
Archive for the ‘Psychologie’ Category
Email [Über Theologie] (2004)
4. Februar 2024David Holbrook, M.D.: Über Liebe und Angst
31. Januar 2024Brief an einen Patienten, der in seinem Eheleben Probleme hat
Es ist immer Platz für ein offenes Herz: Brief an meinen Sohn über Leiden und Verletzlichkeit
Unsere Ängste entdecken und ihnen begegnen
Über unsere Ängste lernen
Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 102)
30. Januar 2024[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Es wird immer wieder unternommen Reich ad absurdum zu führen, indem man auf Aldous Huxleys Brave New World verweist und auf neuere Mechanismen der psychologischen Kriegsführung. Statt zu befreien, wie Reich angeblich behauptet habe, würde Sex versklaven. Es wird dann gerne auf Pornosüchtige verwiesen.
Und genau hier fängt das große Mißverständnis an. Es geht um Kontakt, ohne den macht Sex offensichtlich überhaupt keinen Sinn. Wenn Sex zur psychologischen Kriegsführung verwandt wird, geht es ausschließlich um die Herstellung bzw. Verstärkung von Kontaktlosigkeit. Das kennt jeder aus dem Alltag, wenn man plötzlich mit plakativer Obszönität konfrontiert wird. Sie ist dermaßen unangebracht, grotesk „out of place“, daß man sofort den Bezug zur Realität verliert. Heutzutage ist man dem ständig ausgesetzt und fragt sich zunächst entsetzt: „Was soll der Scheiß!?“ – bis man abgestumpft ist, d.h. Kontaktlosigkeit induziert wurde. Besonders effektiv ist das, wenn die Obszönität als „Natürlichkeit“ verkauft wird.
Womit wir es hier zu tun haben, ist sozusagen eine Kombination der beiden Mechanismen, die in Teil 100 (Zusammenbruch des Vegetativen Nervensystems) und Teil 101 (Zusammenbruch des Zentralen Nervensystems) beschrieben wurden. Wenn sowas allen Ernstes Wilhelm Reich zugeschrieben wird bzw. diesem entgegengehalten wird, ist der Kulminationspunkt an Emotioneller Pest erreicht. Das sind die Leute, die sich in ihrer Verehrung für Marquis de Sade kaum einkriegen können, jedoch LaMettries „Wollust-Schriften“ als vernachlässigbare Schäferidyllen abtun, weil sie nur von einem handeln: dem Kontakt zwischen Menschen.
Ähnlich ist ihre Herangehensweise an Max Stirner, der als „Egoist“ abgetan wird, für den die Mitmenschen nur tote Objekte sind. Wie vollkommen absurd diese Interpretation ist, sieht man daran, daß es Stirner um nichts anderes ging, als die „Gespenster“ zu vertreiben, mit denen sich die Menschen identifizieren, statt direkten Kontakt miteinander aufzunehmen und entsprechend „egoistisch“ weit mehr Lust und Befriedigung im direkten Kontakt zu finden als in der „Pornowelt“ der Ideologien und bloßen Worte. Gewisserweise kann ich mir kaum etwas „Konservativeres“ vorstellen als diesen, Stirners Ansatz!
Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 101)
23. Januar 2024[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
In Teil 100 beschrieb ich den Bereich der Emotionen (das orgonotische System, das Vegetative Nervensystem), hier soll es nun um den Bereich des „energetischen Orgonoms“ gehen, das in unserem zentralen Nervensystem sich materiell niederschlägt und um unsere Gehirnaktivität kreist.
Um unser natürliches Empfinden von Recht und Unrecht, d.h. den Kontakt zum bioenergetischen Kern, auszuschalten, wird das Vegetative Nervensystem durch „DeSade-ismus“ überwältigt und ausgeschaltet. Die Entsprechung hinsichtlich des Gehirns, genauer hinsichtlich der Kognitionen, finden wir in der „Absurdität“. Unser rationales Denken wird ausgeschaltet, indem es durch Absurdität zum Kollaps gebracht wird.
„Dadaismus“ ist eines der Hauptmechanismen der Emotionellen Pest und gleichzeitig eine der Abwehrstrategien gegen die Emotionelle Pest. Wir können keine rationalen Schlüsse mehr ziehen und werden Anfällig für Manipulation. Wir verlieren buchstäblich den Boden unter den Füßen, werden konfus und hilflos. Man denke nur all den Genderwahnsinn, den Wahnsinn um „kulturelle Aneignung“ und neuerdings alles, was Linke heute vertreten: früher war das der Bereich von Monthy Phyton – heute ist das die neue Normalität. Früher hätte man über nigerianische Schiffbrüchige im Mittemeer und Transvestiten, die über die Frauenquote in den Bundestag gelangen, herzhaft gelacht. Heute wirst du hart bestraft und deine Existenz ist gefährdet, wenn du darüber lachst!
