus der Hölle, die Reich und die Genitalität nicht ertragen können, aber sich auf perverse Weise doch unwiderstehlich zu Reich hingezogen fühlen. Ihre Kompromißbildung besteht darin, Reich mit sich in die Schlammfluten des Okkultismus zu reißen. Belassen wir die Beschreibung bei fünf Gruppen – es gibt mehr:

1. Spiritisten, die selbst Medien sind, Medien folgen oder gar, etwa durch Rückführung in „Vorleben“, gar „Zwischenleben“ (sic!), ihre „Patienten“ selbst zu Medien machen. Was diese „spirituellen“ Menschen ausgerechnet zu Reich brachte, gehört sicherlich zu den absurdesten Kapiteln in den Annalen der Psychopathologie. Reich hat am Ende der Charakteranalyse ein ganzes Kapitel über diese schizophrenen Geisterseher geschrieben, die das Orgon durch ein ganz bestimmtes Prisma wahrnehmen: die Spaltung von Erregung und Wahrnehmung.

2. Magier im Sinne von Aleister Crowley, die weniger spirituell-ätherisch sind wie die erste Gruppe, d.h. mehr in der pervertierten Sexualität verankert sind. Es sind moderne Alchimisten und Tantriker, die als typische emotionell pestkranke Charaktere, die „Sexualenergien“ zu Machtzwecken kanalisieren wollen. In diese Gruppe fallen auch alle „Satanisten“.

3. Eine erstaunlich große Gruppe bilden die Anhänger von Gurdjieff, einem typischen Okkultbetrüger, auf den nur imgrunde schwache Menschen hereinfallen können. Je wirrer das Gestammel ist, desto mehr Tiefe sehen sie, je absurder die Lügengeschichten, desto faszinierter sind sie, je größer der Gruppenzwang, desto freier fühlen sie sich. Die Massenpsychologie des Faschismus!

4. Noch absurdere Menschen sind jene, die Reich ausgerechnet mit Rudolf Steiner und der Anthroposophie verbinden wollen. Steiner verbindet alle Charakteristika der ersten drei Absurditäten: schizophrener Geisterseher, gemeingefährlicher Okkultist und kompletter Wirrkopf, dem komplette Idioten hinterherlaufen.

5. Apropos Wirrköpfe: Man lese C.G. Jung! Dieser Mann hat kaum einen geraden Satz schreiben können, bei dem man sich nicht fragt, was dieser unsägliche Quatsch eigentlich zu bedeuten hat. Es ist die induzierte Verblödung! Wer Reich und Jung irgendwie miteinander verbinden will… Es macht mich sprachlos! Wie blööööde kann man eigentlich sein?

Ich kann hier unmöglich Beispiele für diese fünf Perversionen des „Reichianismus“ präsentieren, von wegen persönlicher Herabsetzung, übler Nachrede. Man lese doch bitte meine Ausführungen in „Reichianische“ Bücher. Immerhin sind hier wirtschaftliche Interessen betroffen und natürlich das unwiderruflich verlorene Investment einer Lebenszeit, in der sich diese Schweine im Dreck suhlten und sich nun vollkommen mit der okkulten Jauche identifizieren, die ihre Seele bedeckt. Es sind schlichtweg ekelhafte Kreaturen, echte Emotionelle Pest-Charaktere. Krokodile, die im okkulten Schlamm darauf lauern, die Orgonomie mit sich in den stinkenden Dreck zu ziehen.