Zerfaserung, Vernebelung und das Reich der Dämonen (Teil 2)

15. Januar 2026

In seinem Artikel „Orgone Therapy: The Application of Functional Thinking in Medical Practice. Part XVII: The Province of Medical Orgonomy“ (S. 165-174) beschäftigt sich Charles Konia u.a. mit Figuren, die zwar als „Orgontherapeuten“ und „Orgonomen“ auftreten, jedoch nicht die charakterstrukturellen Voraussetzungen dazu nicht mitbringen.

Ein besonderes Problem sind notorische Mystiker:

Mystische Menschen haben (…) einen gewissen Grad des Kernkontakts aufrechterhalten, wenn auch verzerrt (…). Obwohl einige die Orgonomie anfangs annehmen können, bauen sie sie früher oder später in ihr System von mystischen Einstellungen und Verzerrungen ein. Diese Untergruppe, diejenigen, die ihre Mystik nicht aufgeben können, sind häufig in den Tiefen ihrer Struktur psychotisch. (S. 171)

Jeder, der mystischen Lehren anhängt, kann unmöglich Orgontherapeut sein. Reich hat dazu geschrieben: „Ein Ingenieur wird bei seiner Arbeit von seinem Glauben an ein jenseitiges Glück vielleicht nicht gestört, bei einem Sexualökonomen wäre ein derartiger Glaube jedoch eine Katastrophe“ („Work Democracy in Action“, Annals of the Orgone Institute, Vol. 1, 1947, S. 32).

Was zieht dann diese armen Irren ausgerechnet zur Orgonomie? Das, was Reich als „kosmische Sehnsucht“ bezeichnet hat. Reich:

Die mystischen Vorstellungen so vieler Religionen, der Jenseitsglaube, die Lehre von der Seelenwanderung etc. entstammen ausnahmslos der kosmischen Sehnsucht; und die kosmische Sehnsucht ist funktionell in den Ausdrucksbewegungen des Orgasmusreflexes verankert. (Charakteranalyse, KiWi, S. 515)

Was diese unglückselig ver(w)irrten Seelen von uns Normalsterblichen unterscheidet, was sie erleben, hat Reich wie folgt beschrieben:

[Die] Ablösung der Funktion der Selbstwahrnehmung von den organismischen Funktionen kann in einigen Fällen nicht anders erlebt werden als in der Form „Seele verläßt Körper“ oder „Seele befindet sich außerhalb des Körpers“. Da die Wahrnehmung nur geringen und schließlich gar keinen Kontakt mehr mit den bioenergetischen Funktionen hat, die sie subjektiv widerspiegelt, erlebt man auf sehr typische Weise „Selbstentfremdung“ oder „Selbstentrücktheit“. Dementsprechend haben Prozesse wie Projektion, Trance, Depersonalisation, Halluzination usw. eine konkrete Spaltung im bioenergetischen System zur Grundlage. (ebd., S. 572)

Bei allem Mitleid und Verständnis, es wird Zeit diesen wahrscheinlich unheilbar strukturell gestörten Leuten endlich Einhalt zu gebieten.

Zerfaserung, Vernebelung und das Reich der Dämonen (Teil 1)

14. Januar 2026

Heutzutage gilt man allenfalls als Antisemit, wenn man Taten wie Mengele oder Befehle wie Hitler zu verantworten hat oder sie zumindest ausgesprochen rechtfertigt. Ansonsten kann man über die Gefährdung des „Weltfriedens“ durch das klitzekleine Israel (so groß wie Hessen!) oder über den angeblichen „Völkermord“ an den bevölkerungs-explodierenden „Palästinensern“ räsonieren und trotzdem frech behaupten, man wäre kein Antisemit. Entsprechend dürfen „Israelkritiker“ in diesem Land auf keinen Fall als das bezeichnet werden, was sie angesichts derartiger Äußerungen ohne Zweifel sind: Antisemiten vom Schlage eines Julius Steichers!

Wer die einzige Demokratie im Nahen Osten „kritisiert“ (wie es so schön beschönigend heißt), stellt sich außerhalb jedes zivilisierten Diskurses. Wenn man so etwas durchgehen läßt, dann gehen alle Maßstäbe verloren. Israel wird weiter delegitimiert und am Ende steht das, was doch angeblich alle verhindern wollten: ein zweiter und diesmal finaler Holocaust. Der Anfang dieser abschüssigen Straße in den Untergang des jüdischen Volkes ist gemacht, wenn alle darauf bestehen, daß man doch wohl Israel „kritisieren“ dürfe. Wehe jedoch man nimmt sich heraus die Antisemiten zu kritisieren, dann ist plötzlich ein Ende mit der verlangten „Liberalität“. Das Lebendige darf verfolgt werden, doch es darf nicht verteidigt werden!

Überhaupt darf man nichts mehr beim Namen nennen. Wenn ich etwa Präsident Obama als pestilenten Charakter bezeichne, stehe ich als Extremist da, den man nicht ernst nehmen kann. Bei fast allen Lesern scheint die Emotionelle Pest erst bei Adolf Hitler und Josef Stalin anzufangen. Obama habe doch so viel persönlichen Charme, könne Lachen, habe eine glückliche Familie, etc. Nun, Hitler und Stalin konnten auch ausgesprochen charmant sein. Hitler war ein ausgenommen angenehmer Chef, während beispielsweise für Churchill seine Sekretärinnen etwa den gleichen emotionalen Wert hatten wie Zimmerpflanzen, nur daß er die letzteren besser behandelte.

Es geht nicht darum eine Checkliste durchzuarbeiten, um zu ergründen, wer als pestilenter Charakter bezeichnet werden kann und wer nicht, sondern um das Gewichten von Indizien. Die Parallelen zwischen etwa Hitler und Obama sind in dieser Hinsicht einfach unübersehbar und können von keinem ernsthaften Menschen in Abrede gestellt werden.

Natürlich wird dann immer gleich von der „Banalisierung des Bösen“ gesprochen, was doch nur darauf hinausläuft, daß man einen „Hitler“ nur dann erkennen kann, nachdem 50 000 000 Tote zu beklagen sind. Nein, es reichen schon Dinge, wie, daß Obama nie in seinem Leben wirklich gearbeitet hat, daß er eindeutig an einer narzißtischen Persönlichkeitsstörung leidet, daß er wirklich alle seine Wahlkämpfe mit miesen Tricks gewonnen hat, daß seine Politik wie keine zuvor Amerika polarisiert hat, daß er von jeher zum äußersten linken Rand der Democratic Party gehörte, daß er ein Adept von Saul Alinsky ist, Biden als seine Sprechpuppe benutzte, um so weiter zu regieren, etc. Eines der Hauptindizien ist aber eine gewisse Angstfreiheit und „Parasympathikotonie“, die die verängstigten Massen fasziniert: der „coole“ Obama im Gegensatz zum unbeholfenen Bush. Tatsächlich ist die angstfreie „Parasympathikotonie“ nur Schein, denn innerlich sind pestilente Charaktere wie tot.

