Posts Tagged ‘Kabbala’

Der verdrängte Christus: 25. Der Stier

22. September 2018

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

25. Der Stier

Der verdrängte Christus: 23. Der zweite Jesus

8. September 2018

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23. Der zweite Jesus

Der verdrängte Christus: 7. Die Beschneidung

19. Mai 2018

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

7. Die Beschneidung

Wilhelm Reich und das Judentum (Teil 3)

28. März 2016

Die Griechen, Gnostiker und Christen gingen davon aus, daß das Geistige dem Körperlichen übergeordnet sei, dagegen lehrt die jüdische Kabbala, der hebräischen Bibel folgend, die Ebenbürtigkeit. Der Mensch ist sein Körper! Eines der Wesenszüge der Kabbala ist die Verpflichtung zum Humor und zur Lebensfreude. Das Hauptgebot ist, glücklich zu sein. Die Kabbala kennt weder Askese noch Kasteiung. Sie ist eine weltfreudige Mystik.

In der jüdischen (im Unterschied z.B. zur griechischen) Tradition war niemals die Rede von sexueller Askese (mit den Essenern und den frühen zionistischen Pionieren als einziger Ausnahme). Die Kabbala ist kraß antizölibatär. Der Liebesakt heiligt den Körper. Nur durch die sexuelle Vereinigung ist göttliche Vollkommenheit erlangbar. Erst in der leidenschaftlichen Liebesvereinigung ist der Mensch ganz Mensch: ein Leib und eine Seele. Genauso wie in der Orgonomie im gemeinsamen gleichzeitigen Orgasmus aus zwei Organismen energetisch ein einziges Orgonom wird. Es ist die Quelle aller religiösen Sehnsucht nach Einheit mit „Gott“.

Für die Kabbala ist Sexualität göttlich. Damit ist keine spiritualistische Pseudosexualität gemeint. Auch geht es nicht nur um die Erzeugung von neuem Leben, vielmehr zählt vor allem der reine Lustgewinn. Dies macht die Kabbala einmalig in der mystischen Tradition der Welt (einschließlich dem vom Koitus reservatus geprägten Tantra und Taoismus). Hier ist eine der Quellen für die gemeinste, widerwärtigste Form der antigenitalen Emotionellen Pest: der Antisemitismus.

Leider hat sich Reich vollständig von den spirituellen Traditionen des Judentums ab und der christlichen Tradition zugewandt. Scheinbar war ihm nie bewußt, wie nah doch die Kabbala seinen eignen Ansichten kommt. Und was Reichs Vorliebe für Christus als Verkörperung des Genitalen Charakters betrifft, hat sich die moderne Kabbala ausdrücklich auf den „Rabbi Jesus“ berufen, der von der Last des Gesetzes befreite und sich so von den Priestern abhob, so wie später der Kabbalist vom orthodoxen Talmudisten.

Die Kabbala vertritt eine quasi funktionelle neuplatonische Schöpfungslehre mit Gott als der „Wurzel aller Wurzeln“, die sich durch Emanation stufenweise in „10 Sephiroth“ entfaltet. „Proto-Orgonomen“ wie Bruno und Goethe (die beide das Christentum mehr oder weniger verachteten) haben sich eingehend mit der Kabbala befaßt und sind nicht zuletzt dadurch dem späteren Orgonomischen Funktionalismus sehr nahe gekommen.

Reichs Haupteinfluß, Freud soll, David Bakan zufolge, ebenfalls stark von der Kabbala geprägt worden sein (Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition, Princeton, NJ 1958). Bakan sieht die Psychoanalyse in einer revolutionären, „antigesetzlichen“ kabbalistischen Tradition. Es ist wohl unumstritten, daß er hier einer fixen Idee aufgesessen ist und sich in dieser Hinsicht in haltlosen Spekulationen verfangen hat. Was seine Analyse trotzdem interessant macht, ist die Tatsache, daß Reichs Orgonomie weitaus besser mit Bakans Behauptungen harmoniert als Freuds Psychoanalyse – obwohl natürlich auch Reich in keinster Weise von der „mystischen Tradition“ des Judentums beeinflußt wurde.