Hier kommt auch die angeschnittene Doppelgesichtigkeit des „Dadaismus“ zum tragen, denn gegen diesen diabolischen SCHWACHSINN kann man nur noch mit Satire antworten. Ich verweise insbesondere auf den einfach nur göttlichen Medienfuzzi!
Der „Hofnarr“ Friedrichs des Großen, LaMettrie hat den „Dadaismus“ genutzt, um den Fängen der damaligen Zensur zu entkommen und gleichzeitig seine Gegner buchstäblich in den Wahnsinn zu treiben. Man denke etwa an seine Auseinandersetzung mit Albrecht von Haller, dieser Verkörperung einer grotesken Mischung aus der überkommenen Emotionellen Pest (inquisitorisches Christentum) und der damals hochmodernen Emotionellen Pest („vivisektionierende“ Naturwissenschaft).
Entsprechend bestand auch immer bei einigen Kritikern die Unsicherheit, ob Stirners Der Einzige und sein Eigentum wirklich ernstgemeint oder nicht vielmehr eine bloße Satire gewesen sei! Reich mußte sich mit einer Psychoanalyse herumschlagen, die in ihrem willkürlichen Surrealismus (man Denke nur an den schieren Schwachsinn, den Freud in den „Wolfsmann“ hineininterpretiert hat) nicht nur ihre eigenen Grundlagen untergräbt (die Libidotheorie), sondern auch die der gesamten Gesellschaft. Bei den heutigen Grünen scheint beispielsweise die ekelige haßzerfressene Charaktermaske Herbert Marcuses durch.
Richtig betrachtet, steht das LSR-Projekt im Zentrum einer psychologischen Kriegsführung, die seit 6000 Jahren andauert.
Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 100)
21. Januar 2024[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Der Neurotiker folgt einfach der Autorität (den „Maßstäben“, z.B. der päpstlichen Autorität) und handelt, um seine Schuldgefühle zu besänftigen. Der antiautoritäre pestilente Charakter funktioniert grundlegend anders:
Nach De Sade besteht die Heilung von Schuld darin, noch Schlimmeres zu tun, um jedes innere Gefühl (die Schuld) zu ersticken. So erstickt man zum Beispiel nach unehelichem Sex seine Schuldgefühle, indem man Sex mit Kindern hat, Sexualmorde begeht „usw.“ Dies zeigt sehr schön, wie Schuldgefühle unweigerlich das erzeugen, was sie eigentlich verhindern sollen. Ein „DeSade-ist“ zu werden, ist natürlich nicht unvermeidlich, aber es ist eine mögliche Folge von Schuldgefühlen: De Sade war auf seine Art und Weise ein konsequenter Katholik.
Das zeigt sich auch bei Terroristen, die ihre innere Stimme der Menschlichkeit (den bioenergetischen Kern) durch immer schlimmere Greueltaten ersticken, oder jetzt bei Israels exzessivem Vorgehen gegenüber der Hamas, oder einst in der ständigen Eskalation im Zuge des Holocausts. Ich habe das zum Entsetzen meiner Mitschüler und meines Gymnasiallehrers schon vor vielen Jahrzehnten in einem Schulreferat erklärt: daß die SS-Männer, allesamt christlich erzogen, zu Sadisten wurden, um das Schuldgefühl in sich zu ersticken. Das ist auch das Geheimnis des ganzen „Satanismus“ etc., der nur eine perfide Abart des Christentums ist. Ohne Schuldgefühle gäbe es nicht etwa mehr, sondern weniger Böses in der Welt!
Der Neurotiker stoppt die Schuldgefühle, indem er sich sowohl an die soziale Panzerung anpaßt, als auch seine eigene, psychosomatische Panzerung stärkt, während der pestilente Charakter die Schuldgefühle loswird, indem er seine inneren Gefühle abtötet. Er tut dies durch Überstimulation, bis sich das Vegetative Nervensystem sozusagen abschaltet, „die Seele stirbt“, und er entsprechend „frei“ ist. Im Kleinen findet sich das im militärischen Drill und Training: du wirst solange gepiesackt bis du zur willenlosen und „gewissenlosen“ Maschine wirst.
Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 99)
19. Januar 2024[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Hinter dem Über-Ich (Schuld: „die Stimme des Vaters“) steht das Ich-Ideal (Scham: „der Vater als unerreichbares Vorbild“) und dahinter schließlich die eigene Kern-Identität („ich und der Vater sind eins“). Diese Staffelung nicht zu sehen, ist ein „biologische Rechenfehler“. Er erklärt, warum Reich sich nie ganz von „Marx, Freud, Einstein“ emanzipieren konnte. Beispielsweise Nietzsche hat redlich versucht sich von Wagner zu lösen, ist daran aber zerbrochen. Die gesamte Linke kämpft gegen den Vater – zu dem schlimmen Preis, daß sie sich vollkommen vom biologischen Kern gelöst hat.
Bei Reich wäre das alles kein Problem gewesen, wenn:
1. Reich einen vernünftigen Vater gehabt hätte (aber wer hat den schon!) und „Du benimmst Dich wie Dein Vater!“ im größeren Familienkreis nicht als schlimmste Beleidigung galt; oder wenn
2. Reich einen vernünftigen Vaterersatz gefunden hätte. Mir fällt aber kein einziger passender Kandidat ein. „Gott“?
Wenn man sich nicht mit seinem Vater identifizieren kann, geht man, da „kernlos“, emotional und psychisch zugrunde. Identifiziert man sich aber mit ihm, bzw. dem Über-Ich, natürlich erstrecht! Der Ausweg ist das Ich-Ideal. Und genau diesen Weg haben die Menschen instinktiv stets gewählt, man denke nur an die Buddhisten mit ihren Buddha-Statuen, Moslems mit ihrem „in allen Lebenslagen vorbildlichen Menschen“ Mohammed oder die Christen mit Jesus.
Buddha ist die Verkörperung der kompletten Abgeklärtheit („nichts berührt mich“), d.h. die Apologie des Ausweichens vor dem Konflikt (emotionale Kontaktlosigkeit), Mohammed ist die Apologie des sowohl repressiven als auch, was seine eigenen Bedürfnisse anbetrifft, permissiven Vaters (sekundäre Triebe), während Christus den bioenergetischen Kern selbst verkörpert. Die beiden unterschiedlichen Personen Christus und Gottvater sind in ihrer Natur ein und dasselbe.
Sollen wir also Christen werden? Nein! Reich lesen, insbesondere sein Buch Christusmord, um den biologischen Rechenfehler zu durchschauen. Dabei geht es natürlich nicht um „Erlösung“, sondern darum zumindest perspektivisch der Panzerung (dem Über-Ich) ihre Grundlage zu entziehen.
Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 98)
13. Januar 2024[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Reich meinte, daß es die psychoanalytische Bewegung war, die Freud eine Falle stellte, indem sie die Psychoanalyse gesellschaftsfähig machte. Doch heute wird immer deutlicher, daß es Freuds zentrales Motiv von Anfang an war, berühmt und gesellschaftlich akzeptiert zu werden, indem er sich anpaßte („Realitätsprinzip“) und die Triebe unterdrückte, d.h. erst bewußt machte, um sie dann um so effektiver zu unterdrücken („verurteilen“). In dieser Hinsicht war er das komplette Gegenteil von Leuten wie LaMettrie, Stirner und Reich.
Seine anpasserische Geiteshaltung hat Freud auf seine Schüler übertragen. Ich erinnere an einen Brief von Sandor Ferenczi an Freud, wo Ferenzci sagt:
Sie haben mich zum Mann gemacht; jetzt, da Sie (Freud) in mir herrschen, bin ich in der Lage, das Lustprinzip dem Realitätsprinzip unterzuordnen; jetzt bin ich in der Lage, die sinnlose Verschwendung von Affekten besser zu hemmen; ich habe mich mit dem Gedanken versöhnt, krank zu sein und sterben zu müssen; ich hemme die ehrgeizigen [will sagen aufmüpfigen, PN] Tagträume, indem ich sie auf ihre infantilen Wurzeln zurückführe.
Dies ist um so wichtiger, als Ferenczi, wie an anderer Stelle bereits erwähnt, zuvor einige Ansichten geäußert hatte, die durchaus an LaMettrie, Stirner und Reich erinnerten – allerdings ordnete er sich sehr bald Freud unter. Vorher kämpfte Ferenczi gegen das Über-Ich, jetzt kämpft er gegen das Es. Doch trotzdem wurde Ferenczi, der Reich sehr zugetan war, von dem ach so toleranten und rationalen Freud auf pestilente Weise vernichtet.