Das beste Beispiel für solch einen Modju ist der überaus charmante und geradezu charismatische Ted Bundy, ein echter Frauentyp und Traum jeder Schwiegermutter:

Das ganze erinnert mich an meine Lektüre der Protokolle der Ausbildungsseminare mit Elsworth F. Baker. Ein Fall wird vorgestellt, die angehenden Orgontherapeuten sind verwirrt, weil der vorgestellte Patient (wie fast immer) keinem der von Reich und Baker beschriebenen Charakterstrukturen eindeutig zuzuordnen ist und so wird vielleicht eine halbe Stunde hin und her diskutiert, bis Baker auf die funktionell wichtigsten Züge hinweist und entsprechend zu einer eindeutigen Diagnose kommt.

Es geht schlicht darum, daß der gepanzerte Mensch eine Todesangst vor Kontakt hat und sich deshalb nur im Nebeligen und Ungefähren wohl fühlt, wenn es um energetische Phänomene geht. Das läßt sich entsprechend auf jeden Bereich der Orgonomie übertragen. Etwa die Schwärzung von alten Gemäuern: Es sieht nicht nur so aus wie Melanor, es ist Melanor! Die zerfaserte grauschwarze Wolke am Himmel ist tatsächlich eine DOR-Wolke! Das Flimmern vor den Augen ist tatsächlich Orgon! Die „kleinen Dinger“ unter dem Mikroskop sind Bione! Das mit Metall ausgeschlagene Behältnis akkumuliert tatsächlich Orgon! Das schlechte Gefühl ist ORANUR!

Es geht auch darum, daß manchem offensichtlich Charles Konias Blogeinträge zu einfach und „grobschlächtig“ sind. Es ist eine Sache, in gewundenen Sätzen und mit langatmigen Umschreibungen das „Peinliche“ (Schmerzhafte) zu umgehen – oder es direkt und unverblümt auszusprechen. Man denke auch an die Orgontherapie, wo man ellenlang seine ach so komplizierten Gefühle beschreibt und der Therapeut einfach antwortet: „Sie haben Angst!“ Bis man schließlich nach viel Geschwafel endlich erkennt, daß es tatsächlich so einfach, „primitiv“ und eindeutig ist. Wenn es kompliziert wird, ist es die Panzerung, die alles zerhackt. Wenn es nebulös wird, ist insbesondere Augenpanzerung involviert. Der Neurotiker hat eine Todesangst vor Eindeutigkeit. Es ist ihm in jeder Hinsicht, wie es im Deutschen so schön heißt, pein-lich.

Schließlich landen wir bei etwas, was seit der Aufklärung systematisch verdrängt wird: der dämonischen Besessenheit. Wie oben dargestellt, zerfetzt die Panzerung unsere „göttlichen“ Kernimpulse bzw. läßt uns „Gottes Schöpfung“ als eine zerfetzte Kakophonie wahrnehmen. Das bestimmt das groteske Leben der Mechanisten und prägt die mechanistische „Wissenschaft“! Im Bereich der Mystiker führt es zu all dem degoutanten obskurantistischen und „okkulten“ Unsinn. Etwa all die gequirlte Kacke, die C.G. Jung, Rudolf Steiner und Konsorten verbreitet haben. Es erklärt aber auch die Welt aus Engeln und Dämonen, in dem diese Irren leben: die Panzerung erzeugt ein Innenleben, das von wirren Impulsen und „Stimmen“ bestimmt wird, als kämen sie aus einer „anderen Dimension“. Es ist die Panzerung, die dieses „Jenseits“ erzeugt, wie Reich im Schlußkapitel von Charakteranalyse ausführt.

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 27)

13. Januar 2026

Die Behauptung, daß das deutsche Kaiserreich imperialistisch gewesen sei, ist ein schlechter Witz, wenn man Großbritannien, Frankreich und sogar das winzige Belgien und die winzigen Niederlande betrachtet, die über Jahrhunderte hinweg zusammen fast den gesamten Globus auf die infamste und unfairste Weise ausbeuteten, während Deutschland auf einen freien Weltmarkt angewiesen war und unter künstlich überteuerten Importen von Lebensmitteln und Rohstoffen litt.

Was Imperialismus damals wirklich bedeutete, kann man am hier willkürlich herausgegriffenen Beispiel Madagaskar ersehen:

Die ersten diplomatischen Beziehungen zwischen dem deutschen Kaiserreich und dem madagassischen Königreich wurden 1883 in einem Freundschaftsvertrag festgeschrieben. Das Ziel der madagassischen Regierung, Deutschland als Verbündeten gegen die drohende französische Kolonialisierung zu gewinnen, wurde allerdings nicht erreicht.

Auf der Kongo-Konferenz 1885 wurde Madagaskar Frankreich als „Interessengebiet“ zugesprochen. 1896 konnte sich Frankreich gegen den Widerstand vieler Madagassen als Kolonialmacht etablieren. Als Manifestation und Symbol der Machtübernahme wurde noch im gleichen Jahr die letzte Königin (!) von Madagaskar Ranavalona III. abgesetzt; Madagaskar wurde eine französische Kolonie. In dem folgenden halben Jahrhundert beuteten französische Unternehmer Glimmer- und Grafitminen aus und betrieben Kaffee- und Reisplantagen. Die einheimische Bevölkerung wurde durch das Apartheid-ähnliche System des Code de l’indigénat massiv unterdrückt. Zwei nationalistische Rebellionen 1915 und 1929 wurden von Frankreich niedergeschlagen.

Vom abgrundtief verbrecherischen Krimkrieg Englands gegen Rußland Mitte des 19. Jahrhunderts, wo es einzig und allein um die Handelsinteressen der Lords ging, bis zum Giftgas-Massaker der Briten 1919 in Mosul – als die Araber so dumm waren, das Selbstbestimmungsrecht der Völker ernstzunehmen – davon will ich erst gar nicht anfangen. (Der Leser hat übrigens richtig gelesen: GIFTGAS.)