Die offensichtlichste Verbindung zwischen Psychoanalyse und Kabbala sei, so Bakan, daß auch die letztere versucht, in einer „Wortanalyse“ hinter die oberflächliche Bedeutung der Wörter zu blicken. Über den großen Kabbalisten Abraham Abulafia (geb. 1240) schreibt Bakan:

Das psychologische Ziel, das Abulafia verfolgte, war, „die Seele zu öffnen, die Knoten, die sie binden, zu lösen.“ Dies beruhte auf der Vorstellung, daß die inneren Kräfte des Menschen infolge seines gewöhnlichen, täglichen Lebens in Anspruch genommen (bound in) werden. In Abulafias Schriften gibt es die Vorstellung, daß diese Knoten darin einen Wert haben, daß sie das Individuum davor bewahren, von den Strömen des Kosmos übermannt zu werden. Wenn jedoch das Individuum Kontakt mit dem göttlichen Strom haben will, ist es notwendig, daß die Knoten gelöst werden. (ebd., S. 76)

Dies überschreitet die Psychoanalyse und verweist auf die Charakteranalyse und Orgontherapie.

Auch durch die ganze Denkmethode weist die Kabbala über die Psychoanalyse hinaus zur funktionellen Charakteranalyse. Bakan erwähnt Abulafias kabbalistische Methode des „Springens“, die stark an den Orgonomischen Funktionalismus gemahnt. Er zitiert dazu den Kabbala-Kenner Scholem:

Tatsächlich ist dies nichts weiter als eine sehr bemerkenswerte Methode, die Assoziation als Meditationsweg zu benutzen. Es ist nicht ganz das „freie Spiel de Assoziierens“, wie es die Psychoanalyse kennt; vielmehr wird der Übergang von einer Assoziation zur anderen von bestimmten Regeln bestimmt (…). Jeder „Sprung“ öffnet eine neue Sphäre, die von bestimmten formalen, nicht materiellen Charakteristiken gekennzeichnet ist. (ebd., S. 77)

Man denkt sofort an das systematische Vorgehen der Charakteranalyse und an das Wechseln von einem Funktionsbereich zum anderen aufgrund funktioneller („formaler“) Identität.

Kabbala und Überlagerung

17. Oktober 2011

Die Kabbala, die jüdische Geheimlehre, soll als „dritte Thora“ genauso wie die erste und zweite Thora (Pentateuch und mündliche Überlieferung) direkt auf Moses zurückgehen.

Kabbalistisch spaltet sich Gott aus der Einheit in die Zweiheit und konstituiert dabei das Haus der Welt, das hinfort von Zweiheiten geprägt ist, die darauf drängen sich wieder zu vereinigen. Dies war auch die Geheimlehre Jesu, wie sie sich in der Bezeichnung manifestiert, die er Gott gab: ABBA. Orgonometrisch ist dies der knappste Ausdruck für die Schöpfungsfunktion: von der Einheit (Alef, der Stier = 1) zur Zweiheit (Beth, das Haus = 2) und von der Zweiheit (B) zu einer neuen Einheit (A). Das ist Abba, unser lieber Vater im Himmel, die Weltformel.

In der Kabbala wurde Magie als Fortführung der Schöpferkraft des Gottes betrachtet, der den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hatte, während das Christentum Magie stets verteufelt hat. Wollte es so seine Ursprünge kaschieren?

In seinem Buch über Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition hat David Bakan den Nachweis bringen wollen, daß Freud die Psychoanalyse aus der Kabbalistik hergeleitet habe (Princeton, NJ 1958). Der Versuch eines solchen Nachweises ist Bakan gründlich mißlungen. Trotzdem kann man, auch wenn sich keine direkte Verbindung nachweisen läßt, von einer Gleichartigkeit von Kabbala und Psychoanalyse (und damit indirekt auch der Orgonomie) schon allein deshalb sprechen, weil beide Systeme praktisch alles mit sexuellen Metaphern darstellen. Alle Symbole erhalten einen sexuellen Inhalt.