Freuds Schüler waren alle sehr liberal, besonders Ernest Jones, der Melanie Klein und andere akzeptierte – aber man betrachte, wie Jones auf Reich reagierte! Ihr Liberalismus endet immer an einem bestimmten Punkt. Das Ziel des LSR-Projekts ist es, sich auf diesen Punkt zu konzentrieren, der die Achse unseres Lebens ist und es daher bestimmen sollte. Aber Leute wie Freud, Jones, Klein und andere tun alles, um genau diese Quelle unserer Existenz zu zerstören (um Reich zu paraphrasieren). Sie tun dies auf verdeckte Weise, so daß niemandem dieser Punkt bewußt wird.
Für Freud war die Psychoanalyse eine Art neues Judentum. Was ist „Judentum“? Folgen Sie dem Gesetz (dem Über-Ich), auch wenn es keinen Sinn macht! Das wird dann als „Erwachsensein“ definiert!
Peter der Verschwörungstheoretiker: Arbeitsdemokratie vs. Weltverschwörung
3. Januar 2024Ältere Einträge und Diskussionen im NACHRICHTENBRIEF zeigen einen Peter, der sich Verschwörungstheorien gegenüber sehr skeptisch positionierte und Verschwörungstheoretiker sogar herablassend pathologisierte. Auf deutsch: sie sind mir auf den Sack gegangen! Offensichtlich hat sich in Peters Einschätzung etwas grundsätzlich geändert. Zunächst einmal habe ich mich zu praktisch 100% vom Mainstream abgewendet. Ich höre weder Radio, noch schaue ich Fernsehen und Zeitungen und Zeitschriften, etwa den Spiegel, meide ich wie die Pest. Es ist, als hätte ich eine Sekte verlassen, der ich schon in der Grundschule beigetreten bin, denn nichts anderes ist diese linke Medienblase. Ich hatte den Verschwörungstheoretikern vorgehalten, daß sie in einer durch okulare Panzerung induzierten Wahnwelt lebten, doch tatsächlich war es eher umgekehrt: die Wahnwelt des Mainstream hatte bei mir ein okulare Panzerung (im Sinne von „Scheuklappen“) induziert und all den hirnerweichenden Quatsch glauben lassen, den etwa die Tagesschau verbreitet.
Trotzdem hat sich an meiner grundsätzlich kritischen Haltung gegenüber Verschwörungstheorien und ihren Vertretern nichts geändert. Die glauben nämlich, daß „alles geplant“ sei, es „keine Zufälle gibt“ und alles nach einem Skript abläuft. Eine „okulare“, vom Gehirn, bewußten Intentionen gesteuerte Welt. Entsprechend verheddern sie sich regelmäßig in den Netzen, die sie zwischen Personen und Geschehnissen spannen. Irgendwann paßt wirklich nichts mehr zusammen und nur noch Irre können der Verschwörungstheorie anhängen.
Es ist wie im Krieg: die großartigen Pläne der Feldherren laufen nur solange wie geplant ab, bis der Gegner die Frechheit besitzt zurückzuschießen, Brücken zu sprengen, Scheinangriffe zu lancieren, unerwartete Ressourcen zu aktivieren, etc. Darüber hinaus haben die meisten Verschwörungstheoretiker schlichtweg den Kern der Verschwörung nicht verstanden, obwohl sie selbst ständig darauf verweisen: „Chaosmagie“.
Womit ich ausdrücklich nicht die auf Fiktion und „fantasy“ beruhende „Chaosmagie“ meine, wie sie im Anschluß an Aleister Crowley entwickelt wurde und deren aus einem Fantasy-Roman stammendes Symbol, der „Chaosstern“ mit seinen acht nach außen gerichteten Pfeilen, sich etwa bei Alexander Dugin findet. Auf der wirklichen Chaosmagie beruht sowohl die Kabbala als auch der tibetische Tantrismus: eine neue Welt kann nur aus dem Chaos (dem Tohuwabohu, der essentiellen Leere aller Erscheinungen) erwachsen, der Zerstörung jedweder Form. Am Anfang der Welt war Durcheinander, Wirrwarr und entsprechend kann auch eine neue Welt nur aus dem Tohuwabohu entstehen. Das „antiautoritäre“ Chaos ist der Kern der Verschwörung, so daß darüber hinaus ein wirklich stringenter Plan per se nicht auszumachen ist, vielmehr würde er, wie widersinnig das auch klingen mag, „dem Plan“ widersprechen.
Zunächst einmal ist absolutes Chaos erstaunlicherweise sehr schwer herzustellen. Im nachhinein wird man doch immer irgendeine Regelmäßigkeit finden, beispielsweise weil die sechs Seiten „eines Würfels mit sechs unterschiedlichen Seiten“ niemals exakt gleich sein können. Zufallsgeneratoren greifen mittlerweile auf die kosmische Strahlung zurück, um dem „reinen Zufall“ zumindest nahe zu kommen und selbst das ist zweifelhaft, weil die Himmelsobjekte nicht gleichmäßig verteilt sind.