Deutschland war zu Beginn des 20. Jahrhunderts sicherlich die eine Macht, die sich am unteren Ende jedes denkbaren „Emotionelle Pest-Indexes“ bewegte! Man denke nur an die widerliche Propaganda im Ersten Weltkrieg, beispielsweise hier. In Deutschland gab es nichts auch nur annähernd Vergleichbares! Es gab auch keine Ausgangssperre für Neger, jede Nacht zwischen 20.30 Uhr und 8.30 Uhr, wie in dem Hollywood, das einen solchen antideutschen Dreck produzierte – und bis heute ungebrochen produziert.

Gut, man kann es hin und her schieben, wie man will: „Deutschland hat sich auch einiges geleistet!“ Man komme mir aber bitte nicht mit dem von der „DDR“ lancierten Ammenmärchen von den Herero in Deutsch-Südwest! Im Grunde gab es nur einen wirklichen Unhold im Ersten Weltkrieg: die Vereinigten Staaten von Amerika. Die hatten nichts, wirklich rein gar nichts in Europa verloren. Ohne sie wäre es irgendwann 1919 zu einem Waffenstillstand aufgrund vollkommener Erschöpfung der Kriegsparteien gekommen. Deutschland hat nur unter Vorspiegelung falscher Tatsachen durch Präsident Wilson die Waffen niedergelegt im irrigen Glauben, dies wäre sozusagen eine Vorwegnahme des erwähnten „Erschöpfungsfriedens“. Daß Wilson ein pseudoliberaler pestilenter Charakter war, habe ich bereits in Teil 3 angeschnitten. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, haben dann US-Diplomaten dafür gesorgt, daß im Versailler Vertrag Deutschland die alleinige Verantwortung für den Krieg zugeschoben wurde. Damit wollten die USA Frankreich und Belgien beschwichtigen…

Peter Töpfer (Teil 19)

12. Januar 2026

Zu dem Tiefenwahrheit-Abschnitt „Peter Nasselstein repulsiert zwar nicht die Therapie, kommt aber wegen deren reichianischer Ausrichtung zu ernüchterndem Ergebnis“ möchte ich nur sagen, daß die Panzerung nicht nur unser Leben zerstört, sondern es gleichzeitig auch ermöglicht. Es ist wie mit einer wirklichen „Ritterrüstung“: sie macht dich zu einem unbeweglichen, halbblinden hilflos vor sich hin stakenden lächerlichen Ungetüm, rettet dir aber auf dem Schlachtfeld das Leben. Gleichzeitig ist sie, hier bröckelt das Bild, Ausdruck deiner größten Stärke und Deines größten Talents.

Könnten wir die Panzerung einfach so ablegen, würden wir wahrscheinlich sterben oder zumindest wahnsinnig werden. Aus „philosophischer“, meinetwegen auch „postphilosophischer“ Sicht mag dies widersprüchlich klingen, denn die Panzerung bzw. das Über-Ich ist doch das verinnerlichte Fremde. Die Panzerung zu preisen klingt nach Verrat, Verwirrung, „Repulsion“ der Wahrheit. Tatsächlich geht es aber um das Problem der Wahrheits- und Freiheitskrämerei. Beispielsweise kann ich die gesellschaftliche Panzerung in Grund und Boden agitieren, wie dies nun schon seit Jahrzehnten geschieht, und nach immer umfassenderen „Freiheiten“ rufen. Am Ende stehen dann Veganer, Soyboys, Feministinnen, Antispezieisten, Transgender und Genderfluide vor dir, die nur noch Karikaturen des Menschentiers sind. Wir sehen gerade den Zusammenbruch nicht nur der gesellschaftlichen, sondern untrennbar damit verbunden auch der individuellen Panzerung. Was bleibt, ist das Nichts! Wie schrecklich die autoritäre Gesellschaft vor etwa 1960 auch war, es war doch noch immer eine Hochkultur und die Menschen hatten Charakter und Tiefe! Man schaue sich nur die Remakes von Filmklassikern an. Die heutigen Schauspieler und Schauspielerinnen wirken wie Schaufensterpuppen, auswechselbar und hohl. Die Filmschaffenden kriegen nur noch blasse Remakes zustande.

Das bringt mich zum nächsten Abschnitt bei Töpfer: „Laskas ‚rationales Über-Ich‘ als Rationalisierung des Über-Ichs und aus mangelnder Praxis entstandenes Theorem“. Ich muß zugeben, daß ich mit dem Begriff „rationales Über-Ich“ ähnliche Probleme habe wie Herrmann Schmitz in seiner Korrespondenz mit Laska. „Abstrakt“ ist der Begriff kaum zu rechtfertigen. Das entspricht etwa meinem Befremden, als ich das erste Mal Reichs Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, das er in den 1950er Jahren revidiert hatte, in den Händen hielt und mich wunderte, denn ursprünglich war der Titel Der Einbruch der Sexualmoral.

Ganz praktisch und pragmatisch: wir alle müssen uns an Regeln halten, etwa die Straßenverkehrsordnung, und unseren Kindern beibringen, daß sie nicht immer und überall „die Sau rauslassen können“, wie es so schön heißt. Mir reichen in dieser Beziehung schon die lauten und rücksichtslosen Balgen unserer Goldstücke! Mit Stirners Begrifflichkeit könnte man sagen, daß die Freiheit eingeschränkt werden kann und teilweise unbedingt eingeschränkt werden muß, solange nicht die Eigenheit tangiert wird. Man darf niemals und unter keinen Umständen das Selbstwertgefühl und die sexuelle Integrität eines Kindes verletzen. UNTER KEINEN UMSTÄNDEN! Tut man das entsteht jene Niedertracht, Gemeinheit, Rücksichtslosigkeit und jener Sadismus, den wir an den besagten Balgen je ausgeprägter sehen, je älter diese „edlen Wilden“ werden!

Drittens gehört hier auch der Abschnitt „Christian Fernandessens (und La Mettries?) Idee von der ‚tugendhaften Lust‘“ hin. Ein erfülltes Sexualleben erzeugt tugendhafte Menschen und tugendhafte Menschen machen ein erfülltes Sexualleben möglich. Auf mystisch verklärte und realiter ziemlich verlogene Weise drückt das die mittelalterliche Minne aus, die bis heute die westliche Kultur prägt, die weitgehend als einzige überhaupt so etwas wie genitale „romantische“ Liebe kennt.

Töpfer sieht hier wieder nur philosophische Inkonsistenzen.

Ich möchte bei der Gelegenheit noch einmal daran erinnern, was für mich die LSR-Kernidee ist: „L, S und R waren der Meinung, daß der zivilisierte Mensch davon abgebracht wird, er selbst zu sein; dabei hinterläßt die Zivilisierung zerstörte Selbste. Das aber heißt Leid.“ Also selbst wenn es eine „tugendhafte Lust“ oder überhaupt eine Moral gäbe und ich selbstverständlich die Zerstörung des Selbstes auch in Verbindung mit der Zerstörung der Lust bringe, setze ich den Akzent doch ganz anders als Fernandes: die Frage, ob es „tugendhafte Lust“ gibt und worin der Nutzen einer solchen These läge, rangiert überhaupt nicht an erster Stelle. Es gibt wichtigeres. (S. 501)

Wie schon öfter erwähnt, geht es Töpfer gar nicht um das Über-Ich, wie wir mit dem Phämomen Panzerung und dem Zusammenleben in einer gepanzerten Welt fertigwerden, sondern es geht ihm um den „Urschmerz“, die prekäre Existenz des Ichs an sich. Hier sind wir in einem Bereich, der sich mit dem Zusammenbruch der Panzerung in der antiautoritären Gesellschaft auftut, wenn die muskuläre „neurotische“ Panzerung durch die „schizophrene“ Augenpanzerung ersetzt wird. Der schizophrene Charakter wächst von Anfang an in diesem existentiellen Überlebenskampf auf und kann froh sein, wenn ihn zumindest etwas muskuläre Panzerung durchs Leben trägt. Um so wichtiger ist es heute, die Panzerung zu würdigen, das rationale Über-Ich, d.h. eine lebensfördernde Moral und die tugendhafte Lust zu vertreten.

Es ist geradezu tragikomisch, daß Töpfer Nasselstein, Laska und Fernandes vorwirft sich einer konsequenten wirklichen Aufklärung entgegenzustellen, während er selbst mit wehenden Fahnen dem Untergang, dem vermeintlichen Heil, entgegeneilt: radikaler Subjektivismus und „Affekt-tionismus“. So, als würde die gegenwärtige woke Gesellschaft nicht an einem Übermaß an kindischem Subjektivismus und kindischem Emotionalismus leiden. Es gibt kaum noch Erwachsene, die sich an der objektiven Realität orientieren, sondern nur noch infantile Vollidioten mit ihren rein subjektiven „Meinungen“, und es gibt kaum noch Erwachsene, die ihre Emotionen im Griff haben, d.h. ERWACHSEN sind. Das ist ein Hauptgrund dafür, daß unsere Kinder, die bei uns nach Halt suchen, immer neurotischer, wenn nicht psychotischer werden.

Über 180 Seiten schreibt Töpfer gegen drei Thesen von Nasselstein, Laska und Fernandes an:

1. Wir investieren unsere besten Kräfte und unser ganzes Genie sinnlos in der Panzerung, statt es für Liebe, Arbeit und Wissen zu nutzen.

2. Hätten wir die Panzerung nicht, würden wir den notwendigen gesellschaftlichen Regeln weitaus besser folgen können und währen deshalb weitaus tugendhafter als die auf Zwangsmoral („Tugend“) beruhende Gesellschaft.

3. Ohne Panzerung wären wir spontan tugendhaft.

Diese drei Kernthesen kann man „philosophisch“ zerreden, wie Töpfer es tut, d.h. mit Worten spielen und dann behaupten, man stehe für das Authentische. Sei’s drum. Noch grotesker ist, daß Töpfer die Panzerung bzw. das Über-Ich selbst gar nicht angeht, dieses angehen sogar als maschinell denunziert, sondern das Ich stärken will, womit wir wieder am Anfang wären.

Hier eine typische Abschnittsüberschrift: „Laskas Ich-Schwäche treibt ihn zur Negation des irrationalen Über-Ichs der ‚anderen‘ noch weiter in die Pseudosozialität und weg von der Individualität in die philosophische Anthropologie anstatt in die phänomenologische Philosophie. Die philosophische Herangehensweise an Selbstermächtigung läuft jetzt unter ‚ferner liefen‘, ist mit Laskas Mitteln endgültig gescheitert.“

Und der Abschnitt selbst hebt wie folgt an:

Laskas „rationales Über-Ich“ ist das Bellen seines nasselstein’schen inneren Schweinehunds (siehe Kapitel 8.5.2. Peter Nasselstein repulsiert zwar nicht die Therapie, kommt aber wegen deren reich’scher Ausrichtung zu ernüchterndem Ergebnis). Es ist auch nicht gerade „egoistisches Denken“. Wie schlimm es um ihn bestellt ist, wie sehr er im Grunde von Mißtrauen gegenüber der „Selbstregulierung“ und dem „Eigner“ zerfressen ist – ja, daß ihm das alles eigentlich unbekannt ist und er gar nicht egoistisch denken kann –, davon zeugt diese weggelassene und nicht abgesendete Passage aus Laskas im Kapitel 8.5. Selbst bei der philosophischen Herangehensweise zur Eigner-Stärkung kommt es bei großer Ich-Schwäche zu Schwierigkeiten. Laska vorbildlich in der prinzipiellen Herangehensweise – doch trifft dann auf nichts Eigenes. Laskas Überlegungen, sich praktisch einem Verfahren der „Selbstermächtigung“ zu unterziehen zitierten Brief an Prütting: (…) (S. 548)

Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonphysik, d. Kosmische Strahlung

11. Januar 2026

Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonbiophysik, d. Kosmische Strahlung

Brief [über Diderot und LaMettrie] (1999)

10. Januar 2026

Brief [über Diderot und LaMettrie] (1999)

Orgontherapie 2026 (Teil 1)

9. Januar 2026

Ich habe mit mehreren Orgontherapeuten und „Orgonpatienten“ darüber gesprochen: Orgontherapie über eine Videokamera ist möglich. Damit fällt (mal abgesehen von den Finanzen!) jedwede Ausrede weg, sich keiner Orgontherapie lege artis zu unterziehen.

Orgontherapie ist eine Behandlungsmethode für „psychische“ (emotionale), psychiatrische und psychosomatische Erkrankungen, die von den drei Psychiatern Dr. med. Wilhelm Reich (1897-1957), Dr. med. Elsworth F. Baker (1903-1985) und Dr. med. Charles Konia (geb. 1931) entwickelt wurde. (Was die Behandlung mit dem Orgonenergie-Akkumulator betrifft, finden sich hier und hier Erläuterungen.)

Die Orgontherapie läßt sich von der Atmung her vielleicht am besten einordnen. Tatsächlich kann Atmen tödlich sein. Beim „Überventilieren“ können „elektrische Strömungsempfindungen“ und gefährliche tetanische Anfälle auftreten. Sie entstehen aus der kontraktiven Reaktion des Organismus auf die ungewohnte Energiezufuhr. Bei dieser Reaktion kann die zerebrale Blutzufuhr um bis zu 30 % gedrosselt werden. Die Tetanie kann bis zum Tod führen, wenn man die Atmung nicht mehr stoppen kann.

Dem hingegen kann ein ungepanzerter Mensch so viel atmen wie er will und es passiert nichts, außer daß „schmelzende“ lustvolle Strömungsempfindungen auftreten. Die Hyperventilation ist ein biopathisches Phänomen, welches zeigt, wie der Organismus des heutigen Menschen gar nicht mehr an eine vernünftige Sauerstoffversorgung gewöhnt ist. Es handelt sich um einen allgemeinen Kontraktionszustand (Sympathikotonie), von dem die Atemsperre der wichtigste Aspekt ist.

Der Behandlungsmechanismus der Orgontherapie ist der Grundtendenz der mechanistischen Medizin genau entgegengesetzt. Beispielsweise wirken Psychopharmaka, indem sie die Atmung einschränken, damit den Energiepegel senken und so die Angst reduzieren, was ein differenzierteres Gefühlsleben und ein klareres Denken ermöglicht.

Es geht aber auch nicht um das bloße Beseitigen der Hemmungen. Orgontherapie ist mehr als bloße Katharsis. Eine „chaotische Situation“ entsteht, wenn der Therapeut die Krankheitsdynamik des Patienten nicht versteht, bzw. er keine Rücksicht auf den Aufbau der Neurose nimmt. Beispielsweise kann fehlende Panzerung ein weit größeres Problem darstellen als Panzerung. Beim Manisch Depressiven („Bipolaren“) kann sie derartig desorganisiert sein, daß er hin und her geworfen wird, was im Extremfall (also beim Triebhaften Charakter) dazu führt, daß eine Therapie unmöglich ist. Jene Schizophrenen sind am schlimmsten dran, bei denen die Panzerung (außer im Kopfbereich) fehlt.

Ganz allgemein ist der hauptsächliche Fehler, den ein Orgontherapeut begehen kann, eine Fehldiagnose und eine entsprechend falsche Herangehensweise, die eine Behandlung schließlich unmöglich macht. Insbesondere kann es zu einem unheilbaren „ocular hook“ kommen, den manche „Orgontherapeuten“ massenweise in ihren Patienten hervorgerufen haben.

Ein „hook“, bzw. „Haken“, ist Baker zufolge eine Hemmung, die für den Patienten eine derartig konstituierende Bedeutung hat, daß eine Beseitigung schwierig bis unmöglich ist. Um so schlimmer ist ein Haken, der durch einen ärztlichen Kunstfehler entstanden ist, indem zu früh Energien freigesetzt wurden, die den Patienten zu überschwemmen und zu „vernichten“ drohen, weshalb er etwa im Augensegment derartig blockiert, als wäre sein Leben davon abhängig. Und vielleicht hat er dabei sogar recht…

Um derartiges zu vermeiden, sollte stets die Charakteranalyse im Zentrum der Therapie stehen, d.h. das Auflösen erstarrter Verhaltensmuster durch ihr Bewußtmachen.

Charakteranalyse ist die Analyse der Art und Weise des Auftretens des Patienten, die ebenso auf kindliche Erlebnisse zurückgeführt werden kann, wie die Inhalte der Symptome. Im Gegensatz zum einfachen Symptom ist der komplexe Charakterzug gut rationalisiert und wird vom Patienten nicht als Fremdkörper empfunden. Aufgabe des Therapeuten ist es, aus dem Charakterzug einen solchen isolierten Fremdkörper zu machen, um ihn dann wie ein Symptom zu beseitigen.

Zuerst erfolgt Widerstandsdeutung, bevor es zu irgendeiner Sinndeutung kommen kann. Dabei ist mehr auf die Verhaltensweise des Patienten, als auf den Inhalt seiner Äußerungen zu achten, außerdem wird der negativen Übertragung besondere Beachtung geschenkt. Der Therapeut muß wie ein Archäologe Schicht für Schicht in die Vergangenheit vordringen und es vermeiden, durch zu tiefe Deutungen ein Chaos hervorzurufen. Bei dieser Deutungsarbeit hat er immer wieder vom Hauptwiderstand, dem formalen „Charakterwiderstand“ auszugehen, der den Charakter des Patienten definiert.

Der Charakterpanzer ist die Gesamtsumme der typischen („charakteristischen”) Haltungen, die der Patient als Abwehr gegen Angst entwickelt hat. Er führt zur Erstarrung und emotionaler Kontaktlosigkeit und ist mit dem Muskelpanzer funktionell identisch.

Reich schreibt:

Die Verkrampfung der Muskulatur ist die körperliche Seite des Verdrängungsvorganges und die Grundlage seiner dauernden Erhaltung. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 228)

D.h. die Panzerung ist funktionell identisch mit dem Freudschen Unbewußten.

In der „charakteranalytischen Vegetotherapie“, die Reich in den 1930er Jahre entwickelt hat, werden die Emotionen nicht mehr, wie in der klassischen Charakteranalyse, allein durch Bewußtmachen der Charakterwiderstände befreit, sondern gegebenenfalls auch durch direktes Angehen der Muskelpanzerung.

An Anfang der Entwicklung seiner Vegetotherapie mußte Reich zur Behebung von Blockierungen zu Übungen Zuflucht nehmen – ohne großen Erfolg. Das brachte ihn dazu, auf diese künstlichen Maßnahmen zu verzichten und nach den Hemmungen der natürlichen Beweglichkeit zu suchen. Auf diese Weise entwickelte sich die heutige Orgontherapie. Kurioserweise sind „Reichianer“ und „neo-Reichianische“ Quacksalber aufgetreten und haben ihre „bioenergetischen“ „Übungen“ dem Publikum als „Weiterentwicklung“ der Orgontherapie angedient.

Die Einheit von Charakter- und Muskelpanzer, Reichs „biopsychiatrischer“ Ansatz, wird beispielsweise anhand des „Roten Fadens“ deutlich. Im Zusammenhang mit dem Dreischichtenmodell (biologischer Kern, irrationale Mittlere Schicht, soziale Fassade) führt Elsworth F. Baker aus:

Die soziale Fassade enthält einen grundlegenden Charakterzug (manchmal mehrere), mit dessen Hilfe der Betreffende der Umwelt begegnet. Dieser Charakterzug bleibt während der ganzen Therapie bestehen und veranlaßt den Patienten, konsequent in gleicher Weise auf jedes Problem zu reagieren, das ihm begegnet. Er wird zur hauptsächlichen Charakterabwehr. Reich nennt diesen Zug den roten Faden, und man muß ihn erkennen, damit man den Betreffenden verstehen und beurteilen kann. Der grundlegende Charakterzug löst sich niemals auf; er bleibt immer ein integrierender Bestandteil der Persönlichkeit, obwohl er abgewandelt werden kann. Er kann sozial annehmbar sein – Freundlichkeit, Bescheidenheit, Zurückhaltung, Schüchternheit, Korrektheit, Rechtschaffenheit oder sozial unannehmbar – Unehrlichkeit, Verschlagenheit oder Betrügerei. (Der Mensch in der Falle, München 1980, S. 102)

Charles Konia schreibt:

Der Rote Faden kann oft als ein besonderer Charakterzug, etwa Freundlichkeit, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Ernsthaftigkeit, Zurückhaltung, ständiges Drängen, Gehässigkeit, usw. beschrieben werden. Manchmal kann er auch besser als ein bestimmter Menschenschlag oder Beruf charakterisiert werden. Beispiele aus der klinischen Praxis sind „Priester“, „Rabbi“, „Gestapo-Agent“, usw. Alternativ kann er vielleicht besser als bestimmte Persönlichkeit beschrieben werden, wie etwa „Samson”, „Shirley Temple”, „Alice im Wunderland”, „Hitler”, usw. Eine weitere brauchbare Kategorie ist ein besonderes Tier etwa „Schildkröte“, „Bulldoge“, „Maus“, usw. Es ist gleichgültig, wie der Rote Faden beschrieben wird, solange er spezifisch auf den Patienten zutrifft. („Orgone Therapy: Part 15“, The Journal of Orgonomy, 28(2), Fall/Winter 1994)

1937 schrieb Reich:

Der körperliche Gesamtausdruck (des Patienten) ist gewöhnlich in eine Formel zu fassen, die sich früher oder später im Verlauf der charakteranalytischen Behandlung wie von selbst ergibt. Es sind merkwürdigerweise meist Formeln und Bezeichnungen aus dem Tierreiche wie „Fuchs“, „Schwein“, „Schlange“, „Wurm“ u.ä. (Die Funktion des Orgasmus, S. 228)

Was nun die eher widerlichen Wesenszüge betrifft merkt Konia an:

(…) der Rote Faden kann als Ausdruck der wesensmäßigen Stärke des Patienten betrachtet werden. Da jedoch eine Stärke zur Abwehr benutzt wird, kommt es zu einer Übertreibung des normalen Funktionierens. Beispielsweise wird ein von Natur aus aggressiver Mensch auf eine widerwärtige Weise aufdringlich, usw.

Konia weist ausdrücklich darauf hin, daß das Etikettieren von Mensch nach ihrer Charakterstruktur („genital = gut = gesund“ gegen „neurotisch = schlecht = krank“) selbst ausgesprochen neurotisch und sogar pestilent ist (Emotionelle Pest).

Es erinnert an den alten kommunistischen Trick Dissidenten als „schizophren” abzutun. („Cultism in Orgonomy“, The Journal of Orgonomy, 26(1), Spring/Summer 1992)

Peter Töpfer (Teil 18)

8. Januar 2026

In Töpfers Tiefenwahrheit kulminiert das Thema infantile Sexualität und Juden im Kapitel über Freud und warum der seine „Verführungstheorie“ (die Neurotiker waren Opfer von sexuellen Übergriffen in ihrer Kindheit) durch den Ödipus-Komplex ersetzt hat (das Kind begehrt den gegengeschlechtlichen Elternteil). Töpfers These ist, daß Freud auf dem Weg zu einem „Radikalaufklärer“ war, das dann aber aufgegeben habe, weil er damit das Geheimnis des talmudischen Judentums offengelegt hätte, denn dort sei der infantile Kindesmißbrauch weitverbreitet. Oder so ähnlich… – ich konnte Töpfers Ausführungen kaum folgen, weil sie so abgedroschen sind. Mit seinem Freud-Bashing läuft er überall offene Türen ein, während ich, obwohl kein Therapeut, mit geradezu ermüdender Regelmäßigkeit wieder und wieder auf den Ödipus-Komplex gestoßen bin. Man muß blind sein oder mit der Materie nicht in Berührung kommen, um das übersehen zu können. Im übrigen war es Reich, der unter allen Psychoanalytikern sich wohl noch am meisten mit sexuellem Kindesmißbrauch (im Zusammenhang mit seiner Untersuchung des triebhaften Charakters) beschäftigt hat. Aber er ist nie auf den Gedanken verfallen, deshalb die Libidotheorie in Frage zu stellen.

Irgendwann ist mal Schluß. Ich zitiere Töpfer:

Bei weitem nicht so schlimm wie bei Freud, aber dennoch ähnlich verwunderlich ist der „überspitzte jüdische Intellektualismus“,* die Abgehobenheit in reine Theorie noch bei Freuds Schüler Reich in den 1950 Jahren, wobei sich Reich in feinster rabulistischer Art gerade als besonders bodenständig-realistisch geriert: „Das Wort ‚Katze‘ und das besondere orgononotische Plasmasystem, das sich da bewegt, haben in Wirklichkeit nichts miteinander zu tun. Es sind bloß, wie die vielen verschiedenen Bezeichnungen für das Phänomen ‚Katze‘ bezeugen, lockere, beliebig auswechselbare Begriffe, die an reale Erscheinungen, Bewegungen, Emotionen etc. geknüpft werden. Diese Überlegungen klingen nach ‚hoher‘ oder ‚tiefer‘ Naturphilosophie. Der Laie ist der Naturphilosophie abgeneigt und wird daher dieses Buch beiseitelegen, weil es ‚nicht auf dem harten Boden der Realität steht‘.“ – Das klingt nicht nur nach, das ist Naturphilosophie, und zwar von der nichtssagendsten Sorte, und jeder Normale („Laie“) ist dieser gegenüber „abgeneigt“. Daß Reich so etwas absolut Banales – daß das Wort nicht mit der Sache überein stimmt – von sich geben kann, zeugt von seiner Abgelöstheit und Ich-Schwäche. Wenn man eine Katze nicht als lebendiges Wesen fühlen kann, muß man auf solch höhere Gedanken kommen. (Tiefenwahrheit, S. 435)

* Joseph Goebbels, „Tag des Buches“, 10. Mai 1933: https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/268884/tag-des-bu ches-erinnerung-an-die-ns-buecherverbrennungen-vor-85-jahren/

Reich war halt auch nur Jude! – OK, bleiben wir ernst:

Der Psychiater Harrison Pope hat seit Jahrzehnten in Zweifel gezogen, ob man sexuellen Kindesmißbrauch überhaupt verdrängen kann. Alles deutet darauf hin, daß das schlichtweg Unsinn ist, was Freuds ursprüngliche „Verführungstheorie“ die Grundlage entzieht. Erst recht aber natürlich die daran anschließende Theorie von der Verdrängung infantiler sexueller Strebungen. Seit vielen Jahren wird Freud und die Psychoanalyse auf diese Weise grundlegend in Frage gestellt.