In der Orgonomie ist ein Symbol immer das Produkt einer Überlagerung zweier konträrer Elemente, so daß implizit alle Symbole sexueller Natur sein müssen, da für den Menschen „Überlagerung“ in erster Linie Überlagerung von Frau und Mann ist. Man denke nur an das Sinnbild für das Christentum (ein vertikaler Balken durchdringt einen horizontalen) oder für die Judenheit (ein nach unten gerichtetes „weibliches“ Dreieck wird von einem nach oben gerichteten „männlichen“ Dreieck durchdrungen).

Zur derartigen Symbolen siehe auch meine Ausführungen im 1. Abschnitt von Der blaue Faschismus.

Für den nichtmedizinischen Orgonomen John M. Bell ist das Symbol (in der Literatur die Metapher) ein Produkt der Überlagerung von sich scheinbar ausschließenden Elementen:

Die erfolgreiche Metapher (…) ist eine Art energetischer Überlagerung ähnlich der Fusion zweier getrennter Energieströme, die eine neue Einheit oder ein neues System erzeugen. Die Metapher überlebt, wenn sie wahrhaft bedeutungsvoll und genuin funktionell ist, als ein neues Konzept oder eine Idee, die mit Bedeutung, Einsicht und Energie (der Fähigkeit zur Bewegung) gefüllt ist. („Art and Orgonomy – Preliminary Considerations“, Journal of Orgonomy, Nov. 1977)

Zeena Schreck

11. Oktober 2011

Zeena Schreck (Jahrgang 1963) ist die Tochter des Gründers der Church of Satan in San Francisco, Anton LaVey. Sie war das erste Kind, daß im Namen Satans getauft wurde. Tatsächlich war LaVey ein Atheist und seine Kirche (gegründet 1966) ein Geschäftsmodell und Kabarett pur. Seine Satanische Bibel war fast Durchweg ein Plagiat. Noch heute fallen Volldeppen auf diesen Unsinn herein. Als sich immer mehr Neurotiker („Sinnsucher“) und Perverse um ihn scharrten, zog Lavey die Notbremse und machte klar, daß er allein das Sagen habe und das ganze nicht mehr sei als ein Geschäft. (Der Mann war schließlich böse!) Daraufhin kam es zur Abspaltung einer Gruppe, die tatsächlich an Satan bzw. den „Prinzen der Finsternis“ glaubte. Es bildete sich der Temple of Set. Set war der ägyptische Totengott und angeblich die Urform des christlichen Teufels. Ansonsten blieb vieles beim Alten, d.h. LaVeys lächerliche Rituale, von denen einige „Himmler und der SS“ entlehnt waren, wurden weiter praktiziert. LaVeys Tochter Zeena, die Mittlerweile zur „Hohepriesterin“ der „Kirche“ avanciert war, wandte sich schließlich enttäuscht und angewidert ob der Lügen und Betrügereien ihres Vaters von diesem ab und wurde Mitglied des Temple of Set. 2002 trat sie auch dort aus, weil die vertretenen Lehren nicht „authentisch“ seien und einer kritischen Überprüfung nicht standhielten. Aus ihr wurde eine tantrische Buddhistin, deren Ziel es ist zu einem Bodhisattwa zu werden. Gleichzeitig blieb sie Set treu und blieb eine bekennende Sadomasochistin und Hexe. Sie lebt heute in Berlin.

Tatsächlich war der europäische Satanismus (Blavatsky, Crowley und Co.) mit seinen sexualmagischen Praktiken zu einem Gutteil kaum mehr als eine Verballhornung des tibetischen Buddhismus, der mit der Kabbala und der Magie der Renaissance zu einem abartigen Gebräu vermengt wurde. Zentral war dabei der „prolongierte Orgasmus“ bei möglichst „aufgeilendem“ perversen Sex und die Konzentration der magischen Intention während des Orgasmus.