Wenn absolute Unordnung annäherungsweise hergestellt ist bzw. gerade dann, passieren die wahnwitzigsten Zu-Fälle. Da kennt jeder aus dem Alltag, wenn Ereignisse aus heiterem Himmel so gut zusammenpassen, daß man das nicht hätte besser planen können. Man verläßt sich auf seine Serendipity (um Laskas Lieblingsbegriff zu benutzen). Synchronizität bzw. Serialität ist etwas Reales – und prinzipiell nicht Steuerbares. Das einzige, was man tun kann, ist die sich bietende Gelegenheit beim Schopf zu packen. Eben das ist „Chaosmagie“. Prinzipiell ist das lebenspositiv, denn es zeigt, daß sich spontan immer eine „natürliche Ordnung“ etablieren wird, ganz entsprechend dem Reichschen Diktum, daß das Lebendige immer wieder von neuem die Bedingungen des Lebens aus sich selbst erschaffen wird. Das ist sowohl die Grundlage der Orgasmustheorie als auch der Arbeitsdemokratie. Selbststeuerung und Anarchie ist machbar, Herr Nachbar!
Wie bei allem gibt es auch hier eine lebensnegative, „pestilente“ Wende, nämlich die der Weltverschwörer. Ein Beispiel ist der 7. Oktober in Israel. Es ist zu kurz gegriffen, wenn man frägt, ob die rechtsextreme, von religiösen Spinnern dominierte israelische Regierung den Hamas-Überfall selbst inszeniert hat, um die Palästinenserfrage der Endlösung näher zu bringen. Man vergißt dabei den tiefsitzenden Rassismus, der europäisch-stämmigen Elite Israels, für die Araber kaum mehr als Halbaffen sind, die nichts zuwege bringen und die man deshalb nicht wirklich ernstnehmen muß; die grenzenlose Überschätzung der eigenen Möglichkeiten und denen der amerikanischen Militärtechnik; und nicht zuletzt den antiautoritären Zerfall der israelischen Gesellschaft und damit die Zersetzung aller Standards, auch der militärischen was Führung, Disziplin und Eigenverantwortung betrifft. Mit anderen Worten: das Chaos hat für das Chaos gesorgt und die kabbalistischen Verschwörer sehen ihre Stunde gekommen. „Man braucht nur Gottvertrauen!“ – Ich verweise nochmals auf meine Weihnachtsbotschaft.
Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 96)
2. Januar 2024[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Bei der Lektüre von Bernd Laskas Einleitung zu LaMettries Der Mensch als Maschine fällt auf, daß LaMettrie, ähnlich wie Reich, als geistig gestört abgetan wurde, und daß seine Schriften, ebenfalls ähnlich wie bei Reich, nie inhaltlich diskutiert wurden (S. XIIIf). Ein Kuriosum auf zwei Beinen, dem von den Zeitgenossen eine intensive Aversion entgegengebracht wurde – „der aufklärerischen übrigens mehr als der konservativen“ (S. VIII).
Ursula Jauchs umfangreiches Buch Jenseits der Maschine, das ein Jahrzehnt nach Laskas Ausführungen veröffentlicht wurde, liest sich wie eine Verwischung dieser Fakten. Letztendlich geht es darum, LaMettrie die Rehabilitation des Irrationalen und die „Wiederverzauberung der Welt“ zuzuschreiben und ihn dergestalt zu verharmlosen. Die Taktik ist ähnlich wie beim Umgang mit Reich durch seine falschen Freunde und durch „Reichianer“, die Reich zu gerne zu einem harmlosen „Lebensenergetiker“ a la C.G. Jung machen wollen.
Daß Religion und Ethik gesundheitsschädlich sind und eine wahrhaft demokratische Gesellschaft deshalb nur atheistisch und, man verzeihe den Ausdruck, „anti-ethokratisch“ sein kann, d.h. entsprechend eine wahrhafte Demokratie nur auf einer entsprechenden seelischen (gleich körperlichen) Struktur der Massen aufbauen kann, wird sowohl bei der Rezeption LaMettries als auch der Reichs wohlweislich verdrängt. Beide sind Vertreter einer, um Reichs Begriff zu verwenden, „biologischen Revolution“. Bei beiden dreht sich alles um das diesseitige Lebensglück, um erfüllende Lust, d.h. letztendlich um eine „sexuelle Revolution“ (vgl. S. XIXf).
