Ein von Harrison Pope zusammengestelltes Forschungsteam aus Psychologen und Literaturwissenschaftlern hat vor der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert kein einziges Indiz dafür gefunden, daß es so etwas wie „ins Unbewußte abgeschobene Traumata“ gab. Dazu wurde sowohl die Fach- und Sachliteratur als auch Romane, Erzählungen und Gedichte untersucht. Tatsächlich findet sich eines der frühsten Beispiele erst 1859 in einem Roman von Charles Dickens. Das Verdrängen von Erinnerungen sei, so vermutet Pope, kein biologisch-neuropsychologischer Mechanismus, sondern ein Produkt der modernen westlichen Kultur.

Wie soll man dann Reichs Entdeckung erklären, daß mit Auflösung der Panzerung typischerweise (aber nicht notwendigerweise) verdrängte Erinnerungen ins Bewußtsein treten, die mit der Genese der Panzerung in Zusammenhang stehen?

Beispielsweise könnte man spekulieren, daß seit der Aufklärung des 18. Jahrhunderts die „gesellschaftliche Panzerung“ immer brüchiger wurde, was dann in den entsprechenden „revolutionären“ Theorien, beispielsweise jenen Freuds, zum Ausdruck gekommen ist. Diese These hat Reich ansatzweise bereits 1929 in seinem Aufsatz Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse formuliert. Die Gesellschaft war vor 1800 schlicht zu gepanzert, als daß der Verdrängungs-Mechanismus hätte erfaßt werden können.

Ohnehin ging es Reich primär um die Verdrängung im Zusammenhang von Gefühlen.

James Gross (Stanford University, California) und Jane Richards (University of Texas, Austin) zeigten anhand von 57 Freiwilligen, denen ein aufregender Film über eine OP vorgeführt wurde, daß sich diejenigen am besten erinnern, die während eines besonderen Erlebnisses mit ihren Gefühlen dabei sind und sie nicht unterdrücken.

Aus Sicht der Orgonomie kann man davon ausgehen, daß bei den „Gefühllosen“ die Bilder zurückkehren, wenn sich der Krampf löst, der die Gefühle zurückhält.

Doch wirklich überzeugend sind diese Argumente kaum. In einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung von 2007 hieß es beispielsweise:

Tatsächlich gibt es für die Theorie der Verdrängung keine stichhaltigen Belege. So müßte Freud zufolge das Ausmaß des Vergessens bei jenen Menschen besonders groß sein, die Schlimmes erlebt haben und deshalb gewillt sind, das Erlebte aus ihrem Gedächtnis zu tilgen. Das Gegenteil ist der Fall: Sogar jene Erwachsene, die in ihrer Kindheit sexuell mißbraucht wurden, können sich gedanklich nicht von den Inhalten lösen, die an das Trauma erinnern (Behaviour Research and Therapy, Bd. 44, S. 1129, 006). Das Problem ist nicht das Verdrängen, sondern das Nicht-Verdrängen-Können.

Aus eigener Erfahrung mit der Orgontherapie kann ich sagen, daß es gar nicht um die Erinnerung per se geht, sondern um Einsichten hinsichtlich der eigenen Entwicklung. Ob und an welche „Geschichten“ (angebliche „Erinnerungen“) diese sich festmachen, bzw. sozusagen „illustriert werden“, ist sekundär. Ob diese „Erinnerungen“ irgendeiner Realität entsprechen ist gleichgültig, solange mit ihrer Hilfe, die entscheidende therapeutisch wirksame Einsicht vermittelt wird.

Dies wird wohl auch die Grundlage der ja zweifellos vorhandenen Heilungserfolge durch das Freudsche „Bewußtmachen des Verdrängten“ sein. Es geht um die Veränderung stereotyper Sicht-, Denk- und Verhaltensweisen. Es geht um das Wegbrechen von okularer Panzerung durch Gespräche, die zu neuen „Einsichten“ führen. Die „Erinnerungen“, die dabei aus der „Verdrängung“ auftauchen, sind nur eine mehr oder weniger poetische Einkleidung der bioenergetischen Veränderungen im Körper. Sie ähneln darin den Träumen.

Das Tragische bei der ganzen Angelegenheit ist, daß durch den „Freudianischen“ Kult unzählige Leben kaputtgemacht worden sind. All die Familien, die zerstört wurden, weil sich jemand in der Therapie urplötzlich an sexuellen Mißbrauch „erinnert“ hat. Aufgrund dieses Schwachsinns sind vollkommen unschuldige Menschen für viele Jahre ins Gefängnis gewandert!

Es stimmt, daß in seiner Arbeit in der psychoanalytischen Ambulanz für die Armen Reich einer der ersten Psychoanalytiker war, der die Wahrhaftigkeit des sexuellen Kindesmißbrauchs bestätigte. Man siehe die beiden letzten Kapitel von Frühe Schriften und seinen Aufsatz „Eltern als Erzieher“ (Zeitschrift für Psychoanalytische Pädagogik, 1926 und 1927). Aber trotzdem hat er sich stets die Freudsche Vorstellung verteidigt, daß Kinder sexuelle Wesen sind, die an ihren Eltern sexuelles Interesse zeigen (solange man ihnen kein kindsgerechtes Sexualleben mit Gleichaltrigen ermöglicht). Und was angebliche Erinnerungen an sexuellen Mißbrauch betrifft, verweise auf Reichs Charakteranalyse, wo er sich vehement gegen die Ansicht wendet, der Therapeut ginge in die Zeit zurück, als ob unser Geist wie eine Diskette funktioniere, auf der etwas unveränderlich und abrufbereit gebrannt ist. Es ist alles Panzerung im Hier und Jetzt.

Wenn bestimmte Körperregionen entpanzert werden, scheint so etwas wie ein „plasmatisches Gedächtnis“ aktiviert zu werden. Erinnerungen an die Geburt oder gar das intrauterine Leben bedeuten nicht, daß es damals bereits ein „Ich“ gab, das sich nun erinnert (die besagte „Diskette“). Nicht mein „Ich“, sondern mein Selbst, d.h. mein Körper war dabei, als ich geboren wurde. Es ist naiv zu glauben, damals wäre etwas abgespeichert worden, was sich später wieder abrufen läßt. Erinnerungen sind, streng orgonomisch betrachtet, nur eine aktuelle Folgeerscheinung der Art, wie in der Vergangenheit sich die bioenergetische und physische Grundlage des aktuellen Ich formierte. Die Erinnerungen sind in der Muskelpanzerung eingeschlossen, weshalb es Sinn macht, wenn sich „ungepanzerte“ Schizophrene verhältnismäßig gut erinnern, diese Gabe aber verlorengeht, wenn sie sich im Verlauf der Therapie abpanzern.

Als Medizinstudent wurde Reich von Richard Semon (1959-1918) beeinflußt, nach dem Sinneseindrücke zu permanenten Veränderungen in den Nerven führen. Diese Engramme (Spuren) ermöglichen nach Semon die Assoziation und Erinnerung und sie gehen ins Erbgut ein. Alle Engramme zusammen bilden die Mneme, d.h. das biologische Gedächtnis. Später glaubte Reich im Anschluß an Freud, daß der „Wiederholungszwang“, Lust immer wieder erfahren zu wollen, „ein wesentliches Stück des Problems des Gedächtnisses ausmachen (dürfte)“ (Charakteranalyse, Fischer TB, S. 288). Schließlich, 1950, mußte er nach dem Gedächtnis gefragt jedoch kleinmütig einräumen: „Ich muß ehrlich zugeben, daß ich nichts darüber weiß“ („Processes of Integration in the Newborn and the Schizophrenic”, Orgonomic Functionalism, Vol. 6, 1996, S. 63).

Charles Konia geht davon aus, daß die Wahrnehmungsfunktion entsteht, wenn sich die organismische Orgonenergie vom kosmischen Orgonenergie-Ozean mittels einer Membran trennt. Die „Innenwelt“ nimmt Kontakt mit der „Außenwelt“ auf, wobei sich die Wahrnehmung (und die mit ihr verbundene Erregung) bionartig in subzellularen Gebilden organisiert, die Zentren „plasmatischer ‚Erinnerung’“ bilden. Das Protoplasma kann sich dann auf der einen Seite zu Genen organisieren (DNA), auf der anderen Seite zum Gehirn (Nervenzellen) („The Perceptual Function“, Journal of Orgonomy, 18(1), 1984, S. 80-98), primär ist jedoch das „plasmatische Gedächtnis“.

Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonbiophysik, c. Die Entdeckung des Orgons

7. Januar 2026

Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonbiophysik, c. Die Entdeckung des Orgons

Ankündigung von Reichs Vortrag „Sozialpolitik und Kulturrevolution“

6. Januar 2026

In der Roten Fahne* der KPÖ war folgende Ankündigung zu finden:

Sozialpolitik und Kulturrevolution

Zum Vortrag des Gen. Dr. Wilhelm Reich am Sonntag, den 3. Jänner.

Die Herrschaft der bürgerlich-kapitalistischen Klasse über die Arbeiterschaft wird so lange als möglich durch ideologische Beeinflußung gestützt, die zeitweise sogar wichtiger erscheint, als die Gewalt des bewaffneten Staatsapparates. Jahrhundertelang sehen wir, wie Kirche, Literatur, Kunst und Wissenschaft in den Dienst der herrschenden Klasse gestellt werden, um bei den unterdrückten und ausgebeuteten Massen Unterwerfung, Angst, das Gefühl der Machtlosigkeit zu erzeugen.

Mit steigender Radikalisierung der Arbeiter-und Bauernschaft, wenn das Klassenbewußtsein sich andauernd verstärkt, tritt daher nicht bloß eine Verschärfung der bewaffneten Gewalt ein (Steigerung des Budgets für Heer, Polizei, Gendarmerie, Aktivität der Gummiknüttel, grundlose und willkürliche Verhaftungen und lang dauernde Untersuchungshaft, während fette, reiche Hochverräter nach kurzer bequemer Scheinhaft entlassen werden, brutale Behandlung der Proletarier usw.), sondern auch eine Verschärfung der Kulturreaktion zeigt sich auf allen Gebieten.

Weil man die Freidenkerbewegung (allerdings in zahmen, sozialdemokratischen Formen) jahrelang toleriert hat, werden jetzt revolutionäre Spieltruppen verhaftet, weil sie sogenannte Gottlosenszenen aufführen. Proletarische Literatur und Zeitungen werden in großem Maße beschlagnahmt. Und auch in den Fragen der Sexualpolitik – diese ist eines der wunderbarsten Mittel, um vor allem die Frauen des Proletariats und durch sie auch die Männer in Angst und Abhängigkeit zu erhalten – zeigen sich verschärfte Maßnahmen gegen die Aufklärung, gegen die Abschaffung des Paragraph 144 usw.

In Deutschland, wo die gewaltige, revolutionäre Arbeiterbewegung die Kulturreaktion bekämpft, sind in den letzten Jahren zahlreiche Organisationen im Kampf gegen die Kulturreaktion entstanden. Genosse Dr. Wilhelm Reich, der sich im letzten Jahre in Deutschland aufgehalten hat, hält nun zu diesem Thema einen Vortrag am 3. Jänner 1932, in Dreher Saal, Wien, 3. Bez., Landstraßer Hauptstraße 97.

Im Zusammenhange mit den gestellten Problemen wird Gen. Dr. Wilhelm Reich auch über die Sexualfrage der Arbeiterklasse sprechen.

* Quelle: Die Rote Fahne, Zentralorgan der Kommunistischen Partei Oesterreichs, Wien, Samstag, 2. Jänner 1932, Seite 4

„Gummiknüttel“: altes Wort für Gummiknüppel

„revolutionäre Spieltruppen“: siehe https://www.akweb.de/gesellschaft/agutprop-kpd-kunst-bretter-die-die-revolution-bedeuten/

„gegen die Abschaffung des Paragraph 144“: bezieht auf den Abtreibungsparagraphen (Fassung bis 1974), der lautet: „§144. Eine Frauenperson, welche absichtlich was immer für eine Handlung unternimmt, wodurch die Abtreibung ihrer Leibesfrucht verursacht, oder ihre Entbindung auf solche Art, daß das Kind tot zur Welt kommt, bewirkt wird, macht sich eines Verbrechens schuldig.“

Dreher Saal: https://www.dasrotewien.at/seite/drehers-etablissement

Gastbeitrag von Robert Hase