Es ist bemerkenswert wie weit sich dieses Gedankengut in der westlichen Welt verbreitet hat. Ich erinnere nur an Projekte wie „Orgasmen für den Frieden“.

In ihrem Buch über die Sexualmagie Demons of the Flesh, The Complete Guide to Left Hand Path Sex Magic stellen Zeena Schreck und ihr Ehemann Nicolas Jesus als einen Zauberer dar, dem es um „Selbstvergöttlichung“ ging und der dazu Sexualmagie mit Maria Magdalena praktizierte. Als Beleg verweisen sie auf die tatsächlich bemerkenswert weite Verbreitung sexualmagischer Elemente in der christlichen Gnosis. Ich selbst habe auf dieses Element des Christentums wiederholt hingewiesen (siehe Der verdrängte Christus).

Man kann das alles auf Zeena Schrecks interessanter und wirklich lesenswerter Weltseite nachlesen.

Warum ich das alles erwähne? Erstens zeigt es, daß so manche Verdächtigung gegen den tibetischen Buddhismus alles andere als aus der Luft gegriffen ist. Beispielsweise schreibt Zeena unter einem Photo des Dalai Lama: „Mahakala in Disguise“. Mahakala ist er tantrische Gott der Zeit, die männliche Entsprechung der Göttin Kali und in vieler Hinsicht die tibetische Entsprechung von Set. Oder mit anderen Worten: der Dalai Lama ist eine Verkörperung Satans. „Satan“ im Sinne von Mephisto: jene Kraft, die alles Erschaffene („die Welt der Illusionen und Anhaftungen“) zerstören will. Siehe dazu Die Massenpsychologie des Buddhismus.

Entgegen allem äußeren Anschein geht es dem tibetischen Tantrismus nicht weniger um die Vernichtung des Weiblichen als etwa dem Islam. Beispielsweise sind die „Dakinis“, die stets in Flammen gehüllt dargestellt werden, bei lebendigem Leib verbrannte Hexen, die sich, magisch gebannt, dem Buddhismus unterworfen haben. Zeena Schreck selbst ist eine solche Dakini. Ihre Tragik ist, daß sie zwar ihren soziopathischen und frauenverachtenden Vater mit einem Todesfluch belegt hatte, woraufhin dieser elendig verreckt ist, sich nun aber dem Karmapa und dem Dalai Lama unterwirft. Und auch Set steht beispielsweise Allah näher als Zeena Schreck es wahrhaben will. Ein Leben gefangen in einem grandiosen Mißverständnis.

Tatsächlich ist sie so etwas wie „das erste Kind des neuen Äons“, die Verkörperung einer vollkommen andersgearteten Menschheit als wir sie bisher kannten, Homo novis. Bis etwa 1960 hatten wir eine autoritäre Gesellschaft mit „gottgläubigen“ Menschen, wie Reich sie in seinen Schriften beschrieben hat. Seitdem schält sich immer mehr die antiautoritäre Gesellschaft heraus mit „satanistischen“ Menschen, die eine grundsätzlich andere Panzerstruktur haben. Wenn ich mir Zeena Schreck anschaue… – sie hat die gleiche Ausstrahlung wie so viele andere Mädchen und junge Frauen heute. Verkörperungen einer Biologischen Revolution, die hoffnungslos schiefgegangen ist.

Es geht hier nicht darum irgend jemanden zu verurteilen („Sadomasochismus“, „Okkultismus“, „Satanismus, der mit Elementen des Nationalsozialismus kokettiert“, etc.), tatsächlich habe ich einen Heidenrespekt vor Zeena Schreck, sondern um die Trauer angesichts des fatalen Hangs des gepanzerten Menschen zur Selbstzerstörung. Der „neue Mensch“ ist diesem (wenn man so sagen kann) „Todestrieb“ weit mehr verfallen als vorangegangene Generationen